Test: TC Electronic Flashback 2 Delay, Gitarrenpedal

1. August 2017

Update des Bestsellers


Gäbe es eine ISO-Norm für Echopedale auf unseren Pedalboards – das TC Flashback wäre sicherlich ganz vorne auf der Liste zu finden. Schon lange punktet die Flashback-Baureihe mit ihrer guten Qualität in Sachen Sound und Hardware, darüber hinaus bieten diverse Varianten dieses überaus beliebten Delaypedals vom günstigen Einsteigermodell bis zur Luxusvariante eine für jede Käuferschicht passende Auswahl. Doch Gutes kann man ja immer noch verbessern, oder? Genau, und deshalb legen die Dänen nun nach und präsentieren mit dem TC Electronic Flashback 2 Delay einen Nachfolger, der nicht nur neue bzw. verbesserte Sounds besitzen soll, sondern auch über die neue, TC-eigene „MASH-Technologie“ verfügt.

Facts & Features

Auf den ersten Blick wirkt das Äußere des TC Electronic Flashback 2 Delay nahezu identisch zum Vorgänger. Erst bei genauerem Betrachten fallen einige Änderungen auf, allem voran der nun größere Metallschalter, der nicht nur zur Aktivierung des Pedals dient, sondern auch Modulationen in jedem einzelnen Preset bewirken kann. Im Schalter wurde ein druckempfindlicher Sensor eingebaut und je nachdem, wie stark man nun mit dem Fuß drauf tritt, werden diese zusätzlichen Sounds ausgelöst. Was der Schalter in welchem der Onboard-Presets auslöst, lässt sich an der folgenden Grafik ablesen.

Die Intensität des MASH-Effekts wird optisch durch eine orangefarbene LED dargestellt, die sich direkt neben dem Tap-Divide Minischalter befindet. Die rhythmischen Unterteilungen der Echos sind übrigens gleich geblieben, nach wie vor wählt der Schalter aus Vierteln, punktierten Achteln und dem Mix aus beiden. Über den TonePrint Editor sind natürlich weitere Optionen möglich, der USB-Anschluss sitzt immer noch an seiner Stelle an der Stirnseite und wartet auf das Anschließen an einen Computer.

Eine weitere Neuerung findet sich auch bei der Auswahl der Algorithmen, die nicht nur komplett überarbeitet wurden, sondern auch ein paar Neuzugänge feiern. Zudem verfügt das neue TC Electronic Flashback 2 Delay nun über drei TonePrint Slots, dafür mussten zwei Programmplätze weichen. Das ist aber gar nicht schlimm, denn wer auf die Sounds der verlorenen Programme steht, kann sie sich mithilfe des Editors ja wieder reinladen. So aber schafft das Platz für neue, individuellere Setups.

Bliebe an der Hardware noch die Tap-Funktion zu erwähnen, die ein Synchronisieren der Verzögerungszeit nun mithilfe der Stereo-In-Buchse ermöglicht. Dort kann ein Schalter angeschlossen werden, folglich ist es dann aber nicht mehr möglich, das Flashback 2 Delay mit einem Stereosignal zu füttern. Weiterhin kann auch der integrierte Looper über diese Buchse mit einem Schalter gestoppt werden, obwohl der MASH-Schalter seinen Job schon sehr gut verrichtet und auch im Loop-Modus mit sauberen Schaltvorgängen überzeugt.

Die Presets des neuen TC Electronic Flashback 2 Delay

Die Presets werden nach wie vor mittels des knackig einrastenden Programmwahlschalters ausgewählt. Zur Verfügung steht eine solide Grundversorgung an Echos, plus dem neuen „Crystal Delay“, dessen Wiederholungen mit dem Octaversound des hauseigenen Sub ’n‘ Up  verschmolzen wurden. Die Presets im Einzelnen:

  • 2290 – Der Algorithmus des TC 2290 Dynamic Digital Delay. Das Gerät, das der kompletten TC Flashback-Familie als Vorbild dient und nun schon mehr als 30 Jahre auf dem Buckel hat.
  • ANALOG – die Nachbildung eines klassischen BBD-Echos.
  • TAPE – Emulation eines Bandschleifenechos.
  • DYNAMIC – einer der beliebtesten Sounds innerhalb des legendären TC 2290. Die Intensität der Echos wird in Spielpausen angehoben und während des Spielens abgesenkt. So ist es möglich, trotz weit aufgeregeltem Effekt ein sauberes Signal zu erzielen.
  • MODULATED – ein Echo mit Modulationen bestehend aus drei verschiedenen Choruspedalen – so beschreibt es der Hersteller.
  • CRYSTALS – in diesem neuen Preset wird jeder Wiederholung ein Oktavereffekt hinzugefügt, ich erwähnte es bereits weiter vorne.
  • REVERSE – das klassische „Rückwärtsecho“.
  • LOOPER – der Looper erlaubt eine Aufnahmezeit von 20 Sekunden in stereo oder aber 40 Sekunden mono, unabhängig davon, wie viele Overdubs eingespielt werden.
  • TonePrint Slots – drei an der Zahl, also zwei mehr, als beim Vorgängermodell.

TC Electronic Flashback 2 Delay Gitarrenpedal

Nach der Auswahl des gewünschten Presets findet die weitere Bearbeitung bis zum finalen Sound mit den übrigen drei Potis statt, die die typischen Funktionen eines Echopedals übernehmen und nicht zu weich auf ihren Achsen laufen. Überhaupt ist die Hardwarequalität insgesamt sehr ordentlich ausgefallen, der eine oder andere unter uns befürchtete ja schon Schlimmeres nach der Übernahme von TC durch die Behringer Music Group. Doch die Sorge ist vollkommen unbegründet, denn auch die Hardware des TC Electronic Flashback 2 Delay ist sehr robust ausgefallen, da steht es dem Vorgänger in nichts nach. Was uns nun ohne Umschweife zum Soundcheck bringt.

In der Praxis mit dem TC Electronic Flashback 2 Delay!

Erfreulich bedeckt hält sich das Flashback 2 in puncto Nebengeräusche, hier steht der Neuling seinem Vorgänger in nichts nach. Ebenso wie die grundsätzlich gute Qualität des Effektsignals, denn für ein Delaypedal dieser Preisklasse klingt das schon recht ordentlich aus dem Speaker. Fangen wir an mit den Klangbeispielen, aufgenommen wurden die Audiodateien mit folgendem Set-up: Orange Micro Dark Verstärker, in dessen Effektweg das Flashback 2 eingeschleift wurde, H&K GL112 Box mit 1×12″ Celestion Vintage 30 Speaker, ein AKG C3000 Mikrofon zur Abnahme und eine Music Man Silhouette zum Einspielen.

Beginnen wir mit dem Preset 2290, sozusagen die Basis der Sounds der Flashback-Familie. Die Verzögerungszeit liegt bei rund 500 ms, das Verhältnis Wet/Dry wurde, wie bei allen Klangbeispielen, im Verhältnis 50:50 eingepegelt.

Wie man hören kann, ist die Signalqualität zwar nicht aus der Oberklasse, dafür aber erwartet uns der solide Klang eines digitalen Echos, dessen Wiederholungen sauber artikuliert wiedergegeben werden.

In Klangbeispiel 2 jetzt das Preset ANA. Die Verzögerungszeit wurde hier auf rund 400 ms verkürzt, zusätzlich wurde die rhythmische Unterteilung auf Viertel und punktierte Achtel ausgewählt.

Ebenfalls durchaus brauchbar, auch wenn man sagen muss, dass die Wiederholungen hier schon sehr stark an Höhen und somit an Durchsetzungskraft verlieren. Nun ja, wir haben es hier nun mal nicht mit einem Pedal aus der Liga von Strymon oder Eventide zu tun. Die sind aber auch dreimal so teuer.

Ähnlich verhält es sich mit dem nächsten Preset, Tape. Die ersten Wiederholungen klingen noch recht ordentlich, danach aber doch recht „aufgesetzt“.

— Der Urvater der Flashback-Familie: TC Electronic 2290, präsentiert im Jahr 1986 —

Klangbeispiel 4 zeigt das Preset DYN, eines der beliebtesten und am meisten verwendeten Sounds des Vorbilds TC 2290. Tatsächlich wirkt das Klangbild trotz hohem Effektpegel aufgeräumter, da sich die Echos in den Spielpausen deutlich zurücknehmen.

In Klangbeispiel 5 der Sound des Presets MOD. „Eiern“ tut es schon ganz gut, aber auch hier dürften die Wiederholungen insgesamt etwas aufgeräumter wirken. Vielleicht sind drei hintereinander geschaltete Choruspedale, so die Ansage des Herstellers, wohl doch eins zu viel?

Das Beste zum Schluss oder besser gesagt: der neueste Sound zum Schluss. Das Preset CRYS erweitert die Echos um einen Octaver-Effekt. Und das macht es recht gut, zumindest dann, wenn man es mit den Wiederholungen nicht zu arg übertreibt. Bei zu vielen Echos kann das Bild nämlich ansonsten schnell in einem undifferenzierten und matschigen Klangbild enden. Dennoch ist dieser Sound ein Zugewinn für die Presets innerhalb des TC Electronic Flashback 2 Delay und lädt zum kreativen Experimentieren ein.

Und MASH?

MASH funktioniert erstaunlich gut! Zuerst hatte ich ja Bedenken – kann ein einzelner Schalter so viele Aufgaben übernehmen? Immerhin muss er ja den Effekt anschalten, den Looper sauber starten und Stoppen und nun auch noch auf Druck regieren? Ja, er kann das alles! Zusammen mit der LED zur optischen Überwachung ist der Effekt, den MASH dem Signal zufügt, sehr gut dosierbar und jederzeit kontrollierbar.

Fazit

Das neue Flashback Delay 2 ist nach wie vor ein solides, günstiges und gut klingendes Echopedal, das der Hersteller TC mit ein paar sinnvollen Features und neuen Sounds aufgepeppt hat. Studioqualität sollte man nicht erwarten, damit konnte auch der Vorgänger nicht dienen. Für den Einsatz mit Gitarre allerdings dürfte das neue TC Electronic Flashback 2 Delay viele Musiker zufriedenstellen, von daher ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für das Gebotene als gut zu bezeichnen.

Plus

  • guter Klang
  • robuste Konstruktion
  • zwei TonePrint Slots mehr als der Vorgänger
  • Tap-Tempo-Funktion
  • MASH-Technologie gut einsetzbar

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 186,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    network-909  

    Super Test, nur die Anspielungen auf Behringer sind etwas unfair. Audi und Porsche sind dann also im Grunde auch nur VWs? Behringer als Synonym für schlechte Qualität zu verwenden ist darüber hinaus auch nicht mehr ganz zeitgemäß. An Produkten wie X32 oder Deepmind ist nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Wer glaubt, Behringer würde jetzt die DSP-Algorithmen bei TC austauchen, ist dezent auf dem Holzweg… Dann sollte man mal den Direktvergleich machen, HOF1 vs HOF2 und Flashback1 vs. Flashback2…

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      Mick  AHU

      Nun ja, das neue HOF kommt auch nicht besser weg, und das ist/war ja nun mal das Highlight der TC Stompboxen. Aber viel schlimmer sind die Erstlinge von dieser „Ehe“ zwischen TC und Behringer:
      Diese 50,-€ Rauschgeneratoren ala Skysurfer und the Prophet, etc.! (wurden auch hier getestet). Leider war das Credo bei Amazon: „rauschen zwar, aber dafür billig!“…das mag ich gar nicht!

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        network-909  

        Na genau das meine ich ja. Vielleicht macht mal irgendeiner einen A/B-Vergleich zwischen HOF1 und HOF2.
        HOF1 ist seit Jahren ein Dauerbrenner mit gutem Sound, da waren sich die meisten einig. HOF2 soll schlecht klingen, also Annahme: Behringer hat die Innereien verschlechtert (schwächerer DSP, schlechtere AD- und DA-Wandler etc.) Kann natürlich sein, kann ich aber nicht so recht glauben, wobei Behringer dann auch keine Firma ist, die das ganze noch zu dem gleichen Preis verkauft.
        Die 50€-Kisten sind natürlich ganz klar Low-End.. Da kann man nicht viel erwarten.

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          Mick  AHU

          „Die 50€-Kisten sind natürlich ganz klar Low-End.. Da kann man nicht viel erwarten.“

          Richtig!…die können aber einen Ruf versauen;-)

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          dr noetigenfallz  

          Also im Fazit steht „gut klingend“. Wer hat denn gesagt, dass es schlecht klingt? Es klingt nur nicht so gut, wie einige Andere, die z.T. sehr viel teurer sind.

          • Profilbild
            fkdiy  

            Schlecht klingend bezog sich auf das Hall of Fame 2, was Amazona vor kurzem getestet hat.

            Und dort würde mich ein A/B Vergleich ebenfalls brennend interessieren. Ich habe nämlich selbst ein HoF1 und bin seit Jahren ziemlich begeistert.

            Würde mich interessieren, ob es nicht den Geschmack des Reviewers trifft (der das HoF1 nicht kennt), oder wirklich schlechter ist als vorher.

    • Profilbild
      Klaus Joter  

      Entschuldige bitte, wenn eine Firma für Billigprodukte – und nebenbei gesagt für Ideenklau – bekannt ist, dann Behringer. Ich habe bei anderen Musikern schon einige Behringer-Produkte in der Praxis begutachten können und 90% davon war Signal-verfälschender und rauschender Müll. Dass sie mittlerweile auch versuchen, etwas ernsthaftere Produkte zu bauen, mag ja sein. Aber eben nicht nur, denn damit kommen sie ja nicht auf ihre riesigen Stückzahlen. Und da gerade viele Amateure möglichst wenig Geld ausgeben wollen, bleiben sie bei Behringer, Fame oder T-Bone hängen und was besitzen nach einem Kauf? Müll!
      Es ist daher gut, wenn man das auch wie hier durch Synonymisierung klar zum Ausdruck bringt.

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