Test: the box pro DSP 115, Aktivbox

6. April 2018

Preisbrecher Alarm!

Sie sind die Arbeitstiere der PA-Gegenwart. Die Rede ist von der Liga der aktiven 2-Wege-Boxen, die zumeist in der Kombination 1 Zoll Hochtontreiber nebst 12- oder 15 Zoll Tieftöner und einer Leistung von einem Kilowatt Peak oder mehr daherkommen. In diesem Segment hat das Musikhaus Thomann mit seiner Hausmarke the box pro DSP 115 einen Artikel am Start, der mit beeindruckenden Features und einem Ladenpreis von unter 250 € bei vielen Usern für ungläubiges Staunen sorgen wird und sich anschickt, der Konkurrenz das Leben schwer zu machen.

the box pro DSP 115 als Floormonitor

the box pro DSP 115 als Floormonitor

 

Konstruktion und Aufbau

Wie bereits beschrieben, arbeitet die Fullrange Box mit der 15/1 Aufteilung, wobei laut Hersteller 1.400 Watt an Ausgangsleistung mit respektablen 136 dB Maximalpegel zur Verfügung stehen. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um Peak Werte und nicht um Dauerleistung handelt. Der Abstrahlwinkel beträgt 90 x 60°, womit sich eine klassische Satelliten-Lösung anbietet. Dank des an der Unterseite platzierten Flanschs lässt sich ein Hochständerbetrieb problemlos umsetzen. Mit den Abmessungen 480 x 762 x 438 mm bewegt sich die the box pro DSP 115 in handelsüblichen Regionen, allerdings liegt das Gewicht mit 20 kg aufgrund des massiven Gehäuses etwas über dem Durchschnitt der Konkurrenz, wie z. B. Mackie mit seiner Thump Serie.

Obwohl sich unter ein paar Gummiabdeckungen auf dem Gehäuse einige M10-Flugpunkte verstecken, ist die the box pro DSP 115 laut Manual ausdrücklich nicht für den Flugbetrieb konzipiert. Es empfiehlt sich dieser Aufforderung Folge zu leisten. Leider sind die Boxen auch nicht stapelbar, sodass bei einem Daisy Chain Betrieb nur der seitliche Versatz möglich ist. Durch vier kräftige Gummifüße ist jedoch ein fester Stand garantiert. Dank der Trapezform kann das System auch als Floormonitor verwendet werden, wobei man jedoch mit ein paar Einschränkungen leben muss.

the box pro DSP 115 Front

the box pro DSP 115 Front

 

Der nutzbare Winkel liegt bei ca. 30 Grad, was dazu führt, dass man ca. drei Meter vom Wedge entfernt stehen muss, um einen optimalen Abstrahlwinkel zu erhalten. Zudem hat die Box aufgrund der geringen Auflagefläche und den flachen Winkeln zur Rückseite, respektive Seitenteilen eine sehr geringe Kippfestigkeit, sprich die klassische Rock/Metal-Fuß-auf-Monitorbox-Poserhaltung fällt ohne zusätzliche Verkeilung der Boxen komplett flach. Inwieweit dies für den User von Bedeutung ist, muss jeder für sich selber herausfinden. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass man sich bei den wenigsten Bühnen drei Meter vom Bühnenrand entfernt aufhält, sondern aus Platzgründen eher am Bühnenrand lang tänzelt.

Als Sidefills hingegen in Kombination mit Distanzstangen kann ich mir die the box pro DSP 115 für den Live Betrieb einer Band recht gut vorstellen, vorausgesetzt, man möchte primär Gesang oder Instrumente ohne eigenen Bühnenverstärker, wie z. B. Keyboards, auf der Bühne verteilen. Trotz der ordentlichen Leistungsdaten kann das System ohne zusätzliche Woofer keine vollwertige Drum-Verstärkung generieren ohne sich ständig im leistungstechnischen Grenzbereich aufzuhalten.

the box pro DSP 115 Rückseite

the box pro DSP 115 Rückseite

 

DSP und mehr

Wie immer häufiger zu bemerken ist, wendet sich auch die the box pro DSP 115 vom manuellen Handbetrieb mit haptischen Filtern ab und bietet dem User nur noch eine Anzahl von Presets, welche ggf. noch mit ein paar digitalen Shelvingfiltern ergänzt werden. Über diese Entwicklung gibt es zwei Meinungen. Der erfahrene Tontechniker wird im Preset Betrieb die individuelle Konfigurationsmöglichkeiten vermissen, der Praxis-bezogene User hingegen wird das einfache Umschalten zwischen Werkspresets, ohne sich einen großen Kopf zu machen, wohl eher begrüßen. Ich erspare den Lesern meine persönliche Meinung bzgl. dieser Entwicklung.

Rückseitig geht es optisch vergleichsweise spartanisch zur Sache. Zusätzlich zum On/Off Schalter und der Kaltgerätebuchse stellt die the box pro DSP 115 im Eingangsbereich zwei Kombibuchsen zur Verfügung, die sowohl TRS als auch XLR Stecker aufnehmen können und über einen stufenlosen Gain Regler zwischen Line- und Mikrofonpegel wechseln können. Als weiterer Input steht eine Miniklinkenbuchse zur Verfügung, die das Zuspielen externer Klangquellen, wie z. B. MP3 Player etc. ermöglicht. Über einen XLR Ausgang steht zusätzlich die Möglichkeit für den Daisy Chain Betrieb zur Verfügung.

Über einen Push-Drehregler lässt sich das DSP Menü aufrufen und verwalten. Vier generelle Presets (Music, Live, Speech, DJ) stehen zur Verfügung, wobei man zwischen dem Topteil oder Monitor Betrieb (u. a. Absenkung der Bässe) wählen kann. Möchte man weitergehend in das Klanggeschehen eingreifen, findet man im Menü zusätzlich einen Dreiband Filter mit Centerfrequenzen, die jeweils +/- 12 dB regelbar sind. Arbeitet man mit einem Subwoofer, kann man zusätzlich bei 150, 120 oder 80 Hertz einen Hochpassfilter aktivieren und bei versetztem Aufbau eine Laufzeitverzögerung von bis zu 16 ms (etwas über fünf Meter) einstellen.

Spätestens hier muss der geneigte User feststellen, dass er sehr viel Bonusmaterial in der the box pro DSP 115 vorfindet. Laufzeiten-Korrektur für einen Subwoofer bietet auch die Konkurrenz in der nächst höheren Liga meines Wissens nach nicht und auch die Kombination von Presets plus Dreiband Klangregelung ist in diesem Preissegment absolut unüblich.

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