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Test: Townsend Labs Sphere L22 V1.5, Microphone Modeling System

18. Januar 2021

Erweitertes Modeling fürs Studio

Townsend Labs Sphere L22 Version 1.5 test

Townsend Labs Sphere L22 V1.5, Microphone Modeling System

Bereits im August 2018 durfte ich das damals recht neue Modeling-Mikrofon der eigens für dieses Produkt frisch gegründeten Firma Townsend Labs vorstellen. Die Performance und die Möglichkeiten des Sphere L22 mit der damals neu vorgestellten Software-Version 1.2 hatten mich ziemlich überzeugt zurückgelassen. Inzwischen waren die Entwickler bei Townsend Labs nicht untätig und wir sind nun bei Version 1.5 angelangt. Es ist an der Zeit, sich die Fortschritte mal wieder anzusehen.

Was bisher geschah

Das Sphere L22 wurde 2017 vorgestellt. Ein möglichst neutrales, rauscharmes Doppelmembran-Mikrofon wurde durch eine Software ergänzt, die verschiedene Mikrofonklassiker emulieren kann. Doch damit nicht genug, auch die Richtcharakteristik, Filter, Einsprechrichtung und Nahbesprechung lassen sich mit dem Software Plugin emulieren.

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Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Das Software-Plugin

Deutlich weiter reichen die Klangbeeinflussungen, wenn das Signal zwei Mikrofonen zugeordnet wird. Auch eine Stereoaufnahme mit den beiden Kapseln ist möglich. Für die genaue Arbeitsweise bitte ich meinen vorherigen Test hier bei AMAZONA.de zu lesen.

Erreicht wird das damit, dass die beiden Kapselhälften getrennt aufgezeichnet werden. Dafür sind also zwei identische Preamps nötig. Townsend Labs selbst empfiehlt die Preamps aus den Universal Audio Interfaces. Hier sind mit der UAD Console auch sehr geringe Latenzen zu erzielen, 1,6 ms Roundtrip bei 96 kHz sind angegeben. Die dafür nötige UAD2-Version des Plugins ist für den Käufer des L22 natürlich kostenlos. Kostenpflichtig sind hingegen die speziell von UAD angebotenen Ocean Way Microphone Collection  und die Bill Putnam Mic Collection.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Die Ocean Way Collection

Neben der UAD2-Version war das Plugin in der 1.2 Software für AU, VST2, VST3 und AAX Native erhältlich. Neu in dieser Version waren auch neue Mikrofonmodelle. So wurden den 10 ursprünglichen Mikrofonen 9 neue hinzugefügt, so dass mit dem Sphere Linear Preset 20 Einstellungen möglich waren.

Im Juni 2019 erfolgte mit dem 1.3 Software-Update der nächste große Schritt. Durch das nun unterstützte AAX-DSP-Format konnte nun in Pro Tools HDX latenzfrei gearbeitet werden. Diese Entwicklung war folgerichtig, hatte Chris Townsend, einer der beiden Gründer, doch lange Jahre für Avid DSP gestützte Software-Plugins programmiert.

Schon im August 2019 ging es mit der Version 1.4 weiter, die 10 neue Mikrofonmodelle hinzufügte.

Nun ist seit November 2020 das 1.5 Software-Update verfügbar, das wir uns nun ganz genau anschauen. Es sei übrigens noch erwähnt, dass sämtliche bisher erschienen Updates für den Besitzer des Systems kostenlos angeboten werden.

Die Neuheiten des 1.5 Updates

Zunächst sind wieder vier neue Mikrofonmodelle hinzugekommen, was die Auswahl auf nun 34 Mikros erhöht. Genau genommen könnten wir auch von 36 reden, da die neutrale Sphere-Einstellung in den Optionen Direct, Diffuse und Linear vorliegt.

Die vollständige Liste der nun enthaltenen Mikrofone, unterteilt in die drei Kategorien Large Condenser, Hybrid und Custom:

  • LD-47K, LD-49K, LD-67, LD-67 NOS, LD-87 Vintage, LD-87 Modern, LD-87 TK, LD-12, LD-251, LD-800, LD-37A, LD-37P, LD-414 Brass, LD-414 Nylon, LD-414 US, LD-414 T2, LD-563, LD-017T
  • SD-451, SD-416
  • RB-4038, RB-77DX Satin, RB-77DX Umber
  • DN-57, DN-7, DN-20, DN-409N, DN-409U, DN-421 N, DN-421 S, DN-421 B, DN-12A, DN-12E
  • Sphere Linear, Sphere Diffuse, Sphere Direct

Für jedes Mikro ist ein kleiner Infotext vorhanden, insofern sie nicht sowieso anhand des Namens und Bildes zugeordnet werden können.

Neu mit dabei ist eine moderne Version des U87, hier als LD-87 Modern betitelt. Mit dem LD-37A wird ein altes Sony C-37A emuliert, das LD-37A ist die FET Variante des Röhrenmikro Klassikers. Hinter dem DN-20 ist unschwer das EV RE-20 zu erkennen, ein dynamisches Großmembran.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Nochmals vier neue Mikros

Auffallend ist, dass die vier Neuen gerne für Sprecher verwendet werden. Das lässt uns auch gleich zur zweiten Neuerung kommen, die auf den Namen IsoSphere hört (bitte den Zusatz am Ende des Tests beachten!). Diese neue im Plugin implementierte Funktion simuliert die Verwendung eines Reflexionsfilters. Damit soll in akustisch nicht optimal gestalteten Räumen die Aufnahme verbessert werden, indem unerwünschte Reflexionen unterdrückt werden.

Townsend Labs belässt es dabei aber nicht bei einer anonymen Emulation, sondern hat auch einige beliebte, real existierende Reflexionfilter akustisch nachgestellt. Im Paket enthalten:

  • sE Reflexion Filter X, sE Reflexion Filter PRO
  • Generic U-Shape Foam
  • Aston Halo
  • Kaotica Eyeball (Popfilter), Kaotica Eyeball (No Pop)
  • Generic Foam Ball, Generic Foam Cylinder
  • IsoVox
  • Vocal Booth

Neben der Auswahl des entsprechenden Modells sind die Einflussmöglichkeiten überschaubar. Außer dem Button zur Aktivierung steht nur der Parameter Source Distance zur Verfügung, der den Abstand des Mikrofons einstellt.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Auch neu: IsoSphere, der virtuelle Reflexion-Filter

Reflexion-Filter sind immer etwas umstritten, da sie oft neben einer Verbesserung auch wieder neue Probleme schaffen. Nichtsdestotrotz sehe ich sie als probates Mittel, wenn sich der Aufnahmeraum eben nicht besser gestalten lässt. Den Kaotica Eyeball hatte ich vor Längerem schon im Test und habe ihn als durchaus brauchbar empfunden. Den sE Reflexion-Filter nutze ich selbst, wenn mal ein mobiles Recording ansteht und kann damit auch ordentliche Ergebnisse erzielen.

IsoSphere ist übrigens auch in der Dual-Einstellung des Plugins nutzbar, nicht aber im Sphere 180 Plugin, mit dem eine Stereoaufnahme gemacht werden kann.

Werfen wir zwischendurch einen kurzen Blick auf die Hardware. Hier ist soweit alles beim Alten. Das Mikro kommt gut geschützt im Transportkoffer, die Spinne ist funktional und stabil, ein einfacher Mikrohalter und ein Staubschutz-Cover sind auch dabei. Das benötigte Spezialkabel ist mit 3 m ausreichend lang. Doch halt, hier finde ich doch eine Veränderung. Während ich in meinem vorherigen Test die billigen China-XLR-Stecker bemängelt habe, sind nun ordentliche Rean verbaut. Pluspunkt.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Die Hardware ist gleich geblieben

Die Software wurde behutsam modernisiert, ohne die grundlegende Struktur zu verändern. So sind die Verwaltungseinstellungen nun gebündelt nach rechts oben gewandert, so ist im unteren Bereich Platz für das IsoSphere Fenster entstanden. Ein paar neue Artist Presets sind ebenso hinzugekommen.

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In der Praxis

Die neuen Mikrofone und IsoSphere zielen ganz klar auf eine Hauptklientel. Sehr viele Sprecher arbeiten inzwischen von zu Hause aus und können nicht immer den akustisch optimalen Raum schaffen. Da ich im Test August 2018 vorwiegend auf Musikaufnahme eingegangen bin, möchte ich diesmal den Sprachaspekt in den Vordergrund stellen.

Dafür nutze ich einen Textabschnitt aus dem Sphere 1.2 Test, den ich mit der neutralen Sphere Direct Einstellung einspreche.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Meine Ausgangs-Testeinstellung

Das klingt wenig spektakulär, so klingt das Mikro etwas flach mit einer leichten Neigung zum Zischeln. Schauen wir mal, ob das mit dem neuen LD-87 Modern besser zu machen ist.

Tatsächlich bekommt meine Stimme den typischen Punch in den tiefen Mitten und mehr Durchsetzungsvermögen, Elemente, die den U87 Sound ausmachen.

Da mir die Höhen immer noch zu präsent sind, probiere ich die beiden anderen LD-87 Modelle aus. Beim LD-87 TK werde ich fündig, das passt gut zu meiner Stimme.

Nun dürfen die beiden neuen Sony Mikrofone ran. Zuerst das Röhrenmodell, dann die FET Version.

Hierbei gerät das LD-37A etwas zu dröhnig, besser macht es das LD-37P, das einen sehr ausgewogenen und intimen Klang bietet.

Als viertes Exemplar der Neuvorstellungen kommt nun das dynamische Großmembran-Mikrofon dran.

Trotz des dynamischen Prinzips klingt das Mikro eher hell, bleibt aber trotzdem druckvoll. Zischlaute werden ganz gut abgeschwächt.

Nun kann ich nicht alle Mikros durchprobieren, ein Modell interessiert mich aber noch besonders, das in der Version 1.4 hinzugekommene LD-017T, eines meiner Lieblingsmikros, das ich HIER  besprechen durfte.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Macht auch optisch am meisten her

Das kommt schon ganz gut hin, die weichen, offenen Höhen, der schlanke und straffe Bassbereich, die schöne Auflösung geht eindeutig in die Richtung. Klar, das Original ist nochmals ein anderes Kaliber, ist aber auch gleich ca. 2,5 Mal so teuer wie das komplette Sphere-Paket.

Nun aber endlich zu IsoSphere, der virtuelle Reflexion-Filter. Hier nehme ich die beiden mir bekannten Filter, der sE Reflexion-Filter X und den Kaotica Eyball mit Pop-Filter her. Die Source-Distance habe ich auf 20 cm gestellt. Vorab nochmals die unbearbeitete Aufnahme.

Townsend Labs Sphere L22, Microphone Modeling System, 1.5 Software Update

Jetzt mit IsoSphere…

Beide Filter liefern ein wirklich überzeugendes Ergebnis, das die Aufnahme tatsächlich verbessert. Auffällig ist, dass ein leichtes Brummen im ersten Teil des Files fast völlig verschwindet. Dieses Geräusch kommt aus dem Nachbarhaus, wo gerade kräftig renoviert wird.

Ein ähnliches Ergebnis lässt sich auch mit dem Zusammenspiel von Pattern, Axis und Proximity erzielen, mit IsoSphere geht es aber deutlich schneller und einfacher.

Um nochmals die Leistungsfähigkeit zu demonstrieren, schalte ich mein Sphere Direct Mikrofon auf Kugel-Richtcharakteristik.

Als IsoSphere Beispiel kommt diesmal die Vocal-Booth mit 50 cm Distanz zum Einsatz.

Hier zeigt sich noch deutlicher, zu was die neue Funktion in der Lage ist.

Townsend Labs hat mir nach Veröffentlichung mitgeteilt, dass ich die neue Funktion IsoSphere etwas falsch aufgefasst habe: Isosphere soll nicht, wie von mir beschrieben, verschiedene Reflexion Filter simulieren, sondern bei Einsatz eines Filters dessen Unzulänglichkeiten kompensieren. Wie meine Aufnahmen zeigen, andersrum funktioniert es irgendwie auch. Nicht im Sinne des Erfinders, aber vielleicht auch ein Denkansatz für weitere Updates.Trotzdem: Mea culpa!

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Fazit

Townsend Labs hat sein Microphone Modeling System mit der neuen 1.5 Software nochmals deutlich aufgewertet.

Hinzu gekommen sind einige neue Mikrofone und mit IsoSphere eine Reflexion-Filter-Kompensation, die schnell und bequem störende Rauminformationen unterdrückt und somit den Sound professioneller gestaltet. Das macht das System, zusätzlich zu den fast überbordenden Einstellmöglichkeiten, nochmals flexibler.

Sehr schön, dass Townsend Labs auch dieses Mal das Update kostenlos zur Verfügung stellt.

Plus

  • neue Mikrofonmodelle, Sprecher geeignet
  • mit IsoSphere schnelle, unkomplizierte Soundverbesserung
  • kostenfreies Update

Preis

  • 1.599,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Also das Vocal-Booth Beispiel am Schluss ist schon beeindruckend. Wie da der Raumklang verschwindet und das Signal schön nach vorne kommt – Respekt!

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