Test: Tracktion Waveform 9, Digital Audio Workstation

28. Mai 2018

Wellenbad mit neuen Features

Tracktion Waveform 9

Die Digital Audio Workstation Waveform aka Tracktion hat eine ziemlich bewegte Vergangenheit hinter sich. 2002 als Tracktion vom britischen Programmierer Julian Storer entwickelt, wurde es ein Jahr später von Mackie übernommen, worauf die Software im Lauf der nächsten Jahre ziemlich unterging: Nach der Version 3 im Jahr 2007 gab es keine Updates, keine Ankündigungen, keine Kommunikation nach außen – Tracktion schien bereits auf dem Abstellgleis zu stehen. 2013 dann holte man Julian Storer zurück, der die „Tracktion Software Company“ ins Leben rief und Tracktion mit der Version 4 (nach sechs Jahren Pause!) wieder zurück in die Spur brachte. Im Jahresrhythmus folgten die Versionen fünf bis sieben, bevor dann im letzten Jahr mit der Version 8 der Namenswechsel kam: Aus „Tracktion 8“ wurde „Waveform 8“ – und damit auch die Abkehr vom strikten „Ein-Fenster-Prinzip“ sowie (als wichtigste Neuerung) mit dem Pattern-Generator zur automatischen Erzeugung von Bass-, Melodie- und Akkord-Sequenzen eine schöne Kompositionshilfe. Tracktion Waveform 9 baut die Verbesserungen und Neuerungen seines Vorgängers nun aus und fügt einige neue Features hinzu. Welche das genau sind und ob ein Upgrade auf die Neuner lohnt, schauen wir uns jetzt mal an.

Versionen von Tracktion Waveform 9

Waveform 9 gibt es in drei Versionen. Das mit 109 Dollar/Euro preisgünstigste Paket ist „Waveform Basic“ (Upgradepreis: 59,- Euro). Der nächst größeren Ausbaustufe, dem „Waveform + Pack“ für 159,- Euro (Upgrade für 109,- Euro) liegt noch die DAW Essential Collection bei, der Luxusversion „Waveform Ultimate Pack“ für 259,- Euro (Upgrade für 189,- Euro) ebenfalls die DAW Essential Collection plus ein zusätzliches Loop-Pack sowie der Synthesizer/Sampler Biotek. Was bedeutet, dass man auch schon in der Basic-Version ohne größere Einschränkungen alle wichtigen Features an Bord hat und gut arbeiten kann. Für unseren Test hatten wir das Waveform Ultimate Pack vorliegen.

Die Freischaltung gestaltete sich etwas mühsam

Download und Installation von Tracktion Waveform 9

Waveform 9 gibt’s als Download über die  Website des Entwicklers. Der Download an sich war dann auch recht unkompliziert, mit rund 70 MB ist der Platzbedarf auf der Platte (ohne Plug-ins, Synthesizer und Loop-Pakete) auch überschaubar. Kleinere Probleme gab es nur bei der Freischaltung der Software. Während die – beim jetzt beigefügten – Melodyne Essential, das über einen Extra-Code aktiviert werden muss, ohne Murren über die Bühne ging, weigerte sich die Website, meinen Account anzuerkennen und meldete stets „Your password is no longer valid, please reset“. Was aber auch nichts nutzte, sondern stets dieselbe Fehlermeldung provozierte.

Erst ein Hilferuf beim Tracktion Support (der sehr schnell reagierte) konnte da Abhilfe schaffen: Der nämlich generierte von sich aus ein neues Passwort, was dann endlich funktionierte. Laut Support gibt (oder hoffentlich „gab“) es angeblich Probleme, wenn im Passwort internationale Zeichen verwendet werden. Ein dementsprechender Hinweis auf der Website wäre da sicherlich hilfreich gewesen. Deshalb der Tipp: Sollten Sie einen Account bei Tracktion planen, dann am besten nur Zahlen und Buchstaben benutzen.

Übrigens war das nicht der einzige „Ärger“ mit den Passwörtern: So meldete Collective während des Betriebs plötzlich, der Sample-Player müsse noch freigeschaltet werden (obwohl der ja Teil des Pakets ist). Und auch diese Freischaltung misslang erst einmal, weil der Server angeblich nicht erreichbar war. Erst eine komplette Neuinstallation hat das Problem dann behoben – wundersamerweise war da auch der Server plötzlich wieder ansprechbar. Das alles muss nicht passieren, kann aber halt und ist dann lästig.

Überblick: Das ist neu in Tracktion Waveform 9

Bevor es ins Detail geht, hier mal eben kurz eine Übersicht über die wichtigsten Neuerungen in Tracktion Waveform 9:

  • Die Tonhöhenkorrektur „Melodyne Essentials“ gehört jetzt mit zum Inventar. Zwar nicht die Vollversion, aber immerhin.
  • Ebenfalls neu mit dabei ist der Multi-Sampler. Laut Hersteller mit verbesserter Integration in den Workflow. Schauen wir mal.
  • Mit LFO, Breakpoint, Step, Envelope Follower, Random und MIDI Tracker begrüßen wir sechs neue Modifier. Die sich dann auch über ein überarbeitetes Modifier-Panel freuen.
  • In anderen DAWs schon ein älterer Hut, jetzt hat auch Waveform eine „Chord Tracker Spur“. Damit lassen sich die musikalischen Abläufe besser planen, koordinieren und verfolgen.
  • In den „Track Loops“ lassen sich jetzt die Automationsdaten und Plug-ins einzelner Tracks in einem Stereo-Vorschau-Clip zusammenfassen und speichern – um später wieder in alter Form mit den Einzeltracks in andere Projekte eingebaut zu werden.
  • Plug-in-Faceplates können jetzt selber designt und auf die eigenen Bedürfnisse angepasst werden
  • Mit „Rack 2.0“ wurden das Rackdesign und das Arbeiten im Rack überarbeitet

 

Die Plug-ins im Rack lassen sich automatisch verdrahten

Basics: Arbeiten mit Waveform 9 – vieles ist anders

Für alle Waveform/Tracktion-Neulinge hier mal ein schneller Ritt durch die grundlegende Arbeitsweise mit dieser DAW. Denn – Waveform aka Tracktion war schon immer etwas anders als die anderen DAWs; wenn man bedenkt, dass ein vollwertiger digitaler Mixer beispielsweise erst seit der letzten Version vorhanden ist, lässt sich erahnen, dass es Waveform nicht so mit den gängigen DAW-Konventionen hat. Selbst ganz normale Mixer-Features wie „Level“ oder „Pan“ werden in Waveform als Plug-in geführt. Da muss man dann erst einmal umdenken (weiß dann aber später, die damit verbundenen Annehmlichkeiten und erweiterten Möglichkeiten wiederum zu schätzen).

Wer von Cubase oder Logic kommt und Waveform das erste Mal aufruft, hat vermutlich dann auch erst einmal leichte Orientierungsprobleme; die Oberfläche wirkt auch jetzt noch ziemlich bunt und überladen. Heißt: Einfach dransetzen und loslegen ist hier nur sehr eingeschränkt möglich. Das (englische) PDF-Handbuch ist zwar reichhaltig bebildert und strotzt voller ausführlicher Erklärungen, ist mit seinem Umfang von gut 530 Seiten aber auch keine Lektüre, die man in der Bibliothek in der Abteilung „Quickstarts“ findet. Ungeduldige Waveformer können stattdessen auch erst einmal auch einen Blick in die Tutorial-Videos werfen, die Tracktion Software auf YouTube abgelegt hat. Zudem helfen da auch die PopUp-Hilfsfenster weiter. Trotzdem gibt’s hier und da aber immer noch Lücken in der Dokumentation oder tauchen Abschnitte aus der Vorgängerversion auf.

In Tracktion Waveform 9 gibt es – anders als etwas bei Cubase – keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen MIDI oder Audio-Track, das legt der Nutzer jeweils selber fest. Die einzelnen Spuren lassen sich dann später in Ordnern zusammenfassen, was zum einen optisch recht übersichtlich ist, aber auch deren Bearbeitung vereinfacht. Das Klangmaterial wird entweder per Record selbst aufgezeichnet oder als Audio oder MIDI per Drag & Drop ins Fenster geholt. Im ersten Setup scannt Waveform den Rechner automatisch nach brauchbarem Soundfutter; der Vorgang lässt sich später auch jederzeit wiederholen. Cooles Detail am Rande: Die Position des Browsers lässt sich (per Drag & Drop des Symbols) wahlweise nach rechts, links oder oben verschieben.

Forum
  1. Profilbild
    Green Dino  AHU

    Danke für den Test!
    Diesen werde ich auch zum Anlaß nehmen mir Waveform 9 endlich mal zu installieren.
    Eigene Oberflächen für Plugins (inklusive Macros und XY Pad, wenn ich das richtig verstanden habe) und die Modifier klingen schon sehr interessant.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ohne wirklich Interesse an dieser DAW zu haben, beobachtet man aber immer wieder mal, was sich da tut. Eines muss man den Entwicklern ja lassen, die hauen in hoher Schlagzahl Updates raus. Ist schomma positiv. Preislich steigt das Produkt allerdings auch rapide von Versionsnummer zu Versionsnummer an. Das ist doch eher negativ. Vor allem, wenn man den doch eher spartanischen Umfang berücksichtigt.
    Das Wellenbad hat neue Features und beim Wellenstrom bleibt alles beim alten.

  3. Profilbild
    Maxi  

    Dem Minus bezüglich Bedienung kann ich nur zustimmen. Leider ein ganz wesentlicher Faktor, wenn nicht sogar ein Killerkriterium, bei einem Kreativitäts-Tool.

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