Test: Tube-Tech HLT 2A, Röhrenequalizer

9. Juli 2018

Das blaue Klangwunder

tube-tech hlt 2a

Der Tube-Tech HLT 2A ist ein Röhrenequalizer der dänischen Firma Lydkraft, deren Geräte sich seit den 90er Jahren zum Standard im Highend-Segment entwickelt haben und mit ihrem markanten blauen Gehäusedesign die Racks zahlloser professioneller Studios zieren.

Laut Hersteller wird bei dem HLT 2A erstmalig ein High- und Low-Shelving-Equalizer mit einem Tiltfilter für den Mittenbereich in einem Gerät vereint. Als Stereogerät konzipiert, eignet sich der HLT 2A zum Aufnehmen, Mischen und Veredeln einzelner Instrumente oder Gruppen, während die Ausstattung der Version HLT 2AM speziell für Anwendungen im Mastering-Bereich angepasst wurde.

Tube-Tech HLT 2A

Tube-Tech HLT 2A Röhrenequalizer

Der Tube-Tech HLT 2A auf den ersten Blick

Die Bedienungsoberfläche des Tube-Tech HLT 2A ist sehr übersichtlich gestaltet und macht dank seiner großen, gerillten Drehknöpfe einen einladenden Eindruck.
Da es sich um ein reines Stereogerät handelt, gibt es nur eine übergeordnete Klangregelung für beide Kanäle, die sich wie folgt anordnet:

Auf der linken Seite des Frontpanels befindet sich zunächst die Low Cut-Sektion, gefolgt von den Low- und High-Shelving-Bändern, dem Tilt-Filter und der High Cut-Funktion. Ganz rechts ist abschließend noch der Ein- und Ausschalter untergebracht.

Tube-Tech HLT 2A

Low-Shelving-EQ

Sämtliche Regler zum Anwählen der Grenzfrequenzen sind gerastert, alle anderen Potis lassen sich stufenlos und äußerst leichtgängig drehen.
Bei der Mastering-Version HLT 2AM, die rund 1000,- Euro mehr kostet, wurden alle Regler für präzisere Einstellungen mit einer Rasterung ausgestattet, um ein sauberes Stereomatching zu gewährleisten.

Trotz der Röhrentechnik bringt der HLT 2A lediglich 4,3 kg auf die Waage, von denen ein Großteil dem Netzteil zu zuschreiben ist. Dieses befindet sich auf der Gehäuserückseite und entwickelt bei längerem Betrieb eine enorme Wärme, so dass bei dem Einbau in ein 19 Zoll Rack neben den zwei Höheneinheiten des Gerätes mindestens ein Abstand von einer Höheneinheit zu den darüber- und darunterliegenden Geräten eingeplant werden sollte.

Sämtliche Anschlüsse des HLT 2A sind ebenfalls auf der Hinterseite untergebracht, zu denen zwei Ein- und Ausgangsbuchsen im XLR-Format von Neutrik und ein Kaltgeräteanschluss zählen.

Tube-Tech HLT 2A

High-Shelving-EQ

Die Technik des Tube-Tech HLT 2A

Der Signalpfad des Equalizers ist komplett Röhren basiert, insgesamt werden sechs Röhren des chinesischen Herstellers Shuguang verwendet. In jedem der zwei Kanäle kommen zwei ECC83 für die Verstärkerstufe und eine ECC82 als Ausgangstreiber zum Einsatz.
Bei dem symmetrischen Eingangsübertrager handelt es sich um einen Lundahl LL1540, während die Ausgangsübertrager von der Firma Dantrafo eigens für Tube-Tech gefertigt werden.

Die Low- und High-Shelving-Bänder sind aktiv und beruhen auf einer Highgain-Röhrenschaltung. Die Grenzfrequenzen des Low-Shelving-EQs liegen bei 18, 37, 80, 180, 370 und 800 Hz, die des High Shelving-EQs bei 12, 15, 18, 20, und 25 kHz.
Der Grad der Absenkung oder Anhebung umfasst +/- 12 dB, während dieser bei der Mastering-Version HLT 2AM auf +/- 7 dB verringert wurde, dafür aber wesentlich feiner gestuft einstellbar ist.

Tube-Tech HLT 2A

T-Filter

Zwischen den Shelving-Bändern und dem Ausgangsverstärker sitzt das passive T-Filter, das wie eine Tonblende funktioniert oder auch mit einer Wippe oder Balkenwaage für die mittleren Frequenzen verglichen werden kann.
Mittels des Schalters zur Auswahl der „Center-Frequency“ lässt sich der Mittelpunkt dieser Frequenzwaage bestimmen, der wahlweise bei 500 Hz, 1 oder 2 kHz liegt. Von diesem Punkt ausgehend, kann nun entweder der obere Mittenbereich angehoben und gleichzeitig die unteren Mitten reduziert werden oder eben umgekehrt. Das Verhältnis von Anhebung und Absenkung liegt bei maximal +4 / -7 dB.

Die einstellbaren Grenzfrequenzen des Low Cut sind 18, 25, 40, 60 und 85 Hz, die des High Cut 12, 15, 18, 20 und 25 kHz, wobei beide einen Neigungswinkel von 6 dB pro Oktave haben.

Jede der bereits genannten Sektionen des HLT 2A Röhrenequalizers verfügt über eine eigene Bypass-Schaltung. Zusätzlich gibt es noch einen übergeordneten Bypass, der alle Filter-Sektionen deaktiviert, allerdings ganz bewusst die Ausgangsstufe im Signalweg lässt. So kann die Röhrencharakteristik des HLT 2A auch einfach nur zum diskreten Veredeln von Audiospuren genutzt werden.

Klangbeispiele
Forum
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    BÄM  

    Hahaha… 4500€ für einen Equalizer. Da musst du aber viel Musik verkaufen für. Alternativ einen High-End-Notebook mit Super-High-End-EQ-Plugin(s), die ja ebenfalls als Referenz geführt werden. Kann man dann auch noch für andere Anwendungen nutzen.

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    psv-ddv  AHU

    Spannend, endlich mal ein stereo EQ von TT. Leider wie immer ziemlich investitionsschwer. Man darf nicht vergessen, dass solche Geräte nicht für den Hobbyisten gebaut werden, sondern für Profis oder Mietstudios, die soetwas steuerlich absetzten können und dann die nächsten 30 Jahre damit ihren Sound prägen wollen. Da rechnet sich das dann.
    Der Wertverfall solcher Boliden hält sich ja auch in Grenzen. Einen 1998 gekauften CL1-B kann man heutzutage fast für den Neupreis verticken.
    Bei einem Klangvergleich mit „Referenz Plugins“ wäre ich als Besitzer des TubeTech wirklich ganz entspannt.

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      BÄM  

      Ich kenne einige, die haben solches Equimpent aus Marketinggründen im Studio, teils auch vom Hersteller gesponsort. Arbeiten tun die alle mit Plugins.

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        psv-ddv  AHU

        Die Arbeit mit Plugins und die Arbeit mit Hardware schliesst sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzt sich. Wenn man genug Erfahrung hat weiss man die Vor-und Nachteile beider Arbeitsweisen zu nutzen.
        Plugin Fanboys werden irgendwann erwachsen oder wechseln die Branche.

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          BÄM  

          „Plugin Fanboys werden irgendwann erwachsen oder wechseln die Branche.“

          Die Statstik würde ich gerne sehen.

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        Markiman

        Du kennst aber seltsame Leute ;-)
        Ich kenne Leute, die haben solches Equipment und arbeiten vor allem mit Plugins wenn es schnell gehen muss, oder Total Recall wichtig ist und sie arbeiten mit Plugins und solchem Equipment, wenn es z.B. ums Mastering geht. Doch wenn Zeit und/oder Leidenschaft am Start ist, dann machen die am liebsten so viel wie möglich mit Ihrer Hardware.
        Ich bin übrigens auch einer von denen die ich kenne.

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          BÄM  

          Ja, Hans Zimmer ist schon sehr seltsam.

          „Zeit und Leidenschaft“ ist natürlich ein sehr schönes Argument und ich kann das speziell bei Instrumenten nachvollziehen. Aber „Hörbare Qualitätsunterschiede“ ist eher keiner.

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            psv-ddv  AHU

            Hans Zimmer ist nicht seltsam, der ist vor allem Komponist und passt hier irgendwie nicht zum RöhrenEQ Thema. Egal. Du wolltest anscheinend unbedingt schreiben, dass Du ihn kennst. Zimmer komponiert zwar im Rechner aber nimmt dann, wenn es ernst wird echte Instrumente, vorzugsweise über die Neve88R Konsole im Air London auf.
            Sein Mischtoningenieur Alan Meyerson (und da wird es relevant) ist anscheinend seltsam, der ist nämlich nicht Deiner Meinung, sondern nutzt Hardware weil Plugins da nicht rankommen:
            https://www.youtube.com/watch?v=z1fyVH4XdoA
            Mit welcher Hardware hast Du denn persönliche Erfahrungen gemacht, die Dich behaupten lassen es gäbe keine Qualitätsunterschiede zu Plugins?

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                      BÄM  

                      Nein, du hast das Thema verlassen.
                      Schreibe bitte nicht für mich.

                      Sehr lustig hier. Schätze, jetzt schließt du den Post beleidigt.

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                      psv-ddv  AHU

                      Hä? Logik? Ich habe Dir eine konkrete Frage zu Thema gestellt, Du antwortest nicht und behauptest „Wir“ hätten das Thema verlassen.
                      Egal. Das wird mir zu pubertär hier.
                      Viel Spass noch beim Detonieren.

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    Vati  

    Wer braucht in der heitigen Zeit noch solche Geräte ?
    Ich denke, es gibt sehr viel vagabundierendes Geld auf den Konten. Dieses Gerät hier wird als Wertanlage gekauft und landet dann , wie auch viele andere feine Instrumente (z.B. Gitarren) und Hardware in Zentraleuropa, USA und teile von Osteuropa in Vitrinen ohne Stromanschluß. Daran können sich dann die Sammler ergötzen und mit Kumpels beim 78er Spätburgunder heiße Diskussionen führen. In der Restwelt spielen diese Geräte keine Rolle.
    Grüße von Vati

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      BÄM  

      Dieser Meinung kann ich mich nur voll und ganz anschließen. Schließlich habe ich auch das ein oder andere Teil, das ich lieber nicht mehr anfasse… Allerdings überprüfe ich die dann doch ab und zu auf Funktionstüchtigkeit und muss feststellen, dass nicht nur die Anschaffung mal Geld gekostet hat, sondern dass die Dinger auch gewartet werden müssen… :)

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      TobyB  RED

      Moin Vati,

      es werden solche Hardware Boliden gebraucht. Und trotz massivem IT Einsatz in Studios und auf der Bühne gibt es Anwendungsfälle, wo ein Plugin aussen vor ist. Hier haben wir die Ausprägung Summensignal veredeln oder Mastering. Hier muss halt nix errechnet werden, ich höre in Echtzeit das Ergebnis. Und das wird halt eben nach wie vor gebraucht. Der Preis richtet sich hier an Profis und nicht an Sammler mit Vitrine. Dazu sind die spezifischen Eigenschaften von Röhren und FET Schaltungen sehr speziell. Schlussendlich halte ich es für einen Trugschluss, das der Sound besser wird, wenn man alles Plugins überlässt, die sind nur Teil der Aufnahme und Prozesskette. Und je besser die gesamte Kette arbeitet, desto besser das Ergebnis.

      • Profilbild
        Vati  

        Hallo Toby,
        es ehrt Dich, diesen „Boliden“ (sind wir hier beim Autoforum? ) eine Daseinsberechtigung zuzuschreiben. Ändert aber meiner Meinung nichts daran, das dieser 50er JAhre Charme, Technik der vergangenen Jahrzehnte im Bauch hat und das Design für Sammler attraktiv sein soll. Der Preis richtet sich nicht an Profis sondern an Menschen die das Besondere wollen. Und warum kostet das „Blaue Wunder “ nicht 5999.-€. Überspitzt könnte ich sagen: Baut euch diese Geräte in ein 1962 Mustang ein, stellt das Auto ins Studio und beauftragt ein Werbemanager das zu verkaufen.
        Grüße von Vati

  4. Profilbild
    lightman  AHU

    Wie hat doch Kanzler Birne mal gesagt, wichtig ist nur, was hinten rauskommt. Ich persönlich arbeite gern mit Hardware, andere schwören auf Software, da hat halt jeder sein Ding. Was in anderen Ohren vermeintlich besser oder schlechter klingt, ist mir wurscht, ich vetraue lieber meinem eigenen Lauscherpaar, und wenns paßt, dann paßts, Ende Gelände.

    Software vs. Hardware ist für mich eher eine Frage der Arbeitsweise (neudeutsch Workflow). Der Kampf darum, was besser klingt, ist im Grunde vertane Zeit, da das ziemlich subjektiv ist und die Hörerschaft am Ende in der Regel nicht daran interessiert ist, wie eine Aufnahme zustande kam.

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