Alles rund um Röhrensound für Musiker und Tonstudios

3. Juli 2019

Über die Leidenschaft zum Röhrensound

Im Gegenzug zur längst vollzogenen digitalen Revolution hat sich über Jahrzehnte hinweg ein kleiner Glaskolben in großen und kleinen Studios behaupten können: die Vakuum-Röhre.

Viele Digital-Enthusiasten und auch Total-Recal-User ahnen gar nicht, was ihnen beim Digital-Recording über Wandler so alles an Sound, Druck und Wärme (… darauf kommen wir später noch zu sprechen) ohne den Einsatz von Röhrentechnik verloren geht.

Gerade Einsteiger, die so gut wie nur virtuelle Synthesizer und Plugins einsetzen, sollten sich mit der Röhrentechnik vertraut machen, denn es gibt schließlich gute Gründe, warum erfahrenen Producer auch heute noch die Röhrentechnologie so sehr zu schätzen wissen.

Deshalb wird seit vielen Jahren die analoge Röhrentechnik mit der neuesten Digitaltechnik kombiniert und nicht nur in professionellen Studios erfolgreich, z. B. in Aufnahmegeräten, Synthesizern oder für Mastering-Effekte, genutzt.

In diesem umfangreichen Report versuchen wir den Bogen zu spannen, von der Geschichte der Röhre, über ihre Besonderheiten bei Verwendung in Musikequipment bis hin zu einem Experteninterview über Know-how und Tipps rund um heutige Röhrentechnologie.

An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an  Tube-Liebhaber Andreas Hecke (alias Tube Amp Doctor) der uns ausführlich für diesen Artikel beraten hat.

Wir wünschen euch viel Spaß mit diesem Special

Eure AMAZONA.de-Redaktion

Berühmter Röhrensound: Marshall JCM 800 Modell 2203

(Hier geht’s zum Report des Vintage-Amps Marshall JCM Modell2203)

Pure digitale Röhren-Emulationen, die sich in zahlreichen Plugins wiederfindet, die mit ihren aufwendig gestalteten GUIs auch optisch den Eindruck vermitteln möchten, hier sei analoge Röhrentechnologie im Einsatz,  kommen dem typischen Röhrensound zwar immer näher, erreichen ihn aber in letzter Konsequenz noch nicht.

So finden sich selbst in kleinen Homerecording-Studios irgendwo im Recording-Kanalzug ein Outboard-Tool, das mit Röhrentechnologie glänzt. Sei es im Kompressor, im EQ oder vielleicht auch bereits im Mikrofon.

Aber auch immer mehr Musiker, vor allem unter Gitarristen, denen ihre Röhren-Amps heilig sind (Bitte seht euch hierzu auch unseren Workshop zu Röhrentechnik in AMPS an), setzen wieder vermehrt auf Gear mit echten Vakuum-Röhren. Die Workstation Triton Extreme und Korg Electribes von 2003 waren da nur Vorreiter. Ganz aktuell gibt es mit dem Korg Volcas Nubass einen reinen Röhrensynthesizer, bei dem die Röhrentechnologie nicht nur als Effekt integriert ist, um den Sound „anzudicken“, sondern als klangerzeugender Oszillator dient, inklusive Suboszillator.

Korg NuBass Röhren-Synthesizer

Im gleichen Atemzug möchten wir auch mit dem Mythos „Wärme“ brechen. Wie oben beschrieben, ist das tatsächlich nur ein subjektives Empfinden, denn auch Klangerzeuger auf Basis von Transistoren können „warm“ klingen, wie sicher viele Liebhaber von Vintage-Synthesizern bestätigen werden.

Der Unterschied zu Röhren ist, dass Röhren dem Klangmaterial neue harmonische Obertöne und Verzerrung zufügen. Subjektiv empfunden entsteht dadurch ein breiter, crisper Klang.

Funktion und ein bisschen Geschichte

Eine Röhre besteht aus einem luftleeren Glaskolben, in dem vier verschiedene Bauelemente enthalten sind. Diese bilden automatisch die Grundlage der Röhrenfunktion und Steuerung.

An den Heizdraht/Heizung wird eine Spannung von ca. 6,3 V angelegt; dadurch wird die Kathode aufgeheizt und sendet negative Elektronen aus. An der Anode wird eine positive Spannung angelegt, diese zieht dann die von der Kathode ausgesandten Elektronen an, und dadurch fließt ein Strom. An das Steuergitter wird eine negative Spannung angelegt. Diese drängt dann die Elektronen wieder in Richtung Kathode zurück, mit dem Erfolg, dass der Strom, der fließt, geringer wird.

Eine kleine negative Spannung, die am Steuergitter anliegt, reicht aus, die Ansaugwirkung der positiven Anode auszugleichen. Wenn man nun das Steuergitter negativ beeinflusst, wie z. B. durch ein Tonsignal (ein Tonsignal kann man mit einer Wechselspannung, die periodisch schwankt, vergleichen), haben wir als Ergebnis, dass eine Spannungsänderung an der Anode erfolgt. Vom Grundsatz her arbeiten Röhren und der „Nachfolger“ der Röhre, der Transistor, völlig identisch.

Beides sind Verstärkerbauteile und man kann sie beide als steuerbare Widerstände bezeichnen. Allerdings sind sie komplett anders aufgebaut. Beide sind voll analog von der Bauweise, nur der Transistor ist ein Halbleiterbauteil (ein elektronischer Baustein, der aus einem Material besteht, dessen Leitfähigkeit zwischen der von Metall und einem Isolator wie z. B. PVC liegt). Genauso wie die Röhre kann dieser Baustein für das Verstärken und Schalten (Durchlassen/Sperren) von Strom verwendet werden.

Warm Audio WA-251, Großmembran Röhrenmikrofon

Warm Audio WA-251, Großmembran Röhrenmikrofon

Der Transistor wurde im Jahre 1948 in den Bell Laboratories unter anderem von William Shockley, John Bardeen und Walter Brattain erfunden, die dafür auch 1956 den Nobelpreis erhielten (Physik).

In den goldenen 50er Jahren entfachte ein erbitterter Kampf zwischen Transistor und der Röhre – der Transistor konnte diesen Kampf letztendlich aber für sich entscheiden. Heute findet man in den meisten Computerchips und CPUs viele Millionen bis Milliarden Transistoren; ohne sie wären die aktuellen Leistungen der Computer-Chips und CPUs undenkbar.

Als die drei Wissenschaftler für ihre Entwicklung mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, gab es schon die ersten mit Transistoren bestückten Geräte zu kaufen, wie z. B. das Transistorradio. Nachteil der Transistoren am Anfang der Entwicklung war die fehlende Möglichkeit, sie leistungslos (Ampere) anzusteuern. Dadurch wurden parallel zur Weiterentwicklung der Transistoren die sogenannten Feldeffekttransistoren entwickelt. Sie haben ähnlich wie die Röhre einen hochohmigen Eingangswiderstand im Tera-Ohm-Bereich und einen Ausgangswiderstand im leitenden Zustand, der fast Null Ohm erreicht. Ein letztes Beispiel des Röhrenkampfes der heutigen Tage findet in unseren Wohnungen und Studios statt: TFT und Plasmaschirme gegen die guten alten Röhrenschirme. Aber hinter unserem Rücken tauchen sie sogar auf PC-Motherboards (z. B. von Aopen AX4B-533 TUBE) wieder im Audioweg der Soundkarte auf – also es geht weiter.

Klang & Esoterik der Vakuum-Rohre

Ein Thema, bei dem sich die Lager sicher auf 50 % zu 50 % aufspalten, da der Klangeindruck bzw. das Gehör jedes Menschen eh sehr unterschiedlich ist. Wie bei vielen anderen Audiogeräten, Synthesizern etc. sollte man einfach ausprobieren und in Ruhe testen und sich seine eigene Meinung bilden – fertig. Auf jedem Sound oder Sample eine Röhrenverstärkung muss natürlich auch nicht sein, aber das Einsatzgebiet im Studio ist doch sehr groß.

Ob unersetzbarer MARSHALL Gitarren-Amp, SPL Tube-Vitalizer, mindPrint T-Comp Röhrenkompressor oder Focusrite Tube-Channel-Strips. Die Einsatzbereiche erweitern sich stetig und machen auch vor den DJs nicht halt – es gibt sogar ein paar Röhren-DJ-Mixer auf dem Markt.

Korg Electribe Groovebox mit Röhre von 2003

Natürlich existieren auch in der virtuellen Welt einige Röhren als VST oder AU-Plugin. Diese Simulationen erreichen eine gute Natürlichkeit im Klang der Röhrenverstärkung und Verzerrung, nur die typische Einfärbung durch die Röhre erreichen sie nicht. Aber woher kommt diese Einfärbung bei der Röhre? Die Oberwellen, die die Röhre in der Vorstufe erzeugt, sind daran maßgeblich beteiligt.

Während bei einem Transistor das Signal nahezu gradlinig verläuft, so hat man bei Röhren immer kleinere Schwingungen, die in der Endverstärkung mitverstärkt werden. Das ist im Prinzip die „Störung“, die den warmen auch angezerrten Sound der Röhre erzeugt. Dieses Verhalten der Einfärbung kommt aber erst bei einer bestimmten Lautstärke zum Tragen, da eine Röhre sonst eher zum Kratzen neigt. Auch bei sehr hohen Frequenzen, die eine Röhre bearbeiten muss, kann es Probleme geben, denn bei normalen Röhren kann die Laufzeit der Elektronen von der Katode zum Gitter zu einem Verstärkungsabfall führen.

Korg Triton Extreme – Synthesizer mit Röhre von 1999

Verschleißteile – Röhren halten nicht ewig

Röhren sind Verschleißteile und gehen irgendwann kaputt; genau vorhersagen kann man das nicht. Es kann der Glaskörper kaputtgehen oder sein Vakuum verlieren, die Heizung/Heizdraht kann durchbrennen und einiges mehr. Auch das Verhalten des Besitzers wirkt sich aus: Häufiges Ein- und Ausschalten oder auch volle Belastung der Röhre, ohne dass die Heizung sich richtig erwärmen konnte (ca. 2,5 min sollte man der Röhre nach dem Einschalten gönnen, bis der Gain ins Max. gefahren wird), killen die Röhre wesentlich früher.

In der Regel hat man einige Jahre seine Freude, wenn man sie ein bisschen pflegt. Nach Jahren sollte man allerdings die Röhren eventuell auch vor einem Defekt wechseln, denn den Verlust der Höhenverstärkung – je nach Einsatzgebiet – bekommen wir als Nutzer dieser Röhre nicht mit. Wenn eine Röhre zufällige „Spratzer“ oder Popcorn „Plops“ erzeugt, ist sie auf alle Fälle hin. Eine Verfärbung der silbernen Schicht, die zur Verbesserung des Vakuums dient, weißt darauf hin, dass das Vakuum sich verabschiedet.

Neben der reinen Faszination und Liebhaberei an den glühenden Glaskolben werden diese noch immer und in jüngster Zeit immer mehr in Audioschaltungen eingesetzt. Tatsächlich ist die Röhre messtechnisch unhaltbar veraltet, viel zu aufwendig und auch teuer gegenüber moderner Technik. Trotzdem! Oder gerade deswegen?

Nun die Signalverstärkung ist die eine Sache, aber so richtig interessant wird es für den kreativen Musiker vor allem dann, wenn Übersteuerung (Overdrive) bewusst mit ins Spiel gebracht werden sollen. Bei einem Digitalgerät führt Übersteuerung zum totalen Aussetzer, bei analogen Halbleitergeräten zu hässlichen und kratzigen Geräuschen durch die harte Begrenzung, die das Signal unangenehm machen.

Die Röhre aber begrenzt bei Übersteuerung das Signal eher mild und graduell. Während der normale Halbleiter dabei ungeradzahlige Obertöne bildet, erzeugt eine korrekt ausgelegte Röhrenschaltung überwiegend geradzahlige Obertöne, die das menschliche Gehör als angenehm empfindet.

Unvergleichlich, die Röhrentechnik in modernem Studioequipment

Färbt die Röhre den Klang auch ohne „Overdrive“?

Ja, das liegt zum guten Teil am Dynamikverhalten. Jedes Signal eines jeden Instrumentes erzeugt auch deutliches Peaks oder Signalspitzen, wie der harte Anschlag eines Keyboards oder einer Gitarrensaite zum Beispiel. Diese Peaks werden in gut dimensionieren Halbleiterschaltungen vollständig abgebildet. Deshalb benötigen diese Endstufen auch hohe Leistungsreserven. Eine Röhre verdaut diese Peaks ganz anders. Da Röhrenschaltungen nicht so deutlich überdimensioniert sind, werden diese typischerweise die Peaks komprimieren, also begrenzen. Die Röhre fungiert quasi als „perfekter“ Kompressor. Perfekt deshalb, weil die Begrenzung und die harmonischen Verzerrungen als solche gar nicht wahrgenommen werden, die Spitzen (Peaks) eben sehr kurz sind und über die Röhre auch nicht unangenehm klingen. Der Dynamikbereich erscheint größer.

Das hat wohl auch die Tegeler Audio Manufaktur erkannt und in ihren Hallgenerator RaumZeit Maschine ebenfalls Röhrentechnologie integriert. (Hier der Test dazu)

SPL Goldmike mit Röhrentechnik

Röhre ist nicht gleich Röhre

Die Bezeichnungen und Kategorisierung von Röhren sind leider weltweit nicht genormt. So können kompatible Röhren komplett unterschiedliche Bezeichnungen tragen.

Alle im Folgenden genannten Röhren sind zum Beispiel kompatibel: Diese Röhren sind folglich kompatibel. ECC83 in Europa, 12AX7A in Nordamerika und 7025 als US-Industrie- oder Militär-Type. Es liegt jeweils das gleiche Datenblatt zugrunde, wobei die 7025 etwas engere Toleranzen in den Streuparametern vorsieht.

Auf der anderen Seite klingen nicht alle kompatiblen Röhren identisch. Verschiedene Fabrikate klingen auch unterschiedlich. Es macht also keinen Unterschied, ob 12AX7A oder ECC83 auf der Röhre steht, sondern welcher Hersteller diese mit welchen Eigenheiten gefertigt hat. So verwendet jeder etwas andere Metalllegierungen, Beschichtungen und Qualitäten. Die Gitter können vernickelt, versilbert oder auch vergoldet sein. Der genaue geometrische Aufbau kann sehr verschieden sein. Auffällig ist das z. B. bei langen oder besonders kurzen Anoden.

Alle Verschiedenheiten führen zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen im Klang und auch im Gain oder im Nebengeräuschverhalten. Sogar innerhalb einer einzigen Charge treten zum Teil dramatische Toleranzen zutage. Deshalb gibt es Anbieter, die diese Röhren selektieren, also auf bestimmte Eigenschaften prüfen.

Wer sich mit Herstellern und Unterschieden auseinandersetzen möchte – oder einfach nur Bedarf an einer neuen Röhre hat, weil ihm seine „Alte“ abgetaucht ist, dem empfehlen wir den Shop des Tube Amp Doctors. (Bitte nicht verwechseln mit unserem Doc analog ;-)

Interview mit einem wahren Röhren-Liebhaber:

Michael Krusch von Tegeler Audio

Es gibt immer weniger Firmen, die konsequent auf Röhrentechnologie setzen, eine davon ist mit Sicherheit die Tegeler Audio Manufaktur aus Berlin. Wie bereits oben erwähnt, kommt selbst in deren Halleffekt-Gerät Raumzeitmaschine u. a. Röhrentechnologie zum Einsatz.

Wir haben uns mit Gründer und Toningenieur Michael Krusch unterhalten:

Michael Krusch von Tegeler Audio Manufaktur

Peter:
Hallo Michael, hat der echte Röhrensound ausgedient? Immer mehr Plugins mit dreidimensionalen GUIs versprechen einen identischen Sound.

Michael:
Die Oberflächen finde ich inzwischen echt beeindruckend. Ich liebe alles, was gut aussieht. Beim Sound kann ich insbesondere bei Röhren und Übertragern, aber auch beim Kompressionscharakter Unterschiede hören. Jeder kann natürlich entscheiden, ob ihm der Unterscheid das wert ist. Es gibt aber genug Leute, die so empfinden, deshalb gibt es auch so viele Analoggeräte auf dem Markt wie je zuvor.

Es verhält sich ähnlich wie mit Analogsynthies. Auch der Markt wächst und jeder, der welche benutzt, weiß auch warum. Wenn ich mir die Demos auf der Website eines bekannten Plugin-Herstellers anhöre und dort einen Vergleich zwischen Plugin und Hardware finde und es der Hersteller nicht schafft, beide gleich klingen zu lassen, obwohl er ja da sogar noch bestimmen kann, was und mit welchen Einstellungen verglichen wird, dann ist zumindest für mich die Antwort klar. Deshalb gibt es momentan auch keine Audio-Plugins von unseren Geräten.

Peter:
Tegeler Manufaktur ist eine der immer weniger werdenden Firmen, die konsequent auf Röhrentechnologie setzt. Warum?

Michael:
Ähnlich wie die Renaissance der Plattenspieler und des Vinyls scheinen die Unzulänglichkeiten der Röhren und der Übertrager etwas zum Klang hinzuzugeben, was dem Ohr gefällt.

Nebenbei: Es ist nicht nur die Röhre, auch die Übertrager spielen beim typischen Klang eine Rolle. Da Übertrager teuer und schwer sind, wird da bei günstigen Gräten gerne gespart. Es gibt zwar eine Röhre, aber mehr nicht. Leider nur der halbe Sound.

Geschichtlich gesehen, freute man sich irgendwann über den Transistor und ICs, weil man vorher keine Wahl hatte. Man nahm mit einem Röhrenmikro durch einen Röhren-Preamp auf die Röhrenbandmaschine auf, um dann über das Röhrenpult mittels Röhrenkompressor und Röhren-EQ auf das Röhrenmasterband zu mischen.  Man hatte logischerweise mit Klangverlusten, erhöhtem Rauschen und hohem Klirrfaktor zu kämpfen.
Heute setzt man Röhrengeräte gezielt ein. Niemand möchte z. B. im Studio einen Röhrenlautsprecher zum Abhören verwenden. Für diese Anwendung freut man sich über hohe Neutralität des Klanges.

Wir als Tegeler Audio Manufaktur sind nicht rückwärtsgewandt, ganz im Gegenteil. Es gibt für mich keine „gute alte Zeit“, die ich zurückhaben möchte.
Wir nehmen die Röhrentechnologie und bringen sie in die moderne Produktionswelt. Röhren und Übertrager zusammen mit Mikroprozessoren auf derselben Leiterplatte. Jede Technologie hat seinen Platz.

Klassiker nachzubauen, wie es einige Firmen im Billigsegment mit mäßigem Erfolg versuchen, ist für mich langweilig. Ich entwickle Geräte, weil es meine Leidenschaft ist. Etwas Neues zu entwickeln, macht viel mehr Spaß. Und wegen dieser Leidenschaft sind wir ja alle im weiten Bereich der „Musikerzeugung“ engagiert.

Faszinierend: Hallgenerator RaumZeit von Tegeler Audio Manufaktur u. a. mit Röhrentechnologie

Peter:
Selbst in eurem Hallprozessor Raumzeitmaschine ist eine Röhre verbaut. Macht das wirklich Sinn in einem Halleffekt?

Michael:
Für mich schon. Und anscheinend für die, die die Raumzeitmaschine bereits bei sich im Studio stehen haben auch. Große Namen wie die Black Eyed Peas und auch Besitzer anderer hochwertiger Hallgeräte, wie z. B. Bricasti.

Der Hall ist natürlich ein Algorithmus und wird von einem Prozessor berechnet. Hall als deutlich hörbaren Effekt kann an auch analog erzeugen, aber wenn es natürlich klingen soll, dann geht es nur mit vertretbarem Aufwand in digital. Die Röhren und Übertrager verändern das Signal dann noch in die schönere Richtung. Vergleichbar einer Mikrofonaufnahme in einem gut klingenden Raum mittels eines hochwertigen Röhrenmikrofons.

Die Frage hab ich mir am Anfang natürlich auch gestellt. Lohnt sich der Aufwand?  Ich habe beides im Studio angehört. Meine Antwort ist in Hardware gegossen.

Peter:
Die Lebensdauer der Röhren ist ja nicht unendlich, wann muss eine Röhre in der Regel in euren Geräten ausgetauscht werden?

Michael:
Entweder die Röhre geht schnell kaputt oder sie hält sehr lange.
In der Röhre herrscht ein Vakuum. Wenn bei der Herstellung irgendwo Verunreinigungen hineingelangen, kann es sein, dass die Fremdstoffe innerhalb kurzer Zeit den Betrieb der Röhre stören. Ansonsten kann eine Röhre auch 10-20 und mehr Jahre halten. Wobei ich mich auf Kleinsignalröhren in Studiotechnik beziehe. Eine Endstufenröhre in einem Verstärker kann bedeutend schneller verbraucht sein, weil dort höhere Ströme fließen.

Ein größeres Problem ist ein psychologisches:

Wenn man ein Gerät neu hat, ist man von der Klangverbesserung angetan. Insbesondere wenn man von Plugins kommt. Mit der Zeit gewöhnt man sich an den Klang und die Verbesserung. Dadurch denkt man: Das Gerät klang früher besser, also Röhren verbraucht. Neue Röhren müssen her. Dabei hat sich nichts am Gerät geändert, sondern an einem selbst. Das Ohr schafft es nicht mal, Klänge mit einer Minute Unterbrechung richtig zu vergleichen. Geschweige denn einer Woche oder einem Monat.  Man sollte da sein Gehör ruhig mal anzweifeln.

Peter:
Wie erkennt man denn, ob eine Röhre kaputt ist?

Michael:
Ich denke, für den krassen Fall „kein Audiosignal mehr“ braucht man keine Beschreibung.
Ansonsten lässt mit der Zeit die Emissionsfähigkeit der Kathode nach.  Die Kathode wird beheizt und sendet Elektronen aus, die zur Anode gelangen. Das ist der Stromfluss in der Röhre. Mittels des Gitters in der Röhre kann dieser Fluss gesteuert werden. Sendet die Kathode weniger Elektronen, verringert sich auch der Stromfluss. Die Auswirkungen hängen von der Schaltung ab. Es könnte die Verstärkung sinken, der Klirrfaktor zunehmen und durch den erhöhten Innenwiderstand der Röhre die Basswiedergabe schwächer werden. Es kann sein, dass die Schaltung einen Teil der Auswirkungen erst mal kompensieren kann, aber irgendwann nicht mehr, dann wird es schlagartig hörbar.

Peter:
Kann man den Röhrentausch auch selbst vornehmen oder muss dazu ein Fachmann herangezogen werden?

Michael:
Erst mal Vorsicht wegen der Hochspannung im Inneren des Geräts. Die kann auch noch anliegen, wenn das Gerät längere Zeit ausgeschaltet war. Bei Stromschlag: Ab ins Krankenhaus, ob man sich gut fühlt oder nicht. Im Gewährleistungszeitraum sollte man das Gerät sowieso nicht selbst aufschrauben. Danach nur, wenn man weiß, was man tut. Wenn es (nur) eine Verstärkerschaltung ist, kann man versuchen, die Röhre gegen einen gleichen Typ auszutauschen. Wobei es sein kann, dass der Hersteller die Röhren nach bestimmten Parametern selektiert. Da irgendwas reinzustecken, kann gutgehen oder auch nicht. Ich würde Röhren nur bei einem seriösen Händler kaufen, der sie auch vorher testet. Kostet vielleicht etwas mehr, aber man erspart sich viele Probleme.
Einer wäre z. B. BTB Elektronik.

Wenn man bei eBay und Co. Röhren kauft, gibt es eine Wahrscheinlichkeit, dass aus einem irgendwo aufgefundenen Lagerbestand die besten Röhren schon aussortiert wurden, der Rest dann weiterverkauft wird. Der nächste sucht sich davon wieder die Passablen raus und der Rest geht wieder zu eBay. So kann eine Röhre schon durch viele Hände gegangen sein und das, was heute noch zirkuliert, ist einfach nur der restliche Schrott. Insbesondere bei heißbegehrten Typen würde ich mir da keine Hoffnung machen.

Bei Vari-mu-Kompressoren kann man nicht so einfach eine neue Röhre reinstecken und geht wieder. Die beiden Röhren in einem System müssen möglichst identische Parameter haben, damit der Kompressor keine Störgeräusche beim Komprimieren erzeugt. Bei einem Stereogerät müssen auch noch beide Röhren zueinander passen, sonst driftet das Stereobild beim Komprimieren durch die Gegend.  Nach jedem Röhrentausch muss der Kompressor auch wieder auf die neuen Röhren kalibriert werden. Da sollte man dann doch eher zum Hersteller gehen oder wenn es den nicht mehr gibt, zu einer Werkstatt mit Erfahrung in diesem Bereich.

Der Hersteller hat sich bei der Auswahl des Röhrentyps und des Herstellers schon was gedacht und die Schaltung danach ausgelegt. Es gibt die Sorte Mensch „Wenn nicht die super-duper seltene Teuerröhre drin ist, kann es gar nicht klingen“. Bevor man damit anfängt, vielleicht erst mal das Gerät anhören. Ansonsten ist wie in allen Bereichen: Das Ergebnis zählt. Wenn einem eine andere Röhre besser gefällt, warum nicht. Nur sollte man keine Wissenschaft draus machen.

Peter:
Ich bedanke mich vielmals für deine Antworten und wünsche Tegeler weiterhin viel Erfolg!!!

Sounddemo zum Unterschied Röhre vs Transistor auf YouTube

Auf YouTube haben wir ein Vergleichsvideo gefunden, bei dem komplette Mischungen unterschiedlich ausgespielt werden. In der Tonstudiopraxis wäre das zwar kein üblicher Vorgang, es lässt sich aber damit ganz gut demonstrieren, wie sich der klangliche Unterschied zwischen Röhre und Transistor bemerkbar macht.

Fazit

Vakuum-Röhren produzieren einen unverwechselbaren Klang. Auch wenn vieles heute im Studio digital sehr gut reproduziert werden kann, so sind digitale Röhrenemulationen immer noch nicht so weit, den unberechenbaren Klang einer Röhr zu 100 % zu simulieren.

Für Soundliebhaber, selbst in kleinsten Recording-Umgebungen, empfehlen wir in die Recording-Signalkette Röhren-Equipment zu integrieren.

Wer Röhren-Equipment gebraucht kauft, sollte sich gleichzeitig schlau machen, ob die integrierte Röhre gewechselt werden muss und ob diese auch erhältlich ist.

Plus

  • unverwechselbarer Klang

Minus

  • nach ein paar Jahren Röhre wechseln
Forum
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    Son of MooG  AHU

    Die Röhre in meiner EMX-1 Groovebox war für mich eher ein schönes Lämpchen als ein Klang-Werkzeug. Die Verzerrungen kamen mir zu ungehobelt rüber; mehr als ein leichtes Anzerren war schon unangenehm.
    Der Artikel und das Interview fand ich sehr informativ; habe einiges dazugelernt.
    Kleine Bemerkung nebenbei: Elektronen sind immer negativ.

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      Emmbot  AHU

      Jau die Röhren in der EMX sind öhm „harsch“ diplomatisch ausgedrückt. Hab die gewechselt und kalibriert. Anschließend fand ich den Sound viel besser. Man kann die Röhren auch weiter drehen ohne das es gleich so übersteuert.

      Gekauft auf Tube AMP Doc – JJ ECC803S / 12AX7

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        TobyB  RED

        Ich denke das die meisten EMX-1 relativ schlecht bis gar nicht kalibriert waren. Die Wenigsten haben die Mimik mit den zwei Widerständen und dem Kabel daheim, bzw. trauen sich die beiden Potis zu drehen ;-) Ich hab die EMX-1 nachdem die App rauskam, relativ fix weitergereicht. Asche über mein Haupt.

        Andererseits hatte der Sound der EMX-1 mit kalibierter Röhre immer schön Wumms.

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        Son of MooG  AHU

        Der Grundsound der Electribe ist für mich keine Motivation für einen Umbau. Der Sequencer ist zwar recht flexibel, bietet aber keine Transponier-Möglichkeit. So wird sie nur noch selten hervorgeholt…

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    Franz Walsch  AHU

    Wer Lust auf Röhrenklang hat, muss sich nur Musik aus der Vor-Transistorzeit anhören (Deep Purple, Led Zeppelin, Beatles etc.).
    Auch die gesamte Aufnahmetechnik (Abbey Road Studio Telefunken, Neumann etc.) war in Röhrentechnik und vielleicht erinnert sich noch jemand an das grüne »Magische Auge« am Blaupunkt Radio.
    KORG hat im Jahr 2015 mit der »Korg Nutube 6P1 Röhre« ein neues Röhrendesign mit vielen Veränderungen vorgestellt (auch hier unter dem Tiel »Bei KORG röhrt es« zu finden), die auch im neuen »Korg Volca Nubass« eingebaut ist.
    Für Gitarristen gibt es seit kurzem das »Audient Sono« ein AMP Modelling Interface mit Röhre.
    Es gibt bei der Röhrentechnik auch ein paar Nachteile, die dem Einsatz oft entgegenstehen.
    So braucht die traditionelle Röhre eine gewisse Aufwärmzeit um optimal zu funktionieren. Dabei entsteht viel Wärme und nach der Nutzung muss das Röhrengerät entsprechend lang abkühlen. Außerdem ist die Röhre bruchempfindlich. Es lohnt aber sich mit der Technik auseinander zu setzen.

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      harrymudd  

      Und der größte Nachteil der Röhre ist ihre Unwirtschaftlichkeit wegen der für die Funktion nötigen Heizung.
      Halbleiter brauchen keine Heizung.

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    harrymudd  

    Ich finde es immer wieder interessant, wenn technische Laien elektronische Grundlagen vermitteln.
    Ich denke dadurch werden die hanebüchenen technischen Eigenarten, ja sozusagen der Mythos, geschaffen, mit denen die Musiker dann verzaubert in die Musikgeschäfte pilgern, um diese erleuteten Geräte zu erwerben.
    In der Realität sind die technischen Eigenschaften viel weniger ‚romantisch‘:)

    Eine Elektronenröhre ist weder analog noch digital.

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      drbach  

      ich denke schon, dass Röhren, in dem Zusammenhang wie sie hier beschrieben sind, zu analoger Elektronik gehören, zu was denn sonst?

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        TobyB  RED

        Hallo Doktor Bach,

        ich denke eher er will auf die Funktion hinaus. Du kannst ja mit einer Röhre auch digitale Schaltungen herstellen, Turingmaschine, Bomba, Ultra, Zuse usw. Das kannst du mit einem Transistor oder MosFET auch. Nur hat sich die diskrete Bauweise nicht durchsetzen können. Ein Verstärker ist nun analog, somit kann man schon schreiben das die Röhre analog ist. Was ergänzend Sinn machen würde, wenn man die Übertragungskennlinie einer typischen Röhre gegenüber einem Transistor und MosFET gestellt hätte. Da sieht man die Unterschiede recht schnell.

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          drbach  

          genau, ich schreibe ja „im Zusammenhang“, nun hat ja die Röhre eigentlich seit Erfindung des Transistors im digitalen Bereich, also als Schaltelement quasi, keine Daseinsberechtigung mehr, aber in der analogen Schaltungstechnik durchaus seinen Reiz, wichtig scheint mir der gezielt richtige Einsatz, es gibt genügend Geräte, die aufgrund des Röhrenhypes mit einer Röhre gepimpt wurden, aber nicht unbedingt besser klingen

          PS: das dr steht nicht für Doktor, es ist einzig die Verdichtung meines vollständigen Namens

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            TobyB  RED

            Hallo drbach,

            man muss eine Schaltung schon entsprechend konstruieren. Sonst wird das nichts. Nur weil da eine Röhre drin ist, klingt das noch lange nicht gut. Siehe Emmbots Post. Wenn die Schaltung entsprechend durchgebaut wurde macht eine Röhre durchaus Sinn. Entscheidend ist das ich mir die Eigenheiten der Röhre zu nutze mache.

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          Max Lorenz  RED

          Erklär das doch mal genauer. Und btw. Andreas Hecke ist jetzt nicht gerade ein Unwissender in Sachen Röhre. Also klär uns doch auf und laß uns nicht dumm sterben.

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            harrymudd  

            Eine Röhre ist wie ein Transistor erst mal ein ein Bauelement mit bestimmten Eigenschaften. Was ich nun mit der Röhre/dem Transistor anstelle ob ich nun dieses Bauteil als Oszillator, Verstärker oder Kippstufe verwende, bestimmt die Funktion und die kann analog also stetig veränderlich oder digital unstetig schaltend sein.

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              Tyrell  RED 1

              „Deshalb wird seit vielen Jahren die analoge Röhrentechnik…“

              Also stimmt die Aussage doch. Kann sein, dass irgendwo in einem Nebensatz mal von der „analogen Röhre“ gesprochen wird, aber deshalb gleich so den Oberlehrer raushänge lassen, wäre nicht nötig gewesen.

              „Ich finde es immer wieder interessant, wenn technische Laien elektronische Grundlagen vermitteln.“

              Viele Grüße von einem technischen Laien.

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                harrymudd  

                Das hat nichts mit oberlehrerhaft zu tun.
                Ich habe nur Schwierigkeiten damit, wenn mich jemand auf technische Zusammenhänge anspricht, die er in einem Fach-Magazin gelesen hat, ihm mitzuteilen, dass die Elektrotechnik eben ein bisschen anders funktioniert.

                • Profilbild
                  Max Lorenz  RED

                  Was war denn an dem Satz sachdienlich?
                  .
                  „Ich finde es immer wieder interessant, wenn technische Laien elektronische Grundlagen vermitteln.“

    • Profilbild
      fritz808  

      vielleicht irgendsoein ego-ding von harrymudd. manche sind eben schlauer als andere. kompetenz sieht jedenfalls anders aus und drischt keine leeren phrasen.

  4. Profilbild
    harrymudd  

    Ich wage mal zu behaupten, dass alle Geräte mit prominent plazierter Röhre diese nur zu Marketingzwecken besitzen.

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      Max Lorenz  RED

      Ich finde es ja schön, dass du hier so extrem polarisierst, dadurch kommt ein wunderbarer Gedankenaustausch zustande, aber die Aussage die du da triffst ist so schwammig, der kann man gar nicht widersprechen:
      „dass alle Geräte mit prominent plazierter Röhre“
      Über den Satz musste ich erst mal nachdenken, kam aber zu keinem Ergebnis. Gilt als „prominent platziert“ nur sichtbar am gerät, oder auch sichtbar durch die Bezeichnung. „… Tube Amp“ ? ;-)
      Meine Erfahrung:
      Röhre hört man (egal in welchem Gerät) Muss man aber mögen. Auf gar keinen Fall ist aber Röhre zu vergleichen mit irgendwelchen esoterischen Goldkabelchen der High-End-Nerds.

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        harrymudd  

        Mit prominent meine ich gut sichtbar in Geräten, in denen eine Röhre üblicherweise nicht vorkommt (Ich erinner mich noch gut an das AOpen Mainboard mit ECC83 von 2002…): Ob eine Drumbox nun unbedingt eine ECC83 mit viel zu niedriger Anodenspannung benötigt, wage ich zu bezweifeln. Allein der Anblick dieser zusätzlich noch von hinten beleuchteten Alibiröhre und der marketingträchtige Slogan ‚Tube‘ verleitet den Käufer zum Öffnen seines Portemonnaies.

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          Max Lorenz  RED

          Bei einem SPL Goldmike ist die Röhre auch „prominent“ platziert – und hier hat sie definitiv keinen Placebo-Effekt, sondern wirkt sich klanglich auf das Signal aus. (Ähnliche Beispiele gibt es dutzende)
          Deine Aussage:
          „ich wage mal zu behaupten, dass alle Geräte mit prominent plazierter Röhre diese nur zu Marketingzwecken besitzen.“
          ist also falsch.
          Und genau hier fängt das an so ein Ego-Ding zu sein. Wieso? Das hast du doch offensichtlich mit deinem Fachwissen gar nicht nötig, oder?

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      iggy_pop  AHU

      Es soll ja sogar Geräte (ge)geben (haben) von einem bestimmten Hersteller, der die am Gerät deutlich exponiert sichtbare Röhre rückwärtig mit einer dimmbaren LED anleuchtet(e), um richtig Action in der Kathode vorzugaukeln…
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      De facto habe ich nie wirklich das Gefühl gehabt, daß die Röhre im Korg SV-1 signifikant ins Klanggeschehen eingreift, und so ging es mir auch immer mit dem Digitech RPM-1 Leslie-Simulator (bei letzterem war wahrscheinlich auch immer die Kalibrierung mit Schuld am Sound, wenn ich obige Kommentare lese).
      .

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    Emmbot  AHU

    An der Röhre scheiden sich auch etwas die Geister siehe Axels Artikel: https://www.amazona.de/gitarrenverstaerker-roehren-transistoren-oder-gleich-digital/

    bzw. die Kommentare.

    Für eine Musikforum ist eine nicht wissenschaftliche Beschreibung von den Erfahrungen mit dem Thema absolut gerechtfertigt. Wer mehr technischen Background zu dem Thema hat, kann uns ja durch einen Artikel/Erfahrungsbericht erhellen. Ich vermutet aber mal, dass das Thema riessig ist sonst gäbs den Artikel schon ;).

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    lightman  AHU

    Man muß da einfach pragmatisch rangehen. Ich teste ein Gerät, wenn mir der Sound taugt, ist alles gut, wenn nicht, dann bleibts halt liegen. Ob da Röhren, Transistoren, Chips oder Apfelmus drin sind, ist mir wurscht.

    Bei Röhren hätte ich vornehmlich Bedenken, daß im Schadensfall kein Ersatz mehr auzutreiben ist. Neben elektrischen Fehlern kann so ein Glasdingens ja auch brechen, und dann geht erstmal nichts mehr.

    Ich habe im Ohr, wie ein Röhrenverstärker + Gitarre klingen kann, das ist schon eine feine Sache, für den, der’s mag. Für meine Synths und Trommelkisten habe ich mit Röhren allerdings noch keine Anwendung gefunden, habt ihr da Beispiele, wo ein Synth von einer Röhre profitiert?

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    SynthNerd  

    Interessantes Thema. Mein Senf dazu:

    – sind Röhren und Transistoren analoge Bauelemente?
    ja – Nur deshalb taugen sie (im Gegensatz zu Relais oder Thyristoren) zur direkten Verstärkung analoger Signale.
    Es ist die Entscheidung des Schaltungsentwicklers, welchen Bereich der Kennlinie des Bauelements er benutzt. In digitalen Schaltungen wird der lineare Bereich der Kennlinie halt nicht benutzt – anders gesagt: Hier wird absichtlich übersteuert.

    – klingen Röhren anders als Transistoren?
    ja – merkt man schon, wenn man die gegen eine Wand wirft ;-)
    Im Ernst, hier spielt der unterschiedliche Verlauf der Kennlinien eine entscheidende Rolle. Bei Röhren ist der Übergang vom linearen Verhalten in die Übersteuerung weicher und das Obertonspektrum entsprechend anders. (kleine Nebenbemerkung: nicht das Signal verläuft mehr oder weniger geradlinig, sondern die Übertragungskennlinie)

    – ist „prominente“ Platzierung einer Röhre Marketing?
    ja, weil für den Klang ist es objektiv irrelevant, ob man die Röhre sieht. Subjektiv macht es aber einen Unterschied (,der einen mehr oder weniger beeinflusst).

    Fazit: Ich würde mich nicht bewusst für oder gegen ein Gerät entscheiden, nur weil es Röhren benutzt. Es muss mich im Vergleich mit den Alternativen überzeugen.

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