Test: Twisted Electrons Crazy8, Step-Sequencer

21. Februar 2020

Smarter Sequencer für MIDI und CV/Gate

twisted electrons crazy8 step sequencer

Twisted Electrons Crazy8, Step-Sequencer

Twisted Electrons Crazy8 ist ein smarter Sequencer, der auf kleiner Fläche viele Funktionen beherbergt. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich um einen achtspurigen Step-Sequencer. Dieser ist bereits aus dem Modell Acid8 bekannt, der aus dem gleichen französischen Haus stammt. Obwohl der Crazy8 schon länger auf dem Markt ist und der Hersteller zwischenzeitlich mit Crazy8 Beats eine weitere Variante herausgebracht hat, wollten wir euch diesen Step-Sequencer nicht vorenthalten.

Twisted Electrons Crazy8 – Oberfläche

Das Gehäuse ist solide, rundherum aus Metall gefertigt und sehr flach. Einzig der Endlos-Drehregler auf der Oberseite ragt wenige Zentimeter nach oben. Die Maße des Gehäuses betragen lediglich ca. 21,0 x 10,0 x 2,5 cm (BxTxH). Damit findet Crazy8 gut Platz sowohl auf Reisen als auch in kleinen Studio-Setups.

Die Bedienoberfläche des Crazy8 besteht in der oberen Hälfte aus vier Reihen mit jeweils sechzehn LEDs, diese stehen für jeweils vier Spuren mit 16 Steps.

Sehr kompakt – Twisted Electrons Crazy8

Die untere Hälfte der Bedienoberfläche besteht aus Funktionstasten, von denen 13 Stück in Form einer Keyboard-Oktave farblich in Schwarz und Weiß angeordnet sind.

Der bereits erwähnte Endlos-Drehregler mit Push-Funktion befindet sich auf der rechten Seite. Dieser ist gummiert und fühlt sich gut an. Die Taster klicken recht laut, was ich im Studiobetrieb als unangenehm empfinde. Jeder Tastendruck wird mit einem lauten „Klack“ quittiert. Das Geräusch löst immerhin eine mechanische Haptik aus, die einem das sichere Gefühl gibt, dass die Taste zuverlässig gedrückt wurde. Dies ist im Live-Betrieb auf der Bühne sicherlich sinnvoll. Für meinen Geschmack dürfte das Geräusch in meiner Studioumgebung aber weniger laut sein.

Twisted Electrons Crazy8 – Die Oberfläche

Alle Anschlüsse des Sequencers befinden sich auf der Rückseite des Gehäuses. Bis auf die Buchse für das im Lieferumfang enthaltene Netzteil handelt es sich hierbei ausschließlich um Mini-Klinkenbuchsen. Das heißt, für MIDI-Ein- und Ausgang benötigt man Adapter. Diese werden zum Glück in Form kurzer Kabelpeitschen mitgeliefert (Klinke auf MIDI-DIN).

Twisted Electrons Crazy8 – Die Anschlüsse auf der Rückseite

Interessanterweise kann ein beliebiges Netzteil mit Gleich- oder Wechselspannung (und mit passendem Stecker) und einer Spannung von 9-15 Volt eingesetzt werden. Die Polarität spielt dabei keine Rolle! Das könnte von mir aus auch Schule bei anderen Herstellern machen. Denn allein bei den vielen kleinen Studiogeräten – und ich in meinem Fall nutze gerne Stompboxen als Effektgeräte für meine Synths – bin immer auf der Suche nach dem passenden Netzteil.

Der Crazy8 verfügt über ein Pärchen MIDI IN/OUT und über einen zweiten MIDI-Ausgang. Dem folgen insgesamt vier Paare Analog-CV-/Gate Out (0-5 Volt) und ein Anschlusspaar für Sync In/Out (5 Volt).

MIDI IN empfängt MIDI-Clock und kann zum Programmieren von Noten im Step-Mode und zum Transponieren auf MIDI-Kanal 16 genutzt werden.

Twisted Electrons Crazy8 – Rückseite

MIDI Out 1 liefert MIDI-Noten für die Tracks 1-4. MIDI Out 2 für die Tracks 5-8. Die Informationen der CV/Gate-Ausgänge werden parallel auf MIDI Out 2 ausgegeben. Einzelne Spuren werden über die acht weißen Keyboardtasten stummgeschaltet.

Sequencing

Über Druck auf den Encoder kann zwischen Programmierung von Sequenzen und Auswählen von Pattern gewechselt werden. Dabei muss man sich angewöhnen, den Status immer im Auge zu behalten, was aufgrund der Anordnung der Status LEDs nicht immer gewährleistet ist.

Die LEDs befindet sich auf der rechten Seite neben dem Encoder und werden leicht von der Hand verdeckt. Oder man wähnt sich im richtigen Modus, schraubt am Encoder und stellt dann erst fest, dass andere Parameter verstellt wurden. Dies erfordert vom Nutzer Disziplin.

Twisted Electrons Crazy8

Um Spuren mit Noten zu füllen, wird zunächst eine Spur ausgewählt. Die Spuren 1-4 sind ja dem MIDI Out 1 zugeordnet und erlauben 4-fach polyphones Sequencing. Die Spuren 5-8 sind fest den CV/Gate und MIDI Out 2 zugeordnet. Die Anwahl der Spuren erfolgt über die „weißen“ Tasten des Keyboards. Oberhalb der Tasten befindet sich jedoch die Beschriftung der Track-Rates, was mich etwas verwirrt hat, die jeweils richtige Spurtaste zu drücken. Aber das ist reine Gewöhnungssache.

Pro Step und Spur können nun Noten eingegeben werden, was schnell vonstatten geht. Entweder per angeschlossener MIDI-Tastatur oder über  die eingebaute Oktave. Jede Spur kann in unterschiedlichen Rates durchlaufen werden. Ebenfalls ist die Laufrichtung für jede Spur individuell. Es gibt die Modi Vorwärts, Rückwärts, Pendulum (vor und zurück) sowie Zufall. Einzelne Steps und ganze Pattern können um insgesamt 7 Oktaven transponiert werden.

Im Chain-Mode werden bis zu acht Patterns aneinander gehängt, so dass ein maximal 128 Steps langes Pattern entstehen kann.

Twisted Electrons Crazy8

Mit Duty bezeichnet der Crazy8 die bei anderen Sequencern meistens Gate-Length genannte Schrittlänge der einzelnen Steps.

Die Funktion Crazy fügt den Pattern entweder einen Probability Wert zu, um die Wahrscheinlichkeit, dass eine Note gespielt wird, zu variieren. Oder es fügt der Crazy-Faktor der Sequenz zusätzliche, passende Noten hinzu. Dies führt zu manchmal mehr, manchmal weniger befriedigenden Ergebnissen, macht die Sequenzen auf jeden Fall lebendig.

Crazy8 verfügt über zwei Swing Modi, die mit Straight Swing und Shuffled Swing betitelt sind. Diese können in jeweils acht Stufen in der Intensität geregelt werden.

Jede Spur kann über die Offset-Funktion schrittweise verschoben werden, was zu neuen Variationen im Taktraster führt.

Im Chord-Mode können die Spuren 1-4 pro Step einen bis zu 5-stimmigen Akkord abspielen. Die Akkorde müssen allerdings vorher erstellt und im Crazy8 Sequencer auf einem von 15 Speicherplätzen gesichert werden. Das ist auf der einen Seite hilfreich für typische Techno- und House-Chords. Es schränkt jedoch aufgrund der Anzahl an Speicherplätzen die Komplexität für andere Musikarten oder im Live-Betrieb ein.

Gespeicherte Gewerke können per SysEx auf einen Rechner übertragen und wieder zurückgespielt werden. Crazy8 funktioniert per MIDI-Clock als Master und als Slave.

Twisted Electrons Crazy8

Twisted Electrons Crazy8

Fazit

Twisted Electrons Crazy8 ist ein smarter Sequencer, der dank einer Vielzahl von Schnittstellen der zentrale Dirigent in einem Synthesizer-Setup sein kann. Die Verbindung via MIDI und CV/Gate macht ihn flexibel. Vom Konzept her ist Crazy8 anders gestaltet, als zum Beispiel der populäre Beatstep Pro von Arturia und bietet mehr Spuren bei weniger Speicherplatz.

Der Lernprozess, um die Maschine zu beherrschen, ist meines Erachtens nicht sonderlich intuitiv. Ich habe zunächst versucht, ohne Benutzerhandbuch die ersten Schritte zu programmieren und bin gescheitert. Erst nach Studium der Lektüre und den ergänzenden Tutorial Videos habe ich die ersten Signale aus Crazy8 an meine Geräte schicken können. Beherrscht man alle Funktionen und Handgriffe sicher, dann ist Crazy8 ein toller Performer, sowohl im Studio als auch auf der Bühne.

Die Nutzung des Encoders im korrekten Modus erfordert Disziplin. Mir ist es häufig passiert, dass ich am Encoder gedreht habe und im falschen Modus unterwegs war. Wer sich intensiv mit dem Gerät beschäftigt, wird aber sicherlich damit zurechtkommen.

Die LED-Matrix ist teilweise unübersichtlich. Es werden vier von acht Spuren abgebildet. Hier kann man schon mal den Überblick verlieren, welche Spuren gerade angezeigt werden. Farbige LEDs könnten hier helfen.

Mich hat zudem das laute Klackgeräusch der Drucktasten im Studio gestört. Das würde ich mir unaufdringlicher wünschen. Dafür ist das haptische Feedback der Tasten gut, was im Live-Betrieb sicher Vorteile hat.

Alles in allem eine interessante Maschine, die bei intensiver Einarbeitung und Bespielung viele Möglichkeiten und einen hohen Spaßfaktor bietet.

Plus

  • 4 Kanäle MIDI und 4 Kanäle CV/Gate parallel
  • Chord-Funktion
  • Formfaktor

Minus

  • erfordert intensive Einarbeitung
  • Bedienung nicht sonderlich intuitiv
  • lautes Klackgeräusch der Drucktasten
  • Übersichtlichkeit der LED-Matrix

Preis

  • 299,- Euro
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