Test: Universal Audio Oxide Tape Recorder, Bandsättigungs Plug-in

14. Dezember 2015

Tape-Sound für Sparfüchse

Mit dem letzten UAD Software Update auf Version 8.41 hielten nicht nur weitere Marshall Verstärker Einzug in die virtuelle Universal Audio-Welt, sondern auch ein neues Bandsättigungs Plug-in mit dem Namen Oxide Tape Recorder. Für die UAD-Plattform gibt es mit dem Studer A800 und dem Ampex ATR-102 bereits zwei Bandsättigungs Plug-ins, doch kosten diese mit jeweils 349,- Euro nicht gerade wenig. Das Oxide Tape Recorder Plug-in soll das Sättigungsangebot preislich nun nach unten hin abrunden und für weniger als die Hälfte ein ebenso überzeugendes Klangergebnis liefern. Dazu bei reduziertem Funktionsumfang. Ob das Plug-in überzeugen kann und wie schwer die funktionalen Abstriche wiegen, wird der Testbericht hier bei Amazona zeigen.

UAD Oxide Tape Recorder

UAD Oxide Tape Recorder

Wenn das Band es satt hat

Vor dem Siegeszug der Digitaltechnik wurden Aufnahmen vorwiegend analog auf Bandmaschinen gemacht. Nimmt man Klänge analog auf Tonband auf, so wird die Metalloxidschicht auf dem Tonband entsprechend der anliegenden Schwingung mehr oder weniger stark magnetisiert. Erhöht man den Pegel wird das Magnetfeld des Schreibkopfes stärker und das vorbeilaufende Tonband wird entsprechend stärker magnetisiert. Ab einem bestimmten Punkt kann das Band aber nicht weiter magnetisiert werden, hier spricht man von magnetischer Sättigung. Dieser Punkt wird nicht abrupt erreicht wie beim Wandler-Clipping, sondern sanft in einer immer flacher werdenden Kurve.

In der Praxis führt das dazu, dass der aufzunehmende Klang mit steigendem Pegel immer stärker komprimiert wird, d.h. in seiner Dynamik eingeschränkt, mit dem Vorteil, dass es im Vergleich zur herkömmlichen Dynamikbegrenzung keine Kompressionsartefakte durch Attack- und Release-Zeiten gibt. Die Lautheit des Signals steigt und es muss im Mix und im Mastering weniger komprimiert werden, um einen homogenen Gesamtklang zu erhalten, was nachträgliche Arbeit erspart.

Gleichzeitig entstehen immer mehr Obertöne, so dass ein auf Band aufgenommenes Signal frischer und crisper klingt. Das ist ähnlich wie bei einer Vakuum-Röhre, nur dass beim Tonband eher ungeradzahlige Harmonische erzeugt werden, während sie bei Röhren vermehrt geradzahlig sind.

Nicht verschweigen will ich hier, dass gerade der eingeschränkte Dynamikumfang und die Verzerrungen des Tonbandes vielen Toningenieuren ein Dorn im Auge waren, vor allem im Klassikbereich. Deshalb wurde die digitale Aufnahme zu Zeiten ihrer Marktreife auch als Heilsbringer gesehen.

In heutigen Zeiten hat selbst ein günstiges Audiointerface einen Dynamikumfang, der den damaligen Toningenieuren die Tränen in die Augen getrieben hätte, aber das analoge Salz in der Suppe fehlt doch zuweilen.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    whitebaracuda  

    Hallo Robert

    Besten Dank für den interessanten Artikel!

    Das U HE plugin Satin spielt auch in der Liga der Band Emulationen mit. Lässt sich hier auch ein vergleich zu den UAD Vertretern anstellen?

    Viele Grüsse
    ‚Cuda

    • Profilbild
      r.biernat  RED

      Hallo Cuda,

      ich hab mir mal spassenshalber das Demo von Satin installiert und verglichen. Also, den eigentlichen Tape-Effekt finde ich hier nicht ganz so gut, weniger druckvoll und kompakt in den Bässen und Tiefmitten und insgesamt hat man auch weniger Gain-Reserven, heisst weniger potenzielle Zerre. Das überzeugt mich nicht so, aber das Tape-Flanging und die Tape-Delay Funktion sind klasse!

      LG
      Robert

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        whitebaracuda  

        Hallo Robert

        Vielen Dank für deine Einschätzung!
        Auch ich schätze die angesprochenen Band Effekte sehr.

        Viele Grüsse
        ‚Cuda

      • Profilbild
        pytrel  

        Also ich finde die Tone Boosters plugins unschlagbar für ihr geld und weit drüber hinaus.
        Heißt ReelBus, kostet um die 20 euro und kann meiner Meinung nach locker mit den „high end“ tape plugins mithalten. Die haben auch demos glaube ich also finde ich es „kriminell“ :-) es nicht auszuprobieren bevor man hunderte von euro für das gleiche oder fast das gleiche Resultat ausgibt.

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