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Test: Warm Audio WA-47F FET, Kondensatormikrofon

So gut wie das Original?

2. September 2022
warm audio wa47f test

Warm Audio WA-47F FET, Kondensatormikrofon

Das Warm Audio WA-47F ist der Nachbau des Neumann Klassikers U 47 aus dem Jahr 1969. Da aus diesem Jahr nur Gutes kommen kann (so wie zum Beispiel ich!), freue ich mich sehr auf diesen Test, denn auch viele Musiker meiner Generation und meines persönlichen Musikgeschmacks haben auf diesen 47-Style Sound gesetzt. Das 47 gibt es als Röhrenversion, wie auch (in diesem Test) als Variante mit FETs. Diese klingt interessanterweise etwas dunkler, vollmundiger und ist in erster Linie pegelfester als das Vacuum Tube Pendant. Deswegen setzen Rock’n’Roll Heroes, wie Bon Scott (AC/DC R.I.P.), James Hetfield (Metallica) und Michael Stipe (REM), auf diesen Mikrofontyp. Diese Referenzen machen mich neugierig – und Sie bestimmt auch!

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WA-47F_Mikro01

Ausstattung des Warm Audio WA-47F

Wie weit darf das Cloning gehen? Im Falle von Warm Audio sehr weit, denn schon die wunderschöne Holzkiste zur Aufbewahrung des edlen Stückes ist dem Neumann U 47 FET I schon sehr ähnlich und auch auf den ersten Blick scheint der Aufbau identisch. Allerdings ist das Warm Audio ein deutlich größerer und schwererer Brocken im Vergleich zum Neumann. Über 900 g beim Warm Audio und 20,3 x 7 cm stehen den etwa 710 g und 16,0 x 6,3 cm des Neumann entgegen.

Und in der Tat: Beim ersten Entnehmen hat man bei Warm Audio schon ordentlich etwas in der Hand. Einem 9,90 Euro Mikrofonständer würde ich das WA-47F nicht anvertrauen. Hier sollte schon ein solideres Kaliber herangezogen werden. Anders als in der ursprünglichen Pressemitteilung angekündigt, liegt dem Mikrofon keine Spinne bei, sondern nur das solide Hardmount mit dem Anschluss.

WA-47F_Neuman

Das Original von Neumann

Das Mikrofon ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit goldbeschichteter Membran. Die Ausgangsübertrager stammen von TAB Funkenwerk (USA), die nach deutschem Standard gefertigt wurden. Interessant ist, dass bei Warm Audio immer wieder der Name Oliver Archut fällt, der beispielsweise die UM17 und UM57 Röhrenmikrofone von AMI modifiziert hat und in der Szene einen sehr guten Ruf hatte. Leider ist Oliver Archut im Jahr 2014 verstorben.

Das „F“ im Namen des WA-47F steht im Übrigen für die Premium Fairchild FET-Transistoren, die auch im Original verbaut sind.

WA-47F_FET

Technische Daten des Kondensatormikrofons

Der maximale Schalldruck (SPL) beträgt 137 dB – und wenn man den am Mikrofon befindlichen PAD-Schalter betätigt, dann sogar 147 dB. Klar, dass dieses Mikro für die Schreihälse der Rockmusik geeignet ist. Mit 150 Ohm Ausgangsimpedanz und >1 kOhm Load-Impedanz bewegen wir uns im Rahmen für diese Art von Mikrofonen.

Der zweite Schalter am Mikrofonkörper ist ein Highpass: Ab 140 Hz werden nach unten die Frequenzen gedämpft. Das Warm Audio WA-47F ist mit 69 dB (76 dB-A gewichtet) auch recht rauscharm. In meinem Test verhielt es sich dahingehend sehr unauffällig.

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WA-47F_Frequenzgang

Warm Audio WA-47F: Verarbeitung

Auch unter der Lupe darf man behaupten: ein großartiges Stück Technik. Die Spaltmaße sind sehr exakt und gleichmäßig, das Material hat keine Fehler, wie auch der Korb um die empfindliche Membran herum ohne Makel ist. Das Hardmount ist sehr stabil und die hohe Masse gibt einem ein sehr hochwertiges Gefühl. Nur darf einem klar sein: Als „Handmikro“ sollte man das WA-47F nur in Ausnahmefällen einsetzen. Mit 900 g und 854,- Euro wirbelt es sich nicht so leicht über die Bühne, wie mit einem Shure SM58, das 300 g wiegt und ca. 100,- Euro kostet. Das Jagdrevier des Warm Audio ist entsprechend das Studio.

WA-47F_guitar

Die Schalter am Mikrofonkörper sind allerdings recht klein geraten und wenn man beim Performen dazu neigt, das Mikro lustvoll zu umgreifen, dann mag eine Fehlbedienung nicht ausgeschlossen sein. Sowohl der unfreiwillige Einsatz des PAD-Schalters, als auch der Highpass können einem die Aufnahme schon versauen. Hier ist also Vorsicht geboten.

WarmAudio_W47F_Detail

Einsatzbereiche des Warm Audio WA-47F

Warm Audio empfiehlt das WA-47F für drei ganz bestimmte Einsatzbereiche:

1. Stimme im Bereich Rock & Heavy

Da ist zum einen der bereits erwähnte Einsatz als Gesangsmikrofon für pegelstarke Rockröhren. Durch den vollen und warmen Klang empfiehlt sich das Mikrofon auch für tendenziell dünnere Stimmen. Denen kann man natürlich auch mit Chorus-Effekten, Doppelung oder einem Equalizer auf die Sprünge helfen, aber ein warm färbendes Mikrofon ist aus meiner Erfahrung die natürlichste Art und wirkt beim Publikum oder auf der Aufnahme am besten – denn es klingt eben nicht nach einem Effekt.

WA-47F_voice

2. Abnahme von Kick-Drums

Dazu soll es sich das WA-47F besonders bei Kick-Drums eignen. Warm Audio sagt dazu:

„Zusätzlich zu einem dynamischen Mikrofon an der Innenseite der Kick Drum, das direkt auf den Beater gerichtet ist, entscheiden sich viele Tontechniker für ein 47FET-Mikrofon an der Außenseite der Kick Drum auf dem vorderen Fell. Das dynamische Mikrofon am Beater fängt den „Snap“ der Kick ein, während das WA-47F an der Außenseite den „Thump“ der Trommel aufnimmt. Der Luftdruck-Boom“ des resonanten Kick-Drum-Fells ist ein gewaltiger Klang, den das dynamische Mikrofon leicht überhört. Ein WA-47F an der Kick hat einen enormen räumlichen Effekt auf den Sound und lässt Tracks lebendiger klingen.“

WA-47F_bassdrum

3. Gitarren- und Bassverstärker

Und final wird noch der Betrieb für Gitarren- und Bass-Lautsprecherkabinette empfohlen. Auch hier liegt der Vorteil ganz klar beim charakteristischen Klang und der Pegelfestigkeit, indem es harte Gitarreneinsätze sehr glaubhaft aufnimmt.

WA-47F_amp

Somit kann man hier klar sagen: Für den aufgerufenen Preis von aktuell 854,- Euro bietet das Warm Audio einen sehr breiten Einsatzbereich und darf sich so mit einem recht guten Preis-Leistungs-Verhältnis brüsten. Klar, 854,- Euro sind eine Menge Geld, aber solche Mikros sind in erster Linie auch nicht für eine Kellerband oder den Schulchor gedacht. Die illustre Liste der Referenzkünstler zeigt auf, an welches Klientel sich Warm Audio richtet. Voraussetzung dafür ist aber, dass das WA-47F auch die hohen Erwartungen erfüllen kann, die das Herstellermarketing vollmundig verspricht.

Wie klingt das Warm Audio WA-47F?

Zunächst habe ich ein paar härtere Schläge mit einem Schlegel auf meinen Bongos durchgeführt (eine Bassdrum würden meine Nachbarn auch nicht akzeptieren).

WarmAudio_W47F_Bongo

Aber schon hier entfaltet sich der Charakter des Warm Audio sehr gut: Ein sehr zackiges Ansprechen auf die Transienten und ein vollmundiges Ausklingen. So wirken die Kleinen gleich eine Portion größer.

Mein zum Vergleich herangezogenes Kondensatormikrofon Sennheiser e865s klingt im Vergleich heller, natürlicher und viel schlanker.

Dann die Stimme. Mit etwas Abstand hat meine Lesestimme ein Menge tiefe und mittlere Frequenzen. Bei schlank abgestimmten Mikrofonen kommt das leicht kehlig rüber. Nicht so mit dem Testkandidaten: Sonor und schön in der Ansprache – so mag ich mich gerne hören. Allerdings ist ein leichter Höhenabfall nicht zu überhören. Das Sennheiser macht mich zwar schmächtiger, aber dafür ist die Sprachverständlichkeit deutlich besser. Also: Ein Hörbuch oder einen Podcast sollte ich (!) besser mit dem Sennheiser aufnehmen und die unteren Mitten etwas betonen. Das Warm Audio will Pegel und erst dann kommen die Qualitäten sehr gut zur Geltung. Ein waschechtes Gesangsmikrofon aus Texas – dem U.S. Bundesstaat, der sowieso nicht für die leisen Töne bekannt ist.

Final noch ein paar harte Gitarrenchords an meiner VOX AC 15 Combo.

WarmAudio_W47F_VOX

Tatsächlich macht das Warm Audio WA-47F auch bei deftigen Tönen mit meiner Telecaster nicht schlapp: Gut durchhörbar und detailreich macht das WA-47F seinem Herstellernamen alle Ehre: „Warm Audio“ – in diesem Fall mit heftigem Twäng.

Und das Original?

Und im Vergleich mit den originalen 47er FET Style Mikrofonen? Ich bin kein Fan von Klangvergleichen aus der Erinnerung, denn letztlich kann man nach langer Zeit nur noch die Emotionen beim Hören, aber nicht mehr die Details reproduzieren. Dazu ist meine Erfahrung mit dem sehr teuren Neumann sehr begrenzt.

Was ich aber nach meinen Tests klar behaupten darf: Die Versprechen werden eingehalten: Voluminös, schnelle Transienten und sehr pegelfest. Genau das, was man dem Original auch nachsagt, erfüllt das Warm Audio WA-47F mit Bravour. Ein tolles, charakterstarkes Mikrofon, das insbesondere bei härterer Gangart voll überzeugen kann.

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Fazit

Sie suchen ein Mikrofon in der oberen Mittelklasse, mit dem Sie ihren Rock- und Metal-Aufnahmen die entsprechende Wucht verpassen möchten, ohne allerdings auf die Ansprache und die Details verzichten zu wollen? Voilà: Das Warm Audio WA-47F ist perfekt für Sie! Dabei ist das Kondensatormikrofon sehr pegelfest, toll verarbeitet und vermittelt eine hohe Wertigkeit. Im optimalen Setting ist es wahrlich eine Anschaffung fürs Leben – sehr gut!

Plus

  • sehr guter Klang, insbesondere für Rock & Heavy
  • voluminös, detailreich und pegelfest
  • rauscharm
  • sehr hochwertige Verarbeitung

Minus

  • Fehlbedienung bei den kleinen Schaltern am Mikrofon möglich
  • braucht etwas Grundpegel

Preis

  • 854,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Mathew

    Danke für diesen Test!
    Mich würde tatsächlich stark interessieren, wie das Warm gegen das United oder Stam abschneidet.

    Gibt es in der Zukunft eventuell einen Vergleich zwischen allen?

  2. Profilbild
    digga2000

    Auf YouTube gibt es ein interessantes Video, in dem das WA47FETmit dem deutlich günstigeren WA47 jr. verglichen wird…da hab ich mich schon etwas gewundert und dann das WA47FET erst mal wieder von meiner Wunschliste gestrichen…hat mich in dem Vergleich nicht wirklich überzeugt um fast 1000 EUR weiter zu reichen.

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