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Test: Yamaha DBR 15, Aktivboxen

22. Juli 2016

Hi-Fi in Groß

Diesmal war mein netter DHL-Fahrer nicht zuständig, denn die Yamaha DBR 15 kamen per deutscher Traditionsspedition direkt von der deutschen Niederlassung des japanischen Herstellers per LKW auf Palette. Irgendwie passt das zu der Firma Yamaha, die doch seit gefühlten Ewigkeiten das Image eines grundsoliden Großunternehmens in Sachen Ton besitzt. Und mit Ton meine ich auch ihre schönen Motorräder und flotten Außenborder, die ebenso das Firmensymbol mit den drei gekreuzten Stimmgabeln ziert. Alles, was Yamaha macht, hat meist immer irgendwas mit Geräusch zu tun. Ausgenommen vielleicht die Sparte Möbelfurniere, denn auch hier ist der japanische Riese kein unbedeutender Zwerg.

Yamaha DBR 15 02

Es hat null und gar nichts mit der Qualität eines Lautsprechers zu tun, wie dieser verpackt ist. Dennoch war die fette DBR 15 so locker und easy aus ihrer stabilen Kartonverpackung zu heben, dass es mir diesmal direkt eine Erwähnung wert ist. Karton oben aufschneiden, zwei Styro-Teile wegnehmen und einfach locker an den Griffen rausziehen. Kein Gezerre, keine Auspack-Orgien mit Unmengen von Umverpackungen, einfach mitgedacht. Habe ich etliche Male schon ganz anders erlebt.

Yamaha DBR 15 15

Auf meine König & Meyer-Lautsprecherständer gehievt, sehen sie unspektakulär elegant aus: schlichte, schwarze Blöcke mit dem Yamaha-Logo auf dem Frontgitter. Kein „Blink-Blink-Gelichter“, was effektheischend die Neugier auf sich lenkt, nein, einfach nur zwei unübersehbare, große, schwarze Eimer in fast-schön.

Yamaha DBR 15 auf König & Meyer 19500

Yamaha DBR 15 auf König & Meyer 19500

Die laut deutscher Bedienungsanleitung knapp 20 kg Lebendgewicht sind perfekt ausbalanciert, ein einigermaßen kräftiges Mannsbild bekommt die Yamaha DBR 15 ohne Beihilfe auf einen Lautsprecherständer gewuchtet.

Yamaha DBR 15 14

Nach dem Einschalten bemerkt man einen Lüfter, aber nur deshalb, weil man zum Einschalten hinter der Box steht. Denn vor der Box bemerkt man diesen nicht, er ist sehr leise. Das Grundrauschen ist ebenso sehr gering, es ist nur leise in Signalpausen wahrnehmbar und auch nur dann, wenn es im Raum mucksmäuschenstill ist.

Das Anschlussfeld ist stark nach innen verbaut, zu Beschädigungen der Bedienelemente wird es also kaum kommen. Die Regler, Schalter und Anschlussbuchsen selbst sind solide ausgeführt.

Yamaha DBR 15 04

Technische Fakten

Bei der Yamaha DBR 15 handelt es sich um eine aktive PA-Box, die von zwei Class D-Endstufen mit insgesamt 1000 Watt befeuert wird. Für den Bassbereich stehen 800 Watt und für den Hochtonbereich 200 Watt zur Verfügung, wenn man das dynamische Leistungsverhalten zugrunde legt (im Hi-Fi-Bereich nennt sich so etwas „Musikleistung“). Die „nackte“ Dauerleistung beträgt 400 Watt Bass und 65 Watt Hochton. Alles in allem eine äußerst kräftige Verstärkung, die hier verbaut ist.

Wie die Bezeichnung schon erahnen lässt, handelt es sich beim Basslautsprecher um einen fetten 15-Zöller mit einer unteren Arbeitsfrequenz von 50 Hz, der aber auch Frequenzen bis hinauf zu 2,1 kHz zu verarbeiten hat. Der Hochtöner ist eine 1,4-zöllige Membran mit Kompressionstreiber.

Auf der Rückseite befinden sich neben der Netzbuchse auch alle Audioanschlüsse. Es gibt zwei Eingänge mit XLR-Combobuchsen, einer davon umschaltbar auf Mikrofonempfindlichkeit. Der zweite wird um einen stereophonen Cinch-Eingang ergänzt, der aber logischerweise intern auf Mono zusammengemischt wird. Hierüber lässt sich unkompliziert z.B. ein CD-Player oder ein Smartphone (per Adapterkabel) anschließen. Beide Eingänge haben ihren eigenen Lautstärkeregler und somit kann auf die Schnelle eine kleine Mischung aus z.B. Gesang und Keyboard erstellt werden.

Yamaha DBR 15 07

Über eine „Thru“-Ausgangsbuchse lässt sich eine weitere Box anschließen, wenn es sich um eine größere Veranstaltung handelt oder man gar in einem zusätzlichen Raum beschallen will. Es lässt sich entweder nur das Signal von Eingang 1 abgreifen oder die Summe aus Kanal 1 und 2.

Die Yamaha DBR 15 kann auch „geflogen“ werden, dazu befinden sich im Boden und an der oberen Rückseite der Box Gewinde. Bei so einer Anwendung wird die DBR kopfüber betrieben, also mit dem Yamaha-Logo nach oben.

Wie getestet wurde

Zum Zeitpunkt des Tests war ich wieder mittendrin in einer Album-Produktion und habe mir diese Mischungen als WAV-Stereofile auf mein MacBook gezogen. Dort angeschlossen war ein Yamaha AG 06 Kleinmixer, von dem aus direkt in die Yamaha DBR 15 eingespeist wurde. Neben dieser aktuellen Mischung habe ich wieder mein gewohntes Musikmaterial zum Testen dabeigehabt:

Sigi Schwab & Percussion Academia: LIVE
Diese Aufnahme ist exzellent zur Beurteilung von dynamischen Feinheiten geeignet, da erstens Spitzenmusiker an bestem Instrumentarium aufspielen und zweitens der Scheibe (entgegen dem gängigen Blödsinn der Totkomprimierung) auch eine wohltuende Portion Dynamik gelassen wurde.

Status Quo: BLUE FOR YOU
Knackiger Blues-Rock zum Lautstärketest und wie es so mit dem Druck einer Box aussieht. Besonders der „Mystery Song“ eignet sich dazu besonders gut, da er sich langsam aufbaut, zudem sollte der starke Choruseffekt auf der Gitarre am Anfang des Songs auch bei monophoner Wiedergabe einer Box noch angenehm klingen.

Yello: FLAG
Wundervoll gemischtes Meisterwerk mit edlem Synthsound und vielen musikalischen/tontechnischen Gimmicks. Gibt Aufschluss darüber, wie „edel“ diese Mischung wiedergegeben werden kann.

Dolcenera: UN MONDO PERFETTO
Eine emotionelle Frauenstimme vom Allerfeinsten mit einer erstklassigen Band im Hintergrund. Dolceneras Stimme erscheint vor guten Studiomonitoren wie plastisch davorstehend. Hier zeigt sich, wie „in sich stimmig“ und räumlich ein PA-Lautsprecher arbeitet.

Wie klingt die Yamaha DBR 15

Sie ist klanglich fast ein Hi-Fi-Lautsprecher in PA-Bauweise: Smoothe Wiedergabe der Mitten, schön knistelnde Höhen und ein angenehmer Bass. Wobei dieser löblicherweise nicht mulmt und kleistert, sondern schön plastisch und konturenstark „untenrum“ festigt. Aber eben nicht staubtrocken und knochenhart, sondern sehr elegant und ohne Aufdrängel-Charakter.

Fast schon HiFi.....

Fast schon Hi-Fi

Sie kann SEHR LAUT! Himmel, da hast du Beulen in den Fenstern. Aber selbst dann bleiben die „Yammis“ eher lässige Gentlemen mit gutem Benehmen denn presslufthämmernde Soundmachos.

Das Stereo-Feld ist für eine PA-Box beeindruckend, zudem löst die Box auch klangliche Details sehr fein auf. Meine aktuelle Mischung einer kompletten CD klang sehr vertraut über die Yamaha DBR 15.

Die „D-Contour“-Klangregelung

Simpel zu bedienen, nämlich mit nur drei Schalterstellungen: „FOH/Main“, „Monitor“ und „Off“. Hauptsächlich hatte ich in der Testphase diese Regelung abgeschaltet, um den grundlegenden Klang des Lautsprechers beurteilen zu können. Allerdings funktioniert sie ausgesprochen überzeugend: In der „FOH/Main“-Stellung gibt es die klassische Mittensenke, indem die tiefen und hohen Frequenzen stärker angehoben werden. Allerdings kann man dies gut oder schlecht umsetzen und hier klingt es nach Volltreffer: Ein satter, aber nicht übertriebener Bass und schöne Höhen bei leicht gedämpften Mitten ergibt einen sehr edlen Wohlfühlklang mit nur einer Schalterstellung. Das dürfte für viele Situationen gut passen, sollte der Auftrittsraum aber von Haus aus dumpf klingen oder stärker bedämpft sein (viele dicke Vorhänge, Plüschsofas/Sessel etc.), empfiehlt sich eher die „Off“-Stellung.

„Monitor“ macht den Bassbereich komplett dünn, damit der Boden nicht unnötig mitschwingt, wenn die DBR 15 angeschrägt auf darauf ihren Musiker-Dienst tut. Die Mitten kommen zudem in dieser Stellung sehr deutlich, ohne aber das Feedback-Risiko stark zu erhöhen.

Auch als Floor-Monitor zu verwenden

Auch als Floor-Monitor zu verwenden

Zusätzlich findet sich noch ein Highpass-Filter mit einer wählbaren Einsatzfrequenz von 100 bzw. 120 Hz. Damit lassen sich die Bässe stark ausdünnen, was z.B. bei einer reinen Sprachübertragung sinnvoll sein kann. Darüber hinaus ist es eine gute Ausgangsposition für den Betrieb mit externen Subwoofern ohne eingebaute Frequenzweiche.

Für wen ist die Yamaha DBR 15 die richtige Wahl?

Diese universelle PA-Box hat viele Stärken und definitiv keine Schwächen. Typisch für Yamaha ist die solide und langlebige Konstruktion und die praxisgerechte Ausstattung wie Bedienung. Eine ideale „Plug and play“-Angelegenheit und ideal für selbstbeschallende Musiker von Gitarre solo bis Rockband. Durch die „Thru“-Ausgänge lässt sich jederzeit erweitern und so ein kompaktes und bezahlbares Beschallungssystem für mittelgroße Veranstaltungen entstehen.

Der Klang ist erstklassig, aber dennoch Geschmackssache. Wer z.B. donnernde und knochentrockene Bässe Marke „Magenschwinger“ liebt, wird die Yamaha DBR 15 nicht so lieben und sie denjenigen wohl auch kaum. Denn Bässe sind bei der Yammi stets elegant und nie brutal. Und auch die Höhen klingen eher nach Tonstudio denn Woodstock-Festival. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die DBR 15 ist sehr durchsetzungsfähig, aber kernig ist definitiv anders.

Was besonders aufgefallen ist

Die Bedienungsanleitung ist in gedruckter Form und auf Deutsch beigelegt. Sie ist sehr verständlich geschrieben und geht kurz und knapp auf alles Wesentliche ein. Kein Anfänger wird sich damit schwer tun. Sehr gut!

Die beigelegten Stromkabel sind 3 m lang und somit auch für eine Hochständermontage geeignet. Ich erwähne dies, weil ich es schon erlebt habe, dass bei aktiven PA-Lautsprechern Kabel mit stolzen 180 cm beigelegt waren. Also nur für Bodenhörer wie Raupen und Mäuse geeignet.

Yamaha DBR 15 08

Fazit

Die Yamaha DBR 15 sind muskulöse Universalisten für kleine bis mittelgroße Veranstaltungen, wobei der schleppende Musiker keine allzu fetten Muskeln benötigt, denn die Lautsprecher sind nicht allzu schwer und gut ausbalanciert. Der Klang geht eindeutig in Richtung gehobenes Hi-Fi, ohne es allerdings an dem nötigen Durchsetzungsvermögen für PA-Zwecke missen zu lassen. Die Verarbeitung ist ohne jeden Tadel und der Preis mehr als angemessen.

Plus

  • sehr gut aufgelöster, smoother Klang
  • relativ geringes Gewicht
  • hohe Leistung
  • sehr gute Verarbeitung
  • einfache, aber effektive Klanganpassungen
  • leise Lüfter

Preis

  • Ladenpreis pro Stück: 619,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Carsten

    Hi,
    hatte die Boxen kurz, da sie auch beim Händler einen überzeugenden Klang lieferten. Leider waren dann die beiden nagelneuen Boxen klanglich total unterschiedlich. Die eine hatte schöne präsente Höhen, dafür im Bassbereich etwas mau, die andere im Bass absolut „fundamental“, die Höhen aber flau… Fertigungstoleranzen? Lange probe gehört mit den anderen Boxen in der Ausstellung, klang dann aber keine genau wie die andere. Ferner störte mich schon der Lüfter, der bei leisen Liedern durchaus hörbar war. Lüftergeräusche übrigens auch bei beiden Boxen etwas unterschiedlich vernehmbar.
    Netterweise hat mein Händler die Boxen dann komplett zurückgenommen. Von Yamaha hatte ich mir etwas anderes versprochen.

  2. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Griass Di Carsten,

    das liest sich aber eher so, als hättest Du versehentlich die Klangeinstellungen bei beiden Boxen unterschiedlich eingestellt. Dann kann nämlich genau das von Dir beschriebene Klangbild entstehen. Kannst Du nicht nochmal bei Deinem Händler diese Einstellungen überprüfen?

    Was ich mir unter Umständen noch vorstellen könnte, dass bei einer Box der DSP im Eimer war, allerdings bezweifle ich, dass Yamaha eine solch komplett desolate Kiste ausliefern würde.

    Auf jeden Fall können Fertigungstoleranzen keinen solch drastischen Klangunterschied produzieren. Und Fertigungstoleranzen sind bei Yamaha sehr eng gesteckt.

    Musikalische Grüße

    Onkel Sigi

    • Profilbild
      Carsten

      Hallo Sigi,
      Nein, definitiv keine Fehlbedienung. Die Klangformung ist auch so einfach gehalten, da kann man kaum etwas falsch machen. Wir haben beim Händler auch den kompletten Nachmittag mit Testen verbracht, er war auch verblüfft…
      Was mir noch nicht gefiel ist übrigens, dass die Buchsen keine Verriegelung aufweisen. Die XLR Stecker sitzen zwar halbwegs fest, aber beim Gig kann doch ein Kabel mal unabsichtlich herausgezogen werden (ist mir schon passiert, braucht nur ein paar geschickte Tänzer ;-).

      • Profilbild
        Onkel Sigi  RED

        Hallo Carsten,

        ich nochmal……
        Weil ich das einfach irgendwie nicht glauben kann, dass ausgerechnet Yamaha so einen Mist aus seinem (übrigens eigenen) Werk entlässt.

        Könnte es ein, dass bei eurem Zuspieler oder Mischpult, Audiosoftware etc. eine Seite des Stereokanals mit LowCut-Filter oder irgendeinem EQ belegt war?

        Ich habe schon so viel von Yamaha entweder selbst besessen oder getestet oder ausgeliehen oder ausprobiert, dass ich es fast nicht glauben kann. Die Yamaha-Leute sind nämlich sowas von penibel, was die Qualität angeht, das sucht schon beinahe seinesgleichen.

        (Nein, der Onkel Sigi hat KEINEN Endorser-Vertrag mit Yamaha…….)

        Musikalische Sonntagsgrüße vom

        Onkel Sigi

  3. Profilbild
    a.e.neumann

    Danke, Onkel Sigi.

    Wieder einmal ein wunderschön gediegener erfahrungsbericht.
    Neue PA speaker stehen sonst nicht weit oben auf meiner prioritätenliste, aber diese hier haben soeben einen top-platz auf meiner „to hear“ agenda bekommen.

  4. Profilbild
    whitebaracuda  

    Danke Sigi für denn tollen Beitrag.

    Ich habe im Moment die DXR 12 im Visier, hat jemand hier schon beide im Hörtest verglichen? Leider habe ich nicht die Möglichkeit mir beide anzuhören.

    Viele Grüsse
    ‚cuda

    • Profilbild
      Sharkai (Kai)

      Ich genieße jedesmal Deine Testberichte, Sigi. Dein Schreibstil gefällt mir ausnehmend gut. Auch die Punkte die du ansprichst sind immer Praxisbezogen und nicht irgendwelche abgehobenen Zahlenspiele, die in der Praxis von Normalsterblichen eh nie gebraucht werden.
      Dafür ein Sternchen :-)

      Also ich werd mir demnächst ein paar DXR12 kaufen. Die sollen im Prinzip genau so sein wie die DBR Serie, nur eben alles ein bisschen besser, vor allem die Lautstärke ist wesentlich höher. Zum Vergleich die von Yamaha angegeben RMS Werte:

      DBR 12
      Low 465 Watt
      High 65 Watt

      DXR 12
      Low 600 Watt
      High 100Watt

      Für fluffige 160 Euronen mehr (+/- 20Euro) bekommst du also ein drittel mehr Power und ganze 7 Jahre Garantie (DBR immerhin noch 4 Jahre)!

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