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Test: Yamaha EAD10, Elektro-akustisches Drummodul


Schlagzeug 2.0

Yamaha EAD10 – elektro-akustisches Drummodul

Man nehme ein Drummodul, einen Sensor mit integriertem Stereomikrofon und Bassdrum-Trigger, verpacke das Ganze in ein handliches, leicht aufzubauendes System, würze es mit einer Prise Drum-Samples und Effekten. Und fertig ist ein Gerät, das das Potenzial hat, praktizierenden Schlagzeugern das Leben wirklich zu erleichtern. So könnte man in Kurzform das Konzept des Yamaha EAD10 beschreiben. Was das neue Hybrid-Wunder alles kann und ob das Konzept auch in der Praxis aufgeht, wird der ausführliche AMAZONA.de-Test zeigen.

Sensor Unit

Der Sensor der Yamaha EAD10 besteht äußerlich komplett aus Metall und wirkt sehr robust. Ein versehentlicher Volltreffer mit dem Stick sollte also folgenlos bleiben. Der Sensor wird oben mittig auf den Spannreifen der Bassdrum geschoben und festgeschraubt. Man sollte die Schraube zwar so fest ziehen, dass der Sensor nicht verrutschen oder herunterfallen kann, aber darüber hinaus sollte die Befestigung nicht zu fest sein, da genau in dieser Halterung der Piezo-Trigger sitzt. Zieht man das Ganze zu fest, reagiert der Piezo-Trigger nicht mehr so gut auf leise Bassdrum-Schläge.

EAD10 – Sensor Unit

Für Spannreifen, die keine ebene Oberfläche besitzen, liefert Yamaha zwei Klebe-Pads aus Gummi mit. Diese werden am Spannreifen in die Vertiefungen geklebt, so dass die Sensor-Unit einen festen Halt hat.

Gummiklebepads für unebene Spannreifen

Über dem Sensor befindet sich das Stereomikrofon, laut Yamaha in einer X/Y-Anordnung. Das musste ich unbedingt näher betrachten, also Feinschraubenzieher zur Hand und aufgeschraubt. Zum Vorschein kommen eine überraschend großzügig bestückte Platine und die beiden Mikrofone. Der Großteil der zu beiden Seiten fast symmetrischen Schaltung wird aller Wahrscheinlichkeit nach für die Vorverstärkung der Mikrofone genutzt. Zu den Mikrofonen hält sich das Datenblatt bedeckt, doch es sind vermutlich dauerpolarisierte Elektret-Kondensatormikrofone.

EAD10 Sensor-Unit hüllenlos mit Blick auf die Mikrofone und die Platine

Was aber gleich auffällt, ist die Mikrofonanordnung, ein X/Y-Mikrofonaufbau sieht definitiv anders aus. Es erinnert mehr an die Mikrofonanordnung einiger Field-Recorder und entspricht einer Mischung aus Klein-A/B und X/Y. Für einen echten X/Y-Aufbau müssten beide Kapseln genau übereinander liegen. Bei den Mikrofonen des Yamaha EAD10 entsteht das Stereobild zum einen durch geringe Laufzeitunterschiede, hervorgerufen durch den Kapselabstand sowie durch Pegelunterschiede, resultierend aus der Richtcharakteristik und der Ausrichtung der beiden Kapseln. Laufzeitunterschiede und Pegeldifferenzen mischen sich hier aber gegensätzlich.

In der Praxis kommt z.B. der Klang einer links stehenden HiHat am linken Mikrofon somit etwas früher an. Das linke Mikrofon zeigt mit der Front aber weg von der HiHat, während das rechte und weiter entfernte Mikrofon auf die HiHat zeigt. Dadurch ist der HiHat-Klang etwas früher am linken Mikrofon, dafür aber lauter am rechten Mikrofon – das erzeugt gegensätzliche Stereoinformationen, was für eine saubere Stereoaufnahme eher ungeeignet ist. Das führt am Schlagzeug aber nicht zu einem klanglichen Nachteil. Dieser etwas diffuse und breite Stereoklang ist bei Schlagzeug-Overheads sogar oft gewünscht und wird auch bei Studioaufnahmen gern eingesetzt.

Drummodul

EAD10 Drummodul

Das Drummodul des EAD10 ist die Schaltzentrale des Systems. Damit es am Schlagzeug immer in Reichweite ist, wird eine schraubbare Halterung für Standard-Schlagzeugklemmen mitgeliefert. Im Gegensatz zum Sensor besteht es komplett aus Plastik. Ein Volltreffer mit dem Stick sollte nach Möglichkeit also vermieden werden, weshalb Yamaha die Montage geschützt unter der HiHat am HiHat-Ständer empfiehlt.

Neigbare Halterung fürs Drummodul

Nachdem der Sensor an der Bassdrum befestigt ist, muss er nun lediglich über die beiden mitgelieferten Stereo-Klinkenkabel mit dem Drummodul verbunden werden. Jetzt nur noch den Netzstecker in die Steckdose und den Kopfhörer in die Kopfhörerbuchse stecken und schon kann es losgehen. Die grundlegende Bedienung ist dabei quasi selbsterklärend. Das Modul besitzt sechs Drehregler in Retro-Optik, davon vier Endlos-Encoder.

Bedienpanel des EAD10

Der erste Regler regelt die Gesamtlautstärke. Der daneben liegende Regler ist entweder für die Lautstärke des Aux-Eingangs, des Metronoms oder der USB-Quelle zuständig. Es kann immer nur eine der drei Quellen gehört werden. Daneben befindet sich der Scene-Regler zur Anwahl einer der 50-Werks- oder 200 User-Scenes. Scenes heißen die Voreinstellungen, in denen die getriggerten Sample-Klänge- samt Triggerzuweisung, Lautstärke, Klangparameter sowie die genutzten Effekte gespeichert werden.

Die Trigger-bezogenen Einstellungen wie Sensivity, Gain und Reject-Time, die über das Trigger-Menü zu erreichen sind, werden nicht in den Scenes abgespeichert. Zu Beginn des Tests habe ich unbewusst versucht, den Scene-Regler auch für die Parameter-Verstellung im Menü zu benutzen, leider ohne Erfolg. Genau dafür sind nämlich die beiden Plus- und Minus-Tasten unterm Display zuständig. Die drei weiteren Drehregler widmen sich dem Hallanteil, der Effektintensität des ausgewählten Effekts sowie der Gesamtlautstärke der getriggerten Samples.

Auf der Bedienoberfläche befinden sich neben dem An/Aus-Schalter noch weitere Taster für den Direktzugriff auf das Menü, den eingebauten Recorder/Player und das Metronom sowie eine Store-Taste zum Speichern von Scenes und der Exit-Knopf. Fehlt noch die Taste, rechts neben dem Menü-Knopf. Sie bietet Direktzugriff auf den Mikrofonpegel. Laut Handbuch soll der Pegel so eingestellt sein, dass die Taste bei lautem Spiel hin und wieder rot leuchtet, was im Test ab Werk schon der Fall ist. Das EAD10 bringt zusätzlich eine Auto-Pegel-Funktion mit, die die Lautstärke analysiert und den Pegel selbstständig anpasst.

Anschlüsse

Anschlüsse auf der Rückseite

Das Yamaha EAD10 besitzt auf der Rückseite 5 Klinkeneingänge für den Anschluss von Trigger-Pads. Die Inputs A und B sind dabei fest für die Sensor-Einheit reserviert (A für den Piezo-Trigger und B für das Stereomikrofon). Mittels Y-Kabel kann am A-Eingang aber noch ein weiteres Trigger-Pad oder ein Drum-Trigger angeschlossen werden, denn ebenso wie der Snare-Triggereingang kann der Kick-Triggereingang zwei separate Impulse verarbeiten. Es können an das Drummodul also insgesamt 6 Drum-Pads oder Drum-Trigger angeschlossen werden. Die Eingänge 5 und 6 sind dabei auch kompatibel mit 3-Zonen Pads. Es können über die Eingänge 5 und 6 also jeweils drei verschiedene Sounds getriggert werden mit der Einschränkung, dass die Sounds aus einer Kategorie stammen müssen (Kick, Snare, Toms, Cymbals). Des Weiteren befindet sich auf der Rückseite ein Aux-Eingang im Miniklinken-Format zum analogen Einspeisen externer Klangquellen sowie ein Fußschaltereingang. Für die Klangwiedergabe stehen ein Stereo-Output im 6,3 mm Klinkenformat sowie ein Kopfhörerausgang (ebenfalls 6,3 mm Klinke) an der Vorderseite bereit.

Kopfhöreranschluss

Auf der Rückseite befinden sich auch die beiden USB-Anschlüsse zur Verbindung mit dem PC/Mac und zum Anschließen von externen Speichermedien. Und damit kommen wir zum Praxisteil.

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Klangbeispiele

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Yamaha EAD10

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