Vergleichstest Metal Verzerrer: Harley Benton Extreme Metal, Valeton Hell Flame, TC Fangs und Ibanez Super Metal Mini

8. Februar 2017

Viermal sägen für unter 100 Euro

In unserem heutigen Vergleichstest lassen wir es mal so richtig krachen, denn vier Metal Verzerrer stehen auf der Agenda! Alle vier sind sie angetreten, um einen kompromisslosen Metalsound zu erzeugen und den Geldbeutel bei der Anschaffung nicht zu sehr zu strapazieren. Der Markt ist auch hier natürlich riesengroß, wir haben aus dem Angebot einfach mal vier Vertreter herausgepickt – ohne Rücksicht auf Herkunft, Namen oder Ruf in der Szene. Lediglich der Preis spielte bei der Auswahl eine Rolle, der sollte sich nämlich unter 100,- Euro bewegen.

Gegeneinander antreten werden nun der noch recht junge TC Electronic Fangs, der schon etwas ältere Harley Benton Extreme Metal sowie als Vertreter der „Minipedalfraktion“ die beiden Pedale Valetone Hell Flame und der Ibanez Super Metal, der auch mit Abstand das teuerste Gerät im Test darstellt. Wer zerrt am schönsten bzw. aggressivsten, wer zeigt sich am vielseitigsten? Wer rauscht weniger und welches Gerät besitzt die bessere Dynamik? Fragen, zu denen wir nun im folgenden Artikel versuchen werden, die Antworten zu finden.

No 1 – TC Electronic Fangs

Beginnen wir mit dem Neuling der Szene, dem TC Electronics Fangs. Das Pedal ist Teil der dreizehn von TC im vergangenen Herbst vorgestellten Effekte, die unter der Regie des neuen Inhabers Behringer Music Group entstanden und zu einem Einheitspreis von schlappen 49,- Euro angeboten werden. Wir haben bereits ein paar dieser neuen Pedale getestet, etwa den Blood Moon Phaser und das Echobrain Delay in einem Artikel und in einem weiteren das Hallpedal „Skysurfer Reverb“, den Chorus „Afterglow“ und das Digital Delay „The Prophet“. Die Testergebnisse waren sehr durchwachsen, als einziges Pedal konnte damals das digital aufgebaute „The Prophet“ Delay gefallen, die analogen Kollegen hingegen enttäuschten doch eher.

Na ja, dann muss es jetzt eben der Fangs richten und die Voraussetzungen sind nicht mal die schlechtesten, denn der schwarze Metal Verzerrer verfügt, neben den zu erwartenden Gain- und Volumereglern, über eine Zweiband-Klangregelung sowie einen Dreifachschalter, mit dem eine Vorauswahl bezüglich des Mittenspektrums getroffen wird. Mit „Raw“ werden die Mitten extrem angehoben, bei „FAT“ herrscht ein eher ausgeglichenes Bild und bei „Scoop“ schließlich bekommen wir die „Badewannenkurve“ mit extrem zurückgenommen Mitten präsentiert. Und das TC Fangs gehört zudem zu den Pedalen, die dank der Anschlüsse auf der Stirnseite kein Chaos auf dem Pedalboard verursachen. Prima! Allerdings funktioniert die Kiste nicht mit Batterien, sodass man zum Preis von 49,- Euro noch einen Netzadapter einkalkulieren sollte.

Doch hören wir uns den TC Fangs nun an und beginnen gleich mit einem Scooped-Sound, für den der Dreifachschalter also in seine unterste Position gebracht wurde. Bass- und Treble-Poti befinden sich in der 12-Uhr-Position, der Gain steht auf Vollanschlag. Für dieses und die folgenden Klangbeispiele wurden die Pedale in die Returnbuchse des Effektwegs meines Orange Micro Dark eingestöpselt. Als Box wurde eine H & K GL 112 mit Celestion Vintage 30 Speaker verwendet, als Mikrofon ein AKG C3000. Als Gitarre ist eine Music Man Silhouette Special zu hören.

Das klingt schon recht ordentlich nach Brett und trotz des Vollanschlags des Gainpotis hält sich das Rauschspektrum für einen Metal Verzerrer dieser Preisklasse in erstaunlich engen Grenzen. Das war nach der Vorstellung der übrigen TC-Pedale so nicht zu erwarten und ist daher um so überraschender! Auch die Dynamik, also wie das Fangs auf den Anschlag der Saiten reagiert, ist erstaunlich ausgeprägt. So kann man beruhigt mit dem Volumepoti der angeschlossenen Gitarre die Lautstärke reduzieren, ohne dabei in Gefahr zu laufen, das Frequenzbild und eben die besagte Dynamik komplett zu ruinieren.

Im nächsten Klangbeispiel hören wir den Fangs mit dem Mittenschalter in der zentralen Position, Bass- und Trebleregler verharren unverändert in ihrer 12-Uhr-Position.

Das Mittenspektrum ist nun deutlich angehoben und verschafft dem Klang die nötige Portion Durchsetzungskraft, um sich im Bandgefüge zu behaupten. Auch mit diesen verstärkten Mitten klappen druckvolle und düstere Riffs immer noch ganz hervorragend!

Für das dritte Klangbeispiel wurde der Schalter nun in die RAW-Position bewegt, jetzt zeigt der TC Fangs sein volles Mittenbrett, was sich in einem singenden Ton, ideal für Soli beispielsweise, eignet.

Ich muss gestehen, neben dem von mir getesteten Prophet Delay ist das Fangs eine weitere positive Überraschung unter den dreizehn neuen „Brot und Butter Effekten“ des dänischen Herstellers. Der Grundsound des Fangs besitzt durchaus Charakter und durch den Mittenschalter und die recht gut arbeitende Klangregelung gelingen eine Menge guter und brauchbarer Sounds ohne großen Aufwand. Die robuste Konstruktion und natürlich der günstige Preis machen das TC Fangs daher zu einer absoluten Kaufempfehlung für Leute mit schmaler Brieftasche! Wer hätte das nach der Vorstellung der übrigen TC-Pedale in unseren Tests noch für möglich gehalten?

— Sorgt für drei unterschiedliche Grundsounds – der Mid Switch —

No 2 – Valeton Hell Flame

Auch das Valeton Hell Flame geht nicht ganz unvorbelastet in unseren Vergleichstest der Metal Verzerrer. Hier sind die Vorzeichen allerdings genau anders rum, als es beim TC Fangs der Fall ist. Denn auch ein Effektgerät von Valetone haben wir uns in einem Test schon mal vorgenommen, das mit vier Effekten ausgestattete Valetone Dapper hinterließ für seinen geringen Preis damals einen sehr guten Eindruck.

Der Preis des Valetone Hell Flame ist exakt der Gleiche wie beim TC Fangs (49,- Euro), die Ausstattung des Minipedals ist jedoch nicht ganz so üppig ausgefallen. Hier müssen Bass und Treble für die Klangformung reichen, Regler für Volume und natürlich Gain komplettieren den Aufbau. Die Anschlüsse liegen rund herum um das Gehäuse verteilt: Audio Ein – und Ausgang an den Seiten, der Anschluss für das Netzteil an der Stirnseite. Auch hier ist ein Netzadapter erforderlich, das winzige Design des schwarz lackierten Metallgehäuses erlaubt keine Aufnahme einer Batterie.

Fangen wir zuerst mit dem an, was das Valetone am besten kann und für das es ja schließlich gemacht wurde, nämlich High-Gain-Sounds fabrizieren! Und das kann es schon recht gut, wie das Klangbeispiel Nummer 1 zeigt. Das Bass- und Treble-Poti befinden sich in der 12-Uhr-Position.

Mit abnehmender Verzerrung sinkt dann aber die Dynamik und somit das Spielgefühl doch spürbar und auch der Klang insgesamt wird etwas körniger und grober.

Bei nur noch „crunchigem“ Sound ist es dann noch ausgeprägter mit der mangelnden Dynamik. Licks und Scales wollen dann nicht mehr so „spritzig“ wie gewohnt.

Etwas fällt noch auf: Der Valetone Hell Flame zeigt sich nicht ganz unbeeindruckt von äußeren Einwirkungen. Im Klartext: Das Gehäuse ist erschütterungsempfindlich, ein Klopfen mit dem Finger genügt bereits, um dieses Geräusch über den angeschlossenen Verstärker hörbar zu machen. Ob das nur an unserem Testmodell lag, oder aber die ganze Serie betrifft, kann hier nicht abschließen beurteilt werden. Im Zweifel im Laden mal bei laufendem Betrieb ausprobieren!

Trotz dieses Bugs ist der Valetone Hell of Flame dennoch ein gut klingendes Zerrpedal, das seine Stärken aber überwiegend im absoluten High-Gain-Bereich besitzt und sich dabei auch mit Nebengeräuschen erfreulicherweise zurückhält.

No 3 – Harley Benton Extreme Metal

Der dritte Kandidat in der Reihe unserer Metal Verzerrer ist nicht nur der Dienstälteste, sondern mit knapp 30,- Euro auch der Günstigste. Die Thomann Hausmarke Harley Benton hat natürlich auch in diesem Segment Pedale am Start, wir haben uns bei der Auswahl für den Harley Benton Extreme Metal entschieden.

Das 38 x 87 x 118 mm große Gussgehäuse und die darauf angebrachten Potis und Schalter bieten keinerlei Anlass zur Kritik, ganz im Gegenteil: Speziell die Potis fühlen sich so an, als habe man es mit den Exemplaren an einem Boutiquepedal mit zehnfachem Preis zu tun! Die Anschlüsse für den Audio Ein- und Ausgang sitzen auch hier zusammen mit dem Anschluss für das Netzteil an den Außenseiten des Gehäuses. Ein Netzadapter befindet sich zwar nicht im Lieferumfang, dafür aber ist der Harley Benton Extreme Metal der einzige Metal Verzerrer im Test, der mit einer Batterie betrieben werden kann.

Sechs gut zu greifende Regler befinden sich an der Oberfläche der stilgerecht in mattem Schwarz lackierten Metallbox, sie regeln Bässe, Mitten, Höhen, Lautstärke, Verzerrungsgrad und die Lautstärke des Boosters, der mit einem der zwei Metallschalter zugeschaltet werden kann und so für die nötige Power bei einem Solo beispielsweise sorgt. Das besagt zumindest die Theorie, in der Praxis sorgt das Zuschalten des Boosters leider  für einen extrem künstlich wirkenden und „harschen“ Klang, wo hingegen der Grundsound des Pedals für ein Gerät dieser Preisklasse einen überraschend positiven Eindruck macht. Das bezieht sich auf beide relevanten Bereiche – die Dynamik und somit das Spielgefühl und natürlich den Sound, der für Metal mehr als brauchbar und mit dem Dreiband-EQ auch gut zu formen ist. Lediglich das Grundrauschen stört bei sehr hohen Gainsettings in Spielpausen, aber dann muss man es mit dem Drivepoti schon ganz schön übertreiben!

Klangbeispiel 1 zeigt den Harley Banton Extreme Metal mit nur sehr wenig Gain, alle Regler des Dreiband-EQ befinden sich in 12-Uhr-Stellung.

Wir erhöhen in Klangbeispiel 2 die Schlagzahl bzw. die Verzerrung etwa bis zur Hälfte des möglichen. Offene Akkorde klingen nun doch etwas undifferenziert, das Spielgefühl ist dennoch alles andere als träge und zäh.

Aber das soll der Harley Benton Extreme Metal ja auch nicht beherrschen, schließlich versteht er sich ja als reiner Metal Verzerrer und das beweist er ganz klar bei den High-Gain-Sounds, die druckvoll aus dem Speaker gedrückt werden. Manchmal schon zu druckvoll, denn im Bassbereich kann die kleine Box, je nach angeschlossenem Amp, schnell für Chaos sorgen. Da ist also Fingerspitzengefühl angesagt, zumal der Bassregler erst auf den allerletzten Millimetern seines Regelwegs erst so richtig Fahrt aufnimmt.

Vom Zuschalten des Boosters sollte man besser Abstand nehmen, diese Funktion ändert nämlich nicht nur die Lautstärke, was ja eigentlich gern genommen worden wäre, sondern ändert auch radikal das Frequenzspektrum des zuvor eingestellten Sounds. Und das leider nicht im positiven Sinne.

Im nächsten Klangbeispiel nun der Harley Benton Extreme Metal im „Vollbrettmodus“, also mit voll aufgeregeltem Drive Regler. Klingt das etwa wie 80s Metal?

Wirklich erstaunlich, welche Klangvielfalt und Möglichkeiten dieses Pedal für den Preis eines Kasten gepflegten Pils bietet. Kaum zu schlagen, selbst wenn man die missglückte Booster-Funktion außer Acht lässt!

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    KRYPTYK

    Ich habe mir den Harley Benton Extreme Metal gekauft und mit meinen beiden Zerren, dem Boss MT2 und dem Digitech Metal-Master zu vergleichen. Leider für Boss und Digitech, muss ich sagen, das beide Pedale von meinem Board verbannt und durch den Harley Benton Extreme Metal ersetzt wurden. Wie alles anderen Pedale die ich hatte auch. Das einzige nicht HB – Pedal auf meinem Board ist das Behringer RV 600, aber nur deswegen, weil es von HB (noch) keine Reveb-Pedal gibt.

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