Workshop: 10 Gig Tipps für eine Nachwuchsband

20. April 2018

Adieu, muffiger Proberaum, hallo Bühne!

So! Nach Jahren des Übens hat man nun endlich die richtigen Songs geschrieben, bzw. die richtigen Coversongs ausgesucht, hat Selbiges intensiv geübt und ist nunmehr zu dem Schluss gekommen, dass es Zeit wird, die eignen Leistungen einem möglichst breiten Publikum zu präsentieren. Adieu, du muffiger Proberaum, hallo Bühne. Hier 10 Gig Tipps.

Aber halt, man hört ja so viel davon, dass es bei der Performance vor Publikum und insbesondere bei der Vorbereitung so viele Sachen zu berücksichtigen gibt, mit denen man bisher noch keinen Kontakt hatte, darum hier ein kleiner Ratgeber, was man als Nachwuchsband bei der Planung eines Gigs berücksichtigen sollte.

Vorbereitung und Gig Tipps für die Show

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar erscheint, der Proberaum hat absolut NICHTS mit der Bühne gemeinsam. Abgesehen vom persönlichen Instrument ändert sich alles, sobald man seine Brocken das erste Mal an einer anderen Stelle aufbaut als bisher. Folgendes gilt es zu berücksichtigen.

1.) Bandaufbau

Wie nahezu alle Bands probt ihr wahrscheinlich auch im Kreis angeordnet. Macht auf den ersten Blick Sinn, man kann die anderen gut sehen und einigermaßen gut hören. Wie baut man aber auf einer Bühne auf? Eben! Nebeneinander angeordnet mit den Verstärkern Richtung Publikum gedreht sieht man die Mitmusiker nicht mehr und hört sie ebenso gut, nämlich gar nicht mehr. Dies sorgt ordentlich für Verunsicherung.

Damit einhergehend spielt man auf der Bühne meistens lauter als im Proberaum, was gerade Sänger ordentlich unter Druck setzt. Auch der veränderte Raumklang und unerwartete Nachhallzeiten, respektive Flatterechos sorgen nicht gerade für Sicherheit auf der Bühne. Wirklich bekämpfen kann man letztendlich von diesen Problemen im Vorfeld nur die Anordnung der Musiker, indem man versucht, in seinem Proberaum die Musiker bühnengleich nebeneinander anzuordnen.

Wenn ihr über eine reguläre PA bei der Show spielt, empfiehlt es sich, die Verstärker rechts und links der Bühne als Sidefills aufzubauen. Ihr benötigt weniger Monitoring und der FOH freut sich über wenig Einstreuung des Bühnensounds in den Saalsound.

Der klassische Proberaumaufbau. Nicht immer die beste Lösung.

2.) Equipment

Natürlich wäre es übertrieben, sich extra für einen Auftritt einen neuen Amp zu kaufen, aber es gilt vor dem Auftritt zu überprüfen, ob das aktuelle Equipment der Bühnensituation standhält. Eins direkt vorneweg, in einem Club oder Kneipe ist JEDER Gitarren- oder Bassamp zu laut! Ein 10 Watt Amp ist gerade mal halb so laut wie ein 100 Watt Monster und benötigt man nicht gerade cleane Pink Floyd Sounds in hoher Lautstärke, sind 20 Watt Gitarren-Vollröhre bereits unfassbar laut für einen Club.

Auch Bassisten haben aufgrund aktueller Class-D Schaltnetzteile eher das Problem, dass selbst Amps in Hosentaschenformat locker 250 Watt aus dem Ausgang schaufeln und jeden FOH an die Grenze der psychischen Belastung bringen. Die Wattzahl ist es also beileibe nicht, was ein Upgrade benötigt, es sei denn, ihr spielt auf einer großen Open-Air Bühne, wo es schon gerne einmal Fullstack und mehr sein dürfen. Allerdings bewirken etwas größere Boxen mit einer größeren Anzahl von Lautsprechern und entsprechend mehr bewegter Luft einen deutlich höheren Wohlfühlgrad. Hier bleibt abzuschätzen, ob sich ein Upgrade lohnt. Schön wäre ein modulares System im Sinne von Topteil mit separaten Boxen, die je nach Lokalität gewechselt werden können.

Apropos modular, für Gitarristen unentbehrlich, IMMER einen Ersatzamp dabei haben, möglichst den Gleichen, den ihr auch regulär spielt. Der Bass kann bei abgerauchtem Amp zur größten Not noch mit einer D.I. Box in die Wedges spielen, aber bei einem gehimmelten Gitarrenamp ist ohne Spare Amp die Show vorbei.

so groß wie 4 Schachteln Zigaretten, aber mit 20 Watt für jeden Club ausreichend!

So groß wie 4 Schachteln Zigaretten, aber mit 20 Watt für jeden Club ausreichend!

3.) Transport des Equipments

Ja, da hat man sich ein schönes, eventuell sogar hochwertiges Instrument zugelegt und erscheint dann zur Show mit Selbigem in der als Geschenk mitgelieferten Hülle, die gerade mal überhaupt keine Schutzfunktion für das Instrument bietet. Auch wenn Cases schwer und platzraubend sind, es hat einen Grund, warum jede professionell arbeitende Band jedes noch so kleine Teil in Cases transportiert. Es geht einfach nichts kaputt!

Es muss nicht direkt ein schweres Heavy-Duty Flightcase pro Gitarre sein, aber mindestens ein sehr stark gepolstertes Gigbag mit ca. 2 cm Polsterung muss es schon sein, wenngleich diese Polsterung auch nur bei „Oben-Drauf-Gelegt“ hilft, nicht bei „Ist-Leider-Unten-Drunter-Gekommen“. Das Gleiche gilt für Floorboards, Keyboards und erst recht für unsere Freunde vom Datenfluss, die Kabel. Wie bringt man ein Kabel dazu, möglichst schnell seinen Geist aufzugeben? Über den Ellenbogen aufwickeln, dann einen festen Knoten rein und irgendwo in eine Tüte stecken und in den Transporter werfen. Auch Kabel gehören fachgerecht ohne Vertwistung aufgewickelt und in einem Case transportiert. Eine nahezu lebenslange Funktionalität dankt es dir.

In Sachen Anfahrt lohnt sich schon allein aus Parkplatzgründen immer die koordinierte Planung, in möglichst wenig Fahrzeugen möglichst viele Musiker und Equipment unterzubringen. Wer in der glücklichen Lage ist, einen Handwerker als Vater zu haben, der mit einem entsprechenden Transporter gesegnet ist, hat die Equipment-Problematik und den Transport von drei Musikern schon mal im Sack. Die weniger Glücklichen sollten durchrechnen, ob der Spritverbrauch von 4-5 Privatwagen nicht mit der Wochenend-Miete eines Transporters zu vergleichen ist. Für den längerfristigen Einsatz empfehle ich auch einmal das Durchrechnen einer nachträglichen Anhängerkupplung und den Kauf eines gebrauchten, abschließbaren (!) Kastenanhängers. Je nach Entfernung und Anzahl der Shows dürfte sich diese Investition auch schon nach knapp einem Jahr rechnen.

Equipment Transport per Anhänger. Zwei Nummer kleiner geht auch.

Equipment Transport per Anhänger. Zwei Nummern kleiner geht auch.

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