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Workshop: Alternate Picking lernen & Pickslanting für E-Gitarre

Alternate Picking: Überoutinen und die Physik dahinter

2. August 2022

Vorschaubild Picking

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Alternate Picking, Sweep Picking, Economy Picking, Tapping, Fingerstyle und so weiter. Die Arten des Anschlags von Gitarrensaiten mit Pick oder ohne sind schier endlos und immer neue Techniken ziehen auch aktuell noch in die Welt der berühmten sechs Saiten auf einem Holzbrett ein. Da das Instrument E-Gitarre an sich noch sehr jung ist, z. B. im Vergleich zur klassischen Gitarre oder dem Klavier und deren Übungsexpertise über Jahrzehnte, ja teilweise sogar Jahrhunderte, so sind auch sehr viele sehr individuelle Arten des Spielens und v. a. der Instrumentaltechnik vertreten und zu sehen. Heute wollen wir uns mal ein paar sehr grundlegende motorische Ideen anschauen, die einige Spielarten vereinfachen, erst möglich machen und dabei sogar sehr logisch sind. Oft saß und sitze ich noch aktuell im Überaum und verzweifle an bestimmten technischen Schwierigkeiten. Heute zeige ich euch ein paar Dinge, die mich beim Üben inspiriert haben als ich sie mir von „den Großen“ (z. B. Troy Grady, Michael Angelo Batio, Steve Morse, Frank Gambale, Martin Miller etc.) abgeschaut habe. Viel Spaß beim Ideenpool zum Thema „Alternate Picking“.

Alternate Picking

Fangen an den Basics an: Beim „Alternate Picking“ (auch Wechselschlag genannt) wechseln sich die Anschläge, wie der Name schon sagt, immer zwischen Down- und Upstroke ab. Das bietet den Vorteil, dass eine konstante Bewegung ausgeführt werden kann und beim Picken auf ein und derselben Saite, keine Bewegung an der Saite vorbei „umsonst“ gemacht wird. Spielt man beispielsweise bei Rhythm Guitar Parts à la Metallica alle Töne mit Downstrokes, ist jede Bewegung, die das Plektrum wieder „über“ die Saite bringt nach einem ausgeführten Downstroke „umsonst“. Vorteil der reinen Downstrokes ist ein sehr massiver Sound (man denke an „Master Of Puppets“). Technisch effizient ist das aber nicht. Der Wechselschlag bietet also eine gewisse Effizienz im Vergleich zum Spiel mit ausschließlich Down- oder ausschließlich Upstrokes.

Pickslanting

Man kann beim Alternate Picking aber nochmal genauer unterscheiden. Einige Player schlagen die Saiten mit einem leichten (bis zu 45°) Winkel nach „unten“ an. Der Downstroke geht also etwas in Richtung Korpus. Das nennt man „Downward Pickslanting“.

Andere Gitarrist:innen schlagen primär in der anderen Richtung an. Das Plektrum schlägt also beim Upstoke Richtung Korpus an, sprich beim Downstroke vom Korpus weg. Hierbei handelt es sich entsprechend um „Upward Pickslanting“.

In beiden Fällen ändert sich der Anschlagswinkel bei mehreren Anschlägen hintereinander nicht. Der Vorteil davon ist wieder die Kontiunität der Bewegung und damit eine relativ einfache Automatisierung des Anschlags in der Hand.

Sieht man sich die Physik dahinter einmal genauer an, kommt man aber relativ schnell zu einem interessanten Schluss, der eine Problematik aufwirft.

Downward Pickslanting

Spielt man mit „Downward Pickslanting“ einen Downstroke, ist das Plektrum nach dem ausgeführten Anschlag quasi „unter“ der Saite und kommt erst nach einem Upstroke wieder „über“ die Saite.

Abb. 1: Downward Pickslanting – Downstroke

Abb. 2: Downward Pickslanting – Upstroke

Upward Pickslanting

Spielt man konstantes „Upward Pickslanting“ so drehen sich die Vorzeichen einfach um. Nach dem Downstroke ist das Plektrum „über“ der Saite und nach einem Upstroke ist es „unter“ der Saite.

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Abb. 3: Upward Pickslanting – Downstroke

Abb. 4: Upward Pickslanting – Upstroke

Warum interessiert uns überhaupt, wo das Plektrum nach einem Anschlag ist?

Exercise 1: Spiele mit Downward Pickslanting und einem Downstroke beginnend den ersten Fingersatz der Mollpentatonik aufsteigend von der sechsten zur ersten Saite. Das klappt ganz gut, oder?

Exercise 1 Downward Pickslanting

Exercise 2: Spiele nun das Gleiche mit Upward Pickslanting und einem Upstroke beginnend!

Exercise 2 Upward Pickslanting

Auch das sollte ohne Probleme funktionieren. Wo ist denn nun das Problem?

Exercise 3: Spiele eine Dur-Tonleiter als Three Notes per String Fingersatz mit konsequentem Downward Pickslanting und einem Downstroke beginnend.

Exercise 3 Downward Pickslanting Fail

Das funktioniert bis inkl. dem dritten Ton sehr gut. Beim Saitenwechsel werdet ihr aber Probleme bekommen. Das Plektrum hängt irgendwie „fest“.

Selbiges passiert beim Spiel (Exercise 4) der gleichen Tonleiter mit Upward Pickslanting und einem Downstroke beginnend, allerdings erst nach dem sechsten Ton beim zweiten Saitenwechsel.

Exercise 4 Upward Pickslanting Fail

Warum ist das so?

Nun, wir erinnern uns an den Anfang der Pickslanting Erklärung. Beim Downward Pickslanting ist das Plektrum „nach“ einem Downstroke „unter“ der Saite und muss erst wieder einem Upstroke ausführen, um „über“ der Saite zu sein. Für einen Saitenwechsel muss das Plektrum aber „über“ der Saite sein, da es sonst quasi „unter“ der Saite festhängt.

Das ist ja blöde …

Bei der Mollpentatonik hat es aber geklappt. Warum? Die Mollpentatonik besteht im „normalen“ Fingersatz aus immer zwei Tönen pro Saite. Daraus folgt, dass immer ein vollständig ausgeführter Wechselschlag (Downstroke und Upstroke) pro Saite ausgeführt wird. Das wiederum bedeutet, dass bei Downward Pickslanting mit beginnendem Downstroke und Upward Pickslanting mit beginnendem Upstroke nach zwei Anschlägen das Plektrum immer „über“ der Saite ist. Deshalb funktioniert der Saitenwechsel hier problemlos.

Man kann also allgemein schlussfolgern: Spielt man eine gerade Anzahl an Tönen auf derselben Saite, so kann man konstantes Pickslanting verwenden.

So lernst du Two Way Pickslanting richtig

Hier kommt die 80s Shred Style Methode „Two Way Pickslanting” zum Einsatz.

Beim Two Way Pickslanting, wie es beispielsweise Shred Legende Michael Angelo Batio, verwendet (gut zu sehen in den hervorragenden Videos von Troy Gray / Cracking The Code) wechselt das Plektrum bei einer ungerade Anzahl an Tönen auf derselben Saite, immer während des letzten Anschlags vor dem Saitenwechsel die Pickslanting Richtung. Sprich von Downward zu Upward oder von Upward zu Downward. Dieser Wechsel ermöglicht, dass das Plektrum nach dem letzten Anschlag auch bei einer ungeraden Anzahl an Anschlägen „über“ der Saite und damit in Position für einen Saitenwechsel ist (Exercise 5).

Exercise 5 Two Way Pickslanting („+“ markiert den Wechsel von Downward zu Upward oder Upward zu Downward Pickslanting)

Klingt verrückt? Ja, ist es auch. Diese Technik erfordert etwas Übung, bis sich der Kopf, die Gelenke und v. a. die Automatismen an die neuen Bewegungsabläufe gewöhnt haben. Dann steht sauberem Picking, aber wenig im Weg.

Ausnahme: Was passiert bei One Note Per String Arpeggios à la Steve Morse? Hier müsste das Plektrum beim jedem einzelnen Anschlag die Picking-Richtung wechseln. Jetzt kommen wir zur Ausnahmeregel: Cross Picking. Das Plektrum kommt durch eine Halbkreisbewegung bei jedem einzelnen Anschlag „über“ der Saite heraus (Exercise 6).

Exercise 6 Cross Picking

Abb.5: Cross Picking Picking Motion

Gibt es Alternativen, um auch ohne Two Way Pickslanting Three Note Per String Fignersatz sauber zu picken? Klar! Vernachlässigt man einmal Legato Techniken oder Kombinationen aus z. B. zwei Tönen picken plus einen Hammer-on bzw. Pull-off (Exercise 7), so kommt man auf eine weitere Variante.

Exercise 7 Picking + Legato

Frank Gambale verwendet beispielsweise das sogenannte „Economy Picking“ (Exercise 8). Hierbei wird die Problematik des Saitenwechsels dadurch gelöst, dass kein konstantes Alternate Picking ausgeführt wird, sondern an bestimmten Stellen zwei Downstrokes bzw. zwei Upstrokes hintereinander ausgeführt werden. So wird umgangen, dass das Pick „unter“ der Saite festhängt, dann man einfach einen kurzen Sweep – wenn man so will – ausführt und dann auf der nächsten Saite mit Alternate Picking weiterspielt.

Exercise 8 Economy Picking

Worauf muss man beim Üben achten?

Egal welche Pickingart man wählt, übt und meistern möchte. Die oberste Priorität beim Üben gilt neben der akkuraten Ausführung der Lockerheit des Handgelenks, der Hand allgemein, des Unter-/ Oberarms bis in die Schulter hinein. Das Tempo und die Länge der gespielten Phrase bestimmt sich daraus, ob man noch locker bleiben kann. Merkt man eine leichte Anspannung oder Verkrampfung, sollte man eine kürzere Phrase und/oder ein langsameres Tempo wählen, bis dieses „locker“ läuft.

Routine ist auch ein überaus wichtiger Punkt. Wer einmal im Monat einen ganzen Tag Technik übt, der wird geringere Fortschritte vermerken, als jemand, der täglich dreißig Minuten daran arbeitet und zwischendurch „Rest days“ einlegt, um dem Kopf Zeit zur Verarbeitung des erlernten zu geben. Auch eine Art Intervalltraining ist sehr sinnvoll. Spiele ein kurzes Pattern, dreimal langsam (z.B. in Achteln) und einmal schnell (z. B. in Sechszehnteln). So muss der Kopf und die Hände, nicht direkt ein ganztaktiges Lick abfeuern, sondern trainiert eine kleine, überschaubare Einheit. Diese lässt sich dann erweitern und ergänzen zu immer längeren Phrasen/Runs.

Ich hoffe, diese Ideen zum Alternate Picking haben euch etwas geholfen. Wie immer gilt auch hier, dass es nicht DEN einen Weg gibt. Viele Player beweisen das Gegenteil, dass auch sehr spezielle, eigene Wege funktionieren können. Mir persönlich hat die Betrachtungsweise der verschiedenen Pickingarten anhand von Videos sehr geholfen, um mir über gewisse Bewegungsabläufe im Klaren zu werden und hoffe, dass euch die Ideen auch etwas inspirieren konnten. Viel Spaß beim Üben!

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Forum
  1. Profilbild
    Fredi

    Hallo Simon,

    danke für den schönen Artikel!

    Das gibt mir auf jeden Fall Stoff zum Nachdenken und ich werden schauen, dass ich mir einige Ansätze draufschaffe.

    Etwas unklar ist mir allerdings, ob das Slanting nicht etwas unökonomisch ist. Ich habe noch gelernt, dass das Plektrum im Wesentlichen senkrecht zur Korpusoberfläche stehen soll und parallel zur Saite (wenn man mal von Spezialeffekten wie Chicken Picking mit forcierten Obertönen absieht). Dann ist beim Wechselschlag relativ wenig Bewegung des Plektrums relativ zur Korpusebene.

    Beim Slant Picking müsstest Du immer wieder hin- und herkippen, das ist eine relativ komplexe Bewegung.

    Ich weiß, dass jeder E-Gitarrist sowieso sein Ding macht (das ist bei den klassischen Gitarristen auch oft so), aber hast Du da Erfahrungen aus Ergonomiesicht?

    Gruß
    Fredi

    • Profilbild
      Simon Schneid RED

      Hi Fredi,
      ja, anfangs fühlt sich das etwas strange an. Ich arbeite aktuell auch wieder intensiver an der Technik und empfinde sie aber mittlerweile als sehr angenehm und effizient. Das Pickslanting ist an sich ein sehr effizienter Weg des Saitenwechselns. Wenn Du das Pick 90° zum Korpus hälst und quasi parallel anschlägst hast bei jedem Saitenwechsel eine Bewegung die aus Deinem gewohnten Anschlag rausgeht, weil das Plektrum „über“ die Saiten muss und ja dann immer „zwischen“ den Saiten anschlägst. Das geht auch und wie schon gesagt, jeder muss (allein schon wegen unterschiedlicher Anatomie) seinen eigenen Weg finden. Der Artikel soll auf keinen Fall sagen „so geht das“ (wer bin ich das ich das könnte), aber er soll einfach etwas Inspiration geben, um ggf. neue Wege zu entdecken. Man findet sehr spannende Sachen, wenn man Troy Grady im Zusammenhang mit Martin Miller oder Michael Angelo Batio recherchiert ;-)
      Liebe Grüße und viel Spaß beim Üben,
      Simon

      • Profilbild
        Fredi

        Hallo Simon,

        Du schreibst:
        > [beim Saitenwechsel mit klassischer Technik und Wechselschlag muss man das Plektrum anheben]
        Prinzipiell nachvollziehbar, aber ich sehe nicht, wie das Slanting das Problem löst. Da greift das Economy Picking, wie Du schon beschrieben hast.
        Mich würde mal interessieren, wie solche Wechselschlaggurus wie Al DiMeola oder Steve Morse das angehen, ob die auch „slanten“.
        Auf jeden Fall Dankeschön für die Inspiration!

        Gruß
        Fredi

        • Profilbild
          Simon Schneid RED

          Spannende Sache… werde ich mal etwas recherchieren wie die beiden von Dir genannten Klampfer Skalen picken :) Steve Morse ist in jedem Fall einer der Kings im „Cross Picking“. Dabei geht es aber eher um One Note Per String Arpeggios als um Skalen. Two Way Pick Slanting löst auf jeden Fall Probleme im Hinblick auf Skalenspiel. Aber auch hier: Wer eigene Wege geht und damit ans Ziel kommt: Go for it, there is always more than one way!

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