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Workshop: Gitarrenverstärker richtig einstellen

Gitarrenverstärker richtig einstellen

13. März 2022

Workshop: Gitarrenverstärker richtig einstellen

Verstärker für Bühne und Heim richtig einstellen – die besten Tipps

Insbesondere von recht unerfahrenen Gitarristen werde ich häufig gefragt, wie man  einen Gitarrenverstärker optimal eingestellt. Prinzipiell unterscheidet sich die Einstellung der verschiedenen Gattungen von Verstärkern letztlich nicht. Röhrenverstärker, Modeling- oder Transistorverstärker verhalten sich grundsätzlich recht ähnlich. Wir befassen uns heute mit der Einstellung eines Gitarrenverstärkers in diversen Szenarien, da man bei der Einstellung auf der Bühne auch weitere Einzelheiten im Auge behalten muss.

EQ – Einstellung des Verstärkers im trauten Heim

Eine mehr als brauchbare Einstellung lässt sich im trauten Heim sehr unkompliziert erreichen. Bei mir hat sich folgendes, einfaches Prinzip hervorragend bewährt.

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Zunächst wähle ich den klaren Kanal (soweit vorhanden) des Verstärkers an. Als Startpunkt werden alle Regler der Klangregelung zunächst auf 12 h gestellt. Meistens besitzt der klare Kanal keinen Gain-Regler. Sollte dieser existieren, wird er zunächst so eingestellt, dass der Sound klar bleibt oder wenn überhaupt keine hörbare Verzerrung produziert. Bei einkanaligen Verstärkern werden die verzerrten Sounds meist mit Pedalen erzeugt, der „klare“ Sound sollte also so „clean“ sein wie nötig. Spiele ich gar keinen klaren Sounds auf der Bühne, kann der „cleane“ Ton möglicherweise auch leicht „zerren“.

Da verschieden Gitarren und Tonabnehmerbestückungen (Humbucker, Singlecoil) deutlich unterschiedlich klingen können, greift man zunächst zur Lieblingsgitarre und wiederholt die Einstellung dann ggf. mit weiteren auf der Bühne genutzten Instrumenten.

Bass-Regler

Wir wählen den Halstonabnehmer (da dieser am meisten Bässe erzeugt) und spielen. Sind wummernde bzw. unkonkrete, schwammige Bassfrequenzen zu hören, wird der Bass-Regler des Verstärkers soweit zurückgenommen, bis diese gerade so verschwinden. Hier muss man einen guten Kompromiss finden. Entzieht man dem Klang zu viele tiefe Frequenzen, wird dieser dünn und fundamentlos. Man darf dem Sound also nicht die Basis entziehen bzw. „die Eier abschneiden“.

Treble-Regler

Im zweiten Schritt schaltet man die Gitarre auf den Stegtonabnehmer und experimentiert mit dem Treble-Regler. Ein zu scharfer Sound tut in den Ohren weh. Man senkt die Höhen so weit ab, bis man einen guten Kompromiss zwischen „noch durchsetzungsfähig“ und „perkussiv“ erhält. Die Höhen sollten warm, doch „knackig“, aber niemals schrill klingen.

Mitten einstellen

Nun hat man eine gute Basis geschaffen, um mit dem Mitten-Regler (soweit vorhanden) zu experimentieren. Zu wenig Mitten gehen auf Kosten der Durchsetzungsfähigkeit. Zu viele Mitten machen den Klang „hart“, da dieser Frequenzbereich auch für die sogenannte „Sprachverständlichkeit“ wichtig ist und das Gehör hier besonders sensibel reagiert.

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Das Endergebnis sollte ein runder, ausgewogener Klang sein, der weder zu scharf noch „wummerig“, noch kraftlos aufgrund zu wenig Bass klingt.

Gitarrenverstärker richtig einstellen 1

Selbst gebauter „Röhren-3-Watter“ mit 3-Band Klangregelung

Besitzt der Verstärker auch einen Presence-Regler, der auf die Frequenzen oberhalb der Höhen einwirkt, wird dieser nach Gehör so weit zurückgenommen, bis die Höhen noch perkussiv klingen, aber nicht unangenehm schrill.

Der verzerrte Kanal wird prinzipiell nach demselben Prinzip eingestellt, hier ist besonders darauf zu achten, die Bässe im Zaum zu halten.

Einstellung des Amps auf Bühne

Im trauten Heim wird man sicherlich zu einem anderen Ergebnis kommen als auf der Bühne im Kontext mit den Mitmusikern. Hier sieht die Geschichte meist wieder ganz anders aus.

Anbei einige Anmerkungen, die aus meiner Bühnenerfahrung aus ca. 5.000 Auftritten auf Bühnen extrem unterschiedlichster Ausmaße resultieren: Die wenigsten Gitarristen unter uns haben ständig die optimalen Bedingungen zum Live-Musizieren. Darunter verstehe ich große Bühnen, ein perfektes Verstärker-Setup, ausreichend Monitorwege und Monitor-Wedges. Viele Musiker, insbesondere die, die regelmäßig auftreten, besitzen mittlerweile ein eigenes In-ear-Monitoring-System. Manche Musiker verwenden auch gerne einem Gehörschutz, der das „zu Hörende“ um 15-25 dB in der Lautstärke absenkt. Diese speziellen „Ohrstöpsel“ werden vom Fachmann (Hörgeräteakustiker etc.) mithilfe eines „Ohrabdrucks“ hergestellt. Mit all diesen Komponenten muss man umgehen.

Oft bestimmt das Drumset bzw. dessen Snaredrum die grundsätzliche Bühnenlautstärke. Eine leise gespielte Snare klingt naturgemäß vollkommen anders als eine, auf die man schön „einprügeln“ und die volle Dynamik des Instruments zu nutzen kann. Jeder möchte Spaß haben und auf seine Kosten kommen. Die schlechte Nachricht: Dies geht letztlich nicht ohne Kompromissbereitschaft.

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Auf der Bühne möchte sich jeder Gitarrist natürlich gerne selbst hören, die Kollegen möchten dies verständlicherweise auch. Schafft man es, den Verstärker so auszurichten, dass man seine Ohren „im Strahl“ des eigenen Verstärkers platziert, hört man sich gut, zwingt sich aber gleichfalls auch dazu, den eigenen Monitor, der möglicherweise die eigene Stimme oder die Stimmen, Instrumente der Kollegen transportiert, lauter zu drehen. Eine sich aufschaukelnde Spirale nimmt ihren Lauf. Legt man eine gewisse Disziplin an den Tag, schafft man es, den eigenen Gitarrenverstärker während der gesamten Dauer des Auftritts nicht zu erhöhen. Meist ist dies Utopie, denn beim Soundcheck spielt meist jeder recht uninspiriert. Erhöht sich beim Gig dann der Adrenalinspiegel, hat man spätestens nach dem dritten Song das Gefühl, sich nicht mehr befriedigend zu hören und rennt zum Amp, um dem etwas „entgegenzuwirken“. Manch einer bückt sich kurz, um die entsprechenden Regler der Fußtreter auf dem Pedalboards etwas „zu korrigieren“, um den Kollegen später mitzuteilen: „Ich habe mich nicht lauter gemacht.“ Wir kennen das, seien wir mal ehrlich …

Auf kleinen bis mittelgroßen Bühnen gilt: so leise wie möglich. Manch einer mag sich nun beschweren, dass das nichts mit Rock ’n‘ Roll zu tun hat. Leider endet „Rock ’n‘ Roll“ auf der Bühne oft damit, dass man den Kollegen während eines Gigs irgendwann die altbekannte Ansage macht: „So kann ich nicht arbeiten.“ Im Idealfall hört jeder einen Mix aus allem, was er für die optimale Performance benötigt. Leider ist dies nur selten wirklich der Fall und man kämpft sich durch den Auftritt.

Leider haben Gitarrenverstärker die Angewohnheit, sehr gut wahrgenommen zu werden, wenn man sich direkt im Fokus des Lautsprechers befindet. Verlässt man diesen, indem man sich auch nur einen Meter aus Letzterem bewegt, nimmt man sich im Bandkontext oft nicht mehr ausreichen wahr. Hier können sogenannte Beam Blocker helfen. Diese sehen nicht schön aus, machen aber einen extrem guten Job. Möglicherweise sagen dann die Bandkollegen, die sich etwas weiter von deiner Bühnenposition bewegen: Heute habe ich dich zum ersten gehört.

Workshop: Gitarrenverstärker richtig einstellen

Spielt man eine Combo, also einen „Kofferverstärker“, könnte man diesen insbesondere auf kleineren Bühnen kippen. Einige Verstärker (z. B. Fender Twin Reverb) haben sogenannte „tilt back legs“ vorinstalliert. Diese sind auch separat erhältlich. Mithilfe dieser kann der Verstärker gekippt werden. Auch viele Amp-Ständer bieten die Möglichkeit, den Verstärker in mehreren Winkeln zu kippen.

Wie viel Hall für meinen Ton?

Hat der Verstärker einen Hall (Reverb), so sollte man diesen sicherlich aktivieren, damit der Sound nicht ganz leblos klingt. Insbesondere bei klaren Sounds ergibt dies Sinn. Für authentische Surf- oder auch Rockabilly-Sounds ist dieser sogar unerlässlich. Man sollte damit jedoch sparsam umgehen, um den Klang nicht unnötig „zu verwässern“ oder gänzlich unkonkret zu machen, ein bisschen „Atmo“ ist hier durchaus genug. Spielt man auch verzerrte Sounds auf der Bühne (was Gitarristen selbstverständlich gerne tun), ist es wichtig, einen Kompromiss der Hallanteile einzugehen. Verzerrte Sounds mit zu viel Hall verlieren an Druck und Durchsetzungskraft. Deswegen haben manche Verstärker auch einen schaltbaren Hall, der bei Bedarf einfach abgeschaltet bzw. aus dem Signalweg genommen wird. Findet man keinen guten Kompromiss, kann der Hall natürlich auch mithilfe eines Pedals erzeugt werden, so könnte man verschiedene Presets mit unterschiedlichen Raum-Größen oder Effektanteilen vorprogrammieren und schnell abrufen.

Wie viel Gain?

Viele Gitarristen glauben, wenn man die Verzerrung erhöht, wird der Klang fetter. Grundsätzlich stimmt dies aber, das bedeutet nicht unbedingt, dass man vom Publikum besser wahrgenommen wird. Verzerrte Rhythmus-Gitarren sollten tendenziell etwas weniger Verzerrung haben, sich also eher im „Crunch“-Bereich aufhalten. Für das Solo braucht man dann meistens deutlich mehr Verzerrung, da man ja auch einen schön cremigen, stehenden Ton haben möchte. Mehr Gain erhöht generell auch den Bassanteil, deswegen sollte dieser nach Einstellen der Verzerrung wieder angepasst werden, damit der Klang nicht matschig oder unkonkret wird.

Solo – was man wissen muss

Übertreibt man es aber mit der Disziplin, beispielsweise bei einem Gitarrensolo, kann es passieren, dass man am Bühnenrand steht und keinerlei Resonanz erfährt, da man einfach nicht zu hören ist. Hat man keinen FOH-Techniker (front of house), der das Programm genau kennt und das Gitarrensolo im genau richtigen Moment „hochzieht“, ist es besser, dafür zu sorgen, sich selbst einen ausreichenden dB-Boost zu verschaffen, das geschieht mittels eines Boosters bzw. Volume-Pedals oder eines perfekt eingestellten (mehrkanaligen) Verstärkers. Hier ist darauf zu achten, dass der Solo-Sound mit ausreichend Mitten ausgestattet wurde, um sich tatsächlich im Bandkontext durchzusetzen. In diesem Zusammenhang hört man oft die Metapher „cutting through the mix“.

Hier unsere Workshops auf einem Blick:

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Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich verstehe den Sinn des Artikels nicht. Es gibt bezüglich Amps kein „Richtig“ und „Falsch“, es muss halt passen, egal ob auf der Bühne oder zu Hause. Reverb und Verzerrung passen oft nicht zusammen, kombiniert mit Tremolo und sparsamen Spiel sieht das im entsprechenden Setting (z.B. Desert Rock) schon wieder ganz anders aus.
    Ich bin ein Telecaster-Player, bei meinem 30 Jahre alten Valvestate Marshall sind seit jeher die Bässe und Höhen auf Max und die Mitten völlig weg, Vorstufe und Endstufe auf 15.00 Uhr Gain und nur gedrosselt duch das Mastervolume. Passt für mich und alle die das gehört haben.

    • Profilbild
      Johannes Krayer RED

      Hallo Hein Schlau,
      mag sein, dass der Artikel für dich keinen Sinn macht, du verfügst ja bereits über eine lange Erfahrung auf der Bühne. Es gibt aber unter den amazona Lesern sicherlich auch relativ unerfahrene Gitarristen, denen die gegebenen Tipps möglicherweise jetzt nützlich sein könnten, an diese wollten wir auch denken.
      Gruß, Johannes

  2. Profilbild
    oosborne

    Was man sicher noch erwähnen sollte ist, dass die EQs der einzelnen Amps komplett unterschiedlich funktionieren: bei den alten passiven EQs sind unglaubliche Abhängigkeiten vorhanden und eine Drehung an B hatt auch Auswirkungen auf M und/oder umgekehrt. Bei manchen Amps wird bei Nullstellung aller Regler das Signal komplett auf Masse gelegt, dann hört man nichts mehr, bei anderen hingegen nichts. Learning by turning – imho der Weg zum Ziel!

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