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Workshop: Auftritte auf kleiner Bühne, Stage

17. Februar 2022

Kleine, aber feine Gigs

Workshop: Auftritte auf kleiner Bühne, Stage

Auftritte auf kleiner Bühne können Musikern wie Publikum unglaublich Spaß machen, sind aber eine besondere Herausforderung

Da jeder Musiker seine Wertigkeit zumindest ein wenig von der Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen abhängig macht, träumen wir doch alle von riesigen Arenen, großen Festivals und ausufernden Hallen, in denen wir unsere Kreativität Abertausenden von ekstatisch feiernden Fans in einem Auftritt darbieten und gemeinsam eine riesige Party feiern. Sowohl die Realität als auch Covid haben dieser Wunschvorstellung einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht, sodass wir aktuell für jede Auftrittsmöglichkeit dankbar sein können, sei sie auch noch so klein. Aber hoppla, Kneipen- und Barshows erfordern ganz andere Herangehensweisen als Club- oder Hallenshows, von daher wollen wir uns heute einmal den Herausforderungen bei Kleinstveranstaltungen stellen.

Workshop: Auftritte auf kleiner Bühne, Stage

Workshop: Kleine Bühne, Stage – Fans

Räumlichkeiten der kleinen Bühne

In Kneipen oder Bars treffen wir meistens auf gleich mehrere Punkte, die dem Musiker das Leben schwermachen können. Meistens sind nur wenige Kneipen oder Bars explizit auf das Live-Geschäft ausgerichtet, was sowohl in räumlicher als auch in technischer Hinsicht einige Probleme mit sich bringt. Bzgl. der Räumlichkeiten, angefangen bei den Abmessungen einer Bühne, sofern überhaupt eine Erhöhung vorhanden ist, über einer Platzierung der Künstler in einer Ecke des Raumes bis hin zu der Tatsache, dass man bzgl. der Abstrahlung satt am Publikum vorbeispielt. Vorgetragene Änderungswünsche an den Pächter werden meistens mit den Worten „Haben wir schon immer so gemacht, hat bisher immer funktioniert“ abgeschmettert, sodass man nur in wenigen Fällen bzgl. des Aufbaus Änderungen in die Wege leiten kann.

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Nehmen wir als Basis mal eine 4- bis 5-köpfige Band in der klassischen Besetzung. Wenngleich dieser Bereich rückläufig ist und immer mehr durch DJ/Electro ersetzt wird, nehmen wir doch die Variation Dr, B, G, Key, V, da hier die meisten physikalischen Probleme auftreten können. Bzgl. Aufbau der Band wird man wahrscheinlich aufgrund der begrenzten Bühnenabmessungen froh sein, wenn man alle Musiker entsprechend auf der Bühne platziert bekommt. Was man aber bereits im Vorfeld abklären kann, ist das Equipment, das mitgenommen wird. Hier gilt es nicht nur im Bezug auf Leistung im Vorfeld zu reduzieren, sondern insbesondere auch im Bereich der Abmessungen, wobei sich hier besonders die Schlagzeuger positiv hervortun können.

Ich selber liebe die bewegte Luft von zwei Kickdrums, aber bei beengten Platzverhältnissen muss nun mal im Zweifelsfall eine Doppelfußmaschine herhalten. Ob nun ein oder zwei Hängetoms über der Kick verbaut sind, macht nun wirklich keinen Unterschied, bei den Standtoms geht es aber bereits weiter, insbesondere wenn sie sowohl links als auch rechts vom Drummer platziert sind. Das Gleiche gilt für zusätzliche Snares, HiHats und besonders Beckenständer, die die Bühne binnen kürzester Zeit mit Equipment fluten. Falls der Drummer in diesem Fall das große Quengeln anfängt, ihm einfach ein Live-Video von Buddy Rich zeigen, der mit einem vergleichsweise kleinen Aufbau alles in Sack und Asche gespielt hat.

Workshop: Auftritte auf kleiner Bühne, Stage

Workshop: Kleine Bühne, Stage – Jazz Trio

Backline

Neben der Tatsache, dass man Kneipengigs in Sachen Gitarre locker mit einem 10 Watt Amp und im Bassbereich mit 50 Watt hinkommt, ist die Positionierung der Verstärker meistens ein großes Problem. Durch die geringen Bühnenabmessungen steht man meistens direkt vor seinem Amp und beschallt zumeist seine Hosenbeine, was zu faktisch keinem Monitoring und ein viel zu hohen Bühnenlautstärke führt. Abhilfe hierfür gibt es auf drei verschiedene Art und Weisen.

1. Den Amp erhöht platzieren, je näher am Ohr gelegen, umso besser. Sollte der Amp im Case transportiert werden, das Case darunter packen. Evtl. hat auch der Drummer massive Hutschachteln dabei oder aber man kann passende Stühle oder Barhocker am Tresen besorgen.

2. Den Amp auf der anderen Seite der Bühne leicht schräg platzieren. Der Abstrahlwinkel sorgt dafür, dass das Signal nach 3 m sich auch nach oben Richtung Gehör bewegt, sodass man die Entfernung nutzen kann, um sich besser zu hören.

3. Die beste Methode hingegen sind Diffusoren wie zum Beispiel die Deeflexx. Sie sorgt für eine gleichmäßige Verteilung des Schalls auf der Bühne und ermöglicht ein besseres Monitoring für den spielenden Künstler und seine Kollegen. Einfach einmal ausprobieren, der Effekt ist atemberaubend.

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Das nächste Problem ist, dass die Backline bei kleinen Shows einen Großteil der Funktionen übernehmen muss, die sonst von der PA übernommen wird, zumindest für die ersten Publikumsreihen. Es empfiehlt sich daher, die Backline mit einem Winkel von ca. 25 – 30 Grad Richtung Bühnenmitte aufzubauen, damit gerade sehr fokussierte Signale wie z. B. die Gitarre auch den gegenüberliegenden Bereich der ersten Publikumsreihen erfassen.

Workshop: Auftritte auf kleiner Bühne, Stage

Workshop kleine Bühne, Stage – Sängerin

Beschallung kleine Bühne, Stage

In einer Kneipe in PA Regionen zu denken ist bei einem großen Teil der Venues schlicht und ergreifend völlig kontraproduktiv. Nicht nur, dass man aus räumlichen Gründen meistens nur einen rudimentären Bereich gut erfasst, auch die Lautstärke übersteigt sehr schnell den Pegel, bei dem sich der Zuhörer noch wohlfühlt. Wer nun keine Lust auf die ständigen Diskussionen über Lautstärke hat, greift am besten zu der „No PA“ Methode. Man erinnere sich einmal kurz, wie vor 50 Jahren live gearbeitet wurde. Man knallte die Bühne voll mit Amps, die teilweise nicht einmal abgenommen wurden und nur die leisesten Instrumente wie Gesang oder die Kick bekamen Unterstützung in den damaligen „Gesangsanlagen“.

Ich habe Club-Gigs (keine Kneipen-Gigs) gespielt, bei denen das Drumset perfekt gestimmt war und der Drummer eine perfekte Technik an den Tag legte, was darin mündete, dass das Drum-Set mörderlaut auf der Bühne war. Das Ende vom Lied, die beiden Kicks wurden leicht in die PA gedreht, der Rest kam live von Bühne. Ergebnis: ein unfassbar druckvoller, dynamischer Drumsound und ein glücklicher Drummer.

Man sollte also je nach Künstler und Einstellung überlegen, ob man die Hausanlage oder aber die mitgebrachte PA nicht auch primär als Gesangsanlage verwenden sollte, wenn man im Gegenzug Musiker auf der Bühne hat, die ihren Sound abfeiern können. Zwar ist die Kontrolle in diesem Fall nicht so akkurat wie bei einer kompletten Signalverwaltung über die PA, aber der Entertainment Faktor ist um ein Vielfaches höher.

P.S. Ich habe auch schon mal das Z7 in der Schweiz (ca. 1.500 Personen Fassungsvermögen) mit zwei Fullstacks von der Bühne runter beschallt und der FOH hat mich nur leicht auf die gegenüberliegenden Hallenseite mit in die PA genommen. Super Sound! Die diametrale Alternative wäre dann, mit E-Drums und Kemper in iPhone Lautstärke spielen, dann braucht man nicht einmal mehr den Gesang abzunehmen.

Workshop: Auftritte auf kleiner Bühne, Stage

Workshop kleine Bühne, Stage – Publikum

Monitoring

Bzgl. Monitoring sollte man versuchen, so viel wie möglich auch wieder aus Platzgründen ohne Wedges auszukommen. In-Ear-Systeme haben hier einen unschlagbaren räumlichen Vorteil, allerdings klingen die mitgelieferten Ohrhörer bei preiswerten Systemen allesamt indiskutabel schlecht. Hier sollte man sich eventuell überlegen, eine zusätzliche Anschaffung in einen hochwertigen Ohrhörer zu tätigen. Der Nachteil für eine gute In-Ear-Verwaltung ist allerdings wiederum, dass man alle Instrumente auch entsprechend abnehmen muss, der Aufwand steigt also unmittelbar mit dem Anspruch. Als kleiner Tipp: Wer sein Instrument gerne direkt hört, sollte überlegen, nur ein Ohr mit einem Ohrhörer zu belegen, auf den man sich den Rest der Band legt.

Equipment Sharing

Wer mit zwei oder mehr Bands spielt, wird auf kleinen Bühnen um ein Equipment-Sharing nicht drumrum kommen. Es ist einfach Wahnsinn, eine Bühne inkl. Cabinets und Drums komplett umzubauen, während sich alle beteiligten Musiker nicht einmal gleichzeitig auf der Bühne aufhalten können. Es ist allerdings auch ebenso anmaßend davon auszugehen, dass man das Equipment des Headliners mit be- und abnutzen kann. Zumindest im Drum-Bereich sollte es Standard sein, dem Drummer der Hauptband einen kleinen Obolus für die Abnutzung der Felle und der Becken anzubieten. Wenn er ihn nicht annimmt, umso besser.

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Fazit

Kneipengigs, also Auftritte auf kleiner Bühne, haben aufgrund ihrer Intimität einen großen Vorteil gegenüber Club- oder Hallenkonzerten. Der Kontakt zum Publikum ist näher, (leider manchmal auch zu nah, wenn dir der erste Besoffene auf das Pedalboard latscht …), die Response direkter. Im Gegenzug kämpft man einen latenten Kampf gegen die Unwägbarkeiten der Physik und muss sich ständig mit Einschränkungen zufriedengeben. Es gibt übrigens einen Grund, warum ich kein Wort über die Backstage-Situation verloren habe, die sich teilweise über eine mit Vorhängen abgehängte Ecke, auf 4 qm mit in der Küche oder als Totalausfall auf dem Klo abspielt.

Dennoch kann man bei einem engagierten Promoter und dem richtigen Publikum eine gute Zeit haben, die für viele Einschränkungen innerhalb der Logistik entschädigt. Also, have fun!

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Forum
  1. Profilbild
    Armin Bauer RED

    Lieber Axel,

    wie die meisten hier lese ich deine Artikel aus dem Musikerleben sehr gerne.
    Lass mich zu diesem einige Sachen ergänzen:
    Drums: Ich selbst habe es in 40 Jahren als Tontechniker noch nie erlebt, dass ein Drummer bei einem kleinen Gig mit Doppel-BD aufgelaufen ist. Ansonsten alles richtig, lieber mal auf ein Tom verzichten, weniger Becken, eine zusätzl. Piccolo-Snare findet schon noch ihren Platz. Mit was ich nicht konform gehe, perfekte Technik muss beim Drummer nicht mörderlaut bedeuten. Gerade die wahren Künstler schaffen es, dynamisch und druckvoll bei geringer Lautstärke zu spielen.
    Drumsharing: Wenn der Gast HiHat, Snare und Fußmaschine selbst mit bringt fühlt er sich wohl und die meisten Kollegen haben dann nichts gegen die Mitnutzung des Sets einzuwenden.
    Ebenso bei der Saitenfraktion, Top selbst mitbringen, die Nutzung des Cabinets geht meist klar.
    Monitoring: Kleine Monitore verwenden! Ich habe inzwischen auf 8″/1″ Monitore umgestellt, Drums und Keys mit 12″. Hat sich noch niemand beschwert, dass da kein guter Monitorsound zustande kommt, auch bei mittelgroßen Gigs. In-Ear vielleicht dann für den Sänger, Athmo-Mik nicht vergessen.
    PA: Ich bin ja kein Freund der Stäbchenanlagen, hier haben sie aber durchaus den Vorteil wenig Platz zu brauchen, alternativ kleine (8″) Tops mit Sub. Wer 15″ Kübel da hin stellt, braucht Platz und raubt die Sicht.

  2. Profilbild
    calvato

    Ich LIEBE Clubgigs!! So gern ich auf großen Bühnen spiele, aber mit einer guten, disziplinierten Band auf ner kleinen Bühne zu stehen ist einfach geil. Man hat direkten Kontakt zu den Leuten, der Sound ist, wenn die Akustik nicht gerade katastrophal ist (was leider öfter passiert), sehr lebendig und hat einen ordentlichen Druck. Man spielt einfach anders.
    Das Einzige, was ich nicht unterschreiben kann ist, dass 10/50W als Amp genügen :D Das geht eben nur, wenn alles abgenommen auf die PA geht. Aber als Bassist hätte ich auch gern ein bissl Spaß auf der Bühne und bin auch lautstärke/soundmäßig gern eine Einheit mit dem Schlagzeug.
    Ich freue mich auf die Nach-Coronazeit, wenn man wieder schweißgebadet vor 150 Leuten spielen darf…

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      @calvato

      bedenke, dass ein 100 Watt Head gerade einmal die doppelte Lautstärke eines 10 Watt Verstärkers erzeugen kann und entspechend ein 500 Watt Bass Amp zu einer 50 Watt Ausführung.

      Ich suche die Verstärker immer nur nach dem klanglichen Verhalten aus und war mit einem 20 Watt Amp schon immer zu laut auf jeder Clubbühne.

      Aber dafür gibt es ja jetzt endlich das hier: https://www.amazona.de/test-fryette-power-station-power-attenuator-und-roehrenendstufe/

      • Profilbild
        calvato

        ….was heißt „gerade mal“ :D Die doppelte Lautstärke ist unfassbar viel!

        Ich kann mich erinnern, testweise mal mit einem 150W-(Nicht-Röhren-)Basscombo zur Probe gekommen zu sein, da haben sich alle beschwert ;)
        Und klar, ein 20W-Röhrengitarrenamp ist durchaus schon ne Ansage, wenn man nicht auf kristallklar steht.

  3. Profilbild
    Pirella

    In kleinen Locations zu spielen (mit Band oder auch als Duo) bleibt natürlich eine absolute Herausforderung. Macht aber großen Spaß ! Man braucht schon einige Jahre Erfahrung und man sollte selbstbewusst und robust sein, denn man wird ganz genau beobachtet, jeder Griff am Instrument und jede Bewegung als SängerIn (auch von der Musikerpolizei ;-) Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, da man auch emotional eine gute Basis zum Publikum aufbauen und herstellen kann.
    Der Nachteil sind oft Platzprobleme, die jetzt in der Pandemie nicht zu unterschätzen sind. Oft wird auch heutzutage eher ein E-Drum gefordert, wegen der Lautstärke. Ein guter Tontechniker, der sein Fach versteht, wenn man sich selbst nicht zu helfen weiß, ist ebenfalls sehr zu empfehlen.
    Ansonsten kann ich kleine, aber feine GIGs nur empfehlen !

  4. Profilbild
    moinho

    Ergänzende Erfahrungswerte:
    – ein Schlagzeuger, der sein Kit zum Klingen bringen kann, hat nie geschadet.
    – die tontechnische Schwachstelle der meisten Bands ist der Gesang. Besser wenn man den wegläßt.
    – bezüglich der „physikalischen Probleme“ sehe ich Trompeten und Posaunen auch als problematisch. Die sind (wenn sie denn vom Klang „laut“ klingen sollen) richtig laut, und Posaunen haben noch die Herausforderung des dynamischen Platzbedarfs.

  5. Profilbild
    Hallger@

    Ich kann allen Bands, die häufiger in kleinen Kneipen/Clubs spielen, nur raten auf Amp-Simulatoren, E-Drums und in-Ear zu setzen. Selbst bin ich Tontechniker und habe vor allem mit Bands zu tun, die kleinere Gigs spielen. Die Erfahrung zeigt, dass mit o.g. Systemen man viel einfacher wieder auf den Sound kommt den man gewohnt ist, den man will und den man sich über mehrere Gigs erarbeitet hat. Alle o.g. Systeme machen immer das Gleiche, in jeder Umgebung, egal wie die Akustik ist usw. Als Soundmensch hat man eh mit Akustik in nicht optimal Räumen zu kämpfen. Wenn dann jeder Musiker noch seinen Amp/Akusitkdrum Wohlfühlsound auf der Bühne fährt und zusätzlich die Monitore brüllen, weil die Sängerin (direkt vorm lauten Drumset und dem Git-Amp platziert) sonst keine Chance hat sich selbst zu hören und das Ergebnis ist, dass eh schon alles zu laut und zu lärmig ist, ohne dass die PA überhaupt an ist – hat man keine Chance mehr auf nen richtig guten Sound. Amp-Sims, E-Drums, In-Ear helfen heutzutage nicht nur den Rücken zu entlasten und schaffen Platz auf der Bühne. Sie helfen auch dem Musiker, weil er genau den Sound auf den Ohren hat, wie bei jedem Gig (und wie im Proberaum). Und es hilft dem Tonmensch, dass, wenn er die PA optimal auf den Raum angepasst hat, der Sound ziemlich schnell gut passt, wenn er ein Digipult nutzt und seine Settings gut gemacht hat.

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