Workshop: E-Gitarre für Einsteiger – Barré, Palm Mute, Powerchords

20. September 2020

E-Gitarre für Einsteiger: Die grundlegenden Spieltechniken

Hey, herzlich Willkommen zurück zu unserem Workshop E-Gitarre für Einsteiger. Nachdem der erste Teil ja nun noch sehr theoretisch und von Fachwissen geprägt war, ihr euch aber einen Einblick verschaffen konntet, ob und welche E-Gitarre und welcher Verstärker zu euch passen, geht es heute an die Praxis. Wir kümmern uns heute hauptsächlich um die ersten Techniken, die ihr auf der E-Gitarre beherrschen müsst, wenn das Ergebnis nicht dazu führen soll, dass eure Nachbarn euch wegen Lärm und Erregung öffentlichen Ärgernisses anzeigen. Sonnenbrille am Start? Los geht’s!

E-Gitarre für Einsteiger: Der Barré-Akkord

Natürlich gehe ich davon aus, dass die Gitarre so exakt wie möglich gestimmt ist. Und selbstverständlich habt ihr auch die Ohren zum Stimmen benutzt und nicht das Stimmgerät, oder? Also können wir den ersten E-Dur Akkord auf der E-Gitarre anstimmen. Der Verstärker sollte „clean“ eingestellt sein, also die sogenannte Verzerrung (oder Overdrive, Boost, Distortion etc.) sollte erstmal ausgeschaltet bleiben. Da ihr wahrscheinlich von der akustischen Gitarre gewohnt seid, den E-Dur Akkord mit Zeige,- Mittel- und Ringfinger zu greifen, kommt jetzt die erste Übung. Ab sofort wird dieser Akkord nämlich mit Ring,- Mittel- und kleinem Finger geübt. Das hat den Vorteil, dass euch der Zeigefinger zur Verfügung steht, damit ihr zwei grundlegende Dinge damit erledigen könnt: Zum einen wird euch dieser Finger als „Barré-Finger“ wundervolle, neue Klangwelten eröffnen, zum anderen kann eben dieser Barré-Finger beim Akkordspiel unerwünschtes Nachklingen des Akkordes unterbinden, indem man nach dem Anschlag des Akkordes den Druck der Greifhand reduziert und so die Schwingungen der Saiten stoppt. Der Barré-Akkord, den ihr vielleicht auch schon von der akustischen Gitarre her kennt, ermöglicht es euch, einen offenen Akkord, wie zum Beispiel E-Dur, über das ganze Griffbrett zu verschieben. Wie das genau funktioniert, zeige ich euch im Video. Wichtig ist, dass ihr die Töne der Basssaiten beherrscht, denn der tiefste Ton gibt dem Akkord jeweils den Namen. Die Haltung des Plektrums erläutere ich euch übrigens ebenfalls im Video.

E-Gitarre für Einsteiger E-Dur Fingersatz

E-Dur, Links der gewohnte Fingersatz, rechts der neue Fingersatz. Damit bleibt der Zeigefinger frei.

Öfter mal nichts hören: Das Abdämpfen der Saiten

Es gilt also nun, das Nachklingen einzelner Töne oder ganzer Akkorde sehr gezielt zu vermeiden und – da kommt jetzt der Trick – bewusst zu stoppen. Man spricht vom Abdämpfen der Saiten, auf englisch „to mute“. Wenn euch also in irgendwelchen Noten mal die Begriffe „muting“ oder „damping“ über den Weg laufen, wisst ihr, was gemeint ist. Nun kann man aber auf der Gitarre die Saiten nicht nur mit der Greifhand dämpfen, sondern auch mit der Anschlagshand. Das bezeichnet man dann auf Englisch als „palm mute“. Hier wird der Handballen der Anschlagshand in der Nähe des Steges auf die Saiten gelegt. Der Effekt ist bei beiden Techniken sehr ähnlich, allerdings werden beide unterschiedlich eingesetzt. Im weiteren Verlauf des Workshops werdet ihr dann sogar lernen, beide Techniken zu kombinieren. Dies wird bei komplexerem Rhythmusspiel wichtig. Generell ist zu sagen, dass das Abdämpfen der Saiten das A und O des E-Gitarrenspiels ist, denn genauso wichtig wie die einzelnen Töne, die man hört, sind die Töne, die man nicht hört. Das ist ein ganz zentrales Element des E-Gitarrenspiels und wird euch später gute Dienste leisten. Um euch jetzt die Dämpftechniken näherzubringen, empfehle ich euch, ins Video zu schauen. Dort beginne ich mit der Greifhand und zeige euch im Verlauf das Palm-Muting mit der Anschlagshand. Für letzteres dürft ihr nun, wenn es mit dem cleanen Sound gut klappt, endlich den Distortion Sound anwerfen. Ihr werdet dann merken, dass das alles gar nicht so leicht ist, wie es sich anhört. Gerade bei verzerrten Sounds werdet ihr erstmal frustriert sein, denn oftmals klingt das am Anfang alles mehr als gruselig und unsauber. Aber genauso werdet ihr merken, dass ihr nun schon ein kleines bisschen auf dem Weg zum Rockstar seid.

Damping, Palm Mute, Powerchords und Distortion – It rocks!

Wenn ihr nun den Verstärker etwas lauter aufgedreht , den Boost-Schalter gedrückt oder sogar ein Distortion-Pedal zwischen Gitarre und Verstärker geschaltet habt, dann geht’s ans Eingemachte. Der verzerrte Distortion Sound ist erstmal ein Biest, das es zu bändigen gilt. Greift man die Akkorde so, wie man es von der akustischen Gitarre gelernt hat, klingt das mit Verzerrung ganz fürchterlich, denn die Saiten klingen stärker ineinander und stören sich quasi gegenseitig. Im Gegensatz zur unverzerrten Verstärkung kommen hier Frequenzen dazu, die mit dem originalen Klang der Gitarre nicht mehr viel zu tun haben. Unser Streben sollte also nun sein, den Verstärker nur noch mit ausgewählten Tönen zu füttern, denn je weniger Frequenzen in ihn hinein gespielt werden, desto sauberer klingt das, was aus ihm heraus schallt.

E-Gitarre für Einsteiger Boss Distortion Pedal

Ein Distortion Sound ist der Inbegriff der Rockgitarre. Man kann ihn zum Beispiel durch ein Pedal im Signalweg erzeugen. Um den Sound im Griff zu behalten ist aber eine gute Dämpftechnik wichtig!

Als allererstes beginnen wir also damit, die Töne, die wir greifen und spielen, zu reduzieren. Hier beschränken wir uns auf sogenannte Powerchords, die nur aus zwei bzw. drei Tönen bestehen. Der Barré-Akkord, den wir oben besprochen haben, ist dabei die Grundlage. Der Zeigefinger greift den Grundton, der Ringfinger den zweiten Ton. Dieser wird im Fall des Powerchords „Quint“ genannt. Warum, das klären wir in einem späteren Kapitel. Zum Schluß kommt dann noch der kleine Finger ins Spiel, der greift den gleichen Ton wie der Zeigefinger, allerdings genau eine Oktave höher. Da wir diese Akkorde zunächst auf den Basssaiten spielen, ist die Oktave immer zwei Saiten und zwei Bünde weiter oben. Da der Zeigefinger ja nun einen leichten Job hat und nicht alle Saiten gleichzeitig herunterdrücken muss, hat er ja Zeit zu relaxen, er legt sich einfach auf die faule Haut. Genau genommen liegt er auf all den Saiten, die wir nicht hören wollen und dämpft diese ab. Und nun solltet ihr bereits einen klaren Unterschied zum voll gegriffenen Akkord hören. Nun könnt ihr die drei gegriffenen Saiten (und nur die!) mit dem Plektrum anschlagen. Wenn ihr jetzt wollt, dass der Akkord aufhört zu klingen, legt ihr einfach den Handballen der Anschlagshand locker auf die Saiten und schon herrscht herrliche Stille. Um den Effekt zu verstärken, könnt ihr gleichzeitig den Druck der Greifhand reduzieren, so dass auch hier die Finger nur noch auf den Saiten liegen, ohne diese zu greifen. Das benötigt etwas Übung und am Anfang werden immer noch einzelne Töne nachklingen und quietschen. Also schön üben, bis es sauber klingt!

E-Gitarre für Einsteiger A-Akkord

Der A-Dur Akkord als Barré im 5. Bund links und A-Powerchord rechts. Der Zeigefinger dämpft bei letzterem die drei hohen Saiten ab, damit keine Störgeräusche entstehen.

Damit es so richtig rockig klingt, kommt noch das Palm-Muting ins Spiel. Ihr legt den Handballen der rechten Hand zunächst locker auf den Steg und schlagt mit dem Plektrum nur die drei gegriffenen Saiten an. Nun rutscht ihr langsam, aber ohne Druck auszuüben, mit der Anschlagshand Richtung Hals und achtet darauf, wie sich der Klang verändert. Je weiter ihr nach vorne rutscht, desto mehr dämpft der Handballen die Saiten. Cool, oder? Jetzt müsst ihr den Punkt finden, an dem die Saiten noch klingen, aber eben nur so kurz, wie ihr das wollt. Die Anschlagsrichtung bleibt dabei konstant von den Basssaiten hin in Richtung der hohen Saiten. Wir sprechen hier von den sogenannten „Downstrokes“. Sorry für diese Anglizismen, aber in den meisten Lehrbüchern wird das nun mal auf Englisch geschrieben, und so wissen gleich alle, was gemeint ist.

Workshop: E-Gitarre für Einsteiger – Übungen

So. Klingt alles? Beziehungsweise klingt alles nicht? Ihr könnt jetzt schon damit beginnen, Palm Mute und Dämpfen mit der Greifhand zu kombinieren. Ergebnis werden kurze, prägnante Töne sein, die ihr im Wechsel mit ausklingenden Akkorden spielen könnt. Zum Beispiel könnt ihr langsam bis vier zählen, dabei auf jeder Zählzeit einmal anschlagen, aber nur bei der „eins“ den Akkord kurz klingen lassen. Benutzt hierzu bitte unbedingt ein Metronom, denn sonst legt ihr jetzt schon den Grundstein für rhythmisch unsauberes Spiel. Und als Gitarristen werden wir in den meisten Fällen zwar für ein tolles Solo bewundert, aber für den Rhythmus in einer Band engagiert. Und eine solide Basis für rockendes Rhythmusspiel ist das Zusammenspiel mit Schlagzeug und Bass. Da kommt euch das Training mit einem Metronom zugute.

Ich wünsch euch viel Spaß beim Üben, tolerante Nachbarn und viel Erfolg. In der nächsten Folge geht’s um weiterführende Anschlagtechniken und die Koordination zwischen rechter und linker Hand. Stay funky you crazy fools!

Fazit

Ein sauberer Rhythmus erfordert sauberes Spiel. Verinnerlicht die Techniken des Dämpfens in beiden Händen. Hört euch eure Lieblingssongs an und hört darauf, wie der Gitarrist den Rhythmus spielt. Falls ihr Fragen habt, raus damit! Ich versuche, so gut und viel wie möglich auf eure Fragen einzugehen und in den nächsten Folgen zu behandeln.

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