Workshop: E-Gitarre für Einsteiger

30. August 2020

It's a long way to Rock 'n' Roll

Hallo und herzlich willkommen zu unserer neuen Workshop-Reihe für E-Gitarren Einsteiger hier auf Amazona.de. In dieser Reihe möchte ich mich speziell an diejenigen unter euch wenden, die ganz neu sind auf dem Gebiet der E-Gitarre. Also entweder habt ihr schon eine E-Gitarre frisch aus dem Laden oder ihr beabsichtigt, in der nächsten Zeit eine zu kaufen. Solltet ihr schon Erfahrung auf der akustischen Gitarre gemacht haben, seid ihr ebenso herzlich willkommen. In der ersten Folge möchte ich zunächst die speziellen Eigenheiten der E-Gitarre und die Unterschiede zur akustischen Gitarre behandeln. Also die Finger kurz in den Bleistiftspitzer gesteckt, Sonnenbrille auf und ab dafür…

 

Warum E-Gitarre? Die Wanderklampfe klingt doch so schön.

Ja, klar. Die Wanderklampfe, in Fachkreisen Akustikgitarre genannt, klingt toll, und wir können uns damit wunderbar selbst begleiten. Je nachdem ob sie ein Tonabnehmersystem ihr Eigen nennt, können wir damit auch erste Banderfahrungen sammeln, indem wir mit anderen Musikern zusammen schrammeln. In meiner ersten Schulband habe ich mit der Konzertgitarre meines Vaters gespielt, die zu diesem Zweck extra einen Tonabnehmer eingebaut bekam. Aber sind wir doch mal ehrlich: Den größten Ruhm bekommen wir als Gitarrist/Gitarristin einer Rockband, oder? Und da ist die akustische Gitarre zwar gern gesehenes Beiwerk und wundervoll für Balladen, aber so richtig cool werden wir erst mit E-Gitarre und Sonnenbrille. Dazu müssen wir aber zunächst mal klären, was eine E-Gitarre überhaupt so speziell macht und worauf wir beim Kauf achten müssen.

Im Unterschied zur Akustikgitarre, die ja einen großen, hohlen Korpus hat, ist die E-Gitarre, die uns vorschwebt, wahrscheinlich eine Solidbody Konstruktion. Das bedeutet, dass die Gitarre selbst keinen Resonanzraum hat und dementsprechend nur sehr leise ist. Folgerichtig kommen wir nicht drum herum, uns mit Hilfe eines Verstärkers hörbar zu machen. Grundsätzlich sind akustische und elektrische Gitarren natürlich eng verwandt, so ist zum Beispiel die Greiftechnik der linken Hand sehr ähnlich. Aber Achtung: Wenn ihr zuvor nur auf einer Konzertgitarre mit Nylonsaiten gespielt habt, kommt hier der erste Hammer: Um eine E-Gitarre am Verstärker hörbar zu machen, benötigt sie Tonabnehmer. Und die können ausschließlich die Schwingungen von Stahlsaiten aufnehmen und übertragen. Was da genau passiert ist Physik und das soll uns zunächst nicht den Spaß verderben. Für Physik ist der Physiklehrer zuständig und Physiklehrer und Spaß sind aus meiner leidvollen Erfahrung eher unvereinbare Gegensätze. Stahlsaiten werden also benötigt und die kosten Anfangs neben Geld auch Nerven, Schmerz und Tränen und es wird ein paar Tage dauern, sich mit diesen störrischen Drähten vertraut zu machen. Habt ihr vorher bereits Westerngitarre gespielt, sind euch die Stahlsaiten vertraut und der Umstieg dürfte euch deutlich leichter fallen.

Für E-Gitarren Einsteiger: Grundlegende Konstruktion

Im Laufe der Jahrzehnte haben sich einige, sich deutlich voneinander unterscheidende Konstruktionen der E-Gitarre durchgesetzt. So gibt es sowohl E-Gitarren mit angeschraubtem, als auch mit eingeleimten Hälsen. Dann gibt es noch unterschiedliche Systeme am hinteren Ende der Gitarre. Mal werden die Saiten von hinten durch den Korpus gefädelt, mal durchlaufen sie noch ein sogenanntes Vibratosystem, mal werden sie auf der Oberseite des Korpus eingehängt. Dann sind da noch unterschiedliche Typen von Tonabnehmern installiert. Hier gibt es in der Regel Gitarren mit einem, zwei oder drei Tonabnehmern, die sich oftmals in ihrer Konstruktion unterscheiden. Die sogenannten Singlecoil Tonabnehmer haben eine Spule (ja ja, die Physik…) und sind sehr schmal gebaut, die Gegenspieler nennen sich Humbucker und bestehen aus zwei Spulen, die zusammengeschlossen werden. Beide Konstruktionen haben Vor- und Nachteile. Die Singlecoils klingen eher dünn und spitz, die Humbucker breit und wuchtig. Für welche Art der Gitarrenkonstruktion thr euch entscheidet, hängt letzten Endes davon ab, welche Musikrichtung euch vorschwebt. Grundsätzlich kann man mit jeder Gitarre jede Form der Musik spielen, aber die Eigenheiten der einzelnen Konstruktionen können eben der einen oder anderen Stilistik zuträglich sein.

Im Folgenden möchte ich euch die drei „klassischen“ E-Gitarren näherbringen, die sich so oder ähnlich im Laufe der Jahre etabliert haben. Zu den Pionieren des E-Gitarrenbaus gehören die Firmen Fender und Gibson, aus deren Baureihen sich drei Modelle zu ewigen Klassikern entwickelt haben. Die Firma Fender beteiligt sich mit der „Telecaster“ und der „Stratocaster“, die Firma Gibson wirft das Modell „Les Paul“ in den Ring. Telecaster und Stratocaster teilen sich als Konstruktionsmerkmal den angeschraubten Hals, während die Les Paul einen eingeleimten Hals ihr Eigen nennt. Auf den ursprünglichen Modellen der Firma Fender wurden die oben schon besprochenen Singlecoil Tonabnehmer verbaut, auf der Les Paul – ihr ahnt es – finden wir klassischerweise die Humbucker. Natürlich haben sich im Laufe der Jahre immer mehr Mischformen am Markt durchgesetzt, so dass es unmöglich ist, jetzt und hier auf alle erhältlichen Bauarten einzugehen. Sehr oft sieht man jedoch die Variante mit eingeschraubtem Hals und einem Humbucker und zwei Singlcoils oder zwei Humbuckern und einem Singlecoil. Zu allem Überfluss kann man bei einer Vielzahl der Gitarren noch den Humbucker splitten, das bedeutet, dass eine der beiden Spulen abgeschaltet wird und man einen Klang erhält, der dem Singlecoil sehr ähnlich ist.

Puh, das ist schon ganz schön viel Info zum Start, oder? Allen Gitarren gemeinsam ist, dass die von den Tonabnehmern aufgenommenen Schwingungen der Saiten noch durch eine Elektronik geführt werden, die es ermöglicht, verschiedene Kombinationen der Tonabnehmer zu verschalten und das Signal mit Lautstärke- und Klangregler zu bearbeiten.

Gitarrentypen

Die drei unterschiedlichen „Klassiker“ der Gitarrenkonstruktion. Von links: Telecaster, Stratocaster, Les Paul

E-Gitarren Einsteiger – was brauche ich?

Solltet ihr mit dem Gedanken spielen, euch eine E-Gitarre zuzulegen, müsst ihr natürlich auch bedenken, dass Ihr einen Verstärker benötigt. Oftmals bieten Händler sogenannte Starter-Sets an, die neben dem Objekt der Begierde, der E-Gitarre, auch direkt einen Verstärker beinhalten, sowie einige für die E-Gitarre nützliche Zubehörteile. Hierzu zählen typischerweise ein Gurt, damit man sich die Gitarre umhängen und standesgemäß posen kann, eine Tasche, ein Kabel, ein Ständer, ein Stimmgerät und manchmal auch eine Auswahl an Plektren. Moment mal … Plektren? Was ist das denn jetzt schon wieder? Natürlich kann man eine E-Gitarre auch mit den einzelnen Fingern der rechten Hand bespielen, aber um die typischen Geräusche, die der Zuhörer dann idealerweise noch als wohlklingende Musik wahrnimmt, zu erzeugen, hat sich das Spiel mit einem Plektrum bewährt. Dabei handelt es sich meist um ein abgerundetes Dreieck aus Kunststoff oder Nylon, das in verschiedenen Stärken – von weich bis hart – angeboten wird. Welches Plektrum sich für Eure Zwecke am besten eignet, kann man leider so pauschal nicht beantworten. Solltet ihr euch eine E-Gitarre im Fachhandel kaufen, wird euch der Verkäufer sicherlich eine kleine Auswahl verschiedener Plektren anbieten. Die Dinger sind nicht teuer, deshalb nehmt einfach mal verschiedene Formen und Stärken mit und experimentiert damit rum. Ich selbst habe bestimmt 5 Jahre lang mit verschiedensten Plektren verbracht, bis ich die für mich beste Wahl getroffen habe.

Folgt ihr diesem Link hier, werden euch einige Gitarren Einsteiger Sets gezeigt, die sich in der Preisklasse von etwa 130,- Euro bis 270,- Euro erstrecken. Eins dieser Sets wird mich in den nächsten Tagen zum ausgiebigen Test erreichen, damit ich mal berichten kann, was diese Sets zu leisten im Stande sind und ob sich der Kauf eines solchen Startersets lohnt oder ob man lieber die Komponenten einzeln kaufen sollte.

Harley Benton Einsteiger Set

So sieht ein typisches Einsteiger Set für den künftigen Rockstar aus. E-Gitarre, Verstärker, Tasche, Stimmgerät, Gurt, Plektren und Kabel.

Stimmung! Brauche ich ein Stimmgerät?

Jein. Natürlich ist das Ohr der beste Freund des angehenden Rockstars. Deshalb rate ich jedem meiner Schüler immer, die Gitarre nach Gehör zu stimmen und das Stimmgerät nur zum Überprüfen einzusetzen. Wenn man aber mit anderen Musikern zusammen im Übungsraum oder auf der Bühne steht, herrscht dort oft ein Lärmpegel, der das Stimmen der Gitarre nach Gehör unmöglich macht. Hier ergibt ein Stimmgerät dann natürlich unbedingt Sinn, und die Musikerkollegen sind auch nicht so schnell genervt, wenn die Gitarre mal wieder nicht stimmt oder das stumpfe „Plöng Plöng“ des Stimmvorgangs mal wieder eine Dreiviertel Stunde anhält. Solltet ihr euch für eine Gitarre im Stratocaster Stil entscheiden, gibt es eine Besonderheit zu beachten, die nicht unerheblich ist und schnell zu Frust führen kann. Auf diesen Modellen befindet sich oftmals hinten ein sogenannten Vibratosystem, oft auch fälschlicherweise Tremolosystem genannt. Dieses ist dafür gedacht, einzelne oder mehrere angeschlagene Saiten in der Tonhöhe zu verändern. Zu diesem Zweck ist das Vibratosystem auf der Rückseite der Gitarre mit einigen Federn aufgehängt, die einen Gegenzug zur Saite aufbauen. Damit man die Tonhöhe auch nach oben verändern kann, werden diese Vibratosysteme oftmals „schwebend“ eingestellt. Dies birgt allerdings das Risiko, dass sich die Gitarre schnell verstimmt, wenn man zum Beispiel den Handballen der rechten Hand auf dem Vibratosystem platziert oder das System nach der Benutzung nicht korrekt in die Ausgangsposition zurückschwingt. Da dies ein oft zu beobachtendes Phänomen ist, aber einige typische Stilistiken auf der E-Gitarre genau dieses System benötigen, werde ich in einem der kommenden Workshopteile auf genau dieses Problem eingehen.

Clean und Distortion – Der harte Weg zum Rockstar

Die meisten Verstärker, auch die aus den erwähnten E-Gitarren Einsteiger Sets, können die Gitarre nicht nur sauber verstärken, sondern auch sogenannte Overdrive- oder Distortionsounds erzeugen. Und nichts ist schöner und typischer für die Rockmusik, als eine verzerrte Gitarre. Aber Achtung! Die Verwendung von Distortion kann anfangs, wenn man die Spieltechnik der akustischen Gitarre gewohnt ist, alles andere als glücklich machen. Es kann sogar sehr frustrierend sein, weil alles, was man auf der Gitarre bisher gelernt hat, erst mal fürchterlich klingt. Töne scheppern ineinander, werden unharmonisch, Eure Eltern werden euch enterben und all diese Rockstarsachen. Deshalb freut euch jetzt schon mal auf den nächsten Workshop-Teil. Mit weniger „Geschreibsel“ und mehr Praxis, um euch die grundlegenden Spieltechniken der E-Gitarre näherzubringen. Bis zum nächsten Mal und haltet die Ohren steif und sauber!

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