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Workshop: Wie baue ich ein Ambient-Pedalboard für E-Gitarre?

Ambient-Pedalboards für Soundscapes und andere Experimente!

25. September 2022

Ambient-Pedalboard Effektpedale

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Für viele ist das Ambient-Pedalboard ist nach wie vor ein Mysterium. Deswegen wollen wir uns heute einer essentiellen Frage vieler Gitarristen widmen: Wie soll ich welche Effektpedale auf dem Ambient-Pedalboard arrangieren? Wie bekommt man geile schwebende Ambient-Sounds hin? Wie spielt man mit den verschiedenen Sounds und wie verfremdet man eine Gitarre, damit sie am Ende vielleicht gar nicht mehr nach einer Gitarre klingt?

Wie der Name Ambient schon verrät, soll der Gitarrensound möglichst flächig klingen und einen schönen Klangteppich liefern. Dabei gibt es jedoch einige Regeln zu beachten und andere dürfen oder müssen sogar komplett außer Acht gelassen werden.

Welche Effektpedale sollen auf das Ambient-Pedalboard?

Eigentlich braucht man für einen Ambient-Sound gar nicht so viele Pedale. Allerdings ist es trotzdem sinnvoll, ein großes Pedalboard mit einer gewissen Auswahl an Effektgeräten aufzubauen, da beim Ambient- Sound Veränderungen seltener durch das Gespielte, als durch einen geänderten Sound erzeugt werden. Und dafür benötigt man halt eine gewisse Auswahl.

Ganz essentiell sind natürlich Delay- und Reverb-Pedale.
Dies sind die wichtigsten Effektpedale auf einem Ambient-Pedalboard und deswegen dürfen auch gerne jeweils zwei von jeder Sorte auf dem Board arrangiert werden.
Einerseits kann man unterschiedliche Sounds erzeugen, andererseits kann man durch die Kombination von zwei Delays oder zwei Reverb-Sounds einen noch größeren Klangraum erzeugen.

Die Delays sollten nicht synchronisiert sein, sondern können und sollen mit ganz unterschiedlichen Delay-Zeiten gegeneinander spielen. So ergeben sich zufällige Patterns, die das Klangbild verdichten. Ideal ist es, wenn die Delays eine Klangregelungsmöglichkeit (Erica Synth Zen Delay) liefern.
Als Delay-Typ her würde ich ein analoges und ein digitales Tape-Delay (Chase Bliss Tonal Recall / Strymon ElCapistan) auf dem Board platzieren.

Ambient-Pedalboard Effektpedale

Strymon El Capistan

Ein Reverse-Delay (Boss DD-8) oder ein Pitched-Delay (Montreal Assembly Count to 5) können Wunder wirken und das Gespielte in ganz andere Soundebenen hieven. Um das Board nicht zu überfüllen, wäre es also zu überlegen, ob eines der beiden Pedale ein Multi-Delay (Source Audio Nemesis) sein könnte.

Gleiches gilt für die Reverb-Pedale. Dezente Flächen, kombiniert mit einem langen Nachhall, ergänzen sich zu wunderbaren Klangwelten. Auch das Reverb selbst kann gerne, falls das Pedal es zulässt, etwas Modulation bekommen. Plate, Cathedral und Hall Reverbs eignen sich alle sehr gut, um flächige Sounds zu erzeugen. Mein Tipp sind hier das Strymon Big Sky oder das Source Audio Ventris.

Ambient-Pedalboard Effektpedale

Source Audio Ventris

Sehr beliebt sind auch Shimmer-Sounds, die jedoch eher dezent eingesetzt werden sollten, da sie auf Dauer das Gespielte zu sehr überlagern können.

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Um die Dynamik des Gitarrensignals zu steuern, sind sowohl ein Kompressor als auch ein Volume-Pedal sinnvoll.
Der Kompressor glättet die Pegelspitzen, hebt die leiseren Töne etwas an und bereitet somit das Signal auf, damit es anschließend durch eine meist doch recht lange Effektkette geleitet werden kann.
Da der Ambient-Sound allerdings von der Dynamik der gespielten Klänge lebt, ist hier ein dezenter Kompressor (Diamond Compressor) zu empfehlen, wie zum Beispiel ein optischer Kompressor.

Source Audio Ventris Dual Reverb
Source Audio Ventris Dual Reverb
Kundenbewertung:
(54)

Das Volume-Pedal wird hauptsächlich für Ambient-Swells, also das Einblenden des Signals genutzt. Dadurch wird der Einschwingvorgang des Saitenanschlags entfernt und der Sound des Gitarrensignals bekommt einen ganz anderen Charakter.
Es gibt auch einige Sustain-Pedale wie zum Beispiel das EHX Freeze oder das Game Changer Audio Plus Pedal. Sie übernehmen quasi die Funktion mehrerer Pedale und können einen Gitarrenton endlos halten. Und endlose Sounds sind einfach großartig für endlose Klangteppiche!

Ambient-Pedalboard Effektpedale

Game Changer Audio Plus Pedal

Modulationspedale (EHX Small Clone), wie Chorus oder Vibrato, sind ebenfalls sehr wichtig, um eine gewisse Bewegung in das Signal zu bekommen. Heutzutage haben viele Delays (DOD Rubberneck) bereits die Möglichkeit, das Signal zu modulieren und so reicht meist ein zusätzliches Modulationspedal.
Die Modulation sollte relativ dezent eingestellt werden, da wir ja eine langsame und wabernde Modulation für unseren Ambient-Sound haben wollen.
Eine neuere Art der Modulation, die immer beliebter wird, ist die Tape-Modulation (Cooper FX Generation Loss).
Diese Modulationseffekte bilden das Leiern, Rauschen und die Klangveränderung durch reduzierte Höhen und Bässe einer alten Kassette nach. Durch derart verträumte Sounds erzeugt man direkt eine Klangwelt, die eine bestimmte Assoziation weckt und zauberhafte Nostalgie erzeugt.

Gain-Pedale sind in der Ambient-Musik Geschmackssache.
Aber ein Overdrive (Moog Drive) ist durchaus sinnvoll, um ein paar Akzente zu setzen. Gerade in Verbindung mit dem Delay und Reverb baut sich so sehr schnell eine „Wall of Sound“ auf.

Ein Octaver (EHX POG 2) sollte ebenfalls auch keinem Ambient-Pedalboard fehlen. Jeder kennt den Sound eines zu langsam abgespielten Tapes. Das Band eiert und die Töne wandern in ein tieferes Spektrum. Ein Octaver in Verbindung mit etwas Modulation kann man diesen Effekt ganz prächtig nachbilden.

Um die Klangwelten eines Ambient-Pedalboards richtig nutzen zu können und um Veränderungen und Steigerungen aufzubauen und sich abwechseln zu lassen, ist definitiv ein Looper-Pedal (TC Electronic Ditto X4) notwendig. Idealerweise sollte der Looper mehrere Loops aufnehmen können und die Möglichkeit bieten, per Fußschalter zwischen ihnen zu wechseln. Looper können unbegrenzt viele Overdubs aufnehmen. Auf diese Weise können ganz verschiedene Sounds kombiniert werden.
Oft reichen bei einem Overdub mit einer bestimmten Effekt-Kombination bereits wenige Töne. Die Summe aller Sounds ergibt dann das Klangresultat: ein Meer aus Sounds in dem man davondriften kann.
Als zweiten Looper könnte man einen recht simplen Looper (Donner One) wählen, der lediglich kurze Loops aufnimmt. Warum das eine sehr coole Idee ist, erfährst du weiter unten im Text.

Donner One Looper Pedal

Wenn man sich im Hinblick auf seine Pedale einfach mal wieder nicht zurückhalten konnte, könnte ein Loopswitcher (One Control) bei einem komplexen Pedalboard die Klanggestaltung deutlich erleichtern. Es gibt bereits Loop-Pedale (The Gigrig G2), die die Reihenfolge der Loops verändern können. Ein Feature, das bei einem Ambient-Pedalboard Gold wert sein kann.

Und last, but not least, kann ein Stimmgerät (Sonic Research st300) kann auf dem Ambient- Pedalboard ebenfalls nützlich sein. Natürlich zum einen, um die richtige Stimmung zu erhalten, aber auch als Mute-Switch. Durch die Anzeige des gespielten Tons auf dem Stimmgerät kann man sich so auf den nächsten passenden Ton vorbereiten und ihn dann per Volume-Pedal einblenden. Ein simpler Trick, um mit dem Sound ganze Geschichten zu erzählen.

Multi-Effekte und Effektkombinationen

Wie der aufmerksame Leser beziehungsweise die aufmerksame Leserin schon gemerkt haben wird, ist unser virtuelles Ambient-Pedalboard doch ganz schön groß geworden.
Man könnte also über die Integration von Multi-Effektpedalen (Zoom MS-50) nachdenken. Hin und wieder heißt es, dass Multi-Effekte klanglich oft nicht mit singulären Effektgeräten mithalten können.
Aber in dem Meer der verwaschenen Ambient-Sounds ist dies manchmal gar nicht so wichtig. Ganz im Gegenteil: Manchmal können gerade vermeintlich schwächere Sounds eine gewisse Durchsetzbarkeit oder Einzigartigkeit erzeugen.

Der EHX Superego kann zum Beispiel als Modulations- und Sustain-Pedal genutzt werden. Man würde mit ihm also quasi zwei Sound-Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Aber auch das Line6 M5 nimmt wenig Platz in Anspruch und könnte in der Mitte des Pedalboards als Joker verschiedene Modulations- und Delay-Effekte übernehmen.

Die Reihenfolge der Effektpedale auf dem Ambient-Pedalboard

Auch wenn der Sound gerne ein bisschen „out oft he box“ sein darf, so gibt es bezüglich der Frage, wie man die Effektpedale auf dem Ambient-Pedalboards arrangieren sollte, doch ein paar Grundsätze, die man auch bei einem verwaschenen Sound beachten sollte.
Zum einen ist es gut, wenn Pedale, die ein gutes Tracking benötigen, auch für Ambient-Sounds am Anfang der Effektkette stehen.
Dazu gehört neben dem Stimmgerät auch der Kompressor, Sustainer und der Octaver.
Denn nur, wenn am Anfang der Effektkette ein gutes Signal ankommt, kann dieses auch verfremdet und bearbeitet werden.

Anschließend würde ich die Gain- und Volume-Pedale platzieren.
Das Volume-Pedal gehört dabei hinter das Gain-Pedal, da wir ja das Signal einblenden und mit ihm nicht den Gain-Pegel verändern wollen.

Das Volume-Pedal muss vor dem Delay und dem Reverb platziert sein. Andernfalls würden die langen Hallfahnen und Delay-Wiederholungen, die einen ordentlichen Teil des Ambient-Sounds ausmachen, ausgeblendet oder abgeschnitten werden.

Feuer frei für Sound-Experimente

Der Looper könnte am Ende der Effektkette sämtliche Sounds aufnehmen und so als Recorder agieren.

Ich scheibe bewusst „könnte“, denn jetzt kommen wir zu den Ausnahmen und den Experimentiermöglichkeiten.

Da das Gitarrensignal ja möglichst verfremdet werden soll, muss immer der funktionale Nutzen den klanglichen Manipulationen und Möglichkeiten gegenübergestellt werden.

Und hier ist eigentlich alles erlaubt, was gefällt. Richtig flächige Sounds können zum Beispiel generiert werden, wenn das Reverb-Pedal mal an allererster Stelle in der Signalkette platziert wird.
Abgefahrene und spannende Sounds können erzeugt werden, wenn dieses Reverb (Neunaber Slate) dann auch noch eine Modulationsmöglichkeit (Earthquaker Devices Transmisser) bietet.

Ein Looper kann sowohl in der Mitte der Signalkette als auch ebenfalls am Anfang eingereiht werden. So können Loops aufgenommen werden, die noch relativ wenig Effekte beinhalten. Diese Loops können dann wiederum durch nachfolgende Delays, Reverbs und Modulation bearbeitet werden.
Das macht richtig Spaß.
Durch die zuvor bereits erwähnten Loop-Switcher, die die Reihenfolge der Pedale schalten können, wird eine gewisse Flexibilität erzeugt, die das Experimentieren zum Kinderspiel macht.

Playability

Das Ambient Pedalboard wird durch seinen Aufbau und durch seine komplexen Soundbearbeitungsmöglichkeiten zu einem eigenständigen Instrument.
Mal muss ein Signal in seiner Lautstärke bearbeitet werden, mal wird die Intensität einer Hallfahne erhöht oder reduziert.
Daher ist die Erreichbarkeit der wichtigsten Effektpedale beim Arrangieren auf dem Ambient-Pedalboard definitiv zu beachten.
Die wichtigsten Pedale sollten in der vordersten Reihe stehen, damit sie mit dem Fuß und der Hand jederzeit gut zu erreichen sind.
Da die Soundlayer langsam nach und nach aufgebaut werden, macht es viel Spaß mit den Effekteinstellungen zu spielen.

Hierbei können auch Expression-Pedale behilflich sein. Diese können die Steuerung der wichtigsten Parameter übernehmen und man hat die Hände frei, um noch mehr abgefahrene Sounds zu spielen.

Inspiration gefällig? Dann setz die Kopfhörer auf und hör hier mal rein:

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Fazit

Ein Ambient-Pedalboard sollte gut geplant werden und es wird mit der Zeit wachsen und sich verändern.
Da die Sounds von den Kombinationen der Effektgerät leben, gilt es zu experimentieren und Pedale, die nicht oft genutzt werden oder im Zusammenspiel nicht gut funktionieren gegen andere auszutauschen.
Zusammen mit der Entwicklung des eigenen Sounds wird so auch ein Pedalboard entstehen, das zu dir passt. Das Pedalboard wird nie fertig sein. Ambient und Soundscaping steht für Experimentierfreude und dafür, sich die Zeit zu nehmen zuzuhören und leichte Veränderungen im Klang zu generieren. Also, geht es langsam an und baut euch nach und nach eine Ambient-Traumwelt auf.
Viel Spaß beim Experimentieren.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd AHU

    Ich finde es sehr sehr schade, dass in solchen Workshops (fast) nur völlig überteuerte Boutique-Pedale verwendet werden. Solche Klänge sind auch mit Budgetgeräten möglich😉

  2. Profilbild
    Aljen AHU

    Halunke!

    Sowas zu veröffentlichen, just nachdem ich mir mehr oder minder ™ gleich zwei erste Pedalboards im Leben nach bestem Wissen und Gewissen ® zusammengeschraubt habe.

    Das eine für die Synths, das andere für die Gitarren. Wobei hier die Bestimmung frei wählbar bleibt.

    Kleiner Tipp vom Amateur: die Patchbays, die oft zu Pedalboards als Zubehör angeboten werden, können als eine Art modulare Matrizen dienen. Also nicht nur immer die üblichen „vier-Stecker“-einschleifwege, sondern zum Bleistift schlicht ein TRS IN und OUT pro Pedal. Geübte können sich sowas sicherlich selber basteln, ich kann es nicht. Immerhin habe ich bei Soulman.fi eine solche Matrix 2 x 4 gefunden – ok, wieder so‘n „Butikk“, aber was soll’s. :)

    Bei zwei vernünftig bestückten Boards potenzieren sich die Möglichkeiten natürlich. Dazu noch USB-C-fähige Multinetzteile samt ordentlicher Powerbank und die Krise kann kommen.

    Was die Pedale selber angeht (Einwand meines Vorredners), da ist jeder seines Klanges Schmied. Boutique, Industrie-Klassiker oder völliger freaky stuff, einfach machen, was möglich ist. Eine coole Sache, die sich da ganz unerwartet ergibt. Ob „überteuert“ oder nicht, angesichts der gegenwärtigen Putainflation und der zu befürchtenden Russzession spielt das eh kaum noch eine Rolle. 👹 TC Ditto ist eh preisgünstig und der wirklich großartige El Capistan dürfte angesichts des Nachfolgemodells gebraucht für wenig Geld zu haben sein.

    • Profilbild
      DelayDude RED

      @Aljen Hi Aljen,
      auch wenn du deine Pedalboards gerade erst aufgebaut hast: sie unterliegen ja letztlich doch einem steten Wandel 😉 sobald einmal das Grundgerüst steht, werden sie zu eigenständigen Lebewesen, die sich entwickeln wollen, da kann man nichts gegen tun ;-)
      Sowohl die Idee der modular genutzten Patchbays, aber auch die zweier Pedalboards finde ich top. Ich selbst habe auch mehrere Hauptboards, die ich je nach Wunsch wechsle.
      Und auch hier bin ich völlig bei Euch: auf meinen Pedalboards findet sich immer eine bunte Mischung aus „Boutique“- Pedalen und absoluten Schnappern. Erlaubt ist, was gefällt und zum Glück sind wir ja alle mittlerweile in einem Alter, in dem man selbst entscheiden kann, was „cool“ ist und was nicht 😉

  3. Profilbild
    Freistilrasierer

    Schöne Zusammenstellung, danke dafür!
    Zu Shimmer-Sounds muss ich gestehen, dass ich noch keinen gehört habe, der mich so richtig überzeugen könnte – irgendwie klingt das für mich ohne Ausnahme künstlich. Aber nicht die gute Art künstlich, eher ungewollt.
    Generell kann ich mich, was die Bewertung des Ventris angeht, nur anschließen: ein super und superkomplexes Teil!

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