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Workshop: Live-Keyboard Sets am Yamaha Montage, Roland Fantom, Korg Kronos

Gig-Vorbereitung: Sounds, Performances, Setlists

31. August 2022

Die mächtigste Keyboard-Workstation nützt nichts, wenn die Setlist der Band nicht vernünftig aufbereitet wurde. Schließlich soll beim Auftritt alles funktionieren: Die richtigen Sounds müssen an der passenden Stelle gespielt werden, zwischen zwei Songs sollte keine zu lange Wartezeit entstehen und gleichzeitig darf die Performance nicht unter dem Stress des Keyboarders leidern, der das alles handhaben muss. In diesem Teil gebe ich euch einige Tipps, wie ihr als Keyboarder an diese wichtige Vorbereitung herangeht.

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Hierarchie des Sounds

Wenn wir bei einer Workstation von Sound sprechen, müssen wir meistens spezifizieren, was genau wir damit meinen. Fast jede Workstation folgt einer bestimmten Hierarchie und für uns als Keyboarder ist es wichtig zu wissen, auf welcher Ebene der Hierarchie wir uns gerade bewegen. Ohne das genaue Wissen darüber ist es schwierig, das Keyboard für den Live-Einsatz vorzubereiten. Nichts ärgert andere Band-Mitglieder mehr, als das Suchen nach Sounds oder Verzögerungen auf der Bühne, weil der Keyboarder erst einen String-Sound in Bank D auf Speicherplatz 2355 anwählen muss.

Damit euch der Einstieg leichter fällt, gebe ich euch hier einen Überblick über die Hierarchie der drei meistgenutzten Workstations am Markt. Viele der hier genannten Strukturen sind innerhalb des Portfolios eines Herstellers auch auf andere Produkte zu übertragen.

Roland Fantom

Die kleinste Klangeinheit heißt bei Roland seit vielen Jahrzehnten TONE. Ein TONE am Roland Fantom greift auf verschiedene Klangerzeugungen zu:

  • ZEN-Core Tone: Synthese mit bis zu vier Partials
  • Drum: Drum-Kits & Percussion
  • V-Piano: hochwertige Klavier-Simulation, nur in Zone 1 nutzbar
  • Virtual Tonewheel Organ: Hammond B3 Simulation, nur in Zone 2 nutzbar

Innerhalb von ZEN-Core finden sich auch zahlreiche (optionale) Emulationen berühmter Roland Synthesizer sowie ein brandneuer Wavetable Synth. Die TONES besitzen einen EQ und Effekte.

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Roland Fantom: Aufbau eines ZEN-Core Tones. Quelle: Roland

Wenn wir einen TONE spielen möchten, müssen wir ihn einer ZONE zuweisen. Eine ZONE ist ein Container, um TONES zu spielen und sie kann auch auf externe Klangerzeuger zugreifen. Hier weisen wir Controller zu und entscheiden, welchen Tastaturbereich der ZONE zugeordnet ist. Insgesamt gibt es 16 ZONES.

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Roland Fantom: Struktur von Tones, Performances und Scenes. Quelle: Roland

Die nächsthöhere Ebene, die diese 16 ZONES zu einer spielbaren Einheit zusammenfasst, nennt sich beim Roland Fantom SCENE. Eine SCENE ist die Ebene, auf der wir uns als Keyboarder die meiste Zeit bewegen. Hier legen wir alle Split- & Layer-Sounds an oder spielen einen einzigen Sound. Sequencer-Daten, Arppegiator, Chords, Rhythms, Pads und Effekte werden zusammen mit einer SCENE gespeichert. Es stehen ein analoges Filter, zwei Insert-Effekte, Reverb und Chorus zur Verfügung.

Diese SCENES organisieren wir mithilfe der CHAIN zu einer Setlist. Innerhalb der CHAIN reihen wir die für die Setlist benötigten SCENES aneinander und können in dieser zum Beispiel über das Display oder einen Fußschalter navigieren.

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Yamaha Montage

Beim Yamaha Montage ist die Organisation dem Roland Fantom sehr ähnlich, es gibt nur eine andere Terminologie. Die kleinste Ebene der Klangerzeugung ist das ELEMENT. Ein ELEMENT ist ein Klangerzeuger. Zur Auswahl stehen AWM2, FMX oder DRUM. Hinter AWM2 verbergen sich Samples, FM-X ist der FM-Synthesizer und DRUM sind die Drum-Samples sortiert in Drum-Maps.

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Yamaha Montage: Aufbau einer Performance. Quelle: Yamaha

Bis zu acht dieser ELEMENTS werden einem PART zugeordnet. Hier sind bereits komplexe Sounds möglich. 16 dieser PARTS bilden eine PERFORMANCE. Eine PERFORMANCE ist also das, was Roland SCENE nennt. Wie bei ROLAND, werden hier alle wichtigen Daten für die Steuerung der PARTS gespeichert wie zum Beispiel Controller, Tastaturzuweisungen oder Arpeggiator.

Für die Bühne nutzt der Yamaha Montage Keyboarder LIVE SETS. Ein LIVE SET dient vorrangig der Organisation von PERFORMANCES. Das LIVE SET am Yamaha Montage erfüllt somit die gleiche Funktion wie die CHAIN beim Roland Fantom.

Korg Kronos

Eine weitere Workstation mit hoher Verbreitung auf Deutschlands Bühne ist der Korg Kronos. Korg unterscheidet seit Jahrzehnten zwischen PROGRAM und COMBINATION. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ein PROGRAM einem TONE bei Roland oder einem PART bei Yamaha entspricht. Die COMBINATION ist, wie der Name schon sagt, eine Kombination von PROGRAMS. Bis zu 16 PROGRAMS bilden eine COMBINATION und wie bei Yamaha und Roland werden in dieser eine Vielzahl an Daten mit abgespeichert wie Controller, Tastaturzuweisungen und vieles mehr.

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Korg Kronos: Struktur von Programs, Combinations und Setlists. Quelle: Korg

Es ist nicht weiter verwunderlich, doch was dem Fantom die CHAINS sind und dem Montage die LIVE SETS sind dem Kronos die SET LISTS. Wie bei den beiden anderen Instrumenten vereinfacht die SET LIST den Zugriff auf die COMBINATIONS und PROGRAMS sowie SONGS des Sequencers.

Um im Folgenden nicht auf alle drei Workstations mit ihrer jeweiligen Terminologie getrennt eingehen zu müssen, spreche ich ab jetzt von einem Patch, wenn ein einzelner Klang gemeint ist, von einer Performance, wenn mehrere Klänge zu einem Split- oder Layer-Sound kombiniert werden, und einer Set List, wenn wir diese Performances für die Bühne organisieren.

Song-Analyse

Vergleicht man die heutige Musik mit der Musik der 50er- bis 80er-Jahre, fällt auf, dass immer mehr Elemente geschichtet werden. Arrangements sind bisweilen so dicht, dass Einzelheiten gar nicht mehr sicher herausgehört werden können. Als Keyboarder ist es aber leider oft unsere Aufgabe, den Erkennungswert eines Songs herzustellen. Dazu müssen wir den Song zunächst einmal analysieren. Für das Anlegen von Performance-Patches müssen wir die folgenden Dinge wissen:

Formteile

Welche Formteile besitzt der Song? Dazu gehören wichtige Teile wie Intro, Strophe, Refrain, Bridge, Interlude, Solo, Coda und so weiter. Hört euch den Song mehrfach an und schreibt auf, aus welchen Teilen dieser besteht und in welcher Reihenfolge sie gespielt werden.

Hookline

Besitzt der Song eine Keyboard-Hookline, notiert, wann diese gespielt wird und ob eine bestimmte Sound-Kategorie dafür erforderlich ist (zum Beispiel der Synth Brass in „The Final Countdown“).

Solo

Wenn es ein Keyboard-Solo gibt, schreibt euch auch hier auf, welche Sound-Kategorie dafür infrage kommt. Ein typisches Beispiel wäre das Keyboard-Solo in Jump oder das Orgel-Solo in Bad.

Flächen- & Synth Bass-Sounds

Eine wichtige Kategorie in vielen Songs stellen Flächen-Sounds (Pads/Orgel) und Synth-Bass-Sounds dar. Flächige Klänge geben dem Gesamtklang mehr Tiefe und Fülle. Sie haben in der Regel Vorrang vor Synth-Bässen, deren Parts häufig in Live-Bands vom Bassisten übernommen werden. Manchmal sind diese jedoch für ein Genre essentiell, sodass man nicht darauf verzichten kann. Sind beide Sound-Kategorien gleichermaßen erforderlich, überlegt, ob die betreffenden Parts tatsächlich den ganzen Song über gespielt werden müssen oder nur während einiger Formteile. Eventuell ist es wichtiger, eine Hand für andere Parts freizuhaben (zum Beispiel ein Solo, eine Hookline). Wenn alle Stricke reißen, bleiben der Arpeggiator oder der Sequencer als Hilfsmittel übrig.

Aux Sounds

Zu den sogenannten Auxiliary Sounds (= Hilfs-Sound, unterstützender Sound) gehört alles, was einen Song interessant macht, aber kein Erkennungsmerkmal ist oder essentiell für den Gesamtklang. Das können kurze Licks sein, die zwischendurch gespielt werden, typisch für die Songs der 80er waren Synth-Glöckchen und so weiter. Notiert, welche dieser Sounds interessant sind. Im weiteren Verlauf überlegen wir, ob es eine Möglichkeit gibt, diese zu live zu spielen. Gibt es diese nicht, fallen sie weg (oder werden von einem zweiten Keyboarder übernommen). Notiert auch hier, wann ein bestimmter Aux Sound spielt und zu welcher Sound-Kategorie dieser gehört.

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Auszug aus meinem Lead Sheet zu „Beat it“ mit Markierungen und Anmerkungen zu den Sounds

Performance anlegen

Nun solltet ihr einen recht genauen Überblick über die Struktur des Songs haben und darüber, wann welcher Part mit welcher Sound-Kategorie gespielt wird. Im Idealfall erklingen maximal zwei Parts gleichzeitig und wir sind aus dem Schneider. Sind es mehr als zwei Parts, wird es trickreich oder wir müssen reduzieren. Beim Reduzieren beginnen wir stets mit den Aux Sounds, denn diese sind für den Song von untergeordneter Wichtigkeit. Niemand erkennt ein Lied anhand des Sounds xyz, der einmal in Strophe 2 oder im dritten Refrain gespielt wird.

Überlegt nun, wie viele Performances angelegt werden müssen. Je weniger Performances, desto einfacher haben wir es auf der Bühne. Bei manchen Songs reicht eine einzelne Performance, bei anderen Songs ist es vielleicht pro Formteil eine eigene Performance. Beim Anlegen der Performances spielt eure Vorbereitung deshalb eine große Rolle.

Ein guter Tipp ist es, gleiche Sounds über Performances hinweg immer derselben Tastaturzone zuzuweisen. Spielt zum Beispiel den ganzen Song über ein Synth-Pad, könnte man dieses mit der linken Hand spielen und der linken Tastaturhälfte zuweisen, während die Sounds in der rechten Hälfte für Hookline und Solo gedacht sind und wechseln.

Hat man eine Keyboard-Workstation mit 73 oder 88 Tasten, ist es häufig sinnvoll, mehr als zwei Tastaturzonen anzulegen, um sich Performance-Wechsel zu sparen. Erneut ist es sinnvoll, bei allen Songs ein ähnliches Tastatur-Layout zu nutzen. So spiele ich zum Beispiel bei der Michael Jackson Tribute Live Experience 95 Prozent der Synth-Bässe mit der linken Hand. Sie liegen also immer in derselben Tastaturzone. Pads liegen meistens in der Mitte, Solo-Sounds, Hookline-Sounds und Aux Sounds sind auf der rechten Tastaturseite des Keyboards oberhalb der Pad-Sounds verteilt.

Von grob zu fein

Erstellt euch nun für eure Performances zunächst ein Layout. Es ergibt keinen Sinn, für jeden auf der Tastatur verteilten Sound stundenlang in Tausenden von Presets zu stöbern. Legt die Tastaturzonen fest und weist diesen einen beliebigen Sound der jeweiligen Sound-Kategorie zu, um die grundlegenden Einstellungen vorzunehmen. Später werden diese dann ersetzt.

Beispiel: Beat it

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Für den Song „Beat it“ von Michael Jackson könnte das zum Beispiel so aussehen:

Gong – DX Piano + Synth Strings + Chor – Sweep FX

Dies sind die wesentlichen Parts des Songs, die ich live spiele. Das Drum-Pattern, über das live unser Schlagzeuger zusätzlich spielt, wurde von mir früher als Sample-Loop von Hand eingestartet und gestoppt. Mittlerweile nutze ich dazu einen Backing-Track mit Click.

Der Phased-Gong und der Sweep-FX benötigen nur einen relativ kleinen Teil der Tastatur, da nur wenige Töne gespielt werden. Der mittlere Bereich der Tastatur ist der Bereich, wo sich hauptsächlich „die Action“ abspielt. Hier liegen das DX-Piano, die Synth-Strings und der Chor.

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Im Roland Fantom angelegtes Patch für Beat it. Die Tastaturzonen für das Choir-Pad und die JP8-Strings sind anfangs noch inaktiv

Synth-Strings und Chor werden nur während des Chorus benötigt und nur dann zugeschaltet. So erspare ich mir mehrere Patch-Wechsel. Bewerkstelligen lässt sich das am Roland Fantom sehr leicht über die Mixer-Sektion, die über „Mute“-Schalter verfügt.

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Im ersten Teil des Chorus schalte ich die JP8-Strings hinzu, im zweiten Teil dann auch das Choir-Pad

Spielt nun mit diesem Layout den Song. Passt alles? Müssen Tastaturzonen verkleinert oder erweitert werden? Passt alles so an, dass sich der Song spielen lässt. Sind mehrere Performances nötig, spielt alle und passt sie gegebenenfalls an.

Im letzten Schritt werden nun die passenden Sounds ausgesucht. Dieser Teil nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Synth-Kenner wissen vielleicht, welcher Synth im Original genutzt wurde. Häufig finden sich Hinweise in den Patch-Namen wie MG Bass für einen Moog Bass oder 106 Pad für ein typisches Roland Juno-106 Pad. Manchmal sind Sounds auch nach den Songs benannt, die sie berühmt gemacht haben: Jump Brass oder Final Brass wären deutliche Hinweise auf die Songs Jump von Van Halen und Final Countdown von Europe. Eventuell muss ein Sound nun etwas angepasst werden (Filter-Cutoff, Effekte etc.). Nehmt diese Einstellungen nun vor:

  1. Phased Gong. Die Grundlage des Sounds entstammt eine Synclavier Preset und ist unter anderem auch in Arturias Plug-in zu finden. Der Sound wird im Intro gespielt und noch einmal in der Bridge vor dem Gitarrensolo. Ich habe zunächst das Arturia Plug-in gesampelt, mich dann aber später doch entschieden, den Original-Sound abzusampeln.
  2. Sinus Sweep. Dieser Effekt erklingt mit dem Einsatz des Drum-Computers. Es ist ein optionaler Sound, der nicht unbedingt benötigt wird. Da ich keinen passenden Sound gefunden habe, wurde dieser selbst programmiert. Alternativ könnte man fix mit einem Oszillator einen Sinuston erzeugen, diesen von Hand pitchen und das Ergebnis als Sample aufzeichnen.
  3. DX E-Piano Sound. Der Sound klingt sehr nach FM und könnte aus einem DX7 stammen. Doch auch das von Michael Jackson viel genutzte Synclavier beherrschte FM-Synthese. Ein solcher Sound lässt sich in so ziemlich jeder Workstation finden. Gespielt wird er ab der ersten Strophe. Im Fantom kommt der Sound „EP Legend“ dem Original ziemlich nahe.
  4. Synth Strings. Ab dem ersten Teil des Refrains kommen synthetische Streicher zum FM E-Piano hinzu. Diese sind im Studiomix nur recht leise zu hören, in diversen Live-Aufnahmen sind sie präsenter. Die „JP8Strings11“ aus dem Fantom passen für mich sehr gut.
  5. Chor. Im zweiten Teil des Refrains wird ein Synth-Chor-Sound gespielt, der die anderen Sounds überlagert. Ich entscheide mit für das „Choir Pad“ aus dem Fantom.

Abschließend

Ganz zum Schluss sollten nun Controller-Daten gefiltert werden. Es ergibt keinen Sinn, wenn das Haltepedal, mit dem man an bestimmten Stellen den Synth-Pad-Akkord halten möchte, um zum Beispiel einen Aux-Sound zu spielen, auch auf den Synth-Bass in der linken Hand wirkt. Auch  die Controller-Daten von einem Modulations- oder Pitchbend-Rad sollten stets nur auf ein bestimmtes Instrument wirken und nicht auf das gesamte Patch. Gebt eurer Performance nun einen eindeutigen Namen, zum Beispiel: FinalCountD_Intro, FinalCountD_Str, FinalCountD_Ref und so weiter. Natürlich kann man Performances auch nach der Reihenfolge benennen, in der sie später aufgerufen werden: FinalCountdown_01, FinalCountdown_02, FinalCountdown_03.

Setlists

Haben wir für alle Songs die erforderlichen Performances erstellt, wird es Zeit, diese in einer Setlist zu organisieren. Eine Setlist hat den Vorteil, dass nicht lange nach den Performances gesucht werden muss und ein schneller Wechsel zwischen diesen möglich ist. Außerdem gestattet eine Setlist das schnelle Umorganisieren von Performances, sollte sich die Abfolge der Lieder der Show ändern. Aufwändige und fehleranfällige Kopieraktionen entfallen somit.

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Alle Patches für die einzelnen Songs sind in meinem Fantom als Chain abgespeichert. Diese entspricht der am Abend gespielten Setlist.

Spätestens an dieser Stelle rächt es sich, wenn die Vorarbeiten nicht ordentlich ausgeführt wurden, Benennungen von Performances schlecht gewählt wurden oder Aufzeichnungen zum Einsatz und der Reihenfolge der einzelnen Performances fehlen. Je besser die Organisation zuvor, desto schneller geht das Erstellen einer Setlist.

Schaut nun auch mal in den Systemmenüs vorbei und legt dort fest, wie die Songs der Setlist umgeschaltet werden sollen. Ich nutze dafür einen Doppelfußschalter, mit dem ich innerhalb der Setlist navigieren kann.

Datensicherung

Ist alles in der Workstation angelegt, sichert unbedingt alle Daten auf einem Speichermedium, zum Beispiel einem USB-Stick und sicherheitshalber auch auf dem heimischen Rechner. Dieses Backup sollte stets aktuell gehalten werden, um nicht im Falle eines Falles Einstellungen zu verlieren, muss man ein altes Backup zurückspielen.

Es empfiehlt sich stets, mehrere Backup-Dateien anzulegen: Alle Sounds & Samples, alle Performances und alle Setlists in einer Datei, aber auch zum Beispiel nur die Performances und nur die Setlists. Ein Gesamt-Backup zurückzuspielen dauert sehr lange und überschreibt sämtliche Daten im Speicher der Workstation. Hat man dort bereits neue Sounds und Samples abgelegt und möchte nur die Performances oder Setlists zurückspielen, werden die Sounds und Samples überschrieben oder gelöscht. Hier ist es sinnvoller, erst die Performances und Setlists einzeln zurückzuspielen und dann im Anschluss die aktualisierten Daten als neues Gesamt-Backup zu sichern.

Der USB-Stick mit dem Backup gehört ins Reisegepäck, die weitere Sicherungsdatei verbleibt auf dem heimischen Computer und ist eine zusätzliche Absicherung, sollte der USB-Stick irgendwann den Dienst verweigern.

Einsatz eines iPads

Für die Darstellung und Organisation von Lead-Sheets haben sich iPads längst auf der Bühne etabliert. Keine Wäscheklammern mehr auf Open-Air-Bühnen und in schummrigen Theatern immer eine eingebaute Beleuchtung – das sind die größten Vorteile des iPads. Das Umblättern geschieht bequem per Bluetooth-Fußschalter.

Doch auch die übrige Organisation des Equipments kann das iPad übernehmen. Im einfachsten Fall sendet das iPad bei einem Aufruf des entsprechenden PDFs einen MIDI-Befehl an ein angeschlossenes Keyboard, um dort einen Song innerhalb der Setlist aufzurufen. Es geht jedoch auch wesentlich komplexer und man überlässt das Erstellen von Performances und Setlists gleich dem iPad. Das  ist allem dann sinnvoll, wenn man mit mehreren Keyboards auf der Bühne arbeitet. Statt sich nun mit der Organisation mehrerer Instrumente herumzuschlagen, die vielleicht aufgrund verschiedener Hersteller auch eine je andere Hierarchie der Sounds aufweisen, arbeitet man sich lediglich in eine iPad App ein. Etwas aufwändig ist das Senden von Bank-Select- und Programmwechsel-Befehlen an die einzelnen Klangerzeuger. Hat man diese Arbeit jedoch einmal getan, steht dem Auftritt nichts mehr im Wege.

Eine App, die viele Funktionen unter einer Haube vereint, ist Bandhelper. Vielfältige Dateiformate können miteinander verknüpft werden und zahlreiche MIDI-Befehle und sogar Automationen per MIDI sind möglich. Alles kommuniziert miteinander und Bandhelper wird somit schnell zur ultimativen Steuerzentrale für den Keyboarder oder sogar die gesamte Band.

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Camelot Pro: Organisation ist alles. Quelle: Hersteller

Noch wesentlich komplexer ist Camelot Pro, welches zusätzlich Multitrack-Playbacks abspielen kann, PDF-Scores anzeigen, eine MIDI-Patchbay beinhaltet, einen Hardware-Instrument-Manager für die wichtigsten Workstations und Keyboards sowie einen Software-Instruments & Plug-in-Host. Und all das auf einem Apple iPad. Alternativ gibt es auch Versionen von Camelot Pro für Mac und PC.

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Fazit

Die Organisation von Sounds für die Bühne ist zeitaufwändig und erfordert einige Vorarbeit. Dennoch lohnt es sich, gerade hier sorgfältig vorzugehen und etwas mehr Zeit zu investieren, weil der Keyboarder am Ende mit einer reibungslosen Performance belohnt wird und sich mehr auf das Spielen konzentrieren kann als auf das Managen seiner Instrumente. Alle heutigen Workstations bieten dazu einige Tools, die man nutzen kann, um sich den Bühnenalltag zu erleichtern. Doch auch iPad Apps wie Bandhelper oder Camelot Pro erleichtern das Umschalten von Performances und das Anlegen von Setlists. Wofür man sich am Ende auch entscheidet, das Backup ist das wichtigste Tool, einem Supergau vorzubeugen und vielleicht auch eine Show zu retten.

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Forum
  1. Profilbild
    VerMona74

    Vielen Dank. Konnte dem Beitrag einige Tipps entnehmen. Natürlich weiß man das ja irgendwie alles.. es ist gut daran erinnert zu werden und das noch mal so nach zu lesen.
    Auch sehr schön und gelungen die aufwändige Darstellung der Einzelnen Hersteller. Tolle Arbeit und sehr verständlich. Auch für den Gelegenheitsarbeiter.

  2. Profilbild
    calvato

    …was ich immer sage: wir Keyboarder haben immer die dreifache Arbeit wie der Rest der Band, bekommen aber das gleiche Geld.
    Der Gitarrist switcht zwischen seinen üblichen 5-7 Sounds und beschwert sich schon, wenn er einen „Sound wie aus´m Radio, aber mit Flanger“ extra programmieren muss. Vom Bassisten und Drummer gar nicht reden….
    Wir programmieren uns stundenlang nen Wolf, analysieren Parts und Sounds und das heraushören und üben nimmt nur einen Bruchteil der Arbeit ein. Die anderen Bandmitglieder machen eben leider meist nur das…..

  3. Profilbild
    Jokukey

    Im Prinzip wie ich es seit bestimmt schon 30 Jahren mache.
    Mangels Set-Lists habe ich jedoch immer in den Performances gearbeitet.

    Für jeden Song einer Band alles innerhalb einer Performance-Bank abgespeichert (auch Einzelsound nochmal übertragen), um dann auf der Bühne im Normalfall lediglich eine 2-stellige Prg.-Nr. plus Enter zu drücken. So konnte ich auch bei spontanen Set-Änderungen recht schnell reagieren. Die jeweiligen Set-Listen waren dabei immer sicht- und greifbar.

    Performances immer nur am Hauptkeyboard umgeschaltet, alle anderen Geräte folgen per Midi & Prg.-Chance-Befehlen.
    Da ich meist mit 2-3 Tastaturen arbeite, reicht zu 98% eine Performance pro Song.

    Wie calvato schon schrieb. Irrsinnig viel Arbeit in der Vorbereitung, die kaum einer registriert hat. Live war ich aber meist schneller als alle anderen, die teilweise nicht mal die Setlisten im direkten Blick hatten….(aber da ist ein anderes Problem).

  4. Profilbild
    Herr Mikrobi AHU

    Einer der wichtigste Hinweise zu dem Thema wird leider nur im Titelbild kurz angeschnitten:
    Ein Keyboarder sollte grundsätzlich einen 5saitigen Bass im Rücken haben.
    Ohne geht nix…

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