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Test: Casio CT-S1000V, Keyboard mit Vocal-Synthese

16. März 2022

Das singende Keyboard

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Vorgeschichte zum Casio CT-S1000V

Ende 2021 wurden sie angeteasert und jetzt sind die beiden Instrumente Casio CT-S1000V und CT-S500 erhältlich, hier unsere Ankündigung. Beide Home-Keyboards kosten keine 500 Euro und unterscheiden sich lediglich in einem Feature, der Vocal-Synthese. Ich habe mir das Casio CT-S1000V genauer angeschaut oder besser geschrieben war mir nach dem Lesen der Ankündigung klar: Das Teil musst du haben. Eines der Dinge, die man vielleicht nicht unbedingt bräuchte, aber wenn man sie hat, eine Menge Freude machen können. Natürlich ist die Vocal Synthesis das absolute Highlight und während sich viele mit diesem Feature intensiv auseinandersetzen, möchte ich mich eher auf die anderen Funktionen beziehen. Somit gilt dieser Test nicht nur für das Casio CT-S1000V, sondern genauso für das CT-S500, das bis auf die Taste für die Textklänge identisch ist, hier sitzt stattdessen die Taste für den Surround-Modus.

Die Historie von Casio reicht zurück bis ins Jahr 1946, damals begann der japanische Hersteller mit der Entwicklung von Uhren und Taschenrechnern. Das CasioTone CT-201 wurde als erstes Instrument 1980 vorgestellt, wenig später kam mit dem VL-1 der erste Taschensynthesizer mit integriertem Rechner auf den Markt. Bis heute überrascht Casio mit eigenständigen Ideen, so war der VL-80 als Gegenstück zum VL-1 der erste Taschenrechner mit Klangerzeuger. Mein blinder Musiklehrer konnte damit anhand der Töne das Display hören und hat ihn als akustischen Rechner genutzt. Kraftwerks Song „Taschenrechner“ wurde ebenfalls von diesem inspiriert und es gab ihn damals auch als limitierte Sonderversion. Mein erstes Keyboard war das PT-30 mit Begleitsektion und Sequenzer, welches um ein Datenaustauschmodul für Datasetten erweitert werden konnte. Das MT-400V meines Cousins besaß Synthesefunktionen und konnte mit einem Breath-Controller gesteuert werden.

Casiotone MT-600V

Darüber hinaus gab es Leuchttasten-Keyboards mit wechselbaren Übungs-Cartridges und sogar Strichcodescannern, das Sampling-Keyboard SK-1  setzte auch Maßstäbe. Sogar eine transportable und modulare Heimorgel Namens Synphonytron 8000 hatte Casio im Jahr 1983 auf den Markt gebracht. Jüngst überraschte der Hersteller mit Groove-Synthesizern der XWG- oder mit der Trackformer-Serie für DJs. Mit dem Casio CT-S1000V geht der Hersteller abermals neue Wege und integriert eine Sprachsynthesefunktion, die in Verbindung mit einem Vocoder sogar ganze Songtexte in englischer und japanischer Sprache „singen“ kann.

Das Casio CT-S1000V im Überblick

Im Prinzip könnte man das Casio CT-S1000V als aufgebohrtes CT-S1 beschreiben, welches ebenfalls mit der 64-stimmigen AiX-SoundSource, Advanced Tones und einer einfachen und reduzierten Bedienung aufwartet. Die Verpackung ist schlicht und kompakt, neben dem Keyboard finde ich das Netzteil mit kurzem Euro-Netzkabel, einen stabilen Notenständer und Gurtschlösser in Form zweier Gummiringe. Diese werden über die Gurtstäbchen gezogen und verhindern, dass dieser abrutschen kann.

Aber Halt, da ist noch was, eine Pappschachtel mit dem WU-BT10 Bluetooth-Adapter, der einzeln schon mit 89 Euro zu Buche schlägt. Er ist für einige Keyboard- und E-Piano-Modelle von Casio nutzbar und erweitert das Instrument um Bluetooth-MIDI und -Audio. Schlau gemacht ist die Form, denn der Adapter ist so konstruiert, dass sich der USB-Stecker an der Seite befindet und sich dadurch bündig ans Keyboard anschmiegt. Dadurch kann er nicht abbrechen und so auch am Instrument verbleiben. Alternativ lässt sich hier ein USB-Stick mit Song- und MIDI-Daten auch zum Sichern interner Einstellungen anschließen. Um den Bluetooth-Adapter nicht zu verlieren, lässt sich ein Faden durch die Ösen am Adapter und Keyboard neben der USB-Buchse ziehen.

Casio CT-S1000V Bedienpanel

Das solide Instrument besteht bis auf die Lautsprechergitter vollständig aus Kunststoff, ist 93 cm breit, 9,1 cm hoch, 25,8 cm tief und wiegt 4,7 kg. Die Lautsprecher mit jeweils 2,5 Watt Musikleistung sind oval und messen 6 x 13 cm. Wirklich laut und bassstark sind sie zwar nicht, aber es reicht für ein batteriebetriebenes Instrument. Auf der Unterseite befinden sich zwei Bassreflexöffnungen, ein Tragegriff im hinteren Teil und das Batteriefach in der Mitte für sechs AA-Zellen. Wahlweise für Alkaline oder Ni-MH-Akkus, Casio empfiehlt vernünftigerweise die zuverlässige Eneloop-Akkutechnik von Panasonic, vormals Sanyo. Die Laufzeit bei Batterien und Akkus wird mit drei Stunden Dauerbetrieb angegeben, das kommt auch in Etwa hin. Im vorderen Teil links und rechts finden sich die erwähnten Stifte für einen optionalen Tragegurt, so lässt sich das Instrument auch umhängen. Kleine Gummifüße halten es rutschsicher auf der Tischoberfläche.

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Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse, die Buchsen bestehen aus Kunststoff und sind recht leichtgängig. Zwei USB-Buchsen, Micro-B als USB-to-Device, der schon erwähnte USB-A-Port, Netzanschluss, zwei 3,5 mm Klinkenbuchsen für Kopfhörer und Line-Geräte, zwei 6,35 mm Line-Ausgänge und zwei weitere große Klinkenbuchsen für Fußschalter schließen das Anschlussfeld ab. Die Belegung kann im Menü angepasst werden, an die zweite Buchse lässt sich alternativ auch ein Schwellpedal anschließen. MIDI ist wie so üblich bei günstigen Home-Keyboards nur über Bluetooth oder den Micro-USB-Port möglich, die Audio-Ausgabe nur über die drei Out-Buchsen. Schade ist, dass man an die USB-to-Device-Buchse keinen USB-MIDI-Adapter anschließen kann, das wäre doch ein toller Kompromiss.

Die komplett aufgeraute Tastatur im Piano-Style ist dementsprechend vorne geschlossen, die leichte Gewichtung bietet ein angenehmes und nuanciertes Spielgefühl und die Anschlagstärke ist in drei Stufen wähl- und abschaltbar. Sie ist im Vergleich zu meinem Korg Pa1000 deutlich leiser und gut im Instrument eingefasst. Als Spielhilfen stehen links ein Pitchbend- und das Modulationsrad in Form des Drehknopfes K3 zur Verfügung, dessen Funktion sich im Menü anpassen lässt. Greift man ihn mit zwei Fingern und bemüht das Pitchbend-Rad mit dem Handballen, lässt sich beides auch gleichzeitig bedienen, ist aber trotzdem etwas ungewohnt. Ein Surround-Modus ist für die internen Lautsprecher zuschaltbar und verbreitert das Stereobild, dadurch klingt alles etwas räumlicher. Das macht insbesondere bei Piano-Sounds Sinn und lässt das Instrument größer wirken. Der Surround-Modus wird deaktiviert, sobald man Lautsprecher oder Kopfhörer anschließt.

Bedienung und Grundfunktionen

Das aufgesetzte Bedienfeld mit 16 Tasten und drei Drehreglern ist aufgeräumt und übersichtlich gestaltet, so dass man zunächst den enormen Funktionsumfang des Casio CT-S1000V und CT-S500 nicht vermutet. Die dunkelrote Farbe hebt sich vom soliden schwarzen Gehäuse elegant ab und wirkt zugleich zeitlos und modern, die Beschriftung ist kontrastreich und groß genug. In der Mitte finden wir ein vierzeiliges, invertiertes und grafikfähiges LC-Display mit blauer Hintergrundfarbe, dessen untere Zeile die Belegung der fünf Softtasten offenbart. Dieser Streifen ist nicht invertiert und entsprechend hell, weshalb neben einer Kontrastverstellung eine Helligkeitsregelung sinnvoll wäre. Die Anzeige ist blickwinkelstabil und die Schrift ordentlich groß, passend zur Beschriftung wirkt das zwar irgendwie Retro, aber keineswegs billig. Die Helligkeit reicht aus, um es auch bei Sonnenlicht noch ablesen zu können.

Casio CT-S1000V Startseite

Die einzelnen Sektionen der Bedienoberfläche sind wie eine Schokoladentafel in Kacheln unterteilt, links beginnt es mit dem Power-Taster und darüber liegendem Volume-Regler. Rechts daneben finden sich die beiden definierbaren Drehknöpfe K1 und K2, die werkseitig mit Filter und Resonanz belegt sind. Darunter sind jeweils zwei Tasten Home, Menü sowie Vocal und Instrument mit zugehöriger blauer LED zu finden, die Textklang-Taste fehlt entsprechend beim CT-S500. Im rechten Teil neben dem Display sind die Tasten für Tone, Rhythm und Registration untergebracht, darunter Play, Tempo und Record, quasi die Transportsektion. Die zweite Neuerung ist also der geglückte Versuch, mit möglichst wenigen Bedienelementen bei großer Funktionsvielfalt auszukommen. Weil die Belegung der Softtasten einer gewissen Logik unterliegen, lässt sich das Casio CT-S1000V sogar weitgehend blind bedienen.

Casio CT-Sa1000V Rhythm 2

Dennoch werden Entertainer-Fans vermutlich die Nase ob des reduzierten Bedienkonzepts rümpfen, aber schlussendlich entscheidet die Praxis und hier war ich doch überrascht, wie intuitiv sich das Casio CT-S1000V bedienen lässt.

Casio CT-S1000V Rhythm 1

Rhythm drücken, rechte Soft-Taste und die Begleitautomatik ist aktiv, Rhythm gedrückt halten und der korrespondierende Tone wird gewählt (quasi OTS), die linken vier steuern den Style mit Intro, Variation, Fill-In und Ending. Im Gegensatz zur CT-X-Serie findet man hier eine Einschränkung des Casio CT-S1000V, denn es stehen nur zwei anstatt vier Variationen zur Verfügung. Wahlweise lässt sich im Menü umschalten, dass die Softtasten 2 und 3 die jeweiligen Variationen aktivieren, hier hätte ich mir als Übergang Auto-Fill gewünscht.

Casio CT-S1000V Tones

Drückt man Tone, schalten die Softkeys um und steuern Split, Layer, die beiden Upper- und Lower-Parts und den Arpeggiator, während langes Drücken auf die Tasten korrespondierende Einstellungen und Funktionen aufrufen. Verfügt man nicht über das Pedal Casio SP-3, kann man Sustain auch über die vierte Softtaste im Tones-Modus aktivieren, die sich im Menü in Portamento umschalten lässt.

casio ct-s1000v display reddit 2

Die Ansicht der Startseite und Belegung der Softtasten lässt sich ebenfalls anpassen, so dass man Active DSP zum Steuern instrumentenbezogener Effekte sofort aufrufen kann. Bei Aktivieren von Active DSP werden auch die Drehregler K1 bis K3 in ihrer Funktion vorübergehend geändert, beispielsweise um den Rotary-Effekt eines Orgel-Sounds zu kontrollieren.

Speicherfunktion und Bluetooth

Als Weiteres lassen sich vier Custom Settings belegen, hier können verschiedene Einstellungen abgespeichert und wieder aufgerufen werden, so auch die Softkey-Belegung der Startseite. Beispielsweise könnte man ein Setting für Piano oder Style Play bemühen, mit und ohne Surround oder Begleiteinstellungen. Werkseitig startet das Casio CT-S1000V mit der Vocal Synthese, das muss schließlich nicht jedem gefallen. Etwas blöd finde ich, dass nach dem Abschalten manche Einstellungen ansonsten verloren gehen, wie beispielsweise die Softkey-Belegung, Knob- und Pedaleinstellungen und auch die Surround-Funktion. Daher sollte man sich diese als Custom-Setting sichern und beim Einschalten automatisch aufrufen lassen. Das hat mich zu Anfang etwas irritiert, zumal mich das Handbuch nicht eindeutig auf diese Notwendigkeit hingewiesen hat. Die Funktion Custom Settings befindet sich werkseitig auf der Startseite. Vielleicht könnte man globales Speichern der Settings durch langes Drücken der Home-Taste noch einbauen oder eine Option, dass der aktuelle Zustand nach dem Ausschalten erhalten bleibt.

Für Darbietungen mit häufigen Registrierungswechseln gibt es außerdem Registrationsspeicher, damit lassen sich für eine Performance songbezogene Einstellungen ablegen und schnell wieder aufrufen. 16 Bänke erlauben das Festlegen von je vier und insgesamt 64 Einstellungen, welche über die Registration-Taste oben rechts im Panel erreicht werden. Dabei lassen sich Einstellungen auf Wunsch ausklammern und nicht mitspeichern, zum Wechsel können auch die Fußschalter verwendet werden.

Casio CT-S1000V Setup

Im Menü des Casio CT-S1000V gibt es acht Seiten und insgesamt 24 Funktionen einschließlich Exit. In den Settings auf der letzten Seite werden die grundlegenden Instrumenteneinstellungen getroffen, beispielsweise Batterietyp und Stimmung, aus 17 verschieden temperierten Skalen kann gewählt werden. Angesichts der Fülle an Funktionen und Möglichkeiten erscheinen die nur fünf Softkeys auf der Startseite und zwei Fußschalter etwas wenig.

Casio CT-S1000V mit iPad Mini

Der Bluetooth-Adapter WU-BT10 im Lieferumfang erweitert das Instrument um die Fähigkeit, mit Computern und Mobilgeräten drahtlos zu kommunizieren. Dabei klappt das mit MIDI sehr gut und latenzarm, die Steuerung Mittels Cc und MSB/LSB ist ebenso möglich. Für Audio steht leider nur der SBC-Codec zur Verfügung. Dies hat zur Folge, dass die hohe Audiolatenz für Software-Instrumente eine Kabelverbindung erfordert und sich drahtloses Audio lediglich für Playbacks eignet. Bluetooth Low Energy (BLE) wird unterstützt, das Instrument ist beispielsweise in Korg Module Pro sofort sichtbar. Die App Casio Music Space kann drahtlos ebenfalls genutzt werden, jedoch erfordert der Casio Lyric Creator aus Stabilitätsgründen eine Kabelverbindung. Für iDevices ist zusätzlich das Camera Connection Kit erforderlich, bei Android reicht ein Kabel von USB Type Micro-B auf Type-C.

Wie klingt das Casio CT-S1000V?

Insgesamt stehen 800 Tones zur Verfügung, darunter sind auch viele Drumkits und Sfx-Sounds für unterschiedliche Stilrichtungen enthalten. Die 100 Vocals plus 50 Freiplätze für eigene Kreationen kommen noch hinzu. Neben den Standard- und GM-Sounds sind auch viele orientalische Klänge enthalten, sowie 37 so genannte Advanced Tones, die Auswahl signalisiert eine LED unter der Tones-Taste. Hierbei handelt es sich um erweiterte Klänge, teilweise mit Layer oder Nuancierung, aber meist ohne Glissando und ähnliche Spielweisen. Grundsätzlich gibt es einige Stereo- und Multi-Samples, dies gilt ebenso für Drumkits. Die Editierung der Sounds ist bis auf die Effektwahl nicht vorgesehen, immerhin können zwei Upper-Sounds mit individuellen Active-DSP-Effekten veredelt und gemischt werden. Beginnen wir mit A- und E-Pianos.

Grundsätzlich ist die Qualität der AiX-SoundSource im Vergleich zu früheren Sound-Engines von Casio eine deutliche Verbesserung. Dabei scheint es bei den Piano-Sounds so, als dass manche Samples mehrfach in angepasster Form vorkommen, aber das ist nicht ungewöhnlich. Hier ist man bezüglich A- und E-Pianos breit aufgestellt, dies zeigt die folgende Auswahl inklusive Advanced Tones.

gleiches gilt für die Orgel-Sounds. Zugriegel gibt es zwar nicht, aber auch hier können Kombinationen sinnvoll genutzt werden. Die 64 Stimmen maximale Polyphonie klingen aus heutiger Sicht etwas wenig, beim Test kam es allerdings zu keinen Aussetzern oder Timing-Problemen. Hier eine kleine Auswahl von Orgel-Sounds und Akkordeons, die mir übrigens auch gut gefallen. Will man übrigens den Rotary-Effekt verändern, muss man zunächst Active DSP aufrufen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass man dies spontan über den K3-Regler steuern könnte.

Bei den Gitarren sorgen Multi-Samples ebenfalls für Abwechslung, allerdings ist nuanciertes Spiel nicht bei allen Tones wirklich intuitiv möglich, wie in einem Beispiel der folgenden Klangauszüge zu hören ist. Verzerrer-Effekte klingen etwas statisch und leblos, allerdings muss man auch hier die Preisklasse berücksichtigen.

Die Bläser und Streicher klingen größtenteils gut, stehen aber auch weitgehend ohne Artikulationen zur Verfügung. Bei einigen Sax-Sounds wurden Atemgeräusche beigemischt, die jedoch nicht ganz so überzeugen. Allerdings wird das von Styles und Effekten gut kaschiert.

Die reichhaltigen Synth-Sounds sind dafür vielfältig und ansprechend, da ist für Jeden was dabei.

Mehr als nur ein Schmankerl und was für Retro-Fans sind die Classic Tones, dies sind Sounds alter Casio-Schätzchen aus der Anfangszeit, obgleich das Piano des VL-1 und der PT-Serie fehlt. Sie klingen zwar werkseitig entsprechend der Originale trocken, lassen sich aber mit Active DSP lebendiger formen. Hier stehen 100 unterschiedliche Typen zur Verfügung und bieten allerhand Effekte von Flanger über Wah-Wah hin zu Rotary und Verzerrungen. Der Violinen-Sound des VL-1 ist gesplittet und verfügt im unteren Teil der Tastatur über die bekannten Rhythmusbegleitungen, wenn auch fix im Tempo. Wer will, findet die Einzelsounds aber auch unter den Drumkits.

Die Drumsounds sind ebenfalls gut gelungen, auch wenn die Toms der TR-808-Nachbildung etwas verkürzt wurden, was aber nicht weiter stört. Unter den Kits sind viele asiatische und SFX-Sounds, hier ein kleiner Spaziergang durch die Styles.

Sampling ist ebenfalls möglich, wobei wahlweise Klänge über die Line-In-Buchse oder WAV-Dateien vom USB-Stick geladen werden können. Als Sound 801 lässt sich ein Klang von 10 Sekunden samplen (Referenzton C4), sowie unter 802 bis zu 16 Drumsounds von jeweils maximal drei Sekunden. Für Instrumenten-Samples lässt sich zwischen One-Shot und Loop wählen und die Notenlänge der Wiederholung festlegen, hier würde ich mir auch die Möglichkeit zum Verschieben der Tonlage wünschen. WAV-Dateien mit 16 Bit bei 44,1 kHz in Stereo können als Sample-Vorlage genutzt werden. Auch Samples lassen sich wie normale Sounds mit Active DSP bearbeiten, hier ein Beispiel.

Der Arranger des Casio CT-S1000V

Es lassen sich zwei Upper- und ein Lower-Part kombinieren oder im Split-Modus mit frei zuweisbarem Teilungspunkt spielen, Active DSP wird wie erwähnt für jeden Part getrennt eingestellt. Darüber hinaus stehen Mehrband-EQ und Master-Effekte zur Verfügung, darunter 24 Reverb-, 12 Chorus- und 15 Delay-Typen. Die Qualität ist für ein Keyboard dieser Preisklasse mehr als brauchbar. Unter Balance findet man die Lautstärkewerte für Upper1, Upper2, Lower und Rhythm, die Spuren der Begleitsektion sind einzeln in der Lautstärke nicht regelbar.

Insgesamt 243 Styles unterschiedlichster Stilrichtungen stehen zur Verfügung, die frisch und modern klingen. Die Begleitung umfasst neben der Bassspur drei weitere Instrumentenspuren, die sich allesamt in Intro, zwei Variationen, zwei Fill-Ins und einem Ending aufteilen und entsprechend der Akkordstruktur variieren. Über 50 Speicher stehen für eigene Styles bereit, die von einem USB-Stick im AC7-Format importiert werden können. Die Erstellung eigener Styles im Casio CT-S1000V ist hingegen nicht vorgesehen. Wie man es auch von Yamaha und Korg kennt, sind viele Styles an bekannte Stücke angelehnt, ein Musikverzeichnis gibt es jedoch nicht. Styles und Tones sind durchnummeriert, über die Softkeys Zwei und Drei kann kategorieweise gesprungen werden. Wahlweise lässt sich das Rad bemühen oder die Softkeys 4 und 5 für Minus und Plus. Zum lebendigeren Spiel kann eine Harmonisierungsfunktion mit vielen Typen zugeschaltet werden, langer Druck auf Rhythm wählt einen korrespondierenden Tone (OTS). Natürlich lassen sich auch die Akkordeingabemodi umstellen. Einzig die Electro- und Dance-Styles brauchen ein gutes Soundsystem, über den Kopfhörer klingen manche Styles etwas kraftlos.

Auch interessant sind die Piano-Begleit-Styles. Ohne Drums, dafür mit vielseitiger Klavieruntermalung.

Der Arpeggiator ist eine weitere Spielhilfe mit 150 Typen und auch rhythmischen Mustern und Automationen, wie beispielsweise Panning, mit dem sich auch allerhand anstellen lässt. Wie auch für die anderen Bereiche gilt auch hier, dass eine manuelle Programmierung nicht vorgesehen ist.

Vocal Synthesis und Recorder des Casio CT-S1000V

Es gibt mehrere Wege, das eigene Spiel aufzuzeichnen. Wahlweise Easy Recording, hierbei wird eine Live-Darbietung inklusive Begleitung mitgeschnitten. Mit Multitrack-Recording können maximal sechs Spuren im Overdub-Verfahren aufgenommen werden. Der Recorder ist ziemlich komplex und die Lernkurve durchaus etwas steiler. Es lassen sich bis zu fünf Songs speichern mit insgesamt 40.000 Noten-Events.

Das wohl im ersten Moment interessanteste Feature scheint die Vocal Synthesis zu sein, die bei mir jedoch aufgrund der anderen spannenden Funktionen in den Hintergrund getreten ist. Wahrlich ist sie etwas vollkommen Neues in einem Keyboard und funktioniert anders als ein herkömmlicher Vocoder oder Rolands VariPhrase-Technologie. Zweifellos beflügelt sie die Kreativität, aber es gibt auch einige Tücken. Beispielsweise beim Spielen von Silben muss die Phrase zur Taktlänge passen, ansonsten kommt man schnell durcheinander. Endet die letzte Silbe auf einem Konsonant, wird diese verschluckt, eine KeyOff-Erkennung könnte dies verhindern, so dass die Silbe beim Loslassen der Taste definitiv ausgespielt wird.

Weiterhin hätte ich mir beim Stoppen eines Style gewünscht, dass man an den Anfang der Phrase springt und nicht mitten im Satz hängen bleibt, ein Fußschalter kann hier helfen. Dabei sind die 100 englischen Vorgaben überschreibbar, weitere 50 freie Speicherplätze kommen hinzu. Enthalten sind viele Phrasen bekannter Songs von „I‘ve Gott he Power“ über „Da da da“ bis hin zu „Merry Christmas“ und „Happy Birthday to You“. Die Lernkurve ist auch hier etwas steiler und bietet viel Raum zum Experimentieren. Zur Modulation stehen 22 Presets für Vocoder, Talkbox und sogar Tierstimmen zur Verfügung, eine weitere Einstellung lässt sich in der Lyric Creator App definieren. Dabei sind auch Merkmale wie das Alter und Geschlecht änderbar, die durch Formantverschiebung mit Knob K1 modelliert werden können. Hier ein Beispiel mit verschiedenen Vocoder-Einstellungen.

Die Silben und Phrasen lassen sich vorwärts, rückwärts, zufällig und getriggert oder fortlaufend synchronisiert zum Tempo abspielen. Im Vortragsmodus kann mit der linken Hand der Startpunkt der Sequenz temporär verschoben werden, wie im Beispiel auch zu hören ist. Zum Bearbeiten der Lyrics steht die App Casio Lyric Creator im Play und AppStore zur Verfügung, die zum Testzeitpunkt nicht barrierefrei zugänglich ist und leider auch nicht invertiert dargestellt wird. Bislang ist es mir daher nicht gelungen, eigene Phrasen einzuspeichern, aber Ideen aus dutzenden Daft Punk und Kraftwerk-Songs hätte ich schon. Dabei kann auch definiert werden, wie viel Takte zwischen den Silben gelassen werden, um den Rhombus einzuhalten. Für Interessierte gibt es diesbezüglich inzwischen unzählige Videos im Netz und auch ein Tutorial von Casio, leider aber ohne Sprachkommentar. Hier noch ein Textklang in Verbindung mit einem Dance-Style, bei dem silbenweise je angeschlagenem Ton im Text weitergeschaltet wird.

Technisch handelt es sich um eine vollwertige und synthetische Text-to-Speech-Engine, die aus digitalen Schriften Phoneme bildet und diese als Worte oder „Textklänge“ zusammen setzt. Sie lassen sich in englischer oder japanischer Sprache an das Instrument schicken, allerdings könnte mit etwas Experimentieren auch Deutsch ansatzweise gelingen. Ein Ausflug in die Welt der Sprachsynthese bräuchte Raum für einen eigenen Artikel, daher sei das Thema an dieser Stelle nur angerissen. Schon früh wurden Synthesizer zum Erzeugen von Stimmen und Artefakten wie Atemgeräusche genutzt, ein Sägezahn, rosa und blaues Rauschen für Sibilanten, EQ, Filter, Schnarr- und Zischlaute formten so etwas wie die menschliche Stimme auf Basis der subtraktiven Synthese. Heute bedient man sich der Diphonsynthese, so dass professionelle Sprecher einen Haufen Texte exakt einsprechen müssen, dieser wird anschließend zerlegt und in Echtzeit neu zusammengesetzt und moduliert. Daher hört sich die Sprache in aktuellen Assistenten auch deutlich menschlicher an, als seinerzeit der Votrax oder der Amiga 500, auch Dialekte sind auf diese Weise abbildbar.

Während vollsynthetische Sprachausgaben wie die Dectalk sogar singen können und hohe Sprechgeschwindigkeiten bei zugleich noch guter Verständlichkeit möglich sind, ist dies bei der Diphonsynthese schwieriger. Um möglichst natürlich klingende Stimmen zu erzeugen, sind neben einem hohen Frequenzgang auch weiche Verbindungen zwischen den Silben nötig, denn hierauf reagiert unser Gehör besonders empfindlich. In der Praxis müssen wir dennoch zwischen guter Sprachverständlichkeit und naturgetreuer Sprachsynthese unterscheiden, beides kann besonders bei hohen Geschwindigkeiten kollidieren. Interessant seit Jahrzehnten ist für mich die Frage, ob ungeübte Zuhörer eher vollsynthetische oder diphonsynthetische Sprachausgaben auf Anhieb besser verstehen können und ich kann ergänzen, hier wurde ich schon des Öfteren überrascht. Als hochgradig sehbehinderter Anwender bin ich viele Sprachausgaben einige Jahrzehnte gewohnt und habe in Teilen auch mit Branchengrößen zusammen arbeiten dürfen, daher kann ich nur schwer beurteilen, wie verständlich das Casio CT-S1000V wirklich klingt. Synthetische Stimmen durch den Vocoder zu schicken ist übrigens nicht neu, das hat Kraftwerk auch schon gemacht. Weil wir ja wissen, dass es sich hier um „Roboter-Stimmen“ handelt, wird unser Gehör vermutlich nachlässiger mit Artefakten umgehen. Bei Flüster-Presets tritt die Qualität der TTS besonders hervor und kann sich durchaus mit der Dectalk als Referenz messen lassen. Hören wir zum Abschluss noch die beiden Werks-Demos.

Weitere Features im Casio CT-S1000V

Alternativ zum Arranger lässt sich im Casio CT-S1000V auch ein Metronom mit Klingeln, variabler oder ohne Taktvorgabe und Einzähler zuschalten, da hätten wir auch wieder die Nähe zum CT-S1. Über den Line-Eingang zugeführte Musik kann mit dem Karaoke-Modus von der Singstimme befreit werden, das klappt wie üblich mehr oder weniger gut und wird durch Phasenauslöscheffekte erreicht. Weil ein Mikrofoneingang fehlt, wird man ohnehin zur fehlenden Singstimme spielen wollen, beispielsweise zu Übungszwecken. Die Apps Casio Music Space und Cordana Play helfen beim Üben und Lernen, das ist zielgruppengerecht und erleichtert den Einstieg. Apropos Einstieg, das Casio CT-S1000V ist ein absolutes Spaßinstrument für zwischendurch, als MIDI-Steuerzentrale ebenso gut geeignet wie als Brot- und Butter-Klangerzeuger und kann auch als Bluetooth-Lautsprecher dienen. Was es aber nicht ist, ist ein Synthesizer. Dafür fehlen bis auf Filter und Resonanz nicht nur die Editiermöglichkeiten, sondern auch die Speicherplätze. Das sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass mit Layer, Active DSP und den Master-Effekten eine ganze Menge möglich ist und auch das Sampling ist nicht zu verachten. Wer etwas mehr will, beispielsweise Mikrofoneingang, kräftigere Lautsprecher, vier Variationen und 16-Spur-Sequenzer kann zum Casio CT-X5000 greifen. Der Straßenpreis ist recht ähnlich und was ihm im Wesentlichen fehlt, ist Vocal Synthesis und das Batteriefach. Wen die Sprachsynthese nicht reizt, findet im Casio CT-S500 alle übrigen Features und kann rund 50 Euro sparen, auch wenn der Mehrwert den Aufpreis überwiegt.

Neben dem Fußtaster Casio SP-3 ist auch die Casio CS-Bag eine sinnvolle Ergänzung, das Softcase ist stabil verarbeitet und der Notenhalter passt in die Fronttasche nebst Zubehör und Rucksackgurte bietet das stabile Case außerdem. Damit sind Instrument und Zubehör gut geschützt.

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Fazit

Das Casio CT-S1000V bietet viel Sound und Funktionen für vergleichsweise wenig Geld. Bluetooth, Batteriefach und natürlich die Vocal Synthesis für kreatives Gestalten der eigenen Songs stehen ebenso auf der Habenseite, wie die gute Tastatur und die AiX- und Classic-Tones. Ein ausgewachsener Synthesizer ist das Instrument zwar nicht, kommt dafür aber mit Sampling, mächtiger Effektsektion, frischen Styles und vielen Features bei zugleich reduzierter Bedienung. Genau genommen ist es ein Casio CT-S1, das über den Status eines kompakten Digitalpianos hinausgewachsen ist.

Plus

  • einzigartige Vocal Synthesis mit Vocoder-Funktion
  • einfacher Sampler mit Effektbearbeitung
  • gute Sounds und Styles
  • reduziertes, aber intuitives Bedienkonzept
  • solide Verarbeitung und gutes Design
  • Batteriebetrieb und Bluetooth-MIDI zum Umhängen
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Bluetooth Audiolatenz recht hoch
  • Styles im Gerät nicht erstellbar
  • keine getrennte Lautstärkeregelung für Style-Parts

Preis

  • 475,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Anthony Rother  AHU

    Danke für den Test.
    Bei der Ankündigung hatte mich die Vocal Synthese sehr interessiert.
    Nach dem ich einige Demos gesehen hatte und ich jetzt auch hier das Demo zur Vocal Synthese gehört habe, muss ich sagen dass mich die Sprachverständlichkeit leider nicht überzeugt.
    Schade, denn das Teil hätte mich wegen dem fairen Preis als TTS Synthesizer zum anfassen interessiert aber die Sprachqualität ist mir nicht ausreichend.
    Vielleicht fühlen sich ja andere Hersteller dadurch inspiriert.

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Ja, das stimmt und da waren selbst die Dectalk und INfovox verständlicher. Such mal nach „Singing Dectalk“, ich weiß aber nicht, ob man die noch als Software eigenständig bekommt. Hardware-Sprachsynthesizer waren damals so teuer wie ein Waldorf Iridium heute.

      • Profilbild
        ctrotzkowski  

        Ich nutze für Chöre auf Live-Keyboard den recht betagten Klassiker des VST Plugins „EastWest Symphonic Choirs“ (unter Cantabile als Live-VST Host). Zwar ist die Sprachverständlichkeit direkt aus „English“ auch überschaubar, aber man kann zumindest auf „Votox“ als Phonetik-Lautschrift umschalten – und man kann dann noch mit etwas Liebe zum Details noch Länge und Lautstärke der einzelnen Phoneten noch anpassen. Ist halt für klassischen Chorklang, und der Knabenchor für Pink Floyd’s „We don’t need no education“ kommt damit schon ganz amtlich… ;-)
        Aber generell muß mal halt beachten, daß Sprach-/Singsynthese trotz jahrzehntelanger Forschung immer noch ein Gimmik ist, das für gute Ergebnisse auch viel manuelle Anpassung braucht.

    • Profilbild
      MartinM.  

      In Sachen künstlichem Gesang ist Yamaha deutlich weiter fortgeschritten, allerdings nur als Software „Vocaloid“. Diese Gesangssynthese funktioniert auch nicht in Echtzeit sondern nur mit einer MIDI-ähnlichen Pianorolleingabe. Mit den Bearbeitungsmöglichkeiten des aktuellen Editors kann man recht natürliche und gut verständliche Ergebnisse erzielen. Ich friemele selbst seit den letzten Black Friday Rabatten damit herum.
      Kucken kost ja nix: http://www.vocaloid.com

  2. Profilbild
    Kazimoto  

    Beim sampling viel Boden verloren. Man stelle sich vor hier einen Sampler mit alles Basisfunktionen und streaming von SD-Card bekommen zu können. An sonsten super Test! Mir gefallen die Gitarren, schön überbetont. :)

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Casios singendes klingendes Bäumchen scheint ja eine lustige Maschine zu sein. Kann mir schon vorstellen, die Sprachsynthese für einige Tracks zu verwenden, aber das wird vermutlich schnell einseitig, je nachdem, wie stark man die Stimme verändern kann.

    Der Ansatz gefällt mir aber, da scheint alles zu stimmen, Klang, Features und vor allem der Preis, der Casio-typisch recht angenehm ausfällt.

    Würde da drauf gern mal das Kufsteinlied mit SFX-Presets und Sprachsynthese arrangieren. Dann hol‘ ich mir bei Ebay noch einen alten Quasimidi Caruso, baue aus den Sachen und einem meiner Atari STs ein Liverig und gehe als Atari Rentner Riot auf Tour. Bääm!

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Na Du hast Ideen! :D Ja, würde ich gerne versuchen, aber das mit der App ist echt schwierig und leider für mich nicht zugänglich. Im Netz hatte ich einen Artikel gefunden, da stand was mit XMR-Dateien, eventuell kann man unter Android irgendwas bauen, dass man die PHrasen im Texteditor erreicht. Aber wenn Casio nicht mal die Speichergröße nennt, brauche ich da sicher nicht nachfragen. ;)

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Die Sache mit der App hat mein Interesse ziemlich runtergefahren, ich mag lieber direkt am Gerät arbeiten, statt Softwareeditoren zu verwenden.

        Die Sache hat aber Potential, wie ich finde. Mir kommt das Keyboard wie eine umgekehrte Karaokemaschine vor, man läßt hier nicht Musik spielen und singt dazu, sondern arrangiert Musik und läßt die Maschine singen… das hat schon was.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      „Atari Rentner Riot“

      Ich schmeiß mich wech, hahaha❤

  4. Profilbild
    t.goldschmitz  RED

    Hi Stephan,
     
    ich vermute, Du hast KoPho studiert? Dem Fachwissen über Sprachsynthese zu urteilen nach schon…
     
    Was hälst Du von den aktuellen generativen Modellen (massives Reinforced NN learning) in Punkto Sprachverständlichkeit? Hier in der Mitte der Seite (die ersten 3 Beispiele):
     
    https://deepmind.com/blog/article/wavenet-generative-model-raw-audio

    vergleicht die vorherrschenden Ansätze miteinander. Für meine Ohren bläst das generative Modell alle anderen Methoden aus dem Wasser. Was sagen denn deine feine Ohren dazu?

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Nö habe ich nicht, aber im Blindenhilfsmittelbereich waren Texterkennungssysteme und Screenreader ein Schwerpunkt. Dabei geht es natürlich um die schnelle Echtzeitsynthese, Cloud war seinerzeit auch nicht anzudenken, so waren die Schwerpunkte anders angelegt. Aber klar, die neuen Ansätze sind klanglich schon fantastisch, aber die Wahrheit liegt dann zwischen den Worten. Da höre ich das eigentlich immer, ob was synthetisch ist oder nicht. Aber seitdem YouTuber ihre Atemgeräusche und Pausen rausschneiden, fällt das alles ja nicht mehr auf. ;) Ich bastele jetzt fast zwei Jahre schon an einem Ausnahmewörterbuch für die Vocalizer-Stimme, weil mir deren Unzulänglichkeit bei der PC-Arbeit nicht passen.

  5. Profilbild
    Sven Rosswog  RED

    Danke für den sehr ausführlichen Test. Leider ist für mich das einzige spannende Feature die Sprachsynthese. Wenn Casio dieses Funktion in eine Box packen würde und die erwähnten Mängel beseitigen würde, würde ich sofort zuschlagen. Gern auch als Software only.

    • Profilbild
      SynthUndMetal  

      Wenn ich die letzten Seites des Handbuchs richtig interpretiere basiert die Sprachsynthese in dem CT-S1000V sowieso auf frei zugänglicher Software von der Nagoya University of Technology, inklusive Toolkit. Jemand mit genügend Programmiererfahrung kann sich damit sicher selbst ein Program nach seinen Wünschen schreiben.

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        Stephan Merk  RED

        Gut, dass Du das schreibst, genauso ist es, aber ich hatte nicht mehr gefunden, wo genau die entwickelt wurde. Hätte man eine professionelle TTS-Engine zugekauft, wäre das mit den unter 500 Euro nie was geworden. ;)

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      Stephan Merk  RED

      Nö, vermutlich wird der Vocoder zur Klangformung genutzt. Du hast quasi diese 22 Presets und kannst den 23. über die Ap bauen, aber auch nicht von Grund auf. So wirklich clean hast Du eigentlich nur die Flüster-Voices, dann eben nur auf Rauschen basierend.

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    Klang X  

    Die Kiste wird schnell durchgenudelt sein und dann zahlreich auf Ebay erscheinen. Bis auf die sehr (naja) mäßige Sprachsynthese ist der Rest nichts, was es nicht schon in 100 anderen Geräten (besser) gibt.
    Man wird sich das Ganze auch sehr schnell tot gehört haben. Ein netter Gimmick, mehr aber auch nicht.

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      Stephan Merk  RED

      Warum so pessimistisch? Ein Key mit Batteriebetrieb, Bluetooth-MIDI (LE) Klangerzeuger inklusive und das um 450 Euro zeig mir mal, fällt mir aktuell nicht ein. Klar, die fehlenden Edit-Möglichkeiten schränken die Nutzung ein, aber schau Dir mal den Gitarrenmarkt an: Die sind alle langweilig, die meisten haben sechs Seiten und nur eine Klangfarbe. ;) Als Zweitinstrument und wenn nur als Ideengeber mit eringen Abmessungen finde ich das Teil schon super. Könnte man die Texte der leeren Phrasen jetzt noch am Gerät eingeben oder einfach ein USB-Keyboard anschließen, wäre das top.

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    mdesign  AHU

    danke für den kompetenten artikel und die passenden sound-beispiele. ich finde es eine etwas merkwürdige idee, diese – doch sehr speziellen – spracheffekte ausgerechnet in ein entertainer-gerät zu packen, das keine synthese kann. aber casio macht sowas halt schon immer, und das ist ja auch wieder sympathisch. und durch den fairen preis wird so mancher das ding einfach mal ausprobieren.

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      Stephan Merk  RED

      Genau das dachte ich auch erst und war tatsächlich etwas enttäuscht, dass die Videos eine Vielfalt erwarten ließ, die eben durch die mangelnde Anpassmöglichkeit gar nicht gegeben ist. Letztendlich ist das auch alles Software, warum lassen die bei den gleichen Styles wie in der CT-X-Serie beispielsweise die übrigen Variationen weg? Blöd finde ich eigentlich, dass die das Teil in die Einsteigerklasse packen, obwohl die Preisrange ohnehin so dicht besetzt ist. Aber vermutlich kommt noch ein CT-X7000, das hat dann alles und dann wieder Power und kein Batteriefach. Nimm das WK-7600 bei älterer Klangerzeugung, das bis jetzt auch keinen Nachfolger hat.

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    UAP  

    Ich finde, dass es eigentlich immer schwierig ist, mit Sprachsynthese Sprachverständlichkeit zu gewährleisten – auch mit „traditionellen“ Vocodern! Man muss da schon ganz schön tricksen, compressen, FXen und EQen, um einen typischen Vocoder so hinzubiegen, dass die Sprachverständlichkeit gut ist, dass der sich in den Mix eingliedert und einfach so klingt, wie man es möchte. Wenn man sich das mal vor Augen führt, was ich da mit dem Behringer VC340 immer für einen Aufwand betreiben muss, damit der im Mix „passt“, dann finde ich den Workflow, den CASIO hier einführt, beinahe schon „komfortabel“ im Vergleich.

    Aber ich gebe schon zu, dass die Videos, die CASIO zunächst gestreut hatte, doch etwas mehr erwarten ließen, als man hier hören kann. Doch ich kann mir nicht helfen: Ich finde das Teil schon total interessant und sehe es auch als großes „Plus“ an, dass es viel mehr kann, als „nur“ Sprachsynthese. Und der Preis ist echt Bombe!

    Nur steht zu befürchten, dass CASIO hier mutig den Pionier spielt, andere Hersteller die Schwächen der Technik vielleicht besser in den Griff kriegen, zeitnah nachziehen und CASIO damit die Butter vom Brot nehmen. Wäre nicht das erste Mal, dass es so läuft…

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      Stephan Merk  RED

      Also ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass jetzt plötzlich der Run auf TTS-Synthese kommt und alle da einsteigen. Und wenn sie das tun, sollen sie die Technik bitte für die blinde Bedienbarkeit einsetzen, Yamaha hat das beim Genos ansatzweise ja schon gemacht und Native Instruments geht mit VoiceOver auch. Wer ein Mac hat, einfach mal CMd+F5 drücken, unter Windows Win-Taste+Eingabe. ;)

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      AMAZONA Archiv

      Ich sehe das eher aus dem musikalischen Blickwinkel, Sprachqualität steht da bei mir hinter Sprachklang. In einem Track würde ich mit den Möglichkeiten des neuen Casio versuchen, einen Sprachklang und -rhythmus zu erzielen, der einer bestimmten Sprache nahekommt, aber diese nicht wirklich „spricht“. Künstliche Sprache als Instrument.

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    MartinM.  

    Danke für diesen ausführlichen Test!
    Was mir noch kein Artikel oder Video verraten konnte: Speichert der Songrecorder auch die via App eingegebenen Texte? Zeigt das Display des 1000V diese Texte auch an, sodass man sie theoretisch auch zur Anzeige von Lyrics benutzen könnte? Ich meine, es wäre schon tragisch, wenn man eigene Texte eingibt, das Keyboard diese Texte nach dem Ausschalten aber allesamt vergisst. Vielleicht sind die erwähnten Speicherplätze bei den „Phrasen“ dafür vorgesehen — dann würde mich interessieren, wie lang so eine Phrase sein darf?
    Obacht bei der Historie: Casio hat bestimmt nicht 1946 Taschenrechner herausgebracht. Die kamen erst, nachdem in den Sechzigern Transistoren und später Microchips erfunden wurden. Ich kann mich noch an die Fernsehwerbung 1973/74 für die ersten Taschenrechner von Texas Instruments erinnern und daran, dass der Direktor meiner Grundschule bald darauf mit so einem Ding herumlief und es uns Kindern stolz vorführte. Japanische Hersteller wie Casio haben Taschenrechner und digitale Quarzuhren danach billiger für den Massenmarkt gebaut. Sodass es schon Ende der Siebziger zu fragwürdigen Kombinationen kam, wie Kugelschreiber mit eingebauter Quarzuhr. Oder einer Casio-Armbanduhr mit Taschenrechner, tatsächlich mit winzigen, numerischen Tasten unterhalb des LCD Displays.

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      Stephan Merk  RED

      Also Du wählst ja ein Preset und das zeigt dann den Text an. Der Song Recorder würde dann auf eines der freien Presets zugreifen. Wenn Du das dann ändern würdest, wäre der Song natürlich ein anderer. Sprich die Songdaten sind unabhängig von Preset und Sampling.

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        MartinM.  

        Danke für die Antwort! Aber verstehe ich das nun richtig: Für die Speicherung von Texten für die Gesangssynthese stehen ausschließlich die insgesamt 150 Speicherplätze der Phrasen zur Verfügung? Der Songrecorder kann keine Texte speichern sondern nur wo und wie eine Phrase verwendet wird? Wie lang eine Phrase sein darf, hast Du nicht in Erfahrung bringen können, bleibt also vorerst ein ungeklärtes Mysterium? Korrekt?

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          Stephan Merk  RED

          Ja, die Phrasen müssen auf eine der Speicherplätze gepackt werden, Du kannst beim Song erstellen natürlich Presets wechseln, auch per Fußschalter geht das im Lyric-Modus. Wie lang die tatsächlich sein können ,konnte ich in der Tat nicht in Erfahrung bringen, weil die App für mich leider auch unter dem Lesegerät in der Kürze nicht nutzbar war. Die längsten Phrasen haben sechs, vielleicht acht Silben, kann gut sein, dass in der App mehr geht. Vielleicht installierst Du Dir den Lyric Creator mal, ist gut möglich, dass der auch ohne Keyboard läuft. Ich hatte das Handbuch geschrieben und da stand dann auch was mit Lyrics wohl auch in SMF-Files, aber so richtig schlau draus wurde ich auch nicht. Es gibt allerdings Videos, da hat das Teil schon ganz schön viel gequatscht, also irgendwie muss das auch gehen.

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      Stephan Merk  RED

      Ich schrieb ja nicht, dass Casio seit 1946 Taschenrechner baut. Ich hatte mal einen aus den 70ern, da waren NEC-Chips drin… ;) Aber das Unternehmen gibt es lt. Wikipedia in der Tat schon so lange. Was die früher vor Uhren und Rechnern gemacht haben, wurde nicht beschrieben.

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    schammi

    Also das erste Klangbeispiel „Vocal Synthesis“ hört sich doch sehr nach Minions an. Ich mag Minions. Kenne Sprachsynthese allerdings auch noch aus Atari-Zeiten („Atari-Rentner-Riot“. Wäre doch ein cooler Band-Name). ;-)

    Grundsätzlich ist die Idee geschriebene Worte in hörbare, verständliche Sprache umzuwandeln nicht nur musikalisch sondern auch im technischen Bereich sehr interessant.

    Habe aber meine Zweifel das die CASIO-Kiste das wirklich leisten kann oder dafür überhaupt gedacht ist. Nette Spielzeuge haben jedoch die schlechte Angewohnheit schnell langweilig zu werden. Für ein paar Spracheffekte im musikalischen Kontext gibt es diverse Plugins für MAC/PC.

    Extra dafür Hardware kaufen?

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      Stephan Merk  RED

      Ist halt die Frage, was man erwartet. Ich sehe das Teil quasi als Zweitinstrument, Home-Keyboard oder Bluetooth-MIDI-Gerät für zwischendurch. Da ärgert mich viel mehr, dass man keine Styles am Gerät programmieren kann, wie beispielsweise am Yamaha PSR-500 oder PSR-510 und dass Bluetooth-Audio so latenzbehaftet ist.

  11. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Erstklassig geschriebener und sehr präziser Test. Wegen der guten Tastatur geben einige der CTs auch ganz gute (und haltbare) Masterkeyboards für das Wohnzimmer ab, da wackelt und quietscht auch nach jahren nichts.
    Dieses Speech-Ding ist nicht so meins und vermutlich auch ein One Trick Pony, man muss aber trotzdem honorieren, dass Casio auch in den unteren Preisregionen solide Hardware anbietet, die zudem auch noch ganz gut aussieht und z.B mit Batteriebetrieb daherkommt.

  12. Profilbild
    THEXCEE  

    Danke für den Test!
    CASIO bleibt wieder mal ein Phänomen…meiner Ansicht nach ist die Klangqualität wie durch einen Samtvorhang, das Vocaldesign unausgegoren…
    aber es ist eben CASIO ;)
    Die trauen sich stets etwas!
    Dafür Hut ab.
    Aber es ist und bleibt ein „CASIO Keyboard“.
    CASIO…legt die CZ´s weiterentwickelt wieder auf…echt schöne Synths

    Aber der CT hier…für meine Zwecke paßt die Kiste leider nicht ins Studio.

  13. Profilbild
    Round Robin  AHU

    Zwar ein Plugin, aber dennoch beachtenswert: Plogue – Chipcrusher

    Es handelt sich um einen Chipcrusher (und vieles mehr) mit Vocalmodeling. Diese beinhaltet LPC10 (Speak & Spell), MOZER (Berzerk, Impossible Mission), SP0256 (Intellivoice), Various speech modules for vintage computers. Das ganze funktioniert als Vocoder und klingt richtig gut.

    Klangbeispiel:
    https://www.youtube.com/watch?v=l7EjApWweqw

    Hersteller:
    https://www.plogue.com/products/chipcrusher.html

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