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Test: Mos-Lab, 8A

Moog Modular Clone

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Praxis

Es dürfte klar sein, dass mit dieser Ausstattung allein die Tonerzeugung im Studio oder auf der Bühne nur begrenzt möglich ist. Zusätzlich einkalkulieren sollte man diverse Patchkabel, externes Ansteuerungsequipment (Gate/CV) sowie sinnvollerweise auch einige Utility-Module. Zwar lassen sich auch ohne letztere schon einige Töne erzeugen, wer aber etwa mehr als zwei Oszillatoren mischen, die Stärke der Hüllkurven variieren oder auf mehrere Ziele verteilen möchte, kommt um 1-2 einfache Mischer (z.B. 4-1), passive Abschwächer sowie Multiple-Module nicht herum.

Die einzelnen Eingänge der Module sind übrigens voneinander elektrisch getrennt, daher sind Multiples zum Verbinden einer Quelle mit mehreren Zielen zwingend. Eine passive Verbindung mehrerer Klinkenbuchsen reicht hierfür aus. Wer mit dem Lötkolben umgehen kann (oder dies lernen möchte), kann sich zumindest diese auch leicht selbst aufbauen.

Ich habe für die Klangbeispiele selbstgebaute Abschwächer, Mischer und Multiples verwendet.

1_Frontal.jpg

Klang

Zunächst ist festzustellen, dass der Arbeits- und Ausgangspegel der Module für einen Synthesizer sehr hoch ist und das gesamte System sich durch Rausch- und Brummfreiheit auszeichnet. Nach der üblichen Aufwärmzeit sind die Oszillatoren stabil über mehrere Oktaven, sie driften nach meiner Erfahrung (gemessen habe ich nicht) auch in der Aufwärmphase weniger als bei anderen Analogsynthesizern. Perfekte Stabilität sollte man zwar nicht erwarten, es ist aber in der Praxis problemlos möglich, Melodien im Verbund mit anderem Equipment zu programmieren, ohne dass man ständig nachregeln müsste.

Der eigentliche Klang ist über jeden Zweifel erhaben. Strahlend, voll, organisch, texturiert, edel, kontrolliert, lebendig, ausgewogen sind passende Adjektive. Der Sound ist frei von jedem Muff oder Belag und weist die plastische Dynamik und nuancierte Obertonstruktur auf, die kein Chip-Synthesizer geschweige denn eine digitale Simulation hinbekommen. Die Direktheit und Vieldimensionalität lassen jedes Plug-in im Staub zurück, und selbst hochgeschätzte andere Analoge wirken schnell blass und unscharf im Vergleich.

Der Mos-Lab erzeugt von sich aus nicht unbedingt die erdige Phatness eines Minimoog oder den Schmutz mancher vintage Korg oder Roland Synthesizer. Vielmehr bekommt man mit den Modulen Klangsynthese in ihrer reinsten Form. Die Hüllkurven arbeiten schnell und haben einen natürlichen, präzisen Klang. Das Filter klingt butterweich, artefaktfrei, kultiviert. Was übrigens nicht bedeutet, dass der Mos-Lab 8A nicht auch „böse“ klingen könnte, mittels Modulation oder Sync sind äußerst aggressive Sounds möglich. Aber Schmutz und deftige Verzerrungen sind nicht von vorneherein eingebaut, wer diese sucht, dem sei ein gutes Verzerrerpedal oder ein entsprechendes Modul angeraten, das sehr gut formbare Ausgangssignal verträgt sich ohnehin mit allen erdenklichen Effekten.

Übersteuern lässt sich mittels externer Verstärkung oder entsprechend hochpegeliger Signale aber der Filtereingang, was eine sehr interessante sanfte Sättigung der diskreten Schaltkreise herbeiführt. Wie bei Moog üblich, wird beim Aufdrehen der Resonanz die Amplitude des Nutzsignals abgesenkt, bei Bedarf sollte man dann einen Kompressor dahinter schalten oder automatisieren – in den Klangbeispielen wurde dies bewusst nicht gemacht. Natürlich kann man mit diesem Filter auch Klänge bearbeiten, die nicht aus dem Mos-Lab stammen, wie diese Chroma Polaris Fläche:

Fazit

Mit dem kleinsten Mos-Lab bekommt man für gut 1400 Euro ein sehr hochwertig gefertigtes, vollständig nutzbares, jederzeit erweiterbares Einsteigersystem mit weitreichenden Gestaltungsmöglichkeiten und dem kompromisslosen Klang des Moog Modular. Das ist in dieser Form konkurrenzlos und sollte auch als Alternative zu diversen Monosynthesizern ins Auge gefasst werden.

Plus

  • kompromissloser, über jeden Zweifel erhabener Analogsound
  • frei von Störgeräuschen dank sehr guten Netzteils
  • äußerst hochwertige Verarbeitung
  • aufgrund diskreter Bauweise in Durchsteckmontage leicht zu reparieren
  • kostenlose Reparatur bei elektronischen Defekten

Minus

  • Utility-Module bei Standardkonfiguration nicht im Lieferumfang

Preis

  • 1420,- Euro, direkt beim Hersteller zu beziehen

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    g.scherer AHU

    Das genannte COTK Model 15 kostet dann aber mit 3000 EUR auch gleich mehr als das Doppelte, wie es in Punkto Klang und Verarbeitung abschneidet kann ich mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen.
    Als dritten Oszillator habe ich teilweise einen weiteren Synth verwendet (nicht für die Klangbeispiele!) aber wenig Bedarf dafür gehabt, und ein LFO lässt sich problemlos mittels der externen CV-Steuerung bekommen, Rauschen kann auch die Soundkarte…
    Wirklich notwendig sind die Utility-Module, da ist zu überlegen, ob man die zweite Hüllkurve opfert, oder Mixer/Multiples/Abschwächer daneben stellt. Wenn es eher um sehr gute Standardsounds für die Produktion und weniger um abgefahrene Experimente geht kommt man mit wenig gut aus. Ich sehe das System wie beschrieben gerade auch als Alternative zu den neueren kleinen Monosynthesizern.

    • Profilbild
      tompisa

      …nur, das der Erwerb eines CotK 15 oder anderer Sachen des -ebenfalls- 1 Mann -Subernerd- Betriebs an Nervigkeit und kommunikativen Unvermögen kaum zu übertreffen ist.

      Kommentar gekürzt, siehe Anmerkung unten.

    • Profilbild
      Ottos Mops

      Halli hallo,
      ich würde auch gerne wissen ob die module gut gebaut sind, will n icht am strom kleben bleiben. oder alles geht bald kaputt.
      gruss otto

      • Profilbild
        studiodragon

        Also, die Module sind wirklich in Ordnung.
        Die Qualität ist da, keine rede, es gibt wirklich nicht sehr vieles zu meckern.
        Dazu klingen sie auch gut, fett und lebendig. Wer auf der suche nachdem Moog Sound ist, hat da auch eine sehr gute Adresse gefunden.
        Merci, für den Berricht !

  2. Profilbild
    rawartistic

    Guten Tag tompisa,

    ich persönlich finde Ihren Kommentar über COTK vom 09.06.2012 – 09:31 Uhr in einem Testbericht eines anderen Herstellers nicht schön. Ich selbst weiss wie lange es dauern kann bis die lang ersehnten Module eintreffen, umso grösser ist die Freude. Kazike gebührt grosser Respekt denn in der heutigen Zeit modulare Mammuts in Handarbeit zu bauen dauert eben seine Zeit & COTK Module & Systeme sind mit grösster Liebe zum Modular gebaut. Das weiss ich & erfreue mich daran jeden Tag. Mit freundliche Grüssen, Phil Kullmann.

  3. Profilbild

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