Test: COTK Modularsynthesizer – Sequencer, HPF, Delay…

28. November 2009

Die Reise nach Lissabon

Die Reise nach Lissabon

Zu Beginn dieses Tests möchte ich mich thematisch Gerd Peun aka Kazike widmen, indem ich ein wenig über meinen kurzen Aufenthalt in Lissabon berichte, in dessen Verlauf ich natürlich meine persönliche Neugierde, soweit das möglich war, gestillt habe.

Es ging allerdings weniger bzw. nicht nur um meinen Synthesizer, mit dem ich schließlich zu Hause arbeiten kann, wann ich möchte, es war eher die Möglichkeit, den Menschen Kazike, seine Denk- und Arbeitsweise, sein Umfeld und seine Geschichte ein bisschen besser kennen zu lernen, die ihn letztendlich nach Lissabon geführt hat.

Kazike mit dem Gitarristen der Einstürzenden Neubauten, Jochen Arbeit, bei einem seiner Konzerte

Diesen Weg beschritt er nach langen Jahren im Film- und Fernsehbereich. Nachdem ihn seine Aufträge mit seiner Kamera oft in entlegene Ecken dieses Planeten verschlagen hatten, reifte aus unterschiedlichen Gründen der Entschluss, einen Strich zu ziehen und ein ruhigeres und entspannteres Leben zu führen. Um trotzdem ein wenig beschäftigt zu sein, kehrte er zu einem Punkt zurück, den er Jahre zuvor aufgrund seines Berufs liegen gelassen hatte, dem Synthesizerbau. Aus einer rein zum Selbstzweck dienenden Tätigkeit wurde ein neues geschäftliches Betätigungsfeld, denn kaum hatten die ersten Leute seine Maschine gesehen und gehört, kamen schon die sehr ernst gemeinten Bitten und Aufträge, so etwas auch für andere zu bauen. Um es kurz zu machen: Solche Aufträge gibt es in nicht zu knapper Quantität immer noch und sie werden auch heute noch erfüllt!

Den Ruf nach gängigen Vertriebsstrukturen verweigert Kazike aber nach wie vor, er möchte aus Gründen der Qualitätssicherung und der Überschaubarkeit seiner Tätigkeit, aber auch im Hinblick auf die Bepreisung seiner Produkte seine Manufaktur betreiben und weiterhin den Vertrieb exklusiv aus Lissabon führen. Ich habe ihm mal ein wenig über die Schulter schauen dürfen, als er letzte Hand an eines meiner neuen Module legte. Man merkte an der Art der Arbeit und der dabei geführten Gespräche, wie viel Herzblut neben der Technik in die Produkte eingeht und mit welchem Engagement neue Module entwickelt werden, die auch ab und an mal in der Tonne landen, wenn sie nicht dem entsprechen, was Kazike sich vorstellt.

Kazike bei der Herstellung eines C1630 Bode Frequency Shifters

An dieser Stelle bricht dann der Musiker durch, der seine neuen Funktionen/Prototypen bei Konzerten verwendet, um deren Tauglichkeit eingehend zu prüfen. Dass dabei oft neue Ideen aufkommen, versteht sich von selbst. Der Ensemble Generator ist im Rahmen dieser Abarbeitung erst im dritten Versuch zu dem geworden, was er heute als Produkt darstellt. Nun, es liegen noch wirklich gute Ideen in und auf Kazikes Werkbank, die jetzt sukzessive verwirklicht werden sollen, natürlich neben der Bearbeitung seiner Aufträge. Deswegen ist auch Geduld gefragt, wenn eine Bestellung an Club Of The Knobs gerichtet wird, denn letztendlich läuft jede Fertigung über eben diese Werkbank. Für Teilprodukte wie Frontplatten oder Platinen hat Kazike schon Hilfe, deren Abnahme, bevor sie verbaut werden, doch einem strengen Auge unterworfen wird. Ich durfte das bei der Lieferung von 5 Analog Delay-Platinen miterleben. Der Bau der Maschine für Kunden ist allerdings nicht das einzige, was Kazike betreibt. Die Verwirklichung neuer Ideen, aber auch Auftritte mit einem eigenen Modularsystem und diverse andere künstlerische Tätigkeiten gehören zu seinem Alltag.

Kazike in seiner Wirkungsstätte

Die Ungeduld der Kundschaft ist Kazike bei Bestellungen schon bewusst, aber ich für meinen Teil kann gerade nach dieser Begegnung sagen, dass ich durchaus mal länger warte, wenn ich weiß, welche Prozesse dort wirklich ablaufen und dass dieser Mann alles andere als eine Maschine ist, dafür aber genau weiß, was er will. Und genau dieser Charakterzug kommt dem Endanwender bei Verwendung der vom Menschen Kazike gebauten Maschine zugute.

Kommen wir nun zu meiner Neuanschaffung:

The Two Towers

Geschafft, das zweite Portable Case ist da, und dieses Mal habe ich den Kasten selbst aus Lissabon abgeholt. Wenden wir uns der Technik oder besser den neuen zu beurteilenden Funktionseinheiten dieses Musikinstrumentes zu.

C904 Filterset

Hier handelt es sich um die grundsätzliche Nachbildung des originalen Moog Filtersets 904. Das Low Pass Filter C904A und das High Pass Filter C904B sind intern mit dem Filter Coupler C904C verbunden, um so entweder als Band Pass Filter oder Band Reject Filter gemeinsam eingesetzt werden zu können. Die Stellung Off am C904C bewirkt, dass die Filter Low Pass und High Pass getrennt verwendet und gesteuert werden können. Die Module selbst bieten ein eher spartanisches Angebot an Schaltern, Reglern und Buchsen, was aber glücklicherweise im Gegensatz zur Wirkung steht.

C904A Voltage Controlled Low Pass Filter

Das Low Pass Filter (beim Kauf wählbar zwischen der historisch identischen 24 dB-Ausgabe und der erweiterten 48 dB-Ausgabe, ich entschied mich für die 48 dB-Ausgabe und somit für die einzige Abweichung vom Original) verfügt über Regler und Schalter für die Filtereckfrequenz, die Resonanz und den Frequenzbereich, zusätzlich werden Buchsen für den Audioeingang, den Audioausgang und in dreifacher Form zur Modulation der Filtereckfrequenz angeboten, deren Stärke der Ein- bzw. Ausgangssignale nicht regelbar sind.

-- Das Tiefpassfilter --

— Das Tiefpassfilter —

Im Vergleich zu dem im ersten Teil vorgestellten C905A wirkt das C904 im Low Pass-Bereich auch in der 48 db-Version seidiger und sanfter, kann aber trotzdem sehr gut zupacken, wenn es z.B. darum geht, extrem kurze Perkussionsklänge zu erzielen oder harte Sequencer-Läufe zu gestalten. Der typische Moog-Charakter ist hiermit im System angekommen, die 48 dB-Option bereichert diesen um weitere Nuancen vornehmlich im Bass-Bereich, so dass es im Vergleich zum Filter des Minimoog etwas voluminöser und runder klingt. Die klanglichen Ergebnisse der beiden Low Pass Filter 904A und 905A liegen trotz der in beiden vorhandenen Kaskadenschaltung bei einer gewissen Schnittmenge weit auseinander. Es macht Sinn, beide im System zu haben.  

C904B Voltage Controlled High Pass Filter

Die Ausstattung mit Verbindungsbuchsen schaut genau wie am C904A aus, zusätzlich gibt es noch einen Frequenzbereichsschalter mit den Bereichen Low und High und einen Frequenzregler. Eine Regelung der Resonanz ist an diesem Filter nicht vorgesehen.

-- Das Hochpassfilter --

— Das Hochpassfilter —

C904C Filter Coupler

Am Filter Coupler lässt sich die Bandweite beim Signaleingang einpegeln, die ebenso wie die am Signalausgang einstellbare Mittelfrequenz durch am Modul selbst nicht regelbare Steuerspannungseingänge beeinflusst werden kann.

-- Filter Coupler --

— Filter Coupler —

Die Möglichkeiten dieses Filtersets sind enorm. Sie gehen selbstverständlich nicht nur weit über die Möglichkeiten des normalen Minimoog Low Pass Filters oder eben des einzelnen C904A Low Pass Filters hinaus, auch die Qualität der Frequenzeingriffe kann zu wahren Freudentränen führen. Natürlich lassen sich das Low und das High Pass Filter wie auch der Filter Coupler (obwohl das wenig Sinn macht) als Einzelmodule erwerben und betreiben, jedoch ist das gesamte Filterset schon ein Traumgebilde für den Klangästheten. Dringend anzuraten oder besser gleich mit zu budgetieren ist zur detaillierten Modulationsbearbeitung der Erwerb und die Verwendung von mindestens einem C995 Attenuator-Modul, das im ersten Teil des COTK-Reviews vorgestellt wurde.

-- Das C904 Filterset mit Filter Coupler in der Mitte --

— Das C904 Filterset mit Filter Coupler in der Mitte —

C923 Noise Source/Filter

Dieses Modul verfügt trotz der räumlichen Knappheit über drei funktionale Einheiten: Ein Rauschgenerator, ein nicht spannungssteuerbares und nicht resonanzfähiges 6 dB Low Pass Filter und ein ebenfalls nicht spannungssteuerbares 6 dB High Pass Filter stehen als Klangquelle bzw. als Klangmodulatoren zur Verfügung.

-- Das Rauschgenerator-/Filter-Modul --

— Das Rauschgenerator-/Filter-Modul —

Der Rauschgenerator bietet zwei jeweils parallele Ausgänge für White und Pink Noise an, die in diversen Anwendungen, z.B. im perkussiven Bereich als Bestandteil einer Bass Drum oder als elektronisches Becken benötigt werden. Aber auch als Modulationsquelle kann das Rauschen benutzt werden, wobei sich die im Modul befindlichen Filter ideal zur etwaigen Eliminierung von bestimmten Frequenzbereichen eignen. Aus meiner bisherigen Erfahrung neige ich schon jetzt dazu, diesem Modul einen hohen Benutzungsgrad vorauszusagen.

C911A Dual Trigger Delay

-- Dual Trigger Delay --

— Dual Trigger Delay —

Ein am Input anliegendes Trigger-Signal wird am Ausgang als Gate-Steuerspannung wieder ausgegeben. Beeinflusst werden kann sowohl die Verzögerung der Ausgabe in einem Bereich von 2 msec – 10 sec wie auch die Länge des Gate-Signals. Diese Funktion ist bei diesem Modul zweimal vorhanden.
Im Gegensatz zum originalen Moog Trigger Delay wird das eingehende Signal analog gespeichert und zum gewünschten Zeitpunkt ausgegeben, auch wenn kein Eingangssignal mehr anliegt. Der Anwender gewinnt die Möglichkeit, z.B. die ADSR-Hüllkurve des C911, erweitert um den Faktor Delay des Starts, in eine Pseudo-DADSR-Hüllkurve zu verwandeln. Eine andere Einsatzmöglichkeit ist die Verzögerung des LFO-Resets beim C946. Auch das Arbeiten mit dem Sequencer gewinnt neue Aspekte, wenn man in Echtzeit die Gate-Längen verändert, bevor das Signal des C960 den C911-Hüllkurvengenerator erreicht. Somit hat dieses Modul als erstes der heute besprochenen außer der Verzögerung des Trigger-Signals nichts mit dem originären Moog Modul zu tun.

C960 Sequential Controller

Das bisher räumlich mächtigste Modul im Angebot von Club Of The Knobs ist der C960 Sequential Controller, ein Werkzeug, das dem originalen Moog 960 Sequential Controller funktional fast komplett entspricht. Da sich viele mit der Bedienung dieses Sequencers vielleicht nicht so gut auskennen, auch wenn es diesen seit über 40 Jahren gibt (was vermutlich viele Leser/-innen nicht von sich behaupten können), will ich mich gern mit den Einzelheiten befassen, um die Merkmale dieses Moduls darzustellen.

-- Sequential Controller --

— Sequential Controller —

Die linke Seite ist ganz den Funktionen Starten und Stoppen und dem Tempo gewidmet. Der Frequenzbereich kann angewählt werden, innerhalb dessen das Tempo über Frequency Vernier genau festgelegt werden kann. Die Frequenz kann zur Synchronisation anderer Module ausgegeben werden, so wie der C960 selbst von außen ein Temposignal erhalten kann. Starten und Stoppen lässt sich der Sequencer manuell wie auch über ein externes Triggersignal an der jeweiligen Buchse.
Der Bereich der 8 Steps pro Reihe, von oben gesehen, beginnt mit einer Lauflichtreihe, die darunter liegenden drei Reihen geben Steuerspannungen aus, die zu vielerlei Zwecken genutzt werden können.
Eine besondere Rolle wird dabei der Reihe 3 zuteil, sie kann intern, wählbar durch einen Schalter, auch zur Steuerung der Schrittlänge für alle Reihen gleichzeitig eingesetzt werden.
Neben den Poti-Reihen befinden sich jeweils zwei Buchsen, an denen die Ausgangsspannung der jeweiligen Reihe abgenommen werden kann. Diese Ausgangsspannung ist zudem noch in drei Frequenzbereichen x1 (2 Oktaven), x2 (4 Oktaven) oder x4 (8 Oktaven) einstellbar. Mittels eines schrittbezogen Wahlschalters kann ein Schritt ausgeführt (Normal) oder übersprungen werden (Skip), auch ist das Stoppen des Sequencers an einem bestimmten Step ist natürlich einstellbar (Stop). Nicht sichtbar dargestellt ist die vierte Option Reset, die sich mit der äußerst linken Position anwählen lässt.
Mit einem darunter liegenden Drucktaster kann jeder Step manuell ausgelöst werden, wie er auch über ein dem Step zugeführtes Trigger-Signal zur Ausgabe eines Signals, unabhängig von der internen Position, zur Ausgabe eines CV-und Triggersignals gebracht werden kann.
Das letzte Output-Gebilde besteht aus einem Wahlschalter, der in Stellung Skip dafür sorgt, dass der Sequencer bis zum nächsten Stromausfall läuft, während er bei Stop genau einmal die Reihe abarbeitet und dann auf den nächsten Startbefehl wartet.

C961S Gate Sequencer

--Single Gate Sequencer --

–Single Gate Sequencer —

Den Gate Sequencer gibt es in einer Single- und in einer Dual-Ausführung und erweitert die Möglichkeiten des C960 Sequential Controllers um sehr brauchbare Funktionen.  Mit Hilfe einer solchen Einheit können Sie nun bei jedem zu durchlaufenden Step bestimmen, ob ein Gate-Signal ausgegeben wird oder nicht. Die Gate-Signale können schrittweise herausgeführt oder am Bus-Out-Ausgang abgenommen werden Eine zweite Funktion gibt dem Anwender die Möglichkeit, die Laufrichtung des C960 zu beeinflussen. Als Betriebswahlarten stehen vorwärts, rückwärts, pendeln und der Meister Zufall zur Verfügung.

C1670 Ensemble Generator

Eine der neueren Entwicklungen von COTK in Sachen Klangbearbeitung (und absolut nichts von schlechten Eltern, das kann ich schon vorwegnehmen) stellt der Ensemble Generator dar. Dieses Modul ist sowohl bei der internen Verkabelung als auch zur Modulation externer Klangereignisse verwendbar, und ich wende mich einmal grob den technischen Einzelheiten zu.

-- Der Ensemble Generator --

— Der Ensemble Generator —

Sie können bis zu 2 Audiosignale gleichzeitig einführen, die Eingangslautstärkeregelung wird für beide Eingänge gemeinsam durchgeführt. Es handelt sich nicht um einen Stereoeingang, die Signale werden intern zu einem Monosignal zusammengeführt. Das bedeutet aber auch, dass Sie sich unterschiedlicher Klangquellen bedienen können, aber das Lautstärkeverhältnis zueinander extern regeln müssen. An Ausgängen stehen parallele Mixed Outputs sowie die Signale aus den Single Outputs, bezeichnet als Line A, Line B und Line C sowie das komplette Eingangssignal zur Verfügung. Was passiert nun zwischen den Ein- und den Ausgängen?

Eine zuschaltbare Klangregelung mit drei Frequenzbereichen kann dazu dienen, bestimmte Frequenzanteile bereits am Audioeingang hervorzuheben oder abzusenken. Zwei Sourcen A und B, wählbar über einen Schalter, stehen zur Auswahl der implementierten Ensemble-Effekte zur Verfügung. Source A stellt zwei Modulations-Oszillatoren zur Verfügung, die in der Stellung Fixed bei ca. 1 und 5 Hz laufen. Die beiden Oszillatoren sind intern so verschaltet, dass sie sich gegenseitig modulieren, das heißt, ein Gemisch der beiden ergibt das Gesamtmodulationssignal. Dieses Signal wird dann durch einen Phasenschieber geschickt und im Verhältnis zum Original um 120 Grad verschoben. Eine nachfolgende Inverterschaltung generiert den dritten Kanal, der wiederum 120 Grad verschoben ist. So ergibt sich, der Magie der Vektoren sei Dank, eine 360 Grad Modulation. Die Parameter Chorus und Vibrato dienen in der Stellung Variable bei Source A als Geschwindigkeitsregler. Source B beeinflusst das Eingangssignal mittels Niederfrequenzoszillatoren in zwei unterschiedlichen, aber im Verhältnis 1: 1,5: 2,5 unveränderbaren Geschwindigkeiten. Mittels drei weiteren Reglern lassen sich die Delayzeiten manuell beeinflussen, um den Effekt möglichst wirkungsvoll auf das Eingangsmaterial einzustellen. Stellen Sie sich jetzt keinen brutalen Eingriff vor, sondern denken Sie eher an eine subtile, aber schon merkliche Klangveränderung.

Dieses Modul erschließt sich dem Anwender durch Arbeit und will erforscht sein, kann aber bei erfahrener Bedienung dafür sorgen, dass gutes, aber eher statisches Klangmaterial wesentlich lebendiger im Arrangement erscheint.

C1680 Voltage Controlled Analog Delay

Eine weitere Eigenentwicklung ist das spannungssteuerbare Analog Delay, das in seiner Bauart mit dem dicken Regler an frühere Moog-Module wie z.B. den Bode Frequency Shifter erinnert, zu dem ich (hoffentlich) in einem weiteren Artikel auch noch komme. Funktional allerdings haben diese Module natürlich gar nichts gemeinsam.

-- Das analoge Delay --

— Das analoge Delay —

Über einen mit einem Lautstärkeregler versehenen Eingang wird ein Audiosignal in das Modul geleitet, wobei eine Warnlampe zur Feststellung eines zu lauten Signals beim Einpegeln behilflich ist. Als Ausgänge stehen sowohl ein reiner Delay-Ausgang wie auch ein Mix-Ausgang zur Verfügung. Mittels eines Mixture-Reglers kann das Verhältnis zwischen Original und Delay eingestellt werden. Das Delay kann in drei Bereichen konfiguriert werden (Short 30 ms – 80 ms, Mid 70 ms – 250 ms, Long 200 ms – 1100 ms), der genaue Wert wird dann mittels des dicken Reglers, der wahrlich gut in den Fingern liegt, festgelegt. Das Feedback lässt sich von 1 bis unendlich anfordern, jeweils eine Send- und eine Return-Buchse sorgen dafür, dass weitere Module in die Bearbeitung des Delay-Signals eingebunden werden können. Als Beispiel fällt mir die Nutzung eben eines Frequency Shifters oder eines Phase Shifters ein, aber auch die nachträgliche Tiefpass-Filterung des Delays zur Erzeugung typischer Dub-Echos. Ein Kippschalter sorgt dafür, dass man den Mix-Ausgang auf Bypass stellen kann, so dass nur das trockene Signal zu hören ist.
Das Ergebnis erinnert stark an die Ausgabe alter Bandechos, die Veränderung der Echo-Geschwindigkeit sowohl manuell als auch über eine Steuerspannung hat eine stufenlose und selbstverständlich knacksfreie Tonhöhenveränderung mit gleichzeitiger Anpassung der Delay-Intervalle zur Folge.
So macht das Modulieren von Echos Spaß und lässt sich auch gezielt nach Bedarf einsetzen. Das haargenaue Einstellen eines Intervalls ist zwar nicht ganz so einfach wie im Falle moderner Digital Delays, aber mir zumindest hat es zu keinem Zeitpunkt Mühe gemacht, das C1680 unter musikalischen und rhythmischen Bedingungen einzusetzen. Als Modul in einem solchen System ist es auf jeden Fall immer gut zu verwenden, aber auch als Delay z.B. für einen guten alten Minimoog ist es ebenfalls sehr effektiv einsetzbar.

CP4 Dual Quantizer/Sequential Switch

Ein weiteres Modul in halber Höhe und mit einer Doppelfunktion bildet den heutigen Abschluss in Sachen Technik. Der linke Teil wird durch den Dual Quantizer (auch einzeln als C958 Dual Quantizer erhältlich) abgedeckt.

-- Dual Quantizer und Sequential Switch --

— Dual Quantizer und Sequential Switch —

Im ganz einfachen Fall gibt der Quantizer (beide haben grundsätzlich die gleiche Funktion) eine über Signal In zugeführte Steuerspannung an den beiden Quantizer-Out-Buchsen in Halbtonschritten aus. Triggersignale über Trig In können dafür sorgen, dass der Quantizer nur dann arbeitet, wenn er ein solches erhält und gleichzeitig eine geänderte Steuerspannung empfängt, zugleich wird dann an den Gate-Out-Buchsen eine entsprechende Steuerspannung erzeugt. Beide Quantizer können über einen gemeinsamen Eingang transponiert werden, eine unabhängige Transponierung ist am CP4 direkt nicht möglich.
Man kann beiden Quantisierungseinheiten, wählbar über drei Schalter, weitere Optionen zuordnen. Zum einen können Sie zwischen allen Halbtonschritten oder denen der entsprechenden Dur- oder Moll-Tonarten wählen. Darüber hinaus lassen sich die zu erzeugenden Steuerspannungen auf alle zugelassenen Töne gemäß der Stellung des oberen Schalters, auf die Bestandteile eines Akkords oder dem Grundton und der Quinte einstellen. Mit dem letzten Schalter können Sie noch eine zusätzliche Sexte oder kleine Septime zur vorherigen Auswahl dazuschalten. Mittels eines Wahlschalters lässt sich einstellen, ob die gewählten Einstellungen für beide Quantizer dienen oder ob der untere unabhängig immer in Halbtonschritten arbeitet.

Kommen wir zum rechten Teil des CP4, dem Sequential Switch (auch einzeln als C962 Sequential Switch erwerbbar). Die bekannteste Anwendung ist die Verknüpfung von unterschiedlichen Sequencer-Reihen. Führen wir z.B. die Steuerspannungen der ersten und zweiten Reihe des C960 in Signal In 1 und 2 ein. Ein Trigger, z.B. der des letzten Schritts des Sequencers, sorgt durch Einspeisung in die Shift-Buchse dafür, dass auf die beiden parallelen Ausgänge das Signal der angewählten Reihe gelegt wird. So lassen sich bis zu 24 Schritte bei Verwendung eines C960 erzeugen. Ist Signal In 3 nicht belegt, wechselt der Sequential Switch immer nur zwischen dem ersten und dem zweiten Ausgang.
Sie können auch bei bestimmten Steps des C960 die Trigger abnehmen und in die drei Trigger In-Buchsen des Sequential Switch einführen, um den entsprechenden Ausgang zur Ausgabe der Steuerspannung auszuwählen. An den Trigger Out-Buchsen ist über den Zeitraum der Zuweisung eine Gate-Spannung abnehmbar.
Neben Steuerspannungen ist es auch möglich, Audiosignale in das Sequential Switch-Modul zu leiten und gezielt auszugeben. Zudem ist natürlich auch eine manuelle Umschaltung möglich.
Alles in allem ist das CP4-Modul eine sehr hilfreiche Angelegenheit, die gerade im Live-Betrieb einen Sequencer musikalisch und strukturell wesentlich bedienbarer macht.

Upper Cabinet

Da ich zwischenzeitlich das Filterset und die Module C923/C911A bekam, musste ich natürlich auch dafür sorgen, die neuen Module verwenden zu können, ohne dafür auf andere zu verzichten. Eine praktische Lösung (auch für den schmalen Geldbeutel bei Vorhandensein eines Portable Cases) ist hierbei die Benutzung eines Upper Cabinets, in das eine Reihe an Modulen in voller Höhe und 8 Breiteneinheiten eingesetzt und an der integrierten COTK-üblichen Busleiste angeschlossen werden kann. Mit Hilfe eines Spezialkabels wird die Stromversorgung über ein vorhandenes großes Portable Case gewährleistet, so dass es immer nur als Zusatz zum einem P-System, nicht aber als eigenständiges Case verwendbar ist. Das Upper Cabinet selbst ist ebenso hochwertig und verschließbar wie das große Portable Case.

Bei den Audiobeispielen wurde die tastaturtechnische Steuerung wieder mittels der analogen Ausgänge der Analogue Systems Tastatur „The Demon“ zum Spielen des Synthesizers und auch zur Transponierung des Sequencers eingesetzt. Externe Effekte und Dynamikprozessoren wurden nicht verwendet. Die Aufzeichnungen wurde mittels Cubase 5.1 und einer Hammerfall RME HDSP 9632 durchgeführt.

Fazit

Das System ist dank des Filtersets endgültig und unwiderruflich in der Moog-Welt angekommen, zumindest kann ich das für die mir zur Verfügung stehende Konfiguration behaupten. Der Vergleich des C904A-Filters und des Minimoog-Filters (natürlich charakterlich, nicht baubezogen) ergibt trotz der gewählten -48 dB-Option beim COTK-Filter eine unglaubliche Identifikation mit dem urwüchsigen Klang des originalen Minimoog-Filters. Ich möchte sogar soweit gehen, dass durch die zusätzliche Kaskadierung die Wucht im Bass-Bereich noch gewachsen ist. Bei Gelegenheit werde ich die -24 dB Option untersuchen, um auch dazu etwas sagen zu können. Die weiteren Komponenten wie Noise und Trigger Delay erweitern das System funktional in bewährter Qualität. Der Sequencer allein und in Kombination mit Gate Sequencer, Sequential Switch und Dual Quantizer gibt dem Anwender eine unglaublich flexible Steuereinheit an die Hand, die förmlich zum Spielen und Formen von Tonfolgen und Klangverläufen einlädt.
Wie schon im ersten Teil mit dem C905A-Filter wurden wir auch im heutigen Artikel mit Neuentwicklungen im Sinne des Ursprungssystems konfrontiert. Das C1680 Analog Delay Modul und das C1670 Ensemble Generator Modul sind Bausteine im Zuge des ursprünglichen Gedankens bzw. der Philosophie, die hinter diesem Klangbaukasten steht. Beide stellen dem Anwender Ausdrucksarten  zur Verfügung, wie man sie in Moog Systemen bisher vergeblich suchte. Sie passen aber mit ihren Möglichkeiten und ihrer Qualität bestens zu den bisher entwickelten und mir bekannten Funktionseinheiten, und wenn man sie erst einmal in Gebrauch hat, möchte man sie nicht mehr missen.

Alle im ersten Teil genannten Merkmale in Bezug auf Qualität und Haptik treffen auch auf die neuen Funktionseinheiten zu, daran gibt es wirklich nichts auszusetzen.

Plus

  • enorme klangliche Facetten des 904er Filtersets
  • Effektivität des Ensemble Generators
  • Flexibilität des Sequencer-Komplexes
  • Fertigungsqualität

Minus

  • fehlende Eingangsregelmöglichkeiten am 904er-Filterset, Zusatzmodul notwendig (z.B. C995 Attenuators), was aber an der Orientierung am Original liegt und damit kein Design-Problem einer Neuentwicklung ist

Preis

  • C960 Sequential Controller: 970 EUR
  • C961S Gate Sequencer: 210 EUR
  • C1670 Ensemble Generator: 390 EUR
  • C1680 Analog Delay: 325 EUR
  • CP4 Dual Quantizer/Sequential Switch: 395 EUR
  • C904A Low Pass Filter 48 dB: 230 EUR
  • C904B High Pass Filter: 205 EUR
  • C904C Filter Coupler: 185 EUR
  • Upper Cabinet: 210 EUR
  • * alle Preise gemäß COTK-Preisliste vom Juni 2009
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    happy

    Sehr schöner stimmiger Bericht, der genau meinen Erfahrungen mit CotK entspricht.
    Die Module sind exzellent verarbeitet und funktionell über jeden Zweifel erhaben. Der Kontakt mit dem (den) Menschen hinter CotK ist stets sehr angenehm und persönlich. Sehr positiv ist für mich, dass es sich hier mal um einen kleinen Hersteller handelt, der sehr zuverlässig erscheint. Da habe nicht nur ich schon anderes erlebt.

  2. Profilbild
    droner

    Erst mal Danke an Axel.Super Bericht.(wie immer)
    Noch so ein Test und ich verkaufe Haus und Hof um an ein fettes COTK zu kommen.Die brachiale Kraft die aus so einem Monster kommt konnte ich ja in Frankfurt bewundern.Ich hoffe das 2010 wiederholen zu können.Wenn ja dann sehen wir uns auf der Messe !! ;)

  3. Profilbild
    rolle

    Frage an Axel:
    Als Nichtprofi habe ich nur die Wahl: kleineres COTK-System oder Cwejman S1 MK2 mit ein paar Mooogerfoogermodulen. Was würdest du bevorzugen (du hast beide): was würdest du, wenns um den sprichwörtlichen Spieltrieb geht und nicht Perfektion oder Liveperformance bevorzugen? (Hab ne Oasys Workstation und e-Gitarre und habe bisher für mich privat softwaremäßig: NI-Komplete, Machine, Oasys+Software für mich Sound im Keller gemacht, will aber noch was analog-modulare zusätzlich. Danke für eine Antwort.

    • Profilbild
      a.jungkunst  AHU

      Hallo rolle, ich bin auch Nichtprofi (s.Profil) und muss Dich in einem Punkt korrigieren: Ich habe keinen Cwejman S1 Mk II, diesen habe ich nur kurze Zeit für den Amazona-Test zur Verfügung gestellt bekommen, ich hätte aber einen, wenn er mich total neudeutsch angefixt hätte. Wenn es Dir wirklich um Spieltrieb und Klangforschung geht, rate ich Dir ohne zu zögern zu besagtem Club Of The Knobs-System. Das soll den Cwejman nicht in die Ecke stellen, auf keinen Fall, es ist ein hervorragender Synthesizer, aber mir ist nach dem Erwerb des 1P (s.Test Teil 1) klar geworden, dass ich meine bevorzugte Klangästhetik in genau diesem System vorfinde, sowohl das Erstellen wie auch das Verfremden von Klängen betreffend. Es ist auch nach persönlichen Vorlieben erweiterbar, wobei ich im ersten Schritt zu einem Komplett-Synthesizer mit der Vorgabe Moog 15 rate, ein idealer Ausgangspunkt. Aber vielleicht willst Du ja ganz andere Sachen machen, die mehr in Richtung Bearbeitung gehen, das weiß ich natürlich nicht. Trotzdem muss ich bei der Beantwortung Deiner Frage nicht nachdenken: COTK, egal, was Du für Module wählst!
      Viele Grüße und ich hoffe, ein wenig zur Entscheidung oder zum Gedankenchaos :-) beigetragen zu haben
      Axel

      • Profilbild
        rolle

        Hallo Axel,
        danke für die schnelle und sehr persönliche Antwort (ich spüre das „Herzblut“).
        Ich glaube, ich habe auch Blut geleckt (mit COTK).
        Ich hoffe es kommen noch mehr Berichte von Dir. Vielleicht kann ich ja auch bald was beitragen.rolle

        • Profilbild
          a.jungkunst  AHU

          Hallo rolle, ja, ich freue mich über jeden Kommentar, egal in welche Richtung er driftet. Noch eine persönliche Anmerkung zum Thema Moogerfooger: Auch hier sind feine Gerätschaften entwickelt worden, aber nachdem ich von Kazike das C904A erhalten hatte, verschwand mein MF-101 sehr schnell in den Tiefen des Gebrauchtmarkts. Ich war derbe überrascht, welche Welt zwischen diesen beiden Tiefpassfiltern liegt. Viel Spaß beim Konfigurieren und wenn Fragen auftreten, will ich gern versuchen sie zu beantworten. Zur Not haben wir immer noch den netten Kazike.
          Viele Grüße und viel Spaß mit Daisy, da kann man nur über COTK nachdenken :-)
          Axel

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