Interview: Gert Jalass von Moon Modular

9. September 2017

Mondsüchtig in Berlin

Gert Jalass – Mastermind von MoonModular in Berlin © Wanja Janowski, Berlin

Vorwort der Redaktion:

Durch den enormen Siegeszug des Eurorack-Standards gerät der einstige Modular-Standard im typischen Moog-Format 5 HE ein wenig in Vergessenheit. Wer aber einmal ein 5 HE-System sein Eigen nennen konnte oder immer noch kann, dem erscheinen Eurorack-Module geradezu als winzig klein. Haptik, große Klinkenbuchsen und eine erstaunliche optische Präsenz sind die markanten Merkmal der 5 HE-Systeme. Leider findet man weltweit aber nur noch eine handvoll Anbieter, die sich ernsthaft mit diesem Format auseinandersetzen und eine umfangreiche Produktvielfalt im Sortiment haben. Hier auf AMAZONA.de finden sich bereits zahlreiche Reportagen zu CLUB OF THE KNOBS, zu SYNTH-WERK und auch MARIENBERG, obwohl nicht ganz formatgetreu, haben wir schon ausführlich besprochen. Den Auftakt zu einer Feature-Serie über die Berliner Schmiede MOONMODULR, macht nun ein Interview mit dem Gründer Gert Jalass, welches Bernd Kistenmachen für uns führte.

Wir wünschen einen wunderbaren Vintage-Samstag
Ihr Peter Grandl

Die Anonymität der Großstadt bringt einen manchmal dazu nicht zu erkennen, was für Nachbarn man hat und welcher tollen Beschäftigung sie nachgehen. So hatte es tatsächlich eine ganze Weile gedauert, bis ich realisiert hatte, dass eine von Deutschlands interessantesten Hardware-Schmieden quasi bei mir um die Ecke liegt. Wie auch immer. Der Fehler wurde korrigiert und mittlerweile treffen sich Gert Jalass und ich durchaus regelmäßig zu einem Gedankenaustausch. Und so ist es nun an der Zeit, die Leser von AMAZONA daran teilhaben zu lassen.

Bernd Kistenmacher:
Hallo Gert, ich fasse mal kurz dein bisheriges Leben wie folgt zusammen: Gert Jalass. Gebürtiger Berliner. Alt 68er. Aussteiger. Berliner Schule und Moog Fan von der ersten Stunde an. Dann schnell löten gelernt. Mit einer Jobanfrage bei Moog gescheitert. Aus Frust MoonModular auf die Beine gestellt. Das stimmt doch so, ODER?

Gert Jalass:
Tach Bernd, für einen „Alt 68er“ reicht es nicht ganz und ich bin gebürtiger Hamburger, im Großraum Kiel aufgewachsen und habe auch dort Physik und Informatik studiert..
Neben einem recht wechselvollen Berufsleben an verschiedenen Orten in Deutschland und der Schweiz hat mich die elektronische Musik und die damit einhergehende Technologie immer begleitet. Angefangen hat alles mit D.I.Y. auf Basis der Schaltungen des Elektor Formant bzw. des Electronotes von Bernie Hutchins. Natürlich träumte ich von den großen schwarzen Kisten; sprich Modularsystemen, wenn ich mir die Musik von Tangerine Dream und Klaus Schulze anhörte. Zu dieser Zeit bekam ich auch Kontakt zu Gleichgesinnten, d.h. im Rahmen des IME, des „Informationskreises Musikelektronik“, der dann später in den AME e.V., den „Arbeitskreis Musikelektronik“ aufging. Bekannte Kollegen aus jener Zeit sind z.B. Dieter Döpfer und Peter Kaminski.

Mit dem Aufkommen von MIDI gehörte für mich Analog natürlich zum alten Eisen und ich bin voll auf diese neue Schiene gesprungen. Hätte ich damals bloß Geld gehabt und die Zukunft vorausgesehen. Ich habe im Folgenden hauptsächlich Programme auf dem Atari geschrieben. Dadurch entstand dann auch Kontakt zu Florian Schneider. Sein Phonem-Compiler und Sequenzer für den VOTRAX, der auf der ersten Version der MIX Produktion von Kraftwerk zu hören ist, war eine der Arbeiten für ihn. In den späten 90ern stieß ich durch Zufall auf die MOTM Module von Synthesis Technology von Paul Schreiber. Dies erweckte wieder meine Lust zum Arbeiten mit analogen Schaltungen. Anfang der 2000er kam ich dann auch noch in den Besitz eines Moog Model 12 Systems. Es setzte eine rege Auktions- und Restaurationstätigkeit ein, die natürlich zu weiteren Kontakten führte. Zu nennen sind hierbei insbesondere Udo Hanten von der Band YOU. und Ed Buller vom englischen Synthesizerprojekt node. Beide bekanntermaßen Anwender großer Modularsysteme von Moog und PPG.

Udo fragte mich so Ende 2006, ob ich nicht auch richtige, neue Module bauen könnte. Ihm schwebte eine Art „Trigger-Sequenzer“ im Moog Format, Look und Feel vor. Ein Gerät also, mit dem er seine diversen Sequenzer synchronisieren konnte. Es gab dann diverse Prototypen, die in der öffentlichen Vorstellung des „Moon 563“ am 28.4.2008 mündeten. Dieses Datum ist sozusagen der kommerzielle Start von Moon Modular im Rahmen der „Lunar Experience“. Udo und Albin Meskes, der ebenfalls bei YOU mitspielt, hatten vorher schon verschiedene Module bei anderen Herstellern in Auftrag gegeben. Zu nennen seien hier Gerd Peun von Club of the Knobs und Matthias Schmidt von Curetronic. Für mich ging damit sozusagen ein Traum in Erfüllung. 2008 war mir allerdings nicht bewusst, in welche Größenordnungen sich MoonModular einmal entwickeln würde, nämlich zu einer Vollzeitaufgabe mit teils heftigem Arbeitscharakter.

Bernd Kistenmacher:
Du hast zu dieser Zeit in der Schweiz gelebt, hast aber den Wechsel nach Berlin vollzogen.  Hier lebst und arbeitest du. Wie kam es zu dem Umzug und weshalb gerade Berlin?

Gert Jalass:
Meine „richtige“ Arbeit hat mich von Kiel nach München, von München nach Berlin, von Berlin in die West-Schweiz und von dort wieder nach Berlin geführt. Meine erste Zeit in Berlin, das war so Mitte der 90er bis 2000, hat mir sehr gefallen. Das war dann auch der Grund, mich hier dauerhaft niederzulassen. Ich mag die Infrastruktur einer Großstadt. Das Kulturangebot beispielsweise. Und der Berliner lebt trotzdem sehr kiezbezogen, d.h. sozusagen im Dorf in einer Stadt, bestehend aus Dörfern. Und Berlin hat zudem den Vorteil, dass man schnell im Grünen ist. Auch innerhalb der Stadt – das Schöneberger Südgelände als eines der Beispiele – ist bei mir gleich um die Ecke. Und man kann andere Städte, wie z.B. Hamburg, recht leicht erreichen.

Moonmodular Sequenzer 569

Bernd Kistenmacher:
Das war offenkundig eine gute Wahl. Auch wenn man bedenkt, dass hier eine starke Club- und Elektroszene existiert und dass Berlin mit dem erfolgreichen Superbooth mittlerweile den heiligen „Elektro-Gral“ beherbergt. Deine Systeme basieren ja auf dem Moog 5U Standard, während die Protagonisten der Szene zunehmend auf Eurorack-basierten Instrumenten arbeiten. Spürst du da ebenfalls Wechselwirkungen? Gibt es einen inhaltlichen, wie auch technischen Gedankenaustausch? Was beeinflusst dich?

Gert Jalass:
Unsere (Albin, Udo, Gert) Grundannahmen sind von Anfang an, dass
– die Module haptisch und optisch ansprechend sein sollen
– möglichst keine versteckten Funktionen aufweisen („what you see is what you get“)
– die Arbeit beim Komponieren im Studio und auf der Bühne unterstützen
– und dass aufgrund unseres Alters alles ein bisschen größer ausfallen soll/muss (lacht). Insofern haben uns natürlich die Funktionen der Vorbilder von Moog 900 und PPG 300 inspiriert. Aber ein reines Klonen und puristische Funktionalität ist überhaupt nicht unser Fall. Als Beleg führe ich gerne das Moog Modul 995 mit 3 passiven Abschwächern und im Vergleich dazu unser Moon Modul 525 mit 4 aktiven „Attenuvertern“ (Anm. Kombination aus Attenuator und Inverter“) an.

Außerdem kommen wir eher aus der Keyboard-basierten musikalischen Ecke. Dort sehen wir auch den Schwerpunkt. Was natürlich nicht heißt, dass wir „Noise“ nicht mögen und/oder unsere Module dazu nicht in der Lage sind. Ich versuche auch, möglichst viele Anregungen von Musikern zu bekommen. Deren Zugang ist typischerweise anders.
Ich weiß zwar sehr wohl schwarze und weiße Tasten zu unterscheiden und kenne auch den Sinn von Reglern usw., aber ich denke fast immer sofort an die Schaltungen. Und dass das vielleicht so gar nicht umsetzbar ist. Dann hilft eine gewisse Präsenz, Hartnäckigkeit und „Naivität“ eines Musikers ungemein. Technisch ist heute sowieso alles möglich und machbar. Entwicklungs- bzw. Herstellungsaufwand und Sinnhaftigkeit setzen da allerdings natürliche, sprich bezahlbare Grenzen.

Bernd Kistenmacher:
Das bringt mich natürlich auf den Nutzerkreis deiner Systeme. Du hast Udo Hanten von YOU, der ja auch Live-Präsentationen deiner Systeme macht, und Ed Buller vom britischen Synthesizerprojekt node bereits erwähnt. Aber dein bekanntester Kunde dürfte wohl Hans Zimmer und seine Remote Control Productions in Los Angeles sein. Wie ist es zu dieser Zusammenarbeit gekommen und erzähle bitte ein wenig über die Systeme, die du für ihn gebaut hast. In London steht ja wohl auch noch eines?

Ed Buller (node) und sein MoonModular / Moog Hybridsystem © Neil Fellows

Gert Jalass:
Es gibt sicher auch andere bekannte Personen, die Moon Module einsetzen. Allerdings erfolgt der Verkauf meiner Module weitestgehend über Händler. Dann höre ich nur etwas bei Problemen, bzw. wenn mir jemand auf der NAMM überraschend auf die Schultern klopft, wie z.B. Junkie XL aka Tom Holkenborg. Aber auch Martin Gore von Depeche Mode und Mark Shreeve von Redshift zählen zu den Kunden. Auslöser der Arbeiten für Hans war wieder einmal Ed Buller. Ed kannte mich per E-Mail aus meiner Auktions- und Restaurationsphase und war im Herbst 2009 für einen Produktionsjob in Berlin. Er schaute bei mir vorbei und fragte mich, ob ich nicht etwas Größeres für ihn an den Start bringen könnte.

Das war dann u.a. die Geburt unserer Routing-Module (590x – für Gates/Clocks, CVs und Trunk Lines/Multiples). Und er erwähnte, dass bei seinem Simmons SDS-6 die Batterie ausgelaufen sei. Meine Antwort, dass ich das gute Stück reparieren könnte, konterte er mit der Frage: „Kann man so etwas nicht als Modul haben?“ Damit war dann sozusagen der Grundstein für unseren programmierbaren Triggersequenzer (Moon 568) gelegt. Sein aktuelles System ist quasi 4-stimmig mit VCO/VCF/VCA/EG etc. rein R.A.Moog und mit Sequenzern (je zwei 568 und 569) sowie Routing etc. von Moon. Das System kam Live bei einem node Konzert in London (27.2.2015 @ Royal College of Music) zum Einsatz. Ich war sicherlich die am meisten aufgeregte Person während dieses Konzerts.

Aber zurück zu Hans Zimmer. Er hatte schon vorher einige Module direkt bei mir gekauft. Später hat er das System von Ed gesehen und fragte mich, ob ich nicht vielleicht auch … usw., usw. Sein erstes System ist optisch sehr vom großen Projekt Elektronik System, das Tangerine Dream bzw. Peter Baumann während der Stratosphere / Encore Phase genutzt haben, inspiriert. Das Gehäuse wurde in LA gebaut und auch die gesamte Verkabelung wurde von seinen Technikern bei RCP durchgeführt. Ich habe nur die Moon Module über den Teich geschickt. Das System ist auch quasi 4-stimmig mit VCO/VCF/VCA/EG etc. von Moog und die Sequenzer und das Routing etc. sind von Moon. Es steht aktuell bei RCP in Santa Monica und war sogar Live in Gent beim „World Sound Track Award“ im Rahmen des 38. Film Festivals im Oktober 2011 zu sehen.

Hans Zimmer in seinem Studio mit dem Giorgio-System © Daniel Pinder

Anfang 2014 hat er dann ein weiteres System in Auftrag gegeben, das aktuell in London steht. Es besteht aus 4 großen Moon Walnussgehäusen (jeweils 4 Reihen à 10 Moog Units und eine Reihe mit CP-Modulen. Es ist sozusagen ein komplett europäisches System. Drei der Gehäuse sind vollständig mit Moon Modulen bestückt (VCO/VCF/VCA/EG/LFO etc., Sequenzer und Routing). Das vierte Gehäuse enthält neben dem Moon Routing eine schöne Zusammenstellung von Modulen der Firmen MacBeth, MOS-Lab und Synth-Werk. Das System wurde im Übrigen komplett hier in Berlin gebaut und dann nach London transportiert.

Bernd Kistenmacher:
Nun, damit kann man ja schon mal ein wenig arbeiten …  Hinzufügen könnte man noch, dass eines der Systeme den Namen Giorgio bekommen und seinen Weg in die Tour-Booklets von Hans Zimmer und in ein paar seiner Promo-Videos gefunden hat.

Es liegt ja nahe, deine Module mit Modulen anderer Produzenten zu kombinieren. Du baust eben keine direkten Moog Clone. Auf der letzten Superbooth hattest du einen gemeinsamen Stand mit der Fa. Synth-Werk aus München. Synth-Werk ist dafür bekannt, Moog Module so original wie möglich zu fertigen. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und wie eng ist sie? Kann man bei euch auch kombinierte Systeme bestellen?

Gert Jalass:
Giorgio ist der Name des Systems in LA. Der Name steht damit im Zusammenhang, dass Hans zu der Zeit (2011) der „Musical Director“ einer Oscar Verleihung war und dass eben der richtige Giorgio Moroder einen Preis verliehen bekam. Zu deiner Frage: Synth-Werk und Moon hatten getrennte Stände, die aber – zusammen mit Analogue Systems – im selben Raum waren. Wir helfen uns sozusagen gegenseitig, d.h. Gerhard Mayrhofer setzt unser MIDI to CV Modul (551) in seinen Systemen bei Bedarf ein und er würde auch die Moon Sequenzer bei Synth-Werk Komplettsystemen mitliefern können. Wir nutzen die selben Unterlieferanten für einige Gehäusetypen bzw. -komponenten. Das hilft uns, für diese Handwerkerarbeiten bessere Einkaufspreise zu bekommen.

Bernd Kistenmacher:
Das wäre dann also eher eine Einkaufgemeinschaft. Mittlerweile hast du ja 42 Standard-Module in deinem Programm. Dann noch mal 11 Module für das Routing. Und du bist darüber hinaus auch in der Lage, komplette Systeme zu liefern. Die Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen braucht ebenfalls viel Zeit und Geduld. Wird die Sache nicht irgendwann zu groß? Du bist mehr oder weniger ein Einzelkämpfer.

Gert Jalass:
Glücklicherweise hatte ich von Anfang an einige für größere Stückzahlen gute Entscheidungen getroffen. Beispielsweise sind kaum Einzelverkabelungen in den Modulen vorzunehmen und sofern notwendig, habe ich getrennte Platinen für die Bedienelemente und Kernfunktionen. Damit ist eine externe Vergabe der Bestückung einfacher zu realisieren. Und ich kann je nach Nachfrage bzw. Anzahl vorproduzierter Module entscheiden, ob sich dann eine Handbestückung noch rechnet bzw. vollkommen ausreicht. Frontplatten und alle Gehäuse bekomme ich von Zulieferern. Endzusammenbau und Abgleich bleibt allerdings an mir hängen. Nicht alle Module sind gleichermaßen stark gefragt. Allerdings kann eine noch so gute Bedarfsplanung durch Diskussionen in Foren und Blogs durchaus ungeahnte Wendungen nehmen. Sprich ein seit langer Zeit nicht nachgefragtes Modul wird auf einmal wieder „Zeitgeist“.

Das hat dann natürlich eher lange Lieferzeiten zur Folge. Aktuell liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit sicherlich im Bereich der Endfertigung. Damit bleibt eher wenig Zeit für Neuentwicklungen. Die sind dann aber sozusagen das Salz in der Suppe, d.h. sie bringen mir den Spaß und erlauben mir einen gewissen Abstand von der normalen Arbeit. In diesem Zusammenhang sollte ich auch erwähnen, dass eine Vielzahl der Verkäufe an Endkunden über Händler abgewickelt wird. Zu nennen sind hier SchneidersLaden und insbesondere Noisebug in den USA. Letztere bestellen bei mir auf Bestand, d.h. nur wenige große Versandaktionen sind dafür notwendig. Und nicht zu vergessen ist unser Auftritt im Web, der komplett auf den Schultern von Albin und Udo liegt. Auch unsere Kataloge sowie die Merchandising-Artikel, wie Aufkleber, Buttons etc., werden von den Beiden verantwortet.

Die MoonModular Demostation am Standort in Berlin © Wanja Janowski, Berlin

Bernd Kistenmacher:
Gert, dann mach doch den Lesern ein wenig „Appetit“ und lass uns über ein paar ausgewählte Module sprechen. Im Grunde hast du ja dein Geschäft mit dem Bau von Sequenzern begonnen. Da wäre sicherlich die Quad Sequential Trigger Source (Modul 568), der Trigger Sequencer (Modul 563) und die Quad Sequential Voltage Source (Modul 569) nebst Assistenzmodulen zu nennen. Der Sequential Trigger ist ja im Prinzip ein analoger Drumcomputer ohne Klangerzeugung. In Verbindung mit der Sequential Voltage Source ist er aber auch fürs Ratcheting à la Tangerine Dream geeignet.

Gert Jalass:
Nun ja, das Thema „Ratcheting à la Tangerine Dream“ ist sicher eines der Themen, das oft und gerne auch kontrovers diskutiert wird (lacht). Unser Ansatz dazu ist, dass wir mit den beiden Sequenzern sowohl komplett eigenständig als auch kombiniert arbeiten können. Damit ist es z.B. möglich, mehrfache Trigger pro Note zu erreichen wie auch eine Sequenz zu beschleunigen bzw. zu verlangsamen. Und dies natürlich auch in Kombination. Aufgrund des komplett freien Zugriffs auf jeden Trigger, mit eigener LED und eigenem Taster, ist ein vollkommen interaktives Arbeiten mit direktem Feedback gegeben. Erwähnenswert ist zudem, dass der 569 separat für jede Spur einen zuschaltbaren Quantizer besitzt. Und das „Basis“-Modul erlaubt schon eine vielfältige Beeinflussung des Ablaufs der Spuren und der Erzeugung von Gate-Impulsen. Das wiederum komplett unabhängig für jede einzelne Spur.

Mit den zugehörigen Expandern 569EG/EGB und 569ES/ESB werden diese Möglichkeiten noch erweitert. Die beiden Output Expander stellen Einzelausgänge für alle Positionen (Moon 569 EG) bzw. einen auswählbaren Einzelausgang pro Spur (Moon 569 EGB). Die beiden Input Expander (Moon 569 ES/ESB) erlauben die Beeinflussung der aktuellen Position in einer Spur über externe Signale. Weiterhin erlaubt der 569 eine rudimentäre Verkettung der Spuren (4*8, 2*16 bzw. 1*32). Wer mehr möchte, sollte sich unserem „Sequential Dividier Switch“ (564) anschauen. Eine gewisse Ähnlichkeit zum PPG 313 ist dabei durchaus gewollt. Zur Abrundung haben wir seit Anfang des Jahres den „Quad Lag Expander“ (569LE) im Programm, der pro Step ein schaltbares Portamento erlaubt.

In Verbindung mit unserem „Universal Programmer“ (567) können die 16 Patterns des 568 Trigger-Sequenzers abgespeichert werden. Taster bzw. externe Eingänge erlauben zudem die Verkettung der einzelnen Patterns. Der „Assistant“ (568A) erlaubt die Aktivierung von jeweils zwei Einzelausgängen pro Spur. Und ermöglicht unabhängige Reset für jede der Spuren. Der 563 wird anstatt der Mächtigkeit des 568 gerne genutzt, da die aktive Arbeit mit dem Modul eine andere haptische Erfahrung und damit auch andere Ergebnisse erlaubt.

Moonmodular Matrix

Bernd Kistenmacher:
Mehr Sequencing geht ja eigentlich nicht. So möchte man meinen. Bei so viel Spielmöglichkeiten sollte es auf der Seite der Klangerzeugung natürlich ein entsprechendes Gegengewicht geben. Dass deine Sequenzer mit z.B. Moog-Modulen kombiniert werden, hattest du bereits erwähnt. Wie sieht es da aber mit eigenen Angeboten aus? Kürzlich sind bei dir neue Filtermodule an den Start gegangen und auch bei den Oszillatoren hältst du dich nicht sklavisch an Moog-Standards. Du bietest z.B. keine 901 Oszillatorbank an. Wo sind die Unterschiede? Die Schaltungen sind ja auf jeden Fall analog aufgebaut.

Innenleben des Moonmodular Sequenzers 569

Gert Jalass:
Mit unserem Doppel-VCO (Moon 501D) haben wir versucht, möglichst viele der oft benötigten Funktionen in ein doch recht kompaktes Modul zu packen. So erlaubt die Stellung „WIDE“ der Oktavenschalter ein komplett unabhängiges Durchfahren des gesamten Frequenzbereiches der beiden VCOs. Sonst bestimmt der Regler „Master Tune“ die Basistonhöhe für beide VCOs und der Regler „Detune“ die Verstimmung der zweiten Oscillators. Selbstverständlich ist SYNC vorhanden. Alle CV-Regler sind als Attenuverter ausgelegt. Beide Oszillatoren können auch als LFO zum Einsatz kommen. Mit Hilfe des Expanders Moon 501E stehen alle Signalformen der beiden Oszillatoren parallel zur Verfügung. Beide Sync-Eingänge sind separat herausgeführt und Eingänge für lineare FM sind ebenfalls vorhanden.

Eine kompakte Ausgangsmischstufe (Moon 501M) mit schaltbaren Kanälen rundet das Angebot ab. Einen Filter, der auf der Moog-Kaskade basiert, haben wir ja schon länger im Programm (Moon 506). Letztes Jahr kam dann ein komplett spannungssteuerbarer 12 dB Multimode Filter (Moon 505) dazu. Technisch handelt es sich dabei um eine „State Variable“ Topologie. Und Anfang dieses Jahres erschien dann der Moon 517S, der zwischen Hochpassfilter und Tiefpassfilter umschaltbar ist. Technisch stand die im Oberheim Xpander verwendete Topologie Pate. Der demnächst erscheinende Moon 517 kombiniert zwei dieser Filterkerne. Es sei erwähnt, dass sich mit den Modulen 501D, 501M, 517S, 502D (Doppel VCA mit Ringmodulator) und 511D (Doppel-ADSR) eine kompakte „Voice“ in 8 Moog Units realisieren lässt. Die Module sind alle für interne Vorverkabelung ausgelegt, d.h. für eine „typische“ Synthesizerstimme sind keine Patchcords notwendig.

Bernd Kistenmacher:
Nehmen wir einmal an, dass jetzt ein paar Leute neugierig geworden sind. Besteht die Möglichkeit, dich zu besuchen und sich ein paar Sachen vorführen zu lassen? Du bist ja vor Kurzem in eine größere Werkstatt gezogen. Gibt es da auch so etwas wie einen Showroom oder eine Demostation? Wie kann man dich erreichen?

Gert Jalass:
Für erste Informationen ist sicherlich unsere Website (www.lunar-experience.com) der beste Anlaufpunkt. Im Showroom von SchneidersLaden am Kottbusser Tor stehen zwei kleinere Systeme und u.a. auch unser Sequenzer 569 zum antesten bereit. Und SchneidersLaden verkauft natürlich auch alle Einzelmodule. Ich stehe selbstverständlich gerne für Fragen und weitergehende Informationen zur Verfügung. Erstkontakt gerne vorzugsweise per E-Mail an support@lesmomoconsulting.de.

Vielen Dank Gert für das nette Gespräch!

Folgende Module sind aktuell bei MoonModular erhältlich:

501D Dual Oscillator | 501E Oscillator Expander | 501M Oscillator Mixer | 502 Dual VCA | 505 Multi Mode Filter
506 Modifier | 511AC Quad VC Gate Delay | 511C VC Envelope Generator | 511D Dual Envelope Generator |
NEU: 517 Dual VC Hi/Lo Pass Filter | NEW: 517S Single VC Hi/Lo Pass Filter | 524 Quad VC LFO | 524A LFO Assistant | 525 Quad Attenuator525MCP Attenuator/Mixer | 526 3-Channel Mixer | 544CP Utility Module | 551 Midi-to-CV | 552 CV-to-Midi | 553 Midi-to-Clock | 554 Octal Clock Divider563 Trigger Sequencer | 563E Sequencer Expander | 564 Sequential Divider Switch | 565 Quad Quantizer | 565D Quantizer Controller | 567 Universal Programmer | 568 Quad Sequential Trigger Source | 568A Trigger Source Assistant569 Quad Sequential Voltage Source | 569EG/ES Gate Output/Set Input Expanders | 569EGB/ESB Basic Expanders |
NEU: 569LE Quad Lag Expander | 591 Switch Matrix Router | 592 Six Channel Modulation Matrix | 594 Multiples | 599 Jack Interface | 500 Blanks

Systeme:

M 500-P3      NEU: Modular Sequencing Synthesizer System in P-style Tolex cabinet

Und Sonderkonfigurationen auf Anfrage

Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Danke Bernd für das sehr interessante Interview.
    Peter

  2. Profilbild
    Synthfreak  AHU

    Sehr schön, und der Vintage-Samstag bei Amazona gefällt mir mehr als der Super Samstag bei Netto (oder war es jetzt Lidl…?) Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Interview/Test mit den Leuten/Sachen von Synthesizers.com, nach den Artikeln zu MoonModular, Synth-Werk, KOTK und der vollständigkeit halber nehme ich auch noch mal Marienberg dazu.

  3. Profilbild
    nativeVS  

    Schoenes und informatives Interview. Im Sequenzer bereich gibt es sicher nichts spannenderes als die vom Mond.

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Interessantes Interview! Ich frage mich allerdings wie er auf „Moon Modular“ kam. Und natürlich frage ich mich auch, wann es die erste Modular-Performance auf dem Mond gibt :D

  5. Profilbild
    fritz808  

    gratulation zum gelungenen interview. hatte bisher nicht die gelegenheit mir die firma näher anzusehen. wird zeit das nachzuholen!!!

  6. Profilbild
    SimonChiChi  AHU

    Oh ja, die großen Module machen einfach mehr Spaß… nur kosten halt auch fünfmalsoviel :-(
    Trotzdem vielen Dank für das tolle Gespräch.

  7. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Udo Hanten’s und Albin Meskes‘ (You) Platte „Timecode“ hatte noch eindeutige Düsseldorfer Einflüsse; in einem Krefelder Kino spielten sie live zu „Koyaanisqatsi“, was eher in Richtung Berlin ging. Beides hat mir gefallen und die Jungs schienen recht sympathisch zu sein…

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