Interview: Gerhard Mayrhofer, Synth-Werk Moog-Maniac

8. Oktober 2016

Moog-Clone-Maniac

synth-werk_gerhard_mayrhofer

Es ist sicher schon einige Jahre her, dass mir ein Mitmusiker aus unserem Ambientprojekt Sphericlounge sagte, es gäbe da jemanden ganz bei mir in der Nähe, der Synthesizer baue. Ein anderes Mal las ich ein Zeitungsinterview (es ging um Sportmanagement), in dem der Interviewte im Nebensatz sagte, dass er in seiner Freizeit Synthesizer baue. Und eines Tages war ich bei Sebastian Niessen von S.N.D., der den Namen Gerhard Mayrhofer im Zusammenhang mit Moog Modulen erwähnte. All diese unzusammenhängenden Informationsstückchen fanden zu einander, als Peter Grandl mir im März anbot, das bisher noch unveröffentlichte M2-System des mir bis dahin unbekannten Herstellers Synth-Werk zu testen und eventuell ein Interview mit dem Schöpfer des „Spirit of Trumansburg“ zu machen. Ich fuhr also in den unaufgeregten Münchner Norden, wo ich einen interessanten und extrem sympathischen Menschen kennenlernen durfte – eben diesen Gerhard Mayrhofer.

Florian Anwander:
Fangen wir ganz vorne an. Wie kommt man dazu, sich ein Leben lang der Musik zu verschreiben? Wie bist Du zur Musik gekommen?

Gerhard Mayrhofer:
Eigentlich bin ich durch die Freunde meiner großen Schwester drangekommen. Über die habe ich Schulze gehört, ich habe Tangerine Dream gehört, aber auch Klaus Doldingers Passport und war völlig begeistert. Diese gegenüber Pop und Rock andere Art der Musik hat mich immer sehr interessiert.
Die Initialzündung für die Musikelektronik kam mit 15. Da war ich in meinem ersten Klaus Schulze Konzert und habe da zwei große Moogs gesehen. Ich war völlig fertig. Welche Klänge da rauskamen, die man so nicht gehört hatte. Mit 15 war mir da schon klar, irgendwann muss ich so etwas haben.

Florian:
Hast Du damals schon Musik gemacht?

Gerhard:
Nein. Oder was heißt nein – ich habe immer an Sachen rumgebastelt. Ich habe Synthesizerbausätze gebaut, zum Beispiel den Formant, der ja auch für Dich der Einstig war, und habe natürlich auch versucht, damit Musik zu machen. Aber mein erster Synthesizer überhaupt war der Korg MS-20. Ich hatte mit einem Freund einen Gitarrenverstärker gebaut, einen nachgebauten Mesaboogie, und aus dem Profit habe ich mir den MS-20 gekauft.

Anarchistensoundsystem

Anarchistesoundsystem

Florian:
Das war wann?

Gerhard:
Na, Mesaboogie kam in Deutschland Mitte der 70er. Das war also so ca. 1980. Das war auch – im wahrsten Sinne des Wortes – ziemlich spannend: Die ersten Erfahrungen mit 400V Anodenspannung waren ganz lustig.
Jedenfalls habe ich mich immer mit dem Thema Musikelektronik beschäftigt. Mit dem MS-20 jedenfalls habe ich diverseste Soundexperimente gemacht. Aber irgendwann habe ich den dann wieder verkauft, was ich natürlich später bereut habe. Aber damals „war ich jung und brauchte das Geld“, wie man so schön sagt. Heute hätte ich ihn gerne wieder.
Aber dann ging es auch beruflich in eine andere Richtung und das Musikmachen ist etwas in den Hintergrund getreten.

Synth-Werk Modularwand

Synth-Werk Modularwand

Florian:
Du hast da also Produktdesign und Marketing gemacht? Du kommst also von der Ausbildung her mehr von der kaufmännischen Seite und nicht so sehr von der technischen?

Gerhard:
Ich bin beides. Ich bin Nachrichtentechniker und Marketingkaufmann. Bis 1996 habe bei einem großen Messtechnik-Unternehmen gearbeitet. Dann bin ich in die Telekommunikationsbranche gewechselt, habe dann bei O2/Vodafon das „Telefon für zuhause und unterwegs“ erfunden, das Genion.
Und eines der wichtigsten Dinge, die ich gemacht habe, als ich mich dann 2008 von der Telekommunikationsbranche verabschiedet habe, um mich als Unternehmensberater selbstständig zu machen, war ein einjähriges Philosophie-Seminar. Das hat mich „abgerundet“. Danach wusste ich dann wirklich, wie es mit mir weitergeht.
Damals kam für mich wieder die Liebe zu den Synthesizern zum Tragen. Parallel zu meiner Beratungsfirma ist auch Synth-Werk entstanden. 2008 habe ich dann angefangen, mich mit einem Modularsystem zu beschäftigen und auch mit Moog Modulen. Denn Moog war für mich immer die Mutter des Modularsystems.

Florian:
Hattest Du zu diesem Zeitpunkt auch andere Synthesizer?

Gerhard:
Ja sicher. Da stehen hinten im Studio ja immer noch einige, die wir uns nachher gerne noch anschauen können. Aber nachdem ich mich wieder intensiver mit Synthesizern beschäftigt hatte und dann mit Modularsystemen, wurde mir bald klar, dass es ein 5U-System sein musste [Anmerkung: 5 Höheneinheiten = das Höhenmaß der Moog-Module]. Eurorack fand ich schon interessant. Und die 3 HE Systeme gab es ja schon früh. Ich weiß noch, vor 30 Jahren war ich bei Dieter Döpfer in der Wohnung seiner Eltern, da hatte er sein erstes Modularsystem und wir haben uns über Oszillatoren unterhalten – ich habe sogar noch eine Platine von ihm (an dieser Stelle schweifen wir etwas ab und freuen uns daran, wie klein die Welt doch ist, da auch ich in dieser Wohnung war).

Dann hatte ich immer viel mit Musikern zu tun gehabt. Habe immer zugehört, was die brauchen, was sie nicht brauchen.

Synth-Werk Bode Ringmodulator

Synth-Werk Bode Ringmodulator

Florian:
Gibt’s da Namen?

Gerhard:
Ja. Ganz viel tausche ich mich zum Beispiel mit Andi Y von den Fantastischen Vier aus. Dann mit einem Künstler hier in München, dem Enik. Ich sehe es auch so wie Bob [zeigt auf ein Portraitfoto von Bob Moog an der Wand]: Wir tun Dinge für Musiker und sind Teil des Entstehungsprozesses von Musik.

Bob Moog hat mich schon sehr fasziniert, seine ganze Person. Ich habe alles eingesaugt, was ich über ihn finden konnte. Ich habe versucht zu verstehen, wie er gedacht hat. Denn ich glaube, um seine Module zu bauen, ist es wichtig, zumindest zu einem Teil zu verstehen, wie er gedacht hat, was seine Philosophie war.
Seine Module sind ja aus einem „Work in Progress“ entstanden. Sie sind sehr organische Dinge, die – das jetzt bitte nicht esoterisch missverstehen – miteinander „atmen“, die zum Beispiel über Temperatur miteinander agieren und die vor allem im Zusammenspiel miteinander funktionieren und so zu verstehen sind. So was einfach nur stumpf schaltplanmäßig nachzubauen, war da nicht so mein Ding und kann auch nicht funktionieren.

Aus diesen drei Aspekten, mich selbständig zu machen, Begeisterung für Technik und(!) Musik und aus dem tiefen Respekt für Bob Moog ist dann Synth-Werk entstanden.

Synth-Werk Entwicklungslabor

Synth-Werk Entwicklungslabor

Florian:
Wie kam es zum Namen?

Gerhard:
Ganz zu Anfang habe ich ein paar Module mit “Anarchistesoundsystems” beschriftet. Aber als es dann wirklich ein Firmennamen werden sollte, fiel mir das einfach so ein. Ich nahm an, dass es das sicher schon gäbe, habe mehr spaßeshalber den Namen bei einem Web-Domaine-Suchdienst eingegeben und war ganz erstaunt, dass die Domäne noch frei war. Die habe ich gleich registriert und dann hat es noch bis 2013 gedauert, bis wir an die Öffentlichkeit gegangen sind. Der Einstieg war dann, dass wir das 901er-Modul schon soweit hatten, dass es akzeptabel stimmstabil war, ohne den charakteristischen Sound zu verlieren und die Schaltung zu verändern. Damit trauten wir uns, es als Produkt anzubieten.

Florian:
Du sagst „wir“. Wer steckt alles hinter Synth-Werk?

Gerhard:
Der Kern bin schon ich, aber darum herum gibt es eine lose Gemeinschaft, die Synth-Werk mit ausmacht. Interessanterweise sind das alles wieder Musiker. Als engsten “Kollegen” habe ich einen Elektronik-Ingenieur, der hier in München bei einem großen Messtechnik-Unternehmen arbeitet. Der hat natürlich Zugriff auf extrem interessante Messtechnik und hat Simulationsmöglichkeiten, die einem Kleinunternehmen sonst nicht so ohne weiteres zur Verfügung stehen. Der Gehäusebauer ist Gitarrist. Dann gibt es einen Schlagzeuger, der hat die Laserfirma, in der die Modul-Rahmen geschnitten werden. Auch wenn ich die Kernfigur bin, alleine macht man so was nie. Ohne den Austausch mit den anderen ginge das nicht.
Das gilt auch für die Musiker. Gerade Andi Y hat auch einen Synthesizer von uns. Mit ihm bin ich sehr über „Sound“ im Austausch. Das ist für mich sehr faszinierend, weil Andi ein Mensch ist, der sehr im Detail lebt, was Sound, was Klang angeht. Der hat ein großes Eurorack-System in seinem Studio stehen, aber obendrauf steht dann ein Spirit of Trumansburg M1 von SYNTH-WERK.

Synth-Werk Reverb Prototyp

Synth-Werk Reverb Prototyp

Florian:
Für mich war das auch sehr beeindruckend, als ich mich im Rahmen einer Renovierung länger mit einem Moog Modularsystem beschäftigt habe. Ich habe ja selbst einen Prodigy, aber der drückt nicht so…

Gerhard:
… ach der Prodigy ist schon gut, gerade in den tiefen Lagen, aber ich gestehe zu: Er ist … [wir suchen beide nach dem richtigen Wort] … anders.
Ja, das ist schon, aber ich finde den Prodigy schon sehr spannend; vor allem den Oszillator. Ich bin ja ein großer Oszillator-Fan. Auch der alte Minimoog Oszillator ist toll. Das, was sich Bob Moog da ausgedacht hat, ist wirklich grandios.

synth-werk_m2-im-labor

Synth-Werk M2 im Labor

Florian:
Das Prinzip des Oszillators ist jetzt mir und den technisch kundigeren Lesern erst mal schon klar. Was ist es im Detail, das Du als „grandios“ bezeichnest?

Gerhard:
Für mich ist es diese Reduktion auf das Wesentliche. Was ja auch beim Modul 901 der Fall ist. Der ist ja im Kern eigentlich nur ein in Schwingung gebrachter Unijunction-Transistor, aus dem man dann alles macht. Es ist zum einen die Vereinfachung, aber auch die Konzentration auf dieses Teil. Man kann diesen Oszillator nicht verändern. Man kann ihn nicht irgendwie elektronisch stabilisieren, indem man bestimmte Spannungen stabilisiert, die von Moog selbst als „nicht stabilisiert“ angegeben werden. Wenn man das versucht, dann geht er zwar vielleicht sauber über sechs Oktaven, aber dafür ist dann er klanglich tot. Und der originale 901 geht über drei Oktaven, wenn du Glück hast vier – und das war es. Mehr gibt das Ding nicht her. Und das will ich nicht verändern. Das ist die Natur dieses Oszillators.
Man muss also ganz freundlich zu diesem Oszillator sein, dass er nicht zu sehr davondriftet – das macht der, wenn man nicht nett zu ihm ist. Der ist temperaturabhängig und Temperatur ist nun mal gegeben. Man braucht nicht gegen Temperatur zu arbeiten. Das macht keinen Sinn. Man muss mit ihr umgehen. Wir haben zum Beispiel bei der mechanischen Konstruktion der Modulrahmen darauf geachtet, dass die nicht komplett geschlossen sind und dass es eben eine Temperatur-Kommunikation zwischen den Modulen geben kann.

Wenn man Bobs Module im Detail betrachtet, stellt man interessante Sachen fest. Auch der VCA ist ein Gedicht, auch wenn er genauso temperatursensitiv ist. Da kommt es dann schon drauf an, welche Bauteile man verwendet. Ich glaube Bob hat da sehr darauf geachtet; allerdings glaube ich, wirklich selektiert hat er sie nur selten. Das machen wir schon. Wir betreiben recht intensiv Bauteilmessung und Bauteilselektion.

Es ist auch ein Unterschied, ob ich den Controller einen thermisch empfindlichen CA3019 reinbaue (ein Dioden-Array) oder ob da Operationsverstärker drin sind wie im Oscillator Controller 921A. Der 901A ist natürlich aufwändiger. Das nun wiederum zu reduzieren oder den 901A stabiler zu machen, macht meines Erachtens keinen Sinn. Ich muss mit der Situation umgehen, wie sie ist.
Aber wenn man dann so ein System hat, wie unser M2 mit sechs Oszillatoren und dann damit „Flächen“ erzeugt, das ist schon atemberaubend. Da kriege ich Gänsehaut.

Florian:
Damit wären wir bei Deinen Systemen.

Gerhard:
Ja, bisher hatten wir das M1 mit einer Modulreihe. Das M2 hat jetzt zwei Reihen. Das kann natürlich nach Wunsch und Bedarf konfiguriert werden. Da kann man oben noch den 984er Mixer draufsetzen, einen sehr guter Matrix-Mixer von Moog. Was ich Dir heute auch noch vorführen kann, hat noch keiner gehört, ist der Bode 6401 Ringmodulator, den haben wir als Modul gebaut (das Original war in einem größeren Gehäuse (Anm. d. Verf). Das hat die Konsequenz, dass man nicht ganz so große Übertrager reinbauen kann, wodurch er nicht ganz weit runter geht in der Frequenz. Aber beim Ringmodulator ist das meines Erachtens nicht ganz so entscheidend.

Synth-Werk Teststrecke

Synth-Werk Teststrecke

Florian:
Hattet Ihr mal einen originalen Bode da?

Gerhard:
Leider nein. Ich habe bisher nur Soundfiles gehört. In Köln steht wohl noch einer. Den darf ich jetzt vielleicht mal ausprobieren. Sonst haben wir aber Zugriff auf die ganzen Moog Module. Allerdings sind die in diversen Studios verteilt, weil die einfach gespielt werden müssen. Das ist meine Meinung: Die dürfen nicht rumstehen, die müssen leben. Aber die hole ich mir, wenn ich sie brauche.

Synth-Werk Messgeräte

Synth-Werk Messgeräte

Florian:
Was hat Dich dazu bewogen, Dich auf die originalen Moog-Module zu stürzen. Du warst ja zum Zeitpunkt Deines Einstiegs in den Markt nicht der Erste im 5U-Segment.

Gerhard:
Ich glaube, wenn man etwas richtig machen will, dann muss man sich auf eine Sache konzentrieren. Ich würde nicht ausschließen, dass wir in Zukunft auch mal das eine oder andere Modul selbst entwickeln.
Dann hat mich die Person Moog fasziniert. Wie er gedacht hat, wie er gelebt hat, ein unglaublich sympathischer Mensch, sehr zurückhaltend. Und dann eben der Sound seiner Instrumente und was die Musiker wie Schulze daraus gemacht haben.

Florian:
Wie steht es mit Konkurrenz. Du bist ja nicht der Einzige, der Moog Nachbauten anbietet. Das überlegt man sich ja schon aus kaufmännischer Sicht. War das kein Hindernis?

Gerhard:
Nun zu dem Zeitpunkt, als wir den 901 herausgebracht hatten, gab es keinen anderen Hersteller. Erst später kamen zwei andere mit einem 901er – und einer von den beiden baut ihn jetzt auch nicht mehr. Und dann bauen wir ihn wirklich absolut unverändert, während andere die Module an heutige technische Standards angleichen wollen und modifizieren. Wir wollen den Oszillator so bauen, wie er entwickelt wurde und das wissen unsere Kunden zu schätzen. Das ist zumindest das Feedback, das wir bekommen.

Ich zeige Dir mal ein Board. Das einzige was da „neu“ ist, sind die ausgesuchten Kondensatoren von WIMA. Und die werden dann aber auch so ausgesucht, dass die drei oder mehr Oszillatoren möglichst gleich sind.

Florian:
Die Leiterbahnbreite entspricht aber zum Beispiel eher modernen Bauformen. Die originalen Platinen waren ja „handgemalt“ und hatten deutlich breitere Verbindungen.

Gerhard:
Das haben wir schon probiert, aber das macht wirklich keinen Unterschied. Entscheidend ist aber, wo die Bauteile platziert sind. Man merkt schon, ob bestimmte Transistoren dann in der Nähe bestimmter anderer Bauteile sind oder nicht. Wir haben mehrere Versionen der Platine bauen müssen, um darauf zu kommen. Wir haben aber auch viele andere Experimente gemacht. Zum Beispiel haben wir mal einen Moog-Frame [das Metallgehäuse des Moduls] mit Styroporisolierung und einem Heizelement gebaut, um zu sehen, wie der Oszillator sich bei unterschiedlichen Temperaturen verhält. Herausgekommen ist dann unsere fast komplett geschlossene Version des Frames.
Interessant ist auch, dass Bob Moog gesagt hat, Instrumenten müssen in einem Holzgehäuse sein. Deswegen bauen wir auch diesen schönen Holzrahmen – und es ist erstaunlich, es macht wirklich einen Unterschied, ob man diese Oszillatoren in einem offenen Metallrack betreibt oder in diesem geschlossenen Holzgehäuse. Da bleibt die Temperatur konstanter. Wir haben aber auch einen Kunden, der will die thermischen Drifts, der hat die Oszillatoren extra mit offenen Gehäusen bestellt.

Beheiztes Modul von Synth-Werk

Beheiztes Modul von Synth-Werk

Florian:
In welcher musikalischen Ecken sitzen Deine Kunden?

Gerhard:
Enik kennst Du, der arbeitet damit, der kam komplett von Plug-ins weg und hat das letzte Album fast nur mit Prophet-5 und unserem System gemacht. Ich bin aber immer begeistert, was die Leute mit unseren Instrumenten machen. Enik zum Beispiel habe ich den Ringmodulator-Prototypen gegeben. Da denkt man immer an Glocken und eher Geräuschhaftes. Aber er hat ganz was anderes damit gemacht. Uwe Rottluff aka WellenVorm hat einen M2 und macht damit “Berlin School” Sounds. Für mich als Instrumentenbauer ist es das Schöne, so festzustellen, dass ich Teil des Prozesses bin, der irgendwann zur Musik führt.

User Andi-Y (Fanta 4) mit seinem Synth-Werk

Andi-Y (Fanta 4) mit seinem Synth-Werk

Florian:
Ich sehe dahinten viel von Moonmodular, wie kommt das?

Gerhard:
Wir bauen ja nicht nur die zwei System M1 und jetzt M2 mit der relativ kleinen Produktpalette unserer Module. Wir arbeiten eben recht eng mit Gert Jalass von Moonmodular zusammen. Ich darf sagen, ohne Gert würde es Synth-Werk nicht geben, er hat mich in allem unglaublich unterstützt. Moonmodular baut jetzt nicht so unbedingt Vintage-Style, da ergänzen sich unsere beiden Produktpaletten ganz gut.
Ein weiterer Unterstützer war der – leider verstorbene – Kevin Lightner, bekannt als „Synthfool“. Aber auch zu den meisten anderen Herstellern von 5U Systemen und Synthesizern haben wir einen guten Draht. Das läuft immer sehr offen und freundschaftlich ab. Wir wollen ja alle das Gleiche: ein Teil des Prozesses sein. Das gilt ja auch für den endlosen Diskurs, ob analog oder digital besser sei. Das soll Beides zur Musik beitragen und nicht gegeneinander sein. Ich meine, ich habe da hinten den Hartmann Neuron stehen – was gibt’s Digitaleres? Den mit analogen Modulen kombinieren, das ist großartig. Und glücklicherweise geht die Entwicklung ja immer mehr in Richtung eines gleichberechtigten Miteinander beider Technologien.

Florian:
Die digitalen Synths wurden ja hauptsächlich aus kaufmännischen Gründen von der Industrie bevorzugt, weil sie günstiger im industriellem Rahmen zu produzieren waren; einem Rahmen, der kleinen Herstellern nicht zur Verfügung stand. Aber heute ist die viel gerühmte „Demokratisierung der Produktionsmittel“ auch im Elektronikentwicklungsbereich so weit fortgeschritten, dass interessante digitale Instrumente abseits des Mainstreams von kleinsten Herstellern gebaut werden können.

Gerhard:
Im Prinzip passiert aber doch jetzt wieder genau das Gleiche wie damals. Das sah man auf der letzten NAMM wunderbar: Jetzt kommen die Hersteller, die einst mit digitalen Synthesizern die Analogen verdrängt haben und bauen Analogsynthesizer für 500 Euro. Da sind 4 Chips drin, ist schon irgendwie ganz nett, aber es ersetzt wieder nicht diese ursprünglichen Instrumente wie eben ein Moogmodular oder einen Minimoog.
Bei all diesen Entwicklungen ist aber eigentlich das Schöne, dass immer wieder was tolles Neues dazukommt, an das man vorher noch nicht gedacht hat und das bleibt dann auch und ergänzt die bestehenden Dinge. Das gilt ja letztlich auch für die Musik selbst. Ich glaube, es ist eine grundsätzlich falsche Einstellung, dass das Neue immer das Alte ersetzt. Für mich ist das Neue immer ein Zusatz zu dem, was schon Gutes da ist und dann entwickeln sich beide gemeinsam weiter.

Florian:
Gerhard, wir danken Dir für dieses Gespräch.

Gerhard Mayrhofer an seinem Modularsystem

Gerhard Mayrhofer an seinem Modularsystem

Forum
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      TimeActor  AHU

      Ja leider, ich habe mir ein 24U System mit Oakley Platinen gebaut und alles wie z.B die Frontplatten, bakelit Regler etc. selbst hergestellt. Nicht nur das es eine Mega Arbeit in der Freizeit ist sondern gefühlt auch nicht weniger gekostet hat als ein fertiges wenn man die Arbeitszeit hinzurechnen würde.

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        changeling  AHU

        Arbeitszeit in Rechnung stellen bei Selbstbau ist immer so eine Sache. Entweder macht es einem als Hobby Spaß, dann ist keine Arbeitszeit oder man sollte dann wirklich lieber Fertigmodule kaufen. Für mich ist die Bastelei Entspannung und sorgt wenn etwas fertig ist und funktioniert für ein unersetzliches Glücksgefühl und Stolz, dass ich es geschafft habe. Das bietet mir ein Fertigmodul nicht.

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          Leverkusen  

          Ja, genau so erlebe ich das auch – und dann ist es eben doch auch noch weniger teuer. Die Riesenmodularwand wird so zumindest in der Phantasie etwas realistischer…

          Allerdings kann ich mir vorstellen. dass sich dieses Glücksgefühl eher einstellt wenn auch schon ein halbwegs funktionierendes System vorhanden ist und nicht die ersten Selbstbauten aus Stromversorgung und Verteilung bestehen. Wenn sich ein neuer Filter oder Wavefolder oder was auch immer in’s System einfügt und man gleich was spannendes ausprobieren kann ist das natürlich was anderes als wenn der erste Oszillator ohne Filter, VCA und Hellkurven vor sich hin tutet.
          Für mich ist die Konzentration auf DIY aber auch eine gute Möglichkeit der Falle der ewigen Neuerwerbungen zu entkommen…

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            changeling  AHU

            Die Stromversorgung bei meinem 5U habe ich halbfertig von Mouser gekauft, das war ein lineares Netzteil.
            Für die Busplatine habe ich mir eine eigene Platine designt (http://sdi.....board.html), da mir die anderen Busplatinen nicht gefallen haben. Die meisten waren zu eng (Synthtech, Ken Stone) und Eurorack bzw. COTK Anschlussmöglichkeiten zu haben war mir auch wichtig. Entkoppelungskondensatoren sind eigentlich immer auf den Modulen selber drauf, also AFAIK auf der Busplatine unnötig.

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              Leverkusen  

              Meine Oakley Platinen (PSU/Dizzy Board) liegen auch noch unverdaut im Schrank weil ich dann doch eine gebrauchte dotcom PSU günstig angeboten bekommen habe. Die CotK Lösung finde ich aber, zumindest aus der Ferne, auch ganz vielversprechend.

              Ich meinte aber auch vor allem, dass der Anfang beim Module bauen erstmal etwas langatmig sein kann bis es größere Erfolgserlebnisse gibt wenn sonst noch nix Case ist…

              Außerdem liegt hier auch immer noch mein nur mittelgut funktionierender Noise Toaster herum mit dem ich das Löten angefangen habe, seit dem funktioniert aber gottlob alles:-)

              Dennoch, wenn ich vorher gewusst hätte, dass das alles gar nicht so kompliziert und dafür eben auch so selbstwertfördernd ist, hätte ich viel früher angefangen selber zu bauen.

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                changeling  AHU

                Naja, ich hatte immer meinen SEMTEX zu Überprüfung der Module. Mit einem dualen Labornetzteil kann man die Module auch ohne Case+Stromversorgung testen. Ist nicht ganz billig, lohnt sich aber auch für andere Tests.

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          TimeActor  AHU

          Ja sicher so sehe ich das auch…es ging mir nur um die Frage der Kosten für ein fertiges System aufgrund der Anmerkung meines Vorschreibers.

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    Filterspiel  AHU

    Es fasziniert mich immer wieder diese ursprünglichste Art der elektronischen Musikerzeugung zu verfolgen, kommt sie doch dem klassischen Instrumentenbau am ähnlichsten. Zumal ich da wenigstens noch verstehe (Nachrichtentechniker/FHandW) wie die Klänge entstehen. Sicherlich habe ich mich auch mit den frühen Motorola 56K DSPs beschäftigt, aber das war mir doch zu abstrakt und erfordert mehr Mathematik als mir im kreativen Prozess lieb ist.

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    changeling  AHU

    Der Interview-Link auf Seite 2 sollte wohl noch gesetzt werden. Da stehen nur die Link-Tags (wird hier im Kommentar leider nicht angezeigt).

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