Interview: Gerhard Mayrhofer, Synth-Werk Moog-Maniac

8. Oktober 2016

Moog-Clone-Maniac

synth-werk_gerhard_mayrhofer

Es ist sicher schon einige Jahre her, dass mir ein Mitmusiker aus unserem Ambientprojekt Sphericlounge sagte, es gäbe da jemanden ganz bei mir in der Nähe, der Synthesizer baue. Ein anderes Mal las ich ein Zeitungsinterview (es ging um Sportmanagement), in dem der Interviewte im Nebensatz sagte, dass er in seiner Freizeit Synthesizer baue. Und eines Tages war ich bei Sebastian Niessen von S.N.D., der den Namen Gerhard Mayrhofer im Zusammenhang mit Moog Modulen erwähnte. All diese unzusammenhängenden Informationsstückchen fanden zu einander, als Peter Grandl mir im März anbot, das bisher noch unveröffentlichte M2-System des mir bis dahin unbekannten Herstellers Synth-Werk zu testen und eventuell ein Interview mit dem Schöpfer des „Spirit of Trumansburg“ zu machen. Ich fuhr also in den unaufgeregten Münchner Norden, wo ich einen interessanten und extrem sympathischen Menschen kennenlernen durfte – eben diesen Gerhard Mayrhofer.

Florian Anwander:
Fangen wir ganz vorne an. Wie kommt man dazu, sich ein Leben lang der Musik zu verschreiben? Wie bist Du zur Musik gekommen?

Gerhard Mayrhofer:
Eigentlich bin ich durch die Freunde meiner großen Schwester drangekommen. Über die habe ich Schulze gehört, ich habe Tangerine Dream gehört, aber auch Klaus Doldingers Passport und war völlig begeistert. Diese gegenüber Pop und Rock andere Art der Musik hat mich immer sehr interessiert.
Die Initialzündung für die Musikelektronik kam mit 15. Da war ich in meinem ersten Klaus Schulze Konzert und habe da zwei große Moogs gesehen. Ich war völlig fertig. Welche Klänge da rauskamen, die man so nicht gehört hatte. Mit 15 war mir da schon klar, irgendwann muss ich so etwas haben.

Florian:
Hast Du damals schon Musik gemacht?

Gerhard:
Nein. Oder was heißt nein – ich habe immer an Sachen rumgebastelt. Ich habe Synthesizerbausätze gebaut, zum Beispiel den Formant, der ja auch für Dich der Einstig war, und habe natürlich auch versucht, damit Musik zu machen. Aber mein erster Synthesizer überhaupt war der Korg MS-20. Ich hatte mit einem Freund einen Gitarrenverstärker gebaut, einen nachgebauten Mesaboogie, und aus dem Profit habe ich mir den MS-20 gekauft.

Anarchistensoundsystem

Anarchistesoundsystem

Florian:
Das war wann?

Gerhard:
Na, Mesaboogie kam in Deutschland Mitte der 70er. Das war also so ca. 1980. Das war auch – im wahrsten Sinne des Wortes – ziemlich spannend: Die ersten Erfahrungen mit 400V Anodenspannung waren ganz lustig.
Jedenfalls habe ich mich immer mit dem Thema Musikelektronik beschäftigt. Mit dem MS-20 jedenfalls habe ich diverseste Soundexperimente gemacht. Aber irgendwann habe ich den dann wieder verkauft, was ich natürlich später bereut habe. Aber damals „war ich jung und brauchte das Geld“, wie man so schön sagt. Heute hätte ich ihn gerne wieder.
Aber dann ging es auch beruflich in eine andere Richtung und das Musikmachen ist etwas in den Hintergrund getreten.

Synth-Werk Modularwand

Synth-Werk Modularwand

 

Florian:
Du hast da also Produktdesign und Marketing gemacht? Du kommst also von der Ausbildung her mehr von der kaufmännischen Seite und nicht so sehr von der technischen?

Gerhard:
Ich bin beides. Ich bin Nachrichtentechniker und Marketingkaufmann. Bis 1996 habe bei einem großen Messtechnik-Unternehmen gearbeitet. Dann bin ich in die Telekommunikationsbranche gewechselt, habe dann bei O2/Vodafon das „Telefon für zuhause und unterwegs“ erfunden, das Genion.
Und eines der wichtigsten Dinge, die ich gemacht habe, als ich mich dann 2008 von der Telekommunikationsbranche verabschiedet habe, um mich als Unternehmensberater selbstständig zu machen, war ein einjähriges Philosophie-Seminar. Das hat mich „abgerundet“. Danach wusste ich dann wirklich, wie es mit mir weitergeht.
Damals kam für mich wieder die Liebe zu den Synthesizern zum Tragen. Parallel zu meiner Beratungsfirma ist auch Synth-Werk entstanden. 2008 habe ich dann angefangen, mich mit einem Modularsystem zu beschäftigen und auch mit Moog Modulen. Denn Moog war für mich immer die Mutter des Modularsystems.

Florian:
Hattest Du zu diesem Zeitpunkt auch andere Synthesizer?

Gerhard:
Ja sicher. Da stehen hinten im Studio ja immer noch einige, die wir uns nachher gerne noch anschauen können. Aber nachdem ich mich wieder intensiver mit Synthesizern beschäftigt hatte und dann mit Modularsystemen, wurde mir bald klar, dass es ein 5U-System sein musste [Anmerkung: 5 Höheneinheiten = das Höhenmaß der Moog-Module]. Eurorack fand ich schon interessant. Und die 3 HE Systeme gab es ja schon früh. Ich weiß noch, vor 30 Jahren war ich bei Dieter Döpfer in der Wohnung seiner Eltern, da hatte er sein erstes Modularsystem und wir haben uns über Oszillatoren unterhalten – ich habe sogar noch eine Platine von ihm (an dieser Stelle schweifen wir etwas ab und freuen uns daran, wie klein die Welt doch ist, da auch ich in dieser Wohnung war).

Dann hatte ich immer viel mit Musikern zu tun gehabt. Habe immer zugehört, was die brauchen, was sie nicht brauchen.

Synth-Werk Bode Ringmodulator

Synth-Werk Bode Ringmodulator

Florian:
Gibt’s da Namen?

Gerhard:
Ja. Ganz viel tausche ich mich zum Beispiel mit Andi Y von den Fantastischen Vier aus. Dann mit einem Künstler hier in München, dem Enik. Ich sehe es auch so wie Bob [zeigt auf ein Portraitfoto von Bob Moog an der Wand]: Wir tun Dinge für Musiker und sind Teil des Entstehungsprozesses von Musik.

Bob Moog hat mich schon sehr fasziniert, seine ganze Person. Ich habe alles eingesaugt, was ich über ihn finden konnte. Ich habe versucht zu verstehen, wie er gedacht hat. Denn ich glaube, um seine Module zu bauen, ist es wichtig, zumindest zu einem Teil zu verstehen, wie er gedacht hat, was seine Philosophie war.
Seine Module sind ja aus einem „Work in Progress“ entstanden. Sie sind sehr organische Dinge, die – das jetzt bitte nicht esoterisch missverstehen – miteinander „atmen“, die zum Beispiel über Temperatur miteinander agieren und die vor allem im Zusammenspiel miteinander funktionieren und so zu verstehen sind. So was einfach nur stumpf schaltplanmäßig nachzubauen, war da nicht so mein Ding und kann auch nicht funktionieren.

Aus diesen drei Aspekten, mich selbständig zu machen, Begeisterung für Technik und(!) Musik und aus dem tiefen Respekt für Bob Moog ist dann Synth-Werk entstanden.

Synth-Werk Entwicklungslabor

Synth-Werk Entwicklungslabor

Florian:
Wie kam es zum Namen?

Gerhard:
Ganz zu Anfang habe ich ein paar Module mit “Anarchistesoundsystems” beschriftet. Aber als es dann wirklich ein Firmennamen werden sollte, fiel mir das einfach so ein. Ich nahm an, dass es das sicher schon gäbe, habe mehr spaßeshalber den Namen bei einem Web-Domaine-Suchdienst eingegeben und war ganz erstaunt, dass die Domäne noch frei war. Die habe ich gleich registriert und dann hat es noch bis 2013 gedauert, bis wir an die Öffentlichkeit gegangen sind. Der Einstieg war dann, dass wir das 901er-Modul schon soweit hatten, dass es akzeptabel stimmstabil war, ohne den charakteristischen Sound zu verlieren und die Schaltung zu verändern. Damit trauten wir uns, es als Produkt anzubieten.

Florian:
Du sagst „wir“. Wer steckt alles hinter Synth-Werk?

Gerhard:
Der Kern bin schon ich, aber darum herum gibt es eine lose Gemeinschaft, die Synth-Werk mit ausmacht. Interessanterweise sind das alles wieder Musiker. Als engsten “Kollegen” habe ich einen Elektronik-Ingenieur, der hier in München bei einem großen Messtechnik-Unternehmen arbeitet. Der hat natürlich Zugriff auf extrem interessante Messtechnik und hat Simulationsmöglichkeiten, die einem Kleinunternehmen sonst nicht so ohne weiteres zur Verfügung stehen. Der Gehäusebauer ist Gitarrist. Dann gibt es einen Schlagzeuger, der hat die Laserfirma, in der die Modul-Rahmen geschnitten werden. Auch wenn ich die Kernfigur bin, alleine macht man so was nie. Ohne den Austausch mit den anderen ginge das nicht.
Das gilt auch für die Musiker. Gerade Andi Y hat auch einen Synthesizer von uns. Mit ihm bin ich sehr über „Sound“ im Austausch. Das ist für mich sehr faszinierend, weil Andi ein Mensch ist, der sehr im Detail lebt, was Sound, was Klang angeht. Der hat ein großes Eurorack-System in seinem Studio stehen, aber obendrauf steht dann ein Spirit of Trumansburg M1 von SYNTH-WERK.

Forum
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      TimeActor  AHU

      Ja leider, ich habe mir ein 24U System mit Oakley Platinen gebaut und alles wie z.B die Frontplatten, bakelit Regler etc. selbst hergestellt. Nicht nur das es eine Mega Arbeit in der Freizeit ist sondern gefühlt auch nicht weniger gekostet hat als ein fertiges wenn man die Arbeitszeit hinzurechnen würde.

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        changeling  AHU

        Arbeitszeit in Rechnung stellen bei Selbstbau ist immer so eine Sache. Entweder macht es einem als Hobby Spaß, dann ist keine Arbeitszeit oder man sollte dann wirklich lieber Fertigmodule kaufen. Für mich ist die Bastelei Entspannung und sorgt wenn etwas fertig ist und funktioniert für ein unersetzliches Glücksgefühl und Stolz, dass ich es geschafft habe. Das bietet mir ein Fertigmodul nicht.

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          Leverkusen  

          Ja, genau so erlebe ich das auch – und dann ist es eben doch auch noch weniger teuer. Die Riesenmodularwand wird so zumindest in der Phantasie etwas realistischer…

          Allerdings kann ich mir vorstellen. dass sich dieses Glücksgefühl eher einstellt wenn auch schon ein halbwegs funktionierendes System vorhanden ist und nicht die ersten Selbstbauten aus Stromversorgung und Verteilung bestehen. Wenn sich ein neuer Filter oder Wavefolder oder was auch immer in’s System einfügt und man gleich was spannendes ausprobieren kann ist das natürlich was anderes als wenn der erste Oszillator ohne Filter, VCA und Hellkurven vor sich hin tutet.
          Für mich ist die Konzentration auf DIY aber auch eine gute Möglichkeit der Falle der ewigen Neuerwerbungen zu entkommen…

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            changeling  AHU

            Die Stromversorgung bei meinem 5U habe ich halbfertig von Mouser gekauft, das war ein lineares Netzteil.
            Für die Busplatine habe ich mir eine eigene Platine designt (http://sdi.....board.html), da mir die anderen Busplatinen nicht gefallen haben. Die meisten waren zu eng (Synthtech, Ken Stone) und Eurorack bzw. COTK Anschlussmöglichkeiten zu haben war mir auch wichtig. Entkoppelungskondensatoren sind eigentlich immer auf den Modulen selber drauf, also AFAIK auf der Busplatine unnötig.

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              Leverkusen  

              Meine Oakley Platinen (PSU/Dizzy Board) liegen auch noch unverdaut im Schrank weil ich dann doch eine gebrauchte dotcom PSU günstig angeboten bekommen habe. Die CotK Lösung finde ich aber, zumindest aus der Ferne, auch ganz vielversprechend.

              Ich meinte aber auch vor allem, dass der Anfang beim Module bauen erstmal etwas langatmig sein kann bis es größere Erfolgserlebnisse gibt wenn sonst noch nix Case ist…

              Außerdem liegt hier auch immer noch mein nur mittelgut funktionierender Noise Toaster herum mit dem ich das Löten angefangen habe, seit dem funktioniert aber gottlob alles:-)

              Dennoch, wenn ich vorher gewusst hätte, dass das alles gar nicht so kompliziert und dafür eben auch so selbstwertfördernd ist, hätte ich viel früher angefangen selber zu bauen.

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                changeling  AHU

                Naja, ich hatte immer meinen SEMTEX zu Überprüfung der Module. Mit einem dualen Labornetzteil kann man die Module auch ohne Case+Stromversorgung testen. Ist nicht ganz billig, lohnt sich aber auch für andere Tests.

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          TimeActor  AHU

          Ja sicher so sehe ich das auch…es ging mir nur um die Frage der Kosten für ein fertiges System aufgrund der Anmerkung meines Vorschreibers.

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    Filterspiel  AHU

    Es fasziniert mich immer wieder diese ursprünglichste Art der elektronischen Musikerzeugung zu verfolgen, kommt sie doch dem klassischen Instrumentenbau am ähnlichsten. Zumal ich da wenigstens noch verstehe (Nachrichtentechniker/FHandW) wie die Klänge entstehen. Sicherlich habe ich mich auch mit den frühen Motorola 56K DSPs beschäftigt, aber das war mir doch zu abstrakt und erfordert mehr Mathematik als mir im kreativen Prozess lieb ist.

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    changeling  AHU

    Der Interview-Link auf Seite 2 sollte wohl noch gesetzt werden. Da stehen nur die Link-Tags (wird hier im Kommentar leider nicht angezeigt).

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