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Test: Moon Modular, Modular-Synthesizer in 5U

17. März 2018

Flüge zum Mond bucht man in Berlin!

Wir schreiben den 09.September 2017. An diesem Tag ging das viel beachtete Interview mit Gert Jalass, seines Zeichens Mastermind der Berliner Synthesizerschmiede Moon Modular online. Wir sprachen damals mit Gert über sein bisheriges Leben und über seine Schritte ins Business. Wir sprachen über seine Wahlheimat Berlin und warfen einen näheren Blick auf seine prominente Kundschaft. Nur rudimentär konnten wir aber sein eigentliches Werk, die Module und Systeme von Moon Modular, vorstellen. Das wollen wir heute nachholen und vor allem auch mal bewerten.

Einleitung

Testsystem oder besser ein System zum Testen. Wo soll man da anfangen? Länge x Breite x Höhe? Wie viel Platz hat man zur Verfügung? Modularsysteme aus dem Hause Moon Modular sind prinzipiell frei konfigurierbar. Obwohl grundsätzlich realisierbar, gibt es keinen Zwang zur Kopie, keine zwingend notwendige Hinwendung zu berühmten Systemen wie 15, 35 oder 55 und I, II oder IIIP usw. Die einzigen Konventionen, die Gert Jalass mit Moon Modular eingehen wollte und will, sind das 5U Modulformat und die elektrische Kompatibilität zu den Systemen der anderen Mitbewerber.

Die Module haben zwar allesamt Look & Feel von Moog (aus reiner Tradition und Liebe zum Original), weichen ansonsten aber doch deutlich von Moog’schem Vorbild ab. Ganz bewusst! So haben sich Gert Jalass und ich also überlegt, wie ein „System for Beginners“ aussehen könnte. Wichtig ist, den Augenmerk auf das Sequencing zu richten. Sequencer waren schon immer DIE „Spielhilfen“, die den Elektronikfan Gert Jalass besonders fasziniert haben. Und als die Idee aufkam, selbst Module für andere Musiker zu bauen, war tatsächlich der 4-Track/8-Step Trigger Sequencer (Modul 563) das erste Modul, mit dem Moon Modular ins Geschäft eingestiegen ist. Das sind mittlerweile die ältesten Module im Programm und sie sind noch immer heiß begehrt. Dessen große Brüder, die Module 568 und 569, gehören also unbedingt in unser Setup. „Drumherum“ baut Gert Jalass alles ins System ein, was zum guten Moon Ton gehört. Erweiterungen für die Sequencer wie MIDI To Clock und MIDI To CV Interfaces, Gate Output Expander und ein Universal Programmer.

Die Klangerzeugung ist zweistimmig ausgelegt. Sie besteht aus einem Dual Voltage Controlled Oscillator, einem Dual Voltage Controlled Amplifier, einem Voltage Controlled Multi Mode Filter, einem weiteren Voltage Controlled High Pass/Low Pass Filter, einem Dual Voltage Controlled Amplifier und einem Dual Envelope Generator. Dazu gesellen sich ein Quad Low Frequency Oscillator, ein Multiple und ein Utility Module. Unser „Testsystem“ ist zwar nun komplett, aber auf keinen Fall vollständig …

DUAL VOLTAGE CONTROLLED OSCILLATOR 501D

Der MoonModular Dual Voltage Controlled Oscillator 501D

Dieses 2U weite Modul beinhaltet zwei spannungsgesteuerte Oszillatoren. Das Layout des 501D möchte ich als „halbseparat“ bezeichnen. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass es Funktionen gibt, die gemeinsam auf beide Oszillatoren wirken und welche, die vollkommen unabhängig voneinander arbeiten. Grundsätzlich geben die Oszillatoren Sinus, Dreieck, aufsteigender und abfallender Sägezahn, Rechteck und Puls (modulierbar) aus. Die Pulsbreiten können durch entsprechende PULSEWIDTH 1 und 2 Regler manuell eingestellt oder mittels Steuerspannungen, die man an die Eingänge PW MOD 1 und 2 anlegen und in ihrer Stärke über die korrespondierenden Regler einstellen kann, verändert werden. Die Fußlagen beider Oszillatoren können von 32‘ bis 2‘ eingestellt werden. Hinzu kommen noch die Schalterpositionen LOW und WIDE. Im LOW Modus kann ein Oszillator als LFO verwendet werden.

Mit dem MASTER TUNE Regler werden beide Oszillatoren gleichzeitig gestimmt. Zum Verstimmen gibt es einen VCO 2 DETUNE Regler. Schaltet man nun einen Oszillator in den WIDE Modus, werden MASTER TUNE und VCO2 DETUNE entkoppelt und können manuell einen Frequenzbereich von 20 Hz bis größer 10 kHz durchfahren. Beide Oszillatoren können über einen entsprechenden Schalter „hard gesynct“ werden. Für die Frequenzmodulation der beiden Oszillatoren gibt es separate Modulationseingänge. Die Tiefe der Modulation wird über die Regler FREQ. MOD 1 und 2 gesteuert. Ein paar Worte zu den Ausgängen für die Schwingungsformen. Der Schalter für die zuvor genannten Schwingungsformen wird DUAL WAVEFORM SELECT genannt. Das bedeutet, dass hier die Schwingungsform eingestellt wird, die an den separaten Ausgängen WAVE OUTPUT 1 und 2 ausgegeben wird. Doch das ist nicht alles. Zusätzlich hat man dem VCO2 noch extra Ausgänge für Sinus, Dreieck und Puls spendiert.

Zu guter Letzt verfügt der 501D noch über einen weiteren Ausgang für White Noise. In der Tonhöhe gesteuert können die beiden Oszillatoren des 501D separat über die Eingänge CV IN OSC 1 und 2 oder über den zentralen Eingang CV IN OSC 1+2. Nicht Bestandteil dieses Systems, aber dennoch Wert erwähnt zu werden, sind die Erweiterungen 501E Oszillator Expander und 501M Oszillator Mixer. Der Oszillator Expander stellt weitere Modulationsmöglichkeiten und zusätzlich mehr Einzelausgänge für die Schwingungsformen des 501D bereit. Der Oszillator Mixer ist ein sechskanaliges Modul, mit dem die Schwingungsformen des 501D gemischt werden können. Beide Module funktionieren nicht standalone, sondern müssen mit dem 501D intern verschaltet werden.

Der REVERSIBLE MIXER 526

Moon Modular

Universeller einsetzbar, in diesem System aber dem 501D Beiseite gestellt, ist der REVERSIBLE MIXER. Dieses Modul beinhaltet einen dreikanaligen Mixer, wobei jeder Kanal bipolar ausgelegt ist, also in der Lage ist, ein eingehendes Signal zu invertieren (das Signal wird um 180° phasenverschoben). Eingangssignale können Audiosignale, aber auch Steuerspannungen sein. Der 526 ist gleichspannungsgekoppelt, d.h. alle Signale, die der Mixer bekommt, werden addiert bzw. subtrahiert. Jeder Kanal verfügt über einen separaten Signaleingang, der mittels eines On/Off-Schalters ein- und ausgeschaltet werden kann. Die Level-Regler (pro Kanal) laufen von -10 (Signal wird invertiert) über 0 (kein Signal) bis zu +10, entsprechend der maximalen Stärke des Eingangssignals. Das Modul verfügt über 2 Ausgänge OUT- und OUT+. Ein MASTER LEVEL Regler bestimmt die Gesamtlautstärke der Ausgangssignale. Alternativ zu dem fehlenden Oszillatormixer 501M kann man auch dieses Modul nehmen, um aus den Schwingungsformen des 501D etwas Neues zusammenzumischen oder man benutzt ihn als einfachen Audiomixer. Was ihm allerdings nicht wirklich gerecht wird.

VOLTAGE CONTROLLED HIGH PASS / LOW PASS FILTER 517S

Moon Modular

Das S in der Bezeichnung 517S steht offenkundig für small, handelt es sich doch bei diesem Modul um eine Hälfte des VOLTAGE CONTROLLED HIGH PASS / LOW PASS FILTER 517, welches mit 2 Filtern ausgestattet ist. Beide Module sind neu im Programm von Moon Modular und erst seit Kurzem am Markt erhältlich. In unserem System ist nun der 517S verbaut. Dieses Filter kann entweder als Low Pass Filter mit 24 dB/Okt Flankensteilheit oder als High Pass Filter mit 18 dB/Okt Flankensteilheit verwendet werden. Die Entscheidung trifft man mittels eines HIGH PASS/LOW PASS-Schalters. CUTOFF Frequency oder RESONANCE können entweder manuell oder über entsprechende Steuerspannungseingänge kontrolliert werden. Ein Tipp: Wer Platz in seinem System hat, sollte vielleicht gleich auf das Modul 517, also das Coupled Dual Voltage Controlled High Pass/Low Pass Filter zugreifen. Dieses Modul hat dieselbe Klangqualität, aber wesentlich mehr Möglichkeiten.

VOLTAGE CONTROLLED MULTI MODE FILTER 505

Der Voltage Controlled Multi Mode Filter 505

Das Voltage Controlled Multi Mode Filter (ebenfalls Bestandteil unseres Systems) stellt vier Filtermodi zur parallel zur Verfügung. Dies sind LOW PASS, HIGH PASS, BAND PASS und NOTCH. LOW – und HIGH PASS Filter arbeiten mit 12 dB/Okt Flankensteilheit und mit 6 dB/Okt im NOTCH Mode. Für alle Filterausgänge gibt es in diesem Modul Einzelausgänge und einen MIXED SIGNAL OUT, der Sinn macht, wenn die Filtermodi nicht manuell, sondern per Steuerspannung (über MODE CONTROL) extern verändert werden. CUT OFF und REGENERATION (Resonance) können wie gewohnt manuell oder per Steuerspannungen über je zwei separate Eingänge kontrolliert werden. Diese sind mit FREQUENCY CONTROL INPUTS bzw. REGENERATION CONTROL INPUTS bezeichnet. Der CUT OFF Eingang mit 1V/Okt ist (vorzugsweise) für „gestimmte“ Steuerung gedacht – so man z.B. „Rauschen“ tonal spielen möchte.
Der CUT OFF Eingang mit Regler hat 0,5 V/Okt und ist der Eingang für z.B. Hüllkurven oder LFOs. Somit ist es auch bei „relativ“ niedrigen Steuerspannungen möglich, das Filter weit zu durchfahren. Dieses Filter ist gerade durch seine Bandpass- und Notch-Funktionen sehr interessant und lädt zum Experimentieren ein. Ich verwende es auch, um z.B. externes Klangmaterial damit zu bearbeiten. Wenn man dieses Filter dann noch zyklisch moduliert (LFO oder Sequencer), dann wird es interessant ?

DUAL VOLTAGE CONTROLLES AMPLIFIER 502D

Der Dual Voltage Controlled Amplifier 502D

Dieses Modul beinhaltet zwei separate VCAs, die getrennt entweder linear oder exponentiell betrieben werden können. Die Eingangssignale können entweder echte Audiosignale oder Steuerspannungen sein. Zur entsprechenden Auswahl gibt es je einen AUDIO IN Schalter, der dem VCA den Betrieb im AC- oder D- Modus ermöglicht. Dadurch ist es möglich, das Modul als Mono- oder Stereo-VCA, aber auch als Auto Pan Modul und als Ringmodulator zu nutzen. Dazu gibt es einen eigenen RING MOD OUT, dann einen MIX OUT und natürlich zwei einfache Signalausgänge. Aber gerade die zuvor genannten Features erweitern die Möglichkeiten dieses druckvollen Dual VCAs wesentlich. Die GAINs der beiden VCAs können getrennt direkt, aber auch kreuzweise über externe Signale moduliert werden. Im einfachsten Fall würde man hier das Ausgangssignal eines Hüllkurvengenerators anschließen. Womit wir beim nächsten Modul angekommen sind.

DUAL ENVELOPE GENERATOR 511D

Der Dual Envelope Generator 511D

Gate rein, Steuerspannung raus. Der 511D enthält zwei 4-stufige Hüllkurvengeneratoren mit normalen und invertierten Ausgängen. Die Zeitparameter reichen von 1 ms bis zu 20 Sekunden. Jede Hüllkurve hat einen normalen und einen invertierten Signalausgang. Ein zentraler MANUAL GATE Knopf löst beide Hüllkurven manuell aus. Neben dem normalen Betrieb kann jede Hüllkurve auch noch mittels eines Kippschalters in den RETRIG Mode versetzt werden. So lange das Gate-Signal anliegt, durchläuft der Envelope Generator in dieser Betriebsart immer wiederkehrend ATTACK und DECAY mit den jeweils eingestellten Zeiten. Das war es auch schon beim 511D. Wer es etwas „steuerbarer“ braucht, sollte sich den 511C ENVENLOPE GENERATOR anschauen. Der hat 4+1 Parameter, die separat über Steuerspannungen kontrolliert werden können.

QUAD LOW FREQUENCY OSCILLATOR 524

Der Quad Low Frequency Oscillator 524

Eigentlich muss das Modul QUAD LOW FREQUENCY OSCILLATOR 524CP heißen, denn in unserem System ist der 4-faceh LFO als CP Modul (Moog-Format) verbaut. Er ist aber auch als Standard 5U Modul erhältlich. Doch nun zu den LFOs an sich. Jeder gibt DREIECK und RECHTECK an separaten Ausgängen raus. Wer mehr Schwingungsformen gleichzeitig abgreifen möchte, muss sich zusätzlich das LFO ASSISTANT Modul 524A beschaffen. Über einen RANGE Schalter kann man entscheiden, ob der LFO im Audio- oder im LFO-Bereich läuft. Im Audio-Mode hat ein LFO einen Frequenzumfang von 0,5 Hz bis ca. 4500 Hz und im LFO-Mode durchläuft er einen Zyklus in 5 Minuten (!) und kann bis max. 40 Hz eingestellt werden. Jeder LFO hat einen FREQ CV INPUT nebst bipolarem Abschwächer. Dadurch könnte ein LFO, gerade wenn er im Audiobereich läuft, „tonal“ gespielt werden. Zu einem VCO Ersatz macht ihn dieses Feature aber nicht.

UTILITY MODULE 544CP

Das Utility Module 544CP

Wenn wir an dieser Stelle schon bei den CP Modulen sind, kann ich auch gleich das UTILITY MODULE vorstellen. Wie der Name erahnen lässt, handelt es sich hierbei um ein kleines Helferlein für verschiedene modulare Belange. In diesem 4 Units breiten Modul sind VOLTAGE SUMMER, GATE SUMMER, GATE DELAY, SLEW LIMITER und zwei ATTENUATOR A/B untergebracht. Der Spannungssummierer addiert an den Eingängen anliegende Signal, egal ob Steuerspannungen oder Audiosignale zu einem Summenwert und gibt dieses „Ergebnis“-Signal an den Ausgängen so bzw. invertiert aus. Intern wird das Signal auf den Eingang des SLEW LIMITERS zur weiteren Verarbeitung geleitet. Dieser glättet das eingehende Signal, sodass man es z.B. für Portamento-Effekte verwenden kann. Ähnliches macht der GATE SUMMER, nur dass hier eingehende Gate-Signale (logisch oder) verarbeitet werden. Das Ergebnis (1 oder 0) wird ebenfalls direkt und invertiert an den Ausgängen als neues Gate-Signal ausgegeben und intern an das GATE DELAY weitergeleitet. Sowohl SLEW LIMITER als auch das GATE DELAY verfügen über eigene Eingänge, mit denen externe Signale bearbeitet werden können. Der interne Signalfluss wird dadurch unterbrochen. Der Mischerbereich besteht aus zwei separat regelbaren Abschwächern, mit denen Eingangssignal (Steuerspannungen oder Audiosignale) getrennt in ihrem Anteil geregelt werden können. Der Regelbereich reicht von -5 über 0 bis +5. -5 bedeutet auch hier, dass das Signal um 180° zum Original phasenverschoben wird. An der Buchse A+B MIX OUT liegt das Summensignal beider Kanäle an. Jeder Kanal verfügt aber auch über einzelne Ausgänge und Kanal B zusätzlich noch über einen invertierten Signalausgang. Dadurch sind bei entsprechender Bearbeitung der Eingangssignale Panoramaeffekte oder Phasenauslöschungen realisierbar.

Damit sind die grundlegenden Module zur Klangerzeugung und Klangbearbeitung innerhalb „unseres“ Moon Modular Systems vorgestellt. Kommen wir nun zum Wesentlichen …

QUAD SEQUENTIAL VOLTAGE SOURCE 569

Die Quad Sequential Voltage Source 569

Das Zentralgestirn dieses Systems ist der Analog Sequencer von Moon Modular. Aufgeteilt in 4 Reihen à 8 Schritten, hat er eine maximale Reichweite von 32 Schritten für eine Sequenz. Alternativ kann er mit dem SEQUENCE MODE Schalter auch in die Spielzustände 1×32, 2×16, 4×8 und 2×8-8, sowie 1×16-16 gebracht werden. Der 4×8 Status bietet uns also 4 separate Sequencer mit je 8 Schritten. Jede der 4 Reihen hat einen separaten Ausgang für Steuerspannungen und Gate-Impulse. Über entsprechende Kippschalter kann man jeder Reihe separat den Umfang der regelbaren Steuerspannungen zuweisen. Diese sind 0-2 V, 0-5 V oder 0-10 V. Wählt man einen der letzten Modi, werden die Steuerspannung quantisiert ausgegeben. Die Laufrichtung jeder Reihe kann ebenfalls separat eingestellt werden. Diese sind UP, DOWN und RANDOM. Werden die Betriebsmodi 16 oder 32 eingestellt, kann man mit den Schaltern für die 2te bzw. 2te und 4te Reihe einen PING PONG Modus aktivieren. Jeder der 32 „STEPS“ hat einen eigenen Kippschalter zur Kontrolle des STEP MODES.

Diese Modi sind entweder GATE ON, GATE OFF oder FUNCTION. Am Ende jeder Reihe befindet sich zusätzlich ein FUNCTION-Schalter mit den Positionen SKIP, RESET und STOP. Wird FUNCTION auf einem beliebigen Schritt aktiviert, wird die mit dem FUNCTION-Schalter eingestellte Funktion diesem Schritt zugewiesen. Was man damit wirklich kann, sollte eher ausprobiert, als erklärt werden. Darüber hinaus verfügt der 569 über 4 sogenannte RESET INPUTS. Einen Eingang für jede Reihe. An diese Eingänge kann man ein beliebiges Signal anlegen, z.B. einen langsamen LFO. Sobald das Eingangssignal eine bestimmte Schwelle überschreitet, wird ein RESET Impuls für die jeweilige Reihe ausgelöst und die entsprechende Reihe resettet; springt also auf den ersten Schritt. Interne und externe RESET-Befehle können also so kombiniert werden.

Ein manuelles RESET ist natürlich über einen entsprechenden Knopf ebenfalls möglich. Wie es sich für einen guten Analog-Sequencer gehört, hat der 569 einen internen Clock-Oszillator sowie einen mit INT. CLOCK FREQUENCY bezeichneten Regler nebst Indikator-Lampe zur Steuerung der Ablaufgeschwindigkeit. Ein START/STOP-Knopf und ein TRANSPOSE genannter Eingang für externe Steuerspannungen fehlen natürlich ebenfalls nicht. Die interne Clock kann allerdings ebenfalls beeinflusst werden. Hierfür gibt es vier sogenannte SHIFT-Eingänge. Man legt hier externe Signale an, wodurch die interne Clock signalabhängig „geschoben“, also geshiftet wird. Das hängt allerdings vom Betriebsmodus des Sequencers ab. Wird dieser z.B. im 1×32 Modus betrieben und legt man an die dritte SHIFT-Buchse ein externes Signal an, laufen die ersten beiden Reihen des 569 mit der internen Clock und die dritte Reihe mit der externen Clock usw. Auch hier gilt ausprobieren.

„Ich will mehr Leben, Vater“

SET INPUT EXPANDER BASIC 569ESB

und

GATE OUTPUT EXPANDER BASIC 569 EGB

Die Basic Sequencer Expander 569 ESB und 569 EGB Module

Sequenzen leben nur von ihrer Variation. „Endless noodling“ war einmal. Das haben sich Gert Jalass und seine Mitstreiter auch gesagt. Also galt es, die Möglichkeiten des 569 zu erweitern. Mit den Modulen SET INPUT EXPANDER BASIC und GATE OUTPUT EXPANDER BASIC sollte das gelingen.

Quad Sequential Trigger Source 568

Die Quad Sequential Trigger Source 568

Die Quad Sequential Trigger Source ist ein absolutes Muss für jeden Fan von Tangerine Dream. Ähnlich der Sequential Voltage Source, bietet auch dieser Sequencer 4 Signalreihen an. Allerdings werden hier keine Steuerspannungen, sondern Multitrigger eingestellt. Jede Reihe verfügt über 32 Druckschalter, mit denen entsprechende Trigger aktiviert werden können. Die gedrückten Schalter beginnen dann zu leuchten und zeigen so ihren Status an. Über einen MODE-Schalter kann man einstellen, ob der Sequencer im 4 x 32, 2 x 64 oder im 1 x 128 Schritt Modus laufen sollen. Jede Reihe verfügt über eine eigene TRIGGER OUT Buchse. Legt man dieses Signal auf einen SHIFT-Eingang der Sequential Voltage Source, werden die Schritte dieses Sequencers entsprechend zeitlich „verschoben“, was zu geänderten Notenlängen führt. So kann man den Sequencer dazu bringen, dass er z.B. Triolen spielt usw. Wie gesagt, Tangerine Dream lässt grüßen.

Man kann die Trigger Source aber auch grundsätzlich anders, nämlich als Drum-Trigger benutzen. Entsprechende Klangquellen vorausgesetzt, funktioniert das Modul 568 dann wie ein Drum-Computer. Das ist eine Anwendung, die mir persönlich sogar besser gefällt. Insgesamt ist die Quad Sequential Trigger Source eine interessante Ergänzung zu einem bestehenden Sequencer-Setup. Dieses Modul ist nicht unbedingt für ein Starter-System notwendig. Wer aber sehr Sequencer-lastige Strukturen mit seinem Modularsystem realisieren will, sollte sich dieses Modul unbedingt anschauen.

CONTROL VOLTAGE TO MIDI CONVERTER 552

Der Control Voltage to MIDI Converter 552

Wäre es nicht, wenn man all die schön zusammengebauten Sequenzen nicht auch zur Steuerung externer Hardware verwenden könnte? Und zwar nicht nur per CV/GATE-Steuerung, sondern per MIDI? Was bei vielen anderen Synthesizern nicht möglich ist: Mit dem CONTROL VOLTAGE TO MIDI CONVERTER geht das ganz problemlos.

Fazit

Ein Fels in der Brandung

Das „Studio Cabinet“ von Moon Modular ist definitiv kein Testsystem, sondern ein ausgereiftes Instrument, mit dem man sofort arbeiten kann. Da wackelt nichts. Da macht nichts einen billigen Eindruck. Die Oszillatoren sind vom Moment des Einschaltens an stimmstabil. Die Hüllkurven sind knackig, die Filter haben Biss und dürften jeden Analogfan zufriedenstellen. Die VCAs verleihen den Sounds reichlich Druck. Wer gerne „verkabelt“, wird dank reichlicher Zugriffspunkte eher über Zeitmangel klagen, als über etwas anderes.

Man merkt sicherlich: Mein Herz schlägt für die großen, analogen Kisten. Das wird es wohl immer. Sie sind in jeder Hinsicht beeindruckend. Es macht Spaß, von Zeit zu Zeit mit ihnen zu arbeiten, verrückte Sounds zu patchen und die Sequencer nach Herzenslust laufen zu lassen. Die Limitierung, neue Klänge damit zu kreieren, liegt ausschließlich in der eigenen Begrenzung oder besser Phantasie. Aber stimmt das so wirklich? Die subtraktive Klangsynthese ist nur eines (wenn auch das Populärste) von vielen Konzepten zur Klangerzeugung und Bearbeitung. Ein modularer Aufbau erweitert die Möglichkeiten und durchbricht die vorgegebenen Strukturen. Den bekannten Weg zu verlassen, dafür sind modulare Systeme eigentlich da. In den frühen siebziger Jahren wurden die vornehmlich von Moog stammenden Systeme gerne als „Universal Music Machines“ bezeichnet. Das hatte etwas Großes, etwas Kosmisches. In gewisser Weise stimmte das auch; fügten sie doch dem bekannten Klangspektrum ein völlig Neues hinzu. Einen ähnlichen Effekt konnte man einige Jahre später wahrnehmen, als Sampling als neue musikalische Ausdrucksform wahrgenommen wurde und abermals ungeahnte Klangmöglichkeiten bereitstellte. Oder nehmen wir die FM-Synthese usw. usw. Nie war das Ende der Sounddesign-Fahnenstange erreicht. Heute erzeugt man wirklich spannende und neue, sprich fremdartige Klänge eher mit anderen Synthesizern. Egal, ob sie als Hardware-Instrumente oder als virtuelle Maschinen daherkommen. Das ändert allerdings nichts an der Beliebtheit des Konzepts; was mich zurück zu den modularen Klassikern bringt.

5U Systeme sind konservativ und salopp gesprochen „voll retro“. Das ist weder gut noch schlecht. Sie stellen ein bestimmtes Konzept dar, dessen man sich bedienen mag, wenn man will. Sie sind nichts für den sozialen Wohnungsbau. Zu groß und in jedem Fall zu schade für einen reinen Show-off. Dennoch, wer sich für ein „großes“ System entscheidet, muss nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Es gibt genug Produzenten in Deutschland und im europäischen Ausland, die einen mit 5U Systemen in bester Qualität versorgen können. MoonModular hat seinen Stützpunkt in Berlin. Das könnte kaum besser sein (aus der Sicht eines Berliners …). Gert Jalass ist ein Verfechter analoger Traditionen. Den Kampf gegen die Boutique- und Billig-Welt nimmt er gar nicht erst auf. Weshalb auch? Wem dieser Gedanke gefällt, der sollte an MoonModular auf keinen Fall vorbeischauen.

 

Plus

  • sehr guter Klang
  • stimmstabile Oszillatoren
  • individuelle Lösungen können realisiert werden
  • Die Spannungsversorgung ist zu 100% kompatibel mit dem vom Synthesizers.Com gesetzten Standard
  • Kundennähe
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • hohe Verarbeitungsqualität.
  • angemessene Lieferzeiten

Minus

  • keine Fixed Filter Bank
  • kein Envelope Follower
  • 5U Systeme sind selten klein, aber das ist nicht wirklich als Nachteil anzusehen.

Preis

  • Preise bitte der Homepage von MoonModular entnehmen
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Sollte ich jemals in dieser Inkarnation noch modular werden, so wäre es mit größter Wahrscheinlichkeit Moon Modular — vor allem auf der Sequencerebene.

  2. Profilbild
    P-Nautilus

    Schöner Testbericht und Soundbeispiele!
    Gibt’s das Studio Cabinet jetzt in der nächsten Verlosung? ;-)
    Da würde bestimmt nicht nur mir der modulare Mund wässrig…

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