Album Release: File Not Found, Daniel Wunder & Martin Pscherer

13. Dezember 2009

Pop Music or Mailfunction?

File Not Found – IMPULSE, 2009

Man schreibt das Jahr 1997. Daniel Wunder und Martin Pscherer, beide Liebhaber elektronischer Musik mit Quietsch- und Blubbergeräuschen, kennen sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit längerem durch regelmäßige Besuche ihrer Stammdiskothek. Und beide mögen es, ihren Synthesizern alle möglichen Geräusche zu entlocken. So kommt es, wie es kommen muss. Daniel und Martin tauschen Tapes mit Aufnahmen ihrer ersten musikalischen Gehversuche aus. Und siehe da: Man befindet sich vom Musikgeschmack her größtenteils auf gleicher Wellenlänge.

Die Beiden beschließen, einfach mal gemeinsam etwas auszuprobieren. Equipment ist beiderseits vorhanden, Daniels Wohnzimmer, welches auf Grund nicht vorhandener Ordnung fortan „Chaos Room“ genannt wird, dient als Studio. Der Tüftler Martin nimmt spezielle Soundkreationen und diverse Special FX bei sich zu Hause auf und bringt diese zu den immer zahlreicher werdenden Recording-Sessions mit. Die ersten zusammen eingespielten Stücke sind noch sehr minimalistisch. Sie passen sehr gut zu den Songs, die Martin bereits unter dem Namen „ME.“ aufgenommen hat. Daraus entsteht zunächst dann auch das erste gemeinsame Projekt der Beiden: „WE.“ Doch das ist eine andere Geschichte.

Nach einigen Nächten in Daniels „Chaos Room“, in denen kräftig an Synthesizern der Marken ARP, Korg, Roland und Co. geschraubt wird und die so manche First-Take Perlen hervorbringen, kristallisiert sich nach und nach ein bestimmter Stil heraus: tanzbare Electro-Rhythmen, eingängige Synth-Pop Melodien und auch atmosphärische Coldwave-Songs im Stil der frühen 80er. Und das alles mit einem kantigen Charme, der durch bewusst einfach gehaltene Produktion und allerlei Geräusch-erzeugende Gimmicks, wie z.B. dem C64 erreicht wird.
Martin steuert mit seinem Faible für lärmende und quietschende Flohmarktartikel immer wieder den ein oder anderen originellen Klang bei. Er übernimmt größtenteils den Gesang und die Bedienung seiner volljährigen, analogen Kisten, während Daniel sich den Melodien, Arrangements und dem Zusammenfügen einzelner Klangfragmente widmet. Im Jahr 1999 schließlich findet sich dann auch ein Name für die neue Band: FILE NOT FOUND soll sie heißen.

Erste Erfolge gibt es bald: sowohl sehr positive Tanzflächenresonanz auf einzelne Songs in diversen Discotheken der „Schwarzen Szene“, als auch mit einem ersten musikalischen Beitrag „Alien Lifeform“ für die „DeejaTribeVol.2“ Szene-Compilation. Der erste große Hit lässt nicht lange auf sich warten: Der Electro-Knaller „67840 – You’ve Got My Number“, der eher „aus Versehen“ entsteht, sorgt bis heute für volle Tanzflächen. So folgt dann im Jahr 2001 das Debüt-Album „Malfunction“, welches FILE NOT FOUND komplett in Eigenregie produzieren und veröffentlichen. Schließlich schaffen es Daniel und Martin nach einigem guten Zureden auch auf die Bühne und feiern im Jahr 2004 ihr viel umjubeltes Live-Debüt als Support der belgischen Szene-Ikone DIVE.
Das zweite Album „Division By Zero“ wird 2005 unter dem neu gegründeten Berliner Label „Etoile Records“ veröffentlicht. Diese Scheibe, auf der sich Clubhits wie „Schwarz“, „Gimmicks“ oder auch „No, Nothing, Never“ befinden, hält sich wochenlang in den DAC (Deutsche Alternative Charts) und erreicht dort einen äußerst respektablen vierten Platz.

Es folgen sowohl diverse Beiträge auf renommierten Szene-Compilations als auch Remixe u.a. für THE WEATHERMEN, GHOST&WRITER, CELLULOIDE und SISTA MANNEN PA JORDEN. Die mit viel Witz und Charme präsentierten Liveauftritte von FILE NOT FOUND entwickeln sich zu echten Highlights, bei denen auch immer wieder diverses klangerzeugendes Kinderspielzeug zum Einsatz kommt. Unter anderem teilt man sich mit Szenegrößen wie IAMX, VNV NATION und auch VIVE LA FETE die Bühne. Um die lange Wartezeit bis zum nächsten Album zu versüßen, erscheint Ende 2008 die streng limitierte CD-R „Pre-Pulse“, die auch schon einen kleinen Vorgeschmack auf das neueste Werk der beiden Electro-Helden bot: „Impulse“.

Dieses Album wurde am 02.10.2009 auf dem von Daniel und Martin gegründeten Label „Voltage Controlled Records“ veröffentlicht. Die fast 5 Jahre währende Pause zum letzen „offiziellen“ Album hat den beiden nicht geschadet, denn ihr neues Album wurde mit großer Freude aufgenommen. Was man besonders an der Top-3 Positionierung in den DAC sehen kann.

AMAZONA.de:
Welche Ästhetik, welches Konzept verfolgt ihr?

MARTIN:
Ein definitives Konzept oder von Ästhetik haben wir für uns selbst nie zum Anspruch genommen. Natürlich sind wir schwer durch unsere Kindheit in den 80ern geprägt worden. Allerdings versuchen wir nicht, exakt dieses oder jenes nur zu kopieren, dafür sind auch zu viele neuere Elemente in unserer Musik. Wir wollen uns auch nicht zu enge Grenzen stecken, die womöglich unsere Kreativität noch beschneiden. Vielleicht ist es eine Mischung aus Tradition und Moderne. Was uns allerdings wirklich wichtig ist: Understatement. Nichtsdestotrotz der Delorean
musste fürs Album-Foto sein (lacht).

DANIEL:
Wir legen schon Wert darauf, möglichst auf Plug-in Synths und dergleichen zu verzichten und eher Hardware, sprich, original Synthesizer usw. einzusetzen. So gut viele Software Synths mittlerweile klingen, es macht einfach viel mehr Spaß, an richtigen Reglern und Knöpfen zu schrauben. Oder die alten Kisten einfach zu sammeln, wie z.B. Martin es tut. Obwohl ich langsam auch schon damit anfange (lacht). Außerdem machen wir viel aus dem Bauch heraus, ohne uns vorher ein Konzept zu überlegen. Wir setzen uns jetzt nicht hin und versuchen krampfhaft, einen Tanzflächenknaller zu schreiben, nur weil wir glauben, dass wir unbedingt einen Hit bräuchten. Das ist Quatsch und funktioniert eh nicht, zumindest nicht bei uns (lacht). Viele unserer Songs haben eher durch Zufall ihre besondere Note erhalten, wie z.B. eine verschobene MIDI-Spur, bei der dann lustige Sachen rauskommen, oder bereits vorhandene Audiospuren, die halt grad zufällig zu einem Song passen usw.

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