Album Release: Peter M. Mahr – „LP“

26. März 2016

Musik & Fotografie, zwei Welten, ein Mann.

 

Schon zum zweiten Mal steht uns noch Peter M. Mahr, der sympathische Synthesizer-Kenner mit dem Wiener Charme, für ein Interview zur Verfügung. Hatten wir ihn vor 8 Jahren in unserem Beitrag noch als OASYS MAN bezeichnet, ist es heute sein CD-Debut „LP“, welches uns so begeistern konnte, dass wir ihn erneut zum Gespräch baten.

Deshalb zu Beginn auch eine kurze Erläuterung, was uns an LP so gefallen hat – ohne es gleich „Kritik“ nennen zu wollen, denn dazu steht uns Peter einfach viel zu nahe :-)

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ABOUT LP

Peter kennt keine Dogmen, und das ist schon mal sehr angenehm. Trotz seiner tiefen Leidenschaft für Analogsynthesizer kommen auf LP verschiedenste Instrumente zum Einsatz, ohne näher erläutert zu werden. Letztendlich geht es ihm eben nicht um Equipment, sondern um die Musik, die damit kreiert wird.

Ich persönlich war dann auch am meisten fasziniert von all den elektronisch klingenden Kompositionen, in deren Mittelpunkt ein Piano oder E-Piano das tragende Lead-Instrument war. Stücke wie RAIN könnten einen ganzen Kinofilm tragen und besteht doch nur aus einem weichen Synth-Pad und einer Piano-Melodie. Überhaupt hat man bei Peters Kompositionen stets den Eindruck „weniger ist mehr“. Der Großteil der 16 Stücke ist auch eher ruhiger Natur und lädt ein, ganz entspannt Peters Musik zu inhalieren. Dass in Peter aber auch ein ungestümer Geist steckt, zeigen dann Stück wie z.B. BLUE DARKNESS, in denen ein markanter Sync-Lead Sound (Voyager?) die Gehörgänge attackiert und extrem lebendige Grooves einen Kontrapunkt zu der Hook-Line darstellt. An dieser Stelle sei deshalb explizit an den Drum & Percussion-Parts ein Lob ausgesprochen, die alle mit viel Liebe und Detailversessenheit produziert wurden und hierfür – dafür wage ich jetzt mal meine Hand ins Feuer zu  legen – kein einziger Loop Verwendung fand.

LP ist kein avantgardistischer Wurf, sondern für meinen Geschmack, harmonisches, angenehm konsumierbares  Sound-Kopf-Kino in höchster Vollendung. Peter hat uns erlaubt einige seiner Kompositionen auch direkt hier auf AMAZONA.de zu veröffentlichen. Ihr findet sie am Ende des INterviews in der Playbox.

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Peter G:
Hallo Peter, du hattest soeben Deinen fünfzigsten Geburtstag gefeiert und offensichtlich mit Deiner CD „LP“ ein musikalisches Resümee gezogen. War der Release bewusst auf den runden Geburtstag ausgerichtet?

Peter M:
Ja, das war er. Alter oder „alt werden“ hat bis dato für mich keine Rolle gespielt, in dem Sinne, dass ich keine Zeit damit verbracht habe, darüber nachzudenken. Aber der 50er ist eben ein halbes Jahrhundert und wenn ich mir vergegenwärtige, was mein Vater alles in 50 Jahren erlebt hat, da fängt man dann schon einmal an darüber nachzudenken, wie es bei einem selbst ist … Natürlich hält einem niemand davon ab, das auch schon zuvor zu machen [lacht], aber von dieser runden Zahl geht dann doch eine gewisse „Magie“ aus, um das einmal pathetisch auszudrücken. Ich weiß nicht wie es Dir … bist Du überhaupt schon 50?

Peter G:
Mit Biegen und Brechen habe ich diesen ungebetenen Meilenstein vor 2 Jahren hinter mich gebracht.

Peter M:
Sieht man Dir nicht an … aber gut, ich bin auch bekanntlich schlecht im Schätzen [lacht] und die Wahrnehmung wird eine andere. Aber Spaß beiseite, ich habe dann doch das erste Mal über meine Endlichkeit nachgedacht … vor allem aber natürlich, was in den verflogenen 50 Jahren passiert ist.

Ich habe mir lange überlegt, wie ich das Thema angehe und vor allem, wie ich einsteige. Von der Vielzahl an Ideen dann eine Umsetzbare zu finden und diese umzusetzen, das hat auch seine Zeit benötigt. Meine ursprüngliche Idee war, 5 Stereospuren à 10 Minuten aus meinem Alltag aufzuzeichnen und diese in der DAW zu mischen und zu verfremden. Als ich damit begann, hat mir das zwar viel Spaß bereitet, aber die CD hätte einen Opener bekommen, der in eine völlig andere Richtung gedeutet und somit nicht zum Rest der CD gepasst hätte.

Übrig geblieben ist aber der Kern der Idee, d.h. in dem Stück „LP“ hat alles, was Du hörst, direkt oder indirekt mit mir zu tun. So stammt z.B. das Vogelgezwitscher von der Wiener Donauinsel. Unweit des Ortes, an dem ich aufgewachsen bin und einen Grossteil meiner Jugend verbracht habe. Und da es so etwas wie meine „Wurzeln“ sind, zieht sich diese Ambience bis zum Ende der Klangcollage durch. Wenn man beim Hören die Zeit im Auge behält, dann merkt man, dass in dieser Audiocollage in jeder Minute etwas anderes erklingt, das sind teils Zitate eigener Stücke oder Klänge, die etwas symbolisieren, aus meinem Leben stammen. Die Stimme oder besser gesagt Stimmen, die Du hörst, stammen ebenfalls von mir und wurden in ihrer Stimmlage in der DAW verfremdet.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    costello  RED

    Kurzweiliges Interview, danke für das vorgezogene Osterei :-) Aber Peter, wenn die Frage erlaubt ist: warum „musstest“ Du denn den P-12 hergeben? Wo er nach Deinem eigenen Bekunden der vielseitigste DSI-Synth ist. Dass Du den KARP ziehen lässt, verstehe ich voll und ganz; den hätte ich mir gar nicht erst angeschafft ;-)

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      pmm  AHU

      Natürlich ist die Frage erlaubt, und die Antwort ist banal – ich habe zu der Zeit einen grösseren Geldbetrag benötigt. Deshalb habe ich fast alles verkauft. Ich überlege aber ob ich nicht wieder…

      Ciao,
      Peter

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        costello  RED

        So bleibt wenigstens der Markt für Gebrauchtinstrumente in Bewegung ; -) Die Kombi aus DSI P-12 und OB 6 stelle ich mir sehr nett vor. Österliche Grüße aus Berlin

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          pmm  AHU

          > So bleibt wenigstens der Markt für Gebrauchtinstrumente in Bewegung ..

          :)) Und ja, die von Dir angesprochene Kombination würde mich schon reizen.

          Der Kommentar gibt mir Gelegenheit noch auf eine Sache hinzuweisen. Bei einigen Tracks sind Drum/Perkussionsspuren deswegen gut, weil das eine Kollaboration mit „The Headroom Project“ war.

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    a.jungkunst  AHU

    Das Album von Peter M. Mahr ist wirklich eine tolle Sache, für mich garantiert kein übliches Elektronik-Album, sondern einfach gute Musik, die von seinem Spiel, von den Klängen und den damit geschaffenen Atmosphären lebt.

  3. Profilbild
    Hefterl

    Hi, ich kannte viele Titel im einzelnen. Habe mich über die CD oder besser die LP ;-) sehr gefreut, und war dann noch mal verblüfft. des Titel in der vorgegebenen Reihe zu hören, eben: das Konzept.
    Bin gespannt wie lange erst noch dauert, bis große Filmemacher Pete entdecken.

    • Profilbild
      pmm  AHU

      Danke Hefterl! ;) Auch für die Möglichkeit die Du mir gibst noch zu erklären warum die CD überhaupt den Titel „LP“ trägt. Der Arbeitstitel lautete „The L of P“, wobei „L“ der lateinische Buchstabe für 50 ist und „P“ leitet sich von meinem Vornamen ab. Michael hatte die Idee daraus „LP“ zu machen, da er meine Vorliebe zu derartigen „Spielereien“ kennt hat er ins Schwarze getroffen. So hat z.B. auch „In Rain“ nichts mit „Regen“ zu tun, ebenso wenig handelt es sich bei „Nice Sunday“ um einen netten Sonntag.
      Danke nochmals Ernst,
      Liebe Grüsse,
      Peter

  4. Profilbild
    Marko Ettlich  RED

    Sehr schöne Musik Peter. Entspanned, leicht und was am Wichtigsten ist, absolut nicht langweilig. Super und weiter so!

  5. Profilbild
    TobyB  RED

    Hallo Peter und Peter,

    ich finde ihr geht noch als sympathische Enddreißiger durch ;-) Das Interview ist Klasse. Ihr hattet Spass, man liest es :-)

  6. Profilbild
    Organist007  

    Schöne sounds, schönes Interview.
    Mir gefällt die Kombination von Rhodes und akustischem Piano (CP1) sehr gut.

    • Profilbild
      pmm  AHU

      Danke. ;) Ad Rhodes, das ist aktuell ein bisschen mein Sorgenkind. Derzeit bin ich auf der Suche nach jemandem, der es restauriert (und das auch wirklich kann!).

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