17. Juni 2019

Der Elektron Digitone als Jam-Session-Partner

Der Elektron Digitone wurde bei Amazona bereits als Groovebox und FM-Synthesizer getestet. Im Fazit wurde er allen empfohlen, die bis jetzt vor der Komplexität der FM-Synthese zurückschreckten und solchen, die einen umfassenden Desktop-Sequencer mit klanglicher Abwechslung suchen. Ich nutze die kleine stylische Kiste nicht als DJ und auch weniger zum Sound Design – sondern hauptsächlich zum entspannten Jammen zwischendurch.

Ministudio: Nur mit einem Kopfhörer bietet der Digitone weitreichende Möglichkeiten

Später Abend und noch Lust auf eine kleine Jam-Session? Einfach ein paar Akkorde loopen und dazu in die Tasten oder Saiten hauen? O. k., also Rechner hochfahren und die DAW öffnen. Halt stop! Das muss doch einfacher und schneller gehen, oder?

Feierabend – auch für die DAW

Oft habe ich nach einem Arbeitstag keine Lust mehr, weiter auf einen Computerbildschirm zu starren. Zum Produzieren sind Cubase, Live, Logic, Bitwig und Co. zweifellos unschlagbar. Sie bieten endlose Möglichkeiten. Aber wenn man nur spielen möchte? Wobei „spielen“ die Sache gut trifft: Es geht in diesem Fall nicht um vorweisbare Ergebnisse, sondern um einen kreativen Ausflug in die Welt der Sounds, an deren Ende man nichts hat – außer Entspannung und gute Laune.

Vom ESQ 1 zum Digitone

Das versprach ich mir vom Digitone. Ich erinnerte mich, wie gerne ich vor vielen Jahren mit dem 8-Spur-Sequencer des Ensoniq ESQ 1 just for fun ein paar Takte aufnahm und diese später einfach löschte. Je mehr ich entspannt improvisierte und experimentierte, desto einfacher kamen auch die Ideen beim Produzieren mit der DAW. Der für seine Zeit beachtliche Workstation-Synthesizer ESQ 1, den ich wegen seines einzigartigen Charakters noch immer vermisse, hat inzwischen aufgrund seiner legendär eher schlechten Verarbeitung den Geist aufgegeben. Weitere Reparaturen wollte ich nicht mehr zahlen. Ich schenkte ihn einem befreundeten Bastler und verwendete in der DAW noch eine Zeit lang das kostenlose SQ8L-Plugin.

Synthesizer Ensoniq ESQ 1

Der ESQ 1 von 1986 verfügte über einen 8-Spur MIDI-Sequencer und gehörte zu den ersten Synthesizer-Workstations

Plug & Play: Klinke, MIDI, USB

Doch zurück zum Digitone. Dieser hat bekannterweise neben seiner FM-Klangerzeugung einen ausgefuchsten Elektron-Sequencer an Bord: Vier Spuren für Tracks mit der internen Klangerzeugung und vier Spuren für externe Geräte. Jede Spur kann einen Akkord von bis zu acht Noten triggern (anders als der Digitakt, der Akkorde von bis zu vier Noten triggern kann). Eine Jam-Session lässt sich schnell umsetzen – Digitone einschalten, pro Spur einen Sound wählen, Aufnahme starten.

Extern können eine Tastatur (MIDI IN) und Hardware-Klangerzeuger (MIDI OUT) angeschlossen werden. Für mehr MIDI Out-Flexibilität sorgt z. B. das ESI MikroTHRU. Etwas exotischer, aber völlig unkompliziert ist auch das Einbeziehen von Synth-Apps auf dem iPad via USB-MIDI. Das iPad benötigt dann allerdings das Apple Camera Connection Kit.

Die Anschlüsse der Elektron Digitone

Anschlussfreudig: USB, klassisches MIDI-Trio, Audio In und Out, Headphones

Damit sind die Möglichkeiten noch nicht ausgeschöpft: Über die Audio-Eingänge lässt sich z. B. eine E-Gitarre so unkompliziert wie an eine Stomp Box anschließen und mit den internen, für meinen Geschmack sehr gut klingenden Effekten versehen. Durch ein paar Menüs muss man natürlich schon steppen, bis alle Einstellungen passen. Doch das ist schnell erledigt. Man sollte sich vom Elektron-Image der langen Einarbeitung nicht allzu sehr abschrecken lassen, wenn man die Kisten nicht bis ins letzte Detail verstehen muss.

And the Beat goes on

An dieser Stelle nimmt die Session Fahrt auf: Ich reaktiviere den guten alten Korg NS5R für ein paar Pianosounds, lasse die Roland TR08 mitklopfen und vergesse natürlich auch das FM-Soundangebot des Digitone nicht. Dazu E-Gitarre mit etwas Hall und Delay.

Weit und breit kein Bildschirm, keine Maus, keine Controller. Nur der Digitone, der natürlich so viel mehr könnte, aber heute einfach nur ein paar Loops aufnimmt, abspielt und mich begleitet.

Kein Geheimtipp mehr: Lesern, die mehr über den Digitone erfahren wollen, sei das Mega Tutorial von Cuckoo empfohlen:

Abschließend sei noch erwähnt, dass es den Digitone jetzt auch als Digitone Keys gibt, was das Loslegen vielleicht noch weiter beschleunigt.

Fazit
Der Digitone ist ein vielseitiges Gesamtpaket, mit dem man ganz unterschiedliche Dinge anstellen kann. Eine Jam-Session ist da nur der Anfang. Die anschlussfreudige Kiste wird alleine oder im Zusammenspiel mit anderen Klangerzeugern live und im Homestudio so schnell nicht langweilig. Dass man immer wieder neue Möglichkeiten entdecken kann, ist neben umfassender Qualität und Usability für mich ein wesentliches Kriterium, wenn es um die Anschaffung von Musikgeräten geht. Und hier kann der Digitone wirklich punkten.

Plus

  • Anschlussfreudig
  • Sequencer, der mit verschiedenen Modi zum Experimentieren einlädt
  • Angebot an Presetklängen und Klanggestaltungsmöglichkeiten
  • Interne Effekte
  • Gute Verarbeitung, kompakte Form, angenehme Haptik, cooler Look
  • OS-Update 1.20: Haltepedal wird inzwischen über MIDI unterstützt
  • Overbridge 2.0 ist nun anscheinend auf dem Weg

Minus

  • FM-Synthese bezüglich Klang und Architektur nicht jedermanns Sache
  • Elektron-Einsteiger: Ganz ohne Einarbeitung geht es nicht
  • Elektron hat es mit Overbridge 2.0 wirklich spannend gemacht
Forum
  1. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Kann ich mir ganz gut vorstellen; schnell den Keystep anschließen und es fließen lassen. Mache ich manchmal noch mit meinem Blofeld…

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