21. Februar 2019

DIY Display-Upgrade für Kawai K5000

Vorwort

Durch die Displaytausch- Aktion an meinen alten Proteus- Modulen (Siehe https://www.amazona.de/community/display-upgrade-fuer-e-mu-proteus/ ) hatte ich erste sichtbare Erfolge erzielt und war ermutigt worden, mich auch an andere Geräten heranzuwagen. So war schnell der Plan gefasst, so ziemlich alle meine alten Synthies, bei denen noch eine EL-Hintergrundbeleuchtung im Einsatz war, durch einen modernen Ersatz aufzuwerten.

Einer davon ist mein sehr geschätzter K5000S. Eigentlich ist dessen 240×64- Vollgrafikdisplay ja eine feine Sache, aber hier nervte insbesondere das 400Hz- Wimmern, das durch die nötige Wechselspannung für die EL-Folie der Hintergrundbeleuchtung entsteht (später mehr dazu).

Ausgangslage

Nun gibt es auch hierzu im Internet einige Anregungen von Leuten, die ihr Glück bereits versucht haben und auch durchaus erfolgreich waren. Allerdings hatten die zuweilen auch schon mal recht hohen Preis bezahlt: Nämlich dass das Gerät nach den Umbauarbeiten oft zunächst gar nicht mehr anging oder sogar irgendwas anfing zu qualmen! Darauf hatte ich ja nun gar keine Lust…

Ich brauchte gar nicht lange suchen – und fand bei meinem Spezialisten für die Proteus-OLED (Siehe erster Bericht) auch gleich was Passendes für den Kawai. Der Umrüstsatz versprach sogar den Einbau ohne jegliche Lötarbeiten – na bestens! Ganz billig war der Spaß leider nicht. Wahrscheinlich bekommt man die Bauteile auch für die Hälfte (irgendwo) – aber wie´s eben so ist: Erstmal wissen WELCHE Bauteile und wie. Leider gibt es in dieser Größe keine (bezahlbaren) OLED-Displays. Aber die heutzutage gebauten LCDs sind trotzdem schon um Klassen besser als alles, was vor einem Vierteljahrhundert so verfügbar war.

Ein Luxusproblem?

Im oben sieht man den Ausgangszustand des Geräts.
Wie war das noch: „Ich weiß was Sie jetzt sagen wollen, und Sie haben Recht!“ ;-)
Denn auf dem Bild sieht das Originaldisplay für ein fast 25 Jahre altes Gerät ja noch recht ordentlich aus. Zum Teil mag das an der Kamera liegen, die das Umgebungslicht nicht adäquat wiedergeben kann. Am ehesten aber schlicht daran, dass ich vor gar nicht allzu langer Zeit sogar mal die EL-Folie gewechselt hatte. Damit wurde zwar das Display heller, aber zwei Probleme waren nicht gelöst: Der Kontrast und die Blickwinkelabhängigkeit blieben gleich (schlecht), und das Display „machte Lärm“.

Umbau

Die Umrüstung ging dann in der Tat erstaunlich „unblutig“ über die Bühne und das Versprechen vom Einbau ganz ohne Lötarbeiten wurde tatsächlich gehalten. Zunächst musste die Kiste aber aufgemacht werden. Die Unterseite des Gerätes schreit zwar nach einem Akkuschrauber, aber so wild ist es am Ende nicht – nur ungefähr die Hälfte der Schrauben muss raus.

Unterseite

Damit lag das Herzstück des Geräts bereits frei – Die Hauptplatine mit einigen Custom Chips von Kawai. Wie bei so einigen Geräten aus dieser Zeit mag man sich angesichts dieses Anblicks gar nicht ausmalen was passiert, wenn da mal was den Geist aufgibt. Wahrscheinlich wäre eine Reparatur wohl mangels Ersatzteilen aussichtlos.

Für diesmal hatten wir aber nicht vor was zu schrotten und so wurden sämtliche Steckverbinder und Schrauben von der Platine losgemacht, um diese danach abzunehmen. Dankenswerter Weise gibt es hierbei keinerlei Verwechslungs- Potenzial – die Steckerleisten sind (fast) alle völlig unterschiedlich.

Demontage

Direkt darunter befindet sich das Display, das mit vier Schrauben am Alu- Strangprofil des Gehäuses festgemacht ist. Das kam raus – und mit ihm auch gleich die weiße Leitung für die Stromversorgung der EL-Folie. Sie führte zur Platine des Netzteils, wo man ganz gut den Inverter für die EL-Spannung erkennen kann.

Der Inverter für die EL-Folie

Bei mir (hier im Bild) kann man das ganz besonders gut, denn er „schwebt frei“! Diese (zugegeben etwas kühne) Konstruktion war mir mal vor fast 20 Jahren eingefallen, als mir das Displaygewimmer allzu sehr auf die Nerven ging und ich den kleinen Trafo deswegen an kleinen Drähten „federnd aufgehängt“ hatte – eine durchaus wirkungsvolle Maßnahme. Auf diese Weise wurden dessen (mechanische) Schwingungen nicht auf die Netzteilplatine und das Gehäuse übertragen – und damit schied eine Lärmquelle schon mal aus. Leider stellte sich dann heraus, dass dies allein nicht reichte – denn auch die EL-Folie selbst gerät aufgrund ihres geringen Gewichts in Resonanz und schwingt dadurch wie eine Lautsprechermembran mit. Wenn man die Folie nicht bombenfest ans Display anbringt, gerät wiederum letztlich das ganze Gehäuse in Resonanz. Diese kleine Abschweifung sei all jenen als Tip mitgegeben, die die Kosten eines Umbaus scheuen und trotzdem etwas gegen den Lärm tun wollen. Da der EL-Inverter aber sogar ohne Last noch leichte Zischlaute von sich gab, wurde er von mir beim Umbau nun kurzerhand komplett entfernt.

Finetuning

Mein Display-Spezialist Stephen James lieferte mir wieder ein weitgehend vorbereitetes Bauteil, bei dem er das Auflöten der Pfostenstecker und die Anpassung des Flachbandkabels erledigt hatte – gleich mit Trimm- Potentiometer für den Display- Kontrast. Genaueres schreibt er dazu nicht, aber es ist vermutlich ein Modell von NewHaeven aus der NHD-24064WG-A Serie, das die Displaybeleuchtung über das Flachbandkabel speist (ähnlich NHD-24064WG-AYYH), was ein Riesen- Vorteil ist.
Dadurch blieb mir wirklich nur noch das Umstecken – und die Grundjustage des Displaykontrastes über das Trimmpoti. Bei der Justage sollte man beachten, dass (weil ja auch der Ersatz ein LCD- Display ist) die Kontrastregelung über das Gerätemenü durchaus noch wirksam bleibt. Man sollte diese also in eine mittlere Stellung bringen und den Kontrast dann abgleichen, bevor man wieder alles einbaut.

Altes und neues Bauteil nebeneinander

Endmontage

Wenn der Displaykontrast passt, kann man das Ganze in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammenbauen (Netzstecker wieder ziehen!)  – so getan!
Aufpassen musste ich man beim Zusammenschrauben bei den Seitenteilen und der Floppydisk. Weil der dort verwendete Gehäusekunststoff leider mit der Zeit spröde wird und dann schon beim wieder Eindrehen der Schrauben splittern könnte, bin ich an diesen Stellen möglichst „gefühlvoll“ vorgegangen.

Die letzten Bilder zeigen den K5000s nach dem Umbau. Ich habe sie aus stark unterschiedlichen Blickwinkeln gemacht – wohlgemerkt mit einer einzigen Kontrasteinstellung am Gerät! Das soll einen Eindruck davon geben, wieviel besser gerade die Ablesbarkeit aus verschiedenen Richtungen geworden ist. Der Kontrast ist nun erheblich höher und bleibt jetzt über fast 120° weitgehend stabil. Auch das Blau des Displays passt wunderbar zum Alu- Look.

 

Fazit
Insgesamt hat sich´s für mich gelohnt - vor allem weil der Aufwand erstaunlich gering blieb. Weil wirklich keine Lötarbeiten nötig sind, schafft man die ganze Aktion auch ohne viel Erfahrung in weniger als einer Stunde. Und der K5000s hat´s allemal verdient - es ist ein echter Exot mit unglaublichen Sounds (allein die Werks- Presets mit den Hammondorgel- Simulationen hauen mich noch heute weg).
Forum
  1. Profilbild
    kiro7  

    Sehr schöner Bericht und mit ordentlch Fotos!
    ich habe das Gleiche auch an meinem K5000R und weiteren Geräten gemacht, allerdings habe ich das Display mit weißer Schrift auf schwarz genommen. Passt auch gut zum schwarzen Displayrahmen am K5000 und zum schwarz der anderen Geräte.

    • Profilbild
      cosmolab  

      Tjaa – da bin ich gespannt: Ich hatte nämlich im Zuge meiner Umbauaktionen noch zwei weitere Displays beschafft – eines Schwarz auf Weiß (für meine T3) und eines Weiss auf Schwarz (für ein TG77).

      Das TG77 habe ich inzwischen schon „verarztet“, muss allerdings sagen, dass ich mir vom Ergebnis ein klein wenig mehr erwartet hatte. Der Kontrast ist zwar OK, aber das „Schwarz“ leuchtet insgesamt schon noch stark durch, und die Blickwinkelabhängigkeit scheint bei diesem LCD stärker zu sein als die bei dem blauen für den Kawai. Es mag auf jeden Fall mit daran liegen, dass der TG77 in einem Rack unterm Tisch neben mir eingebaut ist, wodurch der Blickwinkel per se ungünstig ist. Jedoch hatte ich keine Einstellung gefunden, bei der das Display für meinen Fall optimal aussah. Ironischer Weise ist es jetzt für mich ein gut ablesbares Schwarz auf Weiß, weil die Darstellung aus meiner Richtung „umkippt“. ;-)

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    AQ  AHU

    Könnte es sein, dass Du im Titel DIY meinst? Ich weiss nicht was DYI bedeuten soll …

  3. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Respeckt. Das Ergebnis sieht super aus. Weg mit dem 400Hz- Wimmern. Immerwieder schön wenn Jemand Probleme löst und es anderen mit auf den Weg gibt.

  4. Profilbild
    flaphead

    Habe dieses Wochenende die Displays an meinen drei digitalen Dinos, SY-77, K5000s und Wavestation EX ausgetauscht, die Ergebnisse sind hervorragend. Habe die Displays von Buydisplay bestellt, dazu noch etwas Kleinmaterial (Widerstände und Flachbandkabel) bei Conrad. Kosten insgesamt unter 100€ für alle drei! Für alle drei Geräte gibt es gute Anleitungen im Netz. Den Aufwand darf man nicht unterschätzen, Wavestation und SY-77 musste ich quasi komplett zerlegen. Der K5000s ist etwa einfacher gewesen. Das Löten ist nicht weiter schwierig, alle Lötstellen sind gut zu erreichen, ein klein wenig Erfahrung sollte man aber schon mitbringen.
    Einen kleinen Schockmoment gab es nach dem ersten Einschalten der Wavestation – sie blieb komplett tot. Es stellte sich heraus, dass ich die Metallfolie die die einzelnen Boards abschirmt so eingebaut hatte, dass diese scheinbar einen Kontakt zum Output-board herstellte. Es ist aber zum Glück nichts passiert. Nachdem ich alles nochmal ordentlich verschraubt hatte, ging sie problemlos an.
    Alles in allem kann ich den Umbau uneingeschränkt empfehlen. Die Displays sehen spitze aus, und die Synth schreien jetzt wieder laut: ‚Programmier mich!‘

    • Profilbild
      cosmolab  

      In der Tat ist der K5000s beim Umbau unter meinen Tastaturmodellen noch der umgänglichste gewesen. Bei meiner T3 sah es dagegen wohl ganz ähnlich aus wie bei Deiner WS (Bericht kommt vielleicht noch). Für´s Löten und Anpassen und Flachbandkabel usw. war ich ehrlich gesagt zu bequem (oder sind wir nett und sagen, ich konnte mir nicht soviel Zeit nehmen).

      Geradezu ein Traum zum Basteln war dagegen meine WS/AD. Dort muss man fast gar nichts abmontieren und kommt überall direkt ran. Ich bin dann sogar soweit gegangen und hab mal eine Reihe von Kombinationen von alten Displays und verschiedenen EL-Folien durchprobiert, die sich bei mir angesammelt hatten. Dabei merkt man leider schnell: Die EL-Folie kann noch so toll und neu sein, und egal in welcher Farbe – es gibt wirklich KEINE Kombination, die es mit den neuen Displays aufnehmen könnte.

      Eine Frage aber zu dem „Buydisplay“: Das ist scheinbar ja ein Chinese (oder so). Das Bezahlen geht dann wohl nur über Paypal … und hast Du tatsächlich den Standardversand (bis zu 2 Monate Lieferzeit) gewählt? Geht das einfach so „durch“?

      • Profilbild
        flaphead

        Ja, gezahlt per Paypal und Standardversand gewählt. Hatte mich schon auf eine lange Lieferzeit eingestellt, tatsächlich waren die Displays aber schon nach 15 Tagen bei mir. Paket wurde vom Zoll befreit, vermutlich aufgrund des geringen Warenwerts.

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