25. August 2017

Mein in Berlin abgeholter Nonlinear Labs C15

Nachdem ich nun mein C15 am letzten Samstag in Berlin mir nach ausführlicher Einweisung übergeben wurde bin ich von der Andersartigkeit dieses Instrument begeistert. Nach meinen ganzen anderen Subtraktiven oder Wavetable mit Filter Synthesizern nun mal was klanglich deutlich anderes im Keyboardzimmer.

Der Klang kann sehr feinfühlig eingestellt werden. Da wo die meisten Synthesizer 128, 256 oder so Werte haben, kann ich noch bei fast allen Parametern noch drei verschiedene Zwischenwerte einstellen. Der Focus liegt beim C15 ganz klar auf expressives Spielen. Die Latenz zwischen Notenanschlag und Ton ist so kurz wie bei keinem anderen meiner vielen Synthesizer. Es wirkt alles sehr direkt. Jeder Triller ist genau so wie man ihn spielt. Und gleichzeitig gedrückte Tasten eines perkussiven Klangs sind wirklich gleichzeitig. Damit hatte mich der C15 neben seinem besonderem Klang schon auf der Superbooth17 fasziniert. Der C15 ist nichts für DAW Spuren Arrangeure.

Der will gespielt werden. Man kann schon jetzt ohne Layering komplexe Veränderungs- und Kombinationsklänge machen. Langsame Bläser die von einem der Pedale verschiedene Klangfärbungen erhalten per Velocity zu gezupften Glasstäben übergehen lassen ist schon was feines. Der Gap-Filter als mächtige Klangregelung am Ausgang und der durchaus weit mehr als nur Flanger anbietende Zeitmodulationseffekt können Klänge nochmal deutlich anders Färben als man so denkt. Der C15 ist nach meiner Meinung nach entweder was für gute Tastatur-Spieler, die ein gut spielbares und expressives Solo-Instrument suchen, oder was für Keyboardspieler die mal was anderes als den perfekten analogen, Poly-Synth suchen. Ich habe noch nie bei einem neuen Synthesizer so viel mit so wenigen Klängen nur mit dem Spielen und nicht nur mit dem Schrauben verbracht. Die Klangsynthese ist für mich Neuland, wenn man mal von der Funktion des State Variable Filters und der Grundfunktion eines Kammfilter absieht. Sine Shaper und Phasenmodulation musste ich erst mal kennenlernen. Und Dank der ausführlichen Einweisung vor Ort bei Nonlinear Labs in Berlin-Charlottenburg habe ich das nun verstanden.

Nach einigen Stunden alleine am C15 wussten meine Finger schon immer häufiger intuitiv wo die gewünsche Funktion auf dem Bedienteil seinen eigenen Taster zum Auswählen hat. Es gibt auch keine tiefen Baumstrukturen in Menüs um die Parameter zu erreichen. Macimal muss man einen Parameter-Taster mehrmals drücken um statt des normalen Werts die verschiedenen vordefinierten Modulations Quellen für dieses Parameter zu erreichen. Die „Fernbedienung“ mittels eines Computers oder Tablets funktionierte sofort bei allen meinen Geräten ohne irgendwelche zusätzlich Software.

Die im C15 erzeugte Internetseite die man über den eingebauten WLAN-Router auf einem zeitgemäßem Browser empfangen und interaktiv nutzen kann, ist für den In- und Eyport von Klängen wichtig. Außerdem kan man Klänge per Drag&Drop ganz intuitiv sortieren, kopieren, umbenennen und auch am Bildschirm bearbeiten. Die Klänge werden im XML-Formal gespeichert und sind so auch als Textdatei lesbar. Kein Hexadezimal-Zahlen-Dauerwurst wie bei SysEx. Da kann man auch mal eben Klänge umbennenen oder die verschiedenen Kommentartexte die man auch am Gerät bei einem Klang erstellen und lesen kann am Rechner bequem bearbeiten. Das Datenformat ist also optimal offen und verständlich, auch ganz ohne Dokumentation.

Fazit
Ich bin begeistert vom für mich erfrischend anderem, fein nuancierbarem Klang, Der Expressivität durch die schnelle Reaktion auf die beiden Ribbons, Pedale und die Tastatur und der Verarbeitung aller Teile, vom wirklich sehr gut verarbeitetem Holzgehäuse-Teilen bis zu den in jedem Licht immer gut lesbaren Anzeigen. Und ich bewundere den Mut von Herrn Schmitt so einen kompromisslosen und klanglich definitiv nicht mit anderen vergleichbaren Synthesizer in der Qualität und mit den musikalischen Eigenschaften zu entwickeln und zu bauen. Und dazu noch mit schon jetzt beim Verkauf der ersten Geräte mit so einer gut funktionierenden Software.   Das C15 ist sicherlich kein Instrument für alle Synthesizer-Spieler. Es ist eher für eine Randgruppe interessant, die an Details und dem andersartigen Klang interessiert ist. Und es für die geeignet, die solche Klänge ohne Laptop auf der Bühne dabei haben wollen. Es ist kein billiges und einfaches Instrument. Die fehlende MIDI-Schnittstelle werden manch andere wegen ihrer DAW basierten Arbeitsweise vermissen. Aber ich bin quasi "verliebt" in dieses eher klassisch zu spielende Instrument, bei dem außer dem Klang alles andere noch vom Spieler bestimmt wird. Und sind wir mal ehrlich, ein LFO für ein Vibrato ist nicht schlecht, aber bei weiten nicht so natürlich und expressiv wie ein Vibrato mit dem Pitchbender. Meine erste Begenung mit dem C15 auf der Superbooth17 war der Beginn einer wunderbaren "Freundschaft", oder "Liebe".
Forum
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    Atarkid  AHU

    Glückwunsch zum Erwerb dieses faszinierenden Instruments!!!! Kein Midi ist nicht so schlimm. So wird das Schätzchen wenigstens nicht für platte Sequenzer-Orgien missbraucht (nicht falsch verstehen, ich steh auf platte Sequenzer-Orgien ^^). Auch optisch ein echtes „Schmankerl“… Viel Spaß damit!

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    Wellenstrom  AHU

    Jo, schön, dass das Du das Nonlinear Labs C15 erworben hast und hier noch mal in den Fokus rückst. Ein interessantes Instrument isses allemale. Wenn du damit was aufnimmst, dann schmeiß mal den passenden Link dazu hier rein.

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    StereJo

    Würde mir das Instrument auch gerne zulegen, obwohl ich nicht der Tastenvirtuose bin. Es ist absolut traumhaft.
    Glaube, das fehlendes Midi absolut inspirierend sein kann, obwohl ich auch auf Stepsequenzer stehe.
    Hier kommt Musik raus, die sonst so nicht entstehen würde. Dieser Minimalismus ist Zwang zur Kreativität.
    Viel Spaß mit Deinem C15!
    Etwas Schade, die WebSite von Nonlinear Labs ist nur Englisch, ja ich weiß, jetzt lachen wieder die Anglizismen.

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      t.kopper  RED

      Ich bin definitiv auch kein Tastenvirtuose. Und ich spiele ja sonst Berliner Schule mit Step-Sequenzern. Aber da kommt man auf andere Ideen. Und man kann natürlich mit dem C15 zu einer 8 Noten Sequenz dazu spielen. Wobei ich aber in der Regel meist nur auf dem C15 alleine spiele.

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    amazonaman  AHU

    Wo sind bitte die Klangbeispiele, jetzt habe ich vom c15 noch nichts gehört und werde mich auf Youtube schlau hören. Ich bin nämlich auch ein selbst Spieler und weniger ein Sequenzer Appegiator Dudel spielen lasser. Ein Gerät ohne Midi bedeutet dass man selber ran muss und wenn Midi es nicht schafft die eingedudelten Sachen zu reproduzieren dann hat das was schmackhaftes. Die korg Wavedrum ist da ähnlich, kein Midi dafür ein komplexer Klang wie ein akustisches Instrument.

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    t.kopper  RED

    Das Gerät habe ich bereits am 24. Juni in Berlin abgeholt. Der Artikel ist jedoch erst gestern veröffentlicht worden.
    Nach 2 Monaten erfreue ich mich noch immer sehr an diesem Instrument. Aufgenommen habe ich noch nichts. Seit Jahren nehme ich nichts bei mir zu Hause außer zu reinen technischen zwecken auf. Ich nehme lieber Konzerte und Jam-Sessions zusammen mit anderen Musikern auf. Eine DAW benutze ich seit vielen Jahren nicht mehr. Mein Keyboardzimmer ist ohne einen Computer.

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    Viertelnote  AHU

    sehr imposantes Instrument.
    Man muss nicht zwingend Pianist sein, um das Instrument ausgiebig zu nutzen, wer mit
    Sensibilität umgehen kann, findet hier seinen Frieden. Nicht ganz meine Preisklasse, aber
    mal erfrischend etwas anderes.

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      t.kopper  RED

      Der C15 ist mein erste digitale Synthesizer der gar keine bemerkbare Latenz aufweist. Alle Modulationen und Veränderungen durch Spielhilfen sind sofort und ohne hörbare Rasterung.
      Und alles das kann MIDI nicht. Auch wäre eine MIDI Implementation bei den vielen Parametern nur über SysEx möglich gewesen. Dadurch wird aber jede Änderung von außen über MIDI noch länger und langsamer als ein MIDI CC.
      Es wären also Kompromisse. Und die wollte man nicht. Ist und soll ein echtes Instrument zum Spielen sein. Das ist halt deren Anspruch.

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        lightman  AHU

        Danke für die Info, Leute. Den Ansatz finde ich ehrlich gesagt merkwürdig, aber wenns der Ästhetikfindung dient..

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        k.rausch  RED

        Ich kann diese Argumentation nicht nachvollziehen, da fehlt es an Plausibilität. Hab den C15 auch einigermaßen ausführlich auf der Musikmesse gespielt und Stephan Schmitt sowie Federico Salazzo haben mir viel gezeigt und erläutert. Das ist ein tolles Instrument und viele Seiten werden sich wohl erst im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Ihm werden aber einige Alleinstellungsmerkmale zugesprochen, die es m.E. nicht gibt. Latenzen etwa kenne ich z.B. von aktuellen FM Keys nicht, die sprechen superschnell an. Auch ist die Tastatur des Yamaha Montage einen ordentlichen Tick akkurater als die des C15. Und die Realtime Controller werden von solchen ebenfalls bereitgestellt, teils sogar ergonomischer und auch mehr. Der Stick ist jedenfalls nicht cooler als Joystick oder Wheels, lediglich anders. Und MIDI für simples Layern und Ansteuern externer Tonerzeuger halte ich heutzutage für ein Muss. Beim C15 meine ich, es wäre besser, den Ball etwas flacher zu halten und mit tatsächlich tollen Sounds und artistischer Performance zu kommen.

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    coloman

    Danke für den Bericht, der mich auf dieses Performanceinstrument sehr neugierig macht. MIDI wäre mir persönlich mit seiner groben Auflösung und bei unbegrenzten Audiospuren inklusive Nachbearbeitung nicht wichtig. Eine 4000er Auflösung bei der Dynamik und allen Controllern scheint fein. Dass das Weglassen der MIDI-Schnittstelle zu weniger Latenz führen muss, hört sich logisch an. Was davon tatsächlich bei wem wie ankommt, ist immer so eine Sache. Von der Machart ist das jedenfalls einzigartig und alleine das verdient Lob!

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