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Interview mit Stephan Schmitt von Nonlinear Labs zum C15

19. Mai 2018

Kreuzritter in Sachen Live-Music

Stephan Schmitt (2018) von Nonlinear Labs

Während der Musikmesse in Frankfurt 2018 hatte ich Gelegenheit, den sympathischen Stephan Schmitt, Gründer der Synthesizer-Schmiede Nonlinear Labs, kennenzulernen. Unser persönliches Gespräch drehte sich vor allem um seinen aktuellen Synthesizer NONLINEAR LABS C15, der vor allem für Gesprächsstoff sorgte, da sich Stephan Schmitt entschied, dieses Instrument nicht mit einem MIDI-Interface auszustatten. Seiner Ansicht nach ist die höchste Form der musikalischen Darbietung, der Genuss einer Live-Darbietung. Und genau da sieht er seinen den C15 als Tool für Musiker, die ein Instrument erlernen und schließlich live einsetzen wollen.
Tatsächlich aber gibt es laut seiner eigenen Erkenntnis eine große Nachfrage an einem midifizierten C15, doch der blanke Umsatz wäre aktuell keine Motivation, um ihm zum Umdenken zu verleiten – oder wie er sich ausdrückt „… da müsste schon der Gerichtsvollzieher vor der Tür stehen, dann würde ich darauf nochmals einen Gedanken verschwenden.“

Bei all der Diskussion um eine Computer-gestützte Anbindung gerät aber allzu schnell der Aspekt in den Hintergrund, dass es sich beim Nonlinear Labs C15 um einen außergewöhnliche Synthesizer handelt, der viel mehr ist als die Hardware-Umsetzung der NI-App Kontour, die dem C15 quasi als Ausgangsbasis zur Verfügung stand.

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Die Klänge, die Peter M. Mahr jedenfalls aus dem C15 zauberte und auf seinem Soundcloud-Kanal veröffentlichte, haben mich vollkommen überzeugt – und auch der Versuch, diese Klänge auch nur annähernd mit der oben erwähnten Kontour-Software nachzubauen, scheiterten kläglich.

Nachdem Peter M. Mahr auch noch einen wunderbaren Leserbeitrag zum C15 verfasst und bei uns veröffentlicht hat, sah ich ihn ihm den perfekten Gesprächspartner für ein Interview mit Stephan Schmitt. Denn abgesehen von seiner Leidenschaft für den C15, blieb er stets kritisch genug, um für so ein Interview auch die richtigen Fragern zu stellen. Freuen Sie sich nun also auf das AMAZONA.de-Interview mit Nonlinear Labs Gründer Stephan Schmitt, geführt von Peter M. Mahr:

Euer Peter Grandl

Nonlinear Labs C15 in Schwarz

Peter M:
Hallo Stephan! Zunächst einmal vielen Dank, dass du uns freundlicherweise für ein Interview zur Verfügung stehst. Lass uns vielleicht gleich mit Nonlinear Labs beginnen. Was war dein Antrieb, nach Native Instruments (NI) mit Nonlinear Labs (NL) eine neue Firma zu gründen?

Stephan:
Die Produkte von Native Instruments werden in erster Linie in der digitalen Musikproduktion und im DJ-Bereich eingesetzt. Sie integrieren sich gut mit den gängigen Sequencern und Loop-orientierten Tools. Meine persönliche Leidenschaft galt aber immer auch der live gespielten Musik und den nicht-elektronischen Musikstilen. Um die Erfahrungen in der Entwicklung digitaler Klangerzeuger auch in Instrumente für performende Musiker umzusetzen, war NI nicht die ideale Umgebung. Deshalb habe ich mich entschlossen, Nonlinear Labs zu gründen. Mit so einer kleinen Firma kann man auch Produktkonzepte für kleinere Zielmärkte umsetzen.

Peter M:
Wir werden später noch auf zukünftige Entwicklungen zu sprechen kommen, aber lass uns noch kurz bei NI bleiben. Der C15 ist in gewisser Hinsicht eine Weiterentwicklung des Kontour Software-Synthesizers. Ohne an dieser Stelle detailliert auf die Unterschiede einzugehen [Anmerkung – dazu siehe bitte gesonderte Information, die uns dankenswerterweise von NL zur Verfügung gestellt wurde] und den Hardware vs. Software Aspekt anzusprechen, warum habt ihr die Synth-Engine in diese Richtung weiterentwickelt?

Stephan:
Die Synthese-Engine des C15 hat eine längere Vorgeschichte. Für NI hatte ich schon die Reaktor-Instrumente Spark, Cha-Osc, Prism und Skanner entwickelt. Als wir dann bei NL mit dem C15 begannen, entwickelte ich seine Klangerzeugung auch in Reaktor unter dem Arbeitstitel „Phase 22“. Die Kollegen von NI fragten, ob man daraus nicht auch ein Software-Instrument machen könnte. Ich habe mich auf einen Lizenz-Deal eingelassen und das Ergebnis bekam den Namen „Kontour“. Um die Ansprüche der typischen NI-Kunden zu erfüllen, bekam Kontour vier flexible Modulations-Generatoren. Diese hat der C15 nicht, da wir die Klangbeeinflussung konsequent dem Musiker überlassen. Dafür haben wir viele Aspekte der Synthese, der Effekte und der Steuerung weiterentwickelt. Die Erfahrungen mit Kontour waren dafür sehr nützlich und auch die Ergebnisse des von NI beauftragten Sounddesigns konnten wir weiter verwenden.

Peter M:
Wenngleich der MIDI CC 15 undefined ist, vermute ich steht „C15“ nicht dafür? :-)

Stephan:
Für den Namen gibt zwei Herleitungen. Die erste: Wir wollten einen nüchternen Typen-Namen wie „DX7“. Das „C“ stand anfangs für ein Tasteninstrument wie in „Clavichord“ oder „Clavinet“. In der „15“ steckt das Jahr 2015 der Fertigstellung der ersten seriennahen Prototypen. Aber inzwischen gefällt mir folgende Interpretation besser: „C14“ (eigentlich steht die Zahl hoch vor dem Buchstaben) ist ein radioaktives Isotop des Elements Kohlenstoff (Carbon). Es zerfällt mit einer Halbwertszeit von 5730 Jahren und wird daher in der Archäologie für die Altersbestimmung von organischen Materialien herangezogen. „C15“ ist ein Kohlenstoff-Isotop, das in ca. 2,5 Sekunden auf die halbe Menge zerfällt. Das ist vergleichbar mit einem Piano-Envelope. Kohlenstoff ist die Basis für alle organischen Substanzen und natürlich auch Holz. Da unser C15 sehr organisch klingen kann und Holz eine große Rolle spielt, finde ich den Namen ganz passend.

Peter M:
Damit sind wir schon bei dem Thema angelangt, das im Zusammenhang mit dem C15 am intensivsten diskutiert wird – das Fehlen der MIDI-Schnittstelle. Gibt es neben deiner persönlichen Entscheidung, die du in anderen Interviews schon dargelegt hast, auch technische Gründe?

Stephan:
Im C15 werden die Anschlags- und Release-Velocitys der Tasten und die Bewegungen von Pedalen, Ribbons, Bender und Aftertouch in hoher Auflösung erfasst und verarbeitet (mit mehr als 4000 Steps anstelle der 127 Steps in MIDI). Bei einer externen MIDI-Anbindung hätten wir sie also in eine grobere Auflösung übersetzen müssen. Man hätte auch exotischere Formate wie NRPNs und CC #88 als High Resolution Velocity Prefix nutzen können, wobei dann aber in Frage stünde, ob die angeschlossene MIDI-Hardware oder -Software damit auch etwas anfangen kann. Übrigens ist auch die Art, wie wir das kontinuierliche Sustain-Pedal interpretieren, nicht kompatibel mit der in MIDI vorgesehenen Sustain-Funktion. Mir schien es nicht attraktiv, Entwicklungsaufwand in schlechte MIDI-Kompromisse zu stecken und dabei noch eine „Büchse der Pandora“ zu öffnen, weil dann mit Sicherheit Anpassungen an verschiedenste Umgebungen gefordert würden.

Peter M:
Wie sieht es generell bezüglich Geschwindigkeit und Auflösung z. B. der Controller und mit der Tastaturdatenverarbeitung aus?

Stephan:
Wie oben schon erwähnt, ist die interne Auflösung 32x höher als in MIDI. Als Abtastrate für die analogen Controller haben wir 80 Hz gewählt, für die Tastatur sind es 8000 Hz.

Peter M:
Wenngleich ich ab und zu die Möglichkeiten, die MIDI bietet vermisse, bin ich der Ansicht, dass die Entscheidung eines Herstellers zu respektieren ist. Lass mich dich dennoch fragen – hast du die Entscheidung MIDI im C15 nicht zu implementieren schon jemals bereut? :-)

Stephan:
Nein, es erscheint mir immer noch ein konsequente und notwendige Entscheidung, die auch im Kreis der potentiellen Kunden mehr und mehr verstanden wird. Viele Produzenten elektronischer Musik haben übrigens auch wenig Lust auf MIDI. Sie sampeln lieber eine Phrase, bearbeiten den Audio-Clip weiter und montieren ihn in das Arrangement. Auf diese Art „schaffen sie Tatsachen“ und kommen mit der Arbeit voran, während man mit dem Getüftel im MIDI-Editor vielleicht nie fertig wird.

Peter M:
Anderen Bereichen des C15 wird nicht annähernd eine vergleichbare Aufmerksamkeit zuteil, was ich persönlich sehr schade finde, sind doch Klangerzeugung und Klangformung durchaus nicht unwichtig bei Synthesizern …

Stephan:
Naja, wenn sich z.B. auf einer Messe jemand an das Instrument setzt, der ein bisschen spielen kann, dann steht er nicht selten mit leuchtenden Augen auf, nachdem er einen kleinen Eindruck vom klanglichen Potential und der Spielbarkeit bekommen hat.

Peter M:
Die Klangbildung findet beim C15 eigentlich beim Spielen statt und das bringt mich gleich zu Deiner Empfehlung, beim Kauf des C15 zusätzlich drei Pedale mit zu erwerben. Diese Betonung mag vielleicht verwundern, soll aber letztendlich die Bedeutung unterstreichen. Mir ist aufgefallen, dass z.B. mein Yamaha Pedal in der Verarbeitung dem Roland EV-5 deutlich überlegen, aber bei der Steuerung im selben Maß unterlegen ist. Gibt es von NL Empfehlungen für Pedale anderer Hersteller?

Stephan:
Im Moment empfehlen wir die Roland EV-5 und DP-10 und liefern sie auch oft mit. Wir müssen aber noch einmal eine gründlichere Untersuchung an Pedalen verschiedener Hersteller durchführen, um fundiertere Empfehlungen aussprechen zu können. Es kann auch sein, dass wir eines Tages einmal eigene Pedale anbieten.

Peter M:
Denkt ihr daran, die Zahl der Macro Controls, von denen es aktuell vier an der Zahl gibt, zu erhöhen? Mir sind vier zu wenig, zumal man mit den vier Anschlussmöglichkeiten für Pedale, zwei Ribbon-Controllern, dem Aftertouch und dem Pitch-Stick aktuell acht Eingriffsmöglichkeiten hat. Wird sich hier noch etwas ändern?

Stephan:
Mir sind die vier Macro-Controls inzwischen auch zu wenig. Deshalb planen wir, ihre Zahl in einem zukünftigen größeren Software-Update auf sechs zu erhöhen. Das wäre dann ein Update, wo wir auch die Folien auf den Frontplatten austauschen.

Peter M:
Um gleich bei dem Thema zukünftige Entwicklungen zu bleiben, plant ihr in Zukunft andere Controller zu integrieren bzw. den C15 auch mit anderen Tastaturen anzubieten?

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Stephan:
Es gibt noch keine sehr konkreten Pläne für weitere Controller-Elemente. Ich kann mir aber z.B. etwas Joystick-artiges vorstellen. Zuerst einmal wollen wir aus der vorhandenen Hardware noch mehr herausholen. Das ist mir besonders bei der Tastatur ein Anliegen. Wir haben schon einiges an Forschung hineingesteckt, um sie mit Sensoren auszustatten, die kontinuierlich erfassen, wie tief jede Taste gerade gedrückt ist. Damit würden sich neue Ausdrucksmöglichkeiten ergeben wie z.B. das weiche Einblenden von Noten oder Modulationen ähnlich zu polyphonem Aftertouch.

Peter M:
Denkt ihr daran, in Zukunft Hardware-Upgrade-Möglichkeiten anzubieten?

Stephan:
Jeder Kunde wird die Möglichkeit bekommen, seine Hardware auf den jeweils neuesten Stand zu bringen. Für die Kunden der ersten Serien werden dafür auch keine Kosten verbunden sein. Uns ist es wichtig, mit dem C15 ein nachhaltiges Produkt zu bauen, das nicht nur repariert, sondern auch aufgerüstet werden kann.

Peter M:
Die nächste Frage mag im ersten Moment vielleicht verwundern, wie sieht es mit den Holzsorten für das Gehäuse aus, wird es diesbezüglich evtl. eine Wahlmöglichkeit geben?

Stephan:
Mit der Entscheidung, einen großen Teil des Instruments aus massivem Holz herzustellen, stellt sich die Frage nach der Wahl des Holzes ja schon. Wir haben bisher Buche und Birne im Einsatz. Die Buche gibt es in drei Lackierungen: transparent, leicht getönt und mit schwarzer Lasur. Letztere ist, seit wir sie auf der Musikmesse gezeigt haben, sehr nachgefragt. Da müssen wir erst einmal nachbestellen. Über die Sorte und Lackierung des Holzes gibt es also eine gewisse Individualisierung. Vielleicht können wir eines Tages noch eine größere Auswahl anbieten.

Peter M:
Kollege psv-ddv hat im Zuge der Diskussion über polyphonen Aftertouch zu Recht auf die spieltechnische Herausforderung hingewiesen und die Möglichkeit einer Implementation von Last Note Aftertouch angedeutet. Wird seitens NL an diese Implementation gedacht bzw. erwägt ihr andere Lösungsansätze?

Stephan:
Wir bauen die Audio-Engine gerade so um, dass Noten-selektive Modulationen für Aftertouch, Pitchbending oder Pedale möglich werden. Neben „last note“ sind auch „highest note“, „lowest note“, „pressed keys“ oder Splitbereiche interessant.

Peter M:
Den C15 zeichnet meines Erachtens eine gute und flexible Synth-Engine aus, deren Komplexität einem lange Zeit beim Editieren verborgen bleibt. Das mag mitunter dem Umstand geschuldet sein, dass nicht jeder abrufbare Parameter moduliert werden kann und somit eine gewisse Übersichtlichkeit im Kleinen gewahrt bleibt. Diesbezüglich hätte ich aber dennoch den einen oder anderen Wunsch, wie z.B. die Möglichkeit, mittels Velocity auf Parameter direkt einzuwirken oder z.B. negatives Keytracking, um z.B. im Falle des Chorus-Parameters in der Reverb-Engine entsprechend modulieren zu können. Man könnte so z.B. in den tiefen Lagen einen gespielten Akkord „verbreitern“, in der oberen Lage bei der Melodie- oder Sololinie einen sauberen und durchsetzungsfähigen Klang bewahren. Das wäre auch live durchaus von Nutzen.

Stephan:
Die Synth-Engine unterliegt weiterhin einem Evolutions-Prozess. Deshalb bin ich immer auch für Anregungen dankbar. Wir werden versuchen, die klanglichen Möglichkeiten zu erweitern, ohne die Übersichtlichkeit dafür zu opfern.

Peter M:
Um hier von den Details vielleicht zu einem übergeordneten Ganzen zu kommen, kannst du uns Einblick in die zukünftigen Entwicklungen des C15s auf Software-Ebene gewähren?

Stephan:
Einige kommende Erweiterungen habe ich ja bereits erwähnt. Wichtige Themen sind zur Zeit Dual-Mode und Morphing. Damit wird das Splitting und Layering von Gruppen von Stimmen und ihre Belegung mit zwei Presets möglich, übrigens auch das Routing von Signalen zwischen den Gruppen. Das Morphing erlaubt nahtlose Übergänge zwischen zwei Presets, gesteuert durch Controller, Velocity oder Key-Position. Viele Software-Themen betreffen aber auch eine Weiterentwicklung der Bedienoberfläche.

Peter M:
Wie sieht es mit anderen Synth-Engines aus? Habt ihr da schon Pläne, die du mit uns teilen kannst?

Stephan:
In der Schublade liegen einige Entwürfe. Wir werden uns noch einmal stärker mit Physical Modeling beschäftigen, aber es sind auch additive und modale Ansätze dabei, eine eigenständige Methode zur Erzeugung von Oszillator-Schwingungsformen oder auch eine Farfisa-artige Klangerzeugung.

Peter M:
Wie eben schon erwähnt, bietet der C15 eine flexible Klangerzeugung deren Komplexität über weite Strecken nicht augenscheinlich ist, was mitunter auch dem spielerischen Zugang geschuldet ist, dennoch ist sie vorhanden. Offensichtlich wird sie meines Erachtens z.B. dann, wenn man die Rückkopplungsmöglichkeiten, ja selbst die Lautstärkeverhältnisse erfassen will. Plant ihr hier vielleicht, mittels WiFi eine alternative Darstellung bereitzustellen, die eine Übersicht ermöglicht?

Stephan:
In der graphischen Bedienoberfläche sind noch viele Möglichkeiten ungenutzt. Wir denken an die graphische Darstellung des Signalflusses, der Envelopes, der Filter-Frequenzgänge, der Schwingungsformen, Shaper-Kurven oder Spektren. Auch Echtzeit-Pegelanzeigen machen viel Sinn.

Peter M:
Ich will mir gar nicht ausmalen, welche Möglichkeiten sich hier ergäben. Beginnend bei Templates bis hin zu modulierbaren Verknüpfungen. Aber das führt jetzt zu weit. Welche Rolle wird die Bedienung des C15s via WiFi generell in Zukunft spielen?

Stephan:
Das haptische Hardware-Userinterface wird immer einen hohen Stellenwert behalten. Deshalb werden wir nicht zu viel auf graphische Oberfläche verlagern. Aber für die Visualisierung und für administrative Aufgaben ist sie natürlich prädestiniert.

Peter M:
Wir dürfen nicht zum Ende dieses Interviews kommen, ohne euren Kundenservice und euer Verkaufsmodell angesprochen zu haben. Zu Ersterem möchte ich mich äußern und dieses als Beispielhaft beschreiben. Kurze Reaktionszeiten, kurze Wege, da könnte sich so manch anderer Hersteller bis hin zu Händlern eine dicke Scheibe abschneiden. Euer Vertriebskonzept – alles direkt zu machen – ist schlüssig und zeugt davon, dem Kunden nahe zu sein. Das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Aber nun zu eurem Verkaufsmodell, das ebenfalls nicht alltäglich ist und um dessen Erläuterung ich dich ersuche …

Stephan:
Wir wollen, dass Kunden mit ganz verschiedenen Budgets den C15 spielen können und dass ihr finanzielles Risiko gering bleibt. Deshalb haben wir ein flexibles Mietkauf-Modell entwickelt. Man kann ein Instrument mit Teilzahlungen schon ab 2 % pro Monat nutzen und dann in selbst gewähltem Tempo zum Eigentümer werden. Dabei fallen keine Zinsen an.

Man kann das Instrument aber auch jederzeit wieder zurückschicken. Wir erstatten dann den Teil der Zahlungen zurück, der über der Summe der Mindestraten von 2 % pro Monat liegt. Das gilt auch für die Rückgabe bereits vollständig bezahlter Instrumente. Rückläufer werden aufbereitet und zu reduzierten Preisen angeboten, worin wir auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit sehen.

Peter M:
Ich weiß, dass ich deine Zeit schon Übermaß in Anspruch genommen habe. Mir fielen noch eine ganze Menge anderer Fragen ein, wie z.B. ob es Pläne für Entwicklungen unabhängig vom C15 gibt.. :), aber das würde wohl zu weit führen. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei dir bedanken und wünsche dir und Nonlinear Labs alles Gute sowie viel Erfolg für die Zukunft.

Stephan:
Danke dir auch für das Gespräch.

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Forum
  1. Profilbild
    lightman  AHU

    Mich fasziniert der C15, aber das Fehlen von MIDI finde ich nach wie vor unglücklich. Mir persönlich würde eine Note on/off-Implementation schon genügen, die Modulationen kann man dann ja immer noch direkt am Instrument machen. Genauso verfahre ich mit diversen anderen Geräten, etwa dem Nanozwerg, 202, Monotribe, usw., die werden zur Masterclock synchronisiert und der Rest wird manuell erledigt. Auf diese Weise müßten keine faulen Kompromisse bei der Auflösung der Regler gemacht werden und man könnte als Musiker, der keine Audioschnippsel montiert, sondern mit einer umfangreichen MIDI/DINsync/CV-Umgebung arbeitet, den C15 besser nutzen.

  2. Profilbild
    Tolayon  

    Eigentlich wäre der C15 auch der ideale Synthesizer für Vangelis, nach dem, was ich über seine Klang-Philosophie gelesen habe. Sein bisheriger Lieblings-Synth ist nicht umsonst ein legendärer Klassiker, der ebenfalls mit einem „C“ beginnt und vom Künstler gerade wegen seiner Möglichkeiten zur „organischen“ Klanggestaltung während des Live-Spiels bevorzugt wird.

    So gesehen wäre es verwunderlich, wenn der C15 *nicht* Einzug in das Vangelische Studio bzw. auf die Bühne erhalten würde. Allerdings konnte ich ihn auf der erst vor Kurzem geupdateten „Elsewhere“-Seite über Vangelis bis jetzt noch nicht aufgelistet sehen.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Habe mir auch schon eine Bestellung ausgeredet. Der C15 muß wie Meditation sein. Ich kann das Konzept wirklich gut nachvollziehen. Im Band-Kontext der Videos hatte ich nicht das Gefühl einen typischen Synth oder Rompler zu hören. Irgendwie kann ich ich mir auch eine Plastikversion die weniger edel ist vorstellen. So als echter Volume-Seller wie der DX7 damals. Cool wäre auch wenn das Gehäuse als Sensor genützt würde ohne diese langen 70er Ribbons. Bin schon auf einen V2 gespannt.

  4. Profilbild
    fritz808  

    seit langem wieder ein Instrument welches mich wirklich interessiert. an herrn mahr: viele der beispiele erinnern an fm, aber nicht alle. fühlt sich der c15 in beiden Welten zu hause – fm und subtraktiv? und gratulation von meiner seite zu diesem wunderbaren (technik-lastigem) interview.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Hallo,
      .
      Wenngleich Stephan erwähnt hat, dass NL daran denkt PM evtl. zu einem späteren Zeitpunkt zu implementieren, so finde ich, dass einige der Klänge schon jetzt daran erinnern. FM Feeling kam bei mir auf, als ich die erste Factory Sound Bank (A- und E-Pianos) durchgehört hatte. Du hast aber recht, dass einige meiner Beispiele in diese Richtung gehen [natürlich die „Glöckchen“ :-)].
      .
      Nebst den angesprochenen „Pianos“ findet sich aber eine Vielzahl anderer Klänge, wie z.B. Saiteninstrumente (Karplus Strong), bis hin zu bläserartigen Sounds. Federico demonstriert – in gewohnter Qualität – einige dieser Sounds. Darüberhinaus gibt es effektartige Klänge, und/oder solche in denen Gebrauch von den Rückkopplungsmöglichkeiten gemacht wird. So wie z.B. der den ich im Demo #4 verwendet habe (ist aber ein eigener).
      .
      Das Spektrum ist enorm und was mich immer wieder erstaunt ist, wenn ich mit dem Sound des Vortages beginne und plötzlich klanglich und musikalisch ganz woanders lande. Und dabei habe ich nicht einen Parameter am Instrument verändert. Das läuft alles über die Controller, bei mir vorwiegend die Pedale, die Ribbons verwende ich kaum bis nicht. Die Steuerung des C15 ist, zu meinem Erstaunen, ziemlich flott verinnerlicht und ich ertappe mich vermehrt dabei bei anderen Instrumenten die Pedale zu suchen..

      • Profilbild
        AMAZONA Archiv

        Um aber noch kurz auf „Subtraktiv“ zu sprechen zu kommen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann sind vermutlich einige meiner Sounds noch am ehesten in diesem Bereich zu verorten. Aber, wer erwägt den C15 primär für diese Klänge zu erwerben, der könnte enttäuscht werden. Vor allem würde man den Fokus auf einen kleinen und letztendlich – aus meiner Sicht – den uninteressantesten Bereich richten. Da gibt es bestimmt bessere Alternativen.
        .
        Beste Grüsse,
        Peter
        .
        ps: Danke!

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Für mich wäre das Dingen bei aller Sympathie nix, aber den Gedanken, dass dieser Synthesizer (oder ein ähnlicher) zum klassischen Hausmusikinstrument des 21. Jhdts werden könnte, finde ich schon reizvoll. Jede Epoche hat ja ihre Instrumente hervorgebracht, mit denen die Menschen auch im privaten, häuslichen Umfeld musizierten. Also einfach performanceorientiert.

  6. Profilbild
    swellkoerper  AHU

    Weniger ein Interview, mehr ein Gespräch: man hat den Eindruck, der Interviewer hat einen höheren wordcount als der Interviewte. Aber toll zu lesen. Der Entwickler hat für mein Verständnis manche Designentscheidung wirklich nachvollziehbar erklärt. Ein Widerspruch hat er aber nicht ausgeräumt: das Fehlen von MIDI wegen der konsequenten Ausrichtung als Performanceinstrument finde ich völlig OK und ist zu respektieren. Wurde MIDI wegen der Unzulänglichkeiten des Protokolls weggelassen, kann ich nicht verstehen, warum z.B. kein OSC implementiert wurde. Die Auflösung ist gewaltig, die Technik ist in Reaktor seit gefühlt 10 Jahren eingebaut und der C15 besitzt Netzwerkanbindung von Haus aus. Warum also nicht?

  7. Profilbild
    Bernd Kistenmacher  RED

    Wieviele Instrumente haben kein MIDI und funktionieren dennoch prima. Man muss die Dinger halt spielen und aufnehmen. Dieses „Manko“ dem C15 vorzuwerfen, ist zu kurz gegriffen. Ich habe den C15 auf dem letzten Superbooth getestet und bin trotz oder vielleicht geade hoher Erwartungen nicht mit ihm warm geworden. Ich werde ihm aber dennoch eine zweite Chance geben, denn das Konzept ist schon sehr interessant.

  8. Profilbild
    ukm  

    Ich finde die Entscheidung gegen MIDI konsequent. Die Qualität eines Musikers kommt durch den Umgang mit dem Instrument und dessen Interpretationsmöglichkeiten zum Tragen. MIDI hat nicht gerade dazu beigetragen, die Musikentwicklung qualitativ zu bereichern.

  9. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    „MIDI hat nicht gerade dazu beigetragen, die Musikentwicklung qualitativ zu bereichern.“
    „Die Qualität eines Musikers kommt durch den Umgang mit dem Instrument … blubberbla“

    Absolute Bullshitaussagen. Wer so etwas von sich gibt, hat a) keinerlei Ahnung von MIDI und b) null Ahnung von Musikgeschichte.
    Ein guter Musiker weiß sehr wohl die Funktionalität der MIDI Schnittstelle gut zu nutzen. Das Standards naturgegeben in Sachen Performance auch einschränken können, geschenkt… aber der Gewinn durch MIDIfizierung ist im Alltag bei weitem größer.

    Ansonsten: Die Qualität eines Musikers geht weit über den Umgang mit dem Instrument hinaus. Wovon du hier redest, ist ggf. von gewissen Nuancierungen in der Performance eines Instrumentalisten, das ist alles.

    Ganz ehrlich, wenn ich dieses Stereotypengeschreibe da lese, kommt mir das Frühstück wieder hoch. Die Musik ist nicht mit den 80ern gestorben und auch nicht mit der Digitalisierung der Studio- und Aufnahmeprozesse.

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        Weil David Hasselhoff sie an der Mauer totgesungen hat? ;-)

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          AMAZONA Archiv

          Auch. :))
          …und die Radio Premiere von Phil Collins „Another Day in Paradise“

            • Profilbild
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              Als „Brand X“ Hörer hat man spätestens zu diesem Zeitpunkt alle Hoffnung auf ein happy end(ing) fahren lassen.

  10. Profilbild
    ukm  

    Der Ton macht die Musik.
    Ich sehe das nach >30 Jahren überwiegend problemloser MIDI-Nutzung inzwischen viel gelassener. Dabei gab es sowohl mehr oder weniger umfangreiche Hardware-Setups als auch rechnerbasierende Systeme, und ohne MIDI wäre auch mein derzeitiges Live-Setup nicht denkbar.
    Was wäre aber, wenn?
    – ich müsste mehrere Klangerzeuger parallel einsetzen und evtl. noch zusätzliche Musiker (seamless switching wäre dann bereits implementiert, falls erforderlich)
    – ich müsste sehr konzentriert Einspielen für die Audioaufnahmen, da nachträgliches Korrigieren problematisch sein kann
    – ich könnte keine Parts der Aufführung automatisieren (bitte keine Looper) und müsste mit Musikern zusammenspielen; das mache ich sehr gern
    – für ParameterSteuerung, Sysex und dergleichen müssten andere Lösungen her
    – ich könnte mein Notensatzprogramm nicht mehr so mehr verwenden, wie ich es gewohnt bin; das wäre natürlich schlecht

    Wenn ich die Aussagen weiter oben richtig interpretiere, gibt es zwei Gründe für den Verzicht auf MIDI.
    1. Konzentration auf die Live-Performance
    2. Vermeidung der technischen Einschränkungen des MIDI-Standards
    Da spricht aus meiner Sicht nichts dagegen.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Ja, okay…. vollkommen richtig. Genau diese Aussagen sind unterstreichenswert und/oder nachvollziehbar (obwohl ich z.B. am Liebsten alles im Alleingang mache – ohne Mitmusiker- insofern ist MIDI für Solomusiker nun wirklich relevant).

      Aber zuvor las sich das ja wirklich wie der kulturelle Untergang des Abendlands durch MIDI. Man muss ja nicht jede Entwicklung in der Musik goutieren. Aber weder gibt es da einen Stillstand in der Entwicklung, noch ist jeder musikalische Griff in die Porzellanschüssel direkt oder indirekt auf MIDI zurückzuführen.

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        AMAZONA Archiv

        Na ja, einige Feinheiten im musikalischen Ausdruck wurden durch Midi schon begraben. Dafür haben wir heute immerhin die CV/Gate Steuerung wiederentdeckt, die diesbezüglich erheblich leistungsfähiger ist. Grossartige Zeiten!

  11. Profilbild
    ukm  

    Ich habe auch einige Jahre versucht, alles selbst zu machen und bin an meinen eigenen Ansprüchen gescheitert. Wenn das jemand gut kann – alle Achtung.
    Was mich an Musik (egal welcher Stilrichtung) fasziniert sind einfallsreiche Kompositionen, wo man sich nach Jahren noch fragt, wie die wohl darauf gekommen sind und Leute, die etwas ganz Spezielles besonders gut können. Z. B. war zu einem Auftritt der Band einer der Bläser verhindert und es spielte ein anderen dessen Part. der hatte vermutlich nur 2-3 Tage Zeit, sich darauf vorzubereiten. Kein Problem – der war Profi und spielt normalerweise in einem Orchester, wenn ich richtig informiert bin. Da ist dann schon der nötige Respekt angebracht.
    OK – hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun, zeigt aber, dass MIDI nur ein kleiner Teil dessen ist, was Musik interessant macht.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      „OK – hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun, zeigt aber, dass MIDI nur ein kleiner Teil dessen ist, was Musik interessant macht.“

      Einigen wir uns auf Performance, auf die Bühnensituation – ein Mann/eine Frau und ein Instrument. Im Studio sieht das dann doch anders aus. Das war ja der Auslöser der Kontroverse, diese Verengung des Musikers und der Musik auf die reine Performance. Und daraus zu schließen, dass MIDI der Musik im allgemeinen nix qualitativ hinzugefügt habe. Das ist ja nur ein Teilausschnitt. Beim Komponieren, Arrangieren und Mischen sind ja ganz andere Fragen relevant. Und da wird MIDI (und dessen, was daraus erwuchs) ja erstmal richtig relevant.
      Und dabei geht es gar nicht mal darum, ob man nun sein Instrument so dolle beherrscht. Da stellen sich im Prozess ja andere Fragen, und da ist es gut, wenn man z.B. über die Pianorolle des Sequencers mal eben was umbauen kann. Dass man mittlerweile auch flexibel mit Audiomaterial arbeiten kann (Beispiel: das intuitive Arbeiten im ARA/Melodyne Verbund), fußt aber auch auf Erfahrungen, die sich über Jahre in der Arbeit mit MIDI Events angesammelt haben.

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        ukm  

        Da hast Du schon recht – technisch ist das sehr interessant. ARA/Melodyne habe ich vorwiegend eingesetzt, um tempo maps für frei eingespielte parts zu erstellen – das ist klasse. Um damit kreativ umgehen zu können, müsste ich aber mehr Einarbeitungszeit investieren.

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