27. März 2016

Designer-Softy-Synth Prophet 6

Prophet 6 Main

Ich weiß, ihr werdet mich steinigen, aber ich trenne mich nach einigen Monaten nun doch wieder von meinem Prophet 6.

Ich muss ehrlich zugeben, ich habe mich von seinem wunderschönen Anblick und seiner soften Designer-Klängen (wenn ich das mal so beschreiben darf) wirklich täuschen lassen. Vorgestern hatte ich Besuch und mein Besucher entdeckte den Prophet 6. Er bat darum den Prophet 6 mal anspielen zu dürfen und endete nach wenigen Minuten mit den Worten „…nicht sein Ding..“.

Ich wunderte mich und so kamen wir ins Gespräch über DSI und seine ehemaligen Synths mit Curtis-Chips. Schon warfen wir den PolyEvolver an den ich hier stehen habe und verglichen die beiden Geräte.  ZACK !!!!

Zwei ähnliche Brass-Patches, ein wenig nacheditiert und schon wurde der Unterschied zu meiner Verblüffung extrem deutlich. Im AMAZONA.de-Vergleichstest von Klaus-Peter Rausch zwischen Prophet 8 (auch Curtis) und Prophet 6,  HIER KLICKEN empfehle ich mal das Horn-Beispiel (Soundbeispiel 3 und 4 zu vergleichen), das entspricht in etwa dem Ergebnis zwischen PolyEvolver und P6.

Prophet 6 Filter

Frappierend: So bald die Filter gefordert sind und zupacken sollen, entwickeln die DSI Synths mit Curtis Chips einen druckvollen – eindeutig analogen Charakter, während der Prophet 6 mit seinen diskreten Schaltungen eher farblos bleibt.

Da stellt sich natürlich die Frage, ob die „diskret aufgebauten Filter“ nicht ein notwnediges Übel waren, eben in Ermangelung der Curtis Bausteine, die ja irgendwann einmal zu Ende gehen mussten.

Klar hat der P6 einiges an hervorragenden Flächenklängen und auch seine Sync-Sounds greifen mehr als bei einem Evolver oder P8, doch unterm Strich war ich denoch enttäuscht. Immerhin kostet das gute Teil deutlich mehr als sein P8 Kollege und breite Synthpads bringe ich auch mit Synthesizern zusammen die keinen analogen Aufbau haben (JD800, Micro Q und zahlreiche PlugINs) Aber genau dass, was ich von einem Analogfilter erwarte, erledigt der Prophet 6 in meinen Augen nur mittelmäßig.

Das faszinierende an dieser Erfahrung ist aber, dass ich mich durch Marketing und Optik täuschen habe lassen wie ein Neuling. Wir sind eben alle nur Menschen.  ;-)

PS: Vom OB-6 lasse ich nun lieber die Finger weg.

Danke an Tyrell für die Bilder

Sequential P6

Fazit
Ich persönlich würde vom Kauf eines Prophet 6 abraten und stattdessen Ausschau halten nach einem PolyEvolver. Aber selbst ein Prophet 8 klingt in meinen Ohren besser als ein Prophet 6.
Forum
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    olduser  

    Ich kann das bestätigen, ich habe auch bemerkt das mein P08 keinen schlechten Job macht, und hatte den Prophet 6 2 X da, den Letzten habe ich aber nach 2 Wochen zurück geschickt.
    Zu seicht und zu glatt, zu flach und auf Dauer eher nervig für meinen Geschmack.
    Der 08 kann ruppiger und überraschender dafür ist sein Sweetspot aber schwerer zu finden.
    Letzlich natürlich Geschmacksache.Aber irgendawann sagte ich mir dem Hype will ich nicht folgen und ebenso den OB6 abbestellt;-)

  2. Profilbild
    Mike Hiegemann  RED

    Eine im WWW zugegebenermaßen selten anzutreffende Wertschätzung des Curtis-Filters, was lobenswert ist, da auch meiner Meinung nach dieses Filter oft zu Unrecht schlecht geredet wird. Neutral betrachtet, ist aber auch die von Dir geäußerte Präferenz für Curtis Chips die Kernaussage dieses Beitrags, der damit weniger über den Prophet-6 aussagt als über das von Dir bevorzugte Filter.
    Hinzu kommt, dass schon allein der Prophet ’08 und der Evolver sich dahingehend unterscheiden, dass letzterer über eine Stereoschaltung verfügt, was am Klang noch einmal Einiges im Vergleich zum Prophet ’08 ändert. Auch wenn die analoge Seite des Evolvers genau dem Prophet ’08 entspricht, sind beim letzteren die einzelnen Oszillatoren nicht mit den einzelnen Stereoausgängen festverdrahtet sowie es auch kein Stereofilter gibt, was zu sehr subtilen, aber eben merklichen Unterschieden führt.
    Das hat auch alles der Prophet-6 nicht im Angebot. Ihn aber aufgrund des an den früheren SSM-Chips angelehnten Tiefpassfilters als Mogelpackung zu bezeichnen, halte ich schon für eine steile These, wo es eigentlich um eine Geschmacksfrage geht.

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      schleimo

      Ich stimme Mike Hiegemann auch vollkommen zu.
      SSM bzw. diskret oder CEM ist und bleibt eine Geschmacksfrage.

      Was für den einen „druckvollen – eindeutig analogen Charakter“ ist, ist für den anderen steril und nicht organisch und für den nächsten dumpf und nicht „musikalisch“ genug ;-)

      Diese Diskussion kenne ich schon von unseren 3 unterschiedlichen Prophet 5 im Studio sowie unseren Roland MKS80 Racks.

      Einen PolyEvolver oder P8 mit einem Prophet 6 zu vergleichen entspricht dem klassischem (Banane) Apfel vs. Birne Vergleich.
      Eine Rückschluß zu ziehen das man dann die Finger vom OB-6 läßt, der wiederum ein anderer Synthesizer als der Prophet 6 ist, ist für mich leider nicht nachvollziehbar.

      Ich kann dem Author nur einen Tip geben:

      Amazona, Gearslutz und co. sind prima dafür geeignet sich vorab zu informieren und um Interesse an dem ein oder anderen neuen oder auch alten Gerät zu wecken.

      Musikinstrumente jeglicher Art sollte man jedoch immer selber anspielen bevor man sie fürs eigene Studio anschafft. Wenn man sie dann wieder nach einigen Monaten verkauft weil man schnell unzufrieden ist sollte man sich wenn überhaupt selber an die eigene Nase bzw. Ohren packen.

      ;-)

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      AMAZONA Archiv

      Hallo Mike,

      Auch von mir uneingeschränkte Zustimmung.

      Vielleicht noch zwei Punkte

      „Musikinstrumente jeglicher Art sollte man jedoch immer selber anspielen bevor man sie fürs eigene Studio anschafft.“ … DAS möchte ich unterstreichen und….

      Geschmäcker sind verschieden. Und gut ist’s.

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    8 Bit Fighter  

    ich hab vor 4 Monaten bei Just music Prophet 6, Moog Sub 37 und Mopho X4 getestet und hab mich dann für Mopho x4 entschieden.Sein Filter klingt zwar nicht so cremig, er kann aber mit den Sub-Oszillatoren und Feedback zusammen massiven Druck im Bass erzeugen. Außerdem ermöglichen die 4 lfo’s organische und komplexe Klangstrukturen, die mit P6 nicht möglich sind.
    Übrigens dave smith soll angeblich die komplette Produktionslinie der Curtis-Chips kurz vor Doug Curtis‘ Tod gekauft haben, deshalb werden die Chips nur für DSI produziert.

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    costello  RED

    Retro-Design macht noch keinen Synthi-Sommer, wohl wahr. Müssen wir also weiter auf den Prophet 5, Rev. 2 im Erhaltungszustand 1a mit Sternchen sparen ;-)

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    Mick  AHU

    Hi!
    Ich habe nicht umsonst in einem anderen Forum gefragt, wie klingt er denn nun ohne Effekte, wie Chorus, Delay, Reverb, EQ und Kompressor usw.!?

    Im Netz ist nichts zu finden, und selbst hier im offiziellen Amazona-Test, gab es glaube ich, 2 beispiele ohne Effekthascherei!

    Aber wie kommst Du dazu, den Moog mit anzutesten? Zum reinhören ok, aber polyphon gegen monophon !?…zudem: „ein Mogg, ist ein Moog, ist ein Moog!“ ;-)

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      Mike Hiegemann  RED

      Na ja, die Effekte sind eben Teil des Instruments, also ist es nicht verwunderlich, dass sie in den meisten Demos auch eingesetzt werden. Man fragt ja auch nicht ständig bei Voyager-Demos danach, ob bitte jemand nur Sounds präsentieren könnte, die nur von einem Oszillator Gebrauch machen.

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    AMAZONA Archiv

    Sehr ehrlich geschrieben Max! Retro außen ist nicht Retro innen und schon garnicht Retro überall. :D

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      Mike Hiegemann  RED

      Aber das ist doch ein Missverständnis. Der Prophet-6 wurde niemals als Prophet-5-Kopie angepriesen, sondern als moderner analoger Polysynth. Er ist also bestenfalls als ein Prophet-5 für diese Dekade zu betrachten. Etwas anderes wurde nie behauptet. Darüber hinaus wird ja niemand gezwungen, ihn zu kaufen.

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        AMAZONA Archiv

        Wer hat vom Prophet-5 geredet? Trotzalledem läßt sich kaum verleugnen, daß sowohl der Prophet-6 wie auch der OB-6, konzeptionell und auch designtechnisch sich an die betreffenden Vintage Synthesizer anlehnen. Also muss auch ein Vergleich gestattet sein.

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          Mike Hiegemann  RED

          Du hast von „Retro“ gesprochen und das einzige Retromodell, dass mir zum Prophet-6 einfällt, ist der Prophet-5.
          Natürlich sind der P-6 und der OB-6 an Vorgänger angelehnt. Die Frage sollte aber doch immer sein, ob ein Synth gut klingt und nicht, ob er so gut klingt wie Synth xy. Hinzu kommt, dass ein Vergleich zwischen alten und neuen Synths schon deshalb problematisch ist, weil alternde Komponenten auch Einfluss auf den Klang haben können.

  7. Profilbild
    Atomicosix  

    Ich kann dein Fazit absolut nicht teilen. Gerade der Prophet 5 der 2. Serie mit SSM Filter hatte einen sehr klaren, obertonreichen Sound. Der Prophet 6 kommt diesen Sound recht nahe wie kein ander Syntheziser. Mein Soundbeispiel ist das Album „Arc Of A Diver“ von Steve Winwood, da hört man diesen Prophet Sound sehr gut.

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