Marktübersicht: Die besten und bekanntesten Klavierbauer

6. Februar 2021

Die wichtigsten Namen auf dem europäischen Piano-Markt

Marktübersicht: Die besten und bekanntesten Klavierbauer

Marktübersicht: Die besten und bekanntesten Klavierbauer

Marktübersicht Klaviere und Flügel 2021

Als ich Mitte 2019 die Liste der wichtigsten Klavierbauer hier auf AMAZONA.de veröffentlichte, konzentrierte ich mich auf Instrumente, die ich aus eigener Erfahrung kenne. Dass dies kein vollständiges Bild abgeben kann, versteht sich von selbst.

Hinzugekommen sind nun einige asiatische und europäische Marken sowie die eine oder andere historische Firma, die heute nicht mehr produziert. Außerdem befinden sich mit Neupert und Klavins auch zwei Unternehmen in der Liste, die keine Klaviere und Flügel im klassischen Sinne herstellen, sondern historische Kopien bzw. Neuentwicklungen. Die wichtigsten Zulieferer sind ebenfalls berücksichtigt: Renner Mechaniken, Strunz Resonanzböden und Kluge Klaviaturen.

Martin Andersson, Februar 2021

Vorwort der Redaktion

Martin Andersson hat für uns eine sechsteilige Serie zu Klavieren und Flügeln verfasst, die sich nicht nur an Einsteiger richtet und bis zur Kaufberatung, Wissenswertes rund ums Piano vermittelt.

Hier kurz aufgelistet, alle 6 Teile:

Wir übergeben nun an Martin Andersson und wünschen viel Spaß beim Lesen, Hören und selber Spielen

Ihre AMAZONA.de-Redaktion

Kleine Einführung: Wo werden eigentlich Klaviere gebaut?

Die Wiege des Klavierbaus liegt in Italien, wo Ende des 17. Jahrhunderts die ersten Piano-Forte gebaut wurden. Ziemlich rasch verbreitete sich die Kunde des neuartigen Instruments auch nördlich der Alpen. Seit dem 19. Jahrhundert gilt Deutschland als das Zentrum des Klavierbaus. Je nach Quellen gab es vor dem ersten Weltkrieg mehrere hundert bis über tausend (!) unabhängige Klavierbauer. Manche versuchten ihr Glück im Ausland, wie z.B. Theodor Steinweg, der sich in New York niederließ und sich fortan Steinway nannte.

Zwei Weltkriege sowie eine wachsende Konkurrenz aus Fernost haben den europäischen Herstellern zugesetzt. Außerdem traf die Rezession 2008 die Klavierbauindustrie hart, einige Firmen mussten Insolvenz anmelden oder wurden von asiatischen Unternehmen übernommen. Heute gibt es noch etwas über zehn deutsche Klavierbauer, davon sind noch fünf in Familienhand: Blüthner, Förster, Pfeiffer, Steingräber und Thürmer. Der Anteil am Weltmarkt ist indes marginal und liegt bei ungefähr fünf Prozent. Der Großteil der Klaviere und Flügel wird heute in Asien gebaut: Japan, Südkorea, China und Indonesien geben heute international den Ton an.

In der folgenden, alphabetischen Liste habe ich die wichtigsten Marken und Klavierbauer auf dem europäischen Markt zusammengetragen. Die Bewertungen reichen von einem bis vier Sternen und basieren auf eigenen Erfahrungen, Testberichten und internationalen Foren. Sie sind als grobe Orientierung gedacht, vieles ist subjektiv. Bei manchen Firmen fehlt die Bewertung mangels eigener Erfahrungen und Berichten.

Albert Weber

nennen sich die Premium-Flügel des südkoreanischen Konzerns Young Chang für den asiatischen und amerikanischen Markt. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen ausgewanderten Bayern, der im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten Klavierbauern in New York zählte, in direkter Konkurrenz zu Steinway. Die Produktion endete damals vor dem ersten Weltkrieg.
Siehe auch Young Chang.

August Förster ***

Förster aus Löbau im östlichen Sachsen produziert seit 150 Jahren Klaviere und Flügel. Bekannt für einen kräftigen Bass und einen insgesamt ausgewogenen Klang, bildeten sie zusammen mit Blüthner aus Leipzig die Spitze des ostdeutschen Flügelbaus und wurden auch in den Westen exportiert. Seit der Wende wieder in Familienbesitz, ist Förster heute eines der wenigen verbliebenen KMUs des Klavierbaus in Deutschland. Die Instrumente genießen einen exzellenten Ruf, Klaviere und Flügel von Förster gehören zur Oberklasse bei vergleichsweise moderaten Preisen. Gebrauchte Instrumente sind zum Teil sehr günstig.

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Bechstein ***/****

Carl Bechstein, gegründet 1853, ist ein Traditionshaus aus Berlin und galt lange Zeit als einer der besten Hersteller der Welt, in direkter Konkurrenz zu Steinway. Ob dies heute noch uneingeschränkt zu unterschreiben ist, darüber wird in den Foren eifrig gestritten. Nach der Wende übernahm Bechstein die ostdeutsche Marke Zimmermann und verlegte die Produktion von Berlin nach Seifhennersdorf in Sachsen. Auf die zunehmende preisgünstige Konkurrenz aus Asien reagierte Bechstein mit einer eigenen Markenpyramide für verschiedene Ansprüche: vom Einsteigermodell unter dem Namen „Zimmermann“, über „Hoffmann“, einer Mittelklasse-Marke, die in Tschechien gefertigt wird, bis zu den beiden Topmarken „Bechstein Academy“ und „C. Bechstein“. Auf dem Gebrauchtmarkt sind Bechstein Instrumente häufig anzutreffen, ein restauriertes Klavier ist ab etwa 4000 Euro zu haben, ein gut erhaltener Salon-Flügel ab 10000 Euro.

Blüthner ****

Blüthner in Leipzig ist eine renommierte Manufaktur und bekannt für einen sanften, lyrischen Ton, der gerne für Musik aus der Romantik gewählt wird. Eine Besonderheit ist das „Aliquot-System“, bei dem für die hohen Töne eine vierte Saite gespannt wird, die nicht angeschlagen wird, sondern als Resonanzsaite mitschwingt. Seit der Wende wieder in Familienbesitz, werden heute drei Produktlinien angeboten:
Irmler: Einstiegsklasse, wird in China und Osteuropa produziert
Haessler: gute Mittelklasse, Produktion in Leipzig.
Blüthner: Klaviere und Flügel der Oberklasse, handgebaut in Leipzig.
Ältere, unrestaurierte Blüthner Flügel werden schon für 1000 Euro angeboten, restaurierte ab 10000 Euro.

Bösendorfer ****

ist der Stolz des österreichischen Klavierbaus. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden in Wien Instrumente der Spitzenklasse gebaut, die qualitativ mit Steinway mithalten, wobei die Preise sogar noch etwas höher liegen. Der Grundklang von Bösendorfer gilt als weicher und tragender als Steinway. Man spricht auch von einem „singenden“ Ton. Seit 2007 gehört Bösendorfer zum Yamaha Konzern. Seitdem verfügen Yamaha Digital-Pianos über einen gesampelten Bösendorfer („Imperial“). Mit etwas Glück findet man auf dem Gebrauchtmarkt gut erhaltene Bösendorfer Flügel für 10000 Euro. Bösendorfer Klaviere und Flügel gelten als sehr langlebige Instrumente.

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Boston **

Seit Anfang der 1990er Jahre lässt Steinway Klaviere und Flügel der Mittelklasse bei Kawai in Japan herstellen. Die Boston Pianos sind solide Mittelklasse-Instrumente, die qualitativ einem normalen Kawai aber viel näher stehen als dem eigenen Stammhaus. Sie sind vergleichsweise teuer.

Burger & Jacobi **

war der einzige namhafte Klavierbauer aus der Schweiz. Zwischen 1875 und 1991 stellte man in Biel vor allem Kleinklaviere her, die gefühlt an jeder zweiten Schweizer Schule anzutreffen waren. Den Klang habe ich als eher dumpf in Erinnerung, meine Bewunderung hielt sich damals in Grenzen. Rein handwerklich betrachtet gelten Burger & Jacobi als gut verarbeitete Instrumente, die sich auch für Restaurationen eignen.

Érard ***

galt als der wichtigste Klavierbauer des 19. Jahrhunderts, gehen doch zahlreiche Erfindungen auf diese französische Firma zurück, z.B. die schnelle Repetition der Mechanik. Später konnte man mit der Entwicklung von Steinway und anderen Klavierbauern nicht mehr mithalten. Das größte Problem dabei war, dass Érard stur am geradsaitigen Design festhielt. Die Bassüberkreuzung, wie sie seit den 1880er Jahren von Steinway eingeführt wurde, war den Franzosen suspekt. Gleiches galt für die metallene Gussplatte, die von Érard strikt abgelehnt wurde. Man war der Meinung, dass ein Flügel (mit Ausnahme der Saiten) vollständig aus Holz gebaut werden sollte. Klanglich mag dies eine Besonderheit sein, doch vom Klangvolumen war die Gussplatte von Steinway überlegen, da sie höhere Spannungen der Saiten ermöglichte. Doch im 19. Jahrhundert war Érard das Maß aller Dinge und produzierte für die größten seiner Zeit: Franz Liszt und Ludwig van Beethoven spielten auf Érard Flügeln. Ab und an tauchen historische Érard Flügel auf dem Gebrauchtmarkt auf. Ich würde sie als interessante Instrumente für Liebhaber beschreiben.

Essex *

ist die Billigmarke von Steinway und wird von Pearl River in China gebaut, nebst zahlreichen anderen Marken, wie z.B. Ritmüller. Qualitativ mit seinen Werks-Cousins vergleichbar, bezahlt der Kunde einen erheblichen Aufschlag für die magischen Worte „Designed by Steinway & Sons“. Mit einem echten Steinway haben diese Instrumente außer dem Namen nichts gemeinsam.

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Estonia ***

Seit der Übernahme durch den Pianisten Indrek Laul Anfang der 2000er Jahre zählt Estonia zum erweiterten Kreis der internationalen Topmarken. Dass sie hierzulande kaum bekannt ist, hängt auch mit der starken heimischen Konkurrenz zusammen. Es ist kein leichtes Unterfangen, eine neue Marke auf dem deutschen Markt zu etablieren. In den USA wird Estonia hingegen schon mit Steinway verglichen.
Die Ursprünge der Estonia Flügel gehen auf den deutsch-baltischen Klavierbauer Ernst Ihse (estnisch: Hiis) zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts zu den bedeutendsten seines Fachs in Estland gehörte. Unter sowjetischer Herrschaft übertrug man ihm die Aufgabe, eine größere Klavierfabrik aufzubauen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion lief die Produktion dank engagierter Mitarbeiter weiter, was auch das Interesse des estnischen Julliard School Absolventen Indrek Laul auf sich zog. Schrittweise kaufte er sich in die Firma ein und übernahm sie 2001 schließlich vollständig. Somit ist Estonia einer der wenigen Klavierbauer, die von Pianisten geführt werden.
Indrek Laul legt den Schwerpunkt auf traditionelles Handwerk und die bestmöglichen Zulieferer mit Renner Mechanik, Kluge Klaviaturen und Strunz Resonanzböden. Gebaut werden ausschließlich Flügel in fünf Größen zwischen 168 und 274. Selbst habe ich noch keinen gespielt, doch wenn nur die Hälfte dessen stimmt, was man in Foren über Estonia lesen kann, dann sind es diese Flügel wert, ernsthaft angespielt zu werden. Preislich sind sie vergleichbar mit August Förster und Shigeru Kawai.

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Ein Salonflügel der baltischen Firma Estonia.

Fazioli ****

Paolo Fazioli, ein italienischer Ingenieur, Konzertpianist und Sohn eines Möbelfabrikanten, baut seit 1981 eigene Flügel und schaffte damit etwas, das zuvor als unmöglich galt: er etablierte sich als ernsthafte Konkurrenz zu Bösendorfer und Steinway. Was ihm an Tradition fehlte, kompensierte er durch einen konsequenten wissenschaftlichen Ansatz und engagierte Physiker, Akustiker und Mathematiker, um den perfekten Flügel zu entwerfen. Der Klang wird oft als analytisch und präzise beschrieben, zuweilen etwas kühl, während die Mechanik auf feinste Nuancen reagiert. Spielfehler verzeiht ein Fazioli nicht. Wahrlich ein Instrument für Profis, das die Fachwelt polarisiert. Berühmte Musiker mit Fazioli sind Benny Andersson (ABBA), Herbie Hancock und die kanadische Pianistin Angela Hewitt.

Gebaut werden um die 100 Instrumente pro Jahr in verschiedenen Größen zwischen 156 und über drei Metern Länge. Preislich in höheren Sphären angesiedelt bleiben Faziolis für uns normalsterblichen Musiker zeitlebens ein Traum. Gebraucht werden sie nur selten angeboten.

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Italienische Eleganz: ein Fazioli F183

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Paolo Fazioli (Mitte): ein visionärer Ingenieur und Konzertpianist

Feurich *

war mal eine renommierte Marke aus Leipzig. Heute gehört der Name der chinesischen Firma Hailun. Forschung und Entwicklung sind in Wien angesiedelt, die Produktion erfolgt in China. Vor ein paar Jahren wurden diese Pianos noch unter dem Namen Wendl & Lung vermarktet. Sie gehören unter den China-Instrumenten zu den besseren, können aber nicht mit der Qualität der alten Feurichs aus Leipzig mithalten.

Neu wird auch ein Klaviermodell (123) in Wien gefertigt. Diese Feurich Vienna Instrumente sind qualitativ und preislich mit anderen europäischen Klavieren vergleichbar.

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Klavierbau bei Feurich in Wien.

Grotrian Steinweg ** – ****

geht auf dieselbe Familie wie Steinway zurück, bloß ist dies über 150 Jahre her. Exportiert wird weltweit, wobei Steinway durchgesetzt hat, dass man sich in Amerika nur „Grotrian“ nennen darf. Seit 2017 ist Grotrian in chinesischem Besitz und gehört zu Parsons aus Hongkong. Unter dem Namen Wilhelm Grotrian bietet man eine eigene Einsteiger-Linie aus chinesischer Produktion an. Die „klangliche und spieltechnische Ausarbeitung“ findet aber weiterhin in Braunschweig statt.
Grotrian Klaviere und Flügel aus deutscher Produktion gehören seit Jahrzehnten zur Oberklasse. Ob sie auch einem Bösendorfer oder Fazioli das Wasser reichen können, ist in erster Linie eine Geschmacksfrage.

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Das Grotrian-Steinweg 113: kleines Klavier mit großem Klang

Hässler *** 

nennt sich die zweitbeste Baureihe von Blüthner und wird in Leipzig produziert. Angeboten werden vier Klaviermodelle und drei Flügel (175, 186 und 210) zu vergleichsweise moderaten Preisen.

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Ein Haussler Piano in der Größe 118: ausgewogener, zarter Klang kombiniert mit einer guten Verarbeitung

Hellas **

war ein wichtiger finnischer Klavierbauer der Mittelklasse und produzierte vor allem Kleinklaviere, die heute auf dem Gebrauchtmarkt zu günstigen Preisen angeboten werden.

Hoffmann **

ist die Mittelklasse Baureihe von Bechstein und wird in Tschechien in drei Qualitätsstufen gefertigt: Vision, Tradition und Professional. Was die genauen Unterschiede sind, entzieht sich meiner Kenntnis und wird auf der Bechstein-Homepage auch nicht weiter präzisiert. Die Hoffmann Klaviere, die ich bisher angespielt habe, hatten alle einen brillanten und kräftigen Ton, der aber auch ein bisschen dünn wirkte.

Ibach ***

Ibach, 1794 gegründet, war der älteste Klavierbauer der Welt, bis 2007 im Zuge der Finanzkrise die Produktion endgültig eingestellt wurde. Die Firma bleibt weiterhin bestehen und wird in der 7. Generation von Sabine Ibach geführt. Ibach Klaviere und Flügel gelten als sehr klangschöne und langlebige Instrumente.

Irmler */** 

ist die Einstiegsklasse von Blüthner, wobei es streng genommen zwei Baureihen gibt: Studio (Produktion in China, Endkontrolle in Leipzig) und Europe (Produktion in Osteuropa, Endkontrolle in Leipzig).

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Ein Irmler Flügel aus chinesischer Produktion: mit 148 Zentimetern Länge einer der kürzesten Flügel am Markt und klanglich jedem größeren Klavier unterlegen.

Kawai * – ***

baut seit über hundert Jahren Klaviere und Flügel und bietet ähnlich wie Yamaha Instrumente unterschiedlicher Qualitäts- und Preisstufen an. Vom Billigklavier für 3000 Euro bis zum Konzertflügel für 150000 Euro. Etwas verwirrend ist die Namenspolitik bei Kawai: Alle paar Jahre werden die Typenbezeichnungen gewechselt. Die heutige Einstiegsklasse GL hieß früher GM, die Profi-Reihe GX war früher die RX, und in den 80er Jahren lauteten die Typenbezeichnungen KG.  Dabei sind die Veränderungen innerhalb einer Reihe eher klein, hingegen unterscheiden sich die Baureihen untereinander zum Teil beträchtlich. Der typische Kawai-Klang ist etwas runder, zum Teil auch dumpfer als die präsenten und zuweilen spitzen Yamahas.

Anfang der 2000er Jahre begann Kawai mit dem Bau eigener Premium Flügel unter dem Namen „Shigeru Kawai“. Die Produktion erfolgt größtenteils von Hand von speziell ausgebildeten Klavierbauern. Da als Zulieferer großer Bauteile wie Gussplatte und Gehäuse die eigene Kawai Fabrik zur Verfügung steht, fallen die Preise weitaus moderater aus als bei Steinway oder Bösendorfer. Ob sie qualitativ mit diesen mithalten können, wird kontrovers diskutiert.

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Klavins ***

David Klavins ist der Exot in dieser Liste, da seine Instrumente mit keinen anderen Pianos vergleichbar sind. 1954 in Bonn geboren, gehört der deutsch-lettische Klavierbauer zu den innovativeren seines Fachs. Bekannt wurde er für sein fast vier Meter hohes Klavier Modell 370, das er 1987 in Tübingen baute und die Aufmerksamkeit zahlreicher Pianisten auf sich zog. Klavins gründete daraufhin ein eigenes Musik-Label für Aufnahmen seiner Instrumente. In Zusammenarbeit mit Nils Frahm entstand später die Idee eines speziellen Klaviers, das pro Taste nur eine statt drei Saiten besitzt und dadurch naturgemäß leiser und zarter klingt. Das Una Corda wird heute in zwei Versionen mit 64 oder 88 Tasten angeboten. Übrigens sind von Native Instruments interessante Sample-Librarys des Modell 370 und des Una Cordas erhältlich.

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Das Klavins Una Corda: ein neuer Ansatz im Klavierbau

Kluge (Tasten)

Kluge ist wahrscheinlich den wenigsten Pianisten ein Begriff, obwohl sie täglich damit in Kontakt sind. Dieses Kleinunternehmen aus der Nähe von Wuppertal hat sich auf die Produktion von Tasten spezialisiert, die heute in praktisch allen europäischen Klavieren und Flügeln verbaut werden. Auf den ersten Blick mag dies banal wirken, doch handelt es sich dabei um Präzisionsarbeit. Die idealen Tasten lassen sich leicht bewegen, haben kein seitliches Spiel, verziehen sich nicht (obwohl sie aus Holz gefertigt sind) und bieten alle den gleichen Widerstand. Kluge ist unbestrittener Marktführer und gehört seit 1999 zu Steinway, produziert aber weiterhin auch für die Konkurrenz.

Mason & Hamlin ****

Eine amerikanische Edelmarke, die man nur selten in Europa sieht.

Mendelssohn

Die Mendelssohn Piano Company war eine US-Amerikanische Firma in New York und produzierte von 1870 bis in die 1960er Jahre. Ihre Instrumente sind in Europa kaum verbreitet. Der wohlklingende Name wurde vor einigen Jahren in Asien wiederbelebt und prangt nun auf Instrumenten aus chinesischer Fließband-Produktion.

Neupert ****

J.C. Neupert gilt als der Spezialist für historische Tasteninstrumente. Das Kleinunternehmen aus Bamberg fertigt Cembali, Spinette, Hammerflügel, Clavichorde und Pedalcembali nach historischen Vorbildern in höchster Qualität.
Anfang des 20. Jahrhunderts baute man auch moderne Klaviere und Flügel, die ab und an auf dem Gebrauchtmarkt auftauchen und – sofern fachmännisch restauriert – eine interessante Alternative zu den bekannten Namen sind.

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Ein Neupert Flügel aus dem Jahre 1910

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Hammerklavier aus dem Hause Neupert

Niendorf

Niendorf aus Luckenwalde, südlich von Berlin gelegen, blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück: Zwangsverstaatlichung während der DDR, Zusammenlegung mit anderen Marken und schließlich auch Insolvenz. Es ist einem chinesischen Investor zu verdanken, dass 2014 die Produktion wieder aufgenommen werden konnte. Niendorf bietet Klaviere in zwei Größen an sowie vier Flügelmodelle, darunter einen der kürzesten Flügel auf dem Markt mit nur 145 Zentimetern Länge. Die jährliche Produktion liegt bei 50 bis 60 Instrumenten.

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Ein Niendorf Flügel in der Werkstatt. Bild: niendorf-piano.de

Nordiska **

war der wichtigste schwedische Klavierbauer, der auch nach Deutschland exportierte. Auf dem Online-Gebrauchtmarkt werden immer wieder Klaviere von Nordiska angeboten, meistens handelt es sich dabei um Übungsklaviere von ca. 110er bis 115er Bauhöhe. Sie sind gewiss keine überragenden Instrumente, aber solide Standardware. Anfang der 2000er Jahre produzierte die chinesische Dongbei-Piano Fabrik Flügel unter dem Namen Nordiska; ob dies heute noch der Fall ist, konnte ich nicht verifizieren.

Pearl River

Seit einigen Jahren wird der internationale Klaviermarkt von China dominiert, wobei ein Unternehmen den Ton angibt: Pearl River, das heute als der größte Klavierbauer der Welt gilt. Die zahlenmäßig wichtigsten Absatzmärkte liegen in Asien, doch drängt Pearl River immer stärker auf den europäischen Markt. Nebst Instrumenten unter eigenem Namen, produziert Pearl River auch die Ritmüller und Kayserburg (USA) Pianos, Essex für Steinway sowie zahlreiche „Eigenmarken“ von Klavierhäusern.

Perzina **

war einmal eine bedeutende, deutsche Marke aus Schwerin, die im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 die Produktion einstellen musste. Im Netz finden sich regelmäßig interessante Angebote gebrauchter Instrumente. Der Markenname Perzina gehört heute der US-amerikanischen Firma Piano Empire, die in China zwei Flügel- und vier Klaviermodelle produzieren lässt.

Petrof ** / ***

aus Hradec Králové in Tschechien ist seit über 150 Jahren im Geschäft und heute Europas größter Klavierbauer, mit Exporten in über 60 Ländern auf fünf Kontinenten.
Angeboten werden Klaviere und Flügel aller Größen, die allgemein zur guten Mittelklasse gezählt werden. Doch könnte sich dies nun ändern, da seit wenigen Jahren unter der Submarke Ant.Petrof zwei Flügel und ein Klavier des Spitzensegments gebaut werden.

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Pfeiffer ****

Pfeiffer aus Leonberg bei Stuttgart ist ein kleiner Klavierbauer erster Güte und wird mittlerweile in der fünften Generation von Georg Pfeiffer geführt, seines Zeichens gelernter Klavierbauer und promovierter Ökonom. Die Produktpalette ist überschaubar: drei Klaviermodelle sowie ein Salonflügel in der Größe 191. Qualitativ bewegt man sich auf höchstem Niveau. Legendär ist die Stimmhaltung, die von Klavierstimmern halb-ironisch als „geschäftsschädigend“ bezeichnet wird, da Pfeiffer Klaviere merklich seltener gestimmt werden müssen. Klanglich folgt man einem eigenen Ideal, das ich mit einem edlen, schweren Rotwein vergleichen würde: Der typische Pfeiffer Klang ist sehr voll, weich und dennoch kräftig, mit voluminösen Bässen, warmen Mitten und einem brillanten Diskant, ohne jemals spitz oder aggressiv zu wirken. Das Modell 124 gilt unter Klavierbauern und Pianisten als eines der besten Klaviere überhaupt und wird gerne in einem Atemzug mit Steinway und Bösendorfer genannt, wobei die Preise ein gutes Stück tiefer liegen. Dass der Name Pfeiffer selbst in Musikerkreisen eher unbekannt ist, hängt auch damit zusammen, dass man nicht im prestigeträchtigen Feld der Konzertflügel tätig ist. Das Kerngeschäft sind Klaviere für den Privat- und Unterrichtsbereich.
Seit 2019 lässt Pfeiffer die Klaviergehäuse und die bezogene Raste bei Seiler fertigen, während alle Tätigkeiten des Klavierbaus wie Einbau der Mechanik, der Klaviatur, Regulation, Stimmung und Intonation bei Pfeiffer in Leonberg erfolgen. Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich immer wieder interessante Angebote von Pfeiffer Klavieren und Flügeln. Sie sind in der Regel sehr langlebig und vielen Neuinstrumenten klanglich und technisch überlegen.

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Pleyel ***

war nebst Érard der wichtigste Klavierbauer Frankreichs. In den 1970er wurden die Pleyel Instrumente zwischenzeitlich Schimmel in Braunschweig gebaut, ehe die Produktion 1996 nach Frankreich zurückkehrte und laut verschiedenen Quellen 2013 stoppte. Auf der Homepage werden zwar weiterhin neue Instrumente angepriesen, vermutlich handelt es sich dabei um Restbestände. Pleyel Klaviere und Flügel sind verständlicherweise vor allem in Frankreich verbreitet und werden zum Teil stark unter Wert im Netz angeboten.

Renner (Mechanik)

Louis Renner aus Stuttgart gilt als die Referenz aller Klaviermechaniken und beliefert die meisten namhaften Klavierbauer. Meistens geschieht dies nach besonderen Vorgaben der Hersteller, so dass weiterhin Unterschiede zwischen Bösendorfer, Steinway und Fazioli auszumachen sind, obwohl sie alle mit Rennermechaniken bestückt sind. Ausnahmen sind Bechstein, New York Steinway, Kawai und Yamaha, die eigene Mechaniken verbauen, die alle auch als sehr zuverlässig gelten. Auch die zahlreichen China-Klaviere und Flügel haben meistens eigene Mechaniken verbaut; wie sich diese auf lange Sicht bewähren, wird sich weisen. 2018 wurde Renner von Steinway übernommen.

Ritmüller *

Ehemals aus Göttingen, gehört der Name heute zur Pearl River Piano Fabrik in China, die unter anderem auch die Essex Pianos für Steinway bauen.

Rönisch **

aus Leipzig baut Klaviere und Flügel der Mittelklasse. Seit 2009 gehört Rönisch zu Blüthner.

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Ein Rönisch Klavier (118) in Nussbaum.

Roth & Junius *

war einmal ein Klavierbauer aus Hagen. Die Namensrechte liegen heute bei Thomann, produziert wird in Fernost. Angeboten werden ein Klavier sowie zwei Flügel (150 und 186) zu attraktiven Preisen.

Samick

produziert seit den 1960er Jahren Klaviere in Südkorea und gilt heute als einer der größten Klavierproduzenten der Welt mit Werken in Korea, China, Indonesien und den USA. In Deutschland übernahm Samick 2008 die damals insolvente Seiler Pianofortefabrik GmbH.

Sauter ***

Sauter aus Spaichingen in Baden-Württemberg ist ein mittelgroßer Hersteller und seit 200 Jahren im Geschäft. Heute gilt Sauter als der älteste, noch aktive Klavierbauer. Die Klaviere und Flügel genießen unter Experten einen sehr guten Ruf. Interessant ist die „R2“-Klaviermechanik, die sich spürbar leichter und vor allem schneller spielen lässt als herkömmliche Mechaniken. Ein Sauter Klavier mit R2 Mechanik kann einen Flügel klanglich und spieltechnisch ersetzen, zumindest beinahe.

Sauter engagiert sich stark im Bereich der Neuen Musik und bietet unter anderem einen Flügel mit besonderen Markierungen an, um bei experimentellen Spielweisen nicht die Orientierung zu verlieren. Besonderes Augenmerk verdient auch das Mikroton Klavier mit 97 Tasten und einem Tonumfang von gerade mal einer Oktave. Die Stimmung in 1/16 Tönen (!) ermöglicht durch Schwebungen bisher unbekannte Klangfarben am Klavier.

Marktübersicht: Die besten und bekanntesten Klavierbauer

Das Sauter M122: Ein Klavier der Spitzenklasse mit einer besonderen, flügelähnlichen Mechanik und Sostenuto Pedal.

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Der Sauter Omega 220 Flügel: weiße Markierungen an den Dämpfern erleichtern die Orientierung, während die schwarzen, geschwungenen Linien auf dem Resonanzboden Flageolett Töne anzeigt (1/2, 1/3 und 1/4 der Saitenlänge)

Schimmel **/***

gehört ebenfalls zum deutschen Mittelstand. Berühmt wurde die Firma, als Udo Jürgens Anfang der 80er Jahre auf einem durchsichtigen Plexiglasflügel von Schimmel im ewigen Schnee der Schweizer Alpen ein Musikvideo drehte.

Schimmel bietet heute eine breite Produktpalette von Klavieren und Flügeln in allen Größen an. Der Flügel C169 ist meines Wissens der günstigste Flügel aus komplett deutscher Produktion.

Marktübersicht: Die besten und bekanntesten Klavierbauer

Der Glasflügel: Das bekannteste Instrument aus dem Hause Schimmel. Bild: Schimmel Pianos.

Schiedmayer

Ein Klavierbauer aus Stuttgart, der seine Piano-Produktion 1980 eingestellt hat. Seither konzentriert sich Schiedmayer auf die Celesta Produktion (mechanisierte Glockenspiele in Klaviergehäusen). Zwischenzeitlich baute Kawai Flügel unter dem Namen Schiedmayer.

Seiler **/***

aus Kitzingen in Bayern gehört seit 2008 zum koreanischen Samick Konzern. Die Instrumente zählen zur Mittelklasse. Unter dem Namen Johannes Seiler wird ein eigenes Fernost-Piano zu günstigen Preisen angeboten.

Marktübersicht: Die besten und bekanntesten Klavierbauer

Shigeru Kawai *** siehe Kawai

Steingräber und Söhne ****

Ein Familienbetrieb aus Bayreuth dessen Instrumente zu den besten Klavieren und Flügeln überhaupt zählen. Steingräber ist sehr innovativ und kombiniert alte Bauweisen mit neuen Techniken. Resonanzböden aus Kohlefaser, Flügel mit speziellen Dämpfungsmechanismen oder elektronische Transducer-Systeme, die externe, elektronische Klangerzeuger über den Resonanzboden erklingen lassen… gegen Aufpreis ist bei Steingräber fast alles möglich.
Der Flügel A170 gilt als der beste Kleinflügel der Welt und klingt trotz seiner geringen Größe besser als manches Zwei-Meter-Instrument. Auch die Klaviere von Steingräber sind eine Klasse für sich und dank Repetitionsmechanik und Sostenuto-Pedal ein valabler Flügelersatz.

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Durch die ungewöhnlich breite Form des Flügelendes ist der Resonanzboden des Steingräbers A170 vergleichsweise groß.

Steinway&Sons ****

ist der Klassenprimus der Klavierbauer und steht heute auf praktisch allen wichtigen Konzertbühnen. Die Dominanz von Steinway begann im 19. Jahrhundert, als man mit zahlreichen Patenten den Klavier- und Flügelbau revolutionierte. Es war Steinways Idee, Flügel mit gekreuzten Saiten konstruieren („Bassüberkreuzung“), was längere Saiten und somit mehr Klangvolumen ermöglichte. Eine andere, oft kopierte Innovation ist die Duplex-Skala: freischwingende, genau gestimmte Saitenenden, die als Resonanzsaiten mit den gespielten Tönen mitschwingen. Ein wesentlicher Grund für den präsenten und hellen Klang von Steinway.
Als nach dem zweiten Weltkrieg halb Europa in Schutt und Asche lag, war Steinway mit Sitz in New York und Hamburg der einzige renommierte Hersteller, der neue Flügel liefern konnte. Es dauerte Jahre bis Jahrzehnte, bis Firmen wie Bechstein, Bösendorfer oder Blüthner zu ihrer alten Größe zurückfanden, da es hierzu nicht nur Fabriken und geschultes Personal braucht, sondern auch ein Holzlager, das über Jahre aufgebaut werden muss. Bis es soweit war, waren alle wichtigen Konzertbühnen mit Steinway versorgt, was bis heute so geblieben ist. Interessant ist auch, dass die Produktpalette von Steinway seit über 100 Jahren praktisch unverändert fortgeführt wird. Die bekannten Modelle A-188, B-211 sowie der Konzertflügel D-274 wurden Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt und seither nur minimal verändert. Steinway ist ein Synonym für Beständigkeit und Qualität, was natürlich auch Nachahmer auf den Plan ruft: Flügel von Kawai, Yamaha, Wilhelm Steinberg und Yangtze River sind klare Steinway Kopien.

Wer sich für einen Steinway interessiert, sollte darauf achten, dass etwaige Restaurationsarbeiten gemäß den Vorgaben von Steinway ausgeführt wurden, ansonsten verlieren die Instrumente ihren Wert. Dabei geht es um Hammerköpfe, Teile der Mechanik, Saiten etc. Die Seriennummern sind genau dokumentiert; bei Steinway kann man nachschlagen lassen, wann ein bestimmtes Instrument gebaut und wohin geliefert wurde.
Allgemein gelten die in Hamburg gefertigten Instrumente als die besseren, wobei man dazu sagen muss, dass es auch sehr gute New Yorker Steinways gibt. Die Unterschiede betreffen vor allem die Mechanik (Renner in Hamburg, Eigenbau in New York) und die Hammerköpfe. Diese sind in New York von Natur aus eher weich und werden mit einem speziellen Leim gehärtet, während man in Hamburg den entgegengesetzten (und klassischen) Weg einschlägt mit harten Hammerköpfen, die mit Nadelstichen weicher gemacht, sogenannt intoniert werden.

Der typische Steinway Klang ist voll, kräftig, mit großer Dynamik von Pianissimo bis zum extremen Forte. Die Instrumente sind, sofern sie gut behandelt wurden, sehr langlebig. Hundertjährige Steinways sind keine Seltenheit und stellen viele zeitgenössische Instrumente in den Schatten. Außerdem sind sie stabile Wertanlagen. Die Preise beginnen bei ca. 8000 Euro für ein gebrauchtes Steinway Klavier, Flügel gibt es ab 15000 Euro. Die Neupreise liegen um ein Vielfaches höher.

Strunz Resonanzböden

Die „Holzwerke-Strunz“ sind ein Paradebeispiel dafür, dass die Konzentration auf eine Kernkompetenz zum Erfolg führen kann. Der Name wird kaum jemandem ein Begriff sein, obwohl sie eines der wichtigsten Unternehmen auf dem europäischen Klaviermarkt sind. Strunz baut Resonanzböden, das klangliche Herzstück aller Klaviere und Flügel. Zum Einsatz kommt ausgewähltes Fichtenholz aus den Alpen; wichtig ist dabei, dass es langsam und gleichmäßig gewachsen ist.
Strunz baut die Resonanzböden der meisten europäischen und teils auch asiatischen Premium Flügel nach den unterschiedlichen Vorgaben der Klavierbauer.

Die Teilstücke eines Resonanzbodens werden von Hand ausgewählt.

Thürmer ***

Die Ferd. Thürmer Pianofortefabrik, gegründet 1834, war ursprünglich in Meißen (Sachsen) angesiedelt. Heute findet sich in den alten Mauern ein Museum, während die Werkstätten in Bochum sind. Jan Thürmer, der aktuelle Inhaber, bietet nebst alten, restaurieren Instrumenten drei Klaviere und fünf Flügelmodelle zwischen 170 und 280 an, die auf Kundenbestellung gebaut werden. Thürmer ist einer der letzten traditionellen Klavierbauer, die ihre Instrumente in Handarbeit und Kleinstproduktion herstellen.

Wilhelm Steinberg **/***

wurde 1877 in Erfurt gegründet und gehört seit 2013 zur chinesischen Parsons Music Group. Die Produktion erfolgt in China und am Standort in Eisenberg (Thüringen). Die günstigere Performance-Reihe wird laut eigenen Angaben in China mit chinesischen Komponenten gebaut, während die „Endausarbeitung“ in Eisenberg stattfindet. Bei der professionellen Signature Serie werden die Gehäuse samt Gussplatten und Alaska-Resonanzboden aus China angeliefert. In Eisenberg werden danach deutsche Mechaniken und Tasten verbaut. Ob diese Instrumente den Titel „Made in Germany“ noch zu Recht tragen, wird im Netz kontrovers diskutiert. Trotz aller Kritik steht Wilhelm Steinberg für gute Mittelklasse-Qualität zu moderaten Preisen.

Yamaha * – ***

Yamaha ist ein Großkonzern und einer der größten Pianoproduzenten der Welt. Zusammen mit Kawai läuteten sie in den 70er und 80er Jahren die erste Welle der günstigen Fernost-Pianos ein, die der heimischen Produktion in Europa das Leben schwer machte. Mittlerweile haben auch bei Yamaha die Preise angezogen, so dass der Unterschied zu vergleichbaren Instrumenten aus Deutschland nicht mehr allzu groß ist.
Yamaha bietet verschiedene Baureihen unterschiedlichster Qualität unter demselben Namen an, vom Billiginstrument aus Indonesien (GB1 Flügel) bis zum handgemachten Konzertflügel (CFX), der als ernsthafte Konkurrenz für Steinway und Bösendorfer gilt. Yamahas sind stark verbreitet, viele professionelle Pianisten üben auf Yamaha-Instrumenten, um später die Konzerte auf Steinway zu spielen. Beliebte Modelle sind der C3(X) (186 cm) und C6(X) (212 cm).

Auch die Klaviere von Yamaha genießen einen guten Ruf, vom günstigen Einstiegsinstrument B1 bis zum Edelklavier der SE Reihe, das vergleichsweise günstig ist. Im Netz finden sich zahlreiche Angebote von gebrauchten Yamaha Klavieren und Flügeln. Da aber gerade die günstigen Baureihen nicht zu den langlebigsten gehören, wäre ich bei etwaigen „Yamaha-Schnäppchen“ vorsichtig.

Yangtze River

Als 2019 der Tchaikovsky Wettbewerb in St. Petersburg – einer der wichtigsten Wettbewerbe für klassische Pianisten – zum ersten Mal überhaupt einen Flügel aus chinesischer Produktion als einer der fünf Vortragsflügel nebst Fazioli, Steinway und anderen auswählte, kam dies einer kleinen Sensation gleich. Yangtze River ist ein chinesischer Premiumflügel und eigenen Angaben zufolge eine Hommage an die traditionelle (deutsche) Klavierbaukunst. Dabei folgt das Design in vielen Details dem großen Vorbild aus Hamburg, sogar die Typenbezeichnungen hat man übernommen. Bei den Zulieferern setzt man auf deutsche Wertarbeit, inklusive Kluge Klaviaturen, Röslau Saiten und Hammerköpfen von Renner, während die Mechanik eine Eigenentwicklung ist. Laut verschiedenen Berichten im Netz sind die Flügel klanglich ausgewogen, kritisiert wird zum Teil aber die Verarbeitung. Yangtze River gehört zum Parsons Konzern, der auch einige deutsche Klavierbauer im Portfolio hat (Grotrian-Steinweg und Wilhelm Steinberg). Die Preise liegen auf dem Niveau der besten Baureihen von Yamaha und Kawai.

Ein Yangtze River M170: eine Kopie des Steinway M Flügels (170)

Young Chang

ist so etwas wie Süd Koreas Antwort auf Yamaha und Kawai. Ursprünglich handelte es sich dabei um ein Klavierhaus, das ab 1956 Klaviere in Einzelteilen importierte und zusammensetzte. So umging man die höheren Importzölle auf Luxuswaren. Mitte der 60er Jahre begann  – zunächst in Zusammenarbeit mit Yamaha – die Fabrikation eigener Instrumente. 1995 eröffnete Young Chang als erster ausländischer Investor ein Werk in China und war damals mit über 100 000 produzierten Flügeln und Klavieren der größte Klavierbauer der Welt. Doch auch im Premiumsegment setzte Young Chang Akzente durch die Verpflichtung des Österreichers Joseph Pramberger, der zuvor 30 Jahre lang als Chefkonstrukteur für die New Yorker Steinways tätig war. Diese „Pramberger Platinum“ Flügel erfreuten sich in den USA rasch großer Beliebtheit. Die Markenrechte am Pramberger Namen wechselten später zu Samick, während Young Chang weiterhin nach seinen Patenten hochwertige Flügel baut und unter dem Namen „Albert Weber“ vertreibt.
Young Chang ist heute Teil des Hyundai-Konzerns und konzentriert sich auf den asiatischen und amerikanischen Markt. Europa wurde bisher kaum bedient.

 Zimmermann ** siehe Bechstein

Forum
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      Martin Andersson  RED

      Das ist allerdings wahr. Ausserdem ist Fernost einer der wichtigsten Absatzmärkte aller Klavierbauer. Die Verkäufe in Europa sind seit Jahren rückläufig.

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      amyristom  AHU

      Die Frage ist da natürlich auch, was eine Marke überhaupt noch bringt, wenn aufgrund des neuen Eigentümers / neuen Produktionsstandorts / andere Produktionsweisen und Qualitätsstandards die Instrumente nicht mehr an das bisher gewohnte Niveau der Marke heranreichen (siehe Roth & Junius oder Ritmüller).

  1. Profilbild
    Doc  

    Die Piano Lounge ist Klasse.

    Interessant, unterhaltsam und vor allem; Informativ.

    Dickes Lob.

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    Pianoman1980

    I’m sorry to write in English because my German isn’t great, but I’ll be able to understand replies in German. It was very interesting to read about the different piano builders. Everyone seems to love the Pfeiffer upright pianos, but has anyone ever played the Pfeiffer 191 grand piano? What is this instrument like? Can it compete with the grand pianos of the more famous high end brands (Steinway, Fazioli, Bösendorfer, Steingraeber, Bechstein,…) or is it more in the league of Grotrian, Seiler, Sauter,…? Many thanks in advance for your opinions.

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      Martin Andersson  RED

      Hi Pianoman
      welcome to the forum!
      Zu Deiner Frage: den Pfeiffer Flügel 191 habe ich zweimal gespielt. Der erste war fantastisch, der zweite hatte mich nicht so sehr überzeugt, was wahrscheinlich vor allem eine Frage der Intonation ist.
      Das Modell 191 ist ein sehr guter Flügel, ob er mit den großen vier oder fünf Marken mithalten kann, ist schwierig zu sagen. Auf jeden Fall hat er nicht das gleiche Renommee wie Fazioli, Bösendorfer oder ein Hamburger Steinway, obwohl er vielleicht gleich gut klingen mag.
      Auf jeden Fall baut Pfeiffer sehr gute Instrumente, sie sind aber kaum bekannt.

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        Pianoman1980

        Hello Martin,

        Thank you so much for your reply and your expert opinion. Those Pfeiffer instruments really sound like hidden gems.

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    Tonio

    Hallo,
    Feurich hat nur einen Stern erhalten. Liegt das einzig daran, dass das Klavier in China produziert wird? Das Modell 133 etwa wirkt auf mich als Laien sehr solide verarbeitet. Oder muss ich den einen Stern als „Finger weg“ (weil…?) interpretieren? Danke vorab!

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      Martin Andersson  RED

      Hallo Tonio
      Feurich? Ja, da sind sich die Leute in den Foren uneins. Die einen schwärmen von einem „sehr guten Preis-Leistungsverhältnis“, die anderen trauen diesen Instrumenten nicht so ganz. Ich gehöre zu Letzteren. Ein Klavierbauer, der die Feurich Klaviere und Flügel selbst verkauft, meinte hinter vorgehaltener Hand zu mir, dass die Verarbeitung bestimmt nicht die Beste sei. Es sei „keineswegs dran zu denken“, dass ein Feurich Klavier ähnlich lange halten werde wie ein herkömmliches Markenklavier. Das Problem ist, dass es keine Langzeiterfahrungen gibt. Niemand kann abschätzen, wie sich ein China-Feurich in sagen wir mal 40 Jahren verhalten wird, was für ein herkömmliches Klavier einer deutschen Marke kein nennenswertes Alter wäre.

      Auf den ersten Blick wirken die Feurichs solide, innovativ und ästhetisch, mit einigen Besonderheiten, wie z.B. integrierte Pultleuchten. So etwas gibt es meines Wissens nur von Feurich. Doch davon würde ich mich nicht blenden lassen. Klanglich hat mich bisher noch kein einziger Feurich überzeugt, und dabei habe ich auf meiner langjährigen Flügelsuche schon viele angespielt. Auch die großen Feurich Klaviere und Flügel fand ich klanglich immer relativ dünn. Größe ist nicht alles.

      Das Feurich 133 kostet ca. 7000 Euro. Für den Preis bekommst Du auch ein gutes Kawai, Yamaha oder ein Gebrauchtes aus Deutschland.

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        Tonio

        Danke für die rasche Antwort!
        Das Feurich bekäme ich neu für 6.300; in dieser Preisrange finde ich jeweils in sehr gutem Zustand – vom Klavierfachgeschäft:
        – Yamaha SU118 aus 1989 (6.800)
        – U1F Anfang der 70er (rund 4.100)
        – August Förster Modell 116, Bj 1989 (6000)

        Nur auf dem Papier urteilend, verstehe ich Dich so, dass ich mit Alternative 1 bzw. 3 wohl besser fahre? (Förster liest sich bei Dir ja wie ein Geheimtipp in Bezug auf Qualität vs. Gebrauchtpreis – weshalb haben sie denn diesen Discount?)

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          Martin Andersson  RED

          Förster mag ich sehr, das sind sehr klangschöne und gut verarbeitete Instrumente. Zumindest seit der Wende. Bei einem Modell mit Baujahr 1989 wäre ich ein bisschen vorsichtig. Da kommt es auch darauf an, welche Mechanik verbaut wurde. Meines Wissens wurden zu DDR Zeiten auch Renner-Mechaniken für den Export verbaut.

          Lass Dir von niemandem irgendetwas aufschwatzen. Das Wichtigste ist, dass Dir das Instrument persönlich gefällt. Es geht um diesen speziellen Klangeindruck, diesen Moment, dass man nur noch denkt: „Dieses und kein anderes!“

          Ich selbst habe mir vor zwei Wochen meinen Traumflügel gekauft – nach einer längeren Suche von ungefähr 5 Jahren durch die gesamte Republik und weit über 100 angespielten Instrumenten. Kein Witz.
          Schau auch bei Ebay-Kleinanzeigen, da finden sich oft interessante Angebote.

          • Profilbild
            Tonio

            Und das genannte Yamaha-Modell? Das ist ja eine der besseren Modelle und auch aus Handfertigung, aber war Yamaha auch vor 30 Jahren schon auf dem heutigen Standard?

  4. Profilbild
    Pianoscout

    Hallo Martin,
    Wie sind die Schmiedmayer Flügel im Vergleich zu gebrauchten Bechstein und Blüthner? Ich habe mal bei einem Transport geholfen ü d auf nicht wirkte der ca. 200er Flügel mächtig. Sehr gute Verarbeitung, schwer, solide.
    Habe mir überlegt auch einen zuzulegen.
    Danke für deine Übersicht die ich sehr gut finde.

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      Martin Andersson  RED

      Hallo Pianoscout
      Erstmal danke für Dein Lob, das freut mich natürlich sehr.

      Von Schiedmayer habe ich nur einen Flügel gespielt, und der war von Kawai gebaut. Er gefiel mir sehr gut, gewiss besser als die Boston Flügel, die auch von Kawai gebaut werden. Die alten Schiedmayer kenne ich nicht. Schiedmayer zählten aber gewiss zu Recht zu den großen und bekannten Marken im Klavierbauland Deutschland. Wie sich diese Instrumente im Vergleich zu einem ähnlich alten Bechstein oder Blüthner verhalten, kann man nicht pauschal beurteilen, da der individuelle Zustand bei alten Instrumenten die größere Rolle spielt als die Marke. Wenn Dir aber ein Instrument gefällt und der Zustand ok ist, spricht nichts gegen einen Schiedmayer. Das Wichtigste ist immer: man muss jedes Instrument selbst anspielen. Es bringt nichts, wenn Dir der Vorbesitzer am Telefon vorschwärmt, wie toll der Flügel sei, das solltest Du schon selbst erfahren oder besser gesagt: er-spielen.

      p.s. in einer anderen Folge der Piano Lounge habe ich beschrieben, worauf man bei Gebrauchtinstrumenten achten sollte.
      https://www.amazona.de/klavier-kaufen-neu-oder-gebraucht-was-darf-es-kosten/

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    Pianista

    Danke für diese interessante Aufstellung, auch wenn keine Berichte über Förster-Klavier oder Klaviere anderer Marken (z. B. Lipp & Sohn) dabei sind.

    Ich bin aktuell auf der Suche nach „Ersatz“ meines Steinweg Nachf. (Braunschweig, BJ ca. 1920)-Klaviers. Es hat einen schönen Klang, aber inzwischen so viele Mängel, dass ich überlege, ein anderes zu kaufen. Wichtig ist mir die Höhe des Klaviers – die kleinen haben keinen Klang.

    Von Bösendorfer habe ich bisher keine Klaviere gefunden – ich dachte, die bauen nur Flügel? Auf diesen spiele ich allerdings sehr gerne – super Bässe!

    Pfeifer-Klaviere mag ich gar nicht, dieser Porzellanklang ist sehr unscharf in meinen Ohren, zu viele Obertöne… Auch Seiler-Klaviere mag ich nicht. Schimmel dagegen sehr.

    Ich hatte kürzlich bei Youtube eine Klangprobe von einem Lipp & Sohn-Klavier gehört, das wir nicht schlecht! Aber nie auf einem gespielt. Aktuell werde ich ein Angebot sichten, und ein Förster-Klavier von 1930 anschauen. Förster kenne ich noch vom Studium – habe immer gerne darauf gespielt.

    Preislich kommt für mich nur ein gebrauchtes Klavier in Frage, und letztlich stellt sich mir auch immer noch die Frage, ob ich nicht doch in mein eigenes Steinweg-Klavier investieren sollte, das Innenleben erneuern lasse und dann mehr davon habe als von einem anderen, das ich nicht kenne und nicht diesen Klang hat…

    Hm, schwierige Entscheidung.

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      Martin Andersson  RED

      Ja, das sind schwierige Entscheidungen. An Deiner Stelle würde ich Deinen Klavierstimmer um Rat fragen: was müsste man alles am Steinweg Klavier restaurieren, damit es wieder Deinen Ansprüchen genügt? Zustand des Resonanzbodens, Stimmstocks, Mechanik, Saiten etc? Da kann schon allerhand zusammenkommen.
      Und ja, Bösendorfer baut Klaviere, und zwar sehr gute. Ausserdem würde ich den Pfeiffer Klang würde nicht mit „Porzellan“ umschreiben, eher das Gegenteil: starke Bässe und warme Mitten. Das geht eher in Richtung Bösendorfer. Aber da sind die Geschmäcker natürlich verschieden.
      Die obenstehende Liste ist bewusst unvollständig, hatte ich mich ja nur auf Instrumente konzentriert, die ich aus eigener Erfahrung kenne. Gerade schreibe ich an einer Überarbeitung, die aber auch nicht alle möglichen (historischen) Marken beinhalten wird. Das wäre ein uferloses Unterfangen. :-)

      • Profilbild
        Martin Andersson  RED

        p.s. Wenn es vom Platz her reichen sollte, wäre ein (alter) Flügel auch eine Überlegung wert. Gebraucht kosten sie nicht mehr als vergleichbare Klaviere. Auf Ebay-Kleinanzeigen und Pianova.com findest Du sehr viele Angebote.

  6. Profilbild
    Jacksulze

    Ein wirklich toller Bericht mit einer super Übersicht. Genau danach habe ich gesucht. Wirklich sehr hilfreich.
    Nun habe ich ein Sauter Carus 112 angespielt (12-14’000€) und es hat schön geklungen. Wäre ein schöner Nachfolger für mein May Berlin (frühere Untermarke von Schimmel).
    Würde in meinem Preisrahmen liegen und ist gute, deutsche Handarbeit.
    Auf einer amerikanischen Seite ist Sauter als Topmarke angepriesen (https://www.sauter-pianos.de/sites/default/files/media/pdf/larryfine2.pdf), unter den 5 Weltbesten.
    Hier kriegt es aber nur 3 Sterne.
    Was macht es denn aus, dass Sauter nur 3 Sterne kriegt? Gibt es da feststellbare Unterschiede zu denen mit 4 Sternen und worin lägen die? Immer vorausgesetzt, die in etwa gleiche Preislage.
    Was sind Ihre Erfahrungen mit Sauter? Vielen Dank für ein Feedback.

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      Martin Andersson  RED

      Guten Morgen Jack
      Danke erstmal für Dein Lob; das liest man natürlich gerne.
      Zu Deiner Frage: Sauter ist zweifelsfrei eine sehr gute Marke. Dass ich „nur“ drei statt vier Sterne vergeben hatte, solltest Du nicht überbewerten. Hier spielt der persönliche Geschmack auch mit. Sauter war bisher nicht so mein Topsound, wenn ich das so schreiben darf. Qualitativ gehören sie gewiss zum Besten, was es gibt, mit Sauter machst Du gewiss nichts falsch. Interessant bei Sauter ist die R2 Mechanik, die dem Spielgefühl eines Flügels ziemlich nahe kommt. Kostet zwar ein bisschen extra, lohnt sich aber in vielen Fällen schon. Und noch ein Tipp: schau auch auf dem Gebrauchtmarkt.

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    Henrik Fisch  AHU

    Schööööööön. Hach, es gibt es noch: Das Schöne, Wahre, Gute! :)

    Es ist nun so ziemlich ausgeschlossen, dass ich mir ein Klavier oder gar einen Flügel nach Hause stelle. Kein Platz, kein Geld … aber etwas darüber zu lesen … das hat schon was.

    Ich weiß nicht, wie es euch geht. Ich bin jetzt ja so’n Elektronik-Fuzzi – noch dazu nicht mal die »harte« Gangart mit Techno oder Trance, sondern Ambient und Dub-Ambient und so – aber wenn ich vor so einem Klavier sitze, dann habe ich nicht nur ein warmes Gefühl ums Herz, sondern auch den Drang, in die Tasten hauen zu wollen. Und das schreibt jemand, der im eigentlichen Sinne keine Ahnung vom Klavierspielen hat. Und so ein Flügel … das ist schon echt … ja, ich schreibe es mal … das ist echt geil! Da lohnt es sich, ach was, was schreibe ich, da ist es schon eine Lebenserfahrung, einfach nur mal eine einzige Taste herunter zu drücken und zu lauschen.

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      bluebell  AHU

      Ja, schon. Ich hab mein Klavier aber irgendwann verschenkt. Ohne den passend akustisch behandelten Raum klingt es immer billiger als z.B. ein Pianoteq oder gute Samples.

  8. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    „[…] im ewigen Schnee der Schweizer Alpen […]“

    Das muß tatsächlich schon lange her sein.

    Nichts währt ewig.

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      Martin Andersson  RED

      Udo Jürgens drehte damals auf dem Aletschgletscher beim Jungfraujoch. Dort liegt immer noch das ganze Jahr Schnee, fragt sich bloß, wie lange noch. Aber heute wäre das noch möglich.

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        liquid orange  AHU 1

        Beim Konkordiaplatz ist das Eis noch 900 Meter dick. Auch wenn die Menschheit so weiter wütet wird es ein paar Jahrzehnte gehen bis das alles geschmolzen ist. Aber wenn es so weit oben auch nicht mehr schneit, dann geht es verd. schnell.
        Danke für diese sensationelle Übersicht die sogar mich als Klavier-Laien begeistert!!!

        Noch ganz nebenbei: Habe in Deinem Profil deine Einflüsse angesehen in der meine beiden Lieblingsbands Pink Floyd und Porcupine Tree drin sind. Und dann Mani Matter der bei mir ein Teil meiner DNA ist. Aber wie bekommt man in Dresden Einflüsse von Mani Matter?

  9. Profilbild
    ISE500  AHU

    Ganz toller Bericht – vielen Dank!
    Pfeiffer ist hier 5 Minuten bei mir um die Ecke und ich hatte ja keine Ahnung, daß die so legendär sind.

  10. Profilbild
    t.bechholds  AHU

    Toller Artikel.

    2014 oder ’15 haben ich auf der Messe in Frankfurt einen Mendelssohn Stutz-Flügel gekauft. Nachdem ich diesen, mehr oder weniger sinnvoll, angetestet hatte.
    Ja, so ein Chinading.
    Herr Wang kam nebst seiner zierlichen Frau vorbei , um diesen Flügel in den 1. Stock zu wuchten. Das haben wir dann natürlich sein gelassen. ich habe mich für den Mut bedankt und das dann anders geregelt.

    Ich bin sehr zufrieden mit dem Klang und der Mechanik. Mir persönlich gefällt er besser, als jede noch so perfekte E-Piano Steinway Simulation.

    Gekostet hat das Messe-Ausstellungsstück 5.000 €

    Ich denke 1 Stern kann man diesen Mendelssohn Instrumenten bedenkenlos geben.

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      Martin Andersson  RED

      Danke für Deinen Kommentar.
      Nur kurz zur Erläuterung: wenn ich keine Sterne vergeben habe, bedeutet das nicht, dass die Instrumente schlecht sind, sondern nur, dass mir die Informationen und eigene Erfahrung für eine Bewertung fehlen. Und ich möchte nicht ins Blaue hinein irgendwelche Dinge behaupten, die ich nicht begründen könnte.
      Für 5000 Euro hast Du bestimmt nichts falsch gemacht.

  11. Profilbild
    lightman  AHU

    Ich hätte immer noch unheimlich gerne ein Klavier, wüßte aber gar nicht, wo ich bezüglich eines eventuellen Gebrauchtkaufs anfangen sollte. An so einem Instrument sind ja tausend Sachen dran, die Probleme machen können, selbst wenn ich eines direkt vor Ort testen und anspielen würde, wäre ich nicht in der Lage, zu beurteilen, ob das Möbel sein Geld wert ist. Wie geht man da vor?

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Du hast natürlich Recht: ein Klavier zu kaufen ist keine leichte Sache. Denn anders als bei Synthesizern bringen einen Testberichte nur bedingt weiter.
      Meine Empfehlung wäre, nach Gebrauchtinstrumenten bei Klavierbauern zu suchen. Dann bekommst Du gute Instrumente zu vernünftigen Preisen mit Garantie. Gebraucht von Privat ist immer riskanter, da kann man aber auch einen Klavierbauer seines Vertrauens mit einem kleinen Gutachten beauftragen. Das kostet nicht die Welt.
      Das Wichtigste ist: sich Zeit zu nehmen und sich bei verschiedenen Händler querbeet durchs Sortiment zu spielen. Nur so lernt man mit der Zeit die Unterschiede kennen.

      Schau auch mal hier:
      https://www.amazona.de/klavier-kaufen-neu-oder-gebraucht-was-darf-es-kosten/

      p.s. Du kannst mir auch gerne eine PN schicken, dann quatschen wir weiter.

      • Profilbild
        lightman  AHU

        Der verlinkte Artikel ist wirklich sehr hilfreich, da gibts eine Menge zu lesen, werde ich mir anschauen, danke dir!

        Ich habe leider nie Klavierspielen gelernt, bin aber tastenaffin und bevorzuge den Klang eines echten Klaviers gegenüber Samples und Plugins, schon weil man damit tatsächlich Materie und Luft zum Schwingen bringen kann, das kann kein Sample dieser Welt nachbilden.

        • Profilbild
          Martin Andersson  RED

          Das stimmt absolut. Auch ein hundertjähriges, unrestauriertes Klavier, das Du geschenkt im Netz finden kannst, klingt lebendiger und organischer als jedes Sample. Und wenn Du erstmal ein Klavier hast, kommt die Lust am Spielen von selbst.
          Was übrigens auch ziemlich cool ist: Gitarren Pickup auf den Resonanzboden eines Klaviers kleben und das Signal durch Effektpedale schicken. Dann noch mit einem Schlüssel über die Saiten fahren und Du kriegst Sounds, wie Du sie noch nie gehört hast.
          Oder: einen Lautsprecher unten ins Klavier stellen, Pedal drücken und das Klavier als Hallgerät nutzen.

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    Ingo B.

    Herzlichen Dank für diese tolle Übersicht!

    Gerne möchte ich mir in den nächsten Monaten das lang ersehnte Update tätigen und mein solides, aber in die Jahre gekommenes Bechstein-Klavier durch einen Flügel ersetzen. Mein absoluter Traumflügel wäre ein B-Flügel von Steinway & Sons. Leider kann ich mir diesen aber höchstens gebraucht leisten. Für den Preis eines aufbereiteten, gebrauchten Steinway & Sons B-Flügel erhalte ich jedoch auch einen neuen Yamaha C5X oder allenfalls sogar einen neuen C6X Flügel.

    Gegeben, ein neuer Yamaha C6X und ein gebrauchter Steinway & Sons B-Flügel würden mir vom Spielgefühl her gleich gut gefallen, zu welchem Instrument würdest Du mir eher raten? Wo fahre ich mittel- bis langfristig besser und warum?

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      Martin Andersson  RED

      Hallo Ingo
      erstmal vielen Dank.

      Ich stand vor der gleichen Entscheidung: ein neuer Japaner oder ein restaurierter Steinway? Am Schluss habe ich mich für einen dritten Weg entschieden: ein wenig gespielter, junger Flügel einer deutschen Topmarke. Ein Yamaha C5x liegt über 30 k€. Für den Preis bekommst Du auch einen 20 bis 30 jährigen, gut gepflegten Sauter, Grotrian, Steingräber, Blüthner, Förster etc. Da steht zwar nicht Steinway drauf, doch sind sie alle auch richtig gut.

      Zwischen neuem Yamaha und altem, gut restauriertem Steinway würde ich mich in neun von zehn Fällen für den Steinway entscheiden. Klanglich sind sie meistens sehr schön: ausgewogen, kräftig, charaktervoll. Yamahas sind mir oft zu glatt und leblos. Aber das ist nur meine Meinung. Es gibt viele Musiker, die mit Yamaha sehr glücklich sind. Voraussetzung für den Steinway wäre aber, dass er fachmännisch mit Originalteilen restauriert wurde. Und Hamburg ist meistens besser als New York.

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      Martin Andersson  RED

      p.s. Bezüglich der Länge würde ich mich an Deiner Stelle nicht festlegen. Klar, zu kurz sollte ein Flügel nicht sein, aber ein Fazioli 156 klingt fantastisch. Und der A170 von Steingräber stellt auch manchen 2 Meter Flügel in den Schatten. Allgemein gilt, dass ein Flügel erst ab einer Länge von 180 besser als ein gutes Klavier klingt.
      Ich persönlich ziehe aber einen Steinway A-188 dem B-211 vor, da ich näher am Schwingungspunkt der Saiten bin. Natürlich hat ein B-Flügel den etwas stärkeren Bass, die Frage ist bloß, wieviel ich davon als Spieler mitkriege.

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        Ingo B.

        Hallo Martin

        Herzlichen Dank für diese hilfreichen Überlegungen und insbesondere auch für den Hinweis auf den Steinway A-188 Flügel. Das könnte in der Tat auch eine Option sein!

        Die Blüthner-Flügel, welche ich bislang angespielt haben, gefielen mir persönlich vom Klangbild her etwas weniger gut als die Steinways. Einen Steingräber habe ich noch nie ausprobiert. Gegeben Deine Euphorie dafür, will ich den aber unbedingt auch anspielen. Leider scheint es davon aber nur wenige Occasionen zu geben und neu übersteigt er meine finanziellen Möglichkeiten klar.

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          Martin Andersson  RED

          Blüthner ist natürlich ein ganz anderes Klangbild als Steinway. Wichtig ist, dass man für sich selbst herausfindet, welcher Grundklang und Charakteristik einem am besten gefallen. Wenn Deine Präferenz in Richtung Steinway und Yamaha gehen, ist Blüthner kaum das Instrument der Wahl. An Deiner Stelle würde ich alles anspielen, was Du unter die Finger bekommst. Viel Spaß bei Deiner Suche!

  13. Profilbild
    Cassie

    Zunächst einmal möchte ich, ebenso wie die meisten hier, die Mühen Deines Berichts loben! Auch wenn ich absoluter Laie bin, stehen wir aktuell vor der Frage – welches Klavier / Flügel für unseren Sohn (9 Jahre) Wir sind beim Probespielen auf zwei Modelle hängengeblieben, Yamaha GC1 Flügel gegenüber Schimmel Modell C169. Unser Gehör klingt auf letzterem Flügel, auch bei der zweiten Testung noch nach und – wir kommen davon nicht wirklich mehr los. Da es allerdings preislich einen großen Sprung macht, haben wir Bedenken etwas falsch zu machen. Macht es Sinn diese beiden Flügel zu vergleichen oder kommt das Modell von Yamaha an den Schimmel heran – oder auch nicht? Wie gesagt, wir haben keine Ahnung….

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      Martin Andersson  RED

      Einen Flügel im zarten Alter von 9 Jahren… wow! Das ist natürlich wunderbar, wenn Ihr Eurem Sohn ein derart tolles Instrument schenken wollt.
      An Eurer Stelle würde ich nichts überstürzen. Ob Yamaha oder Schimmel ist nicht nur ein preislicher, sondern v.a. ein klanglicher Unterschied. Und da würde ich noch ein paar Jährchen warten, bis Euer Sohn selbst besser weiss, wohin die klangliche Reise am besten gehen soll. Ihr könntet auch einen Flügel erstmal mieten und später entscheiden. Ein seriöses Klavierhaus würde Euch die Miete später anrechnen.

  14. Profilbild
    Nydezki

    Ich habe eine kleinen Flügel gefunden der mich interessiert. Kann aber keine Infos dazu im Netz finden. Das einzige bezüglich Marke oder Model das ich finden konnte, ist ein gegossener Schriftzug auf dem Gussrahmen „Brahms“. Wissen sie über solche Flügel mehr?
    Die Internetsuche mit „Flügel und Brahms“ ergibt immer Klaviernoten und Konzerte;-)

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Brahms Flügel? Ehrlich gesagt, das habe ich noch nie gehört, was aber nichts zu bedeuten hat. Wo haben Sie den Flügel gefunden? An Ihrer Stelle würde ich den Verkäufer nach weiteren Informationen fragen. Haben Sie den Flügel schon angespielt?

      • Profilbild
        Nydezki

        Nach stundenlangen Internetrecherchen habe ich folgendes gefunden:
        Hersteller ist Lauberger & Gloss. Deren Model heissen vielfach nach Komponisten
        Brahms ist eine Salon- oder Stutzflügel mit den Abmessungen 154x130cm.
        Über Lauberger & Gloss ist aber auch nicht viel rauszufinden.

        • Profilbild
          Martin Andersson  RED

          Dieser Name sagt mir gar nichts, was natürlich nichts zu bedeuten hat. Ferndiagnosen sind ohnehin schwierig. Aber wenn das Instrument klanglich überzeugt und in einem guten Zustand ist (oder entsprechend restauriert werden kann), ist es letzten Endes egal, ob ein bekannter Name draufsteht oder nicht.

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