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Piano Lounge 1: Geschichte und Aufbau von Klavieren und Flügeln

11. September 2019

Bartolomeo Cristoforis bahnbrechende Erfindung

Welcher Instrumentenbauer hatte den größten Einfluss auf die Tasten spielende Fraktion der Rock-, Pop- und Jazzmusik? Laurens Hammond? Harold Rhodes? Robert Moog? Ich hätte einen anderen Vorschlag: Bartolomeo Cristofori, der Erfinder des Klaviers, dem es gelang, ein polyphones Instrument zu bauen, das von zart bis perkussiv, von leise bis laut und von romantisch bis aggressiv ein breites Spektrum des Ausdrucks ermöglichte.

In der langen Zeit, in der AMAZONA.de schon existiert, haben wir die verschiedensten Tasteninstrumente, mehrheitlich elektronischer Art, besprochen. Synthesizer, Workstations, Digital-Pianos: Es gibt kaum Instrumente, die wir noch nicht getestet haben. Bis auf eine Ausnahme: Klaviere.
Es ist eine kleine Ironie der Geschichte, dass das verbreitetste aller Tasteninstrumente bei uns noch nicht tiefergehend betrachtet wurde. Der Grund ist vielleicht, dass Klaviere zu „normal“ und vielleicht ein bisschen banal wirken. „Klaviere gibt es ja überall, kenn‘ ich von meiner Oma und in der Schule standen auch ein paar rum. Was gibt es denn dazu überhaupt zu erzählen?“ Eine ganze Menge. Wie man sich leicht denken kann, bestehen große Unterschiede zwischen einzelnen Klavieren und Flügeln, so dass es sich lohnt, etwas genauer hinzuschauen. Willkommen bei Piano Lounge, der neuen Artikelreihe für Klaviere und Flügel.

Ein kleines Gedankenspiel zu Beginn: Wie hätte sich die Musik entwickelt, wenn das Klavier nie erfunden worden wäre? Es gäbe weder Klaviersonaten von Beethoven, noch Mozart’sche Klavierkonzerte; kein Ragtime und keine Rhapsody in Blue von Gershwin; vermutlich auch kein Take Five und kein Candle in the Wind (was ich persönlich noch verschmerzbar fände). Außerdem müsste ein Großteil der romantischen Filmmusik neu geschrieben werden. Jazz, Rock ’n‘ Roll, Gospel, Soul und Funk würden anders klingen, wenn man sie denn überhaupt erfunden hätte. Gleiches gilt für Salsa, Tango und Reggae. Und für Dub vermutlich auch. Gut möglich, dass auch die Entwicklung anderer Tasteninstrumente anders verlaufen wäre: Das Rhodes hätte es wohl nie gegeben, da es ja eine mobile Version eines Klaviers war. Und auch wenn die Hammond Orgel mit dem Klavier direkt nichts zu tun hat, so waren es doch Pianisten und nicht Kirchenorganisten, die mit der B3 einen perkussiven Stil prägten.

Ein Klavier, ein Piano! Was ist das eigentlich?

Ursprünglich bezeichnete der Begriff Klavier alle möglichen Tasteninstrumente, ob dies ein Cembalo, eine Orgel oder ein Piano-Forte war. Heute versteht man darunter aufrechte Pianos mit meistens 88 Tasten, die über eine Hammermechanik vertikale Saiten anschlagen, deren Schwingungen über einen langen Holzsteg auf den Resonanzboden übertragen werden. Dies geschieht in der Regel im Versteckten; der Spieler sieht weder Mechanik, noch Saiten, noch Resonanzboden. Das Klavier ist äußerlich eher ein Möbel als ein Instrument und fühlt sich manchmal wie eine Blackbox an: Man drückt eine Taste und ein Ton erklingt. Doch was genau dabei geschieht, bleibt verborgen. Seit geraumer Zeit übe ich deshalb regelmäßig mit offenem Klaviergehäuse, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die Hämmer auf die Saiten schlagen.
Flügel sind die waagrechte Variante, die dank der geschwungenen Form zu ihrem Namen kamen. Auf Englisch nennt man sie Grand Piano, was ein bisschen verwirrend ist, da ein großes Klavier durchaus größer als ein Flügel sein kann. Ihre Länge variiert zwischen anderthalb und über drei Metern Länge.

Entwicklung und Geschichte des Klaviers

Die Entwicklung des Klaviers zog sich über Jahrhunderte hin; es ist – nebst der Kirchenorgel – das technisch komplexeste akustische Instrument. Alles begann mit dem Clavichord, einem eher simplen Instrument mit Tasten, die an Saiten anschlagen. Auch wenn der Klang gänzlich anders ist als bei einem modernen Klavier, ist das Grundprinzip ähnlich: Mittels Tasten werden Saiten angeregt. Die Sache hatte bloß einen Haken: Das Clavichord ist sehr leise, so leise, dass es de facto nicht möglich ist, andere Instrumente zu begleiten, geschweige denn als Solo-Instrument nebst einem Orchester zu bestehen. Es ist ein eher intimes Instrument für den Heimgebrauch und zum Komponieren, doch gänzlich ungeeignet für die Bühne. Nicht weiter verwunderlich, dass die Entwicklung weiterging und im Cembalo mündete, das zwar einem heutigen Flügel ähnlich sieht, technisch aber einen gänzlich anderen Weg geht. Beim Cembalo werden die Saiten nämlich gezupft und nicht angeschlagen. Dadurch klingt das Cembalo lauter als ein Clavichord. Viel lauter sogar, jedoch immer gleich laut. Es kennt nur eine Lautstärke: Ton an, Ton aus, was bei aller Schönheit des Cembalo-Klangs ein mechanisches Gefühl erzeugt. Gänzlich auf die Dynamik zu verzichten, ist auf die Dauer eine Spaßbremse. Der Wunsch vieler Musiker in der Barockzeit war ein Tasteninstrument, das man so gefühlvoll wie ein Clavichord spielen konnte und gleichzeitig ähnlich laut wie ein Cembalo sein sollte. Die Lösung war eine neu entwickelte Tonerzeugung.

Bartolomeo Cristofori, 1655 bis 1731. Ein bedeutender Instrumentenbauer aus Padua und Erfinder des Piano-Fortes.

Die Erfindung des Piano-Fortes

1698 präsentierte der venezianische Instrumentenbauer Bartolomeo Cristofori ein vieroktaviges Instrument, das man leise und laut spielen könne. Italienisch: piano e forte. Das Neue war, dass die Saiten von Lederhämmern angeschlagen wurden, die nicht starr mit der Taste verbunden waren, sondern direkt nach der Saitenberührung nach unten fallen konnten, obwohl die Taste weiterhin gedrückt wurde. Parallel wurde automatisch der Dämpfer der gespielten Saite angehoben.
Das Instrument war eine Sensation und verbreitete sich innerhalb weniger Jahre in Italien, Frankreich und vor allem auch in Deutschland. Als technisch komplexes Instrument war das Piano-Forte für damalige Verhältnisse unglaublich teuer, so dass sich nicht einmal der hochangesehene Komponist Johann Sebastian Bach eines leisten konnte. Die damaligen Käufer waren Fürsten und Könige. Hammerklaviere verbreiteten sich zunächst nur an den Höfen.

Ein Piano-Forte von Bartolomeo Cristofori aus dem Jahre 1722

Größer und lauter

Die technische Entwicklung ging stetig weiter. Als Anfangs des 19. Jahrhunderts die Orchester größer wurden, hatte dies auch Auswirkungen auf den Flügelbau. Um die Instrumente insgesamt lauter zu machen, wurde die Saitenspannung erhöht, was eine stabilere Rahmenkonstruktion voraussetzte. Zudem wurden die Saiten dicker und dreifach verlegt. Der Tonumfang wuchs stetig an: Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es Flügel mit den heute üblichen 88 Tasten. Komponisten und Pianisten wie Ludwig van Beethoven und Franz Liszt waren maßgeblich an der Weiterentwicklung beteiligt. Und als sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts der Gusseisenrahmen („Gussplatte“) durchsetzte, war der Flügel weitestgehend zu Ende entwickelt. Seither hat sich der Flügelbau nur in Details verändert.

Um den wachsenden Markt des Bürgertums zu bedienen, baute man platzsparende Instrumente mit vertikalen Saiten, mit durchschlagendem Erfolg. Um die Jahrhundertwende gehörte ein Klavier zur normalen Grundausstattung eines Mittelklasse-Haushaltes, wie heutzutage ein Fernseher.

Ein Vorläufer des Klaviers: ein sogenannter Pyramidenflügel, gebaut von Christian Ernst Friederici (1709 – 1780)

Aufbau von Klavieren und Flügeln

Grob gesagt bestehen Pianos aus drei Hauptkomponenten: der Mechanik inklusive Tasten; der sogenannten akustischen Anlage, womit der Resonanzboden, die Saiten und die Gussplatte gemeint sind; und drittens – zugegeben ist dies eher banal – dem Gehäuse.

Akustische Anlage: Saiten, Rahmen und Resonanzboden

Physikalisch betrachtet ist ein Klavier ein Saiteninstrument, eine Art Harfe mit Hämmern. Oder ein mechanisiertes Hackbrett. Ein Blick ins Innere eines Klaviers offenbart eine interessante Eigenschaft: Je nach Tonlage haben Pianos eine, zwei oder drei Saiten. Die Frage, weshalb dies so ist, bringt uns in die Gefilde der Physik. Wenn zwei Saiten in einem Abstand von einer Oktave erklingen sollen, ist die eine halb so lang wie die andere. Bei einem Abstand von zwei Oktaven haben wir schon einen Faktor vier. Klaviere decken einen Tonumfang von über sieben Oktaven ab, das heißt, dass die längste Saite mehr als 2 hoch 6 mal länger als die Kürzeste sein müsste. Also ein Faktor 64, was bautechnisch eine Herausforderung wäre. Doch zum Glück hängt die Frequenz einer Saite nicht nur von ihrer Länge, sondern auch von der Dicke und Masse ab. Schwere Saiten schwingen langsamer und somit tiefer, wodurch sich die Länge reduzieren lässt. Deshalb sind die Basssaiten im Klavier mit Kupferdraht umwickelt. Da sie durch die erhöhte Masse naturgemäß lauter klingen, werden die etwas dünneren Saiten des Tenorbereichs doppelt verlegt und die nichtumwickelten ab der Mittellage dreifach. Sozusagen als Kompensation, um eine konstante Lautstärke über alle Register zu garantieren. Dadurch ergeben sich wiederum neue Probleme, die man erst in den Griff bekommen muss:

– Durch die erhöhte Anzahl an Saiten nehmen die Zugkräfte insgesamt zu.
– Die Saiten müssen nahezu perfekt gestimmt werden, schon kleinste Abweichungen zwischen den drei Saiten desselben Tons verfärben den Klang durch einen natürlichen Chorus-Effekt.
– Zwischen den Registern, also beim Wechsel von ein- zu zwei, bzw. dreisaitigen Tönen, kann es zu klanglichen Brüchen kommen, was bei schnellen Läufen unerwünscht wäre. Qualitativ hochwertige Instrumente zeichnen sich auch dadurch aus, dass man ihnen den Registerwechsel nicht anhört.

Das klangliche Herzstück eines Flügels: der Resonanzboden mit Saitensteg. © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

 

Die Gussplatte eines Flügels hält dem Saitenzug von bis zu 20 Tonnen stand. © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

 

Flügelmanufaktur © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

 

Flügelmanufaktur © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

Über einen langen Steg werden die Schwingungen auf den Resonanzboden übertragen, der die Schwingungen aufnimmt und verstärkt. Der Resonanzboden ist das Herz des Instrumentes und steht unter Spannung, um den Klang besser zu entfalten. Für den Laien ist dies kaum erkennbar, aber der vermeintlich ebene Resonanzboden ist leicht gewölbt. Dabei folgt jeder Hersteller seinem eigenen Geheimnis mit Tonnen- oder Kugelformen unterschiedlicher Radien. Als Holz kommt stets Fichte zum Einsatz, die möglichst regelmäßig und langsam gewachsen sein sollte. Sprich: Sie stammt aus kälteren Regionen wie den Alpen, Alaska oder dem Norden Japans.

Tasten und Mechanik

Eine Flügelmechanik besteht aus mehreren tausend Einzelteilen. Sie soll jede Bewegung möglichst fein auf den Hammer übertragen und dabei solide genug gebaut sein, um auch schnellste Beschleunigungen problemlos zu verarbeiten. Kein Wunder, dass sich hier und da etwas verstellt. Ein guter Klavierstimmer überprüft deshalb die Mechanik regelmäßig. Was nur nebenbei bemerkt ein weiterer Grund ist, weshalb man Klaviere nicht selbst stimmen sollte.
Der bekannteste Hersteller von Klavier-Mechaniken ist Renner aus Stuttgart, der beinahe alle renommierten Klavier- und Flügelbauer seit Jahrzehnten beliefert. Ausnahmen bilden Yamaha und Kawai, die ihre eigenen Mechaniken entwickeln, teils mit Carbon statt Holz (Kawais Millenium III Mechanik).
Bei günstigen China-Produkten kommen eigene Mechaniken zum Einsatz, die sich im Neuzustand ganz passabel anfühlen. Ob sie sich auch langfristig bewähren, ist eine andere Frage.

Klaviermechanik © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

 

Klanglicher Feinschliff © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

Das Gehäuse

erfüllt in erster Linie eine ästhetische Funktion. Ob Pianos aus Nussbaum, Kirsch oder Mahagoni gefertigt, schwarz lackiert oder aus durchsichtigem Plexiglas gebaut sind, hat klanglich kaum Auswirkungen. Mit einer Ausnahme: Der Rahmen von Bösendorfer Flügeln ist aus Fichten-Keilen gefertigt, die mit dem Resonanzboden verbunden sind und dessen Schwingungen aufnehmen. Dieses Resonanzkasten-Prinzip ist Teil des Mythos Bösendorfer und gehört zu Wien wie die Sacher-Torte. Bezüglich der klanglichen Vorzüge ist man sich uneins. Die einen schwören auf darauf, andere sind eher skeptisch.

Bau eines Bösendorfer Flügels nach dem „Resonanzkasten-Prinzip“. Bild: boesendorfer.com

 

Ein Flügelrahmen entsteht © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

 

Flügelrahmen. © Walter Schönenbröcher. August Förster Pianobau

Die Baugrößen von Klavieren

variieren zwischen ca. 105 und 140 Zentimetern, ab einer Größe von ca. 130 spricht man auch von Konzertklavieren. Direkte Aussagen über die Klangqualität kann man davon aber nicht ableiten. Ein gutes 120er kann besser klingen als ein günstiges 130er. Die Verarbeitung und das künstlerische Know-how sind mindestens so wichtig we die Größe.

Yamaha b1, 109 Zentimeter hoch. Ein beliebtes Anfängerinstrument.

Ein Roth &J unius 118 (die Hausmarke von Thomann aus chinesischer Produktion)

 

Das Pfeiffer 124 gilt als eines der besten Klaviere mit einem Klang, der viele Flügel übertrifft

 

Das Blüthner Klavier B (132) ist eines der besten (und teuersten) Klaviere am Markt

Baugrößen von Flügeln

Flügel werden in den unterschiedlichsten Größen angeboten. Die Höhe ist immer ungefähr gleich (1 m), ebenso die Breite (1,45 bis 1,55 m), die sich nach den 88 Tasten richtet. Die entscheidende und klangrelevante Größe eines Flügels ist seine Länge, gemessen von den Tasten bis zum hintersten Ende. Salopp ausgedrückt gilt die Formel: Je länger das Instrument, desto länger die tiefen Saiten, was sich in kraftvollen Bässen niederschlägt. Außerdem nimmt mit der Länge auch die Fläche des Resonanzbodens zu, was allen Tönen zugutekommt.

Stutz- oder Mignonflügel (englisch: Baby Grand): 150 bis 180

Die Einstiegsklasse von Flügeln ist zwischen 150 und 180 cm lang und gilt manchen Musikern als unzureichend. Mir wurde schon oft gesagt, ein Flügel sollte mindestens um die 180 cm lang sein, um wirklich besser als ein gutes Klavier zu klingen. Da mag etwas dran sein, hingegen hat ein kurzer Flügel natürlich eine ganz andere Mechanik als ein Klavier, und lässt sich – eine gute Regulation vorausgesetzt – nuancierter spielen. Mittlerweile gibt es aber kleine technische Wunderwerke an Flügeln, die trotz ihrer geringen Größe für beeindruckende Klangerlebnisse sorgen können.

Ein kleiner Flügel mit großem Klang: der Fazioli 156. © Fazioli Pianoforti S.P.A.

Salon- oder Studioflügel: 180 bis 190 (auch „A-Flügel“ genannt)

Die häufigste Größe an Flügeln bewegt sich zwischen 180 und 190 cm. Hier können sich die Vorteile des Flügels gegenüber dem Klavier entfalten: Die tiefen Saiten sind lang genug, um lange auszuklingen und der Resonanzboden groß genug für ein breites und kräftiges Klangbild. Berühmte und verbreitete Flügel dieser Größe sind die Steinwaymodelle O (180) und A (188), Kawai GX-3 mit (188 cm, Vorgängermodell: RX-3), sowie der Yamaha C3 (186), der als gute und vor allem bezahlbare Steinway-Kopie gilt.

Größere Salonflügel: 190 bis 215 (B)

Zwischen 190 und 215 cm finden sich etwas edlere Modelle. Alle renommierten Klavierbauer bieten hier ihr ganzes Können auf, um mit möglichst ausgewogenen Instrumenten, die Gunst der Pianisten zu gewinnen. 215 cm gilt landläufig als die maximale Länge, die ein Flügel für den Heimgebrauch so ungefähr hat. Längere Modelle sind für die Bühne konzipiert.

Der berühmteste Vertreter der größeren Salonflügeln ist der Steinway B-211, der für viele klassische Profi-Pianisten als der beste Flügel überhaupt gilt, was gewiss diskutabel ist. Ich persönlich bin der Meinung, dass ein Blüthner Modell 4 (210 cm), oder ein Bechstein B-212 ebenbürtig sind. Die japanische Antwort heißen Yamaha C5 und Kawai GX5 (beide 200 cm) und gelten als feinfühlige und kraftvolle Instrumente zu attraktiven Preisen.

Ein Fazioli 212. © Fazioli Pianoforti S.P.A.

Semi-Konzertflügel: ca. 230 (C)

Im Bereich um 230 cm liegen die „kleinen Konzertflügel“ für Säle von ein paar hundert Zuhörern. Sie werden vor allem für Solokonzerte und kleinere Formationen genutzt. Man findet sie auch hie und da in edleren Tonstudios.

Konzertflügel: 270 bis 308 (D)

Hier spielt die Musik. Die größten Flügelmodelle bieten das größte Klangvolumen. Diese Instrumente der Superlative sind über eine halbe Tonne schwer, mit Basssaiten von weit über 2 m Länge und Preisen im sechsstelligen Bereich. Wer einmal die Gelegenheit bekommt, an einem Konzertflügel ein paar Töne zu spielen, wird diese Erfahrung nicht so schnell wieder vergessen. Als Spieler sitzt man geradezu in einer Klangwolke, ein erhabenes Gefühl. In erster Linie sind Konzertflügel für die große Bühne konzipiert, der Klang strahlt bei aufgestelltem Deckel zur Seite ab. Sie sind für den Zuhörer der ersten Reihe unter Umständen lauter als für den Spieler selbst.

Der längste Konzertflügel: der Fazioli 308. © Fazioli Pianoforti S.P.A.

Fazit

Das Klavier ist eines der prägendsten Instrumente der westlichen Musik. Im Gegensatz zu vielen anderen Instrumenten wurde es „erfunden“: 1698 stellte Bartolomeo Cristofori sein vieroktaviges Piano-Forte mit Hammermechanik vor. Ein weiteres, zentrales Datum ist 1878, als Steinway seine Modelle A-188 und B-211 vorstellte: die ersten modernen Flügel, die heute noch hergestellt werden.

Forum
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    fragment

    Die eingangs gebrachte Fragestellung, wie sich die Musik entwickelt hätte, wenn das Klavier nicht von Cristofori gebaut worden wäre, erscheint mir irreführend. Es gab Vorläuferinstrumente und damit war die Entwicklung des Klaviers bzw. eines Instruments dieser Art nur eine Frage der Zeit. Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, wenn das Klavier nicht das Ergebnis der Arbeit eines Erfinders ist, sondern über einen längeren Zeitraum von mehreren Ideengebern vorgetrieben worden wäre, um eine größere Anzahl von Varianten zu legitimieren, denn der große Erfolg von Cristoforis Konstruktion ist doch letztendlich auch eine Limitierung, weil von einem Klavier ein bestimmter Klang und eine bestimmte Art des Spiels erwartet wird.

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Historische Was-Wäre-Wenn-Fragen sind immer spekulativ. Hingegen denke ich nicht, dass es „nur eine Frage der Zeit“ war, bis so etwas ähnliches, wie eine Flügelmechanik entwickelt worden wäre. Es gab keinen direkten Vorläufer der Flügelmechanik, lediglich den Wunsch der Musiker nach einem anschlagdynamischen Instrument. Cristofori hatte einen neuen Weg eingeschlagen und eine Entwicklung gestartet, die bis heute anhält. Ob jemand anderes auch auf dieselben Ideen gekommen wäre, sei dahingestellt.
      Und gewiss hat die Flügelmechanik Limitierungen, wie jedes andere Instrument auch. Es gab aber weder zuvor noch danach ein akustisches Tastenistrument, das so nuanciert und variabel gespielt werden kann, wie das Piano.

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    Tyrell  RED 3

    Hallo Martin, die Saat ist gesät. Noch hält sich die Resonanz in Grenzen, aber ich glaube fest daran, dass unter unseren Lesern viele KLavier-Enthusiasten sind, die gerne mehr zu diesem Thema erfahren möchten. Also dran bleiben :-).
    An unsere Leser:
    Wir ziehen das jetzt mal durch. Bedeutet: Jeden Mittwoch erscheint nun eine Piano-Lounge-Story – und zwar so lange, bis uns die Themen ausgehen… oder uns die Luft ausgeht.
    Für Themenvorschläge sind wir natürlich sehr offen.

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      amyristom  

      Sehr schöner Artikel, bitte gerne mehr von so etwas in der Art! Spontane unsortierte Themenvorschläge, was vielleicht ebenfalls in die Reihe fallen könnte:
      – Kaufberatung (empfehlenswerte Modelle für Einsteiger, Mittelklasse, Profis)
      – verschiedene Arten / Systeme um den Ton von Klavieren abzunehmen
      – akustisches Klavier und Midi / Motorsteuerung
      – Evolution elektrischer Klaviere (Rhodes / Wurlitzer / CP-70 / Sampler-Klavier)

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        Martin Andersson  RED

        Danke für Deinen Kommentar und die Themenvorschläge. Mal schauen, was sich davon umsetzen lässt… Die ersten sechs Folgen der Piano Lounge sind schon geschrieben, lass Dich überraschen!

  3. Profilbild
    OscSync  

    Hier mal etwas Resonanz eines Gitarristen, der seinem Sohn regelmäßig beim Klavierüben über die Schultern schaut und Lust bekommen hat, es selber auch zu versuchen: Ja, bitte weitere Klavier-Artikel! :-)

  4. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Es gibt eine Weiterentwicklung des Pianos, allerdings im digitalen Bereich: physical modelling. Zwar geht es derzeit primär darum, sich an bestenden Klangformungen zu orientieren (Pianoteq), aber der geschichtliche Prozess ist offen.

  5. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Schöner, systematisch aufgebauter Überblick. Selbst wenn man sich auskennt lernt man bei Deinen Artikeln immer noch was dazu. Bitte mehr davon zu mechanischen und elektromechanischen Instrumenten.
    Z.B. gerne auch mal etwas tiefer auf die Unterschiede zwischen den Flügelherstellern eingehen.
    Wie auch immer, vielen Dank!

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Erstmal vielen Dank. Der Artikel über verschiedene Flügelhersteller und ihre Eigenheiten ist auch schon geschrieben und erscheint in ein paar Wochen.

  6. Profilbild
    lectrolurch  

    Ein Flügel wurden eigentlich schon immer Klavier genannt
    (ein Abkömmling vom Hammerklavier aus der zeit der Klassik).
    Siehe auch alte Litertatur …
    Aufrechtstehende dieser Gattung heißen genau genommen Pianinos. Also eine Verniedlichung von PIANO. Der Begriff Piano hat sich erst den letzten Jahrzehnten geprägt und meint heute einen Flügel, ebenso der Begriff Klavier der heutzutage ein aufrechtstehendes Instr. meint.

    Die einfachen Leute welche in derMusik- Geschichte nicht so bewandert sind sagen halt zum Klavier – Flügel, und zum Pianino – Klavier ;o)

  7. Profilbild
    cosmolab  

    Kleine Schlauberger- Bemerkung am Rande:

    > Zudem wurden die Saiten dicker und dreifach verlegt.

    …und vierfach! :-)
    Es gibt da nämlich immer noch die Firma Blüthner mit ihrer Aliquot- Mechanik. Und die ist nun echt speziell: Bei Flügeln ab ca. 165cm Länge bauen sie in den oberen Lagen eine vierte Seite pro Taste mit ein – die aber nicht mit angeschlagen wird und eine Oktave höher gestimmt ist. Die Intention davon ist eine Verstärkung der Oberschwingungen, was zu einen feinen, „silbernen“ Sound führt. Dafür ist Blüthner etwa seit 150 Jahren berühmt.

    Ich hatte als Kind die Ehre, auf einem Blüthner von etwa 1920 üben zu dürfen – natürlich ohne dass mir das damals bewusst gewesen wäre. Denn das Gerät war in einem ziemlich jämmerlichen Gesamtzustand. Trotzdem muss ich schon zugeben, es war doch irgendwie prägend… selbst auf dieser Mühle schimmerte manchmal noch irgendwie ein „großer Sound“ aus ihren früheren Zeiten durch.

    Umso erschreckender, als ich neulich mal (aus Neugier) in einem „altehrwürdigen“ Klavierhaus in München war, wo man sogar auch Blüthner führt. Der Verkäufer hat das mit der Aliquotstimmung (eine Oktave höher) wirklich nicht gewusst. Was soll man dazu sagen…

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Ja, das „Aliquot-Patent“ ist sehr besonders und hat einen ähnlichen Effekt wie Steinways „Duplexskala“, die von vielen anderen Herstellern übernommen wurde. Aliquot wurde meines Wissens noch nicht kopiert. Dazu ist es wohl zu wenig bekannt, Blüthner ist ein vergleichsweise kleiner und (leider) unbedeutender Hersteller.

      Es gibt übrigens auch einen Flügel mit vier angeschlagenen Saiten, gebaut von Luigi Borgato.

      Mehr dazu in einer späteren Folge der Piano Lounge.

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