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Ratgeber Delay-Pedale: Tape, Analog oder Digital?

Welcher Delay-Typ darf es sein?

20. Dezember 2022
Ratgeber Delay-Pedale; Tape, Analog oder Digital?

Ratgeber Delay-Pedale; Tape, Analog oder Digital?

Die Auswahl an bunten Delays ist riesig und es gibt verschiedene Delay-Typen. Eine Entscheidung zu treffen, fällt zu recht schwer: Soll ich ein analoges Delay wählen oder ein digitales Delay, eine digitale Tape-Emulation oder gar ein Tape-Delay? Welche Kriterien sind dabei relevant?
In diesem Feature möchte ich mehr über die Einsatzgebiete der unterschiedlichen Delay-Typen schreiben und ein paar Ideen, Anregungen und Überlegungen formulieren, die bei der Entscheidung helfen könnten.

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Ratgeber Tape-Delay-Pedale

Wirkliche Tape-Delays gibt es aktuell ja gar nicht mehr so viele und sie sind preislich im obersten Sektor einzuordnen. Neu oder auf dem Gebrauchtmarkt kann man es eigentlich auf folgende Geräte runterbrechen: Das Fulltone TTE Tube Tape Echo, das eine modernere Edelvariante des legendären Maestro Echoplex EP-2, also der Version mit Röhren, darstellt.

Workshop: Delay-Pedale - Tape, Analog, Digital

Fulltone TTE Tube Tape Echo

Dann das Fulltone SSTE, die Transistor-Version, die das Maestro Echoplex EP-3 zum Vorbild nimmt und das Roland Space Echo in seinen Varianten und deren Neuinterpretation sowie das Echo Fix EF-X2.
Dazu kommen noch Exoten, wie das T-Rex Replicator, das einen ganz eigenen Charakter hat und ein sehr dynamisches Verhalten aufweist.

Natürlich haben sich das Watkins Copicat, das Dynacord Echocord und das Klemt Echolette auch einen Platz im Olymp verdient, sind aber leider eher selten zu finden und bedauerlicherweise noch seltener als digitale Emulation nachgebildet.

Workshop: Delay-Pedale - Tape, Analog, Digital

Klemt Echolette

Wer aber in einem Second-Hand-Shop ein Exemplar dieser seltenen Spezies zu Gesichte bekommt, sollte es zumindest mal anspielen und ein bisschen von der guten alten Zeit träumen.

Die Funktionsweise des Tape-Delays dürfte jedem Gitarristen bekannt sein: Auf einem laufenden Tonband wird ein Ton aufgenommen und anschließend wiedergegeben, wie bei einem Kassettenrecorder, der ja mittlerweile ebenfalls als Vintage zählt. Aber im Gegensatz dazu einem Kassettenrecorder wird der aufgenommene Ton beim Tape-Delay anschließend wieder gelöscht. Das Tonband dient also als reines Delay.

Der Sound der Tape-Echos ist wirklich klassisch und etwas ganz Besonders. Die Repeats bleiben in ihren Frequenzen, je nach gewähltem Gerät, erhalten und bieten so ein volles Klangspektrum. Je nach Input-Level kann das Signal etwas klarer und brillanter oder etwas mittiger und an der Grenze zur Verzerrung liegen.
Die Modulation erfolgt komplett zufällig, da sie durch Gleichlaufschwankungen des älter werdenden Tapes und die nicht ganz saubere Andruckwelle und Mechaniken erzeugt wird. Dies ist sehr organisch und musikalisch und ist zu Recht bei Musikern extrem beliebt.

Natürlich sind Tape-Echos konstruktionsbedingt sehr groß, schwer und aufwändig in der Instandhaltung. Man benötigt neues Tape und muss die Tonköpfe und Verschleißteile ab und zu reinigen. Trotzdem lohnt sich der Aufwand, denn man wird mit einer Klangbreite belohnt, die sich sonst nicht so finden lässt.

Tape-Emulation

Nicht ganz so kompliziert und aufwändig sind die mittlerweile zahlreich erhältlichen Tape-Echo-Emulationen. Also digitale Delays, die sich zum Ziel gemacht haben, den besonderen Klang und das Modulationsverhalten eines echten Tape-Echos nachzubilden.
Ein weiterer Vorteil ist, dass diese digitalen Emulationen meist eine längere Delay-Zeit als das Original haben und einige nützliche Zusatz-Features wie Tap-Tempo, MIDI-Anschlüsse und MIDI-Steuerung, ein Display für das optische Feedback der Einstellungen und Presets bereitstellen.
Einige dieser Pedale kombinieren die digitale Delay-Sektion auch mit einem echten analogen Preamp, der den originalen Preamps ziemlich exakt nachempfunden ist, um das analoge Signal vor der digitalen Verarbeitung möglichst originalgetreu aufzubereiten.
Dadurch wird das Klangergebnis natürlich noch mal authentischer und klanglich vom Original kaum noch zu unterscheiden.
Bekannte und beliebte digitale Emulationen des Röhren-Echoplex Geräts sind natürlich das Strymon El Capistan, das sich als Platzhirsch durchgesetzt hat und das kompaktere Dunlop Echoplex.

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Strymon El Capistan

Beide liefern diesen perkussiven Anschlag und die dreidimensionale Modulation.
An der Transistorversion der Tape-Giganten EP-3 orientiert sich das Catalinbread Belle Epoch und Belle Epoch Deluxe.
Pedale wie das Strymon Volante und das Dawner Prince Boonar, Guru Echosex2 sowie das Catalinbread Echorec können die schönen Multihead-Delays, also das Kombinieren mehrerer virtueller Tonköpfe für rhythmische Delay-Patterns mit in die Waagschale werfen.

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Auch das schon etwas in die Jahre gekommene Akai Headrush hat diese Option und bietet zudem mehrere Ausgänge, um die einzelnen Heads auf separate Amps zu schicken.

 

Ich habe mal mit vier Amps, die ich um mich rumgestellt habe, Quadrophonie ausprobiert, das macht schon Spaß, ist vielleicht aber nicht ganz praxistauglich.

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Strymon Volante
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(72)

Eine sehr schöne Modulation hat auch das Skreddy Echo, das relativ unbekannt ist. Auch das Wampler Faux Tape Echo in seinen Varianten moduliert sehr schön und hat einen etwas griffigeren Tape-Sound. In seiner ersten Variante ist die Modulation sogar per Anschlagsdynamik zu steuern. Das ist wirklich eine klasse Idee und toll umgesetzt. So kann die zufällige Modulation der Tape-Echos beim Spielen des Pedals gezielt punktuell erzeugt werden.
Jedes Pedal hat seine eigene Interpretation des perfekten Tape-Echo-Sounds und dessen Vorzüge aufgegriffen.

Der Bereich des Roland Space Echos wird vom Nux Tape Echo und dem Boss RE-202 bzw. RE-2 bedient. Sie liefern ein etwas klareres Repeat und glänzen mit Modulation.

Auch im günstigeren Pedalbereich finden sich sehr schöne Pedale und mit dem Nux Tape Core Deluxe kann man auf Roland Space Echo Pfaden reiten oder mit dem günstigen Tone City Tape Machine eine Budget-Variante wählen, die klanglich wirklich überzeugen.

 

Workshop: Delay-Pedale - Tape, Analog, Digital

NUX Tape Core Deluxe

Ein authentischer Tape-Echo-Sound muss eigentlich gar nicht teuer sein, denn der Charakter der Tape-Echos lebt oft von seinen klanglichen Eigenarten und nicht vom ultimativen HiFi-Sound. Ein wenig Rauschen, etwas Zerre und ein markantes Frequenzspektrum kann da schon viel musikalischer wirken als ein perfekter Gitarrensound.

Die Auswahl ist also groß und für jeden Klassiker gibt es eine gelungene Reproduktion. Tape-Echos und deren Emulationen eignen sich für cleanen und auch für angezerrte Sounds sehr gut. Sie glänzen durch ihre Modulation und können dem Gitarrensound einen leichten Schmutz, aber auch die perkussiven Attacks hinzufügen.

Analog-Delays

Es gibt zahlreiche analoge Delays auf dem Markt, die meist einen etwas dunkleren Klangcharakter haben. Diese klangliche Eigenart ist technisch bedingt, da die störenden Frequenzen und Einstreuungen der taktgebenden Clock rausgefiltert werden.
Dazu kommt, dass durch den fehlenden Headroom eine gewisse Kompression, ein wenig Schmutz und Verzerrung zum Sound hinzugefügt wird.
Diese Charktereigenschaften, garniert mit einem leichten Rauschen und der markanten Modulation, die zahlreiche analoge Delays mitbringen, macht den Sound dieser Pedale aus.

Die Klassiker dieser Kategorie hatten meist nur ca. 300 mS Delay-Zeit und basieren auf dem Ibanez AD-9, dem Boss DM-2 sowie dem MXR M-118.

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Modernere Interpretationen haben eine deutlich längere Delay-Zeit und weitere Leckerbissen wie Tap-Tempo und unterschiedliche Modulationsparameter mit dabei.
Ja, so mancher Gitarrist der 60er- und 70er-Jahre würde wahrscheinlich neidisch auf unsere Generation schielen, wenn wir das Carbon Copy Deluxe, das DOD Rubberneck, den EHX Deluxe Memory Boy oder ein Way Huge Supa Puss spielen.

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Und jedes dieser Pedale hat seinen eigenen Charakter: ein anderer Frequenzbereich, eine unterschiedlich intensive Modulation und mehr oder weniger Schmutz im Signal.
Aber alle verfügen über eine längere Delay-Zeit von bis zu 1,5 Sekunden.
Damit sind Soundscapes und die beliebte Runaway-Oszillation mit einer leichten Modulation natürlich ein Gaumenschmaus.
Und hier glänzen die analogen Delays.
Wenn man dann noch etwas Verzerrung hinzufügt, gibt es wahrscheinlich kein Delay, das sich besser in das Signal einschmiegt und mit ihm verschmilzt.

Analoge Delays müssen auch nicht teuer sein. Bereits ab 30,- Euro gibt es zum Beispiel das Donner Yellow Fall, das ganz in Vintage-Manier ohne Modulation, Tap-Tempo oder andere Spielereien daherkommt, aber mit über 600 mS Delay-Zeit die ganze Bandbreite von Slapback über längere Soundeskapaden alles abbildet. Und den gewissen Schmutz hat es natürlich auch parat.
Wer ein anderes Delay auf seinem Pedalboard hat, aber noch eines für schmutzige Oszillation am Songende sucht, könnte dieses Pedal einfach noch mit draufpacken.

Workshop: Delay-Pedale - Tape, Analog, Digital

Donner Yellow Fall

Als analoger Gegenpart sind höhenreichere Analog-Delays wie der Deluxe Memory Man und seine zahlreichen Varianten zu nennen. Hier werden weniger Höhen gefiltert, das heißt im Umkehrschluss natürlich auch, dass es mehr rauscht. Aber der Deluxe Memory Man ist perfekt für perkussive Repeats und spielt sich wie ein Bindeglied zwischen analogem und Tape-Delay.

Electro Harmonix Deluxe Memory Man

Die Modulation der analogen Delay-Pedale unterscheidet sich enorm von der zufälligen Modulation der Tape-Echos. Sie wird bei den analogen Pedalen mit Hilfe eines LFO erzeugt, der meist per Sinus- oder Rechteck-Schwingungsform die gewählte Delay-Zeit leicht moduliert. Dadurch ergibt sich eine eher Chorus- oder Vibrato-ähnliche Modulation, die natürlich nicht zufällig moduliert, sondern ganz exakt agiert. Dies kann seine Vorteile haben, wenn man die Modulation in einer entsprechenden Geschwindigkeit zur Delay-Zeit einstellt. So ergeben sich eiernde oder leicht wabernde Sounds, die eine schöne Breite im Klang erzeugen. Man kann die meisten Delay-Pedale also auch als Modulationseffekte einsetzen.

Digital-Delays

Digitale Delays kamen zuerst als große Rack-Geräte auf den Markt und sind mittlerweile oft gesuchte Sammlerstücke. Glücklicherweise können seit geraumer Zeit viele von ihnen auch in kompakter Pedalform angeboten werden.
Legendär sind natürlich Geräte wie das TC Electronic 2290, das Korg SDD-3000 und das Roland SDE-1000.

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Die ersten kompakten Pedale kamen dann von Boss in Form des Boss DD-2 auf den Markt.
Digitale Delays haben einen klaren Sound und sie wiederholen ziemlich exakt, was man ihnen gibt. Eine Art „what you see is what you get“-Pedal.
Während die Gitarristen in den Anfängen glücklich waren, über die längere Delay-Zeiten und das rauschfreie Verhalten gegenüber dem Tape- und Analog-Delay, bekamen die digitalen Delays schnell den Ruf, kalt, unpersönlich und distanziert zu klingen. Die Frage ist natürlich, ob das nicht eher der Nutzungsweise, den Racks der 80er und den Musikstilen in dieser Zeit geschuldet war, da digitale Delays sicherlich einen eher brillanten Charakter haben, dieser jedoch auch meist mit EQs geformt werden und ebenfalls mit einer Modulation versehen werden kann, wie wir sie aus den analogen Delays kennen.

Allerdings klingen digitale Delay mit ihrer Modulation definitiv anders. Dies kann man wohl am besten verdeutlichen, wenn man ein analoges Chorus-Pedal wie das Boss CE-2 oder einen EHX Small Clone mit einem digitalen Chorus Effekt vergleicht. Der analoge Chorus färbt den Klang, filtert die Höhen und macht das Signal einfach etwas gemütlicher.
Ähnlich verhält es sich bei Modulation digitaler Delays. Sie wabern und schaukeln, aber sie verändern den Klangcharakter kaum.
Digitale Delays sind ideal für rhythmische Delays, die sich im Klang durchsetzen sollen. Wer in der Band keinen zweiten Gitarristen hat (oder haben möchte), der kann mit einem digitalen Delay die spielerischen Lücken perfekt ausfüllen. Sie sind ideal für ein „Call and Response“-Spiel.

Dabei haben gerade moderne digital Delays keinen kalten oder sterilen Sound. Ich würde ihn eher als klar und in seinem vollen Frequenzspektrum abgebildet beschreiben. Die Höhen bleiben erhalten, die Bässe voluminös. Zudem bieten digitale Delays, gerade umfangreiche wie das Empress Echosystem oder Boss DD-200 das zahlreiche Soundshaping Optionen, bei denen die Höhen und Bässe nach Gusto justiert werden können.

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Boss bietet mit dem DD-8 nach wie vor den kompakten Allrounder. Das Joyo D-Seed II eine gute Budget-Variante und das Strymon DIG bietet die 80er-Sounds in a Box.

Strymon DIG

So ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei.
Und das Tolle an digitalen Delays ist, dass sie meist noch Emulationen von Tape-Echos und analogen Delays on top bieten. Diese sind oft wirklich realistisch umgesetzt und klingen sehr gut. Dazu kommen noch experimentelle Exoten wie Reverse- und Pitch-Delays, verschiedene Vintage-Emulationen und oft sogar ein integrierter Looper.

Wer also meist klare Repeats bevorzugt, aber manchmal auf eine schmutzige Analog-Emulation zurückgreifen möchte, ist mit einem digitalen Delay mit ein paar Extra-Features gut beraten.

Zu den weiteren Bonbons vieler digitalen Delays gehören natürlich Tap-Tempo samt Subdivisions, MIDI und alles, was sonst noch machbar ist. Die ohnehin schon digitale Steuerung macht es einfach.
Und Stereo-Effekte sind bei digitalen Delays ebenfalls sehr viel häufiger anzutreffen als bei ihren analogen Brüdern und Schwestern.

Hybrid-Delays

Und zu guter Letzt gibt es noch die Hybrid-Delays.
Hierzu zähle ich alle Delays, die die Delays, also die eigentliche Verzögerung, digital erzeugen, die restliche Klangver- und -bearbeitung aber analog verrichten.

Das Ibanez DE-7 hat vor einiger Zeit vorgemacht, dass dieses Konzept gut funktioniert.
Weitere Pedale wie das Eventide Rose und das Erica Synth Zen Delay sind kostspielige Nachfolger.

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Der Vorteil ist, dass diese Hybrid-Delays eine längere Delay-Zeit ohne Rauschen generieren können und diese dann analog anzerren, was ja immer musikalischer klingt als eine digitale Zerre. Die Modulation und Filterung kann ebenfalls analog erzeugen. Best of both worlds also.

Etwas in diese Kategorie haben sich auch einige Pedale gemogelt, die oft als analoge Delays vermarktet oder für solche gehalten werden, aber mit dem PT2399 Chip betrieben werden.
Dieser Chip ist digital, allerdings, etwas überspitzt gesagt, so LoFi, dass er fast schon analog klingt. Nein, ganz im Ernst, er klingt in der Tat sehr gut, aber er ist halt nicht analog.
Das Mad Professor Deep Blue Delay fällt zum Beispiel in diese Kategorie und es klingt definitiv sehr analog.

Der SolidGoldFX Electroman basiert ebenfalls auf diesem Hybrid-Prinzip und hat sich seine Fangemeinde erspielt.
Gerade bevor Coolaudio die MN3205 Chips als Reissue herausgebracht hat, konnte man gefühlt noch mehr Varianten dieser Gattung finden.
Seit der Neuauflage der MN3205 gibt es nun vermehr auch wieder echte analoge Delays. Der PT2399 ist aber nicht zu verachten, da er wirklich einen sehr analogen Charakter hat und im rechten Schaltkreis auch gut klingen kann.
Die Modulation arbeitet bei den Hybrid-Pedalen dann wie gesagt meist wieder analog. Dadurch rücken diese Pedale klanglich eher in Richtung Analog-Delay, inklusive dem markanten Rauschen bei längerer Delay-Zeit.

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Fazit

Für jedes Töpfchen ein Deckelchen und für jeden Gitarristen sein passendes Delay oder zwei oder drei? Von 30,- Euro bis 3.000,- Euro, von 300 ms bis zur Unendlichkeit und von 3 cm Gehäusebreite bis zu 30 cm gibt es alles zur Auswahl, was das Gitarrenherz begehrt.
Ob klare Repeats der digitalen Delays, die sich prägnant durchsetzen, dunkle und angezerrte analoge Delays, die sich leicht verwaschen im Hintergrund aufbauen und wunderbar modulieren oder wuchtige und dreidimensionale Tape-Echos, die mit ihrer Random-Modulation eine Lebendigkeit in das Spiel bringen, die inspiriert. Und wer sich wie bei einem Buffet nicht so recht entscheiden kann, ist mit den aktuellen Multi-Delays und deren zahlreichen Emulationsmöglichkeiten gut bedient.

Bei der Auswahl ist meist eine Art Check-Liste sinnvoll, damit man sich nicht nur vom schicken Design oder Trends beeinflussen lässt. Wenn man klar definiert, welches Einsatzgebiet man für das Delay vorsieht und welches Ergebnis man erwartet, ist eine Auswahl einfacher.
Wichtig ist, dass das Pedal zum eigenen Spielstil passt. Und das Frequenzspektrum zum eigenen Setup. Wenn zum Beispiel die Bässe eines analogen Delays zu wuchtig sind, kann das durch den eigenen Amp schon mal zu plump klingen. Dann wäre ein Delay mit einem ausgedünnten Klang besser geeignet.

Und auch wenn alle von Tape-Echo-Emulationen schwärmen, kann es durchaus sein, dass diese nicht für alle Musikstile passen. Also antesten und ausprobieren. Die besten Pedale bleiben dann nach dem Casting auf dem Board.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    tg_sg

    Danke für die Übersicht – wieder was dazugelernt. Habe selber seit kurzem das Boss DD-200 auf meinem Board und bin damit mehr als happy. Da es so viele Bereiche abdeckt gibt’s immer wieder neue Sounds zu entdecken. Und bis man weiß was man wie im Bandkontext einsetzen kann/will, dauert es ne Weile. Aber dafür unerreichte Flexibilität.

  2. Profilbild
    Softek

    Das Yellow Fall wird von Donner zwar als „rein analog“ beworben, basiert jedoch auf dem digitalen PT2399 Chip. Klingt trotzdem gut.. die 10 €, die ich während einer Rabattaktion dafür bezahlt habe, ist es auf jeden Fall wert

  3. Profilbild
    whitebaracuda

    Danke DelayDude, für die schön geschriebene Übersicht. Jetzt noch die Stereo-Variante davon für all die Synth nerds und wir liegen dir alle zu Füssen :) Ah, und dabei die OTO Machines BIM und BAM nicht vergessen zu erwähnen, dann wird alles gut.
    Liebe Grüsse, und frohe Feiertage,
    cuda

  4. Profilbild
    roseblood11

    „Tape-Analog-Digital“ war ein Schalter am Line6 Echo Park, dem ich seit Jahren nachtrauere. Tape mit Flutter, Analog mit Vibrato und Digital mit Chorus, jeweils regelbar, dazu ein Tap Divider, der auch Dual Delay Settings hatte.
    Und das genialste: Nur ein Fußschalter für Bypass und Tap Tempo. Zwei- oder viermal tappen und mit dem nächsten, etwas kräftigeren, Tritt auf der nächsten „1“’den Effekt aktivieren. Das ist genial, weil man auch den letzten Tritt im Rhythmus machen kann und sich nur um das Spielen kümmern muss. Wer das einmal so verinnerlicht hat, will zu Pedalen mit separatem Tap Tempo nicht zurück. Bloß leider sind die meisten Effekte der Tone Core Serie längst ausgefallen…
    Wichtig ist auch, wie das Tap Tempo realisiert ist, die Algorithmen sind recht unterschiedlich. Beim Flashback x4 ist zB das Tempo oft falsch, und das wird nicht besser, wenn man öfter tappt, eher noch schlimmer. Line6 setzt das neue Tempo schon nach zwei Taps, jeder weitere führt nur zu mehr Präzision, kann das Gerät aber nicht mehr verwirren, was bei manchen anderen Geräten möglich ist. Das trifft auf die Tonecore Serie genauso zu, wie auf alle POD-Generationen und die Helix-Serie.
    Was Line6 leider nicht geschafft hat: Das Echo Park als Legacy Effect in das Helix zu packen.

  5. Profilbild
    roseblood11

    Kein spezialisiertes Delay bietet auch nur annähernd die Möglichkeiten zB eines Line6 HX Effects. Die Auswahl an verschiedenen Delays ist riesig, es sind zB alle Effekte des DL-4 mk2 dabei, aber mit viel mehr Parametern, die man alle direkt im Zugriff hat, dazu noch zig Legacy Effekte aus 25 Jahren POD.
    Und man kann verschiedene Delays beliebig seriell und parallel anordnen. ZB kriegt ein parallel angeordnetes Delay das cleane Signal, es steht auf 100% wet, danach liegt im Effektweg mein DIY Klon des Boss CE-2. Das Direktsignal kriegt etwas Verzerrung, entweder vom Line6, oder per zweitem Effektweg von einem analogen Zerrer oder sogar der Vorstufe des Amps.
    Und neben der absoluten Vollbedienung bei Delays ist eben noch ein komplettes MultiFX enthalten. Man könnte also zB bei der genannten parallelen Anordnung die Repeats durch jeden beliebigen Modulationseffekt schicken, oder durch einen Hall, oder mit einem Verzerrer etwas sättigen… endlose Möglichkeiten, und dank der vielen kleinen Displays unerreicht übersichtlich.
    Grad in neuwertigem Zustand für 300€ gebraucht erstanden.

  6. Profilbild
    roseblood11

    Der PT2399 mit seiner geringen Auflösung und den schrottigen Wandlern produziert Aliasing-Artefakte und Rauschen. Beides tun analoge BBD-Chips in ähnlicher, aber nicht gleicher Weise auch. Um diesen grottigen Sound erträglich zu machen, filtert man dahinter die Höhen radikal weg. Das, und nur das, ist die berühmte „analoge Wärme“. Das kann man aber hinter oder in jedem digitalen Pedal auch tun, und selbst wenn das Filter digital ist, kann das klangliche Resultat gleich sein. Auch der tolle andickende, Wärme spendende Effekt eines analogen Preamps ist eher Psychologie, als Realität. Wahre Wunder werden dem Preamp des Korg SDD-3000 nachgesagt. Ich habe das Original aus den 80ern und einen DIY Klon des Preamps, der intern mit den korrekten +/- 15V läuft. Setzt man den vor ein Flashback oder ein HX Effects, kann man das SDD-3000 ununterscheidbar ersetzen. Und der Clou: Es geht auch ohne den Preamp, andere Booster erledigen den Job genauso gut. Und man kriegt zu 99% den gleichen Effekt, wenn man ohne Boister den Preamp des Verstärkers minimal höher dreht – das dann halt immer, unabhängig vom Delay.
    Viel Hype um nichts also.

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