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Ratgeber: In-Ear-Monitoring für Einsteiger

So gelingt der Einstieg in die Welt des In-Ear-Monitorings

6. Oktober 2022

Ratgeber: In-Ear Monitoring für Einsteiger

In-Ear-Monitoring oder kurz IEM ist in aller Munde und schon seit vielen Jahren von großen wie kleinen Bühnen nicht mehr wegzudenken. Dafür gibt es mehrere Gründe, die wir im folgenden Workshop etwas genauer beleuchten wollen. Außerdem erfahrt ihr, welche Voraussetzungen für In-Ear-Monitoring geschaffen werden müssen.

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In-Ear-Monitoring – was ist das?

In-Ear-Monitoring (IEM) ist ein Überbegriff für das Monitoring des Bühnengeschehens mit Kopfhörern. Dabei nutzen wir aber nicht große Over-Ear-Kopfhörer, sondern stattdessen überall gegenwärtige In-Ear-Kopfhörer, also Hörer, die man sich in die Ohrmuschel und den Gehörgang steckt. Schon zuvor wurden Kopfhörer für das Monitoring genutzt. Schaut man sich alte Bilder zum Beispiel vom Pink Floyd Spektakel „The Wall“ an, sieht man die Musiker auf einigen Fotos mit Kopfhörern. Auch beim Remake 1990 in Berlin sieht man viele Musiker mit Kopfhörern. Im Laufe der Zeit haben sich dann jedoch die kleineren In-Ear-Kopfhörer durchgesetzt, die mehr oder weniger unauffällig in der Ohrmuschel verschwinden.

Vorteile In-Ear-Monitoring

Das In-Ear Monitoring bietet einige Vorteile gegenüber konventionellen Monitoren. Der größte Vorteil ist die leisere Bühne und damit der bessere FoH-Sound. Je mehr Schall von der Bühne ins Publikum gelangt, desto schwieriger ist es, einen guten FoH-Sound zu mischen, weil sich der Monitorschall und der Schall von Instrumenten und Instrumentenverstärkern mit dem Schall aus der PA überlagert. Das Ergebnis ist ein wenig differenzierter Klang, manchmal auch Mulm, den der FoH-Techniker kaum bändigen kann, es sei denn, er macht die PA richtig laut.

Beim In-Ear-Monitoring hingegen ist die Bühne leiser, da keine konventionellen Monitore genutzt werden, die zusätzlich zu den Instrumenten die Bühne beschallen. Nutzen zum Beispiel Gitarristen dann noch die beliebten Kemper Amps und spielen direkt und ohne Verstärker in die PA, bleibt eigentlich nur noch das Schlagzeug übrig. Bassisten spielen ohnehin häufig per DI-Box  direkt in die PA und benötigen Amps nur für das eigene Monitoring. Diese können dann ebenfalls entfallen.

Ein weiterer Vorteil, der oft im Zusammenhang mit In-Ear-Monitoring genannt wird, darf kritisch hinterfragt werden: Der Gehörschutzaspekt. In-Ear-Monitoring soll durch geringere Abhörlautstärken das Gehör für Schäden schützen, wie sie durch langfristige Schalleinwirkung mit hohem Pegel entstehen können. Dem möchte ich entgegen halten, dass oftmals auch mit In-Ear-Hörern viel zu laut abgehört wird und darüber hinaus der Schall ohne Umwege auf das Trommelfell gelangt. Ein Konzert mit In-Ear-Monitoring kann also sehr wohl das Gehör schädigen. Hier ist äußerste Disziplin beim Einstellen der Lautstärke angesagt.

Macht man alles richtig, ist der größte Vorteil des In-Ear-Monitorings der konsistente Sound unabhängig von der jeweiligen Bühnensituation. Der Klang ist im Club genauso wie in der Halle genauso wie im Theater oder im Stadion: er ist immer exakt gleich.

Per In-Ear-Monitoring lassen sich außerdem bestimmte Signale vor dem Publikum verbergen: Dazu gehört zum Beispiel der Click, also ein Metronomsignal, das Musiker dazu bringen soll, im Gleichschritt zu spielen. Oft wird ein Click verwendet, wenn synchron zu Backing-Tracks gespielt werden muss. Doch auch zur Synchronisierung zwischen Musik, Licht und Video ist das Spielen zu einem Click Pflicht oder zumindest angeraten. Ein weiteres Signal, das man vor dem Publikum verbergen möchte, sind Ansagen des Musical-Directors. Dieser spricht in ein spezielles Talkback-Mikrofon, das nur auf den IEM-Hörern der Musiker zu hören ist. So kann er Anweisungen zum Song-Ablauf geben, zum Beispiel, ob ein Refrain wiederholt werden soll oder bestimmte Instrumente aussteigen oder wieder einsteigen sollen. Spielt man mit Backing-Tracks, sind diese Anweisungen oft schon mit aufgenommen und können dann von allen Musikern gehört werden. Der Song-Ablauf wird somit flexibel und niemand muss sich mehr fragen, welcher Teil des Songs als nächstes gespielt wird.

Nachteile In-Ear-Monitoring

Hört man ausschließlich über Kopfhörer ab, fehlen dem Musiker Rauminformationen. So kann es gerade für Musiker, die sich viel auf der Bühne bewegen, irritierend sein, einen stationären Klang zu hören, der sich nicht in Abhängigkeit der Kopfbewegung oder Position im Raum verändert. Systeme mit speziellen 3D-Funktionen wie zum Beispiel die KLANG:fabrik können hier Abhilfe schaffen.

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Gerade Sängern fehlt häufig der Kontakt zum Publikum. Dafür gibt es zwei Lösungen: Die erste Lösung sind Ambience-Mikrofone, die Publikumsreaktionen einfangen und dem IEM-Signal beigemischt werden. Eine andere Lösung sind Otoplastiken mit Ambience-Bohrungen, in die verschieden starke Filter eingesetzt werden können, um zu kontrollieren, wie viel Schall von außen durchgelassen wird.

Ein anderer Nachteil von In-Ear-Monitoring ist oben bereits genannt. Er entsteht vor allem dann, wenn die Lautstärke nicht gezügelt wird. Es droht ein Gehörschaden. Mit Limitern können Signalspitzen abgefangen werden, die besonders gefährlich sind. Doch diese kurzzeitigen Spitzen sind zwar unangenehm, aber viel gefährlicher ist dauerhaft zu lautes Hören. Aufgrund von sehr schnellen Gewöhnungseffekten bemerkt der Musiker oft gar nicht, dass er die In-Ear-Hörer zu laut aufgedreht hat. Es empfiehlt sich, eher mit gezügelter Lautstärke zu spielen und am Lautstärkeregler des Kopfhörerverstärkers eine Markierung anzubringen. So merkt man schnell, wo man gestartet und wo am Ende des Abends gelandet ist. Wer hier regelmäßig nach kurzer Zeit den Pegel erhöht, der darf sich über einen Gehörschaden nicht wundern.

Musiker mit In-Ear-Monitoring sind erheblich empfindlicher gegenüber schlechten Monitormischungen als das bei der Nutzung von Monitorboxen der Fall ist. Ein guter IEM-Mix entscheidet deshalb maßgeblich über den Erfolg der Show. Nehmt euch ausreichend Zeit, mit den IEM-Systemen im Proberaum zu üben.

Kabelgebunden oder drahtlos?

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An der Entwicklung des drahtlosen In-Ear-Monitorings war ein gewisser Stevie Wonder nicht ganz unschuldig. Als sehbehinderter Mensch war es für ihn essentiell, sich auf der Bühne frei von Kabeln bewegen zu können. Jedes Hindernis auf der Bühne hätte für ihn einen Hürdenlauf bedeutet, der ohne fremde Hilfe nicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Also entwickelte Stevie Wonder gemeinsam mit seinem Techniker Chris Lindop eine clevere Methode für kabelloses IEM: Das Monitorsignal wurde mittels eines großen FM-Senders auf einer Radiofrequenz gesendet, das Stevie Wonder dann auf einem mobilen Walkman mit Radio-Receiver empfangen hat. Ein einfaches und doch wirkungsvolles System, das dann schließlich zur Entwicklung der „Radio Station“, eines ersten VHF IEM-Systems, führte. Heute nutzt man nicht mehr den VHF-Bereich und aus den anfangs noch sehr instabilen Übertragungen wurde heutzutage eine in den meisten Fällen stabile und störungsfreie Übertragung im UHF-Band.

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Sennheiser XS Wireless IEM bietet ein komplettes Starterset für Musiker, die ihre Auftritte durch den Umstieg auf kabellose IEMs professionalisieren wollen

Dennoch sind kabellose IEM-Systeme vergleichsweise teuer. Zwar drängen immer mehr Hersteller in niedrigere Preisgefilde vor und bieten mittlerweile günstige IEM-Funkstrecken an, doch haben diese oft Nachteile hinsichtlich der Übertragungs- und Klangqualität. Für den Einstieg in das In-Ear-Monitoring eignen sich deshalb drahtgebundene Systeme besser. Diese sind, wie der Name schon sagt, per Kabel mit dem Mischpult verbunden. Es handelt sich im Wesentlichen um einen Kopfhörerverstärker, der entweder auf ein Stativ montiert oder am Gürtel getragen wird. Statt nun eine Funkstrecke zwischen dem Monitorausgang des Mischpults und dem Kopfhörerverstärkereingang aufzubauen, nutzt man hier eine Kabelverbindung. Sehr gut geeignet ist diese Lösung für den Proberaum und überall da, wo Musiker auf der Bühne an einen Platz gebunden sind, den sie nicht verlassen können: Keyboarder und Schlagzeuger zum Beispiel, aber auch Bläser oder Background-Sänger.

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Es muss nicht immer drahtlos sein: Das PreSonus HP2 Bodypack lässt sich am Gürtel tragen oder auf einem Stativ befestigen

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Das Presonus HP2 Beltpack bietet alles, was man für den Einstieg in das In-Ear Monitoring benötigt

Ein einfaches kabelgebundenes Beltpack ist zum Beispiel der Behringer Powerplay P1 Kopfhörerverstärker für 69 Euro. Für Schlagzeuger und Keyboarder, die das Gerät lieber auf ein Stativ montieren möchten, eignet sich der Millenium HPA In Ear Kopfhörerverstärker für 52 Euro sehr gut. Teurere Varianten gibt es von Fisher Amps, Presonus oder Shure.

Möchte man dennoch auf das Kabel verzichten, investiert man besser in ein Einstiegssystem von etablierten Herstellern wie Shure oder Sennheiser. Auch die neuen IEM-Systeme von LD Systems sind sehr gut und sprengen nicht gleich das Budget mehrerer Jahre. Bei fast allen Herstellern ist es zudem möglich, einen Stereo-IEM-Transmitter für zwei Musiker mit getrennten Mono-Mixes zu nutzen. So wird nur ein Transmitter gekauft, der dann zwei Receiver speist. Die Musiker hören jeweils einen individuellen Mono-Mix. Kauft man IEM-Systeme als Band im Rahmen einer GbR, lässt sich so viel Geld sparen. Später kann man durch den Nachkauf weiterer Transmitter immer noch upgraden und dann auch Stereomixes für alle Musiker anbieten, sofern das Pult genügend Aux-Wege zur Verfügung stellt.

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Für Stativ und Gürtel: Behringer P1 Kopfhörerverstärker

Der Monitormix

Da man beim In-Ear Monitoring das Signal direkt auf die Ohren bekommt und nicht einen bunten Mix aller Signale auf der Bühne über die jeweiligen Instrumentenverstärker, den Monitoren auf der Bühne sowie der PA, ist ein guter Monitormix Pflicht. Während sich schon mal zwei Musiker einen gemeinsamen Monitorweg teilen können, zum Beispiel zwei Background-Sänger oder die Bläser-Section, ist beim In-Ear-Monitoring ein getrennter Weg für jeden Musiker notwendig. Durch unterschiedlich geformte Gehörgänge und verschiedene Ohrhörer hört jeder Musiker etwas anders und auch bei der Lautstärke des eigenen Instruments oder der eigenen Stimme auf den Ohrhörern gibt es oft unterschiedliche Wünsche. Rechnet deshalb beim Umstieg auf In-Ear-Monitoring unbedingt ein Mischpult mit einer ausreichenden Anzahl an Monitorwegen (Pre-Fader-Aux) mit ein.

Stereo oder mono?

Ob nun stereo oder mono abgehört wird, hängt in erster Linie von den Vorlieben der einzelnen Musiker ab und von den technischen Gegebenheiten. Bei einer fünfköpfigen Band würde das stereophone Monitoring zehn Monitorwege (zwei Wege pro Musiker) erfordern. Diese Tatsache sollte im Vorfeld der Anschaffung überlegt werden. Wer am Ende sowieso nur einen Hörer im Ohr hat statt zwei, benötigt kein stereofones IEM-Signal.

Interessant kann stattdessen die „More Me“-Funktion einiger Kopfhörerverstärker sein. Dazu führt man ebenfalls zwei Signale zu, die jedoch beide monofon sind. Bei einem Signal handelt es sich um einen „Minus 1 Mix“, also einen Mix ohne das eigene Instrument, beim zweiten Signal um das eigene Instrument. Über den Balance-Regler am Kopfhörerverstärker kann nun der Musiker selbst regeln, wie laut er das eigene Instrument hören möchte. Statt für das Instrumentensignal gleich einen Aux-Weg am Mischpult zu opfern, kann es auch direkt abgegriffen werden, zum Beispiel bei Instrumentalisten an der DI-Box oder einem zusätzlichen Ausgang am Instrument.

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Digitalpulte eignen sich besonders gut für den In Ear Mix, ob als FoH- und Monitorpult oder separates IEM-Pult. Günstig ist zum Beispiel das Behringer XR18, das auch über Ultranet für das Personal-Monitoring mit mehreren Behringer P16-M verfügt und auch separaten Zugriff der Musiker auf ihren Mix per App erlaubt.

Personal-Monitoring

Unter Personal-Monitoring versteht man das eigene Einrichten des Monitormixes durch die jeweiligen Musiker. Dazu kommen entweder Smartphone/Tablet Apps oder spezielle Personal-Monitoring-Mischpulte zum Einsatz. Bei Digitalpulten lässt sich das Personal-Monitoring häufig einfach per kostenloser App realisieren, mit der die Musiker ihren eigenen Mix erstellen können. Um während der Veranstaltung schnell Änderungen vorzunehmen, sind spezielle Personal-Monitoring-Mischpulte aber erheblich bequemer. Zu nennen wäre beispielsweise der Behringer Powerplay P16-M Personal Mixer. Dieser gestattet es, per Ultranet 16 Kanäle abzugreifen. Diese lassen sich dann vom Musiker mischen. Es steht sogar ein EQ zur Verfügung. Behringer Digitalpulte mit Ultranet-Anschluss sind sofort für den Einsatz mehrerer Behringer Powerplay P16-M vorbereitet. Doch auch Fremdprodukte und analoge Mischpulte können mit dem Powerplay P16-M genutzt werden, wenn man das Behringer Powerplay P16-I Modul nutzt. Dieses 19“-Gerät transformiert bis zu 16 analoge und digitale (ADAT) Signale in 24 Bit Signale für das Ultranet.

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Günstiges Personal-Monitoring: Behringer P16-M

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Behringer P16-I für die Verteilung von Signalen im Ultranet-Netzwerk

Das MIDAS DP48 Personal-Monitoring-System ist hingegen im AES50 Universum von Behringer zu Hause und funktioniert derzeit auch nur dort. Dafür können mit diesem zwei Musiker Mixes aus allen AES50-Signalen erstellen und sogar ihr Instrument ins AES50-Netzwerk einspeisen. Durch ein Stereo-Ambience-Mikrofon erhält man etwas mehr Live-Feeling und das IEM-Signal kann auf SD-Card aufgezeichnet werden.

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Das MIDAS DP48 ist als Personal-Monitor-Mixer für bis zu zwei Musiker gedacht und für all diejenigen interessant, die mit Behringer oder MIDAS Mischpulten und dem AES50-Netzwerkprotokoll arbeiten

Ein ähnliches System finden Anwender von PreSonus Mischpulten im PreSonus Earmix 16M, das ein 16/2 Personal-Monitoring-Mischpult für das AVB-Netzwerk ist, mit dem zum Beispiel die StudioLive Serie III Mischpulte arbeiten.

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Personal-Monitoring von PreSonus: PreSonus Earmix 16M

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Ist in vielen Netzwerken zu Hause: Der Allen & Heath ME-1 Personal-Mixer

Noch kompatibler ist man mit dem Allen & Heath Me-1, einem Personal-Monitoring-Mixer für MADI, Dante und EtherSound Netzwerke. Bis zu 40 Eingangsquellen können hier vom Musiker gemischt werden. Das hat jedoch auch seinen Preis und mit 629,- Euro pro Gerät ist man nicht mehr in der Einstiegsklasse.

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Mit den meisten Digitalpulten ist auch der direkte Zugriff der Musiker auf ihren Monitormix per App möglich. So gelingt Personal-Monitoring ohne Zusatz-Hardware und ist preisgünstig.

Die günstigste Lösung bei Nutzern von Digitalpulten ist und bleibt der Zugriff per App.

Hörersysteme

Viel wichtiger als die Frage nach Funk vs. Kabel oder dem Personal-Monitoring ist die Frage nach dem richtigen Hörersystem. Hier gibt es gravierende Unterschiede und oftmals wird viel Geld investiert, bis das richtige System gefunden ist. Bei vielen Funksystemen liegen bereits IEM-Hörer bei. Oftmals sind das einfache Ohrhörer. Für einen ersten Test sind diese ausreichend. Wirklich glücklich wird man damit auf die Dauer jedoch selten. Die Kabel sind dünn und schlackern herum, eine richtige Kabelführung über das Ohr gibt es meistens nicht. Die Hörer sitzen zudem oft nicht fest genug im Gehörgang und rutschen bei heftigen Bewegungen oder durch das Schwitzen auf der Bühne leicht heraus. Schall von außen dringt zudem gut durch und somit muss man das IEM-Signal meistens viel zu laut machen, was am Ende wieder das Gehör belastet.

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Einen günstigen Einstieg in die Welt der IEM-Hörer bieten die Shure SE215

Besser geeignet sind IEM-Systeme, die über eine spezielle und verstärkte Kabelführung über das Ohr verfügen und das Ohr besser vor Außenschall abschotten. Solche Hörersystem starten bei knapp unter 100,- Euro, wie zum Beispiel die Hörluchs Easy Up für 85,- Euro, die Sennheiser IE100 Pro Clear für 95 ,- Euro. Für etwas mehr Geld gibt es die Shure SE215 CL für 115,- Euro. Hier handelt es sich um gute Einstiegssysteme, mit denen man sich auch auf die Bühne wagen kann. Im Bereich zwischen 200,- Euro und 300,- Euro tummeln sich erste mehrkanalige Systeme von Shure und anderen Anbietern. Gerade Schlagzeuger und Bassisten greifen gerne zu Hörern mit mehr als einem Treiber.

Angepasste Ohrformteile

Richtiger Hörgenuss und hoher Tragekomfort stellen sich aber erst mit individuell angepassten Ohrformteilen ein. Hier gibt es eine Vielzahl an Systemen, die sich einerseits im verwendeten Material, andererseits aber auch hinsichtlich der Hörersysteme unterscheiden.

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Vor dem angepassten Hörer steht der Ohrabdruck

Für die Anpassung wird ein Abdruck des Gehörgangs erstellt. Dieser Abdruck ist dann die Grundlage für die Erstellung des Ohrformteile, die sogenannte Otoplastik. Die Otoplastik ist perfekt an den eigenen Gehörgang angepasst und sollte perfekt sitzen. Der Gehörgang wird dabei fest abgeschlossen, sodass eine hervorragende Außendämpfung erreicht wird. Man hört eigentlich nur  noch das Kopfhörersignal und keinen Schall mehr von außen. Möchte man, zum Beispiel als Sänger, einen gewissen Anteil an Außenschall hören, bieten sich Ambience-Bohrungen an, die dann mit Filtern verschiedener Dämpfungsgrade bestückt werden können. So kann der Musiker selbst entscheiden, wie viel er von außen mitbekommen möchte.

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Dazu wird eine weiche Masse in den Gehörgang gespritzt, die dann langsam aushärtet

Bei angepassten IEM-Hörern wählt man zwischen fest verbauten Treibern und modularen Systemen. Der Vorteil von modularen Hörern ist, dass man den Treiber einfach bei Bedarf auswechseln kann. Hat der Treiber einen Defekt, wird nur der Treiber gewechselt und es muss keine neue Otoplastik erstellt werden. So ist auch ein späteres Upgrade auf ein höherwertigeres Treibersystem möglich, zum Beispiel mit mehr Kanälen. Auch das Anfertigen einer zweiten Otoplastik ist bei modularen Systemen kein Problem. Der Hörer wird einfach umgesteckt. Darüber hinaus lassen sich die Öffnungen mit Filtern bestücken, um die Otoplastiken beispielsweise als Gehörschutz zu verwenden.

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Der Abdruck ist ein Positiv und gleicht der späteren Otoplastik. Aus dieser Form wird dann ein Negativ erstellt.

Erste angepasste Hörersysteme gibt es bereits ab knapp 300,- Euro, sodass sich gerade nach einem ersten Antesten mit günstigen Universalhörern die Frage stellt, ob ein späteres Upgrade nicht doch eher ein individuell angepasstes System sein sollte. Eine Beratung ist unabdingbar und Hersteller wie Hearsafe, Vision Ears, Ultimate Ears und andere nehmen sich in der Regel für die Beratung viel Zeit und erstellen auch gleich die Abdrücke. Unterschiede gibt es häufig im verwendeten Material. So verwenden Hearsafe zum Beispiel Silikon, das sich durch seine weiche Beschaffenheit perfekt den Kieferbewegungen anpasst. Insbesondere Sänger fühlen sich mit diesen Systemen wohl. Andere Otoplastiken bestehen hingegen aus starrem Material. Welchem man den Vorzug gibt, muss man selbst entscheiden. Ich persönlich bevorzuge das weichere Silikon und nutze modulare Concha2 Otoplastiken von Hearsafe mit Ambience-Bohrung.

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Bei Hearsafe und anderen Herstellern gibt es viele verschiedene Modelle und Materialien zur Auswahl

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So richtig Spaß macht In-Ear-Monitoring mit angepassten Hörern. im Bild die Vision Ears VE2020-203

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Seit Frühling 2019 meine ständigen Begleiter: Die modularen Hearsafe Concha2 mit Ambience Bohrung

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Fazit

In-Ear-Monitoring ist eine feine Sache, man muss sich aber zuvor mit einer Vielzahl an Themen auseinandersetzen: kabelgebunden oder drahtlos? Mono- oder Stereomischungen? Hörer von der Stange oder mit speziell angepasster Otoplastik? Personal-Monitoring per Hardware oder App? Stehen genügend Monitorwege für individuelle Mischungen zur Verfügung? Hat man diese Fragen einmal für sich beantwortet, steht dem In-Ear-Monitoring fast nichts mehr im Wege. Fast, denn die Eingewöhnungszeit ist nicht unerheblich und sollte besser im Proberaum stattfinden. Hat man alle technischen Probleme und die Eingewöhnungszeit hinter sich gebracht, wird man mit einem guten Monitor-Sound unabhängig von den jeweiligen räumlichen Begebenheiten am Auftrittsort belohnt.

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Forum
  1. Profilbild
    ukm

    Die Argumente für und wider IEM kann ich gut nachvollziehen, habe es aber selbst noch nicht ausgiebig genutzt.
    Da es jedoch beim letzten Auftritt (mit Fremdbeschaller) ein regelrechtes Monitordesaster gab, drängt sich mir die Frage auf:
    Was ist das für eine Welt, in der sich die Musiker vor ihrem eigenen Krach schützen müssen? Können die nicht einfach diszipliniert spielen und die Monitorlautstärke auf ein Minimum begrenzen?

  2. Profilbild
    Garfield Modular AHU

    Hallo Markus,

    Herzlichen Dank für Dein sehr interessanten Artikel! Viel gelernt, und noch viel zu lernen :-) Super!

    Viele Grüße, Garfield.

  3. Profilbild
    DieserTii

    IEM ist ein Segen!
    Ich persönlich finde Monitoring über Boxen in 80% der Fälle immer furchtbar. Und die Lösung mit den Ambience Mics um das Publikum zu hören ist super.
    Selbst die günstigste Lösung, die man so bekommen kann, war für mich schon eine riesen Verbesserung.

  4. Profilbild
    Gottwald

    Vielen Dank für den hilfreichen Artikel!
    Das bringt Licht ins Dunkel und spart sicherlich den ein oder anderen Irrweg.
    Sich selber so direkt im Ohr zu haben ist aber tatsächlich echt eine richtige Gewöhnungssache :-)

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