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Test: 1010music Bitbox Micro, Bitbox MK2, Eurorack-Sampler

18. Dezember 2020

Mehr Stimmen und Effekte

1010music bitbox micro test

1010music Bitbox Micro, Bitbox MK2, Eurorack-Sampler

Im Jahr 2017 hatten wir erstmals die Bitbox von 1010Music bei uns im Studio zu Gast. Anlässlich der Superbooth 20 stellte die Firma dann die Mk2-Version sowie die Bitbox Micro vor. Diese ist mit 418,- Euro rund 200,- Euro günstiger als die großen Modelle Mk1 und Mk2. Dass hierbei einige Features dem Sparstift zum Opfer fallen mussten, ist klar. Wie schlägt sich denn nun die kleine 1010music Bitbox Micro und was leistet die Mk2-Version? Im folgenden Test erfahrt ihr es.

Überblick Bitbox Micro

1010music BitBox Micro

1010music BitBox Micro

Mit 18 HE verbraucht die 1010music Bitbox Micro zunächst nur zwei Drittel des Rack-Platzes – verglichen mit den großen Modulen. Natürlich ist das Display kleiner (2 inch) und es gibt nur noch zwei rasterfreie Endlos-Encoder. Dafür prangen auf der Oberseite nun vier beleuchtete Buttons, statt zwei ohne Beleuchtung. Natürlich hat sich auch was bei den Ein-/Ausgängen verändert. Es sind nun achtzehn Buchsen statt vierundzwanzig.

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1010music BitBox Micro - Patch-Feld

1010music BitBox Micro: Patch-Feld

Die Buchsen sind als Trigger/Gate-Eingänge (die oberen zwei Reihen) sowie als Audioeinzel- und Summenausgänge (die unteren zwei Reihen) vorkonfiguriert, geblieben sind die MIDI-Buchsen im TRS-Format. Ein leicht zugänglicher Micro-SD-Karteneinschub für Samples und Betriebssystem runden das Bild ab.

Wie viel Pferdestärken hat die Bitbox Micro?

Was hat die 1010music Bitbox Micro technisch unter der Haube? Zunächst einmal ist sie in folgenden Eigenschaften mit der MK2 identisch: internes RAM 64 MB, dieses ist allerdings als Cache ausgelegt, d. h. nur kurze Samples werden hier gespeichert. Lange Samples werden direkt von der SD-Karte gestreamt. Die maximale Größe einer zu streamenden Datei beträgt dabei 4 GB.

Die Samples können ein- oder zweikanalig sein, eine Auflösung von 16, 24 oder 32 Bit sowie eine beliebige Samplerate besitzen. Intern arbeitet die Bitbox Micro jedoch mit 48 kHz, über einen High-Qualitiy-Modus kann eine bessere Samplerate-Konvertierung eingestellt werden, die auch dann greift, wenn ein Sample außerhalb seiner Root-Note gespielt werden soll. Dies kostet dann allerdings auch mehr CPU-Leistung.

1010music BitBox Micro - Drei Modulationen pro Ziel

1010music BitBox Micro – drei Modulationen pro Ziel

Nicht zu vergessen: Genau wie die BitBox MK2, stellt auch die Bitbox Micro Delay und Reverb zur Verfügung. Der Reverb klingt dabei gut und verbraucht deswegen wohl auch ordentlich CPU, was in einer geringeren Polyphonie resultieren kann. Das bringt uns also zu …

Einschränkungen

Die erste Begrenzung ist, dass man mit acht Sample-Pads vorlieb nehmen muss. Die maximale Anzahl der Stimmen fällt dagegen gegenüber der MK2 nicht ab.

Die Micro bietet verschiedene Abspielmodi, der einfachste ist dabei der Sample-Mode. Hier wird einfach ein Sample, das auf einem Pad liegt, abgefeuert. Man kann dieses Sample auch über einen festzulegenden MIDI-Kanal mit einem externem Keyboard/Sequencer steuern, die maximale Polyphonie für ein Pad im Sample-Modus beträgt 16 Stimmen.

Die anderen Abspielmodi der Bitbox Micro heißen Clip (funktioniert wie Clips in Ableton Live) und Slicer (funktioniert wie Recycle Loops); diese haben jeweils eine 2-fache Polyphonie. Übrig bleibt der spezielle Granular-Modus, der lediglich eine Note spielen kann.

1010music BitBox Micro - Aufnahme

1010music BitBox Micro – Aufnahme

Die angegebene Polyphonie gilt jeweils für e i n Pad, so dass es durchaus möglich ist, auf allen acht Pads 16 Noten gleichzeitig zuspielen. Liest man im ausführlichen PDF-Handbuch aber genauer nach, so steht dort, dass das nur mit Einbußen geht. Denn die tatsächlich maximal verlässlich erreichbare Stimmenanzahl liegt bei 32. Warum so ein Versteckspiel?

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Man sollte meinen, das müsste für die meisten Einsatzbereiche reichen – schließlich möchte wohl niemand eine Piano-Library auf der BitBox spielen (obwohl man das durchaus hinbekommen könnte).

Für genauere Informationen zu den verschiedenen Abspielmodi verweise ich an dieser Stelle auf den Test der Bitbox Mk1.

Die Arbeit mit der Bitbox Micro

Nach dem Einschalten begrüßt einen der Startbildschirm, der die acht Pads grafisch darstellt. Man speichert die Samples als Kit ab, kann aber einzelne Samples austauschen. Und ja, die Bitbox Micro ist auch ein Sampler. Dazu muss man den Modulationseingang als Audioeingang konfigurieren (geht nur mit Eingang 1 und 2). Dann legt man die Länge und den Gain fest und schon wird direkt in das Pad gesampelt.

Wie üblich startet das Pad dann automatisch im Loop-Mode, man kann aber auch andere Konfigurationen wählen. Darüber hinaus gibt es auch eine Resampling-Funktion, um alle am Main-Out anliegenden Signale direkt digital zu sampeln. Selbstverständlich können auch wieder CV-Signale gesampelt und abgespielt werden, da Ein- und Ausgänge gleichpannungsgekoppelt sind.

1010music BitBox Micro – Mute-Bildschirm

Wie bereits angesprochen, verfügt die Bitbox Micro über verschiedene Modi, die ein Pad haben kann. Dabei verbirgt sich hinter dem einfachen Sample-Play-Modus ein Bonbon: Multi-Sampling. Entweder man sampelt in diesem Sampling-Modus eine Reihe Samples und gibt gleich die Root-Note an oder man verstellt die Root-Note von vorhandenen Samples und lädt diese nach dem Speichern wieder ein. Es gibt zwar auch diesmal keine Velocity-Maps, aber über das Multisampling bekommt man dennoch wesentlich natürlichere Abbildungen hin.

1010music BitBox Micro - Delay und Reverb

1010music BitBox Micro – Delay und Reverb

Ein Pad konfiguriert man schließlich über die Pfeil-Taster. Neue Samples laden oder aufnehmen kann man hier vornehmen, eben auch Einstellungen für Loop-Punkte und Slices. Jedes Pad kann dabei über drei Parameter verändert werden: Level, Filter und Pitch.

Hinter dem Filter steckt ein einfaches LP-Filter mit einer festeingestellten Resonanz. Jeder Parameter bietet die Möglichkeit, von je drei Modulatoren gesteuert zu werden. Infrage kommen dafür die externen Eingänge 1 bis 8 sowie verschiedene MIDI-Events; es kann sogar ein MIDI-CC frei bestimmt werden, der durch eine Lernfunktion festgesetzt wird.

Leider „überdreht“ der Encoder hier, so dass man sich sehr vorsichtig an die letzte Option heran drehen muss. Eine Bewegung weiter – und das Menü steht wieder auf none. Von da aus muss man dann wieder bis an die letzte Option, da es nicht mehr rückwärts geht.

1010music BitBox Micro – Sample-Edit

Beobachtungen

Die Bedienung über den kleineren Touchscreen der Bitbox Micro erfordert zunächst etwas Gewöhnung. Auch ist die Navigation durch die Menüs oft nur mit einer Kombination aus Touchscreen, Taster und Encoder möglich. Wobei die Encoder manchmal auch die Bedienung über den Screen spiegeln. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber daran und beherrscht die Bedienung recht flott. Sukzessive Klicks auf die Taster Home und Tools bringen einen zu je drei festgelegten Bildschirmen. Hier stellt man die Mischparameter ein, den Effektanteil von Reverb und Delay (bei denen einige Parameter auch extern gesteuert werden können). Über Tools erreicht man die Eingangs- (Audio, CV, Gate oder Clock) und die Ausgangskonfiguration, die sich jedoch gar nicht verstellen lässt.

1010music BitBox Micro - Pad-Modi

1010music BitBox Micro – Pad-Modi

Man sehe mir nach, dass ich bei den Klangbeispielen nicht besonderen Wert auf Musikalität gelegt habe. Zum einen wollte ich die Modulations-Features und zum anderen die Granular-Engine präsentieren.

1010music BitBox mk2

1010music BitBox Mk2

1010music BitBox Mk2

Gleichzeitig zur Bitbox Micro hat 1010Music auch die Bitbox Mk2 vorgestellt. Das Betriebssystem der Bitbox MK2 ist mit dem der Bitbox Micro identisch, abgesehen von der Einschränkung in den Pads und der eigentlichen Hardware.

Allerdings ist die Polyphonie pro Pad höher. Sample und Multi-Sample bieten 24-fache Polyphonie, wenn diese direkt vom RAM kommen (die Angaben darüber widersprechen sich in der Anleitung leider teilweise selbst, eine Tabelle gibt einen anderen Wert an als im Fließtext vermerkt). Beim Streamen langer Samples können maximal 8 Noten gleichzeitig gespielt werden. Die anderen Werte entsprechen denen der Bitbox Micro. Es ist daher anzunehmen, dass in der Micro der gleiche Dual-Core-Prozessor steckt wie in der größeren Bitbox MK2.

Wie bei der Bitbox Micro ist diese Stelle in der guten PDF-Anleitung etwas missverständlich. Denn obwohl pro Pad 16 Stimmen möglich sind, ist die maximale Anzahl gleichzeitig spielbarer Stimmen ohne Qualitätsverlust 32. Zusätzlich verwirrend: Im Benutzerhandbuch steht, dass man dennoch versuchen kann, auf allen 16 Pads die maximal möglichen 16 Stimmen zu spielen. Dann muss man jedoch mit Knacksern und ähnlichem rechnen.

Was sind denn nun die Unterschiede zur BitBox Mk1?

Soweit ich das feststellen konnte, liegt der Unterschied zunächst in der CPU und damit in der maximalen Polyphonie. Die Bitbox Mk1 kann maximal acht Noten pro Pad im Sample-Modus spielen, zwei Noten im Clip- und Slice-Modus und eine im Granular-Modus. Wieder etwas umständlich formuliert erfährt man, dass jedoch verlässlich nur 16 Stimmen gleichzeitig gespielt werden können.

Obwohl die Bitbox Mk1 auch einen Multi-Sample-Modus bietet, kann sie diese nicht wie die Bitbox MK2 direkt absampeln, sondern man muss über den Umweg gehen, die Root-Noten später anzugeben.

Und natürlich kann die Bitbox MK2 Reverb und Delay, die der Bitbox MK1 komplett fehlen. Alles in allem gibt es wohl vordergründig keinen Grund, warum man sich noch eine Bitbox Mk1 kaufen sollte. Allerdings darf man nicht vergessen: Die MK1 Hardware bleibt mit den verschiedenen anderen MK1 Firmwares (ToolBox, SynthBox, FxBox) kompatibel, die MK2 akzeptiert diese jedoch nicht. Allerdings gibt es bereits eine MK2-Firmware der SynthBox und FxBox.

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Fazit

Wem acht Sample-Pads reichen, der wird mit der neuen Bitbox Micro wohl zufrieden sein – bietet sie doch alle Vorteile des schnelleren Prozessors inklusive Polyphonie, Reverb und Delay. Auch der kleiner Formfaktor kann entscheidend sein. Die Nutzung des kleineren Touchscreens und die Umstellung auf zwei Encoder und vier Buttons ist gelungen und tut der Bedienung keinen Abbruch.

Für die Bitbox MK2 spricht natürlich die höhere Polyphonie und die Effekte, zumal der Reverb echt brauchbar ist. Und man sollte nicht vernachlässigen, dass die Firmware wie bei der MK1 ausgetauscht werden kann, z. Zt. sind die SynthBox- und die FxBox-Firmware bereits kompatibel mit der neuen Hardware.

Plus

  • neuer Prozessor ermöglicht mehr Stimmen und Delay + Reverb
  • kompatibel mit MK2 Firmwares für SynthBox und FxBox

Minus

  • keine Kompatibilität mit MK1 Firmwares

Preis

  • BitBox micro: 418,- Euro
  • BitBox mk2: 619,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Tolles Update. Die beiden sollen auch mehr Leistung als die Blackbox haben, wobei mir letzere als Desktop für Sampling besser gefällt.

    • Profilbild
      tomeso  

      Die CPU Leistung der blackbox, bitbox micro und bitbox Mk2 ist meines Wissens nahezu gleich.
      Im Vergleich zur älteren bitbox Hardware ist die CPU Leistung der drei neueren Instrumente aber in etwa doppelt so hoch.

  2. Profilbild
    [P]-HEAD  AHU

    Was mich total stört, das es keinen Flip Modus gibt, also das Gerät im Rack gedreht einzubauen, damit man die Anschlüsse oben hat. Zwar wurde das im Bitbox Forum schon angenommen, aber bisher wurde das nicht bei einem Update bedacht. Bei der ersten Version war das von Anfang an implementiert. Auch blöd ist, das die Ein- und Ausgangskonfiguration der Anschlüsse nur in einem Patch gespeichert wird und nicht global im Gerät. Was mir noch im Betrieb auffällt, das die bitbox micro öfters mal bei dauerbetrieb den Clock Anschluss verliert. Damit meine ich, das wenn man eine Session über eine Stunde hat, die 1 sich verschiebt. Das ist schon komisch. Das hatte ich bei der ersten großen Version nicht. Das lief stundenlang syncron. Aber das wird wohl über kurz oder lang alles mit updates behoben.

    • Profilbild
      tomeso  

      Der Flip Modus für die bitbox micro scheint durch den asymetrischen Aufbau und die vier oberen Tasten nicht so trivial zu sein wie bei der bitbox MK1/Mk2 und war deshalb wohl nicht geplant. Meine persönliche Einschätzung ist, dass hier eventuell noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist.

      Das mit dem Sync Problem ist nicht in Ordnung, bitte im Forum als Bug melden, Danke!

      Zu der In/Out Konfiguration per Preset: das hat Vor- und Nachteile, da je nach Preset diese Konfiguration ja tatsächlich anders sein kann/soll. Als Workaround kann man hier mit verschiedenen Start Templates arbeiten. Ideal wäre eine globale Einstellung, die dann bei Bedarf pro Preset überschrieben werden kann.

  3. Profilbild
    tomeso  

    Mir erschließt sich der Minuspunkt „keine Kompatibilität mit MK1 Firmwares“ nicht, da es entsprechende Firmware (synthbox und fxbox) doch auch für die bitbox MK2 Hardware gibt. Die toolbox und laserbox Firmware setzte schon immer eine andere Hardware (series 2) voraus und diese sind auch nach wie vor verfügbar.

    Es gibt also:
    original toolbox Hardware – toolbox und laserbox Firmware
    original bitbox Hardware – bitbox, synthbox und fxbox Firmware
    neue bitbox MK2 Hardware – bitbox, synthbox und fxbox Firmware
    neue bitbox micro – bitbox Firmware

  4. Profilbild
    tomeso  

    Ein kleines Highlight der bitbox micro wurde im Test leider nicht erwähnt: Auto-Sample a Multi-sample

    Die bitbox micro verfügt über einen zusätzlichen MIDI Out und kann damit automatisiert auch Multisamples von externer Hardware erstellen. Man definiert den Notenbereich, die Anzahl der Samples und der Velocitylayers und die Länge der Samples … danach macht die bitbox micro den Rest ganz von allein. Quasi ein einfacher Sample Robot in Hardware. :-)

    Die bitbox Mk2 kann das grundsätzlich auch, aber mangels zusätzlichem MIDI Out kann man externe Klangquellen nur per CV/Gate ansteuern.

  5. Profilbild
    swift  

    Kommt man von den Einzelausgängen irgendwie halbwegs günstig in ein normales Mischpult?

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