Test: 1010music bitbox 2.1.3, MX4, Eurorack Sampler, MIDI-Thru-Modul

5. April 2019

Sampler, Eurorack - wie passt das zusammen?

1010music bitbox mx4

1010music bitbox 2.1.3, MX4

Einige Zeit ist ins Land gegangen seit dem letzten Test der 1010music bitbox. Und auch seit der Veröffentlichung der Firmware 2.0 ist bereits genug Zeit verstrichen, um sich die 1010music bitbox noch einmal genauer anzuschauen.

Die augenscheinlichste Änderung seit der Version 1 ist das dunkle Farbschema, das wesentlich angenehmer für die Augen ist. Im Einstellungsmenü kann dazu noch die Helligkeit auf 50 % reduziert werden. An der eigentlichen Hardware hat sich nichts geändert, soll heißen, der Touchscreen gibt beim Drücken immer noch nach und zieht bei noch festerem Drücken die bekannten LCD-Schlieren.

Die Presets der 1er-Versionen können zwar gelesen werden, gerade bei den wichtigen Modulationszuweisungen soll es aber zu Problemen kommen, so dass keine reibungslose Übernahme möglich ist. Sind die Presets einmal in Version 2, so sind sie mit der Version 1 inkompatibel. Ein manuelles Nacharbeiten der konvertierten Presets ist also wohl unumgänglich.

1010music bitbox

1010music bitbox

1010music bitbox 2.1.3: Alles neu macht Version Zwei

Mit der Version 2.1.3 wurden viele neue Funktionen für die einzelnen Sample-Zellen implementiert und vieles, was ich damals in dem Testbericht angesprochen hatte, gehört nun der Vergangenheit an. Damit rückt der Performance-Sampler eindeutig mehr in die Richtung Eurorack-Sample-Workstation. Wieso das?

Das wohl am häufigsten nachgefragte Feature ist das Vorhören von Samples im laufenden Betrieb. Endlich kann man durch seinen Snare-Ordner browsen und dabei das Ergebnis in einem laufenden Pattern vorhören. Zudem kann der Master-Compressor, der u. a. Clipping verhindern soll, nun ausgeschaltet werden – dieser war bei vielen unbeliebt. Die dritte heiß ersehnte Verbesserung der 1010music bitbox betrifft die Implementation eines vollständigen ADSR für jede Sample-Zelle. Und nun kann man das Modul auch per Kopfüber betreiben, die Anschlüsse liegen oben.

Eine Box - mehrere Nutzen

Eine Box – mehrere Nutzen

Es stehen nach wie vor drei verschiedene Arten von Sample-Zellen zur Auswahl. Sample, Clip und Slicer, der den Atomic-Mode ersetzt. Betrachten wir zunächst den Modus Sample. Die bitbox ist nach wie vor nicht in der Lage, Steuerspannungen zu sampeln, da die Eingänge AC-gekoppelt sind und deswegen beim Sampeln von CV lediglich die Spannungsspitzen übrig bleiben. Könnte man eventuell noch als Trigger benutzen und das funktioniert auch. Es stellt allerdings eine echte Verschwendung von kostbaren Ausgängen dar.

Da es in der Sample-Funktion keine Möglichkeit gibt, den Pegel zu ändern, muss man das machen, bevor das Signal in die 1010b geht. Sicherlich könnte man hier eine digitale Gain-Regelung implementieren – vor analogem Übersteuern am Eingang würde das einen aber auch nicht schützen. Es wäre natürlich praktisch, um zu leise Signale nach vorne zu bringen.

Die Rec Mon Funktion bietet nun drei Optionen: Off, Auto und On. Für das Live-Sampling wird man wohl am ehesten Auto vorziehen. Hier wird der Eingang erst vorgehört, wenn man in die leere Sample-Zelle geht. Nach der Aufnahme wird der Monitor dann automatisch stummgeschaltet und das aufgenommene Sample beginnt seine Kreise.

Der Mute-Screen der 1010music bitbox

Der Mute-Screen der 1010music bitbox, erreichbar durch langes Drücken des Home-Buttons

1010music bitbox 2.1.3: Ein echter Sampler

Im Sample-Modus wird ein Sample hinterlegt, dessen Start- und Endpunkt nun im ersten Bearbeitungsbildschirm über die Encoder verändert werden können. Zusätzlich erscheinen bei Aktivierung der Loop-Funktion (Forward, Bidirect) zwei zusätzliche Marker für Loop-Start und Loop-End. Leider ist die Einstellung der Loop-Punkte etwas grob und deswegen ist es schwierig, Schwingungsformen knackfrei zu loopen. Bei Single-Cycle-Schwingungsformen ist es zwar möglich, einen absolut sauberen Loop hinzubekommen, es bleibt jedoch immer ein rauer Grundklang bestehen. Am besten funktioniert das noch mit dem guten alten Onkel Sägezahn. Man könnte als Workaround zwar in die XML-Datei des Presets gehen und dort manuell die Sample-Längenwerte ändern – praktikabel ist das aber nicht.

Sample Looping

Sample Looping

Solange der MIDI-Kanal der Zelle auf Default steht, kann man über die für die aktuelle Zelle vorgegebene MIDI-Note das Sample einfach abfeuern. Verstellt man aber den MIDI-Kanal auf einen spezifischen, kann man die Zelle über diesen MIDI-Kanal wie einen Sampler spielen, der eben auch auf verschiedene MIDI-Noten mit verschiedenen Tonhöhen antwortet; also eine komplette Sample-Stimme in einem Slot. Aber hier ist noch nicht Schluss, denn über die Option Mono/Poly kann die 1010music bitbox diese Zelle bis zu vierfach polyphon spielen! Zu einem vollwertigen Sampler fehlt zwar nun noch die Möglichkeit, Sample-Layer über Velocity anzusprechen, dennoch eine wirklich mächtige Erweiterung. Da kommt es zupass, dass nun jede Zelle an einen der vier Ausgänge geschickt werden kann – also beispielsweise auch nur an Out 1.

1010music bitbox mx4

1010music bitbox 2.1.3: Slicer-Dicer mit Rücknahmegrantie

Der Slicer-Modus ist die neue Version des Atomic-Modus der Version 1. Ab sofort können die einzelnen Slices nun auch geloopt werden. Es gibt allerdings keine extra Loop-Punkte pro Slice, es wird einfach nur wiederholt. Allerdings kann man hier über die Slice-Sequenz-Richtung (Forward, Backward, Random, Stagger) in der Praxis damit wunderbar Stotter- und Delay-Effekte erzielen, denn die Sample-Release-Zeit kommt hier ebenfalls ins Spiel. Das heißt, beim Loopen hört man einen Fade-Out. Eine Auswahl des Start-Slices ist nun genauso möglich, wie die direkte Anwahl über einen Modulationsparameter (ausgenommen MIDI-Velocity).

Slice Modus

Slice Modus

1010music bitbox 2.1.3: Clip-Modus

Der Clip-Modus der 1010music bitbox ist derjenige, den man beim Live-Sampling einsetzen wird. So ist es auch der voreingestellte Modus, wenn man in eine leere Zelle sampelt. Im Menü kann man dann einstellen, wie die Clip-Zelle auf eingehende Trigger/MIDI-Befehle reagiert, welche Start-Quantisierung sie haben soll und, neu, welchen Sync-Wert sie haben soll. Der Sync-Wert verhindert dabei einen Drift, wenn der Sample-Loop marginal von der aktuellen BPM abweicht. Das Ganze kann man sich ähnlich wie bei Ableton Live vorstellen.

Mit den Default-Einstellungen der Clip-Zelle direkt nach der Aufnahme gibt es aber zwei Probleme, benutzt man einen MIDI-Trigger und steuert die Zelle über den Default-Kanal an. Erstens: Nach dem Sample-Vorgang spielt das gerade aufgenommene Sample manchmal in einem tieferen Pitch (vorausgesetzt RecToPlay ist aktiviert) oder es gibt kurze Stottereffekte, bevor es richtig ertönt. Das Zweite sind die Quantisierungs- und Sync-Voreinstellungen der 1010music bitbox. Diese sind ideal, wenn man die Clip-Zelle über den Touchscreen starten will. Benutzt man jedoch einen MIDI-Trigger, so kann es vorkommen, dass der Loop nur manchmal spielt. Das liegt dann daran, ob die triggernde MIDI-Note noch vor Ablauf des aktuellen Taktes kommt oder nicht. Das ist keine Fehlfunktion, denn genauso sollte die Startquantisierung ja funktionieren – man sollte das jedoch bedenken, sampelt man in eine laufende Sequenz.

1010music bitbox 2.1.3: Neue Modulationsquellen

Es gibt nun neue Modulationsquellen, die es endlich ermöglichen, Manipulationen über MIDI vorzunehmen. Als Quellen dienen dabei Pitchbend, Modulation (CC1), Volume (CC7) und Panorama (CC10). Diese können aber nur herangezogen werden, wenn die Zelle per MIDI getriggert wird. Diese Informationen sind übrigens noch nicht in der aktuellen Version (2.2) des Benutzerhandbuchs hinterlegt. Dort steht ebenfalls, dass die externen Modulatoren (EXT1 bis EXT8) nicht genutzt werden können, wenn die Zelle über MIDI getriggert wird – das stimmt offensichtlich nicht, denn es ist sehr wohl möglich.

Modulationen im Audiobereich münden nun nicht gerade in FM-Klängen (dafür ist die Sample-Rate an den CV-Eingängen einfach zu niedrig), dennoch kann man interessante Variationen damit erzielen. Eine letzte Neuerung sind die vier zusätzlichen EXT-Eingänge. Diese liegen aber auf den Gate-In-Buchsen für die letzte Zellenspalte. Wenn man diese nutzt, kann man die entsprechenden Zellen also nicht mehr über ein Trigger-Signal ansprechen (es sei denn, man benutzt eben dieses Trigger-Signal als Modulator).

Fazit 1010music bitbox

Die aktuelle 1010music bitbox Firmware in der Version 2.1.3 beseitigt die meisten Kritikpunkte der 1er-Version. Bis auf Velocity Layer ist für eine Zelle nun alles drin, was die 1010music bitbox zu einem ernstzunehmenden Sampler macht. Slices, kombiniert mit Clips und tonal spielbaren Sample-Zellen machen es möglich, ganze Kompositionen mit der 1010music bitbox vorzunehmen. Einzig die etwas ungenaue Loop-Funktion und die tiefere Tonhöhe direkt nach einem Sample-Vorgang trüben das Gesamtbild. Das ist zwar nicht unerheblich, ändert aber trotzdem nichts daran, dass die 1010music bitbox nun mit einer sehr guten Bewertung vom Platz geht, zumal die Entwicklung ständig voran schreitet.

1010music MX4: vierfach MIDI-Thru

Zum 1010music MX4 gibt es nicht viel zu sagen. Es ist ein MIDI-Thru-Modul für das Eurorack, das selbstverständlich aktiv arbeitet. Es gehorcht der MIDI-Spezifikation, da es zur Isolierung der MIDI-Masseleitung einen Optokoppler benutzt. Von diesem geht es über einen leckeren Schmitt-Trigger an die vier Ausgangsbuchsen. Die TRS-Belegung entspricht dabei der vom Arturia Beat Step Pro, also TRS MIDI TYPE B (TRS-B). Einfach, solide, funktioniert.

1010music bitbox mx4

Da es an dieser Stelle gerade passt: Es gibt ja einige Verwirrung, betreffend den MIDI-DIN auf MIDI-Miniklinke-Adaptern. Die Konfusion hat ihre Quellen in zwei Dingen: Erstens gibt es zwei Möglichkeiten, die olle DIN-Buchse auf eine Stereoklinke zu legen: Die Current-Source (Signal) kann einmal auf der Spitze, ein anderes Mal auf dem Ring liegen. Gleiches gilt für die Current-Sink. Zum anderen gibt es, auch in der Fachwelt, offensichtlich keine einheitliche Regel, von welcher Seite die Pins einer DIN-Buchse aus gezählt werden. Dass die Zählweise sowieso keinem Uhrzeigersinn folgt, ist dabei noch nebensächlich. So ist eine Zählweise von der Lötseite aus gesehen, also von hinten; die andere Zählweise wird von der Anschlussseite aus gesehen. Ergebnis ist dann eine spiegelverkehrte Anordnung und eben zusätzliches Chaos.

1010music MX4

1010music MX4

Ich möchte das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen. Meinem Wissen nach wird die DIN-Norm immer von der Lötseite aus gezählt. Auf der Website von 1010music wird die Zählweise aber von der Anschlussseite aus gesehen (und eben kein klarstellender Hinweis darauf). Denn würde man von der Lötseite zählen, bekäme man einen TRS-A-Adapter, der inkompatibel mit 1010music-Produkten ist. Verwirrend genug? Ich habe mich deswegen entschieden, solche Adapter vorher durchzumessen, dann weiß ich genau Bescheid.

1010music bitbox mx4

Was hat das alles nun mit dm 1010music MX4 zu tun? Es bedeutet einfach, dass er mit den Adaptern der TRS-A-Bauweise nicht kompatibel ist ohne spezielle Kabel, die die Polung wieder umdrehen. Hier noch eine kleine Liste der verschiedenen Hersteller und deren TRS-Norm (von MIDI.org)

Fazit

Die aktuelle 1010music bitbox Firmware in der Version 2.1.3 beseitigt die meisten Kritikpunkte der 1er-Version. Bis auf Velocity Layer ist für eine Zelle nun alles drin, was di1 1010music bitbox zu einem ernstzunehmenden Sampler macht. Slices, kombiniert mit Clips und tonal spielbaren Sample-Zellen, machen es möglich, ganze Kompositionen mit der 1010music bitbox vorzunehmen. Einzig die etwas ungenaue Loop-Funktion und die tiefere Tonhöhe direkt nach einem Sample-Vorgang trüben das Gesamtbild. Das ist zwar nicht unerheblich, ändert aber trotzdem nichts daran, dass die 1010music bitbox nun mit einer sehr guten Bewertung vom Platz geht, zumal die Entwicklung ständig voranschreitet.

Plus

  • einzelne Zellen können eigene Instrumente mit Loop-Punkten und 4-facher Polyphonie sein
  • auch Slice und Clip-Zellen sind nun 2-fach-polyphon
  • Vorhören von Samples von der SD-Karte bei laufendem Betrieb
  • Zellenparameter können auch begrenzt mit Audiosignalen moduliert werden
  • Master-Kompressor kann deaktiviert werden
  • vollständige ADSR-Hüllkurve
  • neue Timing-Funktion hält Loops exakt auf der BPM

Minus

  • keine Fernsteuerung der Presets, nur manuelle Auswahl
  • begrenzte Modulation mit Audiosignalen
  • keine Einstellung des Aufnahmepegels
  • 1010music MX4: kompatibel mit TRS-A nur mit Adaptern

Preis

  • Ladenpreise:
  • 1010music bitbox: 629,- Euro
  • 1010music MX4: 103,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Danke für den TRS Midi Beitrag. Ich habe meine TRS A (wie ich jetzt weiß ;) ) Kabel auch selber gelötete. Ich würde bei den Kabel immer auf der Anschlußseite zählen.

  2. Profilbild
    tomeso  

    Die Entwicklung der Firmware geht bei 1010music ständig weiter, so wurden auch ein paar Kritikpunkte in diesem Test bereits gefixt.

    Die aktuelle Firmware 2.5 ist jetzt verfügbar und bietet folgende neue Funktionen:
    * Threshold based recording. You can now arm recording and have it automatically begin when it it detects a signal.
    * Input gain control for recording.
    * Choke or exclusive groups. With 4 different groups, you can now have one or more cells cutoff playback of the others–without having to organize them into columns. This also means the tracks screens have gone away. Look for the „Excl: X“ parameter on the top of the third pad page.
    * Load WAV files with embedded slice (cue) or sample loop points. For existing presets, you will need to reload the relevant file to import the WAV meta data.
    * MIDI Program Change messages can now select a new preset. It works with the preset list alphabetically. This is switched off by default. Enable it in the Settings area.
    * Selection of the designated output for record monitoring and previewing. This enables you to fully use the module in a monaural 4 output approach.
    * Improved responsiveness of the Start, Length, Loop Start, and Loop End points using the knobs on the waveform page.
    * Numerous bug fixes having to do with playback and recording.

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