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Test: Analogue Systems RS-290 RS-295 RS-450 Eurorack

22. Februar 2019

Sampler, Delay, Sequencer und MIDI Exp. fürs Eurorack

Vorwort

Fast zehn Jahre ist es her, dass wir uns dem Modularsystem von Analogue Systems widmeten. Vieles hat sich in diesem Zeitraum getan. So hat sich beispielsweise Mastermind Bob Williams zurückgezogen und seit 2015 wird die Marke von Alex4, dem Vertrieb von Andreas Schneider, offiziell vertrieben. So viel zum Hintergrund, nun aber ab zum Test der neuen Eurorack-Module.

Bevor wir uns den einzelnen Teilen des Analogue Systems Modularsystems widmen, müssen wir kurz ausholen und anführen, dass unser Testsystem aus drei einzelnen Modulen besteht.

Echo/Delay

Das Echo und das Delay zählen vermutlich zu den ältesten elektronischen oder elektromechanischen Effekten in der Musik. Schon im Bandzeitalter konnte man Klänge auf Band aufnehmen und später verzögert wiedergeben. Wobei die Geschwindigkeit des Bandes und der Abstand der Tonköpfe das Echo oder das Delay beeinflussten. Später kamen dann Erfindungen wie Tape-Loop-Systeme mit mehr als einem Tonkopf hinzu, die – so man es wollte – unendliche Echos wiedergeben konnten.

Das Problem mit den Tape-Echos war jedoch die aufwendige Herstellung, die Bedienung und Wartung. Hier kam in den 1970er Jahren eine einfachere und Variante. Das Brigadeer Bucket Device. Kurz BBD, auf Deutsch: der Eimerkettenspeicher. Anfänglich war Speicher jedoch knapp und die Geräte dementsprechend begrenzt. Jedoch ließ sich der Siegeszug dieser Festkörper-Echos nicht aufhalten. Und Echos in dieser Bauform zogen in die Studios ein.

Bei digitalen Delay Lines wird es etwas komplexer und das Thema würde diesen Test sprengen. Nur waren diese in den 1970er Jahren noch weit entfernt, in die Studios einzuziehen. Es gab sie schon, nur war die digitale Signalverarbeitung damals noch in den Kinderschuhen und dementsprechend preislich vom anderen Stern.

Dennoch müssen wir uns kurz damit befassen: Eine DDL ist nichts weiter als ein spezialisierter Computer, der Proben eines eingehenden Signals in einem RAM speichert. Diese Samples werden typischerweise 44.100 mal in der Sekunde genommen und in einer Tiefe von 16 oder 24 Bit gespeichert. Einmal aufgenommen, kann von diesem Sample jeder Zeitpunkt wiedergeben oder auch mehrmals hintereinander wiedergegeben werden. Dies kann mit dem Delay-Algorithmus bestimmt werden.

Wenn wir die Zeitbasis der Wiedergabe ändern, geht damit aber noch deutlich mehr und mischt man dieses mit dem Originalsignal, lassen sich mehr als Delays erzeugen, hier können Phaser, Chorus oder Flanger erzeugt werden. Oder wenn wir mit Mono-Stereo arbeiten, Ping-Pong-Delay, Panner, Delay links, mitte, rechts.

Analogue Systems RS-290 Sampler und Analogue Systems RS-295 MIDI Expander

Unser Eurorack-Modul RS-290 beinhaltet aber nun nicht nur ein Tape-Delay  und Digital-Delay, sondern kommt mit integriertem Sampler daher. In diesem Fall ein Single-Voice-Sampler, der es uns ermöglicht, über die CV-Anschlüsse Samples zu editieren.

analogue systems rs290

Hier muss man anführen, dass wir mit dem RS-290 im Prinzip zwei Geräte haben und uns hier vor der Arbeit zwischen Sampler und Delay entscheiden müssen – oder aber zwei Module kaufen.

Dennoch haben wir bei der Bedienung zu beachten, dass zum Beispiel die Sample-Rate und die Sample-Größe nur zusammen für das gesamte RS-290 eingestellt werden können. Hier kann ich in der höchsten Auflösung 49,6 kHz, 5,6 Sekunden und bei 9,8 kHz, 26,8 Sekunden speichern. Die Bit-Tiefe kann zwischen 16 und 4 Bit eingestellt werden.

Das RS-290 ist so über das Display zu bedienen, dass der Edit-Regler ein Encoder mit Klick ist und der rote Knopf immer etwas abbricht. Alle weiteren fünf Regler sind als 270 Grad Potentiometer ausgeführt und geben auch auf dem Display Feedback über ihr Wirken. Der mit Assign und Sample Pitch bezeichnete Regler kann zusätzlich noch mit einer Funktion belegt werden.

Darunter sind nun alle 3,5 mm Klinkenbuchsen angeordnet und zusätzlich der Bypass-Schalter für Dry/Wet.

analogue systems rs295

Hier müssen wir auch kurz das RS-295 anführen, denn es erweitert den Sampler beträchtlich. Ohne den MIDI-Expander können wir nicht Program-Changes ansteuern und so zwischen maximal 50 Presets wählen oder den Speicher per SysEx-Dump extrahieren und exportieren.

Damit wir entsprechend mit unseren CVs immer tonal richtig liegen, kann ein angeschlossenes CV-Keyboard kalibriert werden, das RS versteht sich auch Volt/Oktave. Dieser Vorgang ist relativ unproblematisch. Wie auch der gesamte Setup-Vorgang, denn hier haben wir alle Werte und Einstellungen innerhalb einer Menüseite erreicht und abgearbeitet, was für nicht technikaffine Musiker sicher ein Vorteil ist. Auch dass die Potentiometer ein visuelles Feedback geben. Wie zum Beispiel für Input- und Output-Level. Hier müssen wir allerdings die Nomenklatur des Gerätes beachten:

  • ein Minus – zeigt den aktuell eingestellten Bereich an
  • ein Plus + den Wohlfühlbereich und
  • ein Asterisk * den Bereich in dem Input und Output zerren. Als Audio-Level wird hier ein Bereich von  -80 dB bis +3 dB ausgewiesen.

Zu beachten ist ebenfalls, dass die Regler sowohl für den Sampler als auch das Delay arbeiten, wir also Doppelbelegungen haben, was aber auf Grund des Konzeptes kein Problem ist.

Die gemeinsamen Steuerelemente

Obwohl wir zwei Modi in einem Gerät haben, werden alle Inputs und Outputs und Controls teilweise doppelt genutzt. Entsprechend sollte man bei Nichtfunktion im Menü schauen, ob die Funktion im Modus existiert und dann auch aktiv ist.

  1. Das Signal für den Sampler kommt über SIGNAL IN in das Gerät. Idealerweise liegt es zwischen -/+ 3 Volt. Über 6 Volt beginnt es heftigst zu clippen.
  2. F/B (Feedback) Return akzeptiert Audiosignale. Idealerweise liegt es zwischen -/+ 3Volt. Über 6 Volt beginnt es heftigst auch zu klippen. Diese Funktion muss entsprechend im Menü aktiviert werden.
  3. Repeat CV ist die Kontrollspannung für die Wiederholungsgeschwindigkeit, hier können maximal -/+ 5 Volt angeliefert werden.
  4. F/B CV ist die Kontrollspannung für die Wiederholungsgeschwindigkeit, hier können maximal -/+ 5 Volt angeliefert werden. Diese Spannung wird auf die im Regler eingestellten Werte addiert.
  5. Assign CV ist die Kontrollspannung für die Wiederholungsgeschwindigkeit, hier können maximal -/+ 5 Volt angeliefert werden. Diese Spannung wird auf die im Assign-Regler eingestellten Werte addiert.
  6. TRIG 1 und TRIG2 akzeptieren LFO-Spannungen von +1,5 Volt bis 20 Volt. Die Impulse können als Clock oder Sync-Reset für den LFO genutzt werden.

Der Output rechts ist gleichzeitig der F/B-Send und seine Funktion hängt vom Delay-Modus ab. Hier kann der Signalweg des Delays entweder mit Post oder Pre gespeist werden, abhängig von den Einstellungen im Menü.

Hallo … Echo

So gradlinig und simpel das Eurorack-Modul Sampler auch ist, so ausgefuchst ist das Delay. Hier heißt es zunächst, ganz oldschool kopfrechnen. Sekunden in BPM in Summe können wir von 0,0001 s bis 5,59 s ein Delay aufbauen. Dazu wird das Delay/Echo in seine vier Bestandteile aufgeteilt. Den Bereich Dämpfung, rechtes, linkes Delay und External-Feedback, den wir in Post und Pre aufteilen können. Die Jungs von Analogue Systems haben jedoch nachgedacht und rechnen die Clock in BPM um. Darüber hinaus können wir die Clock auch mit einem Beat und einer externen Quelle synchronisieren, was für rhythmisch exakte Delays sehr sinnvoll ist.

Wir können aber auch die internen LFOs nutzen, um mit fünf verschiedenen Schwingungsformen

  • Rechteck
  • Dreieck
  • Sägezahn
  • Rampe, umgekehrter Sägezahn
  • Sinus

unser Delay zu modulieren. Hier kann der LFO das links/rechts Delay modulieren, die Delay-Zeit oder das Panning von links nach rechts. Dementsprechend kann das Ganze auch mit den TRIG 1 und 2 angesteuert werden.

Dem Parameter Assign 1 und Assign 2 können die Werte wie folgt zugewiesen werden:

  • Damping
  • Sample rate
  • Sample size
  • Delay fine
  • Disabled
  • LFO Speed
  • LFO Depth
  • Left/right delay
  • Left/right pan

Assign 2 erscheint nur bei verbundener RS-295 MIDI-Expander-Einheit.

Analogue Systems RS-450: Multifunktionsrecorder

Für diesen benötigt es eigentlich nur einen Satz. Kann man brauchen, will man haben. Dabei haben wir hier einen äußerlich sehr simplen 4-Spur-Sequencer, der auf dem legendären AKS Sequencer basiert, plus eine Menge Inspiration von einem anderen Großen seiner Zunft, dem Roland SH-101 Sequencer-Teil.

analogue systems rs450

Der RS-450 kommt mit 2 Modi daher: Realtime und Steptime. Insgesamt können bis zu 10 Sequenzen aufgezeichnet werden. Im Realtime-Modus können bis zu 40 Minuten auf der mitgelieferter 4 GB SDHC-Card aufzeichnet werden, diese kann entnommen und die Daten transferiert werden.

Transport und Sequencer Kontrolle beim Analogue Systems RS-450

Übersichtlich mit einer klaren Bedienmetapher, die hier auf das Band abzielt, was zur Bedienungsfreundlichkeit ungemein beiträgt. Ein Druck auf RECORD schaltet die Aufnahme scharf. Eine Sequencer-Spur CHANNEL 1 – 4 wählt die entsprechende Spur und gibt diese auf den CV-Out als Monitor-Signal weiter. Ein erneuter Druck von RECORD führt zur Aufnahme.

Da wir hier kein unmittelbares visuelles Feedback zu der Aufnahme erhalten, müssen wir im Realtime-Modus wie auch Step-Modus mit einem vorgeschalteten Sequencer arbeiten, der uns dieses ermöglicht, sicherlich ein Manko. Hier sei aber angemerkt, dass das Teil des Konzeptes ist und für die Steuerung der CVs des RS-290 gedacht ist und da ist dieses Vorgehen kein Minuspunkt.

PLAY gibt nun die Sequenz wieder. Auf Wunsch alle vier zuvor aufgezeichneten oder die einzelnen Sequenzen. Hingewiesen sei auf die Funktionen REST und RESET. REST lässt eine Sequenz im Step-Modus rasten, während RESET im Realtime-Modus zu einem Neustart der Sequenzen führt.

Anmerkung: Die Transportkontrolle kann auch mit entsprechenden Trigger-Impulsen zwischen -/+10 Volt gesteuert werden. Hier muss beachtet werden, UNBEDINGT die Spannungsangabe ernst zu nehmen, da sonst Schritte nicht richtig getriggert oder die Sequenz nicht zurückgesetzt wird.

Sequencer Modes des Analogue Systems RS-450

Damit der Spaß richtig rund wird, können über die PLAYBACK-Schalter die Richtung, das Wiedergabeverhalten und das Stoppverhalten eines Loops gesteuert werden. Es gibt die Modi Single, Repeat und Hold. Hold heißt hier: Es wird eine Sequenz wiedergegeben, bis ein Stop-Impuls anliegt und läuft weiter, wenn der nächste Start-Impuls kommt. Als Wiedergaberichtungen haben wir vorwärts, rückwärts sowie vor und zurück. Dieses Verhalten kann auch über die Triggerimpulse gesteuert werden.

Hier sei erwähnt, dass wir bis zu zehn Sequenzen speichern können und es Regler gibt, mit denen wir den Anfang und das Ende eines Loops einstellen, somit die Länge. Highlight ist die FREQUENCY-Funktion im Realtime-Modus, womit wir die Wiedergabegeschwindigkeit beeinflussen können.

Zusammenfassung

Was machen wir nun mit unserem Klangkasten? Sampler: Da gibt es was von Akai oder E-MU. Aber als Delay, Echo und für weitere Verzögerungseffekte ist das mehr als ein „schön zu haben“. Hier sei auf das Echo oder das Delay als musikalisches Element verwiesen. Hinzukommt der FX-Send und Return über den ich weitere Effekte einschleifen kann sowie die Sequencer-Steuerung.

Licht und Schatten

Licht gibt es vor allem im Bereich der Offenheit des RS-290 Moduls zu finden und auch in Verbindung mit dem RS-295. Der RS-450 braucht, um richtig aus dem Schatten zu kommen, eine optische Step-Kontrolle und auch Pattern- oder Loop-Kontrolle. Mehr als 10 Speicherplätze sollten drin sein. Wenn man das Gerät mit einer SDHC ausliefert, ergibt das Sinn.

analogue systems rs 450

Fazit

Die Euerorack-Module Analogue Systems RS-290, RS-295 und RS-450 fallen unter die Kategorie „nicht einfach zu erlernen“. Aber dann wird ein extrem nützliches System daraus. Hier im Menüvorschlag RS-290 Sampler Delay, RS 295 MIDI Expander für RS290, RS 450 Multifunction CV-Recorder. Hier alle drei Module in einem Konzept vereint. Und zusammen nutzbringend eingesetzt. Zum Sampling/Delay RS 290 ist das RS 295 ein empfehlenswertes Modul. Der CV-Recorder macht auch alleine eine sehr gute Figur, ist aber konzeptuell mit dem RS 290 am besten aufgehoben.

 

Plus

  • Verarbeitung
  • kreatives Potential
  • CV-Steuerung

Minus

  • Bedienung nicht immer intuitiv
  • Transportkontrolle des Sequencers

Preis

  • Ladenpreise:
  • RS-450: 1.390,- Euro
  • RS-295: 95,- Euro
  • RS-290: 565,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Cycles

    Hehe, hätte beim Blick auf die Typenbezeichnungen fast schon auf das Modell „RS-232“ gehofft :D
    Btw., ich mag diesen Messinstrumentenlook.

    • Profilbild
      TobyB  RED

      Hallo Cycles,

      in genau diesem Moment rauchen einige Hirnwindungen ;) Der Witz ist so clever, dass er schon wieder flach auf hohem Niveau ist! ;) Der Look und die Haptik dieser Module ist wirklich Klasse. Und für klangliche Spielereien ist diese Kombination sehr gut.

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