Test: Ableton Live 11, Digital Audio Workstation

12. März 2021

Endlich sattelfest als DAW

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Ableton Live 11, Digital Audio Workstation

Ableton Live 11, das nächste Major-Update der De-facto-Standard-DAW für elektronische Musik-Produktion, ist nun erhältlich. Und das nur zwei Jahre nachdem Version 10 veröffentlicht wurde. Erstaunlich, nachdem der Sprung von Version 9 auf 10 ca. 7 Jahre dauerte. Da stellt sich natürlich die Frage: wird uns hier etwa ein Minor-Update als großer Versionssprung verkauft?

ableton live 11 daw test

Endlich richtige DAW-Funktionen

Also frisch ans Werk und Ableton Live 11 von der Website www.ableton.com geladen – übrigens gibt es eine 90 Tage (!) Testversion von Ableton Live 11 zum herunterladen, die keinerlei Einschränkungen in der Funktionalität hat. Die Installation ist wie immer unproblematisch und nach einer Aktivierung direkt aus der DAW heraus, oder auch offline, präsentiert sich Ableton Live 11 im vertrauten Look.

Schon erstaunlich, dass bei einer DAW seit ihrer ersten Veröffentlichung vor fast 20 Jahren grundsätzlich nichts am Erscheinungsbild verändert wurde – zeitlos modern eben.

Darstellung der Clip-Parameter und MPE-Erweiterungen

Aber halt, nachdem ich einen Clip geöffnet habe, stelle ich fest: die Darstellung der Clip-Parameter wurde verändert. In der Abbildung habe ich mal beide Varianten nebeneinander gestellt.

Ergebnis ist: man muss weniger auf- und zuklappen und die neue Darstellung finde ich übersichtlicher. Ich denke, man wird sich schnell umstellen können auf die neue Ansicht.

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, MPE (MIDI Polyphonic Expression, wie sie z. B. von den ROLI Seaboards ausgegeben wird) direkt im MIDI-Clip zu editieren. Da immer mehr Plug-ins auch auf MPE reagieren ist das eine sehr willkommene Erweiterung und wahrscheinlich auch der Grund, warum man sich schließlich entschieden hat die Clip-Parameter anders darzustellen. Ein weiteres Fensterchen zum Ausklappen wäre einfach zu viel gewesen.

In Zusammenhang mit der Einführung von MPE stehen auch viele kleinen Änderungen in altbekannten Instrumenten. Als Beispiel sei hier mal der Ableton Live Sampler genannt, der nun auch MPE Pitchbend (Glide), Aftertouch und Slide (bei einem ROLI Seaboard ist das die vertikale Bewegung auf einer Taste) als Modulationsquellen verarbeitet.

Ableton Live 11 - Ableton Sampler versteht nuun auch MPE

Ableton Live 11 – Ableton Sampler versteht nun auch MPE

Comping – Was bietet Live 11 an neuen Funktionen?

Die eine Funktion, die es mir bisher immer schwierig machte, Ableton Live 11 als vollständige DAW zu betrachten ist nun vorhanden: Comping. Comping beschreibt das Zusammenstellen einer Aufnahme, die aus mehreren Versuchen besteht zu einem Best-of. Um so ein Best-of auch mit einer Mehrspurschlagzeugaufnahme machen zu können, bietet Ableton Live 11 dann auch folgerichtig die Comping-Bearbeitung von verknüpften Spuren an; und ja – auch MIDI-Spuren können mit der Comping-Funktion bearbeitet werden. Allerdings kommen die Benutzer der Lite-Version nicht in den Genuss dieser neuen Funktion.

Ableton Live 11 - Comping

Ableton Live 11 – Beherrscht nun auch Comping

Selbstverständlich kann man Comping auch für kreatives Sound-Design in Ableton Live 11 verwenden. Man erstelle manuell Take-Lanes und platziert darin verschiedene Audio-Dateien. Nun kann man nach Herzenslust die Abschnitte mischen und so zu interessanten Ergebnissen kommen. Dazu selektiert man einen Abschnitt in einer der Take-Lanes und drückt Enter – danach wird dieser Abschnitt in den eigentlichen Clip übernommen.

In der Praxis ist das Comping gut gelöst, auch wenn es noch ein paar Besonderheiten gibt. Der Comp folgt z. B. nicht den darunter liegenden Takes. Wenn ich also einen Take übernommen habe und ihn danach manipuliere, z. B. in dem ich innerhalb des Takes einen Loop erstelle, wird diese Änderung nicht automatisch in den Ergebnis-Clip übernommen; ebenso wenig wie die Änderung der Position eines Takes (nach einer Positionsänderung verliert der Take auch seine helle Farbe und damit optisch die Zuordnung zum Ergebnis-Clip. Erst nach einer erneuten Selektion und Übernahme mittels Enter wird der veränderte Take übernommen.

Comping Lanes

Ableton Live 11 – Comping Lanes /dunkelgrün) kann man auch manuell erstellen

Der entstandene Comp besteht dann aus einzelnen Schnipseln, was bedeutet, dass man immer alle Abschnitte selektieren muss, möchte man den Comp verschieben oder kopieren. Möchte man ihn als Ganzes verschieben, bleibt einem nur die Konsolidieren-Funktion, denn Gruppieren funktioniert hier nicht.

Für mich war tatsächlich das Comping immer die Hürde, die Ableton Live bei einer Produktion nie nehmen konnte, so dass ich auf eine andere DAW ausweichen musste. Der Instrumental-Track wurde also in Ableton Live gemacht, die Vocals und das Abmischen immer in einer anderen DAW. Ob ich mich persönlich nach so vielen Jahren auf einen anderen Produktionsprozess einlassen werde, sei mal dahingestellt – aber gut, dass es jetzt alles in Ableton Live 11 geht. Ich denke ich werde das Comping hauptsächlich für Sound-Design nutzen.

Darstellung der Velocity, Wahrscheinlichkeitsvariation

Die Darstellung der nun horizontalen Velocity Balken zeigt nun auch die Länge der entsprechenden Note an, was sehr zur Übersicht beim Editieren beiträgt; den prominenten Strich nach unten hat die Velocity Darstellung verloren. Unterhalb des Velocity-Fensters lässt sich nun eine „Chance“-Spur öffnen. Hier kann man einstellen, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Note gespielt werden soll.

Velocity, Velocity Variationen und Chance

Ableton Live 11 – Velocity-, Velocity Variationen- (blaue Markierung) und Chance-Einstellungen (unten)

Darüberhinaus kann man noch bei der Velocity eine Bandbereite bestimmen, innerhalb derer eine Variation der Anschlagstärke stattfindet. Beides also Funktionen in Richtung Humanize – das ist noch weit von Sequenzer-Optionen entfernt, wie sie z. B. Elektron-Geräte bieten, aber immerhin ein Anfang.

Clip Actions

Von jeher waren Clip-Actions eine Möglichkeit untereinander angeordnete Clips in einer bestimmten Reihenfolge abzuspielen, und dabei einen Wahrscheinlichkeitsfaktor einzubauen. Dazu musste man stets die Clips in einer bestimmten Reihenfolge anordnen – jetzt kann man zum ersten Mal einen ganz bestimmten Clip anspringen. Neu hinzugekommen sind auch pro MIDI-Clip einstellbare Skalen.

Ableton Live 11 bietet nun Macro Variationen

Mit Macros kann man zahlreiche Parameter einer ganzen Kette von Effekten und/oder Klangerzeuger zusammenfassen und mit nur einem Regler steuern. Mehrere Macro-Regler können dann die gesamte Steuerung der Zusammenstellung übernehmen. Mit den „Macro Variations“ hat man nun endlich auch die Möglichkeit Presets dieser Macro-Einstellungen abzuspeichern. Diese werden mit der ganzen Kette abgespeichert. Hat man also eine tolle Macro-Einstellung gefunden, muss man nicht mehr extra eine komplettem Kette abspeichern, sondern kann das über die Macro Variations vornehmen. Auch ein neuer Random-Schalter hat es in die Macro-Sektion geschafft – falls einem partout nichts einfallen will.

Die neuen Macro Persets mit Automation

Ableton Live 11 – Die neuen Macro Presets mit Automation

Man kann nicht nur das Laden und Abspeichern dieser Variationen automatisieren (So ist es eben auch möglich die Macro Variations von einem Sequenzer steuern zu lassen), sondern auch die Erzeugung neuer Variations-Slots. Falls man die Macro-Parameter über einen externen Controller steuert, kann man so direkt von diesem Controller aus eine Macro-Einstellung abspeichern. Eine kleine Erweiterung, die aber ein mächtiges Kreativpotential birgt.

Ableton Live 11 kann nun tatsächlich „Live“ mit Echtzeit Beat-Detection

Eine wirklich unglaubliche Erweiterung betrifft die Synchronisation – moderne Technik macht es möglich (ich vermute stark einen AI Algorithmus hinter der Funktion, es gibt aber schon lange Beat-Detect-Software, jedoch eher optimiert für elektronische Musik und weniger für Live-Signale, z. B. in DJ-Software). Man kann nun Ableton Live 11 zu echten Musikern synchronisieren! Das Video auf der Ableton-Website zeigt es ganz gut: für eine Drummerin benötigt man eigentlich nur ein Mikrofon zum Einfangen des Taktes (ein Mix aus Snare und Base Mic würden es wohl auch tun) und nach Aktivierung der Follow-Aktion (die erst in den Preferences eingeschaltet werden muss) hört Live „aufs Wort“ und folgt mit den BPM dem Takt der Musikerin. Hätte ich zu gern selber ausprobiert, ist leider z.Zt. schlecht möglich – ich bitte um Entschuldigung.

Die Einsetzbarkeit steht und fällt natürlich mit der Leistungsfähigkeit der BPM-Erkennung, und so müssen wir wohl oder übel der Präsentation vertrauen – ich kann hier aber gerne meine Erfahrungen teilen, wenn es so weit ist. Aber auf den ersten Blick: Wow!

Neue Effekte in Ableton Live 11

Auch mit dem Upgrade auf Ableton Live 11 gibt es diesmal neue Instrumente und Effekte, die alle etwas spezieller sind und etwas Abseits von Brot-und-Butter.

Ableton Live 11 - Audio Effekte nach Kategorien

Wurde auch Zeit: Audio Effekte nach Kategorien sortiert

Apropos Audio-Effekte: diese wurden nun in Kategorien unterteilt, so dass man im Browser eine wesentlich bessere Übersicht hat. Das wurde auch notwendig, da die Anzahl der Effekte ja wieder angestiegen ist. Zunächst einmal die „echten“ neuen Effekte (soll einfach heißen, es sind keine Max4Live-Effekte).

Hybrid Reverb

Ableton Live 11 - Hybrid Reverb

Ableton Live 11 – Hybrid Reverb

ist eine Mischung aus algorithmischem und Faltungshall. Neben den üblichen Parametern bietet Hybrid Reverb aber noch eine Besonderheit: der algorithmische Teil verfügt über eine Freeze-Funktion, die unabhängig vom Faltungshall ist. Auch kann man nur einen kurzen Moment freezen oder ständig für Nachschub sorgen, so dass sich eine dichte Klangwolke aufbaut. Die beiden Reverbs können einzeln oder in einer Kombination von parallel bzw. serieller Verschaltung genutzt werden. Auch eigene Impulsantworten sind möglich. Einfach das File in das Effektfenster ziehen und unter den User-Impulsantworten auswählen. Natürlich kann man auch ganz normale Audiodateien als Impulsantwort verwenden – probiert doch mal einen Loop durch sich selbst zu falten. Nach einigen Test muss ich sagen: gefällt mir, hier lässt sich viel herausholen.

Spectral Resonator

Spectral Resonator

Ableton Live 11 – Spectral Resonator

Wer das Resonator-FX von AL kennt, wird sofort wissen, in welche Richtung dieser Effekt geht. Das klangliche Ergebnis hört sich sehr nach einer einzelnen Stimme des Resonator-FX an – mit einem Unterschied: Die Tonhöhe kann direkt über MIDI-Noten gesteuert werden. Damit hat man ein spielbares Resonator-FX, auch ganz nett. Wenn man jetzt noch einen MIDI-Splitter davor schalten würde und mehrere dieser Spectral Resonator gleichzeitig ansprechen täte… Also eigentlich gehört dieser Effekt gleichzeitig auch in die Instrumente-Kategorie.

Spectral Time

Spectral Time

Ableton Live 11 – Spectral Time

Diesen Effekt finde ich wieder interessanter. Oberflächlich einfach ein Delay, wartet es mit einer Freeze-Funktion auf, die man sowohl manuell, als auch über einen Envelope-Trigger auslösen kann. Wem das noch nicht genügt, der kann das Freezen auch rhythmisch vornehmen lassen: freischwingend oder auf die BPM synchronisiert. Die eigentliche Besonderheit von Spectral Time ist ein Frequencyshifter im Feedback-Pfad – damit bekommt man diese auf- bzw. absteigenden Shimmer-Delays hin. Am besten hat mit Spectral Time im Zusammenspiel mit Flächen und Ambient-Drohnen gefallen.

Chorus-Ensemble und Phaser-Flanger

Auch die beiden Effekte sind neu und bieten eine Kombination der namensgebenden Effekte.

PitchLoop89

Ableton Live 11 - PitchLooop89

Ableton Live 11 – PitchLooop89

PitchLoop89 ist ein mit dem guten Robert Henke gemeinsam entwickeltes Plug-in, das prinzipiell auf einem mittlerweile obskuren Effekt-Gerät aus den 80ern beruht, dem Publison DHM 89. Aber Herr Henke wäre nicht er selbst, hätte er nicht hier und da noch ein paar Zuckerschlecken eingebaut. An dieser Stelle lasse ich mal die offizielle Kurzbeschreibung von der Ableton-Hilfe zu Wort kommen:

Der Effekt besteht aus zwei unabhängigen Pitch-Shifter-Delays. Die Tonhöhenänderung des Pitch-Shifters wird durch Einsatz des digitalen Pendants einer Bandschleife mit einem Aufnahmekopf und zwei beweglichen Wiedergabeköpfen erreicht. Es wird immer nur ein kleiner Zeitabschnitt abgespielt, dann springt das Delay wieder zurück zum Anfang des Segments. Die Position und Bewegung der virtuellen Wiedergabeköpfe bestimmt den Klangcharakter des Pitch-Shifters und auch des Delays insgesamt.

Der PitchLoop89 enthält auch ausgeklügelte Freeze-, bzw. eher Loop-Funktionen. So ist der Effekt in der Lange, selbstständig die besten Crossfades zu finden, wenn die Loop-Funktion aktiviert ist. Zusätzlich dazu kann man noch die Crossfade-Länge bestimmen und und und. Alles in allem eine rech vergnügliche Angelegenheit, bei der man wieder viele interessante Klänge entdecken kann.

Dillon Bastan – Inspired by Nature, Instrumente und Effekte

So richtig experimentell in Ableton Live 11 wird es mit den Plug-ins von Dillon Bastan, der auch schon einige hervorragende andere Max4Live-Plug-ins kreiert hat (macht euch auf eine überwältigende Erfahrung gefasst: das Web wie es sein sollte! Website Dillon Bastan)

Gleich sechs seiner Kreationen haben es in das offizielle Release von Ableton Live 11 geschafft. Allen gemeinsam ist, dass sie in irgendeiner Form auf „natürlichen“ Vorgängen beruhen, sei es nun die Ausnutzung der Gravitations- oder Elektrodynamischen Gleichungen für die Festlegung zeitlicher oder örtlicher Ereignisse, kurz: ein Partikelsystem, oder der fraktalen Struktur eines Baumes. Was soll das nun heißen?

Vectror Grain Force Field

Ableton Live 11 – Ja, wo laufen sie denn? Vector Grain Force Field

Nun, im Instrument Vector Grain z. B. kann man ein Vektorfeld anlegen, so wie es z. B. Magnetfelder bilden, um bestimmte Grain-Parameter wie Abspielgeschwindigkeit oder Grain-Size zu beeinflussen. Dargestellt wird das durch in diesem Feld wandernde Bälle. Zwischendurch kann man auch beherzt zu den Bällen greifen und diese mit der Maus durchschütteln um eine Veränderung der Parameter zu erreichen.

In dieser Übersicht ist es unmöglich auf jedes der Instrumente detailliert einzugehen. Denn allein der Vector Grain könnte einen eigenen Testbericht bekommen. Es geht nämlich noch viel mehr, z. B. Modulationsquellen, die sich auf X- und Y-Position, Geschwindigkeit, Größe und Masse der bewegten Bälle beziehen. Diese können dann wiederum zehn Modulationszielen zugeordnet werden, usw. Deswegen nur noch ein kleiner Abriss der restlichen Dillon Bastan Effekte.

Vector FM und Vector Delay sind vom Prinzip ähnlich aufgebaut, was den Vector-Teil angeht; auch hier gibt es ein Partikelsystem, es steuert jedoch respektive eine FM-Klangerzeugung oder ein Delay. Gerade beim Vector-FM darf man sich auf derbe Noise-Orgien gefasst machen – das zwiebelt rein bis die Ohren tränen. Das Delay wiederum glänzt beim Erzeugen subtiler Klangwelten, die sehr gut für Ambient-Kreationen zu nutzen sind.

Vector Delay

Ableton Live 11 – Vector Delay von Dillon Bastan

Tree Tone“ nutzt fraktale Gleichungen um Töne erzeugen, auf Knopfdruck wachsen neue Strukturen, die Grundlage für die Tonabfolgen sind, die sich auch in vorbestimmte Tonarten und -leitern quantisieren lassen. Parameter wie „Wind“ schütteln dann das erzeugt Bäumchen virtuell durch und sorgen für Abwechslung in der Notenfolge.

Ableton Live 11 - Tree Tone

Ableton Live 11 – Tree Tone

Schlecht zu beschreiben – einfach mal die 90-Tage Testversion von Ableton Live 11 ausprobieren (die neuen Max4Live-Geräte sind übrigens auch mit Live 10 kompatibel).

Bouncy Notes“ lässt wieder die Bälle hüpfen, und zwar so dass sie auf einer Klaviatur landen und MIDI-Noten erzeugen. Wieder gibt es verschiedene physikalische Parameter, die Einfluss auf das geschehen nehmen.

Bouncy Notes

Ableton Live 11 – Bouncy Notes

Emit“ ist ein Grain-Synth, in dessen Herzen Phase-Vocoder-Synthese dafür sorgt, Samples zu zerhacken und in verschiedenen Geschwindigkeiten wiederzugeben, ohne dass die Tonhöhe geändert werden muss. Man stellt in einem Spektogramm Wände auf und lässt zwei Emitter kleine (das letzte Mal, versprochen) Bällchen aus einer kreisrunden Fläche verschießen.

Dillon Bastan Emit

Ableton Live 11 – Dillon Bastan Emit

Diese prallen dann von den Wänden ab und durchforsten so die Frequenz- und Amplitudeninformationen des Samples – ein großer Spaß, der an Arcade-Klassiker erinnert; allerdings nicht CPU-seitig – Emit frisst ganz schön an den Rechnerressourcen.

Neue Soundpacks

Neue Soundpacks gibt es auch und zwar diesmal von der Sample-Edelschmiede Spitfire Audio (wer deren kostenlose LABS- Serie noch nicht kennt, sollte sie sich unbedingt einmal anhören). Konkret wurden drei Sample-Packs beigesteuert: Brass Quartet, String Quartet und Upright Piano. Alle drei Packs sind eher von der intimeren Sorte und eben nicht auf bombastischen Orchesterklang ausgelegt. Allerdings ziehen die Packs ganz schön an den Ressourcen, sofern man die Sample-Banks auf einer regulären HD speichert.

Das Upright-Piano schafft es bei gehaltenem Sustain-Pedal meinen Rechner in die Knie zu zwingen, die ca. 50MB/s von der externen HD scheinen da wohl nicht mehr zu reichen. Auch die CPU hat da ordentlich zu knabbern, aber anscheinend kommt man mit einem 2014er MacMini heutzutage nicht mehr so weit (und das bei einer Puffergröße von 256 Samples). Dabei fällt übrigens auf, dass die Auslastungsanzeige nun detaillierte Informationen über momentanen und durchschnittlichen CPU-Verbrauch liefert.

Aussagekräftige Auslastungsanzeige

Aussagekräftige Auslastungsanzeige

Die Belastung lässt sich aber durchaus erklären, denn das String-Quartet bietet fünf verschiedene Spieltechniken an, welche on-the-fly umgeschaltet werden können: Super Sul Tasto, Flautando, Normale, Sul Pont und Tremolo. Vom Klang her gibt es keine Abstriche, wer Spitfire Audio kennt, weiß: hier bekommt man nur allerbeste Qualität angeboten – eine SSD-Platte ist aber beinahe Pflicht, möchte man diese Sample-Packs vernünftig nutzen können.

Natürlich hat die CPU-Auslastung meine Neugier geweckt, ob Ableton Live 11 nun grundsätzlich wesentlich mehr CPU verbraucht. Dazu habe ich ein kleines Testprojekt aufgesetzt, mit vier Sampler Instanzen, die jeweils zwei Effekte spendiert bekommen haben. Ergebnis: ich konnte keine Signifikanten Veränderungen feststellen. Vielleicht hat Ableton Live 11 1 oder 2 % mehr CPU verbraucht, das kann aber auch an der responsiveren Anzeige liegen.

Als letztes seien hier noch die drei Ableton-Packs in der Curated-Edition erwähnt, die hauptsächlich ein bestimmtes Genre abdecken sollen: „Voice Box“, „Mood Reel“ und „Drone Lab“ versorgen einen mit insgesamt über 7 GB an frischen Samples für eigene Produktionen.

Kurzes Wort zu den Beispielen

Im Beispiel „Ableton Live 11 – So viel FX wie Möglich“, habe ich versucht so viel von den neuen FX und Sounds einzusetzen wie möglich; es handelt sich ausdrücklich nicht um ein kompositorisches Meisterwerk. Für leite die gerne lauschen, während sie lesen, habe ich deswegen noch die Anfangs-Drone aufgebläht und eingestellt. Die „Emit Drone“ wurde natürlich mit dem Grain-Synth-Emit erstellt und Bouncy Notes Drone generiert die Noten für ein Operator-Preset.

Fazit

Um auf die eingangs erwähnte Frage einzugehen – ja, ich denke der große Versionssprung auf Ableton Live 11 war gerechtfertigt. Die vielen Änderungen fühlen sich insgesamt wie ein „neues“ Ableton Live an. Hauptsächlich finde ich das im Comping, in der MPE-Unterstützung und der neuen Darstellung und Handhabung der Clip-Parameter begründet. Sicherlich bergen auch die neuen Effekte kreatives Potential, vor allem die abgedrehten Dillon Bastan FX machen eine Tonne Spaß. Möchte man die Software in einer Band einsetzen, ist die Anschaffung Pflicht, denn die Follow-Option ermöglicht das erste Mal tatsächlich Live live einzusetzen.

Plus

  • Comping
  • verbesserte Clip Funktionen und Ansicht
  • viele neue Effekte und Instrumente
  • Follow folgt Musikern im Tempo

Minus

  • einige der neuen Effekte und Instrumente verbrauchen viel CPU/RAM

Preis

  • Live 11 Intro: 79,- Euro
  • Live 11 Standard: 349,- Euro
  • Live 11 Suite: 599,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Takinu

    Kann mir jemand sagen wo ich so einen Heimstudiotisch wie im Bild ganz oben bekomme?

  2. Profilbild
    llIIllIlIIIlllIIllI  

    „Man kann nicht nur das Laden und Abspeichern dieser Variationen automatisieren (So ist es eben auch möglich die Macro Variations von einem Sequenzer steuern zu lassen), sondern auch die Erzeugung neuer Variations-Slots“

    Diese Funktion hat es leider nicht von der Beta in die Release Version geschafft. Ich hoffe, dass die Automation der Variationen bald wieder Bestandteil von Live 11 sein wird.

    • Profilbild
      Tim  

      Guter Hinweis…. ja viele aus der Szene und auch ich schreien hier eh nach noch mehr. Die Macro Variationen sind leider ohnehin nur halbgar implementiert worden. Diese müssen Morph oder zumindest automatisch sanft ineinander übergehen können. Ich denke ein Morphing Feature und eine feste Clip Zuweisung, sodass man per Clip Launch vom einer in die andere Variation überfährt ist das, was die Dinger erst komplettiert…. das ist dann ein ganz neuer Ansatz für Prduktion mit Automationen…. freue mich total drauf.

      Ableton Live 11 ist spitze. Insgesamt etwas Mau für ein ganzen Versionssprung. Eigentlcih ist es „nur“ ein 10.1 in mein Augen, aber man unterstützt Ableton ja gerne….

      Danke für den Artikel!!

      • Profilbild
        Holden  

        Ganz deiner Meinung! Aufs Comping kann ich verzichten und nur für Chorus und Phaser nicht interessant genug. Die 11 musste wohl wegen Cubase 11 sein. Steinberg legt dann das neue „ohne Dongle-Feature“ als 12er Update auf. Alle bekloppt aber Geld muss ja reinkommen, sonst können bis auf Yamaha/Apple alle dicht machen.

    • Profilbild
      t.goldschmitz  RED

      Hi, llIIllIlIIIlllIIllI !
       
      könntest Du bitte erläutern, wie Du das meinst? Ich habe exakt diese Funktion ausprobiert und sie macht genau das Beschriebene. Im Screenshot sieht man die blau unterlgeten Felder, also alle die man automatisieren kann.
       
      Die Ableton Live 11 Version, die ich zum Test hatte war von der offiziellen Seite heruntergeladen, also keine Beta-Version.

      • Profilbild
        llIIllIlIIIlllIIllI  

        Hallo!
        Ich meine, dass die Snapshots nicht automatisch von Clips oder im Arrangement getriggert werden können. Im Feld „Modulation“ bzw. „Automation“, wo sonst alles vorkommt, was man fernsteuern kann, tauchen die Snapshots nicht auf. Diese Funktion wäre praktisch für Livesets, um automatisch Sounds und Effekte mit dem neuen Clip wechseln zu können. Diese Funktion gab es noch in der Beta und ist dann wegen eines Bugs voräufig raus geflogen. Ich hatte übersehen, dass es noch möglich ist, per Tastaturkommando oder Midicontroller die Snapshots zu wechseln, aber der Workflow wäre noch cooler, wenn das wieder per Clip Automation ginge,

        Anwendungsbeispiel: Man hat ein Liveset mit acht verschiedenen Stücken. Der erste Clip eines Stücks soll dann automatisch ein Snapshot aufrufen.

        • Profilbild
          t.goldschmitz  RED

          Ahh, jetzt verstehe ich Deinen Einwand!
           
          Habs nochmal getestet: auch mit einem internen MIDI-Clip-Routing auf die Macro-Spur funktioniert es nicht. Es funktioniert NUR von einer externen MIDI-Quelle aus, also Keys, Pads oder eben ein Sequencer.
           
          Auch die Bemerkung von @Tim ist hervorzuheben: es gibt kein Morphing zwischen den Macros.

          • Profilbild
            llIIllIlIIIlllIIllI  

            Prima, ist ja auch kompliziert bei den vielen komischen Wörtern, die Ableton sich für die Funktionen ausgedacht hat. Ich finde den Thread leider nicht mehr aber in einem Forum wurde die Email eines Entwicklers zitiert, in dem er genau dieses Feature beschrieb und für die Zukunft ankündigte.

  3. Profilbild
    storyplay

    Danke für die sehr gute Zusammenfassung,
    ich konnte dadurch noch ein paar Sachen entdecken, die ich
    noch nicht auf dem Schirm hatte.

      • Profilbild
        ISE500  AHU

        „Voice Box

        Mit Vocals experimentieren: Voice Box beinhaltet eine umfangreiche Auswahl moderner und mehrstimmiger Vocal-Samples, spielbare Vocal-Instrumente und passende Effekt-Racks für die Klangbearbeitung.“

        Kein Synth im eigentlichen Sinne, dennoch neu in 11 und das einzige, was mich wirklich interessiert an 11.

        • Profilbild
          t.goldschmitz  RED

          Ahh verstehe, Du meinst die Stelle aus dem Test:
           
          „Als letztes seien hier noch die drei Ableton-Packs in der Curated-Edition erwähnt, die hauptsächlich ein bestimmtes Genre abdecken sollen: „Voice Box“, „Mood Reel“ und „Drone Lab“ versorgen einen mit insgesamt über 7 GB an frischen Samples für eigene Produktionen.“
           
          Voices stehen bei mir überhaupt nicht auf der Prioritätsliste, deswegen habe ich das wohl nur in einem Mini-Absatz erwähnt – so hat eben jeder einen anderen Fokus – schön!

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