Test: Access Virus C, Indigo 2 und KC, VA Synthesizer

8. Juli 2002

Back in Black - Virus C

Klappe die Dritte – der Access Virus C

In Alphabetischer Reihenfolge läutet die inzwischen hoch anerkannte Firma Access seine dritte Generation des Virtuell analogen Synthesizers „Virus“ ein. Erstmals auf der Frankfurter Musikmesse präsentiert, gibt sich der Neue in ungewohnt düsterem Outfit.

Form und Farben

Was der Virus A damals noch an Retro-Charme versprühte, und der Virus b in leicht abgeänderter Form fortführte, wandelt sich nun in eine Art von etwas Diabolischem, wie ich es mal überspitzt ausdrücken möchte. Der leicht Böse Charakter entsteht durch die Schwarze Farbe, kombiniert mit den Roten LEDs und dem roten (!) Display, was ich zuletzt beim Yamaha FB01 gesehen habe. Diese Anmut lässt den Virus schon ziemlich wichtig aussehen, und mein erster Gedanke führte mich gar in die Richtung „getunter tiefergelegter Golf II“:-) . Mein zweiter Gedanke stieß mich auf die Erkenntnis, dass die Bedienoberfläche des Access Virus C nun komplett überarbeitet war, und ich den Key-Track Knopf des Filters vergeblich suchte, was mich unnachvollziehbarerweise auf meinen dritten Gedanken führte, wo sich denn nun der digitale Ausgang versteckt habe, den ich doch so gerne gesehen hätte ???

Die Oberfläche des Access Virus C hat einiges an sinnvoller Umgestaltung über sich ergehen lassen. So sind in der Filtersektion drei Potis weggefallen. Dies sind Key-Track und die beiden Sustain-Rise-Potis, wobei ich den Key-Track doch etwas vermisse. Natürlich lassen sich diese Parameter wie gehabt in der Edit-Menü-Struktur anpassen. Der Saturation-Taster ist dem Osc-Volume-Poti hinzugeflossen, was ich sehr begrüße.

Der Bereich der Oszillatoren ist nun so gestaltet, dass es die Bedienelemente nur noch für einen Oszillator gibt, man aber mit den drei OSC -Tastern den zu Bearbeitenden anwählt. Endlich gibt es für die Effekte eigene Potis und die Modulations-Sektion mit den LFOs hat sich ebenfalls sehr zum positiven gewendet. Jede Sektion besitzt nun einen eigenen EDIT-Taster mit dem man direkt das Untermenü aufrufen kann und alle relevanten Parameter am Display editieren kann.

Die neue Oberfläche des Access Virus C halte ich für sehr gut gelungen. Besitzer eines älteren Virus werden sich zwar die Hände etwas verknoten, aber wenn nach ca. einer halben Stunde erst mal die Gedanken neu geordnet sind, läuft alles wie Gewohnt und sogar noch besser :-) ! Aber die just genannten Kritikpunkte möchte ich nicht so streng bewerten wie das neue Display, welches nun wirklich nicht dem gewohnten Standart entspricht. Die Farbe Rot mag zwar für Leute im U-Boot ideal sein, aber im Studio macht sich doch eher Grün gut, zumal das menschliche Auge im grünen Wellenlängenbereich am besten sehen kann. Zudem ist der Sweet-Spot ( ja, den gibt es auch bei Displays ) zu klein, sodass der Kontrast beim Schräg-Von-Vorne-Draufschauen stark abnimmt.

Weitere Modellvarianten Virus Indigo 2 und KB

Access Virus Indigo 2, aus der Virus C-Baureihe

Nicht zu verwechseln mit dem ersten Indigo, der der B-Baureihe entspricht. Der Indigo 1 ist gut erkennbar an dem „handgeschriebenen“ Indigo-Schriftzug rechts unterhalb des VIRUS-Logos.

Access Virus Indigo 1 aus der Virus B Reihe

Zusätzlich gibt es den Access Virus C auch als Keyboard in der Virus KB Varinate.

Und auch die das Virus Rack wurde num um eine Version der C-Baureihe erweitert. Auch hier hat man sich entschieden von einem roten auf ein schwarzes Gehäuse zu wechseln.

Den Indigo 2 gab es außerdem in einer limitierten, schwarzen Version unter dem Namen Redback. Im folgenden Bild hat der Besitzer auch noch die schwarzen Seitenteile gegen Naturholz-Seitenteile ausgetauscht.

Access Virus Redback (Bildnachweis: hem.bredband.net)

Das Virus A-B-C

Konzeptionell hat sich am Access Virus C nichts verändert. Die Devise lautet also „Besser, Mehr, und noch Geiler“ :-) . Hatte der 1997 erschienene Virus A noch maximal 12 Stimmen, so kann der Virus C schon bis zu 32 Stimmen nebst Hall erzeugen. Ein Segen, der uns durch die immer schneller werdenden Prozessoren zugute kommt.

Klangarchitektur

Mit maximal vier Oszillatoren lassen sich schon recht fette Klänge mit dem Access Virus C  programmieren, wem das nicht reichen sollte (z.B. mir :-) ), der kann Dank der erhöhten Polyphonie richtig schick vom Unisono-Mode Gebrauch machen. Dies macht sich vor allem bei breiten Flächen und dicken Leads positiv bemerkbar, aber das ist ja ein alter Hut. Die beiden ersten Oszillatoren können gesyncht werden und sich gegenseitig FM-Modulieren, wie schon in den Vorgänger-Modellen.

Die vier Oszillatoren setzten sich aus den beiden Hauptoszialltoren, dem dritten und einem Sub-Oszillator zusammen. Der Sub-Osc ist immer Slave von Osziallator 1, d.h. er folgt dessen Frequenz, lässt sich aber zwischen Rechteck und Dreieck umschalten. Zusätzlich zu den bekannten Wellenformen kann man sich bei Oszillator 1, 2 & 3 aus 128 „digitalen“ Waves bedienen. Sobald der dritte Oszillator aktiviert ist, verringert sich allerdings die Gesamtpolyphonie des Virus C. Access beschreibt dies so, dass wenn man einen dreistimmigen Akkord mit aktiviertem Oszillator 3 spielt, eine Stimme zusätzlich verbraucht wird, oder einfacher: ein Oszillator 3 verbraucht zusätzlich 1/3 einer Stimme.

Die Oszillatoren werden über die Mix-Leiste (siehe Foto) in die beiden Filter gemischt. Über den OSC VOL Regler wird beim Virus C die Intensität der Saturation (Verzerrung) geregelt. Zusätzlich kann man noch ein in der Klangfarbe veränderbares Rauschen und die Ringmodulation der ersten beiden Oszillatoren hinzumischen.

Die beiden Filter des Access Virus C können seriell und parallel verschaltet werden. Zudem gibt es noch eine spezielle Split Schaltung in der Noise und Osc 2 auf den einen Filter und Suboszillator und Osc 1 auf den zweiten Filter geroutet werden können.

Die beiden Filter können wahlweise getrennt oder gemeinsam geregelt werden. Zwei ADSTR Hüllkurven, drei LFOs und eine sechsfache Modulationsmatrix komplettieren das Bild. Architekturmäßig ist der Virus also allumfassend ausgerüstet, hier bleiben keine Wünsche mehr offen.

Effekte

Eine derart großzügige Ausstattung in Punkto Effekten kommt eigentlich immer gut an, vor allem, wenn man die Effekte als Bestandteil von Klängen nutzen und speichern kann. Während Delay, Vocoder (ja, gibt es auch ! ) und Reverb nur global, d.h. nur einmal für den ganzen Virus zur Verfügung stehen, gibt es die Effekte Distortion, Phaser, Analog Boost und Chorus gleich 16-Fach, und das für jeden Multimode-Part.

Es ist allerdings zu beachten, dass Delay und Reverb nur alternativ zur Verfügung stehen. Die Editierung der Parameter lässt sich gegenüber dem Echtzeitzugriff über die dezidierten Potis auch detaillierter über das Display durchführen. Klanglich sind vor allem die Modulationseffekte hervorragend und tragen viel zum Gesamtklang des Virus C bei. Während man beim Delay kaum etwas falsch machen kann, muss ich auch den Hall loben, der ebenfalls sehr gut gelungen ist. Natürlich ersetzt er keinen guten externen Hall, soll er ja aber auch nicht. Als besonderes Schmankerl gibt es zusätzlich noch pro Part einen dreibandigen Equalizer mit vollparametrischen Mitten. Dies halte ich für extrem sinnvoll, wenn man den Virus im Multimode benutzt. Auch die Speicherung aller Effekte pro Klang begrüße ich sehr. So lassen sich im Zusammenspiel mit den Effekten komplette produktionsfertige Klänge archivieren. Weiter unten in den Klangbeispielen können Sie sich selber ein Bild von den Effekten machen.

Arpeggiator

Mit sechs verschiedenen Modi (Up, Down, Up&Down, AsPlayed, Random und Chord), und einer mitunter lustigen Swing-Funktion :-) kann auch der Arpeggiator des Access Virus C überzeugen, auch wenn er sich auf die nötigsten Parameter beschränkt. Hier könnte ich mir noch einiges Vorstellen, was diesen Bereich des Virus C noch aufwerten könnte, z.B. die Möglichkeit über einen Editor eigene Patterns zu erstellen. Die Verfügbarkeit für jeden der 16 Parts möchte ich jedoch noch löblich erwähnen.

Statt der Holzseitenteile, lassen sich am Virus Desktop auch Rackwinkel anbringen.

Klang

Wer den Klang des Virus nicht kennt, sollte vielleicht einfach mal Sunshine Live ´reintunen ( Über Astra Tonunterträger bei Pro 7) und spätestens das dritte Lied besteht zu einem viertel aus Virus A, B oder vielleicht auch schon C. Vor allem die beiden exzellenten Filter packen ordentlich zu, und drücken schön aufs Trommelfell, wenn es darauf ankommt. Der Sound ist entgegen den Strahlemännern JP8000, Nord-Lead recht kernig und rau, was vor allem den härteren Gangarten der Musik entgegenkommt. Der Virus C kann aber auch anders, klingt aber nie zu höhenbetont. Die 1024 Presets lassen sich durch die auf der Access-Homepage angebotenen Klänge austauschen, wobei der mitgelieferte Emagic Sounddiver hilft. Eine Gruppen-Struktur hilft beim finden von Klängen. Verschiedene Klang-Kategorien, wie z.B. Pad oder Lead können Klängen zugewiesen werden.

Anschlüsse

Hier ist alles beim alten geblieben. Drei Stereo Outputs und ein Stereo Line Eingang zur Bearbeitung externen Materials müssen neben dem MIDI-Trio reichen. Ich denke im Zeitalter der digitalen Mischpulte hätte dem Virus ein digitaler Ausgang gut zu Gesicht gestanden, es muss ja nicht gleich ein ADAT-Ausgang mit Word-Clock sein, aber über so einen kleinen koaxialen SP/DIF-Ausgang hätte ich misch schon gefreut wie ein Schneekönig :-).

Klangbeispiele

Der kleine Track ist für den Virus C standesgemäß trancig gehalten und gibt einen guten Eindruck vom Gesamtklang. Bis auf die Drummings entstammen alle Klänge vom Access Virus C.

YouTube Demo

Fazit

Seit dem Ur-Virus hoch gelobt, führt der Virus C die Access-Reihe fort…..
Dicke Bässe, fette Leads, breite Flächen ….. aus dem Virus kann man so ziemlich alles in bestechender Qualität herausholen. Mit den 32 Stimmen und dem Multimode, den Effekten und den Equalizern ist man fast schon soweit eine komplette Elektronik- Produktion aus nur einem Virus herauszukitzeln. Die konsequente Weiterentwicklung der Virus-Reihe bringt durch die zusätzlichen Features neue Klangmöglichkeiten und eine höhere Integration. Ob sich der Aufstieg von Virus A oder B für den Einzelnen lohnt, ist eine Frage, ob jeder individuell die neuen Möglichkeiten braucht. Der Grundklang ist jedenfalls immer ein Virus, auch wenn man durch die internen EQs des „C“ noch edlere Klänge erstellen k ann.
Vielleicht gibt es dann im Virus D (D wie digital) digitale I/Os und noch mehr Features, wobei es in diesem hochgezüchteten Stadium des Virus C schon wirklich schwer fällt noch mehr Ansprüche zu haben. Alles in Allem ist der Virus C ein professioneller Synthesizer, der neben hervorragendem Klang auch durch eine sinnvoll durchdachte Benutzeroberfläche besticht.

Plus

  • Sehr guter Klang
  • Umfassende Anzahl an Effekten
  • Betriebssystemupdates
  • Sourround -Klang möglich

Minus

  • Keine digitalen Anschlüsse
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    4damind

    Sehr guter Hardwaresynth, besitze den Virus XL seit einigen Jahren (Rack, erweiterte C Version mit Vocoder).
    Anfänglich gab es allerdings auch Probleme mit dem Update auf OS6, was natürlich ärgerlich war. Das ist aber Vergangenheit und der Virus summt wie ein Bienchen ;)

    Viele bekannte Topacts im Trancebereich nutzen den Virus als Bass und Leadlieferant. Aber er ist natürlich in allen Bereichen zu Hause und manchmal hört man ihn auch recht gut heraus (z.B. bei Faithless).

    Heute würde ich eher den TI holen bzw. werde auch irgendwann auf den TI oder den Nachfolger wechseln, alleine wegen der besseren Integration in die DAW. Trotzdem ist der Virus C immer noch eine Empfehlung, insbesondere weil er natürlich auch heute günstiger in der Anschaffung ist als z.B. ein TI.

    Bei den virtuell analogen Synthesizern spielt der Virus jedenfalls in der Königsklasse.

  2. Profilbild
    Sebastian B.

    Es ist erstaunlich, was aus dieser kleinen Kiste alles kerauskommt! Und das alles auf so einer kleinen Platine im Inneren…
    Mein Gerät ist nun schon betagter, und es zeigen sich zwei Mängel: die Seiten-Teile sind mit einem dünnen Gummi-Überzug versehen, die schnell unansehnlich werden (ein leichtes Kratzen mit dem Finger reicht schon), sowie die Potis. Sie sind nicht mit dem Panel verschraubt und sind in sich bei meinem Gerät schon ziemlich locker, obwohl ich behutsam schraube. Virus-C-Neulinge sollten sich auf eine etwas undurchsichtige Hardware-Bedienung einstellen; ich denke, hier waren die A- und B-Modelle einfacher. So versuche ich z.B. bis Heute den 3. OSC isoliert zu bearbeiten. Man tappt im Dunkeln, kommt aber dann irgendwann an sein Ziel.

  3. Profilbild
    Sebastian B.

    Vielleicht noch eine Ergänzung zum Klangcharakter. Ist nur meine subjektive wahrnehmung. Der Virus besitzt eine eigenständige Klangwelt, die man aber nicht unbedingt sofort heraushört. Er gehört meiner Meinung nach zu den Synthies, welche das größte Spektrun haben, sämtliche Klangideen zu verwirklichen. Inklusive akustische Instrumente. So würde es mich nicht wundern, wenn ein Programmierer auch ein authentisches „Grand Piano“ hinbekäme.
    Der Klang ist generell plastisch bis trocken, trotz interner guter Effekte. Zum Vergleich der Klang eines ESQ-1 oder einer TR-909, welche halt ziemlich „saftig“ klingen. Mir fällt keine Alternative zum Virus ein. Ich wünschte, die Virus-Reihe würde immerzu weitergebaut.
    Noch toller wären mehr Potis und Taster bei gleichem Funktionsumfang.

  4. Profilbild
    Nikos Puschmann

    Der Virus C hat jetzt schon einige Jahre auf dem Buckel, aber er kann trotzallem noch immer ganz vorne mitmischen. Seine Sounds klingen auch heute noch brandaktuell und er bringt diesen ganz gewissen Charme beim Spielen mit.

    Ich kann eigtl kaum über Nachteile klagen. Er lässt sich nicht so super in eine DAW integrieren wie ein TI. Gerade, wenn man mehrere Virus sounds gleichzeitig bearbeiten will, so muss man sich doch einige Umwege einfallen lassen, die ich aber gerne in Kauf nehme.4

    Ab und an hab ich das Problem, dass die Sounds einen extremen Release besitzen. Voll bis zum Anschlag gestellt. Wenn ich dann am Release-Regler drehe, dann ändert er sich zwar, allerdings fadet der Sound nicht aus (Die lautstärke geht schlagartig von 100 auf 0). Ein kurzer Reset hilft aber und dann tritt es in einer session eigtl nicht mehr auf. Meist nur nach einem Start.

    Trotzdem. Die damals 600€ waren und sind noch immer fantastisch angelegt :)

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