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Test: Analogue Pocket Gameboy und Nanoloop Synthesizer

Der Luxus Gameboy: Analogue Pocket und Nanoloop

15. Juni 2022

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Ja, mit dem Gameboy ist es möglich, Musik zu machen. Dazu werden Programme benötigt, denn der Gameboy ist nichts anderes als ein kleiner Computer. Die bekanntesten Programme sind Nanoloop und Little Sound DJ, die unabhängig von Nintendo entwickelt und vertrieben werden. Dieser Artikel wird sich auf Nanoloop konzentrieren. Die kanadische Firma Analogue hat sich dazu entschlossen, den Gameboy in verbesserter Form nachzubauen. In dieser Konsole ist Nanoloop schon integriert und deswegen muss man das Programm nicht extra erwerben. In der Werbung wird mit dem Analogue Pocket die musikmachende Zunft direkt angesprochen. Auf dem Fotos wird er neben einem Moog Voyager präsentiert. Ob man den Analogue Pocket wirklich zum Musikmachen braucht oder ob es sich nur um ein Gadget handelt, könnt ihr nach lesen des Testberichts selber entscheiden.

Kurze Nintendo Gameboy Geschichte

Der Nintendo Gameboy war nicht die erste mobile Spielkonsole und verfügte auch über keinen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz. Der Nintendo Gameboy war billiger und verfügte über eine längere Batterielaufzeit. Diese Features reichten aus, um den Atari Lynx aus dem Rennen zu schlagen, obwohl dieser über einen farbigen Bildschirm verfügte.

Für mich war der Gameboy sensationell, weil man ihn mit neuen Spielen füttern konnte, die sich auf ROM-Karten befanden. Im Laufe der Jahre sind immer wieder neue mobile Spielsysteme von unterschiedlichen Herstellern entstanden. Zuletzt erfreute sich die Switch von Nintendo größter Beliebtheit, auf der man mit dem Programm Korg Gadget musizieren kann.

Der Analogue Pocket und der Unterschied zur Konkurrenz

Die Idee, den Gameboy zu klonen, ist nicht neu. Viele Hersteller bauen den Gameboy nach, um auf ihm die alten Spiele zu spielen und den Kunden vom Gebrauchtmarkt unabhängig machen. Es ist sogar möglich, die ROMs der Spiele mit Emulatoren auf dem PC zu spielen.

Bei diesen Lösungen handelt es sich jedoch nicht um Nachbauten eines Gameboy, sondern die Spiele werden mit Emulatoren spielbar gemacht. Der Analogue Pocket basiert auf der FPGA-Technologie. Dieser erlaubt es, die unterschiedlichen Gameboy Chips auf einem Altera Cyclone V FPAG Chip nachzuahmen. Spiele werden nicht nur spielbar gemacht, sondern die Schaltung eines Gameboys wird nachgeahmt und ein reales Gameboy Feeling erzeugt. Doch Analogue nutzt diese Technologie nicht nur, um Gameboys wiederzubeleben, sondern mit speziell erhältlichen Adaptern ist auch möglich, Game Gear, Neo Geo Pocket, & Atari Lynx Systeme spielbar zu machen.

Der größte Vorteil des Analogue Pocket liegt in dem hochauflösenden Display, von dem später noch die Rede sein wird. Viele Anschlüsse, die hervorragende Verarbeitung machen den Analogue Pocket zu einem Gameboy der absoluten Luxusklasse. Mit dem integrierten Programm „Gameboy Studio“ ist es möglich, Spiele zu entwickeln.

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Gründe für ein Analogue Pocket

Warum sollte ich mir einen Analogue Pocket kaufen, wenn auf dem Gebrauchtmarkt Gameboys ohne Probleme erhältlich sind? Die Gameboys sind alt und das kann den Spaß beim Musizieren vermiesen. Die Modelle der ersten Generation verfügen über keine Hintergrundbeleuchtung und lassen sich nur unter bestimmten Lichtbedingungen gut ablesen. Für Brillenträger sind sie ein Augenkiller. Es besteht die Möglichkeit, Gameboys nachrüsten, aber es ist zu bedenken, dass nicht jeder Musiker oder jede Musikerin über die Fähigkeiten verfügt, einen Gameboy nachzurüsten.

Der Markt für gebrauchte Gameboys und seine Spiele hat sich in den letzten Jahren verteuert, weil sie Kult- und Sammler-Objekte geworden sind. Wer einen Gameboy der ersten Generation in der Originalverpackung erwerben möchte, muss einen dreistelligen Betrag hinlegen. Die Preise für gebrauchte Gameboys schwanken je nach Erhaltungszustand. Diese Konsolen wurden meistens von Kindern benutzt und daher wurden sie oftmals nicht pfleglich behandelt und können über Defekte verfügen.

Auf dem Analogue Pocket ist Nanoloop vorinstalliert. Es ist also nicht mehr notwendig, eine Karte bei Nanoloop zu ordern. Diese Version von Nanoloop wurde der Bedienung des Analogue Pocket angepasst, unterscheidet sich kaum von der bisher erhältlichen Version 2.8. Nanoloop Nutzer, die auf dem Analogue Pocket umsteigen, werden kaum auf Probleme treffen.

Verarbeitungen und Funktionen des Analogue Pocket

Der Analogue Pocket ist erstklassig verarbeitet. Er befindet sich in einem Plastikgehäuse, das in weißer und schwarzer Ausführung erhältlich ist. Die typischen Gameboy-Bedienelemente entsprechen denen eines Nintendo Gameboy. Anschlussseitig findet sich ein Minijack-Output und ein USB-C Anschluß. Auf der linken Seite befindet sich ein microSD-Schacht. Unterhalb der Konsole wurde der klassische Link-Anschluss angebracht, der zur Synchronisation von mehreren Gameboys notwendig ist. Auf der linken Seite befinden sich drei Knöpfe. Einer schaltete das Gerät ein und die zwei anderen regulieren die Lautstärke des Analogue Pocket.

Auf der Rückseite befindet sich der Schacht, um Gameboy ROM-Karten aller Generationen aufzunehmen (Gameboy, Gameboy Color, Gameboy Advance). Hinten sind zwei Taster angebracht, um Spiele der Gameboy Advance Serie zu kontrollieren. Auch diese Taster lassen sich sehr gut greifen. Haptisch hat Analogue alles richtig gemacht. Die Größe erinnert an den Nintendo Gameboy und das Gewicht liegt angenehm in der Hand.

Der größte Unterschied zu einen Nintendo Gameboy wird deutlich, wenn man den Analogue Pocket einschaltet. Der Screen des Analogue Pocket ist einfach der Hammer. In dieser Auflösung und Schärfe ist kein Gameboy oder einer seiner Clone vorhanden und daher macht die Bedienung gleich doppelt so viel Spaß. Der Analogue Pocket bietet die Möglichkeit, den Screen in verschiedenen Farben darzustellen. Es gibt sogar einen Modus, der den grünen Hintergrund des Nintendo Gameboy ermöglicht und die typischen Streifen hinzufügt. Das hochauflösende Display verfügt über 1.600 x 1.440 Pixel auf 3,5 Zoll (614 PPI).

Für das Musizieren ist es wichtig, dass man alle Informationen von Nanoloop gestochen scharf auf dem Screen präsentiert bekommt. Wer mit einem originalen Gameboy musizierte, weiß, dass diese nicht augenfreundlich sind. Jetzt ist es eine Freude, auf den Bildschirm zu blicken.

Der Nintendo Gameboy konnte nur Spiele abspielen. Eine Menüführung war nur vorhanden, wenn diese in der Einstellung des jeweiligen Spiels integriert war. Der Analogue Pocket verfügt über ein Menü, um grundlegende Einstellungen vorzunehmen.

Für Musiker ist wichtig zu erwähnen, dass sich der Mini-Jack-Audioausgang auf eine niedrige Impedanz umstellen lässt. Die technischen Vor- und Nachteile diese Features lassen sich endlos diskutieren, daher gebe ich hier nur meinen Höreindruck wieder, wie Analogue Pocket im jeweiligen Modus klingt. Bei niedriger Impedanz gewinnt das Signal an Höhen. Es klingt knackiger und mehr Details werden hörbar. Wenn der Modus ausgeschaltet wurde, klingt das Signal ein bisschen dumpfer und verfügt nicht mehr über so eine starke Durchsetzungskraft. Aufgrund von fehlenden Höhen sind weniger Störgeräusche wahrnehmbar, die bei der Gameboy Klangerzeugung auftreten und den Charme des Sounds ausmachen.

Da es in diesem Test des Analogue Pocket vor allem um das Musizieren geht, werde ich nicht weiter auf Vor- und Nachteile der Gaming-Welt eingehen. Videos, die sich mit dieser Frage beschäftigen, gibt es in den sozialen Netzwerken zu Genüge. Nur so viel soll gesagt sein: Spielen kann man mit dem Analogue Pocket sehr gut.

Das Analogue Pocket Dock

Das Analogue Pocket Dock wird benötigt, um den Analogue Pocket an einen Bildschirm anzuschließen. Mein Plan war es, mithilfe des Docks Nanoloop auf einem großen Bildschirm anzeigen zu lassen. Leider verfügt das Dock über keinerlei Audioausgang und der Kopfhörerausgang des Analogue Pocket wird beim Einsetzen in das Dock verdeckt. Das Dock wird per HDMI an einen Bildschirm angeschlossen, worüber auch Audio übertragen wird. Man ist demzufolge auf den Audioausgang des Bildschirms angewiesen, sofern dieser über einen solchen verfügt.

Da ich keinen Fernseher besitze und meine Bildschirme auch nicht über Audioausgänge verfügen, ist das Dock für meinen Anwendungsbereich überflüssig. Es ist nützlich, wenn man mit dem Analogue Pocket auf einem großen Bildschirm Gameboy-Spiele zocken möchte. Trotz aller Bemühungen, den Bezug zur musizierenden Zunft herzustellen, wurde der Analogue Pocket als Spielkonsole ausgelegt, die im Wohnzimmer Spaß bereiten soll. Beim Musizieren kann das Dock nur unter bestimmten Bedingungen hilfreich sein. Achtung: Beim Einsatz mit dem Dock wird ein Gaming-Controller benötig. Das Dock ist Bluetooth-kompatibel. Damit können kabellose Controller genutzt werden. Leider ist nicht jeder Controller mit dem Dock kompatibel. Eine Liste der kompatiblen Controller fbeindet sich auf der Analogue Website.

Einen Analogue Pocket kaufen

Analogue hat einen Nerv getroffen. Nachdem der erste Batch in ihrem Online-Shop freigeschaltet war, dauerte es 15 min, bis er ausverkauft war. Ich war einer der Glücklichen, der seine Bestellung in diesem Zeitfenster platzieren konnte. Doch dann kam Covid und die Chip-Krise, was die Auslieferung massiv verzögerte. Ich wartete ca. 1,5 Jahre. Jetzt getätigte Bestellungen werden 2023 ausgeliefert. Wenn man mit Nanoloop ernsthaft und langfristig arbeiten möchte, lohnt sich die Investition und Wartezeit. Seit der erste Gameboy erschienen ist, sind über 30 Jahre vergangen und diesen Vorsprung der Technik und Verarbeitung kann ein originaler Gameboy nicht bieten.

Der Audioausgang klingt sauber und kann damit guten Gewissen in einem professionellen Setup eingesetzt werden. Der Preis ist mit 219 $ nicht unbedingt preisgünstig. Zoll, Versand, Sync-Kabel und sonstiges Zubehör müssen in die Kalkulation einberechnet werden. Musiker oder Musikerinnen mit einem Hang zu Retro-Games können am besten von einem Analogue Pocket profitieren, da der Analogue Pocket alle Gameboy ROM-Karten von Gameboy, Gameboy Color und Gameboy Advance abspielt. Mir wurde eine Karte ausgeliehen, auf der sich ROMs von 2000 Gameboy-Spielen befanden. Ich kann berichten, dass sich diese Karte auf dem Analogue Pocket abspielen ließ.

Eine kurze Nanoloop Geschichte

Nanoloop wurde von Oliver Wittchow entwickelt und 1998 veröffentlicht. Mit seiner ROM-Karte ist es möglich, auf die Klangerzeugung des Gameboys zuzugreifen, um synthetische Klänge zu erzeugen und Musik zu machen. Sofort denkt man an Chiptunes. Doch Nanoloop ist in der Lage, weitaus interessantere Sounds zu erzeugen.Von Nanoloop existieren verschiedene Versionen. Es sind auch Versionen für die unterschiedlichen Gameboys entstanden. Mittlerweile existiert sogar eine Nanoloop App für iPhone und iPad. Zuletzt finanzierte Oliver Wittchow über Kickstarter einen Nanoloop Scheckkarten-Synthesizer.

Der Nanoloop Test auf dem Analogue Pocket

Nach dieser Einführung wird es Zeit, die Möglichkeiten von Nanoloop zu untersuchen.
Nanoloop ist in der Lage, mehr als nur den typischen 8 Bit Sound eines Gameboys zu erzeugen. Es ist faszinierend, dass die Synthese interessante Sounds ermöglicht, die nicht an Chiptunes erinnert. Man würde viele Sounddesign-Möglichkeiten auslassen, wenn man sich nur auf diesen Musikstil konzentrieren würde. Wer die Sounds und Melodien seiner Lieblingsspiele wiederauferstehen lassen möchte, dem steht dieser Weg dennoch offen.

Die grundsätzliche Bedienung von Nanoloop

Die Funktionen werden mit Tastenkombination aufgerufen, die im Nanoloop Handbuch hinterlegt sind. Dies ist wahrscheinlich die größte Hürde beim Erlernen von Nanoloop. Die Tastenkombinationen müssen im Gedächtnis abgespeichert werden, wenn musikalische Ergebnisse erzeugt werden sollen. Nanoloop erinnert hier tatsächlich an ein Computerspiel. Bei vielen Gameboy Spielen müssen Tastenkombinationen im richtigen Moment abgerufen werden, um Funktionen auszulösen, die zum Sieg verhelfen. Der klassische Gameboy verfügt über Links- und Rechts-Tasten sowie ein Steuerkreuz. Um unterschiedliche Menüs aufzurufen, sind die Start- und Select-Taste wichtig.

Die Klangerzeugung von Nanoloop

Nanoloop verfügt über 4 Kanäle. Die Kanäle wurden R, L, S, N genannt. Bei R und L handelt es sich um eine monophone PWM/FM-Schwingungsform. L, R und S erzeugen gefilterte Rechteckschwingungsformen mit variabler Pulsbreite oder FM mit variabler Modulationsstärke und Modulationsfrequenz. S belegt eine polyphone PWM/FM-Schwingungsform und N steht für Rauschen.

Die Menüs von Nanoloop

Nanoloop verfügt über uzwei Menüs. Zwischen beiden Menüs kann mit einer Tastenkombination gewechselt werden. Im ersten Menü finden sich die Entstellungen für die Synthese und den Sequencer. Das zweite Menü wird benötigt, um auf die Patterns, die Abspielrichtung der Patterns und die Pattern-Länge zuzugreifen. Außerdem findet sich hier der Songmodus und Einstellungen für Tempo, Synchronisation und Abspielgeschwindigkeit.

Der Sequencer und Synthesizer

Nanoloop verfügt über 4 Spuren und jede Spur verfügt über 16 Steps. Die Steps werden als Rechtecke dargestellt und sind in einer 4×4-Matrix angeordnet. Jeder Step lässt sich individuell bearbeiten oder es lassen sich alle gleichzeitig bearbeiten. Jeder Spur ist eine Schwingungsform zugeordnet, die im oberen linken Bildschirmrand angezeigt wird. Die unterschiedlichen Synthesefunktionen werden in den Rechtecken der Steps dargestellt. Wenn im Menü Noten ausgewählt wurden, werden diese mit Buchstaben angezeigt. Andere Darstellung sind abstrakter und müssen erlernt werden.

Jeder Step ermöglicht vollen Zugriff auf die Synthesizer Sektion. Dadurch ist es möglich, pro Step einen unterschiedlichen Sound in Abhängigkeit der ausgewählten Schwingungsform zu erzeugen. Das ist wichtig zu erwähnen, weil jede Schwingungsform über besondere Modulationseinstellungen verfügt. Die individuellen Einstellungen pro Step ermöglicht es, beispielsweise mit dem Rauschen offene und geschlossene HiHats in der gleichen Sequencer-Spur zu erstellen.

Die 3 monphonen Schwingungsformen unterliegen den üblichen Beschränkungen. Wenn ein neuer Step beginnt, wird der vorherige Step abgeschnitten, egal wie lang seine Release-Zeit war. Dies ist aber kein spezifisches Nanoloop Problem, sondern liegt in der Natur der monophonen Klangerzeugung. Leider verfügt Nanoloop nur über eine polyphone Schwingungsform. Die Funktionen werden im Folgenden genauer betrachtet.

Volume, Envelope

Unterhalb des Sequencers befinden sich 4 Symbole, mit denen der Sound eingestellt wird. Ganz links befindet sich eine Art gestricheltes Dreieck oder Pfeil, mit dem eine der vier Schwingungsformen aufgerufen wird. Innerhalb des Stepsequencers kann pro Step die Lautstärke der Steps oder die Ausklingzeit und Einschwingzeit der Steps eingestellt werden. Die Ausschwingzeit kann sehr präzise moduliert werden, aber auf die Einschwingzeit kann nur bedingt Einfluss genommen werden. Es reicht aus, um Pads mit einer langen Einschwingzeit zu ermöglichen. Die Envelopes bieten ein breites Spektrum an Sounds. Ob Drums, Bässe oder Flächen, Nanoloop macht eine gute Figur.

Klangbeispiel: Verschiedene Noise-Einstellungen. Die anderen Schwingungsformen unterscheiden sich in ihrer Grundeinstellung nicht und entfalten ihre jeweiligen Merkmale durch Modulation.

Pitch

Das nächste Symbol stellt eine Note dar. Mit ihr lassen sich die einzelnen Steps stimmen. Mit einer Tastenkombination ist es möglich, den gewählten Ton zu transponieren. Dies ermöglicht es beispielsweise, ein hohes C in ein tiefes C zu verwandeln.

Pitchbend, LFO

Das nächste Symbol erinnert an eine Sinusschwingungsform. In diesem Modus ist es möglich, für jeden Step Pitchbend oder den LFO einzustellen. Mit Hilfe einer Tastenkombination werden zwei kleine Rechtecke in den Steps verschoben, um den Sound zu modulieren. Bewegt man das Steuerkreuz nach oben oder nach unten, wird die die Amplitude eingestellt. Mit links und rechts wird die Länge des Klangs oder die Frequenz eingestellt. Es gilt zu beachten, dass auf den Kanälen R, L und S Einfluss auf den Pitch-Envelope nimmt. Hat man die Schwingungsformen S
ausgewählt, kann Filtercutoff und die Modulationsstärke (FM) bestimmt werden.

Klangbeispiel: Verschiedene LFOs

Wave Form

Wave Form wird mit einem gestrichelten Pfeil dargestellt, der nach unten zeigt. Mit dieser Sektion kann die Filtercutoff-Frequenz eingestellt werden. Wenn das Steuerkreuz von oben und unten bewegt wird, öffnet und schließt sich das Filter. Eine Tastenkombination ermöglicht es, zwischen Highpass- und Lowpass-Filter zu wählen.


Für die Spuren L, R und S kann Pulsbreitenmodulation oder die Modulationsfrequenz (FM) eingestellt werden. Durch eine Tastenkombination kann auch hier zwischen einem Highpass- und Lowpass-Filter gewählt werden.

Klangbeispiel: Verschiedene Filtereinstellungen

Panning, Delay

Über ein Delay verfügt Nanoloop ebenfalls. Für S und N kann auch das Panning eingestellt werden. Als Musiker oder Musikerin muss man sich zwischen räumlicher Aufteilung oder Delays entscheiden.

Arpeggiator und Akkorde

Nanoloop verfügt über einen Arpeggiator. Pro Step können vier Noten bestimmt werden. Der Arpeggiator kann geloopt oder einmal getriggert werden. Die Darstellung ist etwas ungewöhnlich. Im Step wird eine Note und 3 „Nullen“ angezeigt. Es ist also möglich, 4 Noten einzustellen. Dies ermöglicht es, Akkorde zu erstellen oder Arpeggios, die über eine ungewöhnliche Tonabfolge verfügen. Nur der polyphone S-Chanel ermöglicht es, Akkorde zu erzeugen.

Analogue Website vom 07.06.2022. Akkord- bzw. Arpeggiator-Modus sichtbar

Das zweiten Menü wird durch die Starttaste aktiviert und beschäftigt sich mit grundsätzlichen Einstellungen von Nanoloop, wie Pattern speichern, Song-Modus, Abspielrichtung, Pattern-Länge, Tempo.

Pattern speichern

Dieser Modus erinnert in seiner Darstellung an einen Sequencer. Die vier Spuren R, L, S, N sind untereinander angeordnet und pro Spur finden sich die Ziffern 0 bis 9 und A bis F. Durch eine Tastenkombination können die musikalischen Ergebnisse eines Patterns auf den jeweiligen Ziffern abgespeichert werden und wieder abgerufen werden. Auf der Position „Null“ können keine Pattern abgespeichert werden. Es stehen 15 Pattern zur Verfügung, die in 78 Slots abgespeichert werden können.

Die alphabetische oder numerische Reihenfolge muss nicht eingehalten werden. Es ist möglich, das erste Pattern auf Position F zu speichern und das zweite Pattern auf Position 9. Natürlich bietet es sich an, die Reihenfolge einzuhalten, um einen logischen musikalischen Ablauf zu gewährleisten. Die Patterns können in beliebiger Reihenfolge aufgerufen werden. Wenn man übrigens Patterns aus Slot 1 aufruft und dann in Slot 68 wechselt, um dort eines der 15 Patterns aufzurufen, gelingt dies nahtlos! Toll, was mit so einem kleinen Musikcomputer möglich ist.

Warum werden aber die einzelnen Spuren angezeigt? Es können Parts aus unterschiedlichen Patterns abgerufen werden. Es ist möglich, aus Spur S Position 4 abzurufen und sie mit der Spur L und der Position 3 zu kombinieren. Dadurch können sehr schnell Pattern-Variationen erstellt werden. Es ist möglich „on the fly“ seine musikalischen Erzeugnisse zu remixen. Die neuen Variationen können als Pattern gespeichert werden.

Song-Modus

Der Song-Modus erlaubt es, die Patterns miteinander zu verknüpfen, sodass sie in einer bestimmten Reihenfolge ablaufen. Es ist möglich, die Erzeugnisse der jeweiligen Spuren miteinander zu verknüpfen. Man muss sich das Pattern merken und dann in die Liste eintragen. Leider ist es nur möglich, den ausgewählten Slot mit 15 Patterns zu einem Song zu verknüpfen. Es ist nicht möglich, Patterns aus Slot 60 mit Patterns aus Slot 1 zu kombinieren.

Abspielrichtung

Nanoloop bietet die Möglichkeit, die Abspielrichtung einer Spur zu ändern. Es stehen Vorwärts, Zufall und Vorwärts/Rückwärts zur Verfügung. Dadurch können schöne rhythmische Variationen erzeugt werden und die Kreativität angestachelt werden.

Pattern-Länge

Diese Funktion ermöglicht es, Patterns zu kürzen oder die Position der Events im 4×4-Grid zu verschieben. Schön, um schnell und einfach Variationen des Klangmaterials zu erstellen und polyrhythmisch zu arbeiten.

Tempo, Sync

Das Tempo des Tracks kann selbstverständlich bestimmt werden. Es ist möglich, die gewählte Spur in der Geschwindigkeit des Tempos abzuspielen oder nur zur Hälfte, einem 4tel oder 8tel der gewählten Geschwindigkeit. Das ist sehr praktisch, wenn man z. B. langsame Pads in den 16 Steps programmieren möchte. Wenn diese 4 x langsamer abgespielt werden, können sie in einem Arrangement ihre volle Wirkung entfalten.

Nanoloop bietet MIDI- und Analog-Synchronisation, um den Analogue Pocket mit digitalen und spannungesteuerten Equipment zu verbinden. Die jeweiligen Kabel können bei Analogue als Zubehör bestellt werden. Über eine Tastenkombination wird die Synchronisation ausgewählt. Im Test lieferte Logic Pro die MIDI-Clock und Nanoloop bewegte sich zum Tempo.

Der Sound von Nanoloop

Wenn man den Sound der Retro-Games sucht, kann dieser mit Nanoloop reproduziert werden. Mit Nanoloop ist es aber auch möglich, Sounds zu erzeugen, die nicht an die 8 Bit Ära erinnern. Das ist ein sehr großer Vorteil, denn so lässt sich mit der internen Synthese experimentelle Klänge erzeugen, die sich vom von modernen Synthesizern und 8 Bit Retro-Charakter abheben.

Nanoloop ermöglicht einmalig klingendes Sounddesign. Durch FM sind glockenartige Klänge möglich, die nichts mit den üblichen „Pling“-Sounds von Retrospielen zu tun haben. Unterschätzen sollte man auch nicht die tiefen Bässe und fetten Bassdrums. Nanoloop kann durchaus als Drumcomputer funktionieren und Klänge liefern, die sich fundamental von 8 Bit, aber auch einer TR-808 unterscheiden. Durch MIDI-Synchronisation lässt sich Nanoloop perfekt in eine Hardware- oder Computer-Setup integrieren.

Der Workflow von Nanoloop

Der Workflow ist gewöhnungsbedürftig. In Computerspielen müssen eine Menge Tastenkombinationen erlernt werden, um ein Spiel zu meistern. Da Nanoloop gewissermaßen ein Programm für eine Spielkonsole ist, muss dieses „Spiel“ erlernt werden. Nanoloop fordert den Spieler oder besser gesagt Musiker heraus. Es nicht möglich, Nanoloop über ein Keyboard oder von einem externen Sequencer mit Noten zu füttern, um die Programmierung von Nanoloop zu umgehen und damit von den Annehmlichkeiten einer DAW zu profitieren. Wie schön wäre es, die Parameter von Nanoloop über MIDI ansteuern zu können.

Mit einem MIDI-Keyboard würde sich die Arbeit mit Nanoloop leichter gestalten. Immerhin lässt Oliver Wichtow MIDI-Synchronisation zu, was Nanoloop zu einem nützlichen Tool auf der Bühne und im Studio macht, wenn man sich mit der Klangerzeugung und dem Sequencer intensiv auseinandergesetzt hat. Nanoloop ermöglicht nach einer Einarbeitungszeit wirklich interessante Klänge und Tracks.

Sind die verschiedenen Nanoloop-Karten mit dem Analogue Pocket kompatibel?

Im Laufe der Jahre sind verschiedene Versionen von Nanoloop erschienen. Die Version auf dem Analogue Pocket scheint viele Gemeinsamkeiten mit der Nanoloop Two zu haben. Diese Karte lässt sich daher im Analogue Pocket benutzen. Sie unterscheidet sich klanglich nicht von einem Gameboy Advance, abgesehen von einer hochwertigeren Audio-Engine.

Bei Nanoloop Mono handelt es sich um einen analogen monophonen Synthesizer. Diese ROM-Karte ist explizit nur für das originale Gameboy Model Version DMG ausgelegt. Leider ließt der Analogue Pocket die Nanoloop Mono Karte nicht aus. Das ist sehr bedauerlich, denn der Sound der Nanoloop Mono Karte unterscheidet sich vom regulären Nanoloop Sound. Es wäre schön gewesen, durch den Wechsel der Karten einen anderen Synthesizer-Sound zu erhalten. Hoffentlich handelt es sich nur um einen Analogue Pocket Bug, der schnell behoben wird.

Mein Einstieg in die Nanoloop-Welt habe ich mit der Nanoloop Version 201 gemacht. Diese Karte wurde für den Gameboy Advance ausgelegt. Diese Version von Nanoloop unterscheidet sich von der aktuellen Version in vielen Details. Diese Version funktioniert mit dem Analogue Pocket. Allerdings unterscheidet sich der Sound von einem Gameboy Advance erheblich.

Analogue Pocket Nanoloop Beispiel-Tracks

Alle Tracks wurden in Nanoloop erstellt und ohne Effekte in Logic aufgenommen und nicht nachbearbeitet.

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Fazit

Mit dem Analogue Pocket lässt sich Musik machen. Ich bin froh, nun ein hochwertiges Display nutzen zu können. Offensichtlich sind noch Bugs vorhanden und das Gerät befindet sich in der Entwicklung, denn u. a. funktioniert die Nanoloop-Mono Karte noch nicht. Analogue Pocket hat schon zwei größere Updates zur Verfügung gestellt, mit denen auch der Funktionsumfang wächst.
Das Dock ist für Musiker überflüssig. Für Zocker ist es unabdingbar, wenn sie auch auf einem großen Bildschirm spielen wollen. Zoll und Versand erhöhen die Kosten, aber wenn man mit Nanoloop längerfristig Musik manchen möchte, lohnt sich die Investition. Eine Nanoloop Karte muss nicht erworben werden, denn Nanoloop ist im Analogue Pocket integriert.

Plus

  • FPGA-Technologie
  • sehr gute Verarbeitung
  • hochauflösendes Display
  • Nanoloop integriert
  • SD-Card Slot
  • USB-C

Minus

  • lange Lieferzeit (plus Zoll und Versandkosten)
  • Das zusätzlich erhältliche Dock verdeckt den Audioausgang und verfügt über keinen Audioausgang

Preis

  • 219,99 USD (ohne Zoll und Versand)
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Acidkat

    Schöne Fricke-Geschichte für alle, die Spaß dran haben. Für mich zu klein aber ich ziehe meinen Hut vor so viel Engagement bei den Entwicklern!

  2. Profilbild
    Filterpad AHU

    Als alleiniges Gerät zum musizieren? Na ja. Aber wer noch GBoy-Kassetten besitzt, ein absoluter Traum. Ich denke er wird so schnell nicht langweilig. Wenn man keinen Bock zum zocken oder das Lieblingsgame vergessen hat, kann man ja Bit-Musik machen. Ein wahrhaftig geiles Teil!

  3. Profilbild
    d_eric

    Irgendwie wird mein GAS da durchaus getriggert. Wobei, als reine Musikmaschine sehe ich da zum Beispiel ein LIVEN 8bit warps von den Möglichkeiten her im Vorteil, ist auch mobil per Batterie zu betreiben, dafür viel größer.
    Aber unterwegs schnell mal ein paar Beats erstellen oder Super Mario zocken? Schon irgendwie cool…

  4. Profilbild
    d_eric

    Ach ja, habe gerade noch einmal nachgesehen, weil mir die Screenshots so bekannt vorkamen. Nanoloop gibt es nicht nur für iPhone, sondern auch für Android.

  5. Profilbild
    CDRowell

    Als Emulation für IOS ist es schon ganz fein… Als Hardware würde die hochwertige Engineering bestimmt Vorteile bringen.

    Cool, dass sich das Gerät bestellen lässt. Vielleicht nehme ich mir eins in den Einkaufswagen.

    Remember: making music is to be quiet too

  6. Profilbild
    Deimos

    Für Leute die viel mit Bus & Bahn unterwegs sind bestimmt ne feine Sache denk.
    Bissl musizieren oder retro zocken, schon nice :)

    • Profilbild
      Numitron AHU

      Ja, Same Here. Hab noch einen gba sp, der jst sehr fein. Spielt auch die Classic spiele und hat eine Hintergrundbeleuchtung. Hab dort auch nanoloop probiert. Ich konnte über eine flashercartridge die Originalversion zum laufen bringen. Also mit den klassischen Sounds des s/w Gameboys. Die gehen mir hier etwas ab.

      Trotzdem sehr cool, dass es eine Alternative zu gebrauchen geräten gibt.

      • Profilbild
        exterminas

        Ja, cool dass es eine Alternative gibt. Aber ich schätze mal an die Qualität von Früher kommen heute keine Geräte mehr dran.

        • Profilbild
          wolftarkin AHU

          Was für eine Qualität? Der erste Gameboy ist vielleicht stabil gebaut. Das ist aber auch schon alles. Das Display ist aus heutiger Sicht ein Verbrechen. Und war damals schon Schrott.

  7. Profilbild
    hauserj

    Ich weiß Gameboy und so… Aber zumindest unter Android sehne ich mich hin und wieder nach ner Effektsektion. Ansonsten von der Bedienung und vom Spaßfaktor großes Kino!
    Wobei so wie es sich liest dort die Synthese eine ganz andere ist.

  8. Profilbild
    AntonAmazona

    „…Zuletzt erfreute sich die Twitch von Nintendo größter Beliebtheit…“
    bitte mal in „Switch“ korrigieren – danke !

    • Profilbild
      Sven Rosswog RED

      Da war ich wohl gedanklich bei Twitch, wo öfters mit der Switch gezockt wird. Danke für den Hinweis :-)

  9. Profilbild
    Ingo

    Herjeh, das ist doch wie damals mit dem C64! Den Eltern hat man verkauft, dass der Computer einem in der Schule und vor allem bei den Hausaufgaben hilft und wenn man ihn dann endlich zu Weihnachten bekam wurde das nächste Jahr nur noch gezockt… Schlußfolgernd halte ich persönlich von einem Kombi-Gadget nichts, man schaltet es mit dem Vorsatz ein zu jammen und dann spielt nur noch Kōji Kondō und es hüpft der Mario… ;-)

  10. Profilbild
    moinho AHU

    Mhmmm…wieviel Geld ist vom Hersteller in Richtung amazona wohl für diesen schön formulierten Plug geflossen?

    Wenns ein richtig großer Sack war: ok, non olet.
    Wenns nicht ein großer Sack war: liebe Redaktion, da bin ich Besseres von Euch gewohnt.

  11. Profilbild
    DennisEvans

    Das klingt nach einer ordentlichen Portion Spaß für unterwegs. Der Preis scheint auch fair. Da muss ich wohl öfter Zug oder Bus fahren um das volle Potential zu nutzen 😁

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