Test: Arturia MatrixBrute Firmware 2.0 Synthesizer

18. Dezember 2019

Arturia Matrixbrute V.2 Firmware Update

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Der Arturia MatrixBrute ist sicherlich einer der eindrucksvollsten und aufwändigsten analogen monophonen Synthesizer, der derzeit am Markt erhältlich ist. Mit seinen 2 analogen exponentiellen Oszillatoren und einem analogen linearen Oszillator, Noise Generator mit 4 Rauschfarben,  2 analogen Filtern mit Moog Ladder- und Steiner-Parker-Charakterisrik, 5-Input Mixer mit Filter-Routing, 2 LFOs, 3 Envelopes, Matrix, Sequencer und 256 Speicherplätzen ist seine Ausstattung sehr umfangreich.

Wenn man ihn das erste Mal vor sich stehen hat, ist er alleine durch seine physische Erscheinung beeindruckend – es gibt für jeden Parameter einen Encoder oder Fader. Darüber hinaus sitzt am an berühmte Vorbilder angelehnten neigbaren Bedienfeld die ihm seinen Namen gebende große Matrix aus 16×16 gummierten mehrfarbig hinterleuchteten Pads, über die man Presets anwählen kann, die Modulationen bequem und mit optischem Feedback verknüpfen und den Sequencer bedienen kann. Nicht zu vergessen die 4 Macro-Encoder, denen Parameter frei zugewiesen werden können. Alles in allem ein sehr gut klingendes und sehr Performance-orientiertes Instrument,  wertig gebaut (schwer!), das darüber hinaus über umfangreiche CV/Gate-Ein- und Ausgänge in ein Modularsystem einbindbar ist. Hier hat Arturia gezeigt, was geht.

Wer das Gerät im Detail kennenlernen möchte, dem sei der ausführliche Test von Bernd Kistenmacher empfohlen (HIER KLICKEN).

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Der MatrixBrute ist in Zeiten von Behringer Synthesizern als hochpreisig einzustufen, spielt aber definitiv in einer anderen Liga. Also habe ich einige Zeit mit mir gerungen und einiges an Equipment musste gehen, damit der MatrixBrute im Studio Einzug halten konnte. Da musste er sich dann auch einer seiner Referenzen, dem Minimoog stellen, harte Konkurrenz, die er klanglich meiner Meinung nach vor allem in puncto Oszillatoren nicht ganz erreicht hat, aber im Produktionsalltag ist er aufgrund von Speicherbarkeit, der Möglichkeit, Parameterverläufe über MIDI-CC an die DAW zu schicken , Sequencer und der Matrix natürlich weit überlegen – und die Beiden ergänzen sich klanglich auch sehr gut. Der Matrix Brute hat aus meiner Sicht etwas ganz Entscheidendes: eine Persönlichkeit, Charakter!

Erschienen ist der Matrixbrute Ende 2016, die letzte Firmware, Version 1.1., ist im März 2017 erschienen. Zwar hat Arturia im Lauf der Zeit noch einige Soundsets gratis für die Nutzer nachgereicht, aber insgesamt war die Produktpflege aus meiner Sicht mangelhaft, weil die Firmware doch noch einige kleine Bugs hatte, was bei einem Premium-Instrument dieser Preisklasse doch unzufriedenstellend ist.

Umso überraschender war die Ankündigung, dass jetzt eine Firmware mit der Versionsnummer 2.0 gratis von der Arturia Website heruntergeladen werden kann, die nicht nur einige längst überfällige Bugfixes bereithält, sondern auch mit einigen interessanten neuen Features aufwarten kann.

Installation Firmware Update 2.0

Über das Arturia MIDI-Control-Center wird die von der Homepage heruntergeladene neue Software aufgespielt. Es wird seitens Arturia geraten, die auf dem Gerät befindlichen Sounds vor dem Aufspielen der neuen Firmware auf dem Rechner zu speichern. Die im Synthesizer gespeicherten Sounds werden nämlich auf den Parametersatz der neuen Firmware konvertiert. In meinem Fall wurde allerdings nichts konvertiert, sondern am Ende des Update-Prozesses waren alle Sounds gelöscht und 64 neue Werkssounds aufgespielt, die die neuen Möglichkeiten z. T. sehr  eindrucksvoll demonstrieren.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Neue Features des MatrixBrute 2.0

Individuelle LFO-Schwingungsformen auf der Matrix „zeichnen“ und die LFOs auch triolisch und punktiert synchronisieren

  • 16 statt bisher 4 frei zuweisbare Modulationsziele
  • Verbesserungen und Erweiterungen des Sequencers
  • ein neuer Settings-Edition-Mode
  • ein neuer Preset-Compare-Mode

Individuelle LFO-Schwingungsformen

Bisher waren für LFO 1 und 2 über die 2 Wahltaster 7 Schwingungsformen abrufbar. Jetzt gibt es die Möglichkeit, eigene LFO-Schwingungsformen über die 16×16 Matrix zu erstellen. Dazu drückt man die Wahltaster gleichzeitig und kann nun auf den Pads der Matrix eine Schwingungsform „zeichnen“. In der untersten Pad-Reihe kann man für den Wert jeder Spalte per Knopfdruck noch definieren, ob der Parameterverlauf zur nächsten Spalte „hart“ oder „smooth“ verläuft (blau oder rot visualisiert), man kann also ganz gezielt auch extreme Parametersprünge erzeugen. Das macht nicht nur Spaß, sondern erweitert das Klangpotential noch einmal.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

LFO 1 und 2 ab jetzt frei definierbar

16 statt bisher 4 frei zuweisbare Modulationsziele

Die Modulationsmatrix bot bisher die Möglichkeit, 12 fixe und 4 frei wählbare Modulationsziele einer oder mehreren Modulationsquellen bequem und mit optischem Feedback per Knopfdruck zuzuweisen. Bisher war es so, dass über die Knöpfe 11-14 jeweils ein Ziel gewählt wurde. Das bedeutete, Knopf drücken und Regler des gewünschten Parameters drehen, somit war das Modulationsziel der Spalte zugewiesen, Quelle(n) wählen und fertig. Mit Software 2.0 öffnet jeder der Knöpfe 11-14 bei kurzem Druck eine „Unterseite“ mit jeweils 4 individuell zuweisbaren Modulationszielen. Über langen Druck und Reglerbewegung werden in gewohnter Manier die Ziele mit den Quellen verknüpft – fertig. Jetzt eben mit 16 statt vorher 4 freien Zielen. Das ermöglicht die Klangformungsmöglichkeiten deutlich.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Patch-Ziele für die neuen Sub-Pages werden im Display angezeigt, dass dieses von der Technik betrachtet eine Art E-Book Reader-Display ist, ist einer der schwersten Designmängel des MatrixBrute. Verwendung für Echtzeitanzeigen leider unmöglich. Die Anzeige bleibt auch im ausgeschalteten Zustand erhalten, schön, aber wozu?

Verbesserungen und Erweiterungen des Sequencers

BPM-Adjustment

Das Sequencer-Tempo kann jetzt zusätzlich zu ganzzahligen Werten auch in zehntel BPM angegeben werden, d. h. z. B. 120,1 bpm sind direkt am Gerät einstellbar.

Rotate Sequence

Beim Halten von Tab und Drücken der Step/Octave-up/down Buttons lässt sich die Sequenz bei laufendem Sequencer pro Tastendruck um jeweils einen Step vor- oder zurückverschieben.

Verlängern und duplizieren von Sequenzen

Mit Drücken von Seq.Length und > wird eine Sequenz kopiert und in voller Länge an die vorige Sequenz angesetzt, d. h. aus 8 Steps werden 16, aus 16 werden 32 usw.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Anzeige und Editiermöglichkeit von einzelnen Steps

Bei gedrücktem Step wird der Notenwert im Sequencer-Display angezeigt und kann über das Keyboard oder über den Mod. Amount-Knob editiert werden. Wenn man das einmal benutzt hat, fragt man sich, warum das nicht immer schon so war.

Weiterhin wurde das Modulation-Recording in Echtzeit dahingehend überarbeitet, dass die Aufnahme erst dann beginnt, wenn der erste Modulationswert über einen Regler gesendet wird und die Aufnahme im Loop exakt vor diesem Punkt wieder endet. Somit werden Modulationsverläufe nicht überschrieben; finde ich sehr sinnvoll, weil es bisher sehr schwierig war, exakt auszusteigen.

Weiterhin gibt es ab jetzt noch die Möglichkeit, Gruppen von Steps zu löschen und Verbesserungen bei Legato-Aufnahmen, freies Keyboardspiel bei aktiviertem Sequencer, aber leerem Pattern.

Zuletzt wird bei Arpeggios jetzt die Anschlagdynamik jeder Note aufgenommen und an die Modulationsmatrix gesendet. Vor allem wenn Velocity dort mit mehreren Modulationszielen verknüpft ist, sorgt das für deutlich ausdrucksstärkere Ergebnisse.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Preset Compare Mode

Beim Speichern von Presets hat man bisher das am gewählten Speicherplatz befindliche Preset überschrieben. Das bleibt natürlich auch weiter so. Der neue Preset-Compare-Mode ermöglicht es aber, nun einen A/B-Vergleich durchzuführen und die zu überschreibenden Presets eines beliebigen Speicherplatzes noch einmal vorzuhören, bevor man sie überschreibt. Das erspart unliebsame Überraschungen und verhindert das versehentliche Überschreiben von Presets.

Settings Edition Mode

Systemparameter, die bisher nur über die MIDI-Control-Software per Anschluss am Computer über USB einstellbar waren, sind über den Settings-Edition-Mode jetzt direkt am Gerät einstellbar.

Der Parameter wird dabei im Sequencer-Display angezeigt, der Wert im Preset-Display.

Die hinterleuchtete Matrix bietet dabei visuelles Feedback und kann auch zur direkten Parameteranwahl herangezogen werden.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Offtopic: Matrixbrute vs. Microfreak

Zusammenfassung MatrixBrute 2.0

Eigentlich habe ich persönlich nicht mehr mit einem Update der Firmware des MatrixBrute gerechnet. Zu viel Zeit ist seit dem letzten Release vergangen, neue Produkte von Arturia wurden angekündigt und gelangten in den Handel. Ich habe das Projekt als abgeschlossen eingeschätzt. Umso überraschender, dass jetzt doch noch ein Update erschienen ist, das nicht nur einige Bugs behebt, sondern den Funktionsumfang und die Klangmöglichkeiten des MatrixBrute erweitert.

Neue Möglichkeiten eröffnen die frei definierbaren LFO-Schwingungsformen für LFO 1 und LFO 2 und die 12 neuen frei definierbaren Modulationsziele der Matrix. Der Sequencer wurde um einige sinnvolle Funktionen erweitert, die Notenwerte sind jetzt besser editierbar. Die Möglichkeiten beim Sequencer sind aber bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Gerade in Verbindung mit der Modulationsmatrix könnte man davon träumen, Sequencer-Parameter (Tonhöhe, Tonlänge, Auflösung) als mögliche Modulationsziele hinzuzufügen.

Der neue Preset-Compare-Mode und der neue Settings-Edition-Mode sind schließlich sinnvolle Helfer für den Alltag.

Test Arturia MatrixBrute Firmware 2.0

Fazit

Warum Arturia sich mit dem Update so lange Zeit gelassen hat, darüber kann nur spekuliert werden. Ob es unmittelbar mit dem Release des Moog Matriarch in Zusammenhang steht?

Der Markt für Analogsynthesizer ist nicht zuletzt auch aufgrund der Aktivitäten von Behringer  deutlich in Bewegung geraten, da wird im Preissegment des Matrixbrute die Luft sehr dünn.

Ich persönlich würde mir von Arturia noch weitere Updates wünschen, die Hardware hat nach wie vor Potential und aufgrund der umfangreichen Bedienelemente und der Matrix könnte man unter anderem auch aus dem Sequencer noch mehr herausholen.

In jedem Fall ist der MatrixBrute bei mir seit dem Update wieder im Dauerbetrieb, alte (Hass-) Liebe neu entflammt.

Plus

  • 12 neue frei definierbare Modulationsziele
  • Schwingungsformen für LFO 1 und 2 jetzt frei definierbar
  • neue Funktionen und Verbesserungen am Sequencer
  • Preset-Compare-Mode
  • Settings-Edition-Mode
  • Update gratis

Minus

  • Matrix wird für Sequenzen immer noch nicht optimal ausgenutzt
  • Sounds im Gerät können durch Update gelöscht werden

Preis

  • MatrixBrute 2.0: 1999,- Euro
  • Update gratis
Klangbeispiele
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