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Test: Arturia MiniBrute 2 und RackBrute

25. Juli 2018

Brute(al) gut!

Arturia Minibrute 2 – Part of the Family

MiniBrute, MicroBrute. Die Familie Namens „Brute“ lebt schon etwas länger und gehört sicherlich zu einer der erfolgreichsten Synthesizerfamilien, die es am Markt gibt. Die Stammväter (um bei diesem Bild zu bleiben) sind im Laufe der Zeit etwas in die Jahre gekommen, aber anders als andere Hersteller von Synthesizern, die zum Teil gute Synthesizer Konzepte nach einigen Produktzyklen wieder in Vergessenheit geraten lassen, haben die Macher von ARTURIA der Familie mit dem MatrixBrute nicht nur eine Art „Übervater“ beiseite gestellt. Nein, sie haben den MiniBrute einer Gentherapie unterzogen, aus der nun die Derivate Arturia MiniBrute 2, MiniBrute 2S und DrumBrute seit Anfang des Jahres hervorgegangen sind. Mehr noch. In Zusammenhang mit den semimodularen Möglichkeiten, die man dem MiniBrute 2 nun mitgegeben hat und die wir heute näher betrachten wollen, hat ARTURIA das Tor zur Eurorack-Welt ganz weit aufgestoßen und mit den Euroracks RackBrute 3U und RackBrute 6U eine interessante neuartige mobile Lösung beiseite gestellt, die sowohl standalone als aber eben auch im Verbund mit den Arturia MiniBrute 2 funktioniert. Schauen wir uns den Synthesizer und das Rack-Konzept nun genauer an.

Mein Studio. Meine Baustelle.

Arturia MiniBrute 2

Der Traum eines Handwerkers – ein Modularsystem zum Selberbauen

Bevor ich mich mit dem Testgerät auseinandersetzen konnte, war ein wenig „Bastelarbeit“ angesagt. Der Arturia MiniBrute 2 kommt dabei her, wie man es von einem Kompaktsynthesizer erwartet: nett verpackt und in Folge dessen auch schnell an den Start gebracht. Beim RackBrute ist das etwas anders. Zum einen bekommt man die Unit normalerweise bis auf die eingebaute Stromversorgung leer, d.h. man muss sie in Eurorack-Manier mit den Modulen bestücken, die man sich für diese Konfiguration auserkoren hat. In meinem Fall hatte mir der deutsche Vertrieb von Arturia (Tomeso) das Denken bereits abgenommen und ein vorkonfiguriertes RackBrute zugeschickt. So weit, so gut. Bei der Montage der „mobilen Lösung“ von MiniBrute 2 und RackBrute oder wie Arturia sie auch gerne „Tactical Eurorack Armor“ nennt, ist ein klein wenig mehr Arbeitsaufwand nötig. Der durchaus schicke Tragebügel, der beide Synthesizer vereint, muss zunächst fest und ganz nach Anleitung verschraubt werden. Das sollte man so auch machen, denn niemand will es erleben, dass sich die Synths verabschieden und man nur noch den Tragebügel in der Hand hält. Die Bilder sprechen für sich. Den Rest macht die Phantasie.

Arturia MiniBrute 2

Zum Einkaufen nicht geeignet – zum Transportieren schon

Das Testsystem Arturia Minibrute 2

Arturia MiniBrute 2

Arturia MiniBrute 2 und RackBrute 3U Testsystem

Wir erinnern uns. Schon mit Veröffentlichung des MatrixBrute hat man dem in erster Linie als standalone funktionierenden Synthesizer semimodulare Möglichkeiten in Form von 12 CV-Ein- und Ausgängen zur Einbindung von externem, analogem Equipment mitgegeben. Leider waren diese Miniklinkenanschlüsse auf der Panel-Rückseite und somit nicht wirklich leicht zugänglich installiert. Ich spekuliere einmal, dass diese Option von nicht all zu vielen Usern genutzt wird. Dennoch, die Idee war realisiert und weil semimodular im Moment nun mal ziemlich schick ist, hat diese Art der Signalverarbeitung ihren Weg nun auch in den MiniBrute 2 gefunden. Doch schauen wir uns zunächst das Bedienpanel des MiniBrute 2 an.

MiniBrute 2 Oszillatoren

Arturia MiniBrute 2

Arturia MiniBrute 2 Oszillatoren

Ja, das kommt einem bekannt vor. Look and Feel kommen eindeutig vom Arturia MatrixBrute und natürlich auch vom ersten MiniBrute. Die Fähigkeit oder besser die Möglichkeit, verschiedene Schwingungsformen zu mischen, um somit Ergebnisse zu erlangen, die über die klanglichen Resultate von Standard-Schwingungsformen hinausgehen, ist bei Arturia ein bewährtes Prinzip zur Klangerzeugung. Hatte man beim MatrixBrute für die einzelnen Schwingungsformen separate Regler, mit denen man die Anteile am Gesamtklang „hinzumischen“ konnte, hat man beim MiniBrute 2 einen Oszillator-Mixer eingebaut, mit dem man Ähnliches erreichen kann. Wer die Brutes kennt weiß, dass Arturia auf die einzelnen Klangerzeuger gerne noch eine Schippe Verzerrung drauflegt. So kann man aus dem Sägezahn stufenlos ein Ultrasaw machen. Bei dieser Methode wird die Schwingungsform durch verstimmbare Duplikate ihrer selbst klanglich „angedickt“. Der Sound wird voller und reicher an Obertönen.

Ultrasaw wird durch den Ultrasaw Amt (Amount)-Regler dazu gemischt. Standardmäßig ist LFO 2 auf ihn geroutet, womit man die Verstimmung automatisieren kann. Frequenzmodulation kann der MiniBrute 2 auch. Ab Werk ist VCO2 der Modulator, der hinzugeregelt werden kann. Über das Patchfeld kann man aber auch andere, externe Quellen dem FM-Regler zuweisen. Über den PWM-Regler kann aus dem Rechtecksignal eine modulierbare Pulsschwingung gemacht werden. Modulationsquelle ist hier LFO1. Als dritte Schwingungsform steht Dreieck zur Verfügung. Diese ist naturgemäß recht arm an Obertönen und so korrespondiert dieses Signal mit dem Metalizer. Der Metalizer verbiegt die Dreieckschwingungs in der Art, dass die Signalspitzen nach unten „gefaltet“ werden. Dadurch werden ebenfalls neue Obertöne erzeugt. Je weiter man den Metalizer aufdreht, umso schärfer klingt das Signal und man bekommt einen metallischen Charakter. Als weitere Signalquellen verfügt der Oszillator-Mixer über weißes Rauschen, eine zumischbares externes Audiosignal und einen Eingang für VCO2. Dieser fällt in seinen Möglichkeiten gegenüber VCO1 etwas ab und darf ehr als Sub-Oszillator oder dritten LFO verstanden werden. Aber wie auch immer. Auch VCO 2 bietet die Standard-Schwingungsformen Sinus, Dreieck und Rechteck, ist separat stimmbar und kann von voller Audioreichweite bis in den LFO-Modus geschaltet werden.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Mick  AHU

    Jetzt brauch ich echt Hilfe!
    Nimmt man einen Minibrute 2S mit einem Keystep Keyboard, oder nimmt man einen Minibrute 2 mit einer Beatstep pro. Ich sollte eventuell noch erwähnen, das ich nicht Live auftrete und gerne den neuen Patternsequenzer von Studio One benutze.
    Ich habe hier Moog Mother-32, kann ich den ins Rackbrute einbauen, wenn ja und ich dann noch Behringers Neutron kaufe, reicht der einfache Rackbrute oder muss es der 2-Fache sein!?
    Danke!

    • Profilbild
      Bernd Kistenmacher  RED

      Hallo Mick, Du brauchst, was dir dein Herz empfiehlt ;-) Aber im Ernst. Wenn Du sowieso im Studio ein Masterkeyboard einsetzt, ist der 2S evtl, sogar die bessere Wahl. Wenn Du doch on stage gehen solltest, würde ich schon den MiniBrute 2 mit Keyboard nehmen. Aber das hängt vom restlichen Setup ab. Zu den RackBrutes. Die Moog Mutter solltest Du eigentlich unterbringen können. Dafür wurde sie ja eigentlich auch gebaut. Ich persönlich würde aber keine fertigen semi-modularen synths in so ein Rack schrauben, sondern eher die Chance nutzen, mit Eurorack Modulen deiner wahl bei Null anzufangen. Es gibt so viele interessante Teile da draussen, die man beliebig kombinieren kann. das macht so ein Teil wirklcih interessant. Mein persönlicher Favorite wäre der MiniBrute 2 mit einer RackBrute 6U. Aus Gründen der zukunftsplanung ;-)

    • Profilbild
      D.Siegmund  

      Hi Mick,

      zunächst zu einem einachen Rechenbeispiel: Rackbrute 3U hat 83 TE frei, Moog Mother 32 ist 60 TE breit, Behringer Neutron ist 80TE breit (siehe https://www.youtube.com/watch?v=8KsmPo9HW7k&t=3289s).
      Wenn Du beide in einem Rack haben möchtest brauchst Du also das 6U.
      Wenn Du gerne den StudioOne-Sequenzer benutzt, dann würde ich den normalen Minibrute 2 nehmen, allerdings hätte der Keystep eine halbe Oktave mehr als der Minibrute 2.
      Der BeatStepPro ist übringens umfangreicher ausgestattet als der Sequencer im 2s.
      Wenn Du die Mother und den Neutron über den selben Sequenzer laufen lassen willst, ist ein externer Sequenzer ratsam, nicht der des 2s.
      Ist aber nur meine persönliche Meinung ;-)
      Gruß,
      Dirk

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      Also ehrlich gesagt hast du mit neutron und der Mutti und dem Arturia 3 ganze Synthies. Da würde ich eher sagen, Bau über dem Arturia eine Einheit und mache die für dich sinnvoller Erweiterungen rein die nur dem Brute dienen, also richtige Eurorack Module. Diese können aus dem kleinen Brute ein richtiges modulares Tier machen. Und so würde ich das mit Mammi und Neutrön auch machen. Ich hab den neutron auch und jetzt schon einige sinnvolle Module dazu kombiniert. Vor allem sind die Module sehr viel spezieller und raffinierter als das was der Semi bietet. Insbesondere die Steuerbarkeit der Module durch CV ist schon sehr geil. Daran merkt man dann doch, dass ein semi Recht einfach aufgebaut ist. Allein der Doepfer A143 VCOLFO hat 50 Buchsen dran und das ist kein ganze Synthie sondern stellt nur einige Funktionen bereit die den Weg zum super individuellen Synth bereiten!

  2. Profilbild
    Green Dino  

    Anscheinend kann man beim Minibrute 2S Envelope Retrig sowie LFO Retrig nur über die Software umschalten, bei der Keyboardversion geht das auch so.
    Das sollte man bei der Entscheidung auf jeden Fall bedenken, sind es doch wichtige Parameter.

    • Profilbild
      Bernd Kistenmacher  RED

      Ja, das stimmt. Es ist ein interessantes Konzept. Dazu gibt es ja eigentlich auch noch eine passenden Tragetasche. Mobilität stet im Vordergrund. Allerdings nimmt das gesamte Konstrukt im Studio ziemlich viel Raum ein. Besonders in der Tiefe. Da würde ich vielleicht auf den Griff verzichten und MiniBrute Und RackBrute gesondert aufstellen. Aber das ist ja Geschmackssache und eine Frage des Platzes ;-)

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