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Test: Arturia MicroFreak Vocoder Edition, Synthesizer

18. November 2020

MicroFreak nun mit Vocoder

 Nur neuer Look: Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Vocoder im MicroFreak, dank Software Update 2.1

Ohne großes Teaser-Brimborium hatte Arturia im April 2020 überraschend die Vocoder-Edition des Arturia MicroFreak angekündigt, in Hardware baugleich dem „Standard“-MicroFreak.

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Der MicroFreak selbst ist ein bis zu 4-stimmiger mono- oder paraphoner Synthesizer, basierend auf einem digitalen Oszillator, einem analogen 12 dB/Oktave Filter, einer ADSR-Hüllkurve samt 2. Hüllkurve/LFO, einer 5/7 Modulationsmatrix, garniert mit Arpeggiator, Step-Sequencer, Chord-Mode usw. Besonderes Merkmal ist dabei die kapazitive Tastatur samt Strip, die – am Anfang gewöhnungsbedürftig – eine eigene Spielweise und Performance ermöglicht.

Augenmerk wurde dabei auf eine einfache Bedienung gelegt, so gibt es bei jedem der mittlerweile 13 Oszillatormodelle nur jeweils  3 Hauptparameter für die Synthese, Wave, Timbre und Shape, die – graphisch in dem kleinen OLED-Display animiert – den Sound modellieren.

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Getestet wurde mir dem Ur-MicroFreak, der baugleich zur Vocoder-Edition ist

Einen ausführlichen Test zum Arturia MicroFreak auf AMAZONA.de findet ihr hier:

Entsprechend der bisherigen vorbildlichen Produktpflege – im Laufe der Zeit wurden weitere Oszillatormodelle per System-Update ergänzt – spendiert Arturia den MicroFreak jetzt mit dem System-Update 2.1 eine Vocoder-Funktion.

Was ist ein Vocoder?

Ursprünglich 1930 aus der Telekommunikations- und Militärtechnik kommend, wurde die Technik auch für musikalische Zwecke weiterentwickelt und fand sich in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts in Form erster kommerzieller Produkte auch in den Tonstudios wieder. Technisch wird dabei ein Eingangssignal (der Modulator, meist die menschliche Stimme, aber auch Drumloops etc.) mittels Bandpassfiltern in seine Frequenzbestandteile zerlegt und diese Frequenzen modulieren dann das Trägersignal (den Carrier, eine Oszillatorschwingungsform).

Vintage-Vocoder für militärischen Einsatz aus Erik Steckmanns Reportage zu Vocodern

Der sehr prägnante Effekt ist auf zahlreichen Produktionen zu hören, prominente Nutzer waren Kraftwerk, ELO, Phil Collins, Laurie Anderson, Daft Punk und viele mehr.

Einen sehr ausführlichen Bericht über die Geschichte des Vocoders hat Erik Steckmann für AMAZONA.de geschrieben. HIER DER LINK.

Unterschied zwischen MicroFreak und Vocoder-Edition

Zunächst einmal das Outfit – die Vocoder Edition wird in einem eleganten weißen Gehäuse ausgeliefert – und natürlich der neue Vocoder-Oszillator und 16 neue Patches, die die Möglichkeiten aufzeigen und dann wäre da noch das der Vocoder-Edition beiliegende Schwanenhalsmikrofon, das in die Kopfhörerbuchse gesteckt wird und einen Signaldurchschliff für den Kopfhörerausgang aufweist.

Rein hardwaretechnisch ist die Vocoder-Edition laut Aussage Arturia bis auf die andere Gehäusefarbe aber völlig identisch mit dem „Ur“-MicroFreak – und das ist dann auch die gute Nachricht für die Besitzer eines MicroFreaks im klassischen blau-schwarzen Gehäuse.

Der geheime Audioeingang des Arturia MicroFreaks

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Der Anschluss mit Mehrwert

Die Kopfhörerbuchse des MicroFreaks ist nämlich eine sogenannte TRRS-Buchse, das bedeutet bei Verwendung eines entsprechenden Steckers liegen Audio-Out L/R, Masse UND ein Mic-In an, sprich der Micro-Freak verfügte immer schon über einen Hardware-Audio-Input, der nur bisher softwareseitig noch nicht genutzt wurde.

Das bedeutet, man kann außer dem Schwanenhalsmikrofon, das der Vocoder-Edition beiliegt (und das auch separat käuflich für ca. 30 Euro erworben werden kann) auch mit TRRS-Stecker ausgestattete Headsets und über Adapter oder Splitter-Kabel  auch externe Audiosignale zuführen.

Firmware Update für den Arturia MicroFreak

Um in den Genuss der Vocoder-Funktionalität zu kommen, muss daher die Firmware upgedatet werden. Dazu wird der MicroFreak mit der MIDI-Verbindung des Vertrauens mit dem Rechner verbunden und mittels des Arturia MIDI-Control-Centers upgedatet. Weiterhin sollte man auch die 16 neuen Patches auf den MicroFreak übertragen, damit man gleich loslegen kann.

Das alles hat bei meinem MicroFreak problemlos funktioniert, also nichts wie ran an den Vocoder. Da ich das originale Schwanenhalsmikrofon nicht besitze, habe ich zunächst einmal ein Gaming Headset mit TRRS-Stecker angeschlossen – und siehe da, es funktioniert!

Der Arturia Vocoder und die Klangformung im Detail

Die neue Vocoder-Funktion ist über den orangenen Oszillator-Wahlregler aufrufbar oder natürlich wenn ein entsprechendes Patch aufgerufen wird, das als Vocoder-Patch abgespeichert wurde. Dabei ist der Vocoder-Oszillator genau so modulier- und filterbar wie alle anderen Oszillatormodelle, am Synthese-Schaltdiagramm ändert sich nichts, auch Mod-Matrix, Arpeggiator usw. können angewendet werden und auch Spice & Dice – meine guten alten Freunde im Freak – funktionieren im Vocoder-Modus.

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Mit dem Waveform-Regler kann das Carrier-Signal stufenlos von Sägezahn über Puls zu Noise geregelt werden, mit dem Timbre-Regler stellt man die Frequenz des Analyse- und Regelprozesses ein und mit dem Shape Regler stellt man die Bandbreite der 16 Bandpassfilter ein.

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Die Haupt-Parameter des MicroFreak Vocoders

Der Hiss-Parameter des Vocoders

Weitere wichtige klangformende Parameter sind leider in den Systemparametern versteckt und nur über den Utility-Knopf mit anschließendem Menu-Diving erreichbar. Ich fand die Sprachverständlichkeit des Vocoders, wenn er mit meinem Headset-Mikrofon gespeist wurde, nicht besonders atemberaubend. Um die Sprachverständlichkeit zu verbessern, hat Arturia dem MicroFreak Vocoder einen sogenannten Hiss-Mode spendiert. Grob betrachtet sind sowohl tiefe und mittlere Frequenzen („Vowel“), als auch hochfrequente Laute („Hiss“) Bestandteil der Sprache, wobei die höherfrequenten entscheidender für die Verständlichkeit sind. Der Hiss-Mode ist also ein  Werkzeug, um den Anteil der höherfrequenten Sprachanteile zu betonen. Bei Hiss-Mode „off“ hört man nur die tiefen und mittleren Frequenzanteile, bei Hiss-Mode „pass“ werden nur Frequenzen oberhalb von 5 kHz in den Modulator des Vocoders eingespeist, der Hiss-Mode-„Switch“ schaltet hingegen die Carrier-Schwingungsform bei erkanntem hochfrequentem Eingangssignal kurzfristig auf White Noise, um so hochfrequente Anteile im Ausgangssignal zu betonen. Mit dem Hiss-Volume-Parameter schließlich kann die Lautstärke des „Hiss-Anteils“ bzw. des White Noise im Switch-Mode von -20 dB bis 0 dB geregelt werden.

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Mit dem Hiss-Parameter kann die Sprachverständlichkeit verbessert werden

Aussteuerung, Gate & Co.

Weiterhin findet man in den Utilities-Einstellungen zur automatischen Erkennung eines angeschlossenen Mikrofons und eine Regelmöglichkeit der Lautstärke des Inputs (-12 dB bis -59 dB) samt der Möglichkeit, eine Auto-Level-Funktion abzurufen. Ebenfalls kann eine Gate-Funktion (-30 dB bis -90 dB) aktiviert werden. Leider fehlt beim Mic-Gain-Menü eine Aussteuerungsanzeige, man muss sich auf seine Ohren verlassen. Verlässt man die Utilities hingegen und geht wieder in den Patch-Mode, findet sich eine rudimentäre Aussteuerungsanzeige im Display in Form von 3 Kästchen wieder, wobei man da am besten fährt, wenn das mittlere Kästchen aufleuchtet, das dritte bedeutet bereits die Gefahr von Clipping.

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Im Patch-Mode befindet sich unter dem Patch-Namen eine 3-stufige Aussteuerungsanzeige

Ich persönlich bin am besten mit der manuellen Aussteuerung zurechtgekommen, Auto-Gain hat bei Pausen oder leisen Passagen für meinen Geschmack teilweise zu stark nachjustiert, es kann aber natürlich sein, dass der Auto-Gain für das originale Schwanenhalsmikro optimiert wurde, dieses hatte ich für den Test nicht zur Verfügung.

Ein Standard-Gaming-Headset kann als Vocoder-Mikrofon verwendet werden, Vorraussetzung: TRRS-Klinkenstecker:

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Bessere Sprachverständlichkeit bietet ein hochwertiges Headset-Mikro wie z. B. hier eines von Shure, hier benötigt man einen TRRS-Splitter auf Mikro-In und ein Adapterkabel von Miniklinke auf XLR, wie im folgenden Bild:

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Ansonsten hat mein Gaming-Headset tadellos funktioniert, um andere Signale in den MicroFreak zu bekommen, ist ein Splitter-Kabel TRRS auf Mini-Klinke notwendig, etwas, was man standardmäßig nicht im Studio greifbar hat, daher war hier ein Ausflug in den Musikfachhandel notwendig. Zu beachten ist dabei, dass beim Anschluss von externen Klangquellen der Micro-Auto-Detect-Mode ausgeschaltet sein sollte.

Hier das Setup für Line-In, Splitter TRRS auf Miniklinke, Adapterkabel Miniklinke (Stereo) auf 2x Monoklinke.

Arturia MicroFreak Vocoder Edition

Der Klang und weitere Klangformung

Generell ist die Sprachverständlichkeit wie bereits erwähnt zunächst nicht umwerfend, da gefällt mir der Roland VP-03 z. B. out of the box besser. Mit dem Hiss-Parameter kann man da aber nachhelfen und mit schmalerer Bandbreite der Bandpassfilter wird das Signal auch „härter“ und verständlicher, aber manchmal auch harsch. Wo hingegen die diversen Clones oder Reissues ob rein digitaler, hybrider oder analoger Natur deutlich schwächer abschneiden, sind die Synthesefunktionen, da die Vorbilder da ja auch limitiert waren. Insofern ist der Ansatz von Arturia deutlich innovativer, da der Vocoder in diesem Fall als Oszillatormodell Bestandteil eines „richtigen“ Synthesizers ist.

Setzt man die Filter, Hüllkurven, den LFO und die Modulationsmatrix ein, dann sind die Möglichkeiten schon beachtlich und gehen über den Funktionsumfang eines reinen klassischen Vocoders deutlich hinaus. Eine der wenigen Einschränkungen gegenüber den anderen Oszillatormodellen des MicroFreaks ist, dass der Oszillator-Typ selbst im Vocoder-„Modus“ nicht modulierbar ist. Auch das kapazitive Keyboard ist aus meiner Sicht gerade bei Vocoder-Performances ein Plus, weil man darauf so wunderbar sliden kann, aber das ist natürlich eine subjektive Betrachtung.

Sicher – der MicroFreak bietet keinen High-End-Klang, aber man kann die Ergebnisse sehr gut in der DAW aufpolieren. In erster Linie empfiehlt es sich, das Signal etwas zu komprimieren, da vor allem bei forciertem Einsatz der Hiss-Funktion eine gewisse Neigung zur Pegelspitzenbildung vorhanden ist.

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Fazit

Wenn man schon länger mit dem Gedanken gespielt hat, sich einen MicroFreak zuzulegen, dann ist die Vocoder-Edition eine gute Gelegenheit. Der MicroFreak ist mit seinen 13 zum Teil ausgefallenen Oszillatormodellen, dem analogen Filter und den umfangreichen Modulationsmöglichkeiten und nicht zuletzt mit seinem ungewöhnlichen kapazitiven Keyboard für sich schon ein guter und ungewöhnlicher Synthesizer, der mit dem Vocoder in seiner Funktionalität noch einmal deutlich erweitert wird. Das weiße Gehäuse steht dem Freak jedenfalls sehr gut, mir persönlich gefällt es sogar besser als das „klassische“, die Beschriftung ist jetzt besser zu lesen und nicht zuletzt gibt es noch das Schwanenhalsmikro mit Kopfhörerdurchschliff dazu.

Für Besitzer des „klassischen“ MicroFreaks ist das Update sowieso ein „no brainer“, zumal ja gratis. So geht gute Produktpflege! Außerdem ist zu erwarten, dass Arturia im Laufe der Zeit noch weitere Oszillatormodelle für den MicroFreak herausbringt.

Das Schwanenhalsmikrofon kann man bei Bedarf  auch einzeln erwerben, der Kauf eines entsprechenden Splitter-Kabels empfiehlt sich sowohl dem Besitzer des „klassischen“ Freaks wie auch den Käufern der Vocoder-Edition. Etwas unverständlich ist, dass Arturia ein entsprechendes Kabel bei der Vocoder-Edition nicht mitliefert oder dem Schwanenhalsmikro zu dem Kopfhörerdurchschliff noch eine Line in Buchse spendiert hat, damit dieses gleich die Splitter-Funktion übernimmt – da wäre auch für „Klassik“-Besitzer die Motivation größer, sich das Mikro anzuschaffen.

Sound ist ja bekanntlich Geschmackssache, für mich persönlich könnte die Sprachverständlichkeit besser sein, wenn man mit Hiss und schmalen Bandbreiten nachhilft, kann das Ergebnis harsch klingen, sonst gibt es aus meiner Sicht bis auf die fehlende Aussteuerungsanzeige im Mic-Gain-Menü wenig auszusetzen. Die wesentlichen Parameter werden im englischen Handbuch ausführlich beschrieben, das deutsche Handbuch wurde leider noch nicht nachgeführt.

Plus

  • für Besitzer des „klassischen“ Freaks ist das Update gratis
  • Vocoder-Parameter modulierbar
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis der Vocoder-Edition

Minus

  • Kopfhörerdurchschliff, aber keine Line-In Buchse
  • erforderliches Adapterkabel nicht im Lieferumfang
  • keine Aussteuerungsanzeige im Mic-Gain-Menü
  • Hiss-Parameter nur über Utility-Menü erreichbar

Preis

  • 279,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Chufu  

    Die ca.30€ für das orginal Microfon lohnen sich!
    Das Electred Kondensatormikrofon bringt mehr Dynamic und klarere Sprache in das Gerät. Der Unterschied ist ganz deutlich wenn man ein günstiges Dynamisches Microfon mit dem Orginal Microfon vergleicht. Mit Vocoder macht das Teil noch mal mehr Spass. Würde ich behaupten und ja, die Produktpflege beim Microfreak ist bis jetzt Ausgezeichnet. Immer mal wieder was neues im Freak.
    Ich hab das Ding jetzt schon fast 1 1/2 Jahre und es wird nicht langweilig. Meiner Ansicht nach ist der Micro Freak so ziemlich das beste in seiner Preisklasse. Wem die Tastatur nicht gefält der kann ja einen MIDI-Controler anschliessen. Man beraubt sich allerdings dann selbst um eine neue art Synthesizer zu spielen. Das muss aber jeder selbst wissen wie er das macht. Ich benutze beide Varianten. Je nach bedarf.

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