Test: Audio-Technica AT-LP120X USB Plattenspieler

30. April 2020

AT-LP120XUSB: klobiger Name - klassischer Plattenspieler

Audio Technica AT-LP120XUSB

AudioTechnica AT-LP120XUSB

Audio-Technica AT-LP120XUSB – was ein Name. Aber was steckt dahinter und für wen ist der Plattenspieler aus dem Hause Audio-Technica gedacht? Das werden wir uns heute für euch in unserem Test mal genauer anschauen.

Geliefert wird der Audio-Technica AT-LP120X USB und …?

Audio Technica AT-LP120XUSB

Die Rückansicht des Audio-Technica AT-LP120X USB

Da steht er nun also vor uns, der neue Plattenspieler der japanischen Firma Audio-Technica. Klar, nicht so ganz, da man nach dem Auspacken natürlich erst mal den Plattenteller samt Slipmat aufsetzen, das Gewicht und die Nadel an den Tonarm anschrauben, ausbalancieren und einstellen muss. Natürlich noch die Kabel für Strom, Erdung und Cinch sowie ein USB-Kabel anbringen und wer mag noch die Nadelbeleuchtung und Staubschutzhaube. Das ging alles jedoch schnell und erforderte keinen Blick in die beiliegende Bedienungsanleitung. Zudem muss man hier eine Sache schon mal positiv erwähnen: Alles bisher Aufgezählte liegt dem Produktumfang bei! Sogar ein USB-B-Kabel ist mit im Paket und ein Adapter für 7“-Schallplatten, nicht übel.

Audio Technica AT-LP120XUSB

Lieferumfang des Audio-Technica AT-LP120XUSB.

Nachdem nun das Ganze zusammengebaut wurde steht stellt sich die Frage, was genau wir eigentlich vor uns haben. Ein Plattenspieler, soviel ist sicher, aber was für ein Plattenspieler? Ein Blick auf die technischen Daten verrät: Wir haben es hier mit einem  Plattenspieler mit Direktantrieb zu tun. Soweit, so gut – und weiter? Gleichstrom-Servomotor, Anti-Skating, S-förmiger Tonarm und einen Pitch-Bereich von +/-8 % und +/-16 % sowie drei Geschwindigkeiten (33, 45 und 78 RPM).

Auf den ersten Blick klassischer Technics-Look, erhältlich in Silber und Schwarz. Optisch macht der Plattenspieler durch das zeitlose Design einiges her und wird überall gut aussehen, da er den klassischen DJ-Look hat.

AudioNadelbeleuchtung Technica AT-LP120XUSB

Die Nadelbeleuchtung des Audio-Technica AT-LP120X USB

Ein paar Vor- und Nachteile des Plattenspielers

Ein Pluspunkt vom Audio-Technics AT-LP120XUSB ist auf jeden Fall, dass Cinch- und Massekabel abgenommen werden können. Nichts ist ärgerlicher, als auf Grund eines Kabelbruchs den Lötkolben auspacken zu müssen. Außerdem ist der Netzschalter eingelassen, wie es seit dem Technics M3D üblich ist, um ein ungewolltes Ausschalten zu vermeiden. Zudem finden wir auf der Rückseite neben genannten Anschlüssen noch einen Schalter zwischen Phono und Line. Laut Audio-Technica beherbergt der AT-LP120X USB neben dem traditionellen Phono-Output noch einen verbauten magnetischen Phono-Preamp, der einen RIAA-Standard-Equalizer beinhaltet. Mehr dazu im Praxistest.

 Audio Technica AT-LP120XUSB

Der Netzschalter des Audio-Technica AT-LP120XUSB vermeidet versehentliches An- oder Ausschalten

Der höhenverstellbare Tonarm samt Absenkmechanik und Anti-Skating lässt schnell darauf schließen, dass der Audio Technica AT-LP120X USB kein Einsteigermodell ist, sondern eine gewisse Qualität sicherstellen möchte. Der beigelegte „Quick Start Guide“ besteht nur aus Bildern, die einem das richtige Anschließen und Aufbauen des Plattenspielers erläutern soll. Eine ausführliche Bedienungsanleitung finden wir HIER auf der Seite von Audio-Technica. Zudem hat der japanische Hersteller ein relativ ausführliches Video zu ihrem Plattenspieler und die genauen Einstellungen von Tonarm und Co auf ihrem YouTube-Kanal veröffentlicht, um dem User eine Hilfe zu geben. Das Video findet ihr HIER.

Positiv zu erwähnen sind zudem die zwei Gummi-Aussparungen der Abdeckhaube, durch die Schäden am Plattenspieler, aber eben auch an der Abdeckhaube selbst hoffentlich vermieden werden können. Wahrscheinlich kennt jeder mindestens einen Club oder eine Bar, bei der die Staubabdeckung des Plattenspielers einen Sprung hatte.

Dafür jedoch unüblich ist das externe ziemlich klobige Netzteil, das mit den Adaptern für die EU und USA mitgeliefert wird. Der Plattenspieler steht solide, auch basierend auf den höhenverstellbaren Gummifüßen und hat ein Gewicht von 8 kg, was nur 1,6 kg weniger sind als beim aktuellen Technics SL-1210 MK7.

 Audio Technica AT-LP120XUSB

Das mitgelieferte Staubschutzcover des Audio-Technica AT-LP120XUSB samt extra Gummierung

Was macht das Gerät optisch so her?

Die Oberfläche des AT-LP120XUSB, den es in Silber und in Schwarz gibt, gestaltet sich relativ klassisch: Start/Stopp-Taste mit den benachbarten Tasten für die gewünschte RPM-Zahl, beim gleichzeitigen Drücken der 33 und 45 RPM Taste wechselt der Plattenspieler auf 78 RPM. Unter dem Tonarm finden wir den Pitchfader, der via extra Button zwischen +/-8 % und +/-16 % umgestellt werden kann und einen mit „Quartz“ betitelten Button, der unabhängig von der Position des Pitchfaders die Drehzahl bei 0 % hält. Natürlich fehlen auch nicht die bekannten Stroboskop-Punkte am Plattenteller, die darüber informieren, auf wie viel RPM der Plattenspieler läuft bzw. laufen soll. So kann man sicherstellen, dass der Plattenspieler richtig justiert ist. So sollte sich die richtige Reihe dem Anschein nach nicht „bewegen“, nur dann läuft der Plattenspieler mit der richtigen Nenndrehzahl.

Wie schlägt sich der Plattenspieler in der Praxis?

Gut – und nein, es sieht nicht nur gut aus, sondern hört sich auch gut an! Der Direktantrieb läuft stabil und es sind keine Unregelmäßigkeiten zu hören. Das Einzige,  was auffällt ist, dass der Plattenspieler etwas mehr Zeit benötigt, um auf volle Geschwindigkeit zu kommen, wenn man erst mal Play gedrückt hat. Anhand der eben erwähnten Stroboskop-Punkte lässt sich schnell sehen, dass der AT-LP120XUSB vom Werk aus richtig eingestellt ist.

Etwas, was ebenso auffällt: Die Tastenwiderstände fühlen sich ein wenig lasch an. Auf den Plattenspieler haben wir während eines Livestreams zurückgegriffen, um ihn auf Herz und Nieren zu testen und zu überprüfen, wie er sich in der Praxis als „DJ-Plattenspieler“ macht.

Schnell lassen sich zwei Sachen sagen:

  1. Ja – man kann mit dem LP120XUSB auflegen,
  2. dafür ist er aber nicht unbedingt konzipiert.

Natürlich haben wir den klassischen DJ-Plattenspieler-Look und allein die Tatsache, dass wir einen Pitchfader vorfinden zeigt, dass man mit dem AT-LP120XUSB auflegen kann oder können soll und das geht auch. Doch der Motor ist bei Weitem nicht so leistungsstark wie der eines Technics, noch weniger wie der anderer aktueller DJ-Plattenspieler.

So merkt man schnell, dass das Beatmatchen extrem viel Feingefühl fordert, da der Plattenteller schnell beim Taktangleichen stehenbleibt oder zu schnell läuft. Auch wenn der Motor etwas schwacher als sonst gewohnt bei DJ-Turntables ist, läuft er sehr zuverlässig und gleichmäßig. Das auch bei deaktivierter Quartz-Funktion und in beiden Pitch-Ranges. Während des 2-stündigen Livestreams konnte man sich an diese Dinge gewöhnen, aber man würde den AT-LP120XUSB nicht als erste Wahl bevorzugen, wenn es ums Auflegen geht. Auch die gummierten Füße lassen den Plattenspieler zwar vernünftig nivellieren und sorgen dafür, dass er nicht verrutscht, aber Vibrationen dämpfen sie nicht allzu gut.

Audio Technica AT-LP120XUSB

Die Quartzlock-Funkion des Audio-Technica AT-LP120X USB.

Aber eventuell ist dies auch nicht die Intention von Audio-Technica – zudem sind wir noch nicht genau auf den Namenszusatz USB eingegangen. Relativ simpel zu erahnen: Durch den auf der Rückseite angesiedelten USB-Port lässt sich der Plattenspieler ohne Treiberinstallation u. ä. an den Rechner anschließen und ermöglicht so die einfache Digitalisierung der heimischen Vinyl-Kollektion. Natürlich dürfen wir dabei nicht vergessen, vorher den Schalter von Phono auf Line zu stellen, damit das Signal laut genug ist und dann mit der DAW des Vertrauens oder eben frei erhältlichen Programmen wie Audacity fein säuberlich aufgenommen werden kann. Außerdem muss auf Grund der Ausgabe als Line-Signal das Erdungskabel nicht angeschlossen sein. Funktioniert super und die Qualität ist mehr als ansehnlich. Anbei haben wir für euch ein Beispiel für die Digitalisierungsqualität via USB und via Cinch erstellt. Für alle, die der Digitalisierung nicht trauen und wie herkömmlich das Ganze via Cinch machen möchten, hat der Cinch-Out natürlich den Vorteil, direkt das passende Kabel anzuschließen. So haben wir uns ein Cinch-auf-Klinke-Kabel genommen, um das Ganze ohne Adapter in unser Audiointerface laufen zu lassen. Auch hierbei kann man den Schalter auf Line lassen und den verbauten Phono-Preamp mit Equalizer nach RIAA-Standard benutzen, um direkt ein ausreichendes Lautstärkepegel zu haben und natürlich fällt auch hier die Erdung weg. All das leistet der Audio-Technica AT-LP120XUSB wunderbar und so haben wir einen Sonntagnachmittag damit verbracht, ohne viel Arbeit einen Teil der Plattensammlung zu digitalisieren.

Und für wen eignet sich nun der AT-LP120X USB?

Es ist unserer Meinung nach der perfekte Kompromiss vom klassischen DJ-Look und einem HiFi-Plattenspieler für daheim. Ja man kann pitchen, aber der nicht sehr leistungsstarke Motor zeigt schnell, dass der AT-LP120XUSB nicht für DJs konzipiert wurde. Alle die, die jedoch einen soliden Plattenspieler haben möchten, um ihr schwarzes Gold daheim zu hören und zusätzlich noch zu digitalisieren, finden hier das passende Werkzeug mit einem Gerät, das den DJ-Touch besitzt, jedoch klar mehr auf den reinen Hörer ausgerichtet ist, nicht auf den DJ. DJ-Look-alike ist halt auch im HiFi-Bereich für einige Kunden ansprechend. Faire Sache, der Technics 1210 als Mutter aller DJ-Plattenspieler ist ja auch ein schickes Gerät.

Fazit

Der Audio-Technica AT-LP120XUSB ist ein grundsolider Plattenspieler für alle, die den schönen DJ-Look von Technics, gepaart mit modernen Features wie einem USB-Anschluss oder abnehmbaren Cinch- und Erdungskabel, haben möchten. Der damit einhergehende einfache Digitalisierungsprozess ist ein klarer Pluspunkt und der eingebaute Phono-Vorverstärker, der das Signal auf Line-Pegel hebt, leistet gut seine Arbeit. Daher auch super für alle, die immer mal eine Vinylsammlung starten wollten, aber nicht unbedingt extra noch auf Verstärker und Co setzen möchten. Der Tonarm ist professionell einstellbar und sorgt damit für ein tadelloses Klangerlebnis. Zudem ist der Lieferumfang gewaltig. Alle nötigen Kabel liegen bei, zudem kommt noch die mitgelieferte Headshell-Nadel, die einem Geld spart. Mit dabei ist außerdem ein Staubschutzcover für die Stunden, in denen der Plattenspieler mal nicht seine Runden dreht. Letzten Endes kann man das Ganze nur noch dem finalen Preis gegenüberstellen: 229,- Euro. Das ist für den großzügigen Lieferumfang, die einfache Digitalisierungsmöglichkeit sowie den verbauten Phono-Vorverstärker ein super Preis und sollte keine Wünsche übrig lassen.

Plus

  • großzügiger Lieferumfang
  • Digitalisierungsmöglichkeit samt Qualität
  • abnehmbares Cinch- und Erdungskabel
  • verbauter Phono-Vorverstärker nach RIAA-Standard

Minus

  • mittelstarker Motor
  • etwas niedriger Knopfwiderstand beim Drücken

Preis

  • 229,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dAS hEIKO  AHU

    Und bei einem Kaufpreis von 230 Euro sind die vergleichenden Anmerkungen zum „Großen 1210“ ja auch durchaus schmeichelhaft. Schließlich kostet bei vielen DJs der verwendete Abnehmer schon so viel.

    Im Praxistest am interessantesten fände ich den Vergleich zwischen Phono-Out, Line Signal und USB. Optional auch nicht verkehrt: spaßhalber mal die Soudntests auch mit einem hochwertigen Abnehmer testen. Einfach um zu sehen, ob sich pimpen lohnt.

    Ich hab seit über 25 Jahren keinen Plattenspieler mehr. Aber der hier scheint mir mehr als der kleine Preis wert zu sein für ein Heimgerät.

  2. Profilbild
    Faust

    Ich habe das gute Stück schon eine ganze Weile hier und bin sehr zufrieden mit diesem Plattendreher. Er sieht gut aus, hat alles an Board was man als reiner „Hörer“ braucht und klingt mit dem mitgelieferten Tonabnehmer fantastisch. Ich kann dieses Gerät vorbehaltslos empfehlen. Aus der Packung heraus ein rundes Gesamtpaket das überzeugt! (zumindest mich).

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