Test: Beyerdynamic T5 3rd Generation, Kopfhörer

21. Dezember 2020

Luxus-Kopfhörer aus Heilbronn

beyerdynamic t5 3rd generation test

Beyerdynamic T5 3rd Generation, Kopfhörer

Der Beyerdynamic T5 Kopfhörer gehört zu den zwei neuen Oberklasse-Modellen des Traditionsunternehmens aus Heilbronn. Mit den Kopfhörern der T-Serie bedient Beyerdynamic gehobene Audioansprüche, vornehmlich für den Konsumentenbereich. Auf Grund der hohen Klangqualität eignen sie sich aber ebenso für Studioanwendungen. Das T5 Modell ist wegen seiner geschlossenen Bauweise besonders interessant für Mikrofonaufnahmen und den Einsatz in lauteren Umgebungen.

Beyerdynamic T5

T5 im Hardcase

Auf den ersten Blick

Die inzwischen 3. Generation dieser edlen Kopfhörer ist nicht nur in geschlossener, sondern auch offener Bauweise erhältlich, die erst kürzlich ausführlich von Jochen Schnur für AMAZONA.de getestet wurde:

Genau wie das Geschwistermodell T1, liefert Beyerdynamic den T5 in einem robusten, mit Stoff bezogenen Hardcase, das mit einem Reißverschluss geöffnet wird. Im Inneren liegt wohlbehütet der silber-graue T5 in voller Größe, da er nicht zusammenklappbar ist. Dementsprechend ausladend sind die Maße des Cases (27 cm Tiefe, 21 cm Breite und 14 cm Höhe), dafür lässt sich der Kopfhörer aber sehr sicher, wenn auch nicht gerade platzsparend, transportieren.

Rundum wirkt der T5 absolut hochwertig und einwandfrei verarbeitet: Sein Kopfbügel hat eine rund 1,5 cm dicke Polsterung und ist mit weichem Alcantara Kunstleder bezogen. Die Gabeln, an denen die Hörmuscheln montiert sind, werden aus gebürstetem Aluminium gefertigt und zusätzlich eloxiert. Sie lassen sich aus dem Bügel herausziehen, um den T5 an die Kopfgröße des jeweiligen Benutzers anzupassen, wobei eine Rasterung greift, die eine solide Sicherung der gewählten Einstellung bietet.

Beyerdynamic T5

T5 von der Seite

Die Hörmuscheln haben insgesamt einen Durchmesser von 10 cm und umschließen das komplette Ohr, ihre austauschbaren Polster besitzen einen proteinbeschichteten Kunstlederüberzug und sind mit unterschiedlichen Schaumstofflagen befüllt. Eine davon besteht aus sogenanntem „Memory Foam“, das sich besser als herkömmliche Materialien an die Kopfform des jeweiligen Nutzers anpassen soll. Auch für die Gehäusedeckel an den Außenseiten der Hörmuscheln verwendet Beyerdynamic gebürstetes und lackiertes Aluminium.

Technische Details

Die T-Serie wird in dem Firmensitz in Heilbronn zum Großteil von Hand gefertigt, dazu zählen auch die selbstentwickelten, dynamischen Tesla-Treiber. Sie generieren einen sehr starken Magnetfluss, der für einen kraftvollen Antrieb sorgt, wodurch der Klang mehr Präzision und Transparenz erlangen soll.

Um eine authentischere räumliche Darstellung zu erreichen, sitzen die runden, 4,5 cm breiten Membranen leicht angewinkelt in dem vorderen Teil der Hörmuscheln.

Beyerdynamic T5

Proteinbeschichteter Kunstlederüberzug

Der Wiedergabebereich erstreckt sich von 5 bis 50.000 Hz. Angesichts dieses großen Frequenzspektrums wurde der T-Serie auch das „Hi-Res Audio“ Zertifikat der JAS (Japan Audio Society) verliehen, einem Qualitätssiegel für Audiogeräte mit hochauflösendem Klang.

Wie schon das Vorgängermodell T5p, hat der Beyerdynamic T5 ebenfalls eine Nennimpedanz von 32 Ohm, somit lässt er sich problemlos mit Smartphones und Tablets verwenden. Der Kennschalldruckpegel beträgt 100 dB (1 mW), die Nennbelastbarkeit 300 mW und der maximale Schalldruckpegel liegt bei 124 dB. Wenn man beispielsweise den Kopfhörer an ein aktuelles iPad anschließt, dessen Ausgang voll ausgesteuert ist, erzeugt der T5 eine enorme Lautstärke, die keinem gesunden Gehör längere Zeit ausgesetzt werden sollte.

Das zum Lieferumfang gehörende Kabel in Y-Form ist 1,4 m lang und mit schwarzem Textilgewebe umhüllt, während die Leiter im Inneren aus hochwertigem OCC 7N bestehen, einer besonders reinen Kupferart. An allen drei Enden sind vergoldete 3,5 mm Klinkenstecker angebracht, zwei davon werden in den Hörmuscheln eingesteckt, dadurch lässt sich das Kabel, falls es einmal brechen sollte, ganz einfach austauschen. Für den Audioeingang hat Beyerdynamic einen – leider nicht schraubbaren – 6,3 mm Klinkenadapter beigelegt, optional ist auch ein Kabel mit symmetrischem XLR-Anschluss erhältlich.

Obwohl das Gewicht von geschlossenen Kopfhörern in der Regel höher ist als das von offenen, wiegt der T5, genau wie das Geschwistermodell T1, 360 g.

Beyerdynamic T5

Gehäusedeckel aus gebürstetem Aluminium

Tragekomfort

Der Beyerdynamic T5 hat ein geschlossenes Arbeitsprinzip, somit werden zum einen Umgebungsgeräusche für den Benutzer recht effizient unterdrückt, zum anderen fallen die Schallemissionen des Kopfhörers selbst bei hoher Lautstärke gering aus.

Dank der dicken und hochwertigen Polsterung ist das Tragen des T5 überaus angenehm. Das sogenannte „Memory Foam“ passt sich tatsächlich sehr gut der Kopfform an und sorgt in Verbindung mit dem weichen, proteinbeschichteten Kunstleder für eine beachtliche Isolierung der Hörmuschel. Zusätzlich liegt die Andruckkraft laut Herstellerangaben bei ca. 4 Newton, was nochmals einen dichteren Abschluss zwischen Kopf und Polstern bewirkt.

Trotz des hohen Tragekomforts entsteht, genau wie bei anderen geschlossenen Kopfhörern, nach spätestens einer bis zwei Stunde das Bedürfnis, den Ohren ein bisschen Luft zu gönnen – natürlich hängt das auch immer von dem individuellen Empfinden des jeweiligen Anwenders ab.

Beyerdynamic T5

OCC 7N Kabel mit Textilmantel

Auch die Übertragung von Bewegungsgeräuschen am Kabel, die Jochen Schnur schon in dem Testbericht des T1 beschrieben hat, sind bei geringer Lautstärke deutlich hörbar. Tatsächlich fallen sie sogar stärker als bei der Verwendung eines herkömmlichen Kabels mit glatter, gummierter Oberfläche aus, da die raue Struktur der Textilummantelung mehr Widerstand erzeugt und so schabende und kratzende Geräusche entstehen.

Auch das empfindet jeder Anwender in einem unterschiedlichen Maß als störend, wenn es sehr nervt, muss halt das Kabel so gelegt werden, dass nirgendwo Reibungen entstehen.

In der Praxis

Während des Tests wurde der T5 im Studio mit zwei verschiedenen Kopfhörervorverstärkern betrieben. Für das Hören und Mischen in der Regie kam der interne Verstärker des SPL MTC 2381 zum Einsatz, beim Ausrichten von Mikrofonen im Aufnahmeraum ein Lake People Phone-Amp G93.

Beyerdynamic T5

T5 mit SPL MTC 2381

Das bloße Hören von Musik ist mit dem Beyerdynamic T5 bereits eine echte Offenbarung. Die Darstellung des gesamten Frequenzspektrums macht einen sehr ausgeglichen Eindruck, wobei der Bassbereich – im Vergleich zu offenen Kopfhörern mit einem linearen Klang – deutlich stärker und muskulöser hervortritt. Deswegen wirkt er aber noch lange nicht überbetont, sondern gliedert sich ausgewogen in das Gesamtbild ein. Er hat eine druckvolle und schnelle Ansprache mit einer klaren, straffen Kontur, die das Lowend sauber getrennt von den oberen Bässen wiedergibt.

Auch die komplette Midrange wird fein gegliedert mit einem enormen Detailreichtum übertragen. Die unteren Mitten präsentieren sich sehr kraftvoll, sorgen dabei für eine vollmundige Wärme, bewahren aber stets ihre hohe Präzision.

Gerade an den oberen Mitten hat Beyerdynamic laut eigener Aussage im Vergleich zum Vorgänger T5p viel verändert. Tatsächlich klingt dieser Frequenzbereich zum einen überaus behutsam, sprich nichts erscheint zu harsch oder beißend, zum anderen besticht er durch eine starke, aber unglaublich angenehme Präsenz.

Die Höhen bildet der T5 wiederum auf eine sehr schöne und charmante Weise ab. Sie haben einen silbrig, seidigen Charakter, der klar artikuliert wiedergegeben wird und gleichzeitig sehr offen und lebhaft klingt.

Bei der Ortung von einzelnen Instrumenten im Stereo-Panorama und – vor allem – bei der Tiefendarstellung überrascht der T5 angesichts seiner geschlossenen Bauweise. Die Transparenz des Klanges ist erstaunlich: Mit hoher Trennschärfe wird die Tiefenstaffelung einer gut gemischten Aufnahme offengelegt, wobei er jede Ebene überaus plastisch darstellt. Selbst hintergründige Raumanteile haben eine klare Definition, sind aber trotzdem schön im Kontext eingebettet.

Dank all der bisher genannten Klangeigenschaften eignet sich der T5 hervorragend als Abhöre für das Musizieren und Mischen „on the road“. Vor allem in lauteren Umgebungen sorgt er durch seine starke Schallisolierung für die benötigte Ruhe, was nicht nur bei Live-Produktionen sehr vorteilhaft sein dürfte, sondern auch bei Zugfahrten, im Flugzeug oder wo immer man sich gerade von der Außenwelt akustisch abkapseln möchte.

test Beyerdynamic T5

Das Hardcase

Grundsätzlich sind die Kopfhörer aber auch eine große Bereicherung für jedes Studio. Wenn es einzig und allein um Tonmischungen geht, ist sicherlich das offene T1 Modell die bessere Wahl, dennoch macht auch der T5 als Ergänzung zu Studiolautsprechern einen sehr guten Job. Allein beim Verteilen von Instrumenten im Stereobild oder der Staffelung von Räumen und Hall verleiht er eine enorme Sicherheit, so dass Entscheidungen schnell und souverän getroffen werden können. Durch die hohe Detailtreue und sehr analytische Wiedergabe lassen sich Equalizer und Kompressoren spielend einfach einstellen.

Selbst beim Ausrichten von Mikrofonen ist der T5 ein hervorragender Helfer, sowohl wegen seiner Klangpräzision, als auch der sehr guten Schallisolierung der Hörmuscheln.

Wenn beispielsweise die ideale Position vor dem Korpus einer Akustikgitarre gefunden werden soll, sind beim Verschieben des Mikrofons kleinste Veränderungen im Klang exakt wahrnehmbar. Dadurch entsteht eine enorme Treffsicherheit, welche die Suche nach dem Sweetspot zu einem wahren Vergnügen macht.

Das Gleiche gilt für das Aufstellen von Stereomikrofonierungen: Minimale Bewegungen im Panorama stellt der T5 akribisch genau dar, so dass zum Beispiel beim Einstellen des Winkels einer X/Y-Mikrofonierung die Veränderung der Weite des Signals mit absoluter Punktgenauigkeit wiedergegeben werden.

Lediglich bei sehr lauten Quellen wie einem Schlagzeug kommt die Schallisolierung an ihre Grenzen, wodurch es schwierig ist, den exakten Mikrofonklang im Kopfhörer differenziert vom Raum zu hören – für das Monitoring eines Schlagzeugers während der Aufnahme reicht die Isolierung aber allemal.

Beyerdynamic T5

Beyerdynamic T5

Fazit

Der Beyerdynamic T5 ist ein edler Kopfhörer mit exzellentem Klang, exquisiten Bauteilen und absolut vorbildlicher Verarbeitung.

Dank seiner geschlossenen Bauweise und der damit einhergehenden starken Schallisolierung eignet er sich hervorragend als Allzweckkopfhörer – und das nicht nur bei Aufnahmen oder Tonmischungen im Studio.

Unterwegs, daheim oder wo immer auch ein lauteres Umfeld ausgeblendet werden muss, bietet der T5 ein luxuriöses Hörerlebnis. Sein Klang ist unglaublich präzise, druckvoll, detailreich und bewahrt dabei stets einen ausgewogenen und angenehmen Charakter.

Wer bereit ist, 1.000,- Euro für einen Kopfhörer auszugeben, aber noch mit der geschlossenen Bauweise des T5 hadert, sollte einfach die offene T1 Version ausprobieren.

Plus

  • hervorragender Klang auf Referenzniveau
  • Verarbeitung
  • Tragekomfort
  • starke Isolierung von Umgebungsgeräuschen

Minus

  • kein Schraubverschluss am Audioeingang für einen 6,3 mm Klinkenadapter
  • Textilgewebe des Kabels verstärkt die Übertragung von Bewegungsgeräuschen

Preis

  • 999,- Euro
Forum
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    Stephan Merk  RED

    Hallo Chris, ich war auch beim T 1 gespannt auf den Test und habe nun auch den des T 5 gelesen. Ich selbst hatte T 1 und T 5 bei mir auf merkst.de verglichen und stellte mir die Frage, ob ich den T5p austauschen sollte. Bezüglich der Neutralität muss ich leider widersprechen, was allerdings für meinen Einsatzzweck vorteilhaft ist. Als Spaßhörer hätte man ihm im Vergleich zum Vorgänger ruhig den Zusatz AMG verleihen dürfen, tiefer gelegt und weniger neutral, als es der DT 1990 Pro oder K812 von AKG können. Aber so ganz tadellos ist er leider nicht, so „quakt“ er bei 2,5 KHz leicht (Kermit-Effekt) und das hört man leider im Vergleich zum T 1, der für mich eher topfig klingt und erst recht zum T 5 p, der klanglich in Sachen Neutralität dem DT 1990 Pro deutlich näher kommt. Der T 5 ist zweifellos ein hervorragender Kopfhörer, aber bitte nicht zur objektiven Frequenzbeurteilung. Im Gegensatz zum T 1 subjektiv zwar nicht so furchtbar, aber der DT 1990 Pro ist mit Abstand ehrlicher.

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