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Test: Conductive Labs MRCC 880, MIDI-Router

MIDI Routing/Merging: mit und ohne Computer

28. November 2022
conductive labs mrc 880 test

Conductive Labs MRCC 880, MIDI-Router

Zeiten ändern sich – oder doch nicht? Wir schreiben das Jahr 2022, genau genommen ist es schon fast 2023 und MIDI ist immer noch da. Es ist Anfang der 1980er-Jahre gekommen, um zu bleiben. Nun gibt es die MIDI-Spezifikation 2.0, MIDI über USB und TRS-Stecker und doch hat sich eine Sache beharrlich gehalten: MIDI über fünfpolige DIN-Stecker. Diesem Umstand hat man bei Conductive Labs Rechnung getragen und mit dem Condutive Labs MRCC 880 MIDI Router ein Gerät entwickelt, das sowohl im modernen DAW Umfeld funktioniert als auch ganz ohne einen Computer. Wird es somit im Studio alten wie neuen Geräten gelingen, miteinander zu kommunizieren?

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Conductive Labs

Viel herauszufinden gibt es zu Conductive Labs nicht. Die Besitzer des Unternehmens aus Portland, USA sind Darryl McGee und Steve Barile. Beide haben sich auf die Fahne geschrieben, MIDI-Routing zu revolutionieren. Mit dem Conductive Labs MRCC ist ihnen das auch tatsächlich gelungen, denn kaum ein MIDI Router/Merger am Markt ist so vielseitig wie dieses Gerät. Waren die Geräte zu Beginn ausschließlich über den Eigenvertrieb von Conductive Labs erhältlich, was für Kunden außerhalb der USA zumeist problematischer war, weil auf den Verkaufspreis in US-Dollar noch die Einfuhrumsatzsteuer plus Zoll aufzuschlagen waren, sind sie nun seit einiger Zeit auch im deutschen Handel erhältlich. Wir haben uns den MRCC 880 einmal näher angeschaut.

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Das Problem: Ohne MIDI geht es nicht

Fans von Hardware-Klangerzeugern werden mir wahrscheinlich beipflichten, dass seit der Erfindung von MIDI in den frühen 1980er-Jahren die Verbindung von verschiedenen Klangerzeugern und Steuergeräten wie Sequencern, Arpeggiatoren und Drumcomputern nie komplexer war als heute.

Eigentlich wollte man mit MIDI über USB alles vereinfachen. Doch was ist nerviger als MIDI über DIN-Kabel? Richtig: MIDI über USB-Kabel. Ich erinnere mich noch an mein Studio- und Live-Rack mit diversen MIDI-Klangerzeugern und einem Kawai Q80 Sequencer. Nie war es ein Problem, diese per MIDI-Kabel miteinander kommunizieren zu lassen. Auch die Einbindung meiner diversen Keyboards über MIDI-Kabel funktionierte immer tadellos. Natürlich benötigten auch damals sehr große Setups MIDI-Router und MIDI-Merger, da endlose MIDI THRU-Ketten neben einer stets zunehmenden Verzögerung der Signale auch ander Probleme wie MIDI-Hänger mit sich brachten. Und klar war etwas organisatorisches Geschick gefragt, wollte man dann noch in großen Setups den Überblick behalten und der Kabelwust war aufgrund der notwendigen Kabel für MIDI IN und MIDI OUT auch nicht unerheblich. Dennoch: Es funktionierte.

Heute: MIDI über USB sollte es richten und uns vom MIDI-Kabel erlösen. Eigentlich praktisch, denn über USB lassen sich auch noch Audiodaten übertragen und so einige andere Informationen, die vielleicht sinnvoll sein könnten. Wenn da das verflixte Problem der USB-Controller nicht wären, die bei hoher Last zickig werden und es bis heute kein Hersteller geschafft hat, einen USB-Hub im 19 Zoll Format zu entwickeln, der auch tatsächlich fehlerfrei funktioniert. Und dann wären da noch diverse Vintage-Geräte (oder moderne Geräte) mit CV-Anschlüssen, Vintage-Geräte mit MIDI-Buchsen oder moderne Reinkarnationen mit TRS-Buchsen anstelle der sonst üblichen MIDI DIN-Anschlüsse. Insbesondere für die direkte Verbindung mehrerer Klangerzeuger ohne dazwischengeschalteten Computer hat sich USB bislang als untauglich erwiesen beziehungsweise haben die meisten Hersteller eine solche Möglichkeit nicht in Betracht gezogen.

Aus diesem Grund konnte ich trotz USB bislang auf die altehrwürdige MIDI-Schnittstelle nicht verzichten, ob auf der Bühne oder im Heimstudio. Und ich möchte es auch gar nicht, denn im Gegensatz zur USB-Schnittstelle funktioniert sie meistens tadellos und so habe ich mich besonders gefreut, dass Apple meinem alten Emagic mt4 MIDI-Interface doch nach langem Warten ein Update für die neuen M1-Prozessoren verpasst hat. MIDI DIN gehört auch im ausgehenden Jahr 2022 im Studio mit hinzu.

Die Lösung: Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router

Nach dem großen Modell Conductive Labs MRCC, das eigentlich keine Wünsche offen und tatsächlich Geräte mit USB, MIDI DIN und TRS MIDI problemlos miteinander kommunizieren lässt, legen Conductive Labs nun mit dem MRCC 880 MIDI Router/Merger nach.

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Conductive Labs MRCC 880: MIDI Router, Merger und Interface

Der Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router kostet weniger als die Hälfte des großen Bruders und richtet sich vor allem an diejenigen, die ältere Klangerzeuger ohne USB miteinander kommunizieren lassen möchten oder aber MIDI benötigen, weil eine direkte Verbindung zweier Geräte per USB ohne Computer nicht möglich ist. Der Conductive Labs MRCC 880 MIDI-Router ist dabei zugleich ein MIDI-Merger und ein MIDI-Interface. Neben je vier MIDI-Ein- und Ausgängen mit DIN-Buchsen erblicke ich je eine TRS-MIDI-Buchse in der Eingangs- und Ausgangssektion. In der Mitte ist der unvermeidliche USB-Type B-Anschluss für die Kommunikation mit einem Computer zu finden, der zugleich auch die Stromversorgung übernimmt. Möchte man den MRCC 880 MIDI-Router ohne Computer verwenden, schließt man hier einfach ein USB-Netzteil an.

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Die mit A beschrifteten TRS-MIDI-Buchsen sind jeweils mit einem MIDI-Ein- und Ausgang verknüpft. Das gleichzeitige Nutzen der entsprechenden Anschlüsse ist möglich, sie führen aber die gleichen MIDI-Daten.

Alle Ein- und Ausgänge sind mit Tastern versehen, über die sich das Routing herstellen lässt. Auf der rechten Seite finden sich sechs weitere Taster, die den Funktionen Save/Load, Panic, Chan Split, Clock Filter, SSC Filter und MIDI Mon zugeordnet sind.

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Zusatzfunktionen

Save/Load

Der Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router besitzt Speicherplätze für vier Presets. Zum Abspeichern eines Presets hält man den Save/Load-Taster, während man gleichzeitig eine der vier MIDI-IN-Tasten drückt. Um das entsprechende Preset zu laden, hält man erneut Save/Load gedrückt und ruft das Preset über die jeweilige MIDI-OUT-Taste auf. Auch eine Reset-Funktion zum Initialisieren eines Presets steht zur Verfügung.

Panic

Notenhänger gehören leider immer wieder mal zum MIDI-Alltag und demzufolge ist eine zentrale Panic-Funktion zum Senden von MIDI-CC-120 eine gute Idee. So verstummen sofort alle angeschlossenen Klangerzeuger und das Problem hat sich (vorerst) erledigt.

Chan-Split

Bei der Arbeit mit Sequencern ist es oftmals wünschenswert, mehrere Klangerzeuger einzusetzen. Statt nun die komplette Datenflut auf allen MIDI-Ausgängen zu senden und die Filterung nach MIDI-Kanälen den angeschlossenen Klangerzeugern zu überlassen, lässt sich per Channel-Split-Funktion die Datenlast auf dem MIDI-Bus beträchtlich verringern, was dem Timing zugute kommt. Aktiviert man Chan-Split, führen die vier Output-Ports die folgenden MIDI-Kanäle:

Output 1: Kanäle 1, 5, 9 und 13

Output 2: Kanäle 2, 6, 10 und 14

Output 3: Kanäle 3, 7, 11 und 15

Output 4: Kanäle 4, 8, 12 und 16

Wer nun glaubt, sich das niemals merken zu können, schaue genau hin: Die 16 MIDI-Kanäle werden einfach immer in einer Schleife von Ausgang 1 bis 4 hochgezählt. Ausgang 1 bekommt Kanal 1, Ausgang 2 Kanal 2, Ausgang 3 Kanal 3, Ausgang 4 Kanal 4. Dann geht es wieder bei Ausgang 1 los mit Kanal 5, Ausgang 2 mit Kanal 6 und so weiter.

Clock-Filter

Viele Geräte senden ein MIDI-Clock-Signal. Zu viele Clock-Signale auf dem Daten-Bus stören sich gegenseitig und außerdem benötigt man nur eine einzelne Master-Clock, möchte man Geräte miteinander im Gleichschritt laufen lassen. Lässt sich die MIDI-Clock nicht an den einzelnen Geräten deaktivieren, sorgt das Clock-Filter für schnelle Abhilfe. Das Zuweisen geschieht durch das gleichzeitige Drücken der Clock-Filter-Taste und des entsprechenden MIDI-Eingangs.

SSC-Filter

Besitzen die angeschlossenen Klangerzeuger einen integrierten Sequencer, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser auf MIDI-Start-, Stop- und Continue-Befehle reagiert. Ist das nicht gewünscht, weil zum Beispiel ein externer Hardware-Sequencer oder eine DAW das Sagen hat und lässt sich eine entsprechende Filterung nicht am Gerät selbst vornehmen, setzt man einfach das SSC-Filter am Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router für den jeweiligen Eingang.

MIDI-Monitor

Ein MIDI-Monitor ist bei der Fehlersuche hilfreich. Eine einfache Funktion, die anzeigt, ob MIDI-Daten auf einem entsprechenden Eingang oder Ausgang anliegen, ist im Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router enthalten.

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Conductive Labs MRCC 880 im Testeinsatz mit mehreren Klangerzeugern und der DAW

Praxiseinsatz des MIDI-Routers

Hat man alle Klangerzeuger über die MIDI IN und OUT Buchsen mit dem Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router verbunden und das Gerät mit Strom versorgt, kann es auch schon losgehen. Drückt man eine MIDI IN-Taste, lässt sich anschließend wählen, auf welche MIDI OUT-Ports das Signal geschickt werden soll, indem man einfach die betreffenden MIDI OUT-Tasten drückt, die daraufhin leuchten. Auf diese Weise erstellt man für alle vier MIDI IN-Ports das gewünschte Routing. Nach dem Vornehmen der Einstellungen bietet es sich an, diese abzuspeichern.

Möchte man den MRCC 880 MIDI Router im Zusammenspiel mit einer DAW nutzen, schließt man den Computer an den USB-Port an. Nun stehen innerhalb der DAW jeweils vier virtuelle Ein- und Ausgänge zur Verfügung, die sich genau so routen lassen wie die physikalischen MIDI-Ein- und Ausgänge. So lässt sich jeder angeschlossene Klangerzeuger parallel aus der DAW heraus ansprechen und anders herum über jedes Keyboard spielen.

Conductive Labs MRCC 880

Conductive Labs MRCC 880

Kundenbewertung:
(2)

Die beiden TRS-MIDI-Buchsen sind sehr praktisch, weil sich so auch die Miniatur-Klangerzeuger diverser Boutique-Serien einbinden lassen, die fast alle über TRS-MIDI-verfügen. Statt nun mit Adaptern zu arbeiten, genügt ein entsprechendes TRS-TRS-Klinkenkabel.

Was mir fehlt: Perfekt wäre der Conductive Labs MRCC 880, wenn auch er die USB-Anschlüsse des großen Bruders MRCC besäße. Denn nur so lassen sich moderne Masterkeyboards, die nur über USB-Anschlüsse verfügen, in das Setup einbinden. Gerade die beliebten Mini-Masterkeyboards wie das Arturia MiniLab MKII, AKAI MPK Mini und andere sind dann leider außen vor. Auch Controller wie die Korg nanoKONTROL 2 oder das Novation Launchpad X müssen beim MRCC880 leider draußen bleiben. Möchte man diese ebenfalls einbinden, bleibt also nur der Weg über das mehr als doppelt so teure Mutterschiff Conductive Labs MRCC. Schade, hier hat man meines Erachtens eine Chance vertan, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem kleinen Gerät miteinander zu verbinden. Genügend Platz wäre auf der Rückseite jedenfalls gewesen. Zwei USB-Anschlüsse hätten vermutlich den meisten Anwendern schon gereicht und nicht jeder benötigt die Power der MRCC, die zudem erheblich größer ist als die MRCC880.

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Fazit

MIDI-Routing und -Merging ist auch im Jahr 2022 noch ein Thema und wird es vermutlich auch immer bleiben. Gleiches gilt für die MIDI-DIN-Buchsen, die nach wie vor unverzichtbar sind. Möchte man in einem modernen Studio-Setup ältere Geräte einbinden oder aber ohne Computer Klangerzeuger und Keyboards miteinander kommunizieren lassen, ist das Conductive Labs MRCC 880 die richtige Wahl. Leider gibt es nicht die tolle Möglichkeit des großen Bruders MRCC, auch Geräte mit USB mit einzubinden. Dafür ist der Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router erheblich günstiger als der MRCC und macht zudem auch als MIDI-Interface eine gute Figur. Mit einem Verkaufspreis von 249,- Euro liegt er gleichauf mit anderen Geräten wie dem iConnectivity mioXM, das zwar ebenfalls MIDI-Signale flexibel routen und mergen kann, aber komplizierter in der Bedienung ist. Wenn Conductive Labs in einer Version 2.0 vielleicht noch zwei USB-Buchsen für den Anschluss von Geräten mit USB-MIDI integrieren würden, wäre ich rundum zufrieden. Doch auch so ist der Conductive Labs MRCC 880 MIDI Router schon eine Empfehlung für alle, die im Studio nach wie vor mit Hardware-Klangerzeugern arbeiten.

Plus

  • funktioniert mit und ohne Computer
  • vier Presets
  • einfache Bedienung
  • MIDI-Router, Merger und Interface
  • TRS-MIDI
  • Verarbeitung

Minus

  • keine USB-Anschlüsse für USB-Keyboards und Klangerzeuger

Preis

  • 249,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    AntonAmazona

    Vielen Dank für den Test. Wenn mein betagter AKAI ME30P mal die Segel streicht, kommt der MRCC 880 auf alle Fälle in die nähere Auswahl…🙂

  2. Profilbild
    liquid orange AHU

    Ich nutze schon seit einiger Zeit den grossen Bruder und bin extrem zufrieden damit. Einfacher geht Routing kaum, selbst bei laufendem Sequenzer rasch einen zweiten Synth dazu nehmen oder so, alles kein Problem.

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