Test: Creamware Prodyssey ASB, Sonic Core VA-Synthesizer

2. Oktober 2006

Odyssey wird Prodyssey

Creamware Prodyssey – eine VA-Version des original ARP Odyssey

Nachdem vor einigen Wochen der Creamware Prodyssey im Rahmen eines kurzen Previews vorgestellt wurde, möchte ich mit diesem Review das Gerät etwas eingehender beschreiben. Nach einiger Zeit des Zusammenlebens mit dem Maschinchen hat man das Spielgerät etwas genauer studieren können. Es ist ja oft so, dass man nach den ersten Tagen und Wochen die Begeisterung über eine neue Gerätschaft etwas abgelegt hat, wenn man sie nicht ganz verloren hat. Ich kann diesem ganzen Bericht nur so viel voraus schicken, dass ich nicht müde geworden bin, mit dem Prodyssey zu arbeiten. Und zwar ohne Hektik, in all der Ruhe, die eine gute Unterhaltung mit einem Freund in sich birgt. GUTE Freunde haben Charakter, und sie haben ihre eigenen Ecken und Kanten, die sie so einzigartig machen. Ob der Prodyssey nach meiner bemüht objektiven Wertschätzung zu dieser Gruppe gehört, will ich in den nachfolgenden Zeilen verraten.

Installiert…

…werden muss auch etwas, und zwar die Remote Software. Die Systemvoraussetzungen entnehmen Sie bitte den unten angegebenen Details.

In meinem Fall wurde zum Test ein Pepperbox PC mit Windows XP SP2 (wichtig wegen USB) benutzt. Notwendig ist die Remote Software, um bestimmte Parameter, die auf der Hardwareoberfläche keinen Platz gefunden haben, zu editieren. Zum Spielen und Sound verbiegen brauchen Sie sie eher nicht, schliesslich findet sich alles an der Hardware. Des Weiteren lassen sich auch Klangbänke mit der ASB austauschen und sichern. Auch für ein etwaiges Update des Betriebssystems ist die Remote Software unerlässlich. Für die Klangprogrammierung ist sie insofern hilfreich, dass sie die eingestellten Werte des Prodyssey exakt darstellt. Die Hardware ist nicht mit Motorfadern ausgestattet, was aber schon deshalb nicht als Minuspunkt zu sehen ist, weil das Preisgefüge des Instruments dadurch in einem annehmbaren Rahmen gehalten werden konnte.

Das Gerät macht in seinem Metallgehäuse einen robusten Eindruck, die Holzseitenteile geben der ASB ein schönes Flair. Die Schieberegler und Drucktaster haben auf mich in der ganzen Zeit einen guten und stabilen Eindruck gemacht.

Der Synthesizer…

…selbst ist ganz grob auch ebenso schnell beschrieben. Er bietet subtraktive Synthese und arbeitet wie viele andere kompakte Geräte mit der üblichen VCO-VCF-VCA-Verkettung. Doch halt, dieser Synthesizer hat trotz seines kompakten Aussehens bei genauem Betrachten einige Sachen zu bieten, mit denen die meisten seiner Konkurrenten zu ihrer Zeit nicht aufwarten konnten. Der größte Konkurrent, (man konnte ihn auch als eigentlichen Marktführer dieser Gruppe bezeichnen), der Minimoog, hatte dem ARP Odyssey in Sachen Technik nicht viel entgegen zusetzen, war dafür aber live wesentlich einfacher zu handhaben. Auf diese schon recht komplexen Schaltungen möchte ich gerne näher eingehen, denn sie sind es, die neben dem guten Grundklang des Prodyssey das Gerät von anderen klar abheben.

Beide Oszillatoren stellen als Wellenform Puls und Sägezahn zur Verfügung. Als weitere Klangquelle steht noch ein Noise Generator, umschaltbar zwischen White und Pink, zur Auswahl. Der zweite Oszillator kann zum OSC 1 synchronisiert werden. Gemischt werden diese Signale im Mixer, dessen Produkt dem Filter zugeführt wird. Am Mixer wählt man auch die Wellenform des Oszillators aus, der Noise-Eingang ist umschaltbar auf das ringmodulierte Signal von Osc 1 und 2. Das Filter ist wählbar zwischen dem regulären ARP Filter (emuliert wurde hier das 24 dB-Filter der Mk.II – Generation) und dem Minimax-Filter, wobei als Besonderheit zu beachten ist, dass das ARP Filter bei geöffnetem Cutoff nur die Frequenzanteile bis ca. 12 KHz durchlässt.

Kein Fehler der ASB, sondern ein exaktes Darstellen des originalen ARP Odyssey-Filters. Dass hier ein emuliertes Moog Filter angeboten wird, ist natürlich eine Erweiterung des Prodyssey gegenüber dem Original. So ist es dem Musiker endlich möglich, die komplexen Klänge eines Odyssey noch mit der Klangfarbe eines Moogs zu versehen. Nachgeschaltet ist hier noch ein nicht resonanz- und modulationsfähiges Hochpass-Filter. Das Filtersignal läuft in den VCA. An Hüllkurven stehen dem Prodyssey ein AR- und ein ADSR-EG zur Verfügung. Diese sind nicht fest zugeordnet, sondern können als Modulationsquellen sowohl für Frequenz- wie auch für Amplitudenmodulation eingesetzt werden. Ein LFO mit Puls und Sinus steht ebenfalls zu diesem Zweck zur Verfügung. Hier ist zu erwähnen, dass auch der OSC 1 durch Umschalten als Sägezahn- oder Puls-LFO im Bereich des Sample & Hold-Mixers eingesetzt werden kann. Er ist dann von der „CV-Steuerung“ (hier natürlich technisch vom Note-On/Off-Befehl) eines Keyboards oder Sequencers ausgeschlossen. Sowohl die ADSR-Hüllkurve als auch der LFO können zur Pulsbreitenmodulation beider Oszillatoren herangezogen werden, wobei die Pulswelle auch manuell regelbar ist.

Dieser Sample & Hold Mixer ist eine Besonderheit des Prodyssey, arbeitet Sample & Hold doch nicht in der üblichen restriktiven Form, in dem einzig ein Random-Signal zu einem bestimmten Zeitpunkt abgegriffen wird. Die jeweiligen Wellenformen von OSC 1 (als LFO oder OSC) können an einem Wahlschalter, der Puls von OSC 2 oder Noise am anderen Drucktaster ausgewählt werden. Diese Signale werden gemischt und können über einen Output Lag sogar noch geglättet werden, so das die Sprünge nicht allzu heftig werden. Getriggert werden diese Abnahmen entweder über den eigentlichen LFO oder einen Note-On-Befehl. So lassen sich interessante Steuerspannungen zur Klang- und Tonhöhenmodulation zusammensetzen. Tiefer möchte ich jedoch nicht in die technische Beschreibung des Gerätes abdriften, genaue Beschreibungen lassen sich jederzeit dem bald auf der Creamware-Website zum Download bereit stehenden Manual entnehmen.

MIDI/USB

Das Gerät ist mit dem Dreigestirn MIDI IN, OUT und THRU ausgestattet, darüber hinaus ist noch die Option vorhanden, die MIDI-Verbindung über eine USB-Schnittstelle aufzubauen. Die Parameter haben eine feste Zuordnung zu MIDI Controllern, so dass der Prodyssey über ein Masterkeyboard, eine Faderbox und/oder einen MIDI Sequenzer jederzeit der totalen Kontrolle unterliegen kann. Die Fader- und Drucktasterbewegungen können aufgezeichnet werden, allerdings lässt sich die Ausgabe von MIDI Daten aus der Box auch abschalten. Die Remote Software ist KEINE innerhalb des Software Sequenzers aufrufbare Instanz ähnlich einem VSTi! Wenn die Remote Software vor dem Aufruf von Cubase gestartet wird, unabhängig davon, ob eine MIDI- oder USB-Verbindung besteht, lässt sich die Remote Software allerdings im laufenden Sequenzerbetrieb verwenden. Zumindest hatte ich mit Cubase SX 3.1.1 in dieser Hinsicht keine Probleme.

Im Gebrauch…

…merkt man schnell, wie wichtig echte Fader und Taster sein können, wenn es an Details des Sounds geht. Meine Vorgehensweise seit den ersten Gehversuchen mit dem Prodyssey hat sich bis heute nicht geändert. Den Beginn der Klangprogrammierung, ausgehend von einem für meine Bedürfnisse eingerichteten INIT-Sound, vollziehe ich immer in der Remote Software, weil eben dort die Klangparameter auf Grund der übersichtlichen Oberfläche auf einen Schlag zu sehen sind. Das gilt selbstverständlich auch für die Anpassung vorhandener Presets. Ist der Klang grob eingestellt, gehe ich zur Hardware über, wie ich es vor Jahren an meinem alten Odyssey tat (der hoffentlich irgendwo in Holland immer noch am Leben ist). Und das alte Gefühl ist jedes Mal wieder da, vor allem, wenn man anfängt zu „dudeln“, das Filter zu öffnen, den Einfluss der Hüllkurve auf den synchronisierten Oszillator zu verstärken und und und…aber genau dabei habe ich dann doch zwei kleine Negativpunkte bemerken müssen.

Die Sync-Funktion, die beim Prodyssey angeboten wird, offenbart bei der Modulation des Oszillators mittels ADSR und/oder Sample & Hold-Mixer/Pedal kleine klangliche Schwächen, es klingt ein bißchen unsauber oder „noisy“ gegenüber dem Original. An dieser Stelle möchte ich gleich erwähnen, dass man sich bei Creamware dieses Problems bereits angenommen hat, das Update wird wohl in nicht all zu ferner Zeit kommen.

Die nächste große Freude wollte ich mir bereiten, indem ich den LFO zwecks klanglicher Sample & Hold-Vorstellungen (diese Sektion ist wirklich gelungen, schon seit 1970) zu MIDI synchronisiere, für mich ein ganz normaler Vorgang in der MIDI-Welt. Die Remote Software bietet als Auswahl Hertz oder MIDI beim LFO an, nur reagiert die Einstellung MIDI nur auf die Prodyssey-eigene BPM-Einstellung, von außerhalb hereinströmende MIDI-Clock-Daten interessieren die ASB überhaupt nicht. Und das finde ich nicht gut! Ich hätte mir das zumindest für den LFO und die Delayzeit gewünscht, und darüber hinaus noch für den OSC 1, sobald er als LFO eingesetzt wird.

Da hat sich die Unterlippe doch leicht nach außen gestülpt!

Ich kann zwar die Geschwindigkeit am Sound speichern, nur weiß ich vorher nicht, in welchem musikalischen Kontext ich ihn letztendlich verwende, so dass ich das Tempo ggf. neu programmieren muss.

Gut, bei percussionartigen Klängen nimmt man eben den Key Trigger für Sample & Hold, aber was mache ich, wenn ich meinen Flächensound subtil mit Hilfe des LFO, direkt oder indirekt über Sample & Hold modulieren möchte? Klar, Controllerwerte für Filter Cutoff in den Sequenzer einzutragen wäre eine Lösung, aber das trifft mehr auf die Zeichner unter uns zu, der Livespieler hätte es gern automatischer und einfach synchronisierbar, wie es in vielen anderen Synths enthalten ist. Kommt eine Clock an, wird synchronisiert, ansonsten kommt das interne Tempo zum Tragen. Ich denke, an dieser Stelle sollte noch einmal nach gearbeitet werden! Und auch da bemüht sich Creamware nach deren Bekunden schon um eine kurzfristige Lösung. Dessen ungeachtet werden Sie feststellen können, welchen Reichtum an Lebendigkeit Sie mit diesen Möglichkeiten in ihre Klänge bringen können.

Ein kleiner Wunsch meinerseits wäre noch ein eingebauter Stimmton. Im Standalonebetrieb liesse sich das Gerät beim Programmieren schneller gezielt (ver-)stimmen.

Bleibt noch der Klang des Geräts und der ist unbestritten authentisch, druckvoll und durchsetzungsfähig. Die Effektsektion, die Einstellmöglichkeiten für Chorus/Flanger und ein Stereodelay (Cross- oder Dualdelay) bietet, ist eine nette Dreingabe, mich hätte der rohe Klang dieser Box auch so überzeugt. Was ich in dem Preview geschrieben habe, gilt gleichermaßen heute noch.

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist die Option, ein Pedal anzuschliessen, um Modulationen zu erzwingen. Mit Hilfe dieser Steuersignale ist es möglich, den OSC2 (richtig, den „“Gesyncten“) und/oder den Cutoffpunkt des Filters zu modulieren. Glauben Sie mir, so mancher Gitarrist wird nur noch staunen, was Sie mit dieser Maschine in seinem Revier anrichten.

Fazit

Die Prodyssey ASB ist mit Sicherheit wegen ihres authentischen Klanges und der ausgefuchsten Bedienoberfläche eine Bereicherung des Synthesizermarktes, ob als Lead-, als Bass- oder als Effektsynthesizer. Das Design ist nicht neu, aber die Menschheit ist nun einmal zwei Generationen weiter gewachsen und viele junge Musiker kennen diese Oberfläche nicht wirklich. Das Gerät ist jedem zu empfehlen, der sich nicht scheut, sich auf eine etwas komplexere Maschine einzulassen und ein klares und präsentes Klangbild sucht. Die angesprochenen Wermutstropfen hinsichtlich der fehlenden Synchronisationsmöglichkeiten und des leicht unsauberen Syncs sind durch Softwareupdates abstellbar und somit für mich absolut kein K.O.-Kriterium.

Der Spaßfaktor beim Spielen und Programmieren ist unbestritten hoch, der Prodyssey hat nun einmal diese einladende Bedienoberfläche und man kann nicht die Finger davon lassen. Was passiert, wenn ich diesen Regler aufziehe? Mal diesen Drucktaster checken! Ich denke, dass trotz herausragender Softwareinstrumente immer ein Bedarf an intuitiv bedienbaren Instrumenten vorhanden sein wird, und der Prodyssey dürfte im Rahmen dieser Begehrlichkeiten eine wichtige Rolle spielen.

Ein wirklich hochinteressantes Gerät ist dank Creamware nun auch als Hardwareemulation im Jahr 2006 angekommen, und über solche Leistungen sollten wir froh sein.

Ach ja, gute Freunde sind wir auch geworden!

Plus

  • authentischer Klang
  • interessante Modulationsmöglichkeiten
  • übersichtliche Editierung, auch mittels Software
  • durchsetzungsfähiger Grundklang
  • Wahlmöglichkeit zwischen ARP- und Moog-Filter

Minus

  • fehlende MIDI Clock Verarbeitung
  • Syncsounds klingen leicht unsauber

Preis

  • 1.370,-- Euro im Soniccore Online-Shop
  • (Stand Oktober 2009)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Organist007  

    Habe vor ein paar tagen den prodyssey recht günstig erworben, da ich auf softsynths nicht so stehe – muß sagen, ein beeindruckendes gerät,echt liebevoll nachempfunden auch die oberfläche – eine wahre freude !

  2. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Der Prodyssey ist auf jeden Fall der Beweis dafür, dass die Odyssey-Oberfläche auf ein 19″-Gerät passt. Da für mich Bedienung und Sound zählt (nicht die Synthese-Art), ist er eine passende Alternative zum KArp…

    • Profilbild
      costello  RED

      Der Prodyssey ist ein großartiges Instrument, bei dem man wirklich vergessen kann, einen VA unter den Fingern zu haben. Ich finde allerdings, dass Minimax und Pro 12 als reine Repliken ihrer berühmten Vorbilder noch besser gelungen sind. Die Klangähnlichkeiten sind beim Prodyssey – für meine Ohren – etwas geringer. Da kommt der Korgnachbau näher ans Original heran. So ist z.B. der Sync-Sound à la Billy Currie leider keine besondere Stärke des Prodyssey. Trotzdem hat das Instrument auch Profis wie Dave Formula überzeugt: der frühere Keyboarder von Magazine und Visage hat sich einen customized Prodyssey mit Tastatur bauen lassen.
      Ich würde meinen Prodyssey nicht mehr hergeben wollen. Seine Polysounds mit Portamento – ein Traum! Und in Kombination mit einem Axxe klingt’s schon fast wie ein ARP Quadra.

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